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Tiefgründig

Ich hab da so eine Vermutung. Eine, die erklären könnte, warum Konflikte und Reibungen unter anderem entstehen. Hochtrabend? Mag sein. Tiefgründig? Auf jeden Fall.

In Gesprächen und vor allem beim Zuhören komme ich immer wieder drauf, wie sehr und oft wir Menschen und ihr Handeln be- und auch verurteilen. Der macht dieses, die macht jenes. Dann macht der jenes nicht und die sowas schon überhaupt nie.

Egal, worum es geht, immer sind wir im Umgang mit anderen Menschen mit der Tatsache konfrontiert, dass jemand etwas macht oder eben nicht macht, das wir für gut oder eben nicht gut heißen.

Wenn ich mal von mir ausgehe, mache ich Dinge aus einem bestimmten Grund. Ich hab meine Gründe, meine Geschichte, meine Absichten, meine Ideen. Und mach die Dinge dann (oder eben nicht).

Und das nehm ich jetzt mal ganz einfach bei allen anderen auch so an: Alle handeln aus einem Grund. Ob der gut ist oder nicht, sei dahingestellt (und die Frage steht jetzt auch gar nicht im Zentrum). Was ich dann sehen kann, von all diesen tiefen Gründen, diesen weitdenkenden Ideen, diesen gut gemeinten Absichten – ja das ist nur das, was ich eben von außen sehen kann. Und oftmals ist das nicht so viel.

Wenn ich auf diesem Gedankengang spaziere, merke ich plötzlich, dass ich mich fast gar nicht mehr über andere aufregen kann. Weil ich fast nie die Hintergründe weiß. Oder zumindest oft nicht. Und dann muss ich mich ganz gut an der Nase nehmen und mir vorsagen, dass die oder der andere wohl einen Grund hat, so oder anders zu handeln.

Und sowas vereint uns ganz schön. Denn plötzlich sitzen wir im gleichen Boot. Haben die gleichen Ängste, die gleichen Hoffnungen, möchten unsere Liebsten schützen oder können und kennen eben nichts anderes.

Und so tiefgründig das ganze Hintergrundthema ist, so einfach ist es auch: Bevor ich rede und mir meine Meinung bilde, denke ich kurz drüber nach, was denn im Hintergrund abgelaufen sein könnte. Um dann etwas friedvoller und offener auf mein Gegenüber eingehen zu können.

Liebste Grüße aus der Tiefe des Gedankengrundes

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Heilsame Gewitter

Ich bin in ein Gewitter gekommen. Eines mit Blitz und Donner, Regen und Wind. Eines mit dicker Luft davor und frischer, klarer Luft danach. Die Essenz dieses Gewitters möchte ich gerne mit euch teilen.

Mein Gewitter hatte nicht viel mit dem Wetter zu tun. Mein Gewitter war eine Auseinandersetzung mit einem ganz, ganz wichtigen Menschen. Es ging um Unwohlsein, um die Angst vor Enttäuschung und Bloßstellen, ums Verletzlichmachen und um die Ungewissheit, wie weit das Gesagte und Gehörte auseinanderklaffen.

Und dieses Gewitter war wichtig. Denn einfach so weitertun, als wäre nichts (gewesen) oder so, als würde es sich einfach von selbst auflösen, das macht die Luft nicht rein.

Ich vergleiche Auseinandersetzungen gerne mit diesem Bild des Gewitters. Denn danach ist alles etwas leichter. Vielleicht durcheinandergewirbelt, vielleicht entsteht währenddessen auch Angst vor der Dunkelheit oder vorm Tuschen. Aber durchzugehen, durch dieses Gewitter ist die einzige gesunde Möglichkeit, die Luft frisch und die Fronten klar zu machen.

So Gewitter sind anstrengend, brauchen viel Energie. Aber unterm Tisch verstecken macht sie nicht ungeschehen. So Gewitter sind – in meinem Fall – oft mit Regentränen und Blitzanschuldigungen oder lautem Donnern verbunden.

Aber danach ist es an- und ausgesprochen. Danach kann es gelöst und gemeinsam weitergedacht werden. Danach ist die Energie entladen und die Lage kann sich entspannen.

Ich hab vor solchen Gewittern auch immer ein bisschen Angst. Und werde immer besser, sie zuzulassen, anstatt sie hinunterzuschlucken. Es kostet mich auch immer Überwindung, denn so Gewitter sind ganz schön wild und laut und viel.

Und trotz alledem – danach ist die Luft wieder rein. Und das hat etwas sehr Heilsames.

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Glücksplosion

Ich erlebe gerade etwas, das unfassbar gut tut, das mich berührt und ganz ausfüllt. Und deshalb habe ich das Bedürfnis, es zu teilen, es niederzuschreiben, es auszudrücken. Es zerreißt mich fast und gleichzeitig bin ich ganz ruhig.

Ich erlebe gerade eine Glücksplosion. Eine Explosion des Glücks. Und das inmitten all dieser widrigen, wilden, widersprüchlichen Zeit. Ich fühle mich vom Glück ausgefüllt, von der Dankbarkeit überflutet und vom Frieden ummantelt.

Ich sitze am Balkon. Den haben wir uns schön gemacht, gemütlich und fein. Und da genieße ich die Sonne, die leichte Brise und das Gefühl der Ewigkeit. Es zerreißt mich fast, so dankbar bin ich. Und gleichzeitig bin ich so ruhig. Wissend, dass es gut ist.

Inmitten dieser widrigen, wilden, widersprüchlichen Zeit habe ich ganz viel Frieden gefunden. Das Spazieren im Wald erfüllt mich mit einem unendlichen Gefühl der tiefen, ganzheitlichen Dankbarkeit. Jeden Tag sehe und erlebe ich etwas Neues. Das Licht am Morgen unterscheidet sich vom Licht am Abend. Die Luft, die Geräusche, die Stille, das Leben. All das entdecke ich gerade im Wald.

Die Tage in dieser Zeit sind lange. Vom Aufstehen, weil ich ausgeschlafen bin, über ein langgezogenes Frühstück, das Werkeln am Balkon oder im Garten bis zum Nachmittagsschlaferl ohne Wecker, weils egal ist. Und weil niemand auf mich wartet. All das macht die Tage so lange, so ungewiss und ungeplant.

Ich fühle mich so glücklich, in dieser Lage, diesen Umständen, diesem Ort, an dem ich leben darf. In dieser widrigen, wilden, widersprüchlichen Zeit erkenne ich einmal wieder und einmal mehr, was das Leben für mich lebenswert, erfüllend und so kostbar macht. Und dazu gehören eine große Portion Glück und Glücklichkeit, Dankbarkeit, Stille, Einfachheit, Ruhe, Sonne, Zeit und ganz viel Vertrauen.

Ich habe von einer ganz lieben Freundin ein paar Zeilen bekommen, die ich als Abschlussgedanken mit euch teilen möchte:

“I want to live simply. I want to sit by the window when it rains and read books I’ll never be tested on. I want to paint because I want to, not because I’ve got something to prove. I want to listen to my body, fall asleep when the moon is high and wake up slowly, with no place to rush off to. I want not to be governed by money or clocks or any of the artificial restraints that humanity imposes on itself. I just want to be, boundless and infinite.” (Die Quelle ist unbekannt, ich habs von dieser Seite: https://thyme-is-honey.com/2015/06/12/want-live-simply/)

Und so möchte ich weiterleben. So werde ich weiterleben. Jetzt und bald und dann auch noch. Denn das Leben will glücksplosiv gelebt werden.