achtsam · kreativ · selbstliebend

Wie ein Bild

Meine Tage fühlen sich an wie Bilder.
Bilder von Dingen, Farben und Formen.
Formen, die ineinandergreifen.
Farben, die harmonisch verschmelzen.
Dinge, die leuchten und scheinen.

Meine Tage sind gefüllt von Dingen.
Dinge, die leicht und schön zu betrachten sind.
Schön zu betrachten und einfach zu tun.
Einfach zu tun und wichtig zu fühlen.
Wichtig zu fühlen und wertzuschätzen.

Meine Tage sind wertschätzend.
Wertschätzend dem Leben gegenüber.
Dem Leben und den Menschen.
Den Menschen und mir selbst.
Meine Tage sind gut zu mir selbst.

Wenn ich meine Tage, meine Wochen, meine Zeit malen und gestalten würde, dann würde dieses Bild weiche, feine Formen haben. Kreise, Ovale, undefinierte Rundformen, ein paar geradkantige Formen. Es würde Farben haben, die mich beim ersten Betrachten glücklich machen. Petrol, dunkelgrün, minzgrün, senfgelb, altrosa, mattrot, cremeweiß. Die Farben stünden für die Dinge, die ich gerade jeden Tag mache. Yoga. Lesen. Kochen. Essen. Gehen. Staunen. Schreiben. Austauschen. Nachdenken. Eingemütlichen. Bewegen. Lachen. Gestalten. Schlafen. Schauen. Ruhen.


Es wäre ein ruhiges Bild, aber ein farbenfrohes und zu bestaunendes Bild. Es wäre ein Bild, das ich mir aufhängen und jeden Tag betrachten würde. Und es würde mich an all die guten Dinge im Leben erinnern, dieses Bild. Das Bild wäre nicht allzu groß, würde in einen Rahmen passen. Es muss den Rahmen nicht sprengen, es ist sehr friedlich dieses Bild. Es kann einfach an der Wand hängen und da sein. Denn dieses Bild ist ausgeglichen und braucht kein verrücktes Drumherum.

Ich schreibe dieses Bild. Ich beschreibe es. Vielleicht gibt es eines Tages die Farben und ich male es. Dann kann ich es euch zeigen.

Wie schaut euer Bild aus? Wie schauen eure Tage im Moment aus? Wie würde euer Bild aussehen? Welche Farben, welche Formen hätte es? Gibt es eine Farbe, die ungewollt zu viel Platz und Raum einnimmt? Gibt es Farben, die kräftiger leuchten, als die anderen?

Ich mag mein Bild. Und ich mag meine Tage, meine Zeit.

achtsam · reisend · selbstliebend

Eine Liebesgeschichte

Ich warte auf dich. Barfuß. Kenne dich noch nicht, weiß aber ungefähr, wie du ausschaust. Wir haben eine gemeinsame Freundin, die meint, dass wir zwei uns kennenlernen sollten. Warum – das werden wir bald herausfinden.
Du kommst. Vollbeladen mit Rucksäcken und Taschen.
Wir nehmen den Bus gemeinsam und du erzählst mir bereits auf der Reise nach Hause viel von deinem Leben.

Wir kochen, reden und machen Musik. Wir kennen uns schon länger, so ist das Gefühl. Wir reden bis spät in die Nacht, ich bin so interessiert an allem, was du mir erzählst.

Wir geben ein Konzert im Wohnzimmer meiner Eltern. Unser erstes Lied, es macht mir solch große Freude, mit dir zu blödeln. Meine Mama meint, dass du ja fast wie mein “argentinischer Bruder” bist, so ähnlich sind wir, so leicht wirkt es zwischen uns.

Wir lernen uns besser kennen, über Monate hinweg. Wir schreiben viel, du wohnst in Berlin, ich in Salzburg. Ich besuche dich, verbringe eine befreiende, aufregende und selbstfindende Zeit bei dir. Du besuchst mich. Wir kennen uns schon besser, sind uns noch näher.

So geht es dahin. Wir überbrücken die Zeit zwischen den Städten mit täglichem Austausch. Schicken Bilder, Videos, telefonieren und denken aneinander. Du verbringst viel Zeit bei mir, wir machen uns das Leben und die Welt, wie sie uns gefallen. Wir singen gemeinsam, spielen, kreieren, reden, kochen, spazieren, malen, lachen, lernen uns noch besser kennen.

Noch nicht mal ein Jahr ist um und wir beschließen, eine Reise zu machen. Wir fliegen nach Brasilien, ich lerne deine Familie und Freunde in Argentinien kennen, reisen durch das Land, durch Bolivien, Peru und nach Chile. Wir kommen zurück nach Argentinien und haben beschlossen, zu heiraten. Wir kennen uns mittlerweile schon gut. Nicht lange, aber gut. Verbringen jeden Tag – 24 Stunden – miteinander. Und es gibt immer noch vieles, vieles, über das wir reden. Wir wollen beisammen bleiben, wollen eine Familie sein.

Wir heiraten. Heute vor 2 Jahren. Es ist ein wunderschöner Tag, Sonnenschein, Gartenfest und ganz viele liebe Menschen. Wir tanzen, singen und essen wunderbar gutes Essen. Wir sind jetzt verheiratet. Glauben können wir das noch nicht ganz.

Dann geht es wieder nach Österreich zurück. Es ist nicht leicht für dich. Du bist viel alleine, ich arbeite viel. Wir nutzen die Zeit, die uns bleibt, gut und versprechen uns, dass wir unser Leben anders gestalten wollen. Wir wollen Zeit haben füreinander. Wollen unsere Visionen und Ideen gemeinsam in die Welt tragen. Wollen etwas Gutes schaffen. Wollen Abenteuer erleben.

Wir feiern ein Fest der Liebe. Ein Tag, wie er im Bilderbuch steht. Sonnenschein, Liebe, Familie, Essen und wunderbare Menschen. Ein Fest, das nicht schöner hätte sein können. Unsere österreichische Hochzeit. Sie bleibt – nicht nur uns- ganz warm in Erinnerung.

Das Jahr vergeht. Wir verbringen viel Zeit mit meiner Familie. Du lernst immer mehr Deutsch zu sprechen. Ich bin so dankbar dafür, dass du dich so einbringst. Sprachlich und kulturell. Es ist nicht immer leicht. Nicht für mich, nicht für dich. Wir entdecken gemeinsam neue Leidenschaften, sind viel unterwegs und gestalten unseren Lebensraum so, wie wir ihn beide haben wollen. Ruhig, grün und gemütlich.

Wir haben ein schönes Leben. Und wir wissen, wie wir es uns schön machen können. Wir reden viel über die Zukunft, was wir wollen, wie wir uns unsere Familie, unser Leben, unseren Alltag vorstellen. Wir wachsen miteinander. Lernen voneinander und lieben einander.

Es tut so gut, dich an meiner Seite zu haben. Ich fühle mich wohl, behütet und getragen. Du lässt mich wachsen, lässt mich sein und lässt mich atmen. Du machst mein Leben besser. Jeden Tag.

Ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dich getroffen zu haben. Dich in mein Herz gelassen zu haben und dich tief in mir zu tragen. Du hast mich verändert, näher zu mir selbst. Du hast mir neue Welten gezeigt und mich in deine aufgenommen. Du öffnest mein Herz mit deinen Ansichten, deinen Ideen und deiner Weise, das Leben zu sehen.

Ich bewundere dich, schätze dich so sehr. Ich liebe dich, fühle mich dir so nahe. Ich liebe uns, ich liebe unser Leben. Ich liebe es, wie wir uns gegenseitig wachsen und sein lassen.

Eine Liebesgeschichte. Meine Liebesgeschichte. Unsere Liebesgeschichte.

Auf viele weitere Hochzeitstage und viele Liebesgeschichten da draußen.
Ich gönn sie euch von Herzen.

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Verdient verdient.

Ich glaube nicht daran. Nicht mehr. Ich glaube, es ist Zeit für mich, weiterzuziehen, neue Denkwege einzuschlagen, mich selbstliebend umzuorientieren.

Ich glaube nicht mehr daran. Woran, fragt ihr euch? Ich glaube nicht mehr an dieses “ich muss es mir erst verdienen”-Mantra. Dieses “das Gute kann nur kommen, wenn es mir wirklich schlecht ging davor”. Dieses “hart arbeiten, um mir die langersehnte Ruhe zu verdienen”.

Ich will es einfach nicht mehr glauben.

Gestern hatten wir ein sehr spannendes Gespräch mit einem Freund. Wir haben über das Leben gesprochen, darüber, wie es geht, dass wir im Moment beide wenig arbeiten und trotzdem all die Dinge tun können, die wir wollen. Wie es möglich ist, wenig Geld zu brauchen und wie einfach das ist für uns. Und dann – auf meine Erklärung, dass ich gerade keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, (ich verwende diesen Ausdruck sehr bewusst – denn ich arbeite. Aber ich bekomme im Moment (noch) kein Geld dafür.) – hat er gemeint, dass ich mir das ja verdient habe. Ich hab schließlich viel gearbeitet im letzten Jahr.

Und da überkam es mich. Da war es mir klar. Nein. Ich will das nicht. Ich will es mir nicht “verdienen” müssen, dass ich eine Zeit lang “nichts tue”. Und hier kommt auch die Krux an der Sache – in der deutschen Sprache differenzieren wir nicht zwischen “Geld verdienen” oder “sich etwas verdienen”. Und so mischen sich diese beiden Welten, die sich nahe stehen, aber eben nicht die gleichen sind.

Ich muss Geld verdienen, um mein Leben zu finanzieren. Versteh ich. Ich muss mir aber keine Zeit verdienen, um sie dann so zu nutzen, wie ich das möchte und brauche. (Ich schreibe das alles am hohen Thron der Privilegien, glaubt mir, ich denk viel darüber nach…)

Ich hab es hier schon ein paar Mal anklingen lassen – und ich werde nicht müde, es immer wieder zu schreiben: Ich muss nicht krank sein, um meine Tage mit Dingen zu füllen, von denen ich immer schon geträumt habe. Ich muss mir nicht die Woche vollstopfen, um dann am Wochenende endlich durchzuatmen. Ich muss mir das Gute, das Schöne nicht verdienen, vor allem wenn ich es mit Geld sowieso nicht bezahlen kann.

Versteht ihr, was ich meine?

Ich bin es satt, zu warten und mich klein zu machen. Ich bin es satt, gesagt zu bekommen, wie man lebt und was man darf. Und ich bin es satt, mir selbst das Gute nicht zu gönnen, weil ich es mir “ja nicht verdient habe”…

Ob ich mir etwas wirklich verdient verdient habe, das lass mich ab jetzt ich selbst entscheiden. Und dabei werd ich großzügig sein zu mir selbst. Denn das hab ich verdient, damit, dass ich hier bin.

allgemein · kreativ · selbstliebend

Keine Vorsätze

Lange habe ich überlegt, wie mein erster Text im neuen Jahr ausschauen soll. Reflektierend über das letzte Jahr, das voller Schätze steckte? Vorausschauend auf das neue Jahr, das voller Schätze stecken wird? Meine Pläne, Visionen, Vorsätze für dieses Jahr? All das ist es nicht geworden.

Und hier bin ich. Innehaltend im Moment. Im heutigen Zustand, im jetzigen Augenblick. Und ich fühle mich sehr weise dabei. Denn wenn ich etwas immer mehr verstehe, dann ist es das kostbare Geschenk der Gegenwart.

Und so sitze ich hier und freue mich. Freue mich über so vieles. Und bin so unendlich dankbar, ich kann es kaum fassen, kaum ausdrücken. Ich liebe mein Leben aus tiefstem Herzen. Und ich liebe die vielen feinen Facetten meines Lebens.

Ich liebe es, dass ich eine Beziehung führe, die auf Miteinander, auf Liebe, auf tiefer Verbundenheit beruht. Ich liebe es, dass wir miteinander reden, uns austauschen, uns zuhören und diskutieren. Ich liebe es, dass wir uns gegenseitig wachsen und verändern lassen. Ich liebe es, dass wir uns fürs Abenteuer entscheiden, immer wieder. Für die Lebendigkeit, für das Aktive, für das Gute.

Ich liebe es, dass ich gesund bin. Dass ich meinen Körper bewegen und nutzen kann. Ich liebe es, dass ich mich schön finde. Ich liebe es, dass ich mit meinem Körper befreundet bin. Dass ich eine meiner eigenen engsten Freundinnen bin. Dass ich immer mehr lerne, mich noch mehr und immer mehr genau so anzunehmen, wie ich bin und mich nicht vor Veränderung fürchte.

Ich liebe es, dass ich so viele Möglichkeiten habe und viele davon nutze. Ich liebe es auch, dass ich es schaffe, “etwas zu verpassen”, im Bewusstsein, dass ich nicht alles immer tun muss. Ich liebe es, dass ich weiß, was mir guttut und dass ich so vieles davon machen kann. Ich liebe es, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann und weit genug entfernt habe von dem, was mir nicht gut tut.

Ich liebe auch solche Dinge, wie zum Beispiel, dass ich Räume gemütlich und schön machen kann. Das ist eine Fähigkeit, die ich sehr praktisch und schön finde. Ich liebe es, dass ich mich über Kleinigkeiten von ganzem Herzen freuen kann. Ich liebe es, dass ich alles schmecke und rieche und dass ich jeden Tag schönes Essen machen und haben kann.

Und das sind alles Dinge, die ich gerade jetzt, heute und hier, so sehr schätze und liebe. In diesem Moment.

Ich liebe es, dass ich eine Seite füllen kann mit Dingen, Zuständen und Gegebenheiten, die ich liebe. Und das, ohne viel nachzudenken oder mich anzustrengen.

Wie wunderbar. Da braucht es für mich dieses Jahr gar keine Vorsätze. Denn so, wie ich gerade lebe, so kann ich mir das gut fürs ganze Jahr (wenn nicht sogar länger…) vorstellen. Und wenn ich eines jetzt gerade weiß, dann dass die Veränderung meine Freundin bleiben wird, bei allem, was ich mache und liebe. Und das wird sie bleiben, ob mit oder ohne Vorsatz.

allgemein · kreativ · selbstliebend

Die lange Weile

Die letzten Tage waren gefüllt von diesem Nichts. Und bereits im ersten Satz widerspreche ich mir hier selbst. Denn gefüllt sein vom Nichts, das geht ja irgendwie nicht. Und doch. Die lange Weile, die schafft es, etwas zu füllen ohne selbst etwas zu sein.

Die lange Weile, leicht verwechselbar mit ihrer Zwillingsschwester der Langeweile, hat mich in den letzten Tagen oft begleitet und inspiriert.

Die lange Weile, die bringt dieses weite, scheinbar endlose Gefühl mit sich. Die Tage haben wenig Struktur, wenig Pläne, wenig Müssen. Die Tage, die diese lange Weile hervorrufen, sind umgeben von diesem Hauch der Leichtigkeit, der Ungezwungenheit, der Weite.

Woraus diese lange Weile besteht?
* Spazierengehen. Auch gern mehrmals am selben Tag. Langsam, weit und achtsam spazieren gehen.
* Essen. In lustigen Rhythmen und auch Dinge, die vielleicht so im Alltag nicht unbedingt vorkommen. Gemeinsam mit Menschen und alleine vor dem Fernseher. Egal, Hauptsache lange und gut und entspannt.
* Herumhängen. Dasitzen und schauen. Jemandem bei etwas zuschauen oder einfach in die Luft schauen. Währenddessen gar nicht viel denken. Einfach schauen.
* Wenig Zeit am Handy. Die Langeweile der langen Weile gut aushalten und nicht sofort ablenken (lassen).
* Spielen. Brett- und Gesellschaftsspiele. Die richtigen Karten suchen und lange nicht finden. Dabei die Uhr ticken hören und nicht einmal wissen, welche Stunde des Tages gerade ist.

Diese lange Weile, die mich absolut nicht langweilt, habe ich meist um die Weihnachtsfeiertage und in den Tagen zwischen den Jahren. Warum genau da? Vielleicht, weil ich sie mir da selbst erlaube. Weil da, ja besonders da, das Nichtstun Teil des Festes ist. Weil nichts von mir erwartet wird, nicht mal ich selbst erwarte etwas von mir.

Diese lange Weile, die hat aber sehr wohl viel mit ihrer Zwillingsschwester zu tun. Denn die Langeweile, die eine lange Weile erzeugt, die kann guttun, entschleunigen, inspirieren und uns zurückzuholen zum Wesentlichen.

Oder um es mit den Worten der wunderbaren Astrid Lindgren zu sagen: “Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”

achtsam · allgemein · selbstliebend

Das Wunder des Wunderns

Ich wundere mich. Und erkenne viele Wunder darin. Wundern heißt staunen, mit Ver-WUNDER-ung wahrnehmen, etwas Unerwartetes erkennen und in Erstaunen versetzt zu sein.

Ich glaube, dass jede und jeder von uns diese Eigenschaft, uns zu wundern und zu staunen, hat. Dieses naive, kindliche, unvoreingenommene Betrachten der Welt. Eine Fähigkeit, die wohl irgendwo tief in uns allen schlummert. Und hoffentlich nicht zu tief drinnen… Denn dieses Staunen über die Welt, die Natur, die Gegebenheiten, die uns umgeben, ist zu schade, um es nur manchmal herauszulassen.

VerWUNDERlich?

Gestern war ich spazieren. Und da waren so Schneewollknäulchen überall am Boden. Ich hab einen aufgehoben und ihn betrachtet. Wie feinste Wolle um einen Stock gesponnen, wie einzelne Fasern aus schier unechtem weißem Material. Schmelzend, aber in sich zusammenhaltend. Ich hab dieses Kunstwerk der Natur betrachtet und habe gestaunt. Ich wusste nicht, was es war. Ich wusste nicht, woher es kam und ich war ganz ver-wundert von seiner Schönheit.

Wundern hat etwas mit einem gewissen Nichtwissen zu tun. Vielleicht auch mit nicht unbedingt wissen wollen. Wundern kann mit Staunen einhergehen. Und das wiederum hat auch etwas damit zu tun, nicht alle Dinge als vollkommen gegeben zu nehmen. Ich glaube, es wäre zu anstrengend und auch sehr unpraktisch im täglichen Leben über alles zu staunen und mich über jede Kleinigkeit zu wundern. Dann könnt ich wohl nicht aus dem Bett aufstehen, zu wunderlich wäre die Tatsache, dass die Bettdecke so schön warmhält und das Licht auch ohne sichtbare Sonne durchs Fenster scheint. Oder ich würde mich wundern, warum ich atme. Doch ein manchmal absichtlich herbeigeführtes Staunen, dass dieses Atmen so automatisch abläuft und mich am Leben hält, ich es aber auch kontrollieren kann, um mir selbst Gutes zu tun, das kann nicht schaden.

Das Wunder des Wunderns.

Was ich feststelle, ist, je mehr ich mich wundere und staune, desto schöner wird die “normale” Welt um mich herum. Desto glänzender der Schnee, wärmer die Sonne und desto frischer die Luft. Und oh, das Wundern und Staunen gehen nicht so einfach, vor allem wenns grad nicht so einfach ist alles. Für mich merke ich allerdings, dass es mich gesund und offen, kreativ und aufnahmefähig für das Gute macht. Wundern lässt mich auch innehalten, lässt den Moment Moment sein und schafft es, die Zeit für diesen kurzen Augenblick durchatmen zu lassen.

Ein Wunder, dieses Wundern…

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Worauf warten?

In letzter Zeit holt mich dieses Thema immer wieder ein. Immer wieder drehen sich Gedanken und Gespräche darum, immer wieder höre ich Geschichten, in denen es darum geht. Ja, sogar Lieder zu diesem Thema kommen plötzlich zu meinen Ohren!

Das Warten. Das auf irgendwas Warten. Das Warten auf bessere Zeiten, einen besonderen Anlass, einen bestimmten Tag, ein Ereignis, einen Zustand. Das Warten, das manche Dinge jetzt noch nicht erlaubt.

Das Warten an sich wäre nicht das Problem. Das kann ja was Schönes sein. Vorfreude und Hinfreude. Und Vorbereitung und Geduld. Das Warten an sich ist – wie so oft die Sache an sich – weder gut, noch schlecht.

Doch – und hier kommt der Kontext: Das Warten, um etwas zu tun, das jetzt schon möglich wäre, aber der Zeitpunkt eben nicht der “richtige”, “beste”, “besondere” oder einfach der “geplante” und “vorgestellte” ist. Das Warten – oder sogar noch treffender – Verschieben und Hinauszögern eines Wunsches, Vorhabens, einer Vision.

Beispiele habe ich viele, ihr bestimmt auch. Das besondere Geschirr. Die schönen Ohrringe. Die ersehnte Weltreise. Die neue Arbeit. Endlich mal wieder malen/schreiben/lesen/laufen/reiten/Kuchenbacken/ins Museum gehen/jemanden anrufen/… Und so gehts weiter. Diese Liste kann man mit allen Dingen und Situationen füllen, die man sich vorstellen und wünschen kann. Und man kann auch ewig darauf warten. Und vom Träumen nicht erwachen. Und sich dann wundern.

Aber das wollen wir ja nicht, oder? Wir wollen doch dabei sein, wenn wir die schönsten Entscheidungen treffen und unser schönstes Leben so (er)leben, dass wir irgendwann mal zurückschauen können und so vieles, wie nur irgendwie möglich, wirklich so gelebt haben, wie wir das wollten. Und ja, ich weiß auch, dass das ein Kalenderspruch ist. Und ich weiß auch, dass es nicht immer möglich ist. Und ich weiß auch, dass jede*r diese Zeilen selbst verstehen darf und muss.

Ich frage mich jedenfalls immer wieder – so in Abständen, die nicht allzu lange voneinander entfernt sind – ob das, was ich gerade mache und lebe, das ist, was ich gerade machen und leben möchte. Und wenn eine Entscheidung zu treffen ist, dann stell ich mir die Frage, worauf ich warten möchte. Wenn es Sinn macht, zu warten, kann ich warten. Wenn es “irgendwie schon und naja und eigentlich und ja, aber”-Gründe gibt, dann versuch ich dahinter zu schauen und mir klar zu machen, dass ich nicht hier bin, um zu gefallen und meine Zeit hier auch wirklich begrenzt ist. Und irgendwie schaffen mein Warten und ich es dann, uns zu einigen. Uns zu gedulden, wenn es um Geduld geht. Und zu leben, wenn es ums Leben geht.

Also worauf warten? Das ist die Frage. Wenn die Antwort klar ist, besser noch mal drüber nachdenken. Und dann am besten tun. Oder es mit den Worten der Sprachkünstlerin Julia Engelmann zu sagen: Grüner wirds nicht, grüner wirds nicht.

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Umgewöhnlich

Ja, ja – manche Dinge sind ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass die Umgewöhnung eine Zeit dauert. Eine umgewöhnlich lange Zeit manchmal.

Bis wir eine neue Gewohnheit verinnerlicht haben, dauert es im Schnitt zwei Monate. Wusstet ihr das? Davor ist unser System noch nicht bereit, sich auf diese Veränderung voll und ganz einzustellen und sie willkommen zu heißen. Es dauert einfach (s)eine Zeit, bis wir eine Tätigkeit so intus haben, dass wir sie gewohnt sind, sie also zur Gewohnheit gemacht haben. Dabei sind kleinere Änderungen (wie z.B. jeden Tag genügend Wasser trinken) schneller im Alltag integriert, als größere (wie z.B. jeden Tag mindestens 10 000 Schritte gehen).

Außerdem können wir nicht 10 Dinge auf einmal ändern und erwarten, dass diese in drei Tagen so normal sind, wie Zähneputzen oder Danke sagen. Ich habe mal gelesen, dass wir am besten nur eine Sache pro Zeitpunkt wirklich so verändern und daraufhin in unser Leben aufnehmen – also zur Gewohnheit machen – können.

Sehr spannend, wie ich finde. Denn etwas Neues auszuprobieren und es zum Eigenen zu machen, ist dann oft nicht so einfach oder einfach nicht so schnell, wie wir uns das manchmal wünschen.

Ich kultiviere gerade eine neue Gewohnheit. Ich mache gerade jeden Tag Yoga. Und ach, wie lange habe ich mir das vorgenommen, im Kopf gehabt, im Sinn und mich sogar ganz ab und zu mal auf die Matte gewagt. Ungelogen – seit Jahren! Ohne großen “Erfolg” (ich weiß, ich weiß – besonders beim Yoga geht es nicht um den Erfolg, sondern um das Erfolgen…). Und seit ich mich wirklich jeden Tag hinsetze und meine Übungen mache – fällt es mir mit jedem Tag leichter, dies als eine meiner neuen Gewohnheiten zu sehen und daher nicht die Hürde davor, sondern die Leichtigkeit danach viel stärker wahrzunehmen.

Und da ich jetzt auch weiß, dass es halt einfach eine Zeit braucht, bis ich diese Praxis voll und ganz in mir aufgenommen und zu einem Teil meines Lebens gemacht habe, nehme ich mir diese Zeit. Und bleibe dran. Was mir auch dazu einfällt, ist, dass es bei mir auch immer den richtigen Zeitpunkt braucht – ich habe viele Ideen und Vorhaben und merke mittlerweile, dass ich diese nicht immer gleich und sofort umsetzen und zu einem neuen Teil meines Lebens machen kann. Es brauchte lange, bis ich da draufgekommen bin – und jetzt, wo ich das weiß, macht es vieles einfacher. Denn ich kann darauf vertrauen, dass – sofern dieses Vorhaben ein wirklich wichtiges für mich ist – ich es zu einem Zeitpunkt in meinem Leben umsetzen werde. So war es bis jetzt bei ganz vielen Visionen, Gewohnheiten, Möglichkeiten und Vorstellungen.

Aber Achtung! Das Ändern von Gewohnheiten ist wahrlich kein Zuckerschlecken – überkreuzt mal eure Finger anders als gewohnt (also mit dem anderen Daumen oben!) Yoga für die Hände, sagt da meine Yogalehrerin…

Gewohnheiten. Da gibts doch diesen schönen Spruch – dass aus meinen Gedanken Worte werden und aus meinen Worten Taten und aus meinen Taten Handlungen und aus diesen dann Gewohnheiten. Und dabei bleibts (laut diesem Spruch) nicht, denn die Gewohnheiten bestimmen meinen Charakter und der, ja der wohl mein Leben… Lohnt sich also, mal über die eigenen Gewohnheiten nachzudenken…

Warum wir überhaupt Gewohnheiten ändern sollen, fragt ihr euch? Naja, weil vieles vielleicht gar nicht unseres ist, weil wir halt einfach machen, um dazuzugehören oder weil wir es nicht anders kennen. Weil frischer Wind immer wieder mal gut tut und auch gesund sein kann. Weil es das Leben ein bisschen bunter macht, etwas Neues darin zu verwurzeln. Und weil es einfach zu viele schöne Sachen gibt da draußen, die wir sonst nie kennenlernen würden.

P.S.: Hier noch ein interessanter Link zum Weiterlesen: https://zenhabits.net/36lessons/

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Grundlose Freude

Manchmal, da freu ich mich, weil die Sonne scheint. Manchmal, weil es gutes Essen gibt und manchmal, weil ich irgendjemandem weiterhelfen konnte. Schöne Gründe zum Freuen.

Und manchmal, da freu ich mich einfach so. Ohne Grund und meist auch ohne eine Erklärung dafür parat zu haben. Da überkommt es mich und ich reibe meine Hände aneinander (das mach ich, seit ich ein Kind bin, hab ich mir sagen lassen) und dieses warme Gefühl der Freude durchströmt mich. Ich hatte vorhin grad wieder so einen Moment und deshalb möcht ich diesen Zustand auch mal mit euch teilen.

Bei mir “passiert” diese grundlose Freude meist, wenn ich alleine bin und Zeit habe zum Nachdenken und zum Sein. Das muss gar nicht lange sein, denn diese Freude schwappt auf einmal und kommt sehr schnell. Ich sag es dann auch laut und ohne zu denken “Ma, i gfrei mi so!”. Und wenn sich dann mein Bewusstsein einschaltet, frag ich mich auch, warum und find natürlich auch Gründe. Aber – und darum solls hier gehen – es braucht für mich keinen spezifischen Grund, diese Freude, dieses Glück zu spüren.

Und das ist eine wahrhaft privilegierte und gesegnete Eigenschaft, die ich wohl teils mitbekommen, teils kultiviert habe.

Woran mich diese grundlose Freude aber auch erinnert, ist die andere Seite. Die des Rechtfertigen und Suchen von schlimmen Gründen, warum ich (man/wir) auch mal traurig, fertig, niedergeschlagen sein “darf”. Bin mir nicht ganz sicher, ob es verständlich ist, was ich da schreibe. Was ich meine, ist, dass es – genauso wie bei der Freude – auch mit der Trauer, der Enttäuschung, der Wut, dem Zorn, der Angst, der Niedergeschlagenheit, der Überforderung, der Unsicherheit etc. – vollkommen in Ordnung ist, diese Gefühlszustände mal zu fühlen und zu erleben. Ohne großes Erklären oder Rechtfertigen, ohne großes Verstehenmüssen oder Ignorieren. So, wie die Freude (die grundvoll und grundlos sein kann) existiert, so gibt es eben auch diese andere Seite.

Ich plädiere hier nicht für ein Nicht-Ernstnehmen der Gefühle. Nein! Vielmehr bin ich stark dafür, beide Seiten (oder eben alle Seiten, die halt kommen), sein zu lassen. Denn es muss nicht immer eine Erklärung geben. Wir müssen unsere Gefühle auch nicht immer verstehen (obwohl wir natürlich auch so gepolt und erzogen sind, dass wir beschreiben können sollen, was wir fühlen und dass es “gute” und “böse” Gefühle gibt etc. etc.). Manchmal macht es uns natürlich auch leichter, zu verstehen, was los ist. Aber – und hier komme ich zum Punkt – es ist auch ok, wenn wir einfach nur fühlen, ohne zu verstehen.

So. Und jetzt widme ich mich wieder meiner Freude, die immer wieder grundlos durch meine Zellen strömt.

Einen gefühlvollen Tag allerseits.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Was ich gelernt habe

Wieder ein Jahr vorbei. Ein komisches, außergewöhnliches, kurz- und langweiliges Jahr. Wieder ein Jahr vorbei, wieder ein Jahr älter. Und so, wie jeden Tag ein Jahr vorbei ist im Vergleich zu diesem Tag im letzten Jahr (denkt mal drüber nach!), so sind Geburtstage ganz besonders besonders, weil ich da immer so genau dran denke, was denn in diesem Jahr passiert ist.

Es ist vieles passiert. Und es fühlt sich oft wenig an. Die Zeit ist ganz komisch vergangen, vom letzten November bis zum heurigen. Ganz viel ist passiert, in der Welt und in mir. Ganz viel hat sich geändert, ganz viel wird sich auch von diesem November bis zum nächsten wieder ändern.

Und ganz viel hab ich lernen dürfen.

Dass Veränderung die einzige, aber wirklich einzige!, Konstante ist. Alles ist im Fluss und wir steigen nie ins gleiche Wasser. Die Veränderung ist unsere Begleiterin, unsere Beschützerin, unsere das-Leben-schöner-Macherin. Das hab ich gelernt, zum Beispiel.

Dass Pflanzen wunderbare Anti-Stress und Pro-Achtsamkeitsexperten sind, das hab ich auch in diesem Jahr gelernt. Dass es stolz und froh und entspannt machen kann, den Pflänzlein beim Wachsen zuzuschauen.

Dass ich Fragezeichen machen kann, hinter alles. Und dass ich sie machen soll, diese Fragezeichen, wenn etwas zu sicher scheint. Denn dann, ja dann besonders, braucht dieses Etwas (diese Ansicht, diese Einstellung, diese verstaubte Meinung,…) wohl eine kleine Überarbeitung.

Dass nichts, aber schon gar nichts, selbstverständlich ist. Nein, nicht mal Atmen. Dass ich mich wirklich wirklich glücklich schätze kann, wenn es mir einigermaßen gut geht. Wenn ich einigermaßen gesund und meistens glücklich bin. Wenn ich immer irgendjemanden zum Reden und Sein habe, wenn ich meine Entscheidungen in Freiheit treffen kann. Dass ich mir dessen wirklich bewusst bin, dass nichts selbstverständlich ist, auch das habe ich immer wieder gelernt. Und leider bin ich auch von außen daran erinnert worden. Denn es sind Dinge passiert, die mich traurig, wütend, verängstigt und unsicher gemacht haben. Und es ist nicht selbstverständlich, dass ich immer wieder zu meiner zufriedenen Mitte zurückkomme. Nichts. Aber schon gar nichts ist selbstverständlich. Nicht mal riechen. Oder schmecken. Oder leben. Das habe ich in diesem Jahr besonders gelernt.

Ich habe gelernt und bin daran erinnert worden, wie sehr ich es liebe, die Welt zu sehen. Ich mache das mittlerweile seit 8 Jahren – verbringe jeden zweiten Geburtstag in einem anderen Land (oder Kontinent!), reise auch dazwischen oft und merke in diesem Jahr, dass ich – obwohl es wieder so ein zweites Jahr ist – auch liebend gerne daheim bin.

Ich habe gelernt, dass ich genau weiß, was mich glücklich macht. Und zwar mit sofortiger Wirkung. Ich habe gelernt, dass es wichtig wichtig wichtig ist, diese Dinge zu tun! Ich habe gelernt, dass ich ohne die Dinge, die mich von Herzen erfreuen, mich zum Lachen und Freudentränenweinen bringen, nicht leben möchte. Und ich habe gelernt, dass es gar nicht so normal ist, das Leben so selbstbestimmt und frei und wild und bewusst unkonventionell und gesund und meinem eigenen Rhythmus folgend zu leben.

Ich habe außerdem gelernt, was es heißt, privilegiert zu sein. Ich habe gelernt, was Frau-sein für mich bedeutet, was ich in der Welt unter anderem bewirken möchte und ich habe gelernt, dass Menschen auf mich hören. Dass das Macht ist, die ich sinnvoll nutzen muss, auch das habe ich gelernt.

Ich habe gelernt, dass Schreiben – in all den möglichen Facetten – meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft ist. Dass es mich zutiefst berührt und dass meine Texte andere zutiefst berühren.

Ich habe gelernt, dass ich vieles schon lange weiß und trotzdem immer wieder dran erinnert werden muss.

Und dass es ok ist. Alles.

Auch das habe ich gelernt.