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Lebensqualitativ hochwertig

Wie ich mir einen Tag gut verbracht vorstelle? Gut verbracht und ausgefüllt, gar qualitativ hochwertig? Lebensqualitativ hochwertig? Das erzähl ich euch gerne!

So ein Tag voller Lebensqualität, der beginnt bei mir schon vorm Aufstehen. Der beginnt nämlich mit ausreichend und tiefem, gutem Schlaf. Und das beinhaltet für mich auch ein Schlaf bis zum natürlichen Aufwachen. Ein Schlaf, der damit endet, dass ein neuer Tag beginnen darf (anstatt zu müssen). Ein Tag, der mit einem langsamen, verschlafenen Umherrollen, Hineinwutzeln und nochmal die Augen für ein paar Momente Zumachen beginnt. Ja. So fängt die Lebensqualität bereits am Morgen an.

Ein Tag voller Lebensqualität hat wenig Pläne, viel Zeit und das Gefühl der Ewigkeit. Ein Nicht-auf-die-Uhr-schauen-müssen, ein Hineinspüren-und-einfach-tun-statt-planen. So geht der Tag weiter. Bei einem gemütlichen Frühstück mit buntem Essen und Blumen, Sonnenschein oder Regenprasseln oder Wind oder Schnee (wie ihr seht, das Wetter ist nicht entscheidend).

Dann geht dieser Tag gemächlich weiter. Generell hat Lebensqualität für mich viel mit Zeit zu tun. Also eigentlich mit Zeiträumen, dem Zeithaben, dem Zeitnehmen. Ein lebensqualitativ hochwertiger Tag hat viel frische Luft – im übertragenen und eigentlichen Sinne. Luft im Sinne von Leere und Stille, gepaart mit schaffenden, kreativen Momenten. Und mit frischer Luft im Sinne von draußen sein.

Ein Tag, der die Lebensqualität steigert oder eben voller Lebensqualität ist, hat für mich auch mit den Menschen zu tun, mit denen ich mich umgebe und mit dem Essen, das ich meinem Körper gebe. Hochwertige – wertvolle – Gespräche, Lebensmittel, Worte und Einstellungen gehören da für mich dazu.

Lebensqualität hat andererseits kaum Momente des Vergleichens und Gestresstseins. Wenig bis gar keine Momente des Müssens, viel mehr des Dürfens und Auswählens. Lebensqualität heißt daher für mich auch Selbstbestimmung – über den Tag und mein Leben. Lebensqualität heißt innere Zufriedenheit und Fülle, genauso wie Dankbarkeit für das, was ist und Bereitschaft für die Veränderung. Lebensqualität. Was für ein Konzept!

Ein lebensqualitativ hochwertiger Tag endet langsam und entschleunigt. Er endet, wie er begonnen hat – natürlich und einfach. Er bleibt rückblickend warm und hell in Erinnerung, so ein Tag. Und solche Tage der Lebensqualität dürfen sich gerne aneinanderreihen. Sie dürfen gerne verweilen und sich zu Jahren der Lebensqualität, ja – zu einem Leben voller Qualität summieren.

Die Qualität, also die Beschaffenheit, meines Lebens. Darüber mache ich mir gerne Gedanken. Und noch lieber erschaffe ich mir ein von schöner Qualität beschaffenes Leben! Was für eine Freude, diese Gedanken- und Wortspielereien! Ein weiterer Punkt auf meiner Liste: Was das Leben qualitativ hochwertig macht.

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Das liebende Wir

Oh, sie ist sowas Schönes, diese Liebe. Sie ist so tief und so erfüllend und so warm und rundherum wohltuend.

Die Liebe. Und dieses Mal schreib ich nicht von der Liebe zum Leben oder zur Natur, zum Essen oder zum Reisen. Dieses Mal geht es um die Beziehungsliebe. Um die Liebe, die ich für meinen Mann empfinde. Für meinen Partner, für meinen Liebsten. Für meinen besten Freund und meinen Begleiter.

Ich bin so – auf Englisch passt dieses Wort für mich einfach besser – blessed. Gesegnet. Mit so einem wunderbaren Menschen an meiner Seite, in meinem Leben. Ich empfinde so eine tiefe Dankbarkeit, dass ich jeden Tag mit einem Menschen leben darf, der so weise ist. Der das Leben so versteht. Der sich das gute Leben aussucht. Ganz bewusst, jeden Tag. Der Dinge hinterfragt, die Welt verstehen will und der vor allem – und das wirklich vor all dem anderen – so ein gutes Herz hat. Der Dinge sagt und macht aus einem liebevollen Grund. Der Frauen-Menschen-Lebensrechte nicht erklärt bekommen braucht (Thema Abwaschen, weil Frau und so). Der mir fast jeden Tag eine neue Tür in eine Welt aufmacht, die ich bisher nicht kannte. Der mit seiner Kreativität, seiner Sicht auf die Dinge, mit seinem Gespür die richtigen Worte und Taten findet. Immer wieder.

Ich bin so gesegnet, so beschenkt, dass ich mich auf dieses Abenteuer mit ihm einlassen durfte. Ich darf durch ihn und mit ihm mein Leben von einer anderen, einer weiteren, einer breiteren Sicht erleben. Jeden Tag.

Wir machen uns das Leben schön, haben gemeinsame Visionen und Träume, Projekte für die Zukunft und versuchen, dem Alltag im Hier und Jetzt ein bisschen Gemütlichkeit und Licht zu verleihen.

Wir machen wahrhaft wunderbare Dinge, und das nicht nur im Urlaub. Wir nehmen das „gute“ Geschirr einfach so her, um uns ein königliches Frühstück zu zaubern. Wir machen Musik, singen gemeinsam und lachen dabei. Wir kochen gemeinsam und richten das Essen schön her. Wir reden über uns, wir reflektieren, wir sind ehrlich und wir teilen uns mit. Wir halten uns und geben uns Raum. Wir diskutieren, kommen auf Neues drauf und sind uns so nahe. Wir lieben uns. Und diese Liebe ist wahrhaft wunderschön.

Wie eine Liebeserklärung, wie sie dieser Text ist, in diesen Blog passt? Weil ich finde, dass so eine gesunde, liebevolle, tiefe, ehrliche Beziehung ganz (GANZ!) viel mit Selbstliebe zu tun hat. Mit Dankbarkeit, mit Fülle, mit Leichtigkeit, mit Kreativität, mit Erfüllung, mit Lebensgestaltung, mit Bewusstheit, mit Achtsamkeit und Glück.

Und weil ich finde, dass Liebeserklärungen an einen Menschen auch Liebeserklärungen an mich selbst und das Leben sind.

Ich wünsch euch ein Wir voller Liebe. Egal, mit wem.

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Auf Biegen und (Zer)Brechen

Wir leben und machen und tun in unserer kleinen Welt und dann gibts da andere auch noch. Und damit wir mit den anderen zusammenleben können, brauchen wir sie und müssen einfach manchmal Kompromisse eingehen und uns aufeinander einstellen. Aber das ist eben gar nicht so einfach.

Oft ist es doch so, dass wir uns selbst vor lauter den-anderen-Rechtmachen vergessen. Dass wir vor lauter Herumflattern im starken Wind der Meinungen, Erwartungen und Einstellungen anderer ganz schwindelig werden. Dieses Rechtmachen, dieses nur noch für die anderen Sein und Tun, das ist nämlich ganz schön anstrengend.

Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich etwas mache, in der Annahme, die anderen erwarten das ja von mir. Und jetzt mach ich eigentlich eh schon so viele Dinge aus mir selbst heraus und ohne die Meinungen der anderen zu laut werden zu lassen. Und trotzdem. Dann kommt wieder ein Moment und statt das zu tun, was ich aus mir selbst heraus für richtig halte, bin ich eingeschüchtert, überfordert oder einfach hin- und hergerissen zwischen dem „eigentlich sollte ich“ und „aber ich würde gern…“.

Und ich frage mich, warum das so ist. Warum die vermeintlichen Meinungen der anderen immer wieder meine Pläne kreuzen. Warum ich mich da immer wieder verunsichern lasse? Zufriedenstellende Antworten habe ich da noch keine gefunden…

Ich hab da so ein Bild für mich gefunden, das mir hilft, wenn das Rechtmachen wieder mal Überhand gewinnt: Wenn ich versuche, immer das zu tun, was die anderen von mir erwarten oder wollen, dann muss ich mich in alle Richtungen biegen. Denn der Eine will das, die Andere das und eine Dritte will vielleicht wieder ganz etwas anderes von mir. Und so würd ich mich bei dem, was ich mache, biegen, biegen, biegen – und wahrscheinlich daran zerbrechen. Und das klingt nicht gesund.

Das alles ist eng mit Grenzen setzen, Klarheit (über die eigenen Bedürfnisse), Kommunikation, Selbstliebe, Mut und einer Portion nicht-zu-viel-Nachdenken verbunden. Und es ist wohl ein lebenslanger Lernprozess…

Denn rechtmachen ist nicht unbedingt richtig machen. Und das sollte ich mir irgendwo hinschreiben, damit ich öfters dran denke.

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Geregeltes Erwachsensein

Oft ist es so, dass sich meine Gedanken immer wieder um eine Sache drehen. Und dann nehme ich genau in dieser Zeit Dinge wahr, die genau das widerspiegeln oder zumindest auch damit zu tun haben.

Und so ist es mit folgender Frage, die ich in einer meiner liebsten Zeitschriften gelesen habe: Was würdest du deinem 12-jährigen Ich sagen?

Die Antworten prasseln nur so in mein Bewusstsein und ich frage mich, was das bei mir auslöst. Denn ich habe festgestellt, dass ich – je älter ich werde – immer weniger von außen auferlegte Regeln zum Leben brauche. Und dass das eine sehr angenehme Sache am Älterwerden ist.

Also lasst uns mal ganz von vorne beginnen. Was ich meinem 12-jährigen Ich sagen würde, ist, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie es im ersten Moment scheint. Weder so groß, noch so wichtig, noch so lebensverändernd. Und damit mein ich zum einen die Dinge, die ich mit 12 geglaubt habe, besitzen oder können zu müssen. Zum anderen aber auch die Tatsache, dass ein Pickel hier, ein blauer Fleck am Bein da und ein kleines Baucherl/roter Kopf/eine nicht so coole Hose/etc. nichts, aber schon gar nichts am Leben verändern wird.

Ich würde diesem jungen Ich sagen, dass es allen so geht. Egal, wie. Dass alle weinen und trauern, alle aufs Klo gehen müssen und alle mal schlechte Tage haben. Dass es zwar von außen oft nicht so ausschaut, aber dass alle eine (und noch viel, viel mehr) Geschichte(n) haben und dass wir nicht hineinschauen können, sondern mitfühlend mit uns und den anderen sein müssen.

Was ich meinem 12-jährigen Ich sagen würde, ist auch, dass alles so kommt, wie es passt. Auch, wenn wirs erst danach merken. Und dass es ganz wenige „Regeln“ braucht für ein gutes Leben.

Und so schließt sich der Kreis. Das ist es, was ich wahrnehme, wenn ich so ans Erwachsensein und Älterwerden denke: Ich brauch nicht mehr viele Regeln, keine Verbote oder enge Glaubenssätze mehr. Und das ist unheimlich befreiend!

Ich lebe so, wie ich gut leben kann. Ich lebe auch so, wie die anderen mit mir und um mich gut leben können. Ich lebe so frei und genügsam, so unkompliziert wie nur irgendwie möglich und ich habe Verständnis – für mich und für die anderen. Ich machs mir nicht unnütz schwer, ich weiß ja mittlerweile, was ich (nicht) mag. Ich brauch keine Regeln mehr von außen – weder von mir selbst, noch von der Gesellschaft oder den Leuten, die es auch nicht besser wissen.

Was ich meinem 12-jährigen Ich zusammenfassend sagen würde: Horch in dich hinein und lebe danach. Nicht nach Regeln, nicht nach Konventionen. Es ist dein Leben.

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Gar nicht so selbstverständlich

Ich habe über ein Wort nachgedacht. Eines, das wir ganz selbstverständlich verwenden und eines, das gar nicht so selbstverständlich ist. Das Wort, von dem ich schreibe, ist selbstverständlich „selbstverständlich“.

Ich habe fünf Hypothesen aufgestellt, die ich euch selbstverständlich präsentieren möchte!

Hypothese 1: Selbstverständlich ist gar nicht so selbst-verständlich.

Das Wort an sich sagt im Prinzip ja schon, dass es selbst verständlich ist. Also sich selbst erklärt, ohne erklärt werden zu müssen. Denn es wird einfach verstanden, aus sich selbst. Angeblich. Denn ist es wirklich so selbstverständlich, dieses Wort? Kann man es einfach so verstehen? Und was meint es denn eigentlich, dieses selbstverständlich?

Ich (und ich nehme an, auch einige mehr von uns) verwenden dieses Wort des Öfteren. Und habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Habt ihr es bisher eh immer verstanden oder ist dieser Gedanke auch neu für euch?

Hypothese 2: Ist und (noch schlimmer wird) etwas zu selbstverständlich, wirds gefährlich.

Etwas wird selbstverständlich? Das ist ein etwas gefährliches Pflaster. Denn wenn es selbstverständlich ist, ja vielleicht sogar zu selbstverständlich – kann es dann noch als besonders oder wertvoll eingestuft werden? Dass wir atmen ist selbst-verständlich. Sonst wären wir nicht mehr hier. Dass wir lieben und geliebt werden, ist auch selbstverständlich? Eigentlich ja schön. Eigentlich. Denn wenns zu selbst-verständlich wird, dann kann das dazu führen, dass es weder reflektiert, noch dankbar angenommen wird. Denn auch, wenn ich es jeder und jedem wünsche, selbst-verständlich liebevolle Beziehungen zu führen und zu haben, glaub ich, dass eine Verselbstverständlichung eher zum Abflauen einer Beziehung beiträgt, als zu ihrem Gegenteil.

Hypothese 3: Wenns weg ist, dann ists auf einmal nicht mehr selbstverständlich.

Klingt kompliziert? Wie wärs mit dem Beispiel: Wir merken oft, wenn etwas weg ist, dass es bis zu diesem Moment selbstverständlich war. Zum Beispiel die Gesundheit. Ich hab mir vor ein paar Tagen beim Nacken etwas verrissen und bis dahin war es für mich vollkommen selbstverständlich, dass ich mich frei und vor allem schmerzfrei bewegen kann. Und dann eine so vergleichbar minikleine Sache – und BUMM – die Selbstverständlichkeit ist verflogen. Und mit jedem Tag der Besserung stellte sich bei mir auch mehr Dankbarkeit ein, dass dieses Warnsignal vom Körper nur kurz vorgekommen ist. Vergleichbar ist diese Situation auch mit Liebeskummer oder dem banalen Beispiel, dass wir im Urlaub plötzlich das Wasser aus der Leitung nicht mehr einfach so trinken können.

Hypothese 4: Immer alles nicht selbstverständlich nehmen, ist auch nicht die Lösung.

Wenn ich jeden Moment, jeden Schritt, jeden Schluck Wasser, jeden Atemzug und jede Begegnung mit jedem Menschen immer als nicht selbstverständlich einstufe, dann wirds etwas kompliziert. Und vor allem anstrengend. Manche Sachen dürfen gerne automatisiert sein. Aber vielleicht immer mit einer Prise Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und dem Bewusstsein, dass es auch anders sein könnte. Also: Immer wieder mal innehalten und mehr Dinge (Menschen, Situationen,…) weniger selbstverständlich sehen.

Hypothese 5: Wenn man über ein Wort ganz viel nachdenkt, ist es plötzlich nicht mehr so selbst-verständlich…

Gibt es von euch Hypothesen, die (nicht) selbstverständlich sind? Teilt sie gerne mit mir! Denn ich kann selbstverständlich nicht an alles denken! Ich freue mich!

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Dem Widerstand widerstehen

Manchmal da ist alles dicht. Die Luft und die Stimmung, die Nerven und scheinbar alle anderen um mich herum auch. Und nicht nur das: Auch der Widerstand scheint größer zu sein, als normalerweise.

Wer viel mit Kindern zu tun hat, weiß, dass es solche Moment zuhauf gibt. Denn nicht immer ist das Warten lustig oder das Anziehen toll und das Leisesein sowieso schon gar nicht irgendwie erstrebenswert. Und nicht immer ist es leicht, mit diesen Schwallen von unterschiedlichen Stimmungen, momentanen Bedürfnissen und Trotzphasen umzugehen.

ABER und jetzt kommt die große Wende zum positiven Teil dieser Geschichte: Ich hab es geschafft, dem Widerstand zu widerstehen. Hab nicht versucht, mich dagegenzustellen, mich größer zu machen oder einfach Nein zu sagen, um Nein zu sagen. Ich hab kurz überlegt, mein Erwartungs-Ich zurückgenommen und hab mich treiben lassen – von der Stimmung und dem, was momentan da war.

Und, was soll ich sagen: Der Stress war weg, der Widerstand hat sich zu einer wohlgeformten Gemeinsamheit entwickelt und dazu kam die ausgelassene Freude, weil etwas passierte, das wir alle davor nicht erwartet hätten.

(Falls ihr euch fragt: Wir haben gestampft und getanzt, sind gehüpft und als Hexen, Marienkäfer, Mini-Geister und Schnecken durch den Raum geflogen, sind gelaufen und gesaust und haben uns unter Tüchern versteckt. Was man eben so macht, um dem Widerstand zu widerstehen.)

Einmal hab ich einen Spruch gelesen und ihn mir dann gleich ins Klo gehängt, damit ich ihn immer immer immer wieder sehe:

„Im Leben entsteht Stress dadurch, dass du dich dem widersetzt, was gerade geschieht.“

Hu. So ist es wohl.

Denn Widerstand erzeugt Widerstand. Oft ist dieser auch ganz wichtig (ganz, ganz wichtig! Widersteht ihm ja nicht zu oft! Zivilcourage und so). Aber wenns um weise kleine Wesen geht, dann hilft der Widerstand oft nicht und mehr Freude macht Herumspringen obendrein!

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Meine Lehrmeisterin, die Karotte

Lernen. Das hab ich immer schon gern gemacht. In der Schule und daheim, am Morgen und am Abend. Ich war eine von denen, die die Zusatzaufgaben immer gemacht haben – nicht unbedingt, weil es darauf ein Plus gab, sondern einfach, weil ich es mochte, seitenweise Rechnungen, neue Wörter und Vokabel aufzuschreiben und zu lernen. Weil ich das Gefühl mochte und immer noch so gerne mag, wenn sich was tut in meinem Kopf. Immer noch liebe ich es, Umfragen auszufüllen oder etwas zu lesen und danach Fragen zu beantworten. Ja, ich bin eine von denen.

Und so hab ich meine Aufgaben immer schön gemacht, hatte sogar Freude dabei und dann bin ich im Leben angekommen und merke, dass es nicht mehr viele solcher Schul-/Universitäts-/Prüfungssituationen gibt. Wie oft gibt es eine und nur eine Antwort? Bei der Millionenshow? Ja, da schon. Komm ich aber auch selten in die Mitte. Im Beruf? Eine Antwort und die anderen sind falsch? Auch da nicht wirklich. Im Alltag? Beim Kochen und Garteln? Oh, nein. Da gibt es hunderte von Herangehensweisen, hunderte Richtigs und ein paar „Beim-nächsten-Mal-werd-ichs-anders-machen“. Denn das ist es, dieses echte Lernen.

Diese Erkenntnis ist weder neu, noch unbekannt. Und ich glaub auch, dass sie jede und auch jeder von euch bereits erfahren hat.

Wie ihr bereits wisst, spielt sich mein Leben grad viel im Garten ab. Und wie beim letzten Text geschrieben, komm ich da immer wieder auf neue Sachen drauf. Und so kam auch die Idee zu diesem Text. Denn ich lerne gerade so viel, bin am Anfang und mitten drin in meiner Gartenlernreise. Und dieses Lernen ist ganz ein anderes, als das in der Schule (Uni,…). Ich probiere etwas Neues aus – in meinem Fall hab ich Karottensamen eingesetzt – und merke, dass ich zwar schon tausende von Karotten gekauft und gegessen habe, aber dass ich noch nie den Wachstumsprozess gesehen habe. Weder die Samen konnte ich zuordnen, noch konnte ich die Tatsache voraussagen, dass aus vielen, vielen Samen viele, viele Pflänzchen werden. Und so hab ich munter Samenkörner in die Erde gestreut, um dann ein paar Wochen später zu sehen, dass sie alle zu wachsen begonnen hatten.

Und was ich dann beim stundenlangen Auseinandersetzen und Platzmachen für jedes einzelne Karöttchen auch noch gelernt habe, ist, dass ich das beim nächsten Mal wohl anders machen werde. Weil es sicher andere (weniger zeitintensive) Wege gibt, um zum Ziel zu kommen. Und dieses Lernen ist so vielschichtig, so tiefgehend, ich sags euch.

Seit ich mich so intensiv mit unserem Garten befasse, möchte ich auch alles darüber wissen. Es reicht mir nicht, eine Sache zu tun und sie dann so zu belassen. Ich möchte wissen, warum die ersten Blätter bei einer Karottenpflanze anders ausschauen, als die anderen. Ich möchte wissen, welche Pflanzen sich gegenseitig rundherum helfen können. Ich möchte wissen, wann und wie viel und warum und wo einzelne Pflanzen gut wachsen. Und dann lese ich darüber, schaue mir Videos dazu an, frage Menschen, die es wissen könnten, probiere aus, warte und lerne dabei.

Dieses echte Lernen, dieses Lebenslernen, ist so belohnend. Ich weiß nicht, wie ich dieses Wort anders ausdrücken könnte. Der Lohn dafür ist nämlich weder ein Lob (noch ein Sternderl oder Pickerl oder Plus…) von jemandem, sondern es ist dieses tiefe innere Wohlgefühl, etwas für mich, für meine und die große Welt, getan zu haben. Und dieses praktische und theoretische, dieses Hand-Herz-Kopf-Lernen, dieses learning-by-doing, dieses aus-Fehlern-Lernen, dieses Prozess-statt-Produktorientiertierung, dieses sinnvolle, sinnhafte und sinnliche Lernen, das ist für mich das Lebenslernen.

Das hat mir meine Lehrmeisterin, die Karotte, in den letzten Wochen ausführlich und eingehend gezeigt. Und ich kanns kaum erwarten, bis ich wieder etwas Neues lernen kann. Bis ich wieder auf etwas draufkomme, wieder sehe, dass etwas so oder so (nicht) funktioniert und bis ich ein nächstes Mal freudestrahlend sagen kann: Das hab ich vorher noch nicht gewusst!