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Über die Frage der Einfachheit

Ist es einfach, wenn man nicht überall mitmacht? Weder mitmachen muss, noch mitmachen will?

Es ist einfach, wenn man selbst entscheiden kann, was man braucht und was nicht. Wenn man sich nicht ausgeliefert fühlt und meint, man müsse und solle und wolle und tue eben. Aber es ist nicht so einfach, dem großen, schönen Angebot standzuhalten.

Ich denke an so viele Bereiche, die ich einfach nicht mehr mitmache. Seit Längerem (Fleisch!) oder noch nie (Alkohol!) oder seit Kurzem (neues Gewand!). Weil ich gemerkt habe, dass „man“ so vieles auch einfach nicht mitmachen muss.

Es ist einfach und macht das Leben einfach, nicht das neueste Gewand, das neueste Auto, das neueste Handy zu brauchen. Es ist sogar noch einfacher, einfach damit auszukommen, was ich habe – egal, ob das Gewand, Technik oder sonstiger Schnickschnack ist.

Die Entscheidung, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe, hat viel mit Genügsamkeit zu tun. Wenig mit Verzicht. Es fühlt sich mittlerweile für mich fast besser an, etwas nicht zu kaufen, als es tatsächlich zu kaufen. Wenn ich draufkomme, dass ich etwas einfach nicht brauche, ist das immer ein schöner Moment für mich. Und natürlich, die Welt ist nicht dafür gemacht. Also die natürliche Welt schon, die materielle eben nicht.

Es gibt so viel Angebot – von allen Seiten, zu jeder Zeit, in jedem Bereich. Es gäbe so viel, es bräuchte so viel, es wäre doch so praktisch und wichtig und überhaupt gehört es halt einfach dazu.

Sobald man das aber mal durchblickt hat und sieht, dass es auch anders, ganz anders, geht, sind diese verlockende Angebote gar nicht mehr so verlockend. Sobald der Blick ein bisschen hinter die Konsumszene geht, ist dieses Angebot auch nicht mehr so leicht vertretbar oder gar schön.

Ich möchte hier keine Moralapostelfrau sein. Ich kaufe immer wieder Dinge – manche auch, die ich nicht „unbedingt brauche“. Aber diese sind – wirklich in jedem Bereich, ob das Nahrung, Gewand, Hausausstattung, Bücher, Dekoration etc. ist – wirklich wohlüberlegt und gut ausgesucht. Und das macht den Unterschied.

Es ist wirklich einfach, da nicht mehr mitzutun. Und gleichzeitig ist der Schritt aus der Kaufen-Spirale gar nicht so einfach. Er erfordert ein Maß an Klarheit, Durch- und Dahinterblick, Selbstliebe und Mut. Denn Neinsagen war noch nie ganz einfach. Wird aber immer wieder belohnt – und diese „Belohnungsfreude“ hält länger an, als die nach einem Shoppingtrip. Versprochen!

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Von der tiefen Leichtigkeit


Ich rede und schreibe ja oft darüber, dass Dinge leicht gehen dürfen. Oder sogar sollen. Dass eine gewisse Leichtigkeit nötig ist und dass ich nicht wirklich daran glaube, dass die Dinge, die ich wirklich haben möchte, schwer zu mir kommen müssen. 

Wenn ich schreibe, dann muss es leicht gehen. Ich setze mich vor den Computer, beginne zu schreiben und meine Gedanken füllen die Seiten. Es ist wirklich, als würde ich von der (Pampel)Muse geküsst werden. Innerhalb weniger Minuten ist mein Text fertig. Ich lese ihn noch einmal durch, bessere Kleinigkeiten aus, die im Rausch des Schreibens untergegangen sind und kann ihn mit der Welt teilen. 

Das wirkt sehr leicht. Und so empfinde ich das in diesen Momenten auch. Aber – und hier kommt die Crux bzw. auch die Tiefe dieses Themas – der Text, den ich schreibe, beginnt schon viel früher zu entstehen. Ich habe einen Gedanken, lese etwas dazu, höre mir einen Podcast über das Thema an, rede darüber, stelle Fragen, diskutiere und beginne in meinem Kopf schon einzelne Bestandteile des Texts zusammenzufügen. Den Titel zum Beispiel. Oder einzelne Sätze, die mir dazu oder darüber gefallen. Auch im Unterbewusstsein arbeitet dieses Thema dann über länger oder kürzer. Anders kann ich es mir sonst nicht vorstellen, dass ich plötzlich überall und immer wieder damit in Verbindung komme. Dass ich dieses Thema für eine gewisse Zeit dann sozusagen anziehe (Gesetz der Anziehung…? Oder doch selektive Wahrnehmung…?)

Und dann kommt der Moment, an dem ich mich zum Computer setze und schreibe. Die Vorgeschichte, die Vorbereitung – bewusst und unbewusst – in mir, in meinem ganzen System – und dann schreibe ich. Es geht leicht, wenn ich den richtigen Moment erwische. Wenn ich sozusagen mit dem Thema schwanger gegangen bin (verwendet noch jemand diesen Ausdruck außer mir?) Wenn das Thema also in mir entstanden und gereift und nun bereit für die “Geburt” ist. 

Denn der Text scheint wohl nur die Spitze des gedanklichen Eisbergs zu sein. Darunter verbergen sich zahlreiche Stunden, Gedanken, eine Tiefe und Weite, Arbeit (im herkömmlichen und nicht herkömmlichen Sinne) und Kreativität. Mit einer gewissen Prise Glück oder wie man das auch immer nennen mag – Einfall, Inspiration, Liebe…

Und so, meine Lieben, entstehen die Texte hier. Mehr dahinter als nur “Leichtigkeit” – obwohl ich immer noch stark daran glaube, dass es diese Leichtigkeit als Loslassen, als Öffnen, als Spannungsabbau braucht.

Und jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass ich meine Texte selbst so gerne mag. Denn dahinter steckt mehr als ein bloßer Worterguss spontan zusammengefundener Gedanken. Dahinter steckt, worüber ich mir Gedanken mache, wohin ich meine Energie schicke, woher ich meine Kraft nehme, wie ich mein Leben gestalte. Denn diese Gedanken, lange bevor ein Text entsteht, begleiten meine Tage, meine Wochen, mein Leben. 

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Laufen fürs Gemüt

Ich komme gerade von einer Morgenlaufrunde zurück. Die Luft ist kalt und klar, die Sonne wärmt erst ganz leicht und die Welt ist noch still. Ich bin müde.

Ich beobachte Vögel, wie sie hoch oben ihre Runden drehen, schaue Kühen zu, wie sie über die Straße aufs Feld gehen. Ich richte meinen Blick in die Ferne und entdecke die ersten mit Schnee bezuckerten Berge dieses Jahres. Die Luft ist kalt und klar, die Sonne wärmt schön langsam etwas mehr. Und auch mein Körper wacht auf. Nicht nur mein Körper – nein, mein ganzes Gemüt erwacht plötzlich!

Beim Anblick der Berge in der Ferne wird mir ganz warm ums Herz. Ich habe Tränen in den Augen, so sehr berührt mich dieser Moment. Die Welt ist still und langsam und ich laufe durch den Wald.

Vor Kurzem habe ich festgestellt, dass mir Laufen und Bewegung im Allgemeinen so sehr gut tun. Dass ich mich fast aus jedem Loch, aus jedem Weinen, aus jedem Zweifel herausbewegen kann. Ich laufe fürs Gemüt. Viel mehr als fürs Fit- oder Schönsein. Viel mehr. Ich laufe, weil es mich erfüllt, weil ich meine Gedanken auf eine weite Reise schicken kann, weil ich bei jedem Schritt innerlich leichter werde.

Jetzt ist es nicht so, dass ich nur laufe, wenn ich innerlich Last verspüre. Ich laufe und bewege mich grundsätzlich liebend gerne. Ich liebe das Gefühl währenddessen und ich liebe es danach, das Heimkommen und Spüren meines Körpers, das Leichtfühlen und in Balance sein.

Ich laufe fürs Gemüt. Denn mein Geist braucht diesen Ausgleich. Es ist wahrlich ein Genuss, diese Erkenntnis zu haben. Denn dann werden Zeiten und Zahlen, Strecken und Erfolge plötzlich unwichtig. Ich laufe und wenn mir danach ist, gehe ich. Ich bleibe stehen und schaue, halte inne und atme, wenn ich das gerade möchte. Oder ich laufe ganz schnell, um mich frei wie ein Kind zu fühlen.

Laufen fürs Gemüt. Rundherum gesund. Das ist es wohl.

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Meinungsveränderungen

Oh, wie ich das hatte! Oh, wie normal ich das fand! Oh, wie sehr es mich und meine Entscheidungen beschränkt hat. Oh, wie schön, dass ich mich langsam ändere. Oh, wovon ich schreibe?

Diese vorgefertigte, von mir erstellte, allerdings wenig fundierte und wenig überraschend einengende, sowie quasi nicht aktualisierte Meinung(en) über mich, die Welt und das Leben.

Das ist gut, weil blablabla. Und das ist so schlecht, weil blablabla. Und das werd ich niemals tun, weil blablabla. Und ich bin einfach so, weil blablabla.

Ich hab mir selbst ganz lang viel zu viele Dinge geglaubt. Einmal irgendwo gelesen und zu meiner Meinung gemacht. Sehr komott. Oder einmal (nicht wirklich, aber halt ein bisschen) drüber nachgedacht und zack – zu einer ultimativen Wahrheit erkoren.

Ich möchte mein jüngeres, früheres, gestriges Ich hier nicht schlechtmachen. Zu diesem Moment hab ich es vielleicht einfach noch nicht besser gewusst. Aber ich möchte mein heutiges, mein jetziges Ich dafür loben, dass es Dinge genauer betrachtet, nicht gleich Nein schreit und davonsaust, sondern erstmal zuhört. Und dass es auch immer wieder sein Bestes versucht, dieses Ich. Aber jetzt mit etwas mehr Ruhe und Besonnenheit.

Ich hab meine Meinungen und merke einfach immer wieder, dass es mehr braucht – mehr Sichten, mehr Perspektiven, mehr Erfahrung, mehr Geschichten, mehr Verständnis, mehr Weite, mehr Offenheit, um mir meine Meinung zu bilden. Und auch, dass sie sich ändern darf, diese Meinung. Vielleicht soll sie das sogar. Denn Veränderung ist ja bekanntlich die einzige Konstante. Und zu einer ordentlichen Veränderung gehört wohl die festgefahrene, über-Alles-gestellte Meinung mehr als nur entfernt dazu.

„In einem Jahr werden wir auch wieder andere Menschen sein“. Das hat eine meiner engsten Lebensfreundinnen vor Kurzem gesagt. Sehr weise, wie ich finde. Und das fasst meine Gedanken hier wohl auch sehr gut zusammen.

Andere Menschen. Mit neuen An- und Einsichten, neuen Erfahrungen, neuen Geschichten im Gepäck, neuen Meinungen und neuen Gedanken. Gut so, sonst würd sich das Ganze immer wieder nur im Kreis drehen. Und da kann einem (und einer) ja nur schwindelig werden.

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Es muss immer erst was passieren…

… bevor sich was ändert.
Ein Satz, eine Einstellung, eine Lebensweise, eine Alltagswahrheit.

Es muss immer erst was passieren, damit wir umdenken. Die Welt muss brennen, der Rücken wehtun und die Seele weinen. Erst dann verändern wir etwas. Erst dann können wir etwas verändern. Es muss immer erst was passieren.

Was für eine gefährliche, gefährliche Halbwahrheit. Was für eine irreführende, ungesunde und kleinmachende Einstellung zum Leben das ist. Und wie normal sie gleichzeitig behandelt wird.

Meine Sicht auf diese Dinge ist anders. Vielleicht radikal anders. Denn ich mache Dinge, die mir guttun, jetzt schon. Nicht erst dann, wenn was passiert ist. Ich bewege mich und gebe meinem Körper gutes Essen, nicht, weil ich mich unwohl fühle oder krank war/bin. Nein, weil ich meinen Körper und meinen Geist gesund halten möchte. Gesund und munter, mobil und glücklich. Ich beende Dinge, die mir nicht guttun, nicht an einem Moment der vollkommenen Verzweiflung, sondern davor. Wenn ich merke, dass sie mir nicht (mehr) guttun. Ich umgebe mich viel und oft mit Menschen, die mir guttun. Die mich bereichern und zum Lachen bringen. Ich verbringe wenig Zeit mit den anderen.

Das braucht natürlich ein feinfühliges Hineinspüren und Kennen der eigenen Bedürfnisse. Das braucht auch Mut und den Drang zur Freiheit und zur (geistigen, körperlichen, …) Gesundheit. Es braucht zudem eine ordentliche Portion Selbstliebe, etwas zu tun oder zu lassen, das gut oder nicht (mehr) gut für eine ist. Und zwar vor der großen Krankheit, dem großen Zusammenbruch oder der großen Enttäuschung.

Natürlich passieren schlimme Dinge. Und natürlich ist es wichtig, daraufhin etwas zu ändern. Und es erfordert Mut und Selbstliebe und Gesundheit, das auch zu tun. Was ich mit meinem Text und meinen Gedanken aber sagen will, ist, dass es auch davor schon geht, seinem Körper und seinem Selbst etwas Gutes zu tun. Dass es nicht eine „Belohnung“ braucht, wenn etwas eh so schlimm war. Sondern dass Vorbeugen wahrscheinlich gesünder ist als Heilen. Dass ein vorzeitiges Einschreiten und Stoppen, ein Hineinfühlen und Vorausdenken möglich und wichtig sind. Für uns selbst, die Menschen um uns und auch für die Welt.

Denn wir dürfen genießen, ohne uns für irgendetwas zu belohnen. Dürfen gesund sein, ohne krank gewesen sein zu müssen. Dürfen selbst aufhören, ohne gestoppt worden zu sein. Dürfen Nein sagen, ohne es erklären zu müssen. Dürfen Dinge selbst entscheiden, ohne alles glauben zu müssen. Denn es muss nicht immer was passieren, um etwas zu ändern.

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Mein Gespräch mit der Stimme

Ich habe endlich viel Zeit. Viel Zeit, die ich mir frei einteilen kann. Zeit, die ich so verbringen kann, wie es mir passt. Es gibt keine Struktur, keine Eile, keine Vorgaben. Zumindest fast keine. Wäre da nicht die Stimme in meinem Kopf, die brav kategorisiert. Die Stimme, die meine Aktivitäten einteilt in „gut“ und eben „nicht so gut“, weil wenig produktiv, wenig kreativ, zu wenig von irgendwas.

Diese Stimme, die gab es natürlich auch schon vorher. Ich glaub, die gab es schon immer. Ich komme aus einer Familie, die gerne viel macht. Und so bin ich aufgewachsen, habs so miterlebt und bin selbst so geworden. An sich ja nichts Schlechtes. Ich bin gerne sportlich, produktiv und kreativ. Erledige gerne Sachen, mache drei Dinge auf einmal und freue mich, wenn etwas abgeschlossen ist. So weit, so gut. Gäbe es da nicht die andere Seite dieses immer viel tun Wollens. Denn diese andere Seite ist faul und irgendwie immer ein bisschen zu wenig. Herumliegen und fernsehen, wenn das Wetter schön ist? Die schmutzige Küche noch ein bisschen länger schmutzig sein lassen und einfach später abwaschen? Wieder einen Tag ohne Berg-, Rad-, Lauftour erleben? All das ist gar nicht so einfach, mit dieser inneren Stimme, die das nicht mag.

Und da ich jetzt weiß, dass ich diese innere Stimme habe, versuche ich ihr nicht mehr allzu genau zuzuhören. Natürlich hör ich sie, ich sag ihr dann aber mittlerweile schon bestimmt und fast vollkommen überzeugt, dass es das nun mal ist, was ich jetzt tun möchte. Dass es ok ist, sag ich ihr auch. Und dass auch sie sich mal ausruhen soll. Dass sie sich bewusst werden soll, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Dinge gibt. Dass es sicherlich Dinge gibt, die gut tun und dadurch auch vermehrt getan werden sollten. Doch da vertrau ich meinem Gefühl, dass ich eh das mache, was ich für mich in diesem Moment für richtig halte. Und das wird wohl auch am nachhaltigsten sein, denk ich mal.

Ich mag es, wenn mir Dinge bewusst werden. Dann sind sie an der Oberfläche und ich kann mit ihnen arbeiten. Kann – wie mit dieser Stimme – umgehen lernen und sie akzeptieren oder auch verändern, wenn ich das will. Viel zu lange hat diese Stimme einfach in mir drinnen geschlummert und sich immer wieder laut gemacht, ohne befragt worden zu sein. Viel zu lange war es mir nicht bewusst, dass ich mir selbst (oder eben dieser Stimme, die ich ja auch bin) nicht alles glauben muss. Und jetzt, endlich – habe ich auch dafür Zeit, mich von ihr zu verabschieden und sie im Vertrauen in mich zum Schweigen zu bringen. Denn diese Stimmen, die dagegenreden, die sind nicht grad die nettesten Gesprächspartnerinnen.

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Probleme später ausbaden

Wir gehen. Da ist ein wunderschöner See. Das Wasser kristallklar, die Wanderung schon lange und der Wille, in den See zu gehen, ist auch irgendwie da. Irgendwie. Wären da nicht das Pflichtbewusstsein und die Konsequenzen, die nassen Sachen und der Tagesplan.

Denn wenn wir jetzt ins Wasser gehen, dann müssen wir die nassen Badesachen tragen. Und so warm ist es eigentlich ja auch nicht. Und außerdem ist es vielleicht später gescheiter und kalt wird uns danach auch sein… Viele solcher „erwachsener“ Gedanken kommen uns in den Sinn. Bis wir plötzlich eine unserer Abenteuer-Regeln anwenden: Wenn es uns juckt, etwas zu tun, dann tun wir es. Denn es ist in den meisten Fällen besser (abenteuerlicher, lebendiger, aufregender,…) etwas zu tun, als es nicht zu tun. Und die Aussage des Tages, die mich dann ganz überzeugt: „Die Probleme verschieben wir auf später. Jetzt gehen wir erst mal schwimmen.“

Und, wie ihr euch denken könnt: Es war wunderbar! Das Wasser kristallklar, das Wetter genau richtig und das Gefühl, wild im See herumzuplantschen einfach unersetzbar. Die „Probleme“, die wir vorhergesagt haben, haben sich dann in Luft aufgelöst: Im Rucksack haben wir leicht einen Platz gefunden für all die nassen Sachen, das Wandergewand war danach noch viel feiner zum Anhaben und kalt war uns nach dem Schwimmen keinesfalls – eher sogar wärmer, vor allem ums Herz.

Diese Einstellung, dass die Probleme warten können, hat etwas sehr Kraftvolles, sehr Heilsames. Es erlaubt mir, im Moment das zu tun, was ich für diesen Moment richtig halte, ohne den Schwarzmalereien die gesamte Leinwand zu überlassen. Es befreit mich von den Sorgen, die wir uns sowieso immer zu viel machen und zeigt mir auch, dass sich viele dieser Zweifel und Probleme im Kopf eh nicht bewahrheiten. Die Probleme auf später zu verschieben, verschafft mir auch einen ordentlichen Spielraum, den ich plötzlich freier nutzen kann. Es gibt mir etwas mehr Zeit und vielleicht sogar Abstand zur Situation, was nur von Vorteil sein kann.

Ein Sprung ins kalte Nass und schon wieder mal so eine Erkenntnis! Sogar gleich zwei sehr lebenstaugliche Erkenntnisse:

  1. Probleme und Sorgen können (und dürfen!) auf später verschoben werden
  2. Machen ist abenteuerlicher als könnte, sollte, hätte.

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Der Garten der anderen

Oh, die Tomaten! Wie rot sie leuchten! Wie wunderbar sie wachsen, wie schön sie da hängen. Wie stark und gesund sie aussehen, wie prächtig sie sich entwickeln! Oh, diese Tomaten! Selten hab ich so schöne Tomaten gesehen … wie die im Garten nebenan. 

Und was diese rötesten Tomaten im Garten der anderen mit unseren Zweifeln, dem ständigen Vergleichen und einem Stich ins Selbstliebeherz zu tun haben, erzähl ich euch jetzt.

Während ich meinen Garten pflege, auf ihn Acht gebe und ihm die meiste Liebe geben kann, die mir nur möglich ist, bin ich so dankbar. Dankbar dafür, dass die Pflanzen so gut wachsen, dass die ersten Früchte bereits zu ernten sind und dass ganz viele neue Früchtchen nachkommen. Ich freue mich über jeden neuen Trieb, jedes Blatt, jede Minute, die ich im Garten verbringe. Ich bin ganz da, ganz präsent, ganz nah an mir und meinen Pflänzlein. Bin mit mir im Reinen, bin ganz bei der Sache. Ich verschwende keinen einzigen Gedanken daran, dass es wo anders vielleicht besser sein könnte.

Und dann gehe ich spazieren oder fahre mit dem Rad und sehe sie – die prächtigen Bäume, die hochrankenden Pflanzen, die leuchtend blühenden Blumen… im Garten der anderen. Und anstatt mich dessen zu erfreuen, bin ich kurz betrübt und verunsichert: Warum wachsen die Blumen bei uns nicht so hoch? Warum sind die Tomaten hier viel größer und roter? Warum scheint hier keine Schnecke, keine Ameise und kein Tierchen das Glück der Pflanzen zu gefährden?

Und ich merke: Ich zweifle. Ich fühle mich unsicher und nicht gerade glücklich darüber. 

Wenn ich beginne, den Garten der anderen mit meinem zu vergleichen, dann mache ich Folgendes: Ich sehe nur das Außen, sehe das Dahinter aber nicht. Weder die Arbeit, noch die Zeit oder Mühe, die hier hineingesteckt wurde. Ich weiß weder, wie lange die Pflanzen hier schon wachsen, noch sehe ich, welcher Dünger oder welche Mittel zum Einsatz gekommen sind. Ich kenne den Boden nicht, auf dem die Pflanzen gedeihen, kenne die Sonneneinstrahlung oder die Insektendichte dieses Stücks Erde nicht. Sehr botanisch? Hat wenig Lebensrelevanz, was ich hier schreibe?

Na, dann hört mal her:

Dieses Vergleichen, das ich mache, wenn ich andere Gärten bewundere, trägt nicht zu meiner guten Stimmung bei. Ich könnte mich daran freuen, aber stattdessen bin ich erzürnt und enttäuscht, warum es bei mir vielleicht im Moment nicht so gut läuft (oder wächst, in diesem Fall). Ich glaube, die Situation aufgrund meiner kurzen und nicht sehr tiefgehenden Beobachtung einschätzen und bewerten zu können. Ich vergleiche Äpfel mit Birnen. Denn der Garten der Nachbarn ist nicht mein Garten.

Und wenn wir jetzt – Achtung, wir lehnen uns jetzt weit aus dem Fenster – den Garten mit all möglichen Attributen der anderen austauschen, zum Beispiel der Karriere, der Wohnung, dem Auto, der Figur, dem Gewand, der Nase, der Beziehung etc., dann sollte spätestens jetzt klar sein, dass mein Vergleich von den rötesten Tomaten und dem wunderbarsten Garten wohl auch eine Metapher für unser ständiges Vergleichen mit anderen ist.

Wir wissen nicht, was die anderen warum tun (müssen). Wir kennen oft oft oft weder die Geschichte davor, noch die Geschichte danach. Wir machen uns durch das, was die anderen haben, tun und sind, selbst kleiner, weil das in unserem Kopf leichter scheint, als einfach zu beobachten. Anstatt uns daran zu erfreuen, dass in anderen Gärten die Pflanzen auch schön wachsen, suchen wir den Fehler und vergleichen unseren “Garten” mit dem der anderen.

Ich nehm mir ganz fest vor, den Garten der anderen als Garten der anderen zu sehen. Ihn vielleicht sogar genießen zu können. Und falls ich noch nicht so weit bin, dann erinnere ich mich an meinen Garten. Denn dort find ichs immer schön. 

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Alltagsabenteuer

Abenteuer. Das kling ja schon mal vielversprechend. Und Alltag? Naja, der hat auch was – zwar weniger abenteuerlich, dafür umso bekannter.

Die Alltagsabenteuer, von denen ich euch heute erzähle, führen mich nicht weit weg und haben trotzdem sehr viel mit Urlaub zu tun. Sie sind nicht teuer und haben trotzdem etwas Unbezahlbares. Die Alltagsabenteuer, von denen ich heute schreibe, helfen mir dabei, den Sommer erstens auch ohne viel Urlaub zu genießen und zweitens mein Leben abseits vom Trott bunt zu gestalten.

Also was meine ich denn damit, wenn ich vom Alltagsabenteuer schreibe? Für mich hat dieses einige Charakterzüge, die sich bei jedem dieser Abenteuer wiederholen. Ein Alltagsabenteuer …

  • … kann jeden Tag stattfinden, zu jeder Tag- und Nachtzeit, auch am Wochenende, auch nach Feierabend.
  • … ist nicht großartig geplant, findet einfach statt, braucht wenig und bringt viel.
  • … ist oft irgendwas außerhalb der eigenen vier Wände oder zumindest führt es zumindest kurz weg von der Couch, hinein ins Leben.
  • … kostet fast nix (außer vielleicht eine Eintrittskarte, eine Kugel Eis oder eine Packung Heidelbeeren)
  • … ist erfrischend, ermunternd, wohltuend und kurzweilig
  • … führt auch in neue Gegenden rund ums eigene bekannte Nest (dies muss aber nicht zwingend der Fall sein)
  • … ist von relativ kurzer Dauer – dies können 10 Minuten oder ein ganzer Nachmittag sein, je nach Abenteuer
  • … ist und bleibt in warmer Erinnerung
  • … wird offiziell davor, danach oder währenddessen zum Abenteuer deklariert. (Ein sehr wichtiger Faktor, hinsichtlich der Anerkennung und auch zum Erinnern dran sehr bedeutend.)

Dies sind nur einige Merkmale von den sogenannten Alltagsabenteuern. Ich hab heute – am Rad, während eines dieser Abenteuer – darüber nachgedacht, welche ich denn besonders in letzter Zeit erlebt habe – hier eine kleine, ausgewählte Sammlung:

Fast jeder Ausflug mit unseren neuen elektrischen Rädern wird zu einem Alltagsabenteuer, weil wir einfach irgendwo hinfahren und uns von Google Maps oder Straßenschildern leiten lassen. (Wenn ich von „wir“ schreibe, meine ich übrigens wenig überraschend meinen Abenteurer Nummer 1) So waren wir zum Beispiel auf einem Berg, auf dem uns wohl niemandem geraten hätte, mit dem Rad hinzufahren. Zumindest nicht von dieser Seite. Wir wussten es nicht und habens gemacht, aufregend wars und lustig obendrein.

Als Touris haben wir uns die Wasserspiele in Hellbrunn angeschaut, mit dem Audioguide lustige Geschichten erfahren und uns absichtlich anspritzen lassen, weils einfach nur dann so wirklich abenteuerlich ist.

Wir waren im Museum, haben uns die Werke angeschaut, im Museumsshop geschmökert und im Mitmachbereich gezeichnet und geschrieben, was das Zeug hält.

Wir haben uns bei Regen und Gewitterwetter am Abend die Gummistiefel angezogen, einen Schirm und die Regenjacke geholt und sind Blitze schauen gegangen.

Einmal war ich sogar früh am Morgen, vor dem Trubel und bevor der Alltag überhaupt munter war, eine Runde im Wald laufen. Hui, ist die Welt da noch ruhig!

Eines unserer eher wochenendlichen (haha, wie passend! endlich wochenendlich) Alltagsabenteuer ist das Plunderteig-Frühstück. Da beginnt das Abenteuer schon im Supermarkt – grinsend und vorfreudig – kaufen wir uns fertigen Plunderteig und dann gibts Medialunas (das sind Croissants auf Argentinisch), bei einem laaangen Frühstück mit Musik und Beeren und Tee und Zeit.

Bei einem unserer „wir fahren dorthin, wo wir noch nie waren-Abenteuer“ haben wir in einem wunderbaren Kaffeehaus superguten Kaffee bestellt und uns des Lebens erfreut. Auch das war eines unserer Alltagsabenteuer.

Ribisl und Himbeeren hinterm Haus pflücken ist ebenso ein Alltagsabenteuer, wie die oben genannten. Also wie ihr seht, die Bandbreite ist groß und deklarieren kann man all diese schönen Dinge zu Alltagsabenteuern. Denn die, liebe Leute, machen das Leben bunt und lustig, kurzweilig und schön. Ja. Alltagsabenteuer machen das Leben schön.

(Heute haben wir uns übrigens den Weg zum IKEA gesucht – mit dem Rad, vorbei an Seen, Wäldern, Bergpanoramas, 300-jährigen Häusern, uralten Bäckereien und mit der Sonne im Rücken.)

Ich freu mich auf viele mehr von diesen Aus-Zeiten im Alltag

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Vom Wohltuenden des Wohlwollens

Dieser Wohlwollen. Der ist etwas, der mich gerade beschäftigt. Und berührt. Und deshalb schreib ich heute mal darüber.

Wohlwollen. Suche ich dieses Wort im großen Internet, kommt viel. Suche ich es in der großen Welt, kommt… naja, auch was. Beschrieben wird dieses große Wort mit einer Zuneigung, einer positiven Einstellung gegenüber anderen. Es ist von Gunst die Rede und vom moralischen Handeln. Aha, schonmal interessant. Und praktisch umgesetzt, wie geht das?

Ich hab für mich – besonders in meiner derzeitigen Arbeit – ein Prinzip festgestellt, womit ich im Umgang mit Menschen ganz gut fahre: Wohlwollen. Der und dem anderen das Gute unterstellen. Klingt unwirklich, gar naiv oder unecht? Und obendrein noch sehr anstrengend? Na dann hört mal her!

Wohlwollen meint, dass ich der anderen Person Verständnis gegenüberbringe, ohne sie komplett zu verstehen. Es bedeutet, dass ich ihr (dieser Person) unterstelle, dass sie Dinge aus einem (für sie guten) Grund macht. Wohlwollen bedeutet auch, dass ich hinschaue und -höre und mich nicht vom ersten Eindruck täuschen lasse. Es bedeutet, dass ich den Wert der und des anderen schätze, dass ich sie und ihn anerkenne – als Person mit einer Geschichte, einer Haltung, einer Einstellung zum Ganzen.

Es klingt vielleicht naiv, wenn ich allen Menschen, denen ich begegne, wohlwollend gegenübertrete. Weil es gibt sie ja, die bösen Eigenschaften, die hinterlistigen Blicke und die falschen Wasauchimmer. Und nein. Ich empfinde es als höchst reflektiert, trotz alledem eine wohlwollende Haltung zu bewahren. Trotz alledem und vielleicht genau deshalb ein bisschen genauer hinzuhören, das Dahinter zu sehen und den Menschen mal ganz sein zu lassen.

Wohlwollen. Ein großes Geschenk, das ich meinem Gegenüber geben kann. Und auch eines, das ich mir selbst mache. Denn meine ganzen „Miteinander-Friede-Freude-veganer-Eierkuchen-Sachen“ sind gar nicht so selbstlos, wie sie scheinen: Es hat etwas höchst Friedliches, ja gar Befriedigendes, einen Menschen zum Strahlen zu bringen, weil ich vom Guten ausgehe und das Gute finde, wenn ich es nicht gleich sehen kann. Es hat etwas zutiefst Verbindendes und daher auch sehr Leichtes, MIT statt GEGEN einander zu sein.

Mit meinem Wohlwollen schenke ich mir und dir einen Augenblick der Verbindung, der Menschlichkeit, der Nähe. Und das ist etwas wahrhaft Wohltuendes.

Vom Wohltuenden des Wohlwollens. Das wars von meiner Seite. Ich hab grad ein sehr wohlwollendes Gespräch hinter mir und bin ganz beflügelt, wie gut sowas tun kann!