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∆ FAQ – Häufig gestellte Fragen ∆

Heute darf ich euch etwas Besonderes präsentieren – ich durfte ein Interview machen und kann mir vorstellen, dass euch das auch interessiert!

Hallo und willkommen bei „Große Menschen in großen Ländern“! Heute mit Katharina aus dem kleinen Österreich.

Danke für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute und hier über meine ersten Erfahrungen in Argentinien, diesem riesengroßen Land, zu sprechen.

Eine selbstgestempelte Karte für Gastóns Mama

Der Name dieses Formats lässt es ja schon anmuten: Bist du größer als alle Menschen in Argentinien?

(Seufzt) (lacht) Nein. So schlimm ist es auch wieder nicht. Auch, wenn Gastón mich vorbereitet hat, dass ich die Gringa [Anm: so werden die weißen Europäer*innen hier bezeichnet] sein werde, weil ich so viel größer als der Rest der Bevölkerung sein werde. Dass ich größer als viele Menschen hier bin, das fällt mir zwar auf, aber die Stadt ist so groß, da kann man das nicht verallgemeinert sehen.

Wo bist du denn gerade?

In diesem Moment sitze ich auf meiner Seite des Schreibtischs. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich einen großen Baum und ein paar Häuser. Die Gegend hier ist wunderschön! Ein Vorort von Buenos Aires, eine kleine Stadt, die zur Provinz Buenos Aires gehört: Martinez. Hier leben die Menschen sehr ruhig, viele Häuser mit kleinen Gärten, Lebensmittelläden an fast jeder Ecke, Bäckereien, Gemüseläden und Trafiken.

Der Blick aus dem Fenster

Und wie ist es dort?

Gemütlich! Nicht viel los, aber wenns mehr sein soll, müssen wir nur den Bus nehmen und ein paar Stationen fahren, dann sind wir im Trubel der (Groß-)Stadt. Bisher waren wir nur einmal in Capital, also der Stadt Buenos Aires. Ansonsten haben wir uns hier herumgetrieben, haben viel Familienzeit gehabt und versucht, die Gegend zu erkunden.

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In Argentinien ist ja jetzt Frühling, wie kann man sich das Wetter vorstellen?

Ach, diese Frage habe ich bereits einige Male gestellt bekommen. Und ich antworte immer das Gleiche: Es fühlt sich an wie ein schöner Herbst in Österreich. Sobald die Sonne herauskommt, ist es warm, ohne Pullover wird es aber zu kalt. Wenn es regnet, regnet es wie Sau …

Bitte, diese Ausdrucksweise! Ein bisschen gehobener, wenn ich bitten darf.

Naja, wenns so ist. Und meine Leser*innen kennen mich ja. Dadurch, dass ich hier selten bis gar nicht Deutsch spreche, genieße ich diese Ausdrucksweise umso mehr.

Wenn wir schon beim Thema angekommen sind, wie gehts mit der Sprache und der Verständigung?

Immer besser! Also ich verstehe relativ viel, vor allem, wenn ich nur Zuhörerin bin. Wenn ich auf Spanisch antworten soll, werd ich immer ein bisschen nervös. Da Gastón und ich Englisch sprechen, nutz ich das auch als eine Ausrede, aber ich bin gewollt, Spanisch zu lernen. Ich hab mir so eine App runtergeladen und mit der üb ich fleißig. Ansonsten richt ich mir wunderschöne Sätze im Kopf her – und stellt euch vor, manchmal sprech ich diese sogar aus!

Gastóns Papa spricht ein bisschen Englisch, das macht die Verständigung noch einfacher. Seine Mama erklärt mir viele Dinge, ich kann folgen und lerne dadurch immer mehr. Es gibt Momente, in denen merke ich, dass ich nicht wirklich verstanden habe, worum es geht, wenn Gastón und ich danach über etwas sprechen und ich eine komplett andere Geschichte im Kopf habe. Aber gut, ich hab ja Zeit.

Was war denn das bisher berührendste Erlebnis in Buenos Aires?

Für mich war es die Geburtstagsfeier von Gastóns Papa. Die war am Samstag, also zwei Tage nachdem wir angekommen sind. Für mich war es so interessant und auch sehr herzerwärmend, an einem Fest in einer – meiner argentinischen – Familie teilzuhaben. Es wurde gekocht und gegessen, gestritten und gelacht. Wie das nunmal so ist, wenn Familie zusammenkommt. Es war schön zu sehen, wie ähnlich und gleichzeitig komplett anders Familien sein können.

Gastón hat einen Bruder und zwei Schwestern, wobei eine davon weit weg (in Patagonien) wohnt. Die andere Schwester war mit ihrem Sohn hier, mit Gastóns Bruder waren wir vor der Feier noch Geschenke einkaufen – hat sich angefühlt wie Weihnachten. Der Tag hat mich sehr berührt – ich war fremd und zugleich so nahe und wurde von allen mit offenen Herzen angenommen. Aber ich muss zugeben, an solchen Tagen fehlt mir meine Familie daheim sehr (sehr).

Ein fesches Familienfoto – der vordere Kuchen war extra für uns!

Hast du viel Kontakt mit deiner Familie?

Ja, wir schreiben viel und auch das Videotelefonieren klappt ganz gut. Ich bin also am Laufenden, was zuhause passiert und sie wissen auch, was hier so los ist.

Wir haben gesehen, dass du ein Fahrrad hast! Erzähl uns die Geschichte!

(Lacht) Ja, das stimmt. Ach, was für eine Freude! Das Fahrrad haben wir im Keller im letzten Winkel gefunden, es herrichten lassen und dann sind wir gleich ein paar Runden gefahren. Mein Rad ist wunderschön und ich liebe das Gefühl, die Gegend damit zu erkunden. Wir haben gleich einen Ausflug zum Rio de la Plata gemacht, dem weitesten Fluss der Welt. Der schaut aus wie das Meer, ist aber ein Fluss. So schön ist es dort! Da werden wir noch viele Stunden verbringen, das ist sicher.

Mein Raaadl

Wir wissen aus sicheren Quellen, dass du ein Fan guten Essens bist. Welche kulinarischen Erfahrungen hast du bisher gemacht?

Da wir unser Essen meist selbst kochen, ist es nicht so viel anders, als daheim oder auf Reisen. Was aber anders ist, ist das Einkaufen! Ich liebe es, zu Felipe (dem Gemüse- und Obsthändler unseres Vertrauens) zu gehen, und die Lebensmittel frisch einzukaufen. Zugegebenermaßen habe ich das bisher erst einmal gemacht, aber dieses Mal wird sich wiederholen. Ansonsten kocht Gastóns Mama auch manchmal extra was Veganes für uns oder wir gönnen uns irgendwo eine Kleinigkeit. Empanadas zum Beispiel! Ohhh was für eine wundervolle Erfindung! Gefüllte Teigtaschen, liebevoll zusammengeknetet. Oder die Kekse, Vollkornhaferschokolade, die die besten sind, die ich bisher in meinem Leben gegessen habe. Einmal waren wir in einem Teehaus und haben den ganzen Nachmittag über alles Mögliche redend und mit Waffeln und Tee genießend verbracht. Wunderbar!

Mein Lieblingsgemüse hier: Zapallito
Hier die hübschen Kekse – in allen Geschmacksrichtungen

Apropos reden – ihr verbringt jede Minute miteinander, habt ihr da schon noch Themen zum Reden?

Ja, und ob! Dadurch, dass ich Gastóns Vergangenheit jetzt kennenlerne und die Vorstellungen, die ich bisher nur durch Geschichten hatte, jetzt in echte Bilder umgewandelt werden, haben wir so viele Themen zu besprechen. Wir gehen durch Straßen und er erzählt mir, dass das eine Haus sein Kindergarten und das andere die Schokoladenfabrik war. Auch so reden wir viel über die Zukunft, wie wir auf kürzere oder längere Sicht weitermachen wollen. Und das ist sehr beflügelnd, wir haben viele gemeinsame Pläne, viele Ideen und Visionen. Unsere Beziehung wird durch dieses Abenteuer hier auch noch einmal tiefer, was ein wunderschöner Nebeneffekt des Ganzen ist.

Wir am (im) Fluss

Ein runder Abschluss für dieses Gespräch. Gibt es etwas, das es noch loszuwerden gilt?

Naja, wie ich immer zu sagen pflege: Das Leben ist schön! Auch, wenns manchmal einfacher wäre, zuhause im gewohnten Umfeld zu sein und alles so zu haben, wie ich es kenne und mag. Aber dafür bin ich ja nicht hier. Ich lerne und lerne kennen und die Erfahrungen, die ich hier mache, machen etwas mit mir. Das merke ich bereits jetzt, nach dieser kurzen Zeit.

Hier waren wir in einem wunderschönen Naturreservat

Danke für dieses ehrliche Gespräch.

Danke für die Einladung, immer wieder gerne.

——–

Ich weiß nicht, wie es euch beim Lesen gegangen ist – ich habe beim Schreiben immer wieder laut aufgelacht. Ich bin halt einfach lustig. Das muss ich schon zugeben.

Besitos desde Argentina,

• K •

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∆ Wasserliebe ∆

Wir sind in Argentinien! In diesem Moment sind wir in Puerto de Iguazú, eine kleine Stadt mit einer riesigen Attraktion: den Iguazú-Wasserfällen. Aber bevor ich darüber schreibe, beginne ich an dem Punkt, an dem wir stehengeblieben sind.

Also. Unsere Zeit in Brasilien ist vorbei. 5 Wochen in diesem unglaublichen und großen Land und wir haben einen Bruchteil dessen gesehen, was es wohl brauchen würde, um das Land zu verstehen. Ich kann schwer sagen, „wie Brasilien ist“. Aber ich kann sagen, dass ich jetzt nach dieser Reisezeit, ganz viele Bilder, Gefühle und Verbindungen zu Brasilien habe. Und das ist wunderbar.

Dieses kleine Freundchen hat uns in Paraty im Garten besucht

Die Strecke, die wir in dieser Zeit zurückgelegt haben, ist klein. Und trotzdem bedeutete es für uns lange (und anstrengende) Wege in Autos, Bussen und Schiffen – und sogar im Flugzeug. Von Rio de Janeiro auf die Ilha Grande, nach Paraty und Ubatuba (einer feinen, mittelkleinen Stadt am Meer mit so so netten Hosts – also einer Familie, die Zimmer vermietet! Was für ein Glück, immer wieder auf Menschen zu treffen, die einfach einfach sind und mit denen das Reden so viel Freude macht!) und von dort auf Umwegen in den Bergen im Bus nach Sao Paulo.

Ja, manchmal ist es anstrengend, dieses Reisen

Eigentlich wollten wir von dort einen weiteren Bus nehmen, der uns zu den Wasserfällen hier bringt – eigentlich. In unserem Kopf eine einfache Vorstellung – auf der Landkarte sind dann aber die Dimensionen sichtbar geworden: Das hätte um die 20 Stunden im Bus gedauert. Unglaublich! So weit und doch ist es „nur“ so eine kleine Strecke in diesem riesengroßen Land. Also haben wir ein Flugzeug genommen und sind nach Iguazú auf der brasilianischen Seite geflogen.

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Und das erklär ich euch jetzt nochmal genauer, weil ich es selbst so interessant finde und mir vorstellen kann, dass wenige von euch (genauer) von diesem Fleckchen Erde wissen. Das erste Mal, dass ich von den Iguazú-Wasserfällen gehört habe, war letztes Jahr irgendwann. Gastón hat mir davon erzählt und war wirklich verwundert, warum ich noch nie zuvor irgendetwas darüber gehört, gelesen oder gelernt habe. Die Niagara-Fälle kennt man, die in Iguazú nur, wenn jemand, den man kennt, dort war. So ist zumindest meine Einschätzung.

Rangerin Kathukan mit ihrem Kollegen Ranger Quatiston

Diese Wasserfälle sind in einem Nationalpark, der von zwei Seiten besucht werden kann: der brasilianischen und der argentinischen. Getrennt werden die Länder durch einen Fluss, der praktischerweise eine „natürliche“ Grenze darstellt. Zudem liegt diese Gebiet sogar auf der Dreifachgrenze, Paraguay schließt sich hier auch noch noch an. Sehr spannend, find ich.

Auf jeder Seite der drei Länder gibt es so ein Denkmal

Naja und so kommt es, dass wir den Nationalpark zuerst auf der brasilianischen Seite und zwei Tage später auf der argentinischen Seite besucht haben. Und beide Male waren der absolute Hochgenuss an Naturspektakel!

Die brasilianische Seite ist viel größer aufgezogen, mit Warteschlangen beim Eingang, die sich sehen lassen. Aber nach einiger Zeit Warten und einer kleinen Busfahrt zur ersten Aussichtsplattform, zeigte sich die unvergleichbare Schönheit der Wasserfälle. Dieser Moment hat mich so berührt. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas gesehen. Insgesamt sammeln sich ca. 380 Wasserfälle in dieser ganzen Region. Und entlang der Trilha (also des Pfades) haben sich immer wieder Möglichkeiten angeboten, die Wasserfälle von näher oder ferner zu bestaunen.

Hier ein Über-Blick

Am Ende des Weges dann das Highlight: Auf einer Plattform, die direkt über einem der großen Wasserfälle gebaut ist, konnten wir die Kraft des Wassers so richtig, richtig spüren: Klitschnass und voller Ehrfurcht (Alex, das ist es wirklich, was diesen Respekt vor der Natur am treffendsten beschreibt!) sind wir dort gestanden und haben uns des Lebens und dieses wundervollen Ereignisses erfreut.

Wasser Wasser Wasser

Und wie gesagt, zwei Tage und eine kleine und unorganisierte Busfahrt über die Grenze nach Argentinien später, haben wir die Wasserfälle von einer ganz anderen Seite kennengelernt: im Nationalpark in Argentinien. Weniger Disneyland, mehr Nähe zur Natur, so könnte man diesen Park beschreiben. Und das Erlebnis: unbeschreiblich. Und trotzdem versuche ich euch einen kleinen Einblick in das zu geben, was wir erleben durften.

Beeindruckt, glücklich, überwältigt

Gestartet sind wir auf einem Pfad durch den Dschungel, relativ früh am Morgen. Von Vogelgezwitscher begleitet, entlang über Brücken und an interessanten Tieren vorbei (Quati – eine Mischung aus Wasch- und Nasenbär, sehr witzige Tierchen, die sich aufgrund der einfachen Nahrungsbeschaffung immer dort herumtreiben, wo auch Menschen sind – sie fressen alles, was beim Essen runterfällt, oder stibitzen sogar Essen aus den Taschen!) – bis wir uns plötzlich mitten über einem Wasserfall stehend wiedergefunden haben.

Hier ein anderes kleines Freundchen – ein Quati
Unfassbar beeindruckend!

Ihr könnt euch das so vorstellen: Auf der einen Seite befindet sich Dschungel, ein Fluss fließt gemütlich seinen Strom entlang. Umgedreht auf die andere Seite blickend, reißt das Wasser nach unten, meterweit, die Massen scheinen über die Kante hinwegzuschießen, unten brodelt und schäumt es, die Wasserpartikel kommen als Dunst nach oben, bei Sonnenschein entstehen Regenbögen, die Natur zeigt sich in seiner vollen Pracht.

Einer meiner allerliebsten Lieblingsmomente – Regenbogenwassertropfengefühle

Und so geht dieser Pfad weiter – einmal über Brücken und Plattformen den Wassermassen von oben zuschauend, einmal so nahe dran am fallenden Wasser, dass es unausweichlich ist, nass zu werden. Ich sags euch, so so so beeindruckend! Und als würde das nicht reichen, bieten sich so wundervoll schöne Landschaften – Palmen entlang am rostroten Wasser (die Erde hier ist rot), Inseln im Wasser, riesengroße Blätter und das Grün des Dschungels. Oben fliegen die Vögel, herunten spielen Affen miteinander. Ein Naturschauspiel der Sonderklasse!

… wie dankbar ich bin, das erlebt haben zu dürfen

Es gibt einen Teil der Wasserfälle, der wird Teufelsschlucht genannt. Und als wir dort waren, habe ich das auch verstanden: In einem Kreis angeordnet befinden sich die Wasserfälle nebeneinander und das Wasser, das nach unten fällt, kommt in Wolkenform wieder nach oben – wie ein schäumender Vulkan, wie ein Hexenkessel mit brodelndem Inhalt. Und obendrein das Getöse der fallenden Wassermengen. Einer der absolut größten und bleibendsten Eindrücke auf unserer – wenn nicht all meiner – Reisen bisher, die Wasserfälle von Iguazú.

[wpvideo gq8QG9G1 ]

Schaut euch diese Wassermassen an!

Jetzt sind wir wie gesagt noch im Nordteil von Argentinien, in ein paar Stunden geht es auf den Weg nach Buenos Aires, wo ich Gastóns Familie kennenlernen werde. Dort werden wir – so stellen wir uns es jetzt im Moment zumindest vor – auch ein paar Monate bleiben.

Wir sind mittlerweile in Buenos Aires angekommen, Gastóns Eltern haben uns abgeholt – ach, war ich nervös! Aber, alles gut gegangen hab mein Spanisch ausgepackt , ein bisschen was kann ich ja mittlerweile schon sagen. Wir haben dann gemeinsam zu Abend gegessen, mit Gastóns Papa hab ich ein bisschen Englisch gesprochen, was doch noch ein bisschen besser geht, als Spanisch. Ich freu mich jetzt aufs Erkunden der Gegend, es ist wirklich schön hier – in einem Vorort von Buenos Aires, mit vielen Häusern und ganz vielen Pflanzen – und vor allem, dem Zuhause von Gastón.

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Ich meld mich wieder.

• K •

Ach, ich bin so so so dankbar
achtsam · allgemein · reisend

∆ Essenzielligkeiten ∆

Es gibt sie. Und es sind nicht viele. Für alle ein bisschen unterschiedlich, aber irgendwie auch wieder sehr ähnlich. Die essenziellen Dinge, die wir alle machen und brauchen. Die sogenannten Essenzielligkeiten.

Ein Blick beim Spazieren in die Stadt.

Ich denke viel darüber nach, was wir denn wirklich brauchen. So Reisen sind ja bekannt dafür, dass man zurückkommt und sagt, dass man das alles ja gar nicht gebraucht hätte und mit so wenig ausgekommen ist. Ja, das denk ich mir manchmal. Aber Gewand und Schuhe allein meine ich gar nicht. Ich meine das ganz Paket.

Mit wenig auskommen. Ob das jetzt im Haus ist oder beim Reisen. Zu-hause oder unter-wegs. Und es geht auch nicht um den minimalistischen Touch per se. Es geht nicht darum, einfach weniger zu haben und zu tun. Es geht bei diesem – meinem – Gedanken darum, die essenziellen Dinge herauszufiltern in der Menge der Dinge, die wir haben und brauchen und tun und sind.

Hier ein Ausblick aus einem Buchcafé. In brasilianischen Farben.

Diese Essenzielligkeiten, was meint sie nun genau damit, werdet ihr euch jetzt bestimmt fragen. Ich denke dabei an ganz basale Dinge, wie Luft und Wasser und Sonne und Nahrung. Und so banal das jetzt auch klingt – diese Dinge sind so, so wichtig für uns. Für mich.

Luft und atmen erinnert mich ganz besonders an die Städte, die wir bisher bereist haben. Das fällt mir dort nämlich schwer. Und gute Luft zu atmen ist sehr essenziell. Es schafft Raum und macht frei. Frische Luft zu atmen – ob das im Dschungel, am Meer oder am Balkon mit Blick auf die Berge ist, ist wichtig für mich.

Das Meer, die Luft, der Nebel. So wohltuend.

Wasser trinken und darin sein und Wasser auf der Haut spüren und Wasser sehen. So ähnlich ist es dann auch mit der Sonne. Darin wird zu darunter. Und trinken tun wir sie ja gewöhnlich mit der Haut. Oder irgendwie so. Wichtige, essenzielle Dinge also.

Nahrung fällt mir immer mehr auf. Da wir uns ja rein pflanzlich ernähren, liebe ich es, frische Früchte und Gemüse zu kaufen und es dann zu verkochen. Ich liebe es auch, durch den Supermarkt zu schlendern und uns alternative Rezepte einfallen zu lassen, für Dinge, die es hier so einfach nicht gibt. Schokolade ist so ein Thema. Die gibt es in Massen, aber überall ist Milch drinnen. Und Zucker, so viel Zucker. Also schaffen wir uns mit Energiekugerl Abhilfe – die machen wir mit Haferflocken und Bananen und Kakao und Rosinen und Nüssen und Samen und allem, was uns sonst noch so in die Quere kommt und reinpasst. Wir kochen auch so jeden Tag mindestens einmal und genießen das Essen sehr. Nahrung also. Sehr essenziell. Überlebenswichtig und dann auch noch so gut, dass das Kochen bei uns selbst auf Reisen einen großen Teil der Lebensqualität ausmacht.

Hier gönnen wir uns ein feines veganes Essen am Meer.

Ein paar Dinge, die für mich jedenfalls auf die Liste der Essenzielligkeiten gehören, sind Farben, Spielen, Bewegen und Schlafen.

Farben sind schnell erklärt: Sie machen mich ruhig und inspirieren mich im gleichen Moment. Sie beschreiben viel mehr als Worte das oft tun können. Sie passen und passen nicht zu einander und laden zum Staunen, Schauen, Genießen, Wahrnehmen, Spielen ein. Ich mag Farben. Und ich mag die Stadt, in der wir gerade sind: Paraty. Weiße Häuser mit farbvollen Fenstern und Türen. Ein Haus neben dem anderen. So viele Farben auf einen Blick sichtbar. Wunderschön!

Eine Straße in Paraty

Spielen ist so ein weiterer essenzieller Punkt, der auf dieser Liste nicht fehlen darf. Immer wieder merke ich, wie wach und im Moment ich bin, wenn wir irgendwas spielen. Und mit spielen meine ich dieses Wort im weitesten seiner Sinne. Entdecken und Suchen, Staunen und Beobachten. Leise und laut, schnell und langsam sein. Laufen und Musik und lustig Bewegen. Gestalten und Erschaffen. All das gehört zum Spielen. Und all das macht mich so richtig wach- und achtsam und gehört daher auf die Liste der Essenzielligkeiten.

Bewegung hab ich eh schon kurz angesprochen – ich habe vorhin gerade mit Gastón darüber gesprochen, dass ich keine Dinge so wirklich tun muss. Ich muss nichts gesehen oder angeschaut haben. Aber ich will mich bewegen. Jeden Tag. Im Kleinen und im Großen. Bewegen und bewegt werden. Ich merke, wie unzufrieden ich werde, wenn ich mich nicht bewege – und wie sehr es mich ausgleicht, sobald ich mich dann bewege.

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Schlafen. Ja. Natürlich. Ohne Schlaf könnten wir ja auch nicht lange überleben, ich weiß. Das ist ja nichts Neues. Aber Schlafen, wann und so lange ich will. Auch am Nachmittag mal, wenns so sein soll (gerade heute bei Gewitter und Regentropfgeräuschen hab ich das Schlafen so sehr genossen!). Schlafen hat seinen ganz eigenen Zauber. Ich schlafe gut, meistens und überall. Das ist ein großes Privileg, merke ich immer wieder. Und gerade deshalb ist Schlafen so essenziell. Und was da irgendwie auch dazugehört, ist Ruhe. Wie wichtig Ruhe oder sogar Stille ist, merke ich, wenn wir an Orten sind, die Ruhe und Stille ausstrahlen und haben.

Der Ausblick von unserem Balkon

Ganz wichtig auf dieser Liste der Essenzielligkeiten: Etwas oder jemand, der oder das das Herz berührt. Gerade gestern Abend waren wir bei einer Theatervorstellung. Ein ganz kleines Theater, das seit mehr als 40 Jahren Puppentheater macht. Wie wunderschön es war, einzutauchen in diese fantastische Welt. Wie berührend manche Bewegungen und Geschichten waren! Inspiration und Augenöffner gleichzeitig. Essenziell, ganz, ganz wichtig.

[wpvideo iQpeYROj ]

Zu guter Letzt – Menschen. Ich mag Menschen grundsätzlich, nur manches Mal und in manchen Konstellationen sind sie mir zu viel. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Aber so eigentlich und überhaupt sind sie einfach wichtig im Leben. Vor allem Kinder. Essenziellst. Wir leben hier in Paraty mit einer brasilianischen Familie zusammen und haben uns anfangs etwas schwer getan, einen Draht zu ihnen zu bekommen. Ein bisschen entmutigt und mutmaßend über die Situation der Familie, haben wir das so hingenommen und gesagt, dass das jetzt einfach so ist und wir eh keinen Kontakt haben müssen.

Aber ganz gut hat sich das nicht angefühlt. Gastón kann zum Glück ein bisschen Portugiesisch und so haben wir es gestern – am dritten Tag – geschafft, eine kleine Verbindung aufzubauen. Und damit war das Eis gebrochen. Die Atmosphäre ist entspannter, auf beiden Seiten. Es tut gut, sich mit Menschen zu verbinden. Wir sitzen in der Küche, Kinder und Hunde gehen ein und aus. Die Tochter hat einen Kuchen gebacken, Freundinnen sind zu Besuch. Es ist ein buntes Treiben und wir sind nebenbei mit dabei.

Kleine Aufmerksamkeit

Und die Essenz dieses Textes? Es gibt viele Essenzielligkeiten und im Endeffekt sind es dann gar nicht so viele. Tut gut, sich darüber mal Gedanken zu machen. Wenn mir noch etwas einfällt, lass ich es euch wissen. Das war ein sehr schneller und einfacher und inspirierter Text. Ach, wie sehr ich es liebe, zu schreiben. Dinge zu tun, die ich liebe. Eine Essenzielligkeit.

Schön, dass ihr mich lest.

• K •