achtsam · selbstliebend · weiblich

So nahe.

Wir sind uns so nahe.

Ich sitze neben ihr, vor uns ihr neugeborenes Kind und zwischen uns steht nichts, gar nichts. Der Raum ist warm, die Luft ist rein und unsere Worte sind es auch.

Wir sind uns so nahe.

Kennen uns seit immer, teilen einen großen Teil unserer Familie, haben vieles gemeinsam erlebt. Und sie sitzt vor mir, so selbstbewusst, so klar, so in sich ruhend. Ihr Kind ist wunderschön, anders könnte es gar nicht sein. Sie ist wunderschön, von innen und von außen.

Wir sind uns so nahe.

Reden über die tief-, so tiefliegenden Schichten unserer Gefühle. Über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart, unsere Zukunft. Über Hoffnungen und über Menschen. Wir reden über das Zuhören und hören einander gleichzeitig so aufmerksam zu.

So nahe sind wir uns.

Wir zerlegen die Welt, unsere kleinen Welten und stellen fest, dass wir uns so viel wünschen – für uns und ihr Neugeborenes. Dass wir irgendwie wissen, dass es gut ist und wird und sein soll. Auch darüber sprechen wir.

So nahe fühle ich mich.

Wir sind da, füreinander. Und zeigen uns das auch. Es tut im Herzen gut, bei ihr zu sein. Ich schaue ihr Neugeborenes an und bin so stolz auf sie. Auf alles, was sie gemacht und geschafft hat. Es ist, als hätte ich es erlebt, nur anders.

Wir sind uns so nahe.

Das waren wir immer, irgendwie. Und das werden wir immer sein, irgendwie.

So nahe.

Eine wunderschöne Nähe, die ich hier beschreibe. Eine Nähe, die nährt und stärkt und Kraft schenkt und so klar und echt ist. Solche Momente, Beziehungen und Freundschaften wünsche ich uns allen.

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Wütende Gedanken

Manchmal, da bin ich so wütend.

So wütend, dass ich gar nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist. So wütend, dass ich all die Ich-Botschaften, Kommunikationsregeln und Empathiestrategien komplett vergesse. So wütend, dass ich so spreche, wie ich es nicht wollen würde, dass mit mir gesprochen wird. So wütend. Und das nicht mal wegen einer großen Sache.

Es ist mir peinlich, so wütend zu sein. Es ist anstrengend und es tut mir weh, wenn ich durch mein Wütendsein andere verletze. Es ist unangenehm und bringt im Nachhinein nicht mal wirklich eine Veränderung mit sich.

Wenn ich dann wieder klar denken kann, werde ich ruhig. Unsicher und in mich gekehrt. Wenn ich dann wieder klar denken kann und die Wut sich verflüchtigt hat, kann ich das, was vorher wütend aus mir heraus explodierte, plötzlich verstehen und anders formulieren.

Eines der Dinge, die mich in diesem Kontext besonders stutzig gemacht haben, ist, dass ich es doch besser wissen sollte. Dass ich mich doch so viel mit mir, meiner Sprache und meinem Verhalten auseinandersetze. Dass ich doch eigentlich weiß, worum es in den Konflikten geht. Dass ich doch eigentlich verstehen kann, wo die wirkliche Krux an der Sache liegt. Es macht mich stutzig und nachdenklich, dass ich nach all den Jahren der Selbstreflexion, des Wachsens, des Hineinhörens, des Kennenlernens neuer Ansichten, Meinungen und Welten immer noch so ungehalten, aggressiv und abwertend reagiere auf manche Situationen.

Und dann hatte ich diesen Gedanken. Diesen befreienden, diesen selbstfürsorglichen, diesen akzeptierenden Gedanken: Die Frage ist nicht, warum ich nicht wo anders stehe, nach all diesem Empathie-Selbstliebe-Bewusstseins-Reflexions-Metaebene-Bootcamp der letzten Jahre. Die Frage ist, wo würde ich stehen, hätte ich all das nicht gelernt, erfahren, ausprobiert, erlebt, dazugelernt?

Ich darf diese Frage in mir beantworten. Denn ich merke, dass ich schneller aus der Wut wieder in einen klaren Zustand komme. Dass ich es mittlerweile auch mal schaffe, mich zurückzunehmen und die Sache nicht größer zu machen, als sie ist. Dass ich mir beim Hineinwirbeln in die Gedanken auch Hilfe holen kann, um wieder herauszukommen, auch das habe ich lernen dürfen.

Viele Dinge haben sich verändert. Und dass ich immer noch wütend werde, finde ich gar nicht mehr so schlimm. Ich merke sogar, dass es nicht darum geht, nicht mehr wütend zu werden, sondern vielmehr darum, wie ich damit umgehen kann. Und damit werd ich immer besser, das ist ja schon mal was.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Was ist Urvertrauen?

Die Überzeugung, dass die Dinge nicht gut ausgehen müssen, um trotzdem gut zu sein. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass das, was ich mache, wichtig und gut (für die Welt) ist. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich aus meiner Kraft und mit meinen Fähigkeiten etwas bewirken und verändern kann. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich richtig bin, so wie ich bin. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich, wenn ich falle, jedenfalls aufgefangen werde. Das ist Urvertrauen. 

Die Überzeugung, dass ich mit allem, was mir passiert, etwas anfangen kann. Das ist Urvertrauen. 

Die Überzeugung, der tiefe und ehrliche Glaube an das Gute – in mir, anderen und der Welt. Das ist Urvertrauen. 

Urvertrauen ist diese große Kraft, diese innerliche Sicherheit, dieser Hafen in mir. Urvertrauen habe ich nicht gelernt, Urvertrauen habe ich mitbekommen. Und ich kann es mir ohne nicht vorstellen. 

Urvertrauen ist nicht die Lösung für alles Rätsel und Probleme dieser Welt. Doch sie spielt eine bedeutende Rolle auf der Reise zur Lösung dieser. 

Kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die diesen Polster, diese Widerstandsfähigkeit, dieses Rundumpaket an Selbst(ur)vertrauen nicht mitbekomme haben, merke ich im Austausch mit anderen, dass ich wieder einmal beschenkt worden bin. Dass auch dies eines der vielen Privilegien ist, die ich weise und mitfühlend einsetzen muss. 

Und das ist meine Aufgabe. Denn ein Geschenk ausschließlich empfangen zu haben und damit nicht zu spielen, das wäre reinste Vergeudung. Meine Verantwortung, das Urvertrauen nicht ausschließlich für mich zu nutzen, wird mir immer mehr bewusst.

Was das im echten Leben, fern von diesen Worten und Zeilen, bedeuten kann? 

Zuhören. Hinschauen. Auffangen. Da sein. Genauer hinschauen. Genauer hinhören. Annehmen. Die Schwere aufteilen. 

Denn das Gegenteil von Vertrauen ist Angst. Wut. Zweifel. Aggression. Ein Fehlen dieses Urvertrauens kann schmerzvolle Erfahrungen in sich bergen. Es kann viel Arbeit hin zu einer eigenen Mitte, die auffängt, bedeuten. Doch was es wirklich bedeutet, dieses Fehlen des Urvertrauens, das kann ich mir nicht vorstellen. 

Urvertrauen. Ein weites Feld. 

achtsam · allgemein · selbstliebend

Manchmal

Manchmal, da hab ich Angst, dass das alles hier zu schnell vorbei geht. Dass es plötzlich aus ist und dass nichts bleibt.

Manchmal, da hab ich Angst, dass ich die schönen Dinge vergesse. Dass sie vergehen, ohne etwas zu hinterlassen. Dass sie weg sind und nie wieder kommen.

Manchmal, da hab ich Angst, dass ich zu sehr in der Vergangenheit lebe. Dass ich mich festhalte an Erinnerungen, die vorbei und weit weg sind.

Manchmal, da habe ich Angst, dass das Leben an mir vorbeizieht. Dass die Zeit zu schnell vergeht und ich nicht merke, wann die wichtigen Momente sind.

Manchmal, da habe ich Angst, dass Menschen von mir gehen und ein Loch in meinem Herzen bleibt. Dass ich diese Verluste nicht verarbeiten kann und zu lange traurig bin.

Manchmal, da habe ich Angst. Und diese Angst fühlt sich ganz groß an. Ganz da und ganz einnehmend. Diese Angst ist nicht schön. Sie tut weh, diese Angst. Sie lässt mich manchmal zittern und gibt mir Gänsehaut, diese Angst.

Doch ich wäre nicht ich, wenn ich diese Angst nicht auch anders lesen könnte.

Denn all diese Angst, die zeigt mir so vieles. Sie zeigt mir, dass ich innehalten muss, um zu spüren. Sie zeigt mir, dass ich langsam und wahrnehmend durch die Welt gehen muss, um zu sehen. Sie zeigt mir, dass ich meine Zeit sinnvoll verbringen muss. Sie zeigt mir, dass ich mich um die Menschen, die mir wichtig sind, kümmern muss. Sie zeigt mir, dass alles endlich und nichts selbstverständlich ist. Sie zeigt mir, dass das Leben es wert ist, gelebt zu werden.

Diese Angst zeigt mir auch, dass ich fühle. Sie zeigt mir, dass ich sensibel bin und wahrnehme, was um mich herum geschieht. Sie zeigt mir, dass es zum Leben dazugehört, zu zweifeln, zu zögern, zu vermissen, zu brechen und zu trauern.

Diese Angst – auch, wenn ich mich manchmal vor ihrem Erscheinen fürchte – zeigt mir, wie lebendig ich bin. Sie zeigt mir, was mir wichtig ist. Sie zeigt mir, wer ich bin.

Diese Angst macht mich demütig, reflektierend, wertschätzend, dankbar. Die macht mich wahrnehmend, nachdenklich und sie berührt mich zutiefst, diese Angst.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Ich! Ich? Ich.

Manchmal, da denk ich mir, wie ich-zentriert meine Texte doch sind. Wie oft die Sätze mit “ich” beginnen und ich nur aus meiner Perspektive schreibe. Ob das nicht zu egozentrisch wirkt, frag ich mich dann.

Und dann überlege ich und merke, dass das die einzige Form ist, in der ich authentisch schreiben kann. Denn nur ich kenne meine Gefühle. Und ich kenne nur meine Gefühle.

Denn ich kann von meinem kleinen Standpunkt aus ja nicht sagen oder wissen, wie es (das Gefühl, das Leben, die Stimmung etc.) für irgendjemand anderen ist. Und dazu kommt eine weitere Erkenntnis:

Ich kann nur so sein, wie ich bin. Ich kann mich weiterbilden, kann meine Schubladen weit aufmachen, kann vieles verändern – doch die anderen kann ich nicht sein. Nicht mal, wenn ich das wollen würde.

Und dann frag ich mich, nach so einer Erkenntnis, warum ich viel zu lange so sein wollte, wie die anderen? Oder in meinem Fall eher genau nicht, wie die anderen. Ohne zu wissen, was und wie die anderen überhaupt sind oder nicht sind.

Die anderen, die doch ihren eigenen Stil haben, in allem, was sie tun. Einen Stil, den ich nicht authentisch annehmen kann, weil ich ja nicht sie bin. Ich denke an mein jüngeres Ich und habe Mitgefühl, denn dieses jüngere Ich wollte ganz oft in (k)eine Schiene passen. Es wollte so oder so sicher nicht sein, anstatt so zu sein, wie es eben ist. Dass das einfach seine (ihre) Zeit braucht, das habe ich lernen dürfen. Dass ich mich zuerst selber besser kennen muss, auch das habe ich lernen dürfen.

Je besser ich mich kenne, umso leichter wird es für mich auch, aus mir selbst zu handeln. Ich schaffe es, immer mehr Dinge zu machen, die aus mir kommen. Die mir entsprechen, die ich aus mir schöpfen kann, die meinem Stil entsprechen, die mich ausmachen. Jetzt merke ich, dass sich mein Stil über die Jahre entwickelt hat, dass ich meine Ausdrucksweise durch viele Begegnungen, durch Reisen, durch Menschen, durch Zeit, durch Ausbildungen, durch Rückschläge, durch Ausprobieren, durch Mutigsein – aber vor allem durch das Hören auf meine eigene innere Stimme und mein Herz gebildet hat. 

Dass es nicht immer leicht ist, im Wirrwarr der Möglichkeiten und Angebote, im Lauten und im Selbstliebedschungel sich selbst zu “finden” oder man/frau selbst zu sein, das ist natürlich klar. 

Doch je mehr ich bin, wie ich bin, desto mehr merke ich, dass es dieses Kategorisieren, dieses Planen und dieses Tun-als-ob nicht mehr braucht.

Und das macht mein Leben einfacher, schöner und reicher. Was will ich denn mehr?

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Informeller Morgen

Wir nennen sie “informal mornings” – informelle Morgen. Informell, weil es keine Form gibt. In-form-ell.

Keine Form, keine Struktur und auch kein Müssen. Gemeinsam entscheiden wir uns für so einen Morgen, sprechen darüber und dann verselbstständigt sich das Ganze. Und ich sags euch – ich liebe solche Tage!

Was ich genau damit meine, das erzähle ich euch gerne. Denn gerade ist wieder so ein informeller Tag und wir machen, was wir wollen. Mit “wir” meine ich meinen Mann und mich.

Wir stehen auf und schon beginnt die Informalität. Denn ein Frühstück, das passiert zwischen lesen, schreiben, Musik hören, im Stehen oder Liegen, nach dem Yoga oder während des Arbeitens. Einfach wieder zurück ins Bett und Videos anschauen, auf der Couch lümmeln oder beim Fenster hinausschauen. Alleine und miteinander nebeneinander. Und so geht es weiter. Jede*r macht, was sie oder er will und dazwischen tauschen wir uns aus, was wir gerade so machen, was wir entdeckt oder gelernt haben, woran wir arbeiten oder was es Neues gibt. Während wir in unterschiedlichen Welten dahinwerkeln, sind wir ganz nahe dran, was die/der andere macht.

Wenn ich es so aufschreibe, klingt das ja gar nicht so außergewöhnlich – doch für uns sind diese ganz bewusst gewählten Morgennichtroutinen sehr besonders und erfrischend. Als würden wir etwas ganz Wildes machen, als könnten wir unser Leben selbst bestimmen (ha.). Da wird vorm Fernseher oder ausnahmsweise einfach mal nebenbei gegessen, da wird meist viel gearbeitet und produktiv erledigt, da wird getüftelt und Neues gelernt.

Die Musik läuft, der Kaffee oder Tee brüht und wir suchen uns die besten Plätze zum Sein aus. Ich liebe sie, diese informellen Morgen.

Und so, wie wir diesen informellen Tagen die Struktur entziehen, so kommt die Kreativität an diesen Morgen besonders in Schuss. Als würde sie es brauchen, um im Flow zu bleiben. Als würden diese informellen, verselbstständigten Zeiten dem Alltag seinen Schleier abnehmen.

Immer wieder entziehen wir uns den (auch von uns selbst) vorgegebenen Strukturen und lassen uns tragen – von der Informalität. Von der nicht vorgegebenen, von der freien Form dieser Momente.

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Die gefährliche Schönheit

Arbeite für deinen Körper, nicht gegen ihn.

Gelesen habe ich diesen Satz bereits öfters, besonders berührt hat er mich vor ein paar Tagen. Und seit dem geht er mir auch nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder schwirrt dieser Satz vor meinem geistigen Auge herum.

Wie oft ich immer noch und immer wieder gegen meinen eigenen Körper arbeite. Wie oft ich immer noch und immer wieder Stellen an mir entdecke, die ich nicht so schön finde und dann denke, dass ich sie ändern sollte. Wie oft ich immer noch und immer wieder meine lustigen Dellen und komischen Stellen, meine durchscheinenden Adern, meine fransigen Babyhaare, meine ich-bin-doch-noch-nicht-so-alt-Falten und meine schwubbeligen Knie (!?) verfluche. Obwohl ich mich ja grundsätzlich schön finde. Und all das wunderbar gut und gesund funktioniert und fungiert und halt einfach da ist.

Und trotzdem habe ich es so intus, dass ich was finden muss, das ich “verbessern”, “verändern” oder “wegmachen” sollte. Finde es viel “normaler,” meine “unschönen” Stellen zu benennen, als jeden Tag zu sagen, wie wunderbar schön ich meine Haare/Zehen/Wadeln finde. Hu. Hier braucht es viele “Anführungszeichen”.

Und dann merke ich noch etwas: Es geht nicht ums Schönfinden. Es geht einfach nicht darum. Weder für die anderen, noch für mich. Wir müssen schön langsam und noch viel besser so schnell, wie nur irgendwie möglich, wegkommen von diesen Klassifizierungen. Von diesem schön/nicht schön, gut/nicht gut, so/nicht so. Von diesem Arbeiten gegen uns selbst, unseren Körper und unsere Körper- und Kopfgesundheit. Von diesem Irrglauben, dass es um unsere äußerliche Schönheit geht. Vor allem von dieser Schönheit, die viel viel viel zu wenige Gesichter hat. Die sich nur von einer Seite zeigt, die ganz falsch und unrealistisch und gefährlich sein kann und ist. Denn es geht nicht um die Schönheit. Tut es einfach nicht.

Und ich spreche hier nicht von der Schönheit der Welt, des Moments, des Lebens. Auch nicht vom sich selbst Wohlfühlen. Ich spreche von dieser in Schleier gepackten, von dieser von außen auferlegten, von dieser zwanghaften, gleichmachenden, einheitlichen Schönheit, die einfach nicht schön ist.

All diese Erwartungen und dieses Zweifeln an den Äußerlichkeiten an meinem Körper – auch die ganz kleinen – das ist alles traurigerweise viel mehr gegen als für meinen Körper (oder mich selbst).

Und dann lieg ich da und gehe langsam alle Stellen meines Körpers innerlich durch und versuche sie wahrzunehmen. Bedanke mich. Komme mir kurz komisch vor, merke aber dann, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle Abläufe funktionieren. Dass ich gehen, stehen, laufen, tanzen, radfahren, schwimmen kann. Dass ich das Essen verarbeiten und verwenden kann. Dass die Luft ohne Probleme durch mich durch geht. Dass mein Blut fließt. Mein Herz pumpt. Mein Kopf Gedanken denkt.

Und ich nehme mir vor, öfters für statt gegen meinen Körper zu arbeiten. Denn eine Sache, die uns weiterbringen wird, als diese Schönheit, ist beispielsweise die Aufmerksamkeit für meinen Körper. Und das ist nur eine von ganz ganz vielen Sachen…

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Eine Ode an die Berührtheit

Dies ist eine Ode. Eine Hommage. Eine Liebeserklärung.

Eine Ode an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Die Berührung, die ohne Berührung stattfindet. Die Berührung, die durch Mark und Bein geht, ohne je eines von beiden berührt zu haben.

Dies ist eine Hommage ans Berührtsein, ans Berührtwerdenlassen. Ans sich Nacktmachen, ohne die Kleidung abzulegen. Ans Aufmachen, ohne eine Tür in Sichtweite zu haben. Ans Nahefühlen, ohne nebeneinander stehen zu müssen.

Dies ist eine Liebeserklärung an die Berührtheit. Eine Liebeserklärung an diese Momente, in denen wir uns so nahe sind. In denen es kein Später gibt. In denen der Moment so kostbar ist, dass alles rundherum zu verschwinden scheint. Eine Liebeserklärung an die Berührtheit, die passiert, wenn ich mich ganz frei mache, frei und verletzlich. Verletzlich im Sinne von angreifbar, berührbar. Denn da gibt es keinen Plan, da gibt es nichts anderes in diesen raren Momenten der vollkommenen Berührung. In diesen Momente da weine ich, da bekomme ich Gänsehaut, da bin ich tief verbunden mit mir und meinem Gegenüber. Da gibt es nichts zwischen uns, keine Mauer, keine Urteile, keine Erwartungen. In diesen Momenten, in denen ich so berührt bin, da bin ich ganz wach, lebendig und spüre das Leben.

Dies ist eine Ode, eine Hommage, eine Liebeserklärung an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Auf mehr, viele mehr, viele Momente des Aufmachens, des Berührenlassen. Durch die Schönheit, Musik, Menschen, Gespräche, Natur, Landschaften, Farben, Worte, Aufmerksamkeit, Freundschaft, Liebe.

Durch alles, das nicht greifbar ist und trotzdem zutiefst berühren kann.

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Wie die Wolken

Dies ist wieder einer dieser Texte, bei denen sich alles fügt. Ich habe eine Idee, denke darüber nach, rede darüber, beobachte und stelle dann fest, dass all die Dinge, die ich so rundherum wahrnehme, mich zu diesem Text führen.

Was es heute ist?

Die Wolken.

Ein Sinnbild für so vieles. Die Wolken als Meditiationsmetapher. Die Wolken als Vorbeiziehmetapher. Die Wolken als Regenspeicher und Sonnenverdeckerinnen.

Und dann schau ich heute ganz bewusst und staunend den in Windeseile vorbeiziehenden Wolken zu und stelle fest, dass es das ist, was mich gerade beschäftigt. Nicht der Wind, nicht die Wolken an sich.

Sondern dieses Sinnbild der Wolken als etwas Kommendes und Gehendes. Als etwas nicht Bleibendes. Das Sinnbild, das ich heute male, hat viel damit zu tun.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Momente und Zeiten viel zu schnell an mir vorbeiziehen. Und so wie die Wolken, kann ich diese nicht festhalten. Manche Dinge hängen den ganzen Tag, die ganze Woche am Himmel – eben wie eine ganze Wolkenschicht. Andere Dinge scheinen tief herunterzuhängen. Ja sie lassen sich kaum bewegen und ich wünschte, die würden vorbeiziehen. Doch die Wolken, die lassen sich nicht beirren. Die ziehen, wenn der Wind stark genug ist. Sie sammeln sich oder verdünnen sich, wenn die Umstände passen.

Und so, ja so, kann ich dieses Sinnbild etwas leichter in mein Leben integrieren.

Denn manche Tage sind so schwer, so betrübend, so in Wattewolken gepackt, dass ich mich fast nicht mehr daran erinnere, dass auch sie vorbeiziehen. Und andere Tage scheinen so leicht, so flockig und klar, dass sie fast zu schnell an mir vorbeiziehen.

Dass sie vorbeiziehen, das steht fest. Denn so wie die Wolken, die manchmal die Sicht auf die Sonne verdecken – oder uns wohltuenden Schatten schenken – so sind auch die Tage. Mal leichter, mal schwerer. Mal mehr spürbar, mal eher vorbeiziehend.

Danke, liebe Wolken. Ihr seid weit lehrreicher, als ich das bisher gedacht habe.

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Einatmen. Ausatmen. Ein. Aus.

Ich denke daran. Habe es vor, will es machen.

Nehme meine Matte, breite sie auf dem Boden und breite gleichzeitig in mir Vorfreude aus. Ich setze mich auf die Matte, berühre den Startknopf*.

Ich höre die Anfangsmusik, die Begrüßung und beginne tiefer zu atmen. Die Vorfreude verwandelt sich in Freude. Ich spüre in mich hinein. Spüre, wie das Einatmen meinen Bauch- und Brustbereich weiter macht. Ich spüre, wie sich meine Schultern leicht anheben und beim Ausatmen sinke ich. Sinke auf den Boden, lasse mich fallen, obwohl ich sitze. Ich fühle mich gut aufgehoben, stark und leicht gleichzeitig.

Ich atme langsam ein. Ich lerne mit jedem langsamen Atmen, dass ich es bin, die meinen Atmen kontrollieren kann. Ich atme langsam aus. Lange. Atme alles aus. Mein Herz wird ruhiger.

Langsam beginnt die erste Position. Ich spüre meine Knie und Handflächen auf der Matte. Drücke meine Finger gleichmäßig in den Boden. So ist es für keinen zu viel, für keinen Finger und auch das Handgelenk dankt es mir. Meine Wirbelsäule ist gerade, mein Nacken eine Verlängerung der Wirbelsäule. Ich atme gleichmäßig ein und aus. Ich beginne mit meinem Körper zu spielen. Bewege mich in all die Richtungen, die möglich sind, hier auf dem Boden, auf meinen Knien und Händen.

Tief atme ich ein, beim Ausatmen drücke ich meine Hüften nach oben hinten. Meine Beine strecken sich, meine Arme sind stark. Ich atme ein und beim Ausatmen sinke ich tiefer in dieser Position. Ich bleibe hier, es ist eine angenehme Position. Nach einigen Atmenzügen hebe ich beim Einatmen mein rechtes Bein, ganz nach oben. Ich beuge mein rechtes Knie und öffne meine Hüften. Mein Körper ist gebeugt und zugleich weit geöffnet. Ich atme ruhig. Ich atme in meinen ganzen Körper. Ich bringe das Bein wieder zur Erde, atme aus. Ein. Aus. Ein. Aus.

Ich wiederhole das mit dem anderen Bein und bin wieder ganz offen, ganz achtsam.

Ich mache kleine Schritte an den vorderen Rand meiner Matte. Mein Kopf ist vorne über gebeugt, meine Arme baumeln, die Fingerspitzen berühren den Boden. Meine Knie sind leicht gebeugt. Ich atme. Mein Kopf ist schwer, mein Rücken wird leichter. Meine Schultern dürfen alles fallen lassen, das sie schwergemacht hat. Langsam atme ich ein und aus und komme Stück für Stück wieder zum Stehen.

Ich stehe. Merke, wie ich fest verwurzelt stehe. Meine Füße sind ganz am Boden. Die Zehen, die Seiten, die Fersen. Ich stehe gerade und aufrichtig. Beim Einatmen richte ich mich noch weiter auf, beim Ausatmen merke ich, wie ich tiefer verwurzelt werde. Ein. Aus. Ein. Aus.

Ich bin stark. Stehe voll im Leben. In dieser Position fühle ich mich so verbunden, so lebendig. Mein Blick ist geradeaus. Meine Mundwinkel sind nach oben gezogen. Ich habe die Sicherheit von unten und die Freiheit nach allen Seiten.

Langsam strecke ich meine Arme nach oben. Ich atme tief ein. Schaue nach oben. Atme aus. Atme ein. Als würde ich etwas ganz Großes, Wichtiges über mir halten. So fühlt es sich an. Und dieses Große, Wichtige, das hole ich beim nächsten Ausatmen ganz nah zu mir. Ich bringe es zu meinem Herzen. Atme ein, atme aus.

Beuge meinen Kopf zu meinem Herz, zu meiner Hand. Atme noch einmal tief ein. Der tiefste Atemzug, den ich den ganzen Tag genommen habe.

Ich fühle mich frei, stark und geliebt. Ich fühle mich wohl, warm und bereit. Ich fühle mich gut. Richtig gut.

— — —

Danke fürs Mitreisen auf dieser kleinen Yogareise, die ich seit über hundert Tagen nun jeden Tag mache. Und von der ich so schnell nicht zurückkehren werde. Namaste.

(*Yoga with Adriene. Ich kann sie aus tiefstem Herzen empfehlen.)