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Hochachtung, liebes Leben.

Gerade hatte ich einen Gedanken. Einen so aufrüttelnden, wie erschreckenden Gedanken. Ich hab nachgedacht und mich gefreut, dass morgen Freitag ist. Soweit ja nichts Erschütterndes. Eher eine Tatsache, eine Gegebenheit, eine Wirklichkeit.

Dass ich mich freue, ist auch ganz normal: Freitag ist der letzte Arbeitstag der Woche, danach ist das Wochenende, zwei Tage frei, zwei Tage tun und lassen, was ich mag.

Was jetzt das Erschreckende daran ist, fragt ihr euch? Die Tatsache, dass der Freitag bzw. eher das Wochenende als Symbol der Freiheit, der Zeit und des endlich Tuns, was ich wirklich will, ist, das macht mich schon mal stutzig. Dass ich mich aber freue, dass endlich schon wieder eine Woche um ist, das macht mir eher Angst. Dieser allseits verbreitete Gedanke, dass endlich wieder eine Woche „geschafft“ ist, erschreckt mich. Eine Arbeitswoche, ja. Eine Woche meines Lebens auch, ja. Und mich darüber zu freuen, ist wohl mehr als arrogant – dem Leben gegenüber.

Ich möchte mein Leben so gestalten, dass ich mich nicht nach dem Wochenende sehnen „muss“. Dass ich die Tage als Tage annehme und nicht als zu-langsam-oder-zu-schnell-verstreichende-Lebenszeit. Es klingt hochdramatisch. Und vielleicht ist es das auch.

Vielleicht ist es an der Zeit, das Ganze etwas zu hinterfragen. Dieses ganze Arbeiten für die anderen. Dieses ganze Tun und vor allem Funktionieren. Dieses ganze alles-als-Selbstverständlichkeit-Sehen. Dieses von-Wochenende-zu-Wochenende-Hanteln.

Ich bin – mal wieder – in einer Phase des Umbruchs. Und der ist groß. Aber auch bis das alles so ist, wie ich es mir zusammendenke und visioniere, möchte ich mich selbst an der Nase nehmen und viel mehr Tage – Achtung, Spoiler: Die sind das Leben! – als voll erleben. Nicht verstreichen lassen, mich fragen, wo sie hingekommen sind. Sondern er-leben.

Denn ein bisschen Hochachtung hat das Leben schon verdient.

Hochachtungsvoll,
eure K.

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Das Klebeband

Diese Geschichte ist eine von denen, die ganz einfach sind. Ganz einfach und zugleich ganz tiefgehend, inspirierend und schön. Zugetragen hat sie sich gestern. Und was passiert ist, das möchte ich gerne mit euch teilen.

Ich arbeite mit ganz jungen Kindern und habe jeden Tag die Möglichkeit, sie in ihrem Spiel, ihrem Probieren, ihrem Erkunden und Lernen zu begleiten. Bereits seit einiger Zeit beobachte ich, dass Kleben etwas ist, das sie fasziniert. Dabei geht es wirklich rein um die Sache an sich: Den Kleber öffnen, daran riechen, die klebrige Spur auf dem Papier hinterlassen, den Kleber über das Papier gleiten lassen und draufkommen, dass etwas damit passiert.

Gestern habe ich dieses Interesse dann aufgeschnappt, ganz spontan, ohne viel Tamtam. Habe einen Tisch hergerichtet, ihn Klebetisch genannt und ihn mit Klebebändern und Klebestiften ausgestattet. Dann habe ich gewartet. Nicht lange hat es gedauert, bis ein reges Treiben rund um diesen Tisch entstand. Besonders zwei Kinder waren intensivst am Arbeiten. Dabei wurden Klebebänder ausgerollt, über den Tisch gespannt, rund um Sesselbeine gewickelt. Die glatte Oberfläche des Klebebandes wurde abgetastet, die Tatsache, dass es auch an einem selbst hängenbleiben kann, als erschreckend bewertet. Es wurde gemeinsam gearbeitet und alleine in Stille und vollster Konzentration.

Wer mit so jungen Menschen zu tun hat, weiß, dass es kaum Beruhigenderes und gleichzeitig Inspirierenderes gibt, als Kinder, die tiefversunken spielen. Und so etwas durfte ich gestern beobachten: Eine Hingabe, ein Entdecken, ein Verstehenwollen. Ein Scheitern, ein Wiedermachen, ein über die Arbeit Reflektieren. Eine Liebe zum Detail, ein Forschergeist, eine Ausdauer.

Und das war sie auch schon. Meine Geschichte vom Klebeband. Eine Geschichte, die mich an die Grundlagen, die Einfachheit und zutiefste Wertschätzung den kleinen Dingen gegenüber erinnert. Weder viel Tamtam, noch viel Material hat sie gebraucht, diese Geschichte. Aber was bleibt, sind neue Erfahrungen, Eindrücke und die Inspiration, den Prozess, das Tun zu genießen, ohne auf das Produkt fokussiert zu sein. Einfach tun. Und wenn es das Spiel mit einem Klebeband ist.

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Was die Liebe mit einer Kerze zu tun hat

Oh manchmal, da hab ich Angst. Manchmal, da kommt die Angst und überschattet alles. Sie ist groß, macht sich breit, sie ist ungemütlich und laut. Sie nimmt so viel Raum ein, dass für die guten Dinge kein Platz mehr ist. Wenn ich Angst habe, dann treffe ich Entscheidungen aus einem ganz, ganz unguten inneren Gefühl heraus. Aber gerade, wenn große Entscheidungen zu treffen sind, dann habe ich es auch mit der Angst zu tun.

Wie wird es weitergehen? Wird es gut sein? Wird es reichen? Das Geld, die Zeit, die Motivation? Was werden die anderen sagen? Warum denke ich daran, was die anderen sagen? Was verunsichert mich? Was mache ich, wenn etwas nicht funktioniert?

Diese Angst ist ganz schön gemein. Und wisst ihr was? Ich denke oft über das Thema Angst nach und habe ein paar interessante Dinge dazu erfahren und mir zusammengedacht. Also hier meine Erkenntnisse:

Angst ist das Gegenteil von Liebe. Oder Liebe das Gegenteil von Angst. Das sage nicht (nur) ich, sondern besonders im Film „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer dreht sich ganz viel darum.

Oftmals haben wir es so im Kopf, dass Angst und Mut sich ausgleichen und Liebe und Hass. Wenn wir das aber herunterbrechen – wenn wir alles herunterbrechen – hat jede Handlung, jedes Wort, jeder Gedanke in der Basis mit Angst oder eben mit Liebe zu tun. Entweder wir handeln aus Angst oder wir handeln aus Liebe.

Das ist etwas, das ihr für euch selbst verstehen und zu Ende denken dürft.

Eine meiner Schlussfolgerungen ist folgende: Wenn ich annehme, dass Menschen aus Angst (vor etwas, vor jemandem, vor sich selbst, vor Enttäuschung, vor Verlust,…) handeln, kann ich ihnen viel mehr Mitgefühl entgegenbringen. Ich kann mich kaum noch „über sie“ oder „gegen sie“ stellen, wenn ich Angst als etwas zutiefst Menschliches sehe. Ich kann einen Menschen in seiner Angst nicht weiter hinuntermachen (schlecht über ihn reden, ver-urteilen,…). Überlegt mal, aus welchem Motiv heraus ihr handelt – und aus welchen Motiven die Menschen in eurer Umgebung handeln könnten.

Angst macht auch klein, dumm und gefügig. Ganz schön angst-einflößend, oder?

Angst oder Liebe. Wenn die Liebe fehlt und der Zustand Angst macht, dann brauchen wir „einfach“ mehr Liebe. In Form von Mitgefühl, Zuhören, Miteinander, Vertrauen. Ich denke an das Bild eines dunklen Raums. Diese Dunkelheit ist die Angst. Ich kann ihn nur mit Licht heller machen. Die Kerze wäre dann die Liebe.

Viele, viele Gedanken heute. Denkt mal darüber nach, wie es euch mit diesem Thema geht. Ich wünsch euch Liebe, besonders wenns mal dunkel ist.

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Nicht von schlechten Eltern

Ich muss euch sagen, ich bin so dankbar. Dankbar für etwas, das jede und jeder von uns hat – ohne das wir nicht hier wären. Eine Beziehung, die von Beginn an da ist und unser Dasein zumindest irgendwie und wahrscheinlich sogar irgendwie ziemlich stark bestimmt.

Ich spreche und schreibe von Eltern. In meinem Fall von meinen Eltern. Gerade hatte ich (wieder) mal ein Gespräch, in dem herausgekommen ist, dass es nicht, und zwar überhaupt nicht, selbstverständlich ist, Eltern zu haben, mit denen man sich versteht, die bedingungslos lieben und sogar, wenn wir erwachsen sind, einfach unterstützend da sind. Und deswegen fällt es mir noch bewusster auf, welch Glück ich habe.

Deshalb bin ich auch so unendlich dankbar. Wir wohnen im Haus meiner Eltern und daher sehen wir uns auch so gut wie jeden Tag. Manchmal teilen wir einen Minimoment, manchmal ein Abendessen und viele Gespräche. Ich genieße das sehr. Nicht nur, weil ich durch und durch ein Familienmensch bin, sondern auch, weil ich es so sehr schätze, wie meine Eltern sind und mit uns umgehen.

Natürlich gibt es Momente, die wir aushandeln müssen, in denen wir diskutieren und die unterschiedlichen Generationen ganz stark herauskommen. Aber das, was ich so sehr schätze, ist, dass meine Eltern – und zwar beide – zugeben und sich sogar darüber freuen, wie viel sie von uns Kindern lernen. Immer wieder. Was für eine Größe!

Heute hatten wir ein Gespräch über eine gemeinsame Reise, die wir planen. Und ich weiß, dass das wahrscheinlich eine Ausnahme ist – aber auch die kleinen, zarten Momente, die wir teilen, zeigen mir, welch Glück ich mit ihnen habe. Und ich lerne immer wieder, dass das absolut nicht selbstverständlich ist.

Dass wir gerne hier wohnen, unsere Ideen und unser Leben mit ihnen teilen, ist auch nicht selbstverständlich. Und ein großer Verdienst ihrer Erziehung, ihres Vertrauens, ihrer unendlichen Liebe und ihrer Offenheit, die wunderschön und sehr bemerkenswert ist.

Diese Eltern-Kind-Beziehung, die mich so stark geprägt hat, deren Abkapselung mir viel Kraft gekostet hat und deren Verständnis ich als erwachsene Frau jeden Tag mehr aufbaue, ist eine der wunderbarsten Dinge, die ich erfahren darf.

Und das, liebe Mama und lieber Papa, möchte ich euch auf diesem Weg sagen. Danke.