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∆ Danke, 2018 ∆

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

Jänner in Berlin.

Du hast viele Überraschungen für mich bereitgehalten. Du hast mich viel erkennen lassen, viel erleben lassen, viel sein lassen.

2018, du hast in Berlin begonnen und endest in Buenos Aires. Du hast mich viel reisen lassen – viele Male nach Berlin, daheim in die Berge und und zu den Seen, dazwischen nach Sardinien, nach England und Schottland, an die Ostsee, nach Brasilien und Argentinien.

Du hast mich feiern lassen, mit Menschen, die ich liebe. Du hast mir Zeit geschenkt, wertvolle Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte.

Februar in Eugendorf.

Du hast es mir manchmal sehr leicht gemacht, mir die Antworten auf meine Fragen ganz offensichtlich gezeigt. Andere Male hast du mich nachdenken lassen, zweifeln und neudenken, entscheiden und Konsequenzen tragen lassen. Du hast mich gefordert, in vielerlei Hinsicht.

März in Rauris.

Du hast mich genießen lassen. Das Leben und die Momente, das Essen und die kleinen Dinge zwischen den großen.

Du hast mich kreativ sein lassen, in jeglicher Hinsicht. 2018, du warst ein Jahr voller gestalterischer Momente – ob kochen, reisen, stempeln, schreiben, musizieren oder spielen, all das war Teil meiner Tage.

April in Berlin.

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

Du hast mir viel, viel Freiraum gegeben und mich bestärkt, diesen Nicht-Rhythmus, diesen Nicht-Alltag aufzusaugen und in vollen Zügen (und leeren Bussen) zu genießen. Du hast mir bewusst gemacht, was für ein Luxus es ist, so viel freie Zeit zu haben und so viel reisen zu können.

Mai in Sardinien.

Du hast mich auch gelehrt, feinfühliger zu sein. Mir und meinem Körper gegenüber, den anderen Menschen und ihren Geschichten gegenüber. Ich habe gelernt, dass Zuhören manchmal (oft!) einfach viel hilfreicher sein kann, als jeglicher Rat.

Du hast mich ganz viel spüren und fühlen lassen. Vieles davon war gut, manches anstrengend. Aber immer habe ich gemerkt, dass ich so vieles bin. Dass mein Ich aus ganz vielen Facetten und Gefühlen besteht. Und dass diese Dinge be- und genannt werden dürfen und sollen. Auch das hast du mir gezeigt. 2018, du warst ein Jahr voller Gespür und Ausdruck.

Juni in Berlin.

2018, du hast mir immer und immer wieder aufgezeigt, dass ich mir selbst nicht alles glauben brauche. Dass ich manchmal die Idee von etwas lieber mag, als die tatsächliche Realität. Und dass es gut ist, loszulassen von Ideen und die Realität zu leben, auch das hast du mir weisgemacht.

Dass ich die kostbaren Momente schätzen soll und die Feinheiten dieser mit vollstem Herzen genießen kann, auch das hast du mir in den unzähligen Momenten in der Natur, am Berg, im Wald, im Wasser und mit meinen allerliebsten Menschen immer wieder gezeigt.

Juli am Berg.

Du hast mich viele Entscheidungen treffen lassen – mit Gastón eine Beziehung zu führen, mit der Uni aufzuhören, mich vegan zu ernähren, nach Südamerika zu reisen, hier zu heiraten. All das waren und sind große Entscheidungen, die ich 2018 getroffen habe. Die vielen kleinen zwischendrin sind da gar nicht dabei!

August unter der Linde.

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

September in Brasilien.

Du hast mich ganz intensive Gespräche mit unterschiedlichen Menschen führen lassen. Hast mich zu Orten und Menschen geführt, in ihren Gedanken und Geschichten mithorchen lassen, hast mir ganz klar gezeigt, dass es immer mehr als eine Wahrheit gibt und dass auch meine nur eine davon ist.

Oktober unterm Regenbogen.

Du hast mich Ideen verwirklichen lassen, mir weitere Ideen in den Kopf gesetzt und Visionen, die in mir leben, wichtig nehmen lassen.

Du hast mich mit Altem abschließen und mit Neuem beginnen lassen. Hast mir Zeit gegeben, Altes zu verarbeiten und Platz für Neues zu machen. Neue Menschen, neue Gedanken, neue Ideen, neue Räume. Du hast mich auch verabschieden lassen von Menschen, die ich sobald nicht mehr wieder sehen werde. Und du hast mir ganz viele neue Menschen gebracht. Menschen, die ich meine Freunde und meine Familie nenne.

November in Buenos Aires.

2018, ich bin dir so dankbar für all diesen Zauber, diese Magie, diese Überraschungen, diese Funken, diese Ruhe, diese Zeit, diese Begegnungen, diese Eindrücke. All das werden Erinnerungen, die mich an dich, 2018, zurückdenken lassen werden. Mit einem warmen Gefühl im Bauch, einem Grinsen im Gesicht und Glänzen in den Augen.

Dezember in Patagonien.

Denn du, 2018, warst das beste 2018, das ich jemals erlebt habe.

Ein Gedanke für 2019.

Ich wünsch euch einen guten Start in das beste 2019, das ihr jemals haben werdet.

• K •

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∆ Patagonienzeit ∆

In diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Zelt, mit Blick auf einen Fluss. Neben mir spielt Gastón auf der Ukulele, über uns tropfen die Regentropfen auf das Zeltdach. Im Zelt neben uns schlafen Marianela und Luis, Gastóns Schwester und ihr Freund. Wir sind in Chile und wie wir hierher gekommen sind, das ist eine gute Geschichte.

Ein Luxus, dieser Ausblick!

Begonnen hat das Abenteuer letzte Woche am Montag. Nachdem wir unseren Hochzeitstermin festgelegt haben, haben wir kurzerhand entschlossen, dass wir unseren Wunsch in die Wirklichkeit umsetzen und nach Patagonien reisen. Gastóns Schwester lebt hier und so haben wir Kontakt aufgenommen und ausgemacht, dass wir sie besuchen kommen. Patagonien ist – wie irrtümlich viele glauben – kein eigenes Land, es ist eine große, große Region im Süden Argentiniens und Chiles, geprägt von Bergen, weiter Natur, Seen und anderen Naturschönheiten.

Diese Landschaft und 90 Tage mehr in Argentinien, sehr praktisch, so ein Trip nach Chile!

Am Donnerstag gings mit dem Flieger nach Bariloche, von dort mit dem Bus zwei Stunden in den Süden. Durch wunderbarst schöne Landschaften tingelnd, über Berge und an Seen vorbei zu Gastóns Familie in den Bolsón. Dort angekommen, hat uns Gastóns Neffe, Piltri, abgeholt und wir sind zu ihm nach Hause. Piltri ist 22 und lebt mit seiner Freundin und deren kleiner Schwester in einem kleinen, selbstgebauten Haus. Außerdem lebt dort noch Gastóns Nichte, Acayu und deren Vater und noch dazu ein paar andere Leute.

Hier mit Acayu und Piltri

El Bolsón ist bekannt für sein Hippieflair – viermal in der Woche findet ein Kunsthandwerksmarkt statt, viele Aussteiger leben dort und auch sonst ist alles recht gemütlich.

Hippig, oder?

Gastón und ich haben neben der so feinen Familienzeit (für 7 Leute kochen und gemeinsam an einem großen Tisch essen, das fühlt sich einfach immer an wie Weihnachten!) auch die Gegend erkundet.
Das folgende Video ist bei einem Abendessen entstanden – da haben wir uns sehr über die deutsche Sprache – und im Besonderen über das Wort „Kaulquappe“ amüsiert. Aber seht selbst:

[wpvideo Z3UQqzpk ]So waren wir an einem Tag in einem kleinen Park mit Aussichtsplattform über die patagonische Landschaft. Den Samstag haben wir Mate trinkend und Muffin essend am Markt verbracht – wo auch Gastóns Schwester ihren Schmuckstand hat. Das war auch das erste Mal, das ich sie kennengelernt habe.

Marianela mit ihrem Schmuck – den findet ihr übrigens auf Facebook unter „El arte de la Flor“

Am Sonntag sind Gastón und ich dann in einen anderen Nationalpark gefahren: Lago Puelo. Und dort hat es mich fast umgehauen vor lauter Schönheit! Der See, die Farbe des Wassers, die Berge, die Bäume, die Landschaft. So atemberaubend schön! Ich hab ein bisschen geweint, weils so schön war.

Ist das nicht wahrhaft ein Traum?

Wir sind auf einen kleinen Berg gestiegen und haben von oben die Landschaft genossen – eine Stunde lang sind wir in der Sonne gelegen, haben die Wolken beobachtet, dem Wasser zugeschaut und uns immer wieder freudestrahlend angeschaut: Wir sind in Patagonien!

Der Lago Puelo – eine Naturschönheit!

In El Bolsón haben wir eine ganz besondere kleine Dame kennenlernen dürfen: Jazmín. Sie ist die Schwester von Paloma (der Freundin von Gastóns Neffen Piltri) und 6 Jahre alt. Jazmín hat eine so so liebe Art und wir haben sehr viel Zeit mit ihr verbracht. Meistens spielend oder irgendetwas in der Natur entdeckend. Eine wahre Freude, mit einem so feinen Menschen Zeit zu verbringen. Generell haben sich alle so lieb um uns gekümmert, gekocht, unseren Geschichten gelauscht, von ihrem Leben erzählt und uns einfach Teil sein lassen an ihrem Leben.

„Ich hab noch nie in meinem Leben mit einer echten Kamera fotografiert…“ – und zack, wollte sie sie gar nicht mehr hergeben

Am Montag gings dann mit Gastóns Schwester und ihrem Freund nochmal weiter in den Süden: Nach Corcovado. Einige Stunden lang im Auto durch die unglaublich fasznierende, bunte, vielfältige, beeindruckende Landschaft Patagoniens fahren zu dürfen, ist wirklich ein Traum!

Aaanden, die Aaaaanden!!

Wir haben Flamingos gesehen und einen wilden Vogelstrauß! Die Berge haben ihre Formen und Farben verändert, die Wiesen waren gesäumt von lila-rosa Blumen. Die Anden mit Schnee bedeckt im Hintergrund, die sandfarbenen Berge etwas näher. Patagonien ist so wunderschön, dass ich nur noch staunend und von Herzen dankbar im Auto gesessen bin.

Viele sagen, dass Patagonien sehr ähnlich wie Österreich ist – aber hier seht ihr auch, wie anders es aussieht

Nach ein paar Stunden sind wir dann in einer noch viel kleineren, verschlafeneren Stadt angekommen: Corcovado. Dort leben Marianela und Luis in einer kleinen Hütte inmitten von 2 Hektar Grund – sie kennen alle Bäume und Pflanzen, jedes Blümchen, die dort wachsen, bauen Obst und Kräuter an. Vor ein paar Jahren, als Marianela noch mit ihren Kindern dort gewohnt hat, hatten sie ein Grünhaus und noch viel, viel mehr essbare Pflanzen.

Natur pur, einfach wunderschön!
Meine Lieblingsblümchen

Wir haben unser Zelt mitgebracht und es unter einem Baum im Garten aufgestellt – mit Blick auf die Mohnblumen, das hohe Gras und die Berge. Ach, ich sags euch. So ein Glück!

Die Hütte hat kein fließendes Wasser, aber es gibt Strom. Es ist alles sehr rustikal und soo gemütlich: Ein Klavier, eine Gitarre, ein paar Trommeln und andere Musikinstrumente haben einfach höhere Priorität, als eine warme Dusche.

Ein Moment eingefangen – Mate und Luis und Sonne und Natur und ich

Die Sonne genießend haben wir den Nachmittag am Fluss verbracht, über das Leben gesprochen und – natürlich – Mate getrunken. Marianela hat mit 17 beschlossen, dass das Leben in Buenos Aires nicht ihrem Traum entspricht: Sie ist nach Patagonien gegangen und hat begonnen, Schmuck zu machen und ihn zu verkaufen. Und das macht sie nach 30 Jahren immer noch. Ihr Schmuck ist wunderschön – mit Steinen, die es nur hier in Argentinien gibt und Silber, ganz fein und hochwertig zu Schmuck verarbeitet.

Am nächsten Tag haben wir unsere Siebensachen gepackt und sind mit dem Auto über die 25 km entfernte chilenische Grenze gefahren. Mit einem Stopp an einem Wasserfall, einer Quelle zum Wasserauffüllen und einer Jausenpause sind wir nach der sehr strengen chilenischen Grenzkontrolle dann auf der anderen Seite angekommen.

Luis, Marinela und wir zwei

Mit Glück haben wir einen kostenlosen und wunderschönen Platz zum Schlafen gefunden, haben unsere Zelte dort aufgeschlagen und den Abend am Lagerfeuer singend verbracht.

Die Zeit mit Marianela und Luis ist so gemütlich – mittlerweile sind wir wieder daheim bei ihnen, sitzen in der Hütte, der Regen prasselt aufs Dach. Wir hoffen, dass unser Zelt den Schauer aushält. Die beiden sind so friedlich und offenherzig, lassen uns teilhaben an ihrem Leben und sind bereit für Abenteuer. Marianela ist fast 50, ihr Freund ein paar Jahre älter. Echte Hippies aus der ersten Generation. Liebevolle, einfache und herzliche Menschen. So fein, Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Wer sagt, dass man zum Hausbauen einen Kredit aufnehmen muss, der irrt – wir haben ohne Geld einen Luxusbaugrund gefunden

Die Gespräche, die wir geführt haben, waren lustig, berührend und sehr tiefgehend. Eine Vertrautheit hat sich ausgebreitet, wir waren einander so nahe. Gastón sagt, dass diese Zeit mit seiner Schwester zu einer der schönsten gehört. Wie wunderbar, dass ich Teil davon sein durfte!

Unsere Patagonien-Zeit dauert noch ein paar Tage, am 23. gehts wieder nach Buenos Aires, wo wir auch Weihnachten verbringen werden.

[wpvideo LQ0VH3qs ]Es durchfährt mich, ich habe Tränen in den Augen und spüre mein Herz schneller schlagen, wenn ich daran denke, welch ein riesengroßes Glück ich habe, hier sein zu können.

Apropos Glück – das hier ist die Hütte, hier mit hübschem Regenbogendach

Ich setze meine Geschichte fort, mittlerweile sind wir in einem Apartment in Bariloche. Eine Wohnung mit Warmwasser – das haben wir uns für die letzte Nacht an „Luxus“ gegönnt (wenn auch der Luxus in diesen letzten Tagen einfach seine Bedeutung komplett verändert hat…).

Patagonische Füßegrüße

Wir haben schlussendlich die letzten zwei Tage in Corcovado in der Hütte geschlafen, was sehr gemütlich war. Am Donnerstag sind wir dann über Stock und Stein und Land und Berg (wie aufregend beschrieben!) zu einem Bergsee auf 1200m gefahren, haben Musik gemacht und uns am Feuer ein paar gute Sachen gekocht. So einfach und so traumhaft schön !

Gastón ganz stolz im eisigen Wasser – im Hintergrund seht ihr die Patagonica Marianela

Gestern gings dann wieder ab nach Bolsón, weil Marianela am Wochenende dort immer am Kunsthandwerksmarkt ihren Schmuck verkauft. Ein bisschen sentimental und erfüllt, dass wir so eine schöne Zeit gemeinsam verbracht haben, haben wir uns dann heute von ihnen verabschiedet und den Bus nach Bariloche genommen.

Diese 10 Tage haben sich angefühlt wie ein paar Monate. So voll und so erfüllend. So abenteuerlich und gleichzeitig so ruhig. Den Rhythmus, die Ruhe, die Momente, die wir hatten – all das macht die Zeit in Patagonien unvergesslich.

Was für eine Zeit, die wird noch lange nachwirken…

Ich bin von Herzen dankbar, diese Zeit hier verbringen zu dürfen – Gastón und ich titulieren diese Reise mit „Junggesellenabschied“ und sind froh, dass wir so frei von Konventionen, einengenden Strukturen und voller Lebensfreude leben können.

Tja, wir sind halt einfach Glücksmenschen
Alsdann, die Gauchos und wir wünschen euch allen feine Weihnachten und Feliz Navidad!
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∆ Pragmantisch ∆

Pragmantisch. Ein Wort, das ich just in diesem Momente erfunden habe. Es setzt sich zusammen aus „pragmatisch“ und „romantisch“. Und es leitet meine folgenden Worte perfekt ein:

Es ist so schön, zusammen zu sein

ANKÜNDIGUNG! TROMMELWIRBEL!

Gastón und ich werden am 11. Jänner 2019 hier in Buenos Aires heiraten!

WAS FÜR EINE NACHRICHT!

Hier freudig im botanischen Garten

Dass das romantisch ist, ist klar. Was es aber mit Pragmatismus auf sich hat, möchte ich euch gerne erzählen.

Da wir bereits vor unserer Reise den Wunsch gehegt haben, wieder nach Europa zurückzukehren, haben wir uns lange Zeit intensiv mit den Möglichkeiten dieser Idee auseinandergesetzt. Wir haben recherchiert und nachgeforscht, diskutiert und viel nachgedacht, bis wir zu dem Entschluss gekommen sind, dass wir ja sowieso zusammenbleiben wollen und dass eine Hochzeit uns diese gemeinsame Zukunft an einem Ort ermöglichen kann.

Warum wir heiraten, ist klar: dass wir uns lieben, unsere Zukunft gemeinsam verbringen und eine Familie gründen möchten, sind die Voraussetzungen für mich und uns, zu so einer Entscheidung zu kommen. Das Pragmatische daran ist, dass wir hier heiraten und dass wir jetzt heiraten.

So viele schöne Momente haben wir schon gemeinsam erlebt

Manche von euch wissen es bereits und die anderen erfahrens auf diesem Weg. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass ich das Ganze vor mir und anderen rechtfertigen muss. Weil es ja schon schnell geht mit uns und wir uns erst eineinhalb Jahre kennen und weil man ja nie weiß und weil das ja schon Konsequenzen mit sich zieht und weil und weil und weil. Ich hatte vieler dieser Zweifel und Gedanken auch. Und ich habe mich mit ihnen auseinandergesetzt. Hab ganz viel nachgedacht und in mich hineingespürt.

So viele kreative, inspirierende, berührende, bunte Momente gemeinsam

Ich habe wieder einmal mehr gemerkt, dass es in meinem Leben um mich geht. Dass ich NIE weiß, was die Zukunft bringt und nur vom jetzigen, momentanen Gefühl ausgehen kann. Dass ich zudem nicht hier bin, um zu warten und zu sparen mit den guten Sachen, sondern dass ich lebe um zu leben. Und die Entscheidung, ein klares JA zu meinem Lebensmenschen zu sagen, ist wahrlich eine lebensbejahende Einstellung.

Ich hab mich bereits an die argentinische Kultur angepasst – hier mal wieder mit Mate am Boot

Gestern waren wir am Standesamt und haben den Termin bestätigt, mit der Standesbeamtin geplaudert und uns gefreut, dass Argentinien so unkompliziert ist. Die komplizierteren Dinge kommen dann in Österreich auf uns zu: Dass Gastón in Österreich bzw. Europa leben darf, bedarf einiger Nachweise, Dokumente, Bescheinigungen und Behördengänge. Und da sind wir bereits fleißig am Organisieren, Termine vereinbaren, sind mit der argentinischen bzw. österreichischen Botschaft im Kontakt etc. etc.

Um halb 8 in der Früh vor dem Standesamt

Was wir an Rundherum geplant haben, kann ich euch verraten: Ich hab ein Dirndl mitgenommen, das ich einfach so mal anziehen wollte – aber jetzt hat es sich doch herausgestellt, dass das „einfach so“ unsere Hochzeit ist. Gastón hat sein fesches Hemd und das wars dann auch schon wieder an Rundherumplanung. Mal schauen, was sich noch auftut, irgendwas kommt ja bekanntlich immer. Ich möchte einfach einen schönen Tag habe, weil ich es mag, besondere Tage zu feiern. Auf welche Art das auch immer sein mag.

Natürlich hätte ich meine Familie unglaublich gerne dabei. Und auch meine lieben Herzensmenschen. Natürlich! Aber die Tatsache, dass uns diese Hochzeit in der Art und Weise, wie wir sie hier machen, ermöglicht, was wir möchten – nämlich zusammensein und -bleiben – ist zu diesem Zeitpunkt einfach pragmatischer und weniger romantisch.

Verbunden im japanischen Garten

Aber – und das ist für uns auch wichtig: Gastóns Eltern freuen sich bereits sehr darauf, seine Freunde (mal schauen, wer dann kommt), unsere Trauzeugen (die Argentinier sein müssen) und alle Leute, denen wirs hier erzählen sind sehr glücklich darüber, dass wir hier heiraten! Und von der Seite her betrachtet find ichs schön, weil wir dieses Fest machen und dann nach Europa ziehen – ein symbolisch schöner Abschied.

Das Ganze fällt wohl auch in die Kategorie „Dinge, die nicht geplant werden können“. Dass sich mein Leben so entwickelt, hätte ich mir nicht einmal vor einem Jahr denken können. Ich sags euch, immer wieder durchfährt es mich und ich bin so so dankbar und glücklich darüber, dass ich so ein – mein – erfülltes, spannendes, überraschungsreiches, abenteuerliches Leben führe! Ich liebe es, dass die Dinge so oft anders kommen – weil darin so viel Leben steckt, so viel Echtheit und so viel Gefühl.

Glückerwältigt nach der Terminvereinbarung

Ich freue mich, euch solch wunderbare Nachrichten zu überbringen und halte euch auf dem Laufenden, was die Details der Märchenhochzeit angeht.

Bis dahin,

Liebe und so.

• K •

P.S.: Falls jemand superspontan plant zu kommen, sagt mir rechtzeitig Bescheid – dann können wir dem Catering Bescheid geben, dass ein Häppchen mehr gebraucht wird.

P.P.S.: Haha, nein. Es gibt kein Catering. Und auch keine geplanten Häppchen. Aber bestimmt irgendwas Gutes zum Essen.

allgemein · pädagogisch · reisend

∆ Räume ∆

Immer, wenn ich Ideen für meinen nächsten Text habe, sammle ich sie in meinem Kopf so lange, bis mir ein passender Überbegriff einfällt. Ein Titel, ein Bogen, der alle Geschichten mit einschließt. Und dieses Mal ist es „Räume“.

Stadtraumgestempel

Interessant, weil irgendwie alles als Raum gesehen werden kann. Ich bin in einem anderen Lebens-Raum, bewege mich aus meinem Komfort-Raum ganz oft nach außen, lerne neue Welt-Räume kennen und durch meine Sprache und die Begegnungen hier öffnen sich neue Denk-Räume.

Ja, so weit geht dieses Thema. Und damit wir alle schön (schwebend) am Boden bleiben können, werde ich euch von ganz angreifbaren, echten Räumen erzählen. Und bereits wenn ich das ausschreibe, merke ich, dass die Räume, von denen ich gleich schreiben werde (WIE LANG DAUERT DIESE EINLEITUNG BITTESCHÖN NOHOCH??), doch vielleicht auch imaginäre sind.

Wasserräume am Rio de la Plata

So. Los gehts.

In der letzten Woche war ich zum allerersten Mal in meinem ganzen Leben (HAAA SIE FORMULIERT SCHON WIEDER SO UM DEN BREI HERUM) in einem „Escape room“. Diejenigen unter euch, die sowas schon mal gemacht haben, können jetzt weghören (WIE? WEGHÖREN? WEGLESEN? ABER DANN WEISS ICH JA NICHT, WO ICH WIEDER WEITERLESEN SOLL? ACH, EGAL. ICH LES EINFACH WEITER.)

Ein „Escape room“ (zu Deutsch: „Ich will hier raus – Zimmer“) ist ein Spiel für Erwachsene. Man wird in einen Raum eingesperrt und hat 60 Minuten Zeit, die passenden Schlösser und Schlüssel, Codes und Kombinationen, Lösungen und Clues zu finden, um die verschlossene Tür aufzusperren. Klaus, unser Trophobiker, hätte hier wohl keinen Spaß. Die ganze Sache ist natürlich sicher, und es gibt einen Notfallknopf für den Fall des Falles (falls zufällig jemand fällt). Aber wie gesagt, eigentlich geht es in diesem Spiel darum, kniffig und geschickt – und vor allem gemeinsam in einer Gruppe – Rätsel zu lösen.

Eze, ich und Gasti

Wir waren mit einem Freund von Gastón und dessen Brüdern und es war so ein Spaß! Wir waren in einem „Hotelzimmer“ und erst nachdem wir die Karte zum Aktivieren des Lichts gefunden haben, konnten wir mithilfe der anderen Hinweise durch einen Luftschacht in den anderen Teil des Spielhotels krabbeln, um dort Hinweis für Hinweis zum Ausgang zu gelangen. Nach einer halben Stunde haben wir gemeinsam alles gelöst und waren fast ein bisschen traurig, dass es schon aus war. Ich werd auf alle Fälle wieder mal zu so einem Spiel gehen, hab schon gesehen, dass es da daheim auch welche gibt! Juhu!

Hier nach getaner Arbeit: die drei Brüder und wir

Die nächste räumliche Geschichte hat sich auch letzte Woche zugetragen. Ich hab ja von diesem pädagogischen Vortrag erzählt und durch geschicktes Networking hab ich den Kontakt von der Leiterin eines Kindergartens und einer Volksschule bekommen. Und die haben Gastón und ich letzte Woche besucht.

Und jetzt stellt ihr euch bestimmt die Frage, was das mit Räumen zu tun hat. (NAJA, SO SCHWIERIG IST DIESE FRAGE NUN AUCH WIEDER NICHT. IN EINER SCHULE WIRD ES WAHRSCHEINLICH RÄUME GEBEN…). Ja, aber was für Räume! Das ist nämlich wirklich anders als alles, was ich an Pädagogik bisher gesehen habe.

Pädagogisch wertvoll aufgeregt

Die Schule ist die erste Reggio-inspirierte Schule Argentiniens. Reggio-Pädagogik ist eine Form des offenen Unterrichts, der Selbstbestimmung, der Partizipation, des Miteinanders. Reggio-Pädagog*innen sehen den Raum als dritten Erzieher und dementsprechend werden die Räume auch gestaltet und genutzt.

Das Atelier, das durch ein riesiges Fenster gleich beim Eingang immer sichtbar ist, der Hof, der mit einem kleinen Garten und einem großen Baum zum Verweilen einlädt. Die Räume, die wir auf unsere Tour durch die Schule sehen durften, waren voller Leben und voller Liebe zum Tun.

Una cosita de Austria en Baires? Increíble!

In einem wurde Akrobatik mit Literatur einstudiert. In Gruppen wurden zu Texten akrobatische Nummern eingeübt. In einem anderen wurde aus Holzresten und anderem Material geschraubt, gesägt, gehämmert und gebaut.

Die Lehrerin, die uns durch die Schule geführt hat, hat immer wieder von den „Sprachen“ gesprochen, die die Kinder an zwei Tagen der Woche wählen dürfen. „Sprachen“ sind im Fall dieser Schule alle Fächer und Fachbereiche, die angeboten werden. Und so können die Kinder selbst mitbestimmen, was sie interessiert, wo ihre Talente liegen und was sie im Moment gerade wichtig finden. Hier gibt es einen Text, wen es interessiert:

Apropos Moment: Ein Satz, der mich im anschließenden Gespräch mit der Leiterin der Schule sehr berührt hat war folgender: „Wir bereiten die Kinder hier nicht auf die Zukunft vor. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Was wirklich wichtig ist, ist die Gegenwart.“ Und dass das nicht höchsten Grades zukunftsorientiert ist, bezweifle ich.

Es macht so viel SINN, Kinder in dem zu stärken, was sie in der jeweiligen Zeit gerade gut können und mögen. Es macht so viel SINN, Kinder als Teil der jetzigen Gesellschaft zu sehen und sie auch so zu behandeln (Thema Demokratie und Partizipation und so). Es macht auch so viel SINN, ein Miteinander zu pflegen, das viel harmonischer, wertvoller, wertschätzender und letzten Endes auch ertragreicher ist, als jeglicher Ellbogenkämpfereiblödsinn.

Ja, auch das macht viel Sinn – Blumen im Wind zu beobachten

In dieser Schule war ich auf so vielen Ebenen berührt. Immer wieder hatte ich Gänsehaut, wenn wir über die Philosophie der Schule gesprochen haben. Wenn ich die Kinder gesehen habe, die voller Eifer an ihrer Sache gewerkelt haben oder wenn ich daran gedacht habe, dass ich ja gar nicht so weltfremd bin mit meiner Einstellung, wie Pädagogik/Erziehung/Schule/Unterricht auch sein kann.

Ich bin so froh, das alles mit meinem Blumenmenschen zu teilen (so hab ich ihn noch nie genannt, werd ich auch nie. Aber weil eine Blume im Hintergrund zu sehen ist, hab ich mir gedacht, ich schreib Blumenmensch. (JA WIR VERSTEHEN!)

Die vielen Abers, die vielleicht in manchen Köpfen nun auftauchen, kann ich natürlich nicht alle beantworten. Weil ich sie nicht kenne. Aber ich kann mit großer Gewissheit sagen, dass es wenig Sinn macht, gleichförmig denkende Schafe, die nicht wissen, in welche Richtung sie laufen sollen und so dem lautesten Schafanführer nachrennen, heranzuziehen.

Dass es jedoch großen Sinn macht, das Leben in der Schule mit dem Leben außerhalb der Schule verschmelzen zu lassen. Dass es großen Sinn macht, Kinder und ihre Ideen ernst zu nehmen. Und dass es riesengroßen Sinn macht, Lernen als etwas Fruchtbringendes anstatt etwas Furchtbringendem zu sehen (Und diese zwei Worte unterscheiden sich nicht nur aufgrund der Position des „t“ meilenweit voneinander…).

(Apropos Früchte – hier bin ich auf einem Selbstversorgungstrip)

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Es gäbe noch so viel zu sagen, doch das führt in diesem Rahmen zu weit. Ich habe mich so verstanden gefühlt in dieser Schule, auch, wenn ich die „Sprache Sprache“ nicht wirklich spreche. Ich habe meine Ideen in einer manifestierten Form wiedergefunden und so auch den Mut geschöpft, meiner Vision zu folgen. (WELCHE VISION? HABE ICH ETWAS VERPASST?!) Nein, keine Angst. Davon hab ich hier noch nicht geschrieben. Das ist ein längeres Thema, nur so viel kann ich verraten: Ich weiß, dass ich einen RAUM gründen/haben/führen/gestalten/ermöglichen/eröffnen/… werde, in dem es Raum gibt (HACH, DIESE WORTSPIELEREIEN) für Kreativität in jeglicher Hinsicht – und der wird bestimmt nicht zu einem „Escape room“, sondern eher zu einem „enjoy room“.

Wann, wie, wo – das wird sich auftun.

(Im Video seht ihr auch so einen „Enjoy room“ – selbstgedrehte Musik im Kulturzentrum Recoleta)

[wpvideo S8Ism9lq ]

Jetzt hab ich bei all der T-räum-erei gar nicht erzählt, dass wir auch unseren Buenos Aires Raum erweitert haben: Am Samstag waren wir in einem wunderwunderschönen Naturschutzgebiet, haben die Ruhe genossen und Vögel beobachtet. Und gestern waren wir in Recoleta, einem der feinsten Bezirke der Stadt – die Häuser wie in Paris, schöne, große Parks und ein beeindruckender Friedhof, der zum Staunen einlädt.

Huhuu diese Totenhäuschen – manche waren so groß, dass eine vierköpfige Familie darin lebend wohnen könnte…
Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal

• K •