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Alleine deshalb…

… zahlt es sich schon aus, zu leben.

Diese weisen Worte hat meine Mama vor Kurzem beim Kaffeetrinken in einem wunderschönen und gemütlichen Café gesagt. Sie war – wie ich auch – so berührt von diesem schönen Ort, hat ihren schön hergerichteten Cappuccino geschlürft und diese schönen Worte von sich gegeben.

Und ja, sie berühren mich wirklich, diese Worte. Es ist so wichtig, diese kleinen großen Momente zu feiern. Es ist so wichtig, das alles nicht einfach hinzunehmen. Es ist so wichtig, immer wieder innezuhalten und für das Leben dankbar zu sein.

Und deshalb möchte ich diesen Text dem Leben widmen.

Ich möchte mich von tiefstem Herzen bedanken, bei dir, liebes Leben. Danke für all die Menschen, die ich um mich haben darf. Meine Familie, die unterstützend, bedingungslos liebend, wertschätzend ist. Meine Familie, die zusammenhält und die sich selbst mag. Meine Familie, die miteinander lachen und weinen kann, die streitet und sich versöhnt, die laut sein kann gemeinsam und auch ganz leise.

Die wichtigen Menschen in meinem Leben, die mir – egal, wie weit weg sie leben oder wie (wenig) oft ich sie sehe – so nahe sind. Die ich zu unterschiedlichsten Dingen im Leben um Rat und Meinung fragen kann, die mit mir ihre Ängste und Unsicherheiten teilen und die ich von ganzem Herzen schätze für das, was sie sind.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass du es mir ermöglichst, dass ich so lebe, wie ich lebe. Dass ich es leicht habe und es mir leicht machen kann. Dass ich das Kleine so sehr schätze, mich an Farben und Mustern erfreuen kann, dass ich spielen und tanzen kann, dass ich mich bewegen und still sein kann. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich mir aussuchen kann, was ich mache, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass ich schon so viel von der Welt sehen und erleben durfte. Dass ich meinen Weg hinein in so viele Unsicherheiten so bestimmt und im vollsten Vertrauen gehen durfte. Dass ich vieles ausprobieren und wieder lassen konnte, dass ich auf meinem Weg so viel Rückenwind gehabt habe und aus dem Gegenwind lernen durfte. Auch dafür bin ich so dankbar.

Die Liste an Dingen, für die ich dankbar bin, geht weiter. Jeden Tag halte ich kurz inne und überlege, für welche Momente des Tages ich dankbar bin. Einen dieser Momente schreibe ich dann auch auf. Und so habe ich bisher in diesem Jahr eine Sammlung mit 242 Glücksmomente angelegt. Das kann sich sehen lassen, oder?

Beim Sitzen in diesem Kaffeehaus hatte ich Tränen der Überwältigung in den Augen. Denn dieser Moment war ein Inbegriff des Guten für mich. Ein Inbegriff der Freiheit, des Friedens, der Leichtigkeit, des Genusses. Ein Inbegriff dessen, was ich meine, wenn ich vom guten Leben spreche. Und dieser Moment ist einer der – wohl weit mehr als – 242 Glücksmomenten in diesem Jahr…

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Mein Gespräch mit der Stimme

Ich habe endlich viel Zeit. Viel Zeit, die ich mir frei einteilen kann. Zeit, die ich so verbringen kann, wie es mir passt. Es gibt keine Struktur, keine Eile, keine Vorgaben. Zumindest fast keine. Wäre da nicht die Stimme in meinem Kopf, die brav kategorisiert. Die Stimme, die meine Aktivitäten einteilt in „gut“ und eben „nicht so gut“, weil wenig produktiv, wenig kreativ, zu wenig von irgendwas.

Diese Stimme, die gab es natürlich auch schon vorher. Ich glaub, die gab es schon immer. Ich komme aus einer Familie, die gerne viel macht. Und so bin ich aufgewachsen, habs so miterlebt und bin selbst so geworden. An sich ja nichts Schlechtes. Ich bin gerne sportlich, produktiv und kreativ. Erledige gerne Sachen, mache drei Dinge auf einmal und freue mich, wenn etwas abgeschlossen ist. So weit, so gut. Gäbe es da nicht die andere Seite dieses immer viel tun Wollens. Denn diese andere Seite ist faul und irgendwie immer ein bisschen zu wenig. Herumliegen und fernsehen, wenn das Wetter schön ist? Die schmutzige Küche noch ein bisschen länger schmutzig sein lassen und einfach später abwaschen? Wieder einen Tag ohne Berg-, Rad-, Lauftour erleben? All das ist gar nicht so einfach, mit dieser inneren Stimme, die das nicht mag.

Und da ich jetzt weiß, dass ich diese innere Stimme habe, versuche ich ihr nicht mehr allzu genau zuzuhören. Natürlich hör ich sie, ich sag ihr dann aber mittlerweile schon bestimmt und fast vollkommen überzeugt, dass es das nun mal ist, was ich jetzt tun möchte. Dass es ok ist, sag ich ihr auch. Und dass auch sie sich mal ausruhen soll. Dass sie sich bewusst werden soll, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Dinge gibt. Dass es sicherlich Dinge gibt, die gut tun und dadurch auch vermehrt getan werden sollten. Doch da vertrau ich meinem Gefühl, dass ich eh das mache, was ich für mich in diesem Moment für richtig halte. Und das wird wohl auch am nachhaltigsten sein, denk ich mal.

Ich mag es, wenn mir Dinge bewusst werden. Dann sind sie an der Oberfläche und ich kann mit ihnen arbeiten. Kann – wie mit dieser Stimme – umgehen lernen und sie akzeptieren oder auch verändern, wenn ich das will. Viel zu lange hat diese Stimme einfach in mir drinnen geschlummert und sich immer wieder laut gemacht, ohne befragt worden zu sein. Viel zu lange war es mir nicht bewusst, dass ich mir selbst (oder eben dieser Stimme, die ich ja auch bin) nicht alles glauben muss. Und jetzt, endlich – habe ich auch dafür Zeit, mich von ihr zu verabschieden und sie im Vertrauen in mich zum Schweigen zu bringen. Denn diese Stimmen, die dagegenreden, die sind nicht grad die nettesten Gesprächspartnerinnen.

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Dort, wo sie sich treffen

Wie nahe sie doch beieinander liegen, die zwei. Wie ähnlich sie sich auch sind, irgendwie. Und wie untrennbar sie zusammengehören.

Von wem ich spreche? Vom Ende und vom Anfang. Denn die zwei sind wirklich nur einen Moment voneinander entfernt. Sie unterscheiden sich im ersten Moment wie Tag und Nacht, haben aber doch einen starken gemeinsamen Nenner: Den Punkt, an dem sie sich treffen. Denn der ist jetzt. Und der ist am Ende des Endes und am Anfang des Anfangs.

Ich bin gerade jetzt, ja genau jetzt, in diesem Moment, an diesem Punkt, an dem sich Ende und Anfang treffen.

Ich habe heute einen großen Teil beendet und genauso beginnt heute ein anderer großer Teil. Ich habe meine Arbeit in der sicheren, planbaren, voraussehbaren und schönen Umgebung beendet. Und begebe mich in eine noch unsichere, noch wenig planbare, noch nicht voraussehbare und gewiss wunderschöne, neue Welt.

Und natürlich habe ich Ideen, Visionen und Pläne, was ich so tun und lassen möchte. Viele davon. Und sie haben die schönsten Farben und Muster, Formen und Konturen. Doch wissen, was kommt, tu ich es nicht, gar nicht. Aber das wissen wenige, wenn wir uns ganz ehrlich sind.

Dieser Punkt zwischen den Welten, zwischen Ende und Anfang, hat eine Magie. Er beherbergt große Dankbarkeit für das, was war. Viele Erinnerungen, Erfahrungen, Momente des Gewachsenseins und die Nähe zu Menschen, die in dieser Zeit wichtig waren. Und dieser Punkt trägt zudem die große Neugierde, die Zuversicht und das Vertrauen in sich, dass das, was kommt, gut sein wird. Er trägt auch Zweifel und Ängste in sich, das Gefühl des Abenteuers und des Lebendigseins. Für mich hat dieser Punkt, an dem ich gerade stehe, viel – ja sehr viel – mit Freiheit zu tun.

Ich bin so vollgefüllt mit Gefühlen, denn das Ende dessen, was war, tut gut und ist wichtig und war die richtige Entscheidung. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude und gleichzeitig bin ich ganz ruhig. Denn ich weiß, dass ich alle Zeit der Welt habe. Zumindest, bis der nächste Punkt kommt, an dem sie sich treffen – das Ende und der Anfang.

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Sommerliche Zeitreisen

Ich reise gerne. Am liebsten mit allen Sinnen und dorthin, wo es mir gefällt. Am liebsten an Orte, die mich erfreuen, mich berühren, mich an andere Orte erinnern (lustig, oder? Neues entdecken, um zu sehen, dass sie mich an Altes erinnern…)

Und ja. Reisen ist grad nicht so möglich, wie wir das kennen. Zumindest jetzt in diesem Moment nicht. Ich habe aber eine Reisemöglichkeit gefunden, die mich in den letzten Wochen sehr glücklich gemacht hat: Die Zeitreise in meine eigene Kindheit.

Wie ich das mache? Ganz einfach: Ich erinnere mich an die schönen Dinge in meiner Kindheit und versuche sie zu rekonstruieren. Das mache ich meist unbewusst, denn ich bin draufgekommen, dass das beste und direkteste Ticket in die Kindheit meine Sinne sind. Also in meinem Fall im Moment besonders mein Geruchs- und mein Tastsinn. Es ist also eher umgekehrt, dass ich etwas empfinde und es dann in Gedanken fasse. Hier meine kleine, ausgewählte Sammlung:

Es gibt im Keller einen Kasten, der riecht für mich nach Kindheit. Wenn ich ihn öffne, strömt nicht nur der süßlich-leichte Duft von Kerzenwachs, alten Bildern und Waschmittel meiner Oma heraus – vielmehr sehe ich mich als Kind vorm inneren Auge dort im Keller herumkramen, an heißen Sommertagen nach „Saftpackerl“ zu suchen und damit dann schnell wieder raus in die Sonne auf der Mauer sitzend die Erfrischung mit dem viel zu kleinen Strohhalm zu schlürfen.

Keller haben grundsätzlich diesen Kindheitsreiseeffekt für mich – besonders an heißen Sommertagen riecht es im Keller für mich nicht (nur) nach feuchten Wänden, dem kühlen Boden oder den gelagerten hunderttausend anderen Sachen – nein, es riecht nach den Mini-Magnums, die wir dort in der Gefriertruhe (! Truhe!) hatten und die an Sommertagen eines unserer Grundnahrungsmittel darstellten.

Weiter gehts auch in diesem Szenario, wenn ich barfuß bin – denn dann spüre ich den kalten Beton des Kellers, beim Hinausgehen das kratzige Gitter, das die Garage vom Parkplatz trennt und draußen die von den Sommersonne aufgewärmten Steinplatten, die immer noch an der gleichen Stelle wackeln, an der sie es immer getan haben. Wenn ich im Garten bin und das leicht nasse Gras unter meinen Füßen spüre, mit den abgekühlten Zehen dann über den warmen Parkplatz zur viel zu heißen Straße gehe, kommen sofort wieder die Bilder und Gefühle der ewig lange scheinenden Sommerferien als Kind in meinen Sinn. Das Rollerfahren und dabei immer wieder die Zehen am gleichen Fleck aufschlagen, das Sitzen am warmen Asphalt und dabei Straßenmalkreiden malen. Das unbeschwerte, warme, fröhliche Gefühl vom alle Zeit der Welt haben. Wie sehr ich es genieße, dorthin zu reisen!

Ein Kindheitsreisemoment ist auch, wenn ich bei leichtem Regen im aufgewärmten Pool schwimme – mein Körper eingehüllt vom warmen Nass, mein Kopf draußen und von leichten Regentröpfchen abgekühlt. Wenn ich dann meine Taucherinnenbrille ins kleine Häuschen zurückbringe und den Duft dort schnuppere, katapultiert es mich in Sekundenschnelle zur Sommerhütte meiner Nachbarn, in der wir uns als Kinder immer umgezogen, unsere nach Plastik riechenden Luftmatratzen und die bereits hundertfach verwendeten nassen Handtücher gelagert haben.

Ich werde auch weiterhin an diesen warmen sommerlichen Tagen einige Tickets in meine eigene Vergangenheit lösen – denn ich liebe den Gedanken daran, dass ich zumindest für einige wenige Sekunden wieder dorthin reisen kann. Ich hatte eine wahrhaft schöne, erfüllte und unbeschwerte Kindheit. Und dahin reise ich immer wieder gerne zurück…

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Kuchenküche

Nach der Freundesfreude geht es weiter mit der lustigen Alliterationsreihe. Wer sich fragt, was das heißt, der frage fremde Freunde oder wortgewandte Wörterbuchwichte.

Mein heutiger Text handelt von der sogenannten „Kuchenküche“. Was diese ist und was sie so besonders macht, das möchte ich euch gerne verraten.

Für mich war Kuchenbacken immer eine Sache, die sorgfältig geplant und vorbereitet, genau dosiert und exakt durchgeführt werden musste. Es brauchte viele Zutaten, komplizierte Rezepte, einen ganzen Nachmittag Zeit und noch dazu eine Portion Glück, damit das Ergebnis hoffentlich was werden würde. Und dadurch, dass das ganze Prozedere so umständlich war, habe ich ganz selten etwas gebacken.

Das hat sich schlagartig geändert, als ich meine Ernährung umgestellt und es plötzlich nicht mehr so viele kaufbare Süßigkeiten für mich gab. Als ich meinen Koch- und Backhorizont erweitert, mich aus der 0815-Küchen-Ausstattung hinausgewagt und meine Kreativität auch in der Küche einziehen hab lassen. Denn dann habe ich gelernt, dass es viele Wege gibt, um zum süßen Ziel zu kommen. Dass es oftmals nicht um die Höhe oder Form des Kuchens, sondern um dessen innere Werte geht. Dass weißes Mehl und weißer Zucker zwar bekannt, aber einfach auch fad sind. Dass es nicht alle Zutaten des Rezepts braucht, sondern vielmehr bunte Möglichkeiten, diese anders zu gestalten.

Und wie ich euch jetzt die Kuchenküche erkläre? Ganz einfach: Ich hab immer die Zutaten für irgendeinen Kuchen daheim. Und das, liebe Leute, ist wieder mal mehr als eine Rezeptidee: Es ist ein gar lebenstauglicher Ansatz, den ich hier verfolge!

Wenn die vorhandenen Zutaten für das eine und einzige Rezept nicht passen, dann kann man einfach das Rezept ändern! Denn aus den Ressourcen zu schöpfen ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch kreativer, wertschätzender und lustiger, als das eine Rezept (= den ein und einzigen Weg) auf Biegen und Brechen zu verfolgen. Das Ziel kann zwar anders werden, aber der Weg dorthin ist einfach selbstbestimmter, aufregender und lebendiger.

Tja. Und so bin ich sehr dankbar für diese Kuchenküche, die immer irgendetwas für mich bereithält. Denn meist entsteht daraus ein wahrhaft wohlschmeckender Kuchen, der viel Liebe und Kreativität enthält.

… und diese Weite und Fülle der Kuchenküche lässt sich ins Leben weit weg von Herd und Ofen übertragen, denkt mal drüber nach …

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Freundesfreude

Ich hatte dieses Gefühl gestern so stark wieder mal, dass ich sogar ein Wort dafür erfunden habe. Die Freundesfreude. Laut Pampelmuse-Duden besagt diese „(…) eine immense Freude über die Freund*innen und deren Anwesenheit, deren Sein und Wesen und die tiefe Verbundenheit mit ihnen“ (2020, S.44).

Denn gestern war so ein Tag, an dem ich diese Dankbarkeit, diese Verbundenheit, diese Gemeinschaft, dieses Miteinander, diese (Nicht-)Selbstverständlichkeit, diese Wellenlänge, diese Herzensnähe, diese Leichtigkeit, diese Innigkeit, diese Liebe wieder einmal so stark spüren durfte, dass es mich einfach überwältigt hat.

Freundesfreude, oder in meinem Fall Freundinnenfreude – doch ich muss zugeben, dass hier doch die männliche Form aufgrund des Wortrhythmus besser klingt – ist so etwas Wunderbares. Etwas so Kostbares und etwas so Heilsames. (Heilsam ist eine meiner neuen Lieblingsbeschreibungen für Dinge/Gefühle, die so gesund sind für den Geist und die Seele und erfrischend fürs Gemüt und wohltuend für die Stimmung. Damit ihr Bescheid wisst, was ich damit meine.)

Freundesfreude äußert sich bei mir meist dadurch, dass ich es mich fast zerreißt vor lauter Freude, wenn ich meine Freundinnen beobachte bei dem, was sie tun oder wenn ich gemeinsam mit ihnen lache, Blödsinn mache, tiefe Gespräche führe oder sie mich mit ihren Gesten berühren. Dann weine ich meist ein bisschen (oder ein bisschen mehr) und dann sag ich es ihnen, dass ich sie und uns so glass finde und dass ich mich so freue, sie zu haben.

Das ist sie also, die Freundesfreude. Kurz und auf den Punkt gebracht.

Ich wünsch euch allen solche Menschen, bei denen ihr euch auch so fühlen könnt!