achtsam · reisend · selbstliebend

Ungeteilt.

Eine Tasse.

Der Geruch. Das Innehalten. Das Zelebrieren. Der erste Schluck. Erfüllung des Mundes und Herzens. Heiß rinnt es den Hals hinunter. Beim Schlucken bleibt der Geschmack im Mund zurück. Mehr als das, mehr als ein Geschmack, vielfältige Geschmacksnoten. Wohlig, vollmundig, reich. Weitere Schlücke, langsam, mit den Augen zu und dem Herzen weit offen.

Ein Stück.

Das Aussehen. Die Farben und Texturen. Der Duft und die Vorfreude. Zum Heineinbeißen gut. Der erste Bissen. Zart schmelzend, kalt und warm. Cremig und krümelig. Den Mund erfüllend, die Zunge versucht alles zu schmecken, das sie schmecken kann. Ein Seufzer der Freude. Weitere Bissen, bewusst und freudig.

Ein Kuss.

Die Nähe. Die Sicherheit. Dieses Gefühl, dass es nichts anderes gibt, in diesem Moment. Die Blicke treffen sich, dann die Lippen. Vertraut und verbunden. Die Gedanken sind ruhig, das Herz ist es auch. Berührend, im Gesicht und im Gefühl.

Eine Stimmung.

Das Licht. Die Farben. Die Welt hält an. Es ist, als wären die Augen größer und könnten noch klarer, schärfer und weiter sehen. Ein Stillsein und gleichzeitiges Übergehen vor Freude und Demut. Ein Sattsehen scheint kaum möglich. Alles aufnehmen, Teil von mir machen.

Was ich da schreibe, sind Momente der vollkommenen Achtsamkeit. Der Hingabe, der ungeteilten Aufmerksamkeit. Diese Momente bekommen den ganzen Raum, die gesamte Bühne. Sie sind nicht lange, dauern oft wenige Sekunden. Sie sind rar und kostbar. Sie machen lebendig und das Leben aus.

Sie kommen vor, wenn wir sie vorkommen lassen. Sie können aus allem entstehen, in allem gedeihen und jeden Moment, der so gelebt wird, auf eine neue Stufe heben. Sie sind der Inbegriff vom Leben im Moment. Und sie tun dem Herzen und dem Gemüt wahrlich gut.

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Mein Rhythmus

Ich hab mal wieder über etwas länger nachgedacht. Und wenn das der Fall ist, dann mag ich es, meine Gedanken in Worte zu fassen und sie zu teilen.

Mein heutiger Gedanke dreht sich um den Rhythmus. Genauer gesagt nicht um irgendeinen, sondern meinen eigenen. Wie ich dazu gekommen bin, darüber nachzudenken? Weil das Wort so lustig mit zwei Hs geschrieben ist und es alleine deshalb schon gut ist, darüber nachzudenken.

Doch das ist nicht der einzige Grund – nein, nein. Ich hatte ein Gespräch mit einer lieben Freundin und wie das so ist, sind wir auf viele Themen gekommen, die uns beschäftigen. Eines davon war – na, könnt ihr es schon erraten? Der Rhythmus. Der eigene, ja ureigene (Bio)Rhythmus, den wir alle in uns tragen.

Und dann hab ich mir meine Gedanken gemacht und mich gefreut, dass ich im Moment so sehr nach meinem eigenen Rhythmus leben kann. Denn es ist nicht selbstverständlich und ach, ich kenne ganz andere Momente in meinem Leben, in denen das absolut nicht möglich war.

Unser Rhythmus kommt zwar von uns selbst, von ganz tief drinnen. Aber danach zu leben, ist nicht immer so einfach. Da sind die Welt und das Wetter, die Arbeit und die Gesellschaft. Die Zeit und das Geld, die Familie und der Stress, etwas leisten zu müssen. Viele Dinge beeinflussen unseren Rhythmus und ehe wir uns versehen, ticken wir schon im Takt mit komplett anderen Rhythmen. Wenn wir das machen, können wir uns natürlich an manches gewöhnen. Und das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes. Doch wenn wir immer gegen unsere Natur ankämpfen, befürchte ich, dass wir irgendwann müde werden, ausgelaugt und antriebslos. Wenn wir immer wieder und immer mehr die Dinge im Rhythmus der anderen tun, ja dann bleibt ja gar keine Zeit zum Hineinhorchen und Nachschauen, ob in uns alles in Ordnung ist.

Jedenfalls denk ich so vor mich hin und sehe schon wieder einmal all die Privilegien vor mir hin- und herhüpfen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass ich im Moment dann aufwachen und aufstehen darf, wann es für meinen Rhythmus passt. Dass ich in die frische Luft gehe und mich bewege, wann es für mich passt. Dass ich esse, wenn ich Hunger habe. Und dass ich schlafe, wenn ich müde bin. Dass ich kreativ bin und arbeite, wenn mir danach ist und dass ich mich mit mir selbst beschäftige, wenn es für mich passt. All das ist nicht selbstverständlich und gerade deshalb so ein riesengroßes Geschenk.

Ich glaube, wenn wir mit unserem Rhythmus synchronisiert sind, fällt einiges auch leichter. Ob das für uns möglich ist und wie dieser Rhythmus ausschaut, kann natürlich jede und jeder nur selbst wissen. Doch eines sag ich euch: Es zahlt sich aus, zurückzuschalten, hineinzuhorchen und das ganze Drumherum mal stummzuschalten, um den eigenen Rhythmus wieder etwas besser zu hören – und ihm vielleicht auch wieder mehr folgen zu können.

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So nahe.

Wir sind uns so nahe.

Ich sitze neben ihr, vor uns ihr neugeborenes Kind und zwischen uns steht nichts, gar nichts. Der Raum ist warm, die Luft ist rein und unsere Worte sind es auch.

Wir sind uns so nahe.

Kennen uns seit immer, teilen einen großen Teil unserer Familie, haben vieles gemeinsam erlebt. Und sie sitzt vor mir, so selbstbewusst, so klar, so in sich ruhend. Ihr Kind ist wunderschön, anders könnte es gar nicht sein. Sie ist wunderschön, von innen und von außen.

Wir sind uns so nahe.

Reden über die tief-, so tiefliegenden Schichten unserer Gefühle. Über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart, unsere Zukunft. Über Hoffnungen und über Menschen. Wir reden über das Zuhören und hören einander gleichzeitig so aufmerksam zu.

So nahe sind wir uns.

Wir zerlegen die Welt, unsere kleinen Welten und stellen fest, dass wir uns so viel wünschen – für uns und ihr Neugeborenes. Dass wir irgendwie wissen, dass es gut ist und wird und sein soll. Auch darüber sprechen wir.

So nahe fühle ich mich.

Wir sind da, füreinander. Und zeigen uns das auch. Es tut im Herzen gut, bei ihr zu sein. Ich schaue ihr Neugeborenes an und bin so stolz auf sie. Auf alles, was sie gemacht und geschafft hat. Es ist, als hätte ich es erlebt, nur anders.

Wir sind uns so nahe.

Das waren wir immer, irgendwie. Und das werden wir immer sein, irgendwie.

So nahe.

Eine wunderschöne Nähe, die ich hier beschreibe. Eine Nähe, die nährt und stärkt und Kraft schenkt und so klar und echt ist. Solche Momente, Beziehungen und Freundschaften wünsche ich uns allen.

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Wütende Gedanken

Manchmal, da bin ich so wütend.

So wütend, dass ich gar nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist. So wütend, dass ich all die Ich-Botschaften, Kommunikationsregeln und Empathiestrategien komplett vergesse. So wütend, dass ich so spreche, wie ich es nicht wollen würde, dass mit mir gesprochen wird. So wütend. Und das nicht mal wegen einer großen Sache.

Es ist mir peinlich, so wütend zu sein. Es ist anstrengend und es tut mir weh, wenn ich durch mein Wütendsein andere verletze. Es ist unangenehm und bringt im Nachhinein nicht mal wirklich eine Veränderung mit sich.

Wenn ich dann wieder klar denken kann, werde ich ruhig. Unsicher und in mich gekehrt. Wenn ich dann wieder klar denken kann und die Wut sich verflüchtigt hat, kann ich das, was vorher wütend aus mir heraus explodierte, plötzlich verstehen und anders formulieren.

Eines der Dinge, die mich in diesem Kontext besonders stutzig gemacht haben, ist, dass ich es doch besser wissen sollte. Dass ich mich doch so viel mit mir, meiner Sprache und meinem Verhalten auseinandersetze. Dass ich doch eigentlich weiß, worum es in den Konflikten geht. Dass ich doch eigentlich verstehen kann, wo die wirkliche Krux an der Sache liegt. Es macht mich stutzig und nachdenklich, dass ich nach all den Jahren der Selbstreflexion, des Wachsens, des Hineinhörens, des Kennenlernens neuer Ansichten, Meinungen und Welten immer noch so ungehalten, aggressiv und abwertend reagiere auf manche Situationen.

Und dann hatte ich diesen Gedanken. Diesen befreienden, diesen selbstfürsorglichen, diesen akzeptierenden Gedanken: Die Frage ist nicht, warum ich nicht wo anders stehe, nach all diesem Empathie-Selbstliebe-Bewusstseins-Reflexions-Metaebene-Bootcamp der letzten Jahre. Die Frage ist, wo würde ich stehen, hätte ich all das nicht gelernt, erfahren, ausprobiert, erlebt, dazugelernt?

Ich darf diese Frage in mir beantworten. Denn ich merke, dass ich schneller aus der Wut wieder in einen klaren Zustand komme. Dass ich es mittlerweile auch mal schaffe, mich zurückzunehmen und die Sache nicht größer zu machen, als sie ist. Dass ich mir beim Hineinwirbeln in die Gedanken auch Hilfe holen kann, um wieder herauszukommen, auch das habe ich lernen dürfen.

Viele Dinge haben sich verändert. Und dass ich immer noch wütend werde, finde ich gar nicht mehr so schlimm. Ich merke sogar, dass es nicht darum geht, nicht mehr wütend zu werden, sondern vielmehr darum, wie ich damit umgehen kann. Und damit werd ich immer besser, das ist ja schon mal was.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Was ist Urvertrauen?

Die Überzeugung, dass die Dinge nicht gut ausgehen müssen, um trotzdem gut zu sein. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass das, was ich mache, wichtig und gut (für die Welt) ist. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich aus meiner Kraft und mit meinen Fähigkeiten etwas bewirken und verändern kann. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich richtig bin, so wie ich bin. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich, wenn ich falle, jedenfalls aufgefangen werde. Das ist Urvertrauen. 

Die Überzeugung, dass ich mit allem, was mir passiert, etwas anfangen kann. Das ist Urvertrauen. 

Die Überzeugung, der tiefe und ehrliche Glaube an das Gute – in mir, anderen und der Welt. Das ist Urvertrauen. 

Urvertrauen ist diese große Kraft, diese innerliche Sicherheit, dieser Hafen in mir. Urvertrauen habe ich nicht gelernt, Urvertrauen habe ich mitbekommen. Und ich kann es mir ohne nicht vorstellen. 

Urvertrauen ist nicht die Lösung für alles Rätsel und Probleme dieser Welt. Doch sie spielt eine bedeutende Rolle auf der Reise zur Lösung dieser. 

Kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die diesen Polster, diese Widerstandsfähigkeit, dieses Rundumpaket an Selbst(ur)vertrauen nicht mitbekomme haben, merke ich im Austausch mit anderen, dass ich wieder einmal beschenkt worden bin. Dass auch dies eines der vielen Privilegien ist, die ich weise und mitfühlend einsetzen muss. 

Und das ist meine Aufgabe. Denn ein Geschenk ausschließlich empfangen zu haben und damit nicht zu spielen, das wäre reinste Vergeudung. Meine Verantwortung, das Urvertrauen nicht ausschließlich für mich zu nutzen, wird mir immer mehr bewusst.

Was das im echten Leben, fern von diesen Worten und Zeilen, bedeuten kann? 

Zuhören. Hinschauen. Auffangen. Da sein. Genauer hinschauen. Genauer hinhören. Annehmen. Die Schwere aufteilen. 

Denn das Gegenteil von Vertrauen ist Angst. Wut. Zweifel. Aggression. Ein Fehlen dieses Urvertrauens kann schmerzvolle Erfahrungen in sich bergen. Es kann viel Arbeit hin zu einer eigenen Mitte, die auffängt, bedeuten. Doch was es wirklich bedeutet, dieses Fehlen des Urvertrauens, das kann ich mir nicht vorstellen. 

Urvertrauen. Ein weites Feld. 

achtsam · allgemein · selbstliebend

Manchmal

Manchmal, da hab ich Angst, dass das alles hier zu schnell vorbei geht. Dass es plötzlich aus ist und dass nichts bleibt.

Manchmal, da hab ich Angst, dass ich die schönen Dinge vergesse. Dass sie vergehen, ohne etwas zu hinterlassen. Dass sie weg sind und nie wieder kommen.

Manchmal, da hab ich Angst, dass ich zu sehr in der Vergangenheit lebe. Dass ich mich festhalte an Erinnerungen, die vorbei und weit weg sind.

Manchmal, da habe ich Angst, dass das Leben an mir vorbeizieht. Dass die Zeit zu schnell vergeht und ich nicht merke, wann die wichtigen Momente sind.

Manchmal, da habe ich Angst, dass Menschen von mir gehen und ein Loch in meinem Herzen bleibt. Dass ich diese Verluste nicht verarbeiten kann und zu lange traurig bin.

Manchmal, da habe ich Angst. Und diese Angst fühlt sich ganz groß an. Ganz da und ganz einnehmend. Diese Angst ist nicht schön. Sie tut weh, diese Angst. Sie lässt mich manchmal zittern und gibt mir Gänsehaut, diese Angst.

Doch ich wäre nicht ich, wenn ich diese Angst nicht auch anders lesen könnte.

Denn all diese Angst, die zeigt mir so vieles. Sie zeigt mir, dass ich innehalten muss, um zu spüren. Sie zeigt mir, dass ich langsam und wahrnehmend durch die Welt gehen muss, um zu sehen. Sie zeigt mir, dass ich meine Zeit sinnvoll verbringen muss. Sie zeigt mir, dass ich mich um die Menschen, die mir wichtig sind, kümmern muss. Sie zeigt mir, dass alles endlich und nichts selbstverständlich ist. Sie zeigt mir, dass das Leben es wert ist, gelebt zu werden.

Diese Angst zeigt mir auch, dass ich fühle. Sie zeigt mir, dass ich sensibel bin und wahrnehme, was um mich herum geschieht. Sie zeigt mir, dass es zum Leben dazugehört, zu zweifeln, zu zögern, zu vermissen, zu brechen und zu trauern.

Diese Angst – auch, wenn ich mich manchmal vor ihrem Erscheinen fürchte – zeigt mir, wie lebendig ich bin. Sie zeigt mir, was mir wichtig ist. Sie zeigt mir, wer ich bin.

Diese Angst macht mich demütig, reflektierend, wertschätzend, dankbar. Die macht mich wahrnehmend, nachdenklich und sie berührt mich zutiefst, diese Angst.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Ich! Ich? Ich.

Manchmal, da denk ich mir, wie ich-zentriert meine Texte doch sind. Wie oft die Sätze mit “ich” beginnen und ich nur aus meiner Perspektive schreibe. Ob das nicht zu egozentrisch wirkt, frag ich mich dann.

Und dann überlege ich und merke, dass das die einzige Form ist, in der ich authentisch schreiben kann. Denn nur ich kenne meine Gefühle. Und ich kenne nur meine Gefühle.

Denn ich kann von meinem kleinen Standpunkt aus ja nicht sagen oder wissen, wie es (das Gefühl, das Leben, die Stimmung etc.) für irgendjemand anderen ist. Und dazu kommt eine weitere Erkenntnis:

Ich kann nur so sein, wie ich bin. Ich kann mich weiterbilden, kann meine Schubladen weit aufmachen, kann vieles verändern – doch die anderen kann ich nicht sein. Nicht mal, wenn ich das wollen würde.

Und dann frag ich mich, nach so einer Erkenntnis, warum ich viel zu lange so sein wollte, wie die anderen? Oder in meinem Fall eher genau nicht, wie die anderen. Ohne zu wissen, was und wie die anderen überhaupt sind oder nicht sind.

Die anderen, die doch ihren eigenen Stil haben, in allem, was sie tun. Einen Stil, den ich nicht authentisch annehmen kann, weil ich ja nicht sie bin. Ich denke an mein jüngeres Ich und habe Mitgefühl, denn dieses jüngere Ich wollte ganz oft in (k)eine Schiene passen. Es wollte so oder so sicher nicht sein, anstatt so zu sein, wie es eben ist. Dass das einfach seine (ihre) Zeit braucht, das habe ich lernen dürfen. Dass ich mich zuerst selber besser kennen muss, auch das habe ich lernen dürfen.

Je besser ich mich kenne, umso leichter wird es für mich auch, aus mir selbst zu handeln. Ich schaffe es, immer mehr Dinge zu machen, die aus mir kommen. Die mir entsprechen, die ich aus mir schöpfen kann, die meinem Stil entsprechen, die mich ausmachen. Jetzt merke ich, dass sich mein Stil über die Jahre entwickelt hat, dass ich meine Ausdrucksweise durch viele Begegnungen, durch Reisen, durch Menschen, durch Zeit, durch Ausbildungen, durch Rückschläge, durch Ausprobieren, durch Mutigsein – aber vor allem durch das Hören auf meine eigene innere Stimme und mein Herz gebildet hat. 

Dass es nicht immer leicht ist, im Wirrwarr der Möglichkeiten und Angebote, im Lauten und im Selbstliebedschungel sich selbst zu “finden” oder man/frau selbst zu sein, das ist natürlich klar. 

Doch je mehr ich bin, wie ich bin, desto mehr merke ich, dass es dieses Kategorisieren, dieses Planen und dieses Tun-als-ob nicht mehr braucht.

Und das macht mein Leben einfacher, schöner und reicher. Was will ich denn mehr?

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Informeller Morgen

Wir nennen sie “informal mornings” – informelle Morgen. Informell, weil es keine Form gibt. In-form-ell.

Keine Form, keine Struktur und auch kein Müssen. Gemeinsam entscheiden wir uns für so einen Morgen, sprechen darüber und dann verselbstständigt sich das Ganze. Und ich sags euch – ich liebe solche Tage!

Was ich genau damit meine, das erzähle ich euch gerne. Denn gerade ist wieder so ein informeller Tag und wir machen, was wir wollen. Mit “wir” meine ich meinen Mann und mich.

Wir stehen auf und schon beginnt die Informalität. Denn ein Frühstück, das passiert zwischen lesen, schreiben, Musik hören, im Stehen oder Liegen, nach dem Yoga oder während des Arbeitens. Einfach wieder zurück ins Bett und Videos anschauen, auf der Couch lümmeln oder beim Fenster hinausschauen. Alleine und miteinander nebeneinander. Und so geht es weiter. Jede*r macht, was sie oder er will und dazwischen tauschen wir uns aus, was wir gerade so machen, was wir entdeckt oder gelernt haben, woran wir arbeiten oder was es Neues gibt. Während wir in unterschiedlichen Welten dahinwerkeln, sind wir ganz nahe dran, was die/der andere macht.

Wenn ich es so aufschreibe, klingt das ja gar nicht so außergewöhnlich – doch für uns sind diese ganz bewusst gewählten Morgennichtroutinen sehr besonders und erfrischend. Als würden wir etwas ganz Wildes machen, als könnten wir unser Leben selbst bestimmen (ha.). Da wird vorm Fernseher oder ausnahmsweise einfach mal nebenbei gegessen, da wird meist viel gearbeitet und produktiv erledigt, da wird getüftelt und Neues gelernt.

Die Musik läuft, der Kaffee oder Tee brüht und wir suchen uns die besten Plätze zum Sein aus. Ich liebe sie, diese informellen Morgen.

Und so, wie wir diesen informellen Tagen die Struktur entziehen, so kommt die Kreativität an diesen Morgen besonders in Schuss. Als würde sie es brauchen, um im Flow zu bleiben. Als würden diese informellen, verselbstständigten Zeiten dem Alltag seinen Schleier abnehmen.

Immer wieder entziehen wir uns den (auch von uns selbst) vorgegebenen Strukturen und lassen uns tragen – von der Informalität. Von der nicht vorgegebenen, von der freien Form dieser Momente.

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Die gefährliche Schönheit

Arbeite für deinen Körper, nicht gegen ihn.

Gelesen habe ich diesen Satz bereits öfters, besonders berührt hat er mich vor ein paar Tagen. Und seit dem geht er mir auch nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder schwirrt dieser Satz vor meinem geistigen Auge herum.

Wie oft ich immer noch und immer wieder gegen meinen eigenen Körper arbeite. Wie oft ich immer noch und immer wieder Stellen an mir entdecke, die ich nicht so schön finde und dann denke, dass ich sie ändern sollte. Wie oft ich immer noch und immer wieder meine lustigen Dellen und komischen Stellen, meine durchscheinenden Adern, meine fransigen Babyhaare, meine ich-bin-doch-noch-nicht-so-alt-Falten und meine schwubbeligen Knie (!?) verfluche. Obwohl ich mich ja grundsätzlich schön finde. Und all das wunderbar gut und gesund funktioniert und fungiert und halt einfach da ist.

Und trotzdem habe ich es so intus, dass ich was finden muss, das ich “verbessern”, “verändern” oder “wegmachen” sollte. Finde es viel “normaler,” meine “unschönen” Stellen zu benennen, als jeden Tag zu sagen, wie wunderbar schön ich meine Haare/Zehen/Wadeln finde. Hu. Hier braucht es viele “Anführungszeichen”.

Und dann merke ich noch etwas: Es geht nicht ums Schönfinden. Es geht einfach nicht darum. Weder für die anderen, noch für mich. Wir müssen schön langsam und noch viel besser so schnell, wie nur irgendwie möglich, wegkommen von diesen Klassifizierungen. Von diesem schön/nicht schön, gut/nicht gut, so/nicht so. Von diesem Arbeiten gegen uns selbst, unseren Körper und unsere Körper- und Kopfgesundheit. Von diesem Irrglauben, dass es um unsere äußerliche Schönheit geht. Vor allem von dieser Schönheit, die viel viel viel zu wenige Gesichter hat. Die sich nur von einer Seite zeigt, die ganz falsch und unrealistisch und gefährlich sein kann und ist. Denn es geht nicht um die Schönheit. Tut es einfach nicht.

Und ich spreche hier nicht von der Schönheit der Welt, des Moments, des Lebens. Auch nicht vom sich selbst Wohlfühlen. Ich spreche von dieser in Schleier gepackten, von dieser von außen auferlegten, von dieser zwanghaften, gleichmachenden, einheitlichen Schönheit, die einfach nicht schön ist.

All diese Erwartungen und dieses Zweifeln an den Äußerlichkeiten an meinem Körper – auch die ganz kleinen – das ist alles traurigerweise viel mehr gegen als für meinen Körper (oder mich selbst).

Und dann lieg ich da und gehe langsam alle Stellen meines Körpers innerlich durch und versuche sie wahrzunehmen. Bedanke mich. Komme mir kurz komisch vor, merke aber dann, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle Abläufe funktionieren. Dass ich gehen, stehen, laufen, tanzen, radfahren, schwimmen kann. Dass ich das Essen verarbeiten und verwenden kann. Dass die Luft ohne Probleme durch mich durch geht. Dass mein Blut fließt. Mein Herz pumpt. Mein Kopf Gedanken denkt.

Und ich nehme mir vor, öfters für statt gegen meinen Körper zu arbeiten. Denn eine Sache, die uns weiterbringen wird, als diese Schönheit, ist beispielsweise die Aufmerksamkeit für meinen Körper. Und das ist nur eine von ganz ganz vielen Sachen…

achtsam · allgemein · selbstliebend

Eine Ode an die Berührtheit

Dies ist eine Ode. Eine Hommage. Eine Liebeserklärung.

Eine Ode an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Die Berührung, die ohne Berührung stattfindet. Die Berührung, die durch Mark und Bein geht, ohne je eines von beiden berührt zu haben.

Dies ist eine Hommage ans Berührtsein, ans Berührtwerdenlassen. Ans sich Nacktmachen, ohne die Kleidung abzulegen. Ans Aufmachen, ohne eine Tür in Sichtweite zu haben. Ans Nahefühlen, ohne nebeneinander stehen zu müssen.

Dies ist eine Liebeserklärung an die Berührtheit. Eine Liebeserklärung an diese Momente, in denen wir uns so nahe sind. In denen es kein Später gibt. In denen der Moment so kostbar ist, dass alles rundherum zu verschwinden scheint. Eine Liebeserklärung an die Berührtheit, die passiert, wenn ich mich ganz frei mache, frei und verletzlich. Verletzlich im Sinne von angreifbar, berührbar. Denn da gibt es keinen Plan, da gibt es nichts anderes in diesen raren Momenten der vollkommenen Berührung. In diesen Momente da weine ich, da bekomme ich Gänsehaut, da bin ich tief verbunden mit mir und meinem Gegenüber. Da gibt es nichts zwischen uns, keine Mauer, keine Urteile, keine Erwartungen. In diesen Momenten, in denen ich so berührt bin, da bin ich ganz wach, lebendig und spüre das Leben.

Dies ist eine Ode, eine Hommage, eine Liebeserklärung an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Auf mehr, viele mehr, viele Momente des Aufmachens, des Berührenlassen. Durch die Schönheit, Musik, Menschen, Gespräche, Natur, Landschaften, Farben, Worte, Aufmerksamkeit, Freundschaft, Liebe.

Durch alles, das nicht greifbar ist und trotzdem zutiefst berühren kann.