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Keine Vorsätze

Lange habe ich überlegt, wie mein erster Text im neuen Jahr ausschauen soll. Reflektierend über das letzte Jahr, das voller Schätze steckte? Vorausschauend auf das neue Jahr, das voller Schätze stecken wird? Meine Pläne, Visionen, Vorsätze für dieses Jahr? All das ist es nicht geworden.

Und hier bin ich. Innehaltend im Moment. Im heutigen Zustand, im jetzigen Augenblick. Und ich fühle mich sehr weise dabei. Denn wenn ich etwas immer mehr verstehe, dann ist es das kostbare Geschenk der Gegenwart.

Und so sitze ich hier und freue mich. Freue mich über so vieles. Und bin so unendlich dankbar, ich kann es kaum fassen, kaum ausdrücken. Ich liebe mein Leben aus tiefstem Herzen. Und ich liebe die vielen feinen Facetten meines Lebens.

Ich liebe es, dass ich eine Beziehung führe, die auf Miteinander, auf Liebe, auf tiefer Verbundenheit beruht. Ich liebe es, dass wir miteinander reden, uns austauschen, uns zuhören und diskutieren. Ich liebe es, dass wir uns gegenseitig wachsen und verändern lassen. Ich liebe es, dass wir uns fürs Abenteuer entscheiden, immer wieder. Für die Lebendigkeit, für das Aktive, für das Gute.

Ich liebe es, dass ich gesund bin. Dass ich meinen Körper bewegen und nutzen kann. Ich liebe es, dass ich mich schön finde. Ich liebe es, dass ich mit meinem Körper befreundet bin. Dass ich eine meiner eigenen engsten Freundinnen bin. Dass ich immer mehr lerne, mich noch mehr und immer mehr genau so anzunehmen, wie ich bin und mich nicht vor Veränderung fürchte.

Ich liebe es, dass ich so viele Möglichkeiten habe und viele davon nutze. Ich liebe es auch, dass ich es schaffe, “etwas zu verpassen”, im Bewusstsein, dass ich nicht alles immer tun muss. Ich liebe es, dass ich weiß, was mir guttut und dass ich so vieles davon machen kann. Ich liebe es, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann und weit genug entfernt habe von dem, was mir nicht gut tut.

Ich liebe auch solche Dinge, wie zum Beispiel, dass ich Räume gemütlich und schön machen kann. Das ist eine Fähigkeit, die ich sehr praktisch und schön finde. Ich liebe es, dass ich mich über Kleinigkeiten von ganzem Herzen freuen kann. Ich liebe es, dass ich alles schmecke und rieche und dass ich jeden Tag schönes Essen machen und haben kann.

Und das sind alles Dinge, die ich gerade jetzt, heute und hier, so sehr schätze und liebe. In diesem Moment.

Ich liebe es, dass ich eine Seite füllen kann mit Dingen, Zuständen und Gegebenheiten, die ich liebe. Und das, ohne viel nachzudenken oder mich anzustrengen.

Wie wunderbar. Da braucht es für mich dieses Jahr gar keine Vorsätze. Denn so, wie ich gerade lebe, so kann ich mir das gut fürs ganze Jahr (wenn nicht sogar länger…) vorstellen. Und wenn ich eines jetzt gerade weiß, dann dass die Veränderung meine Freundin bleiben wird, bei allem, was ich mache und liebe. Und das wird sie bleiben, ob mit oder ohne Vorsatz.

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Die lange Weile

Die letzten Tage waren gefüllt von diesem Nichts. Und bereits im ersten Satz widerspreche ich mir hier selbst. Denn gefüllt sein vom Nichts, das geht ja irgendwie nicht. Und doch. Die lange Weile, die schafft es, etwas zu füllen ohne selbst etwas zu sein.

Die lange Weile, leicht verwechselbar mit ihrer Zwillingsschwester der Langeweile, hat mich in den letzten Tagen oft begleitet und inspiriert.

Die lange Weile, die bringt dieses weite, scheinbar endlose Gefühl mit sich. Die Tage haben wenig Struktur, wenig Pläne, wenig Müssen. Die Tage, die diese lange Weile hervorrufen, sind umgeben von diesem Hauch der Leichtigkeit, der Ungezwungenheit, der Weite.

Woraus diese lange Weile besteht?
* Spazierengehen. Auch gern mehrmals am selben Tag. Langsam, weit und achtsam spazieren gehen.
* Essen. In lustigen Rhythmen und auch Dinge, die vielleicht so im Alltag nicht unbedingt vorkommen. Gemeinsam mit Menschen und alleine vor dem Fernseher. Egal, Hauptsache lange und gut und entspannt.
* Herumhängen. Dasitzen und schauen. Jemandem bei etwas zuschauen oder einfach in die Luft schauen. Währenddessen gar nicht viel denken. Einfach schauen.
* Wenig Zeit am Handy. Die Langeweile der langen Weile gut aushalten und nicht sofort ablenken (lassen).
* Spielen. Brett- und Gesellschaftsspiele. Die richtigen Karten suchen und lange nicht finden. Dabei die Uhr ticken hören und nicht einmal wissen, welche Stunde des Tages gerade ist.

Diese lange Weile, die mich absolut nicht langweilt, habe ich meist um die Weihnachtsfeiertage und in den Tagen zwischen den Jahren. Warum genau da? Vielleicht, weil ich sie mir da selbst erlaube. Weil da, ja besonders da, das Nichtstun Teil des Festes ist. Weil nichts von mir erwartet wird, nicht mal ich selbst erwarte etwas von mir.

Diese lange Weile, die hat aber sehr wohl viel mit ihrer Zwillingsschwester zu tun. Denn die Langeweile, die eine lange Weile erzeugt, die kann guttun, entschleunigen, inspirieren und uns zurückzuholen zum Wesentlichen.

Oder um es mit den Worten der wunderbaren Astrid Lindgren zu sagen: “Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”

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Vom Geschenk der Privilegien

Zur Weihnachtszeit, da denkt man doch mal gerne an das Schöne, nicht wahr?

An all die feinen, guten Dinge, die man essen wird. An die schönen, besonderen Geschenke, die man verschenken und vielleicht sogar bekommen wird. Und an die Stimmung, die Atmosphäre, das Gefühl.

So mach ich das zumindest. Und oh, was für eine Vorfreude sich da in mir auftut!

Und dann, genau in dieser schönen Zeit, in dieser Zeit der Stille und Einkehr, Liebe und Ruhe soll man sich plötzlich mit den Problemen der anderen auseinandersetzen? Ja gibts denn da keinen besseren Moment? Könnten wir damit nicht noch ein bisschen warten? Da wird ja die ganze Stimmung versaut und nur, weil ich drüber nachdenke, ändert das “bei denen” ja auch nichts.

Hm.

Wovon ich schreibe? Woran ich denke? Ich meine, es dürfte klar sein. Menschen, die wie Tiere – nein, halt! Nicht, wie Tiere, sondern mit weniger Rechten und Freiheiten wie diese – zusammengepfercht in der Kälte sitzen, während wir uns die Bäuche vollschlagen. Hm. Wenn ich weniger esse, haben “die da” auch nichts davon. Und außerdem, was soll ICH denn schon ändern? Die Strukturen, die Politik(er*Innen) und halt einfach die anderen, die sollen machen. Und eigentlich hab ich genug Probleme, da brauch ich nicht noch die von “denen” auch noch. Das denkst du dir?

Wenn das so ist, denkst du dir dann auch, in welch unfassbar privilegierten Situation du bist? Wie viel du wirklich dazu beigetragen hast und wie viel davon schon dein sogenanntes “Vor-Recht” (Privileg) war?

Falls nicht, dann hast du hier eine kleine Liste an ausgewählten (Weihnachts-)Privilegien, also an Geschenken, die so groß sind, dass sie nicht unter irgendeinen Baum passen, die du aber trotzdem einfach so geschenkt bekommen hast. Wahrscheinlich schon vor deiner Geburt. Und ziemlich sicher einfach so. Ohne, dass du etwas Großartiges dafür geleistet hast.

  • Du wohnst an einem Ort, der sicher ist. Du kannst ein (religiöses) Fest feiern und wirst dabei sogar von allen Seiten gefeiert.
  • Du kannst dir ein Essen leisten, das dich satt macht. Und morgen wird es dich vielleicht sogar übersatt machen.
  • Du schenkst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du bekommst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du feierst mit Menschen, die dir wichtig sind. Und auch sie können essen und trinken und schenken und erhalten Geschenke.
  • Du suchst dir aus, welches Gewand du trägst. Soll ja was Besonderes sein.
  • Du machst Pläne, planst deine Feiertage, hast etwas, worauf du dich freuen kannst.
  • Es ist warm. Dort wo du bist, wird dir nicht kalt.
  • Du bist womöglich gesund und falls nicht, weißt du, wohin du dich wenden kannst.
  • Du lebst in einem Land, das in keinem Krieg steckt. Du schaust nach draußen und das Einzige, worüber du jammerst, ist, dass es keinen Schnee gibt.

Uh. Wiedergefunden? Hm. Ich mich auch.

Bin ganz betroffen von meinen eigenen Gedanken. Und mach mir jetzt noch mehr davon.

Das große, das riesen-, riesengroße Geschenk der Privilegien. Denn etwas anderes ist es nicht. Ein Geschenk. Etwas, das wir erhalten haben. Warum? Das wissen wir nicht. Ist halt so. Und ja, auch jetzt – besonders jetzt – sollten wir zumindest einmal drüber nachdenken, über dieses unfassbar große Geschenk, das leider nicht alle bekommen haben.

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Das Wunder des Wunderns

Ich wundere mich. Und erkenne viele Wunder darin. Wundern heißt staunen, mit Ver-WUNDER-ung wahrnehmen, etwas Unerwartetes erkennen und in Erstaunen versetzt zu sein.

Ich glaube, dass jede und jeder von uns diese Eigenschaft, uns zu wundern und zu staunen, hat. Dieses naive, kindliche, unvoreingenommene Betrachten der Welt. Eine Fähigkeit, die wohl irgendwo tief in uns allen schlummert. Und hoffentlich nicht zu tief drinnen… Denn dieses Staunen über die Welt, die Natur, die Gegebenheiten, die uns umgeben, ist zu schade, um es nur manchmal herauszulassen.

VerWUNDERlich?

Gestern war ich spazieren. Und da waren so Schneewollknäulchen überall am Boden. Ich hab einen aufgehoben und ihn betrachtet. Wie feinste Wolle um einen Stock gesponnen, wie einzelne Fasern aus schier unechtem weißem Material. Schmelzend, aber in sich zusammenhaltend. Ich hab dieses Kunstwerk der Natur betrachtet und habe gestaunt. Ich wusste nicht, was es war. Ich wusste nicht, woher es kam und ich war ganz ver-wundert von seiner Schönheit.

Wundern hat etwas mit einem gewissen Nichtwissen zu tun. Vielleicht auch mit nicht unbedingt wissen wollen. Wundern kann mit Staunen einhergehen. Und das wiederum hat auch etwas damit zu tun, nicht alle Dinge als vollkommen gegeben zu nehmen. Ich glaube, es wäre zu anstrengend und auch sehr unpraktisch im täglichen Leben über alles zu staunen und mich über jede Kleinigkeit zu wundern. Dann könnt ich wohl nicht aus dem Bett aufstehen, zu wunderlich wäre die Tatsache, dass die Bettdecke so schön warmhält und das Licht auch ohne sichtbare Sonne durchs Fenster scheint. Oder ich würde mich wundern, warum ich atme. Doch ein manchmal absichtlich herbeigeführtes Staunen, dass dieses Atmen so automatisch abläuft und mich am Leben hält, ich es aber auch kontrollieren kann, um mir selbst Gutes zu tun, das kann nicht schaden.

Das Wunder des Wunderns.

Was ich feststelle, ist, je mehr ich mich wundere und staune, desto schöner wird die “normale” Welt um mich herum. Desto glänzender der Schnee, wärmer die Sonne und desto frischer die Luft. Und oh, das Wundern und Staunen gehen nicht so einfach, vor allem wenns grad nicht so einfach ist alles. Für mich merke ich allerdings, dass es mich gesund und offen, kreativ und aufnahmefähig für das Gute macht. Wundern lässt mich auch innehalten, lässt den Moment Moment sein und schafft es, die Zeit für diesen kurzen Augenblick durchatmen zu lassen.

Ein Wunder, dieses Wundern…

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Sie ist geöffnet

Ich hab sie aufgemacht. Sogar schon vor einer Zeit. Und jetzt ist sie offen. Ganz aufgemacht, weit geöffnet.

Die Weihnachtskiste. Die Kiste, in der sich all die Wunder, der Zauber, der Glitzer und all die Düfte verbergen, die ich mit Weihnachten verbinde. Darin befindet sich auch dieses warme, wohlige Gefühl von “alles ist gut”. Dieses herzerwärmende, augenerleuchtende, gänsehauterzeugende Wohlgefühl von Weihnachten.

Ich habe sie geöffnet, die Kiste. Und sie ist keine wirkliche, keine sichtbare Kiste. Und doch ist sie so echt, so greifbar, so wirklich – für mich.

Diese Weihnachtskiste geht nicht nur einmal im Jahr auf, nein. Immer wieder öffne ich sie einen Spalt, schaue hinein und das Licht strahlt heraus. Dann ist Weihnachten. Das kann im Sommer sein, im Herbst, im Frühling und im Winter. Wie? Das geht immer? Ja! Das geht immer. Wenn Weihnachten ein Gefühl ist, dann kann ich das immer fühlen. Immer wieder mal.

Aber diese Weihnachtskiste lässt sich eben auch ganz weit öffnen. Und dann, ja dann kommt der ganze Glanz zum Vorschein: Kerzen, Sterne, warme Farbe. Weihrauch, Lebkuchen, Zimt. Glückseligkeit, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Ein Hochgefühl an Gefühlen. Eine Berührtheit, die ganz weit macht. All das kommt dann hervor. Und heute, da hab ich sie ganz geöffnet. Ganz weit. Habs ihr ganz leicht gemacht, ihren vollen Stolz zu präsentieren. Hab sie zu Keksen und zum Dekorieren eingeladen. Hab ihr eine Lichterkette aufgehängt und einen Sternspritzer ihr zu Ehren entzündet und bewundert.

Jetzt ist sie geöffnet, die Weihnachtskiste. Uns jetzt darf sie auch mal offen bleiben. Weit, weit offen. Dann geht sie tief, tief ins Herz. Ja. So eine Weihnachtskiste, die ist was Feines. So eine Kiste, so eine wunderbare Schatzkiste, die wünsch ich euch allen da draußen.

Macht es euch schön, ihr lieben Menschen.

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Diese Stille

Es gibt sie nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille. Diese Stille, die alle Geräusche in sich aufnimmt und sie behutsam umarmt. Diese Stille, die sich so weit und groß und umhüllend anfühlt. Diese Stille, die es nur jetzt gibt. Diese Stille, die eines meiner Lieblingsgeräusche ist.

Ich war gerade im Garten und hab sie gehört, diese Stille. Noch mehr hab ich sie gespürt, in mir und um mich herum. Diese Stille, bei der ich immer ganz ruhig und innehaltend und gleichzeitig aufgeregt und freudig werde. Denn diese Stille, die gibt es nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille, sie kommt, wenn es kalt ist. So kalt, dass man den Schnee schon riechen kann. Wenn die Welt um uns herum weiß ist. Nebelig oder beschneit. Diese Stille, die jeden Ton in sich aufnimmt und ihn nicht mehr hergibt. Diese Stille, die die stille Zeit des Jahres einläutet. Ganz still, aber nicht heimlich.

Ich bin ganz beglückt. Denn wenn ich diese Stille höre, dann macht das was mit mir. Ich bin auf einmal ganz ehrfürchtig, ganz klein und ganz – wie könnte es anders sein – still.

Ich liebe es, diese Stille hören zu können. Ich liebe es noch mehr, sie rund um mich zu spüren. Denn so, wie sie die Geräusche behutsam ruhig werden lässt, so legt sie sich auf mich und um mich und ich fühl mich irgendwie Teil dieser Stille.

Die Stille ist aber nicht nichts, nein. Sie ist alles. Die Stille ist nicht das weg-Sein von etwas, sie ist das da-Sein von etwas. Das ist ein großer Unterschied.

Was für ein umfassendes, erfüllendes Gefühl. Was für ein Glück, dass ich sie kennen darf, diese Stille. Denn es gibt sie nicht oft, aber jetzt ist sie da.

Wenn ihr genau hinhört, könnt ihr sie bestimmt auch hören. Genießt sie. Und nehmt sie in euch auf, so wie sie euch in sich aufnehmen wird.

(Ich habe diesen Text mitten in der Nacht geschrieben. Die Stille kommt auch tagsüber, ich habe sie gestern im Finsteren gehört. Was für ein weiches, warmes, ja – beruhigendes – Gefühl zum Schlafengehen.)

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Jetzt wirds ungemütlich

Ich zittere. Mir läuft es kalt über den Rücken. Mein Herz schlägt so laut, dass ich es hören kann. Ich habe Tränen in den Augen. Achtung. Es wird jetzt ungemütlich.

Was passiert ist? Nichts.
Was wirklich passiert ist? Zu viel.

Gerade habe ich den Film “I am Greta” angeschaut. Eine Dokumentation über Greta Thunberg, die Umweltaktivistin. Und gerade einmal wieder bin ich daran erinnert worden, wie schlimm es um unsere Erde steht. Wie schlimm es um die Menschen und Tiere, die Pflanzen und uns, ja uns – hier und jetzt – steht. Am liebsten würde ich schreien. SCHREIEN! DEN TEXT AUSSCHLIEßLICH IN SCHREIENDEN BUCHSTABEN SCHREIBEN. DENN ICH BIN WÜTEND. WÜTEND, ENTTÄUSCHT und ja, auch traurig.

Ich weiß, jede/r von uns hat irgendwas – irgendwas zum Sorgen machen, irgendwas zum Tragen, irgendwas zum Gedanken machen. Irgendwas anderes eben.

Lange, zu lange, hat mich dieses ganze Thema nicht berührt. Nicht genug. Lange, zu lange, habe ich gemeint, dass es ja nicht so schlimm wäre, wenn es ein paar weniger Pflanzen und Tiere gäbe. Wenn die Erde ein bisschen wärmer werden würde. Denn – was hat es schon mit mir zu tun? Was verändert es in meinem kleinen, gemütlichen Leben? Und vor allem: Was kann ich schon tun?

Und dann bin ich aufgewacht. Habe aufgemacht und habe mich berühren lassen. Und jetzt kann ich nicht mehr wegschauen. Jetzt kann ich nicht mehr vergessen und nein, ich kann auch nicht mehr schweigen.

Ich weiß nicht viel über den wissenschaftlichen Stand der Klimakrise. Und ich kann es auch nicht genau erklären, was passiert, wenn die Erde wärmer und die Tiere weniger werden. Aber ich habe etwas Grundsätzliches verstanden: Ich habe verstanden, dass meine Handlungen Auswirkungen haben. Ich habe verstanden, dass es einen Zusammenhang gibt – einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Klima, zwischen Kriegen und Naturkatastrophen, zwischen meinem kleinen Leben und dem, von all den anderen Menschen.

Was ich verstanden habe, ist, dass ich nicht mehr schweigen will – nein, kann! Dass das Gefühl von Ohnmacht ein sehr gefährliches ist und mich von der Veränderung abhält. Dass Aktion mehr bringt als Re-Aktion. Ich habe verstanden, dass alles verbunden ist. Dass wir nicht alleine sind. Dass diese Arroganz, die wir immer noch haben – von wegen “hier geboren und deshalb einfach mehr (Grund!)Rechte als der Rest” – in eine komplett falsche Richtung geht. Dass Freiheit und Reichtum Verantwortung bedeutet. Dass die Privilegien von Sicherheit, Bildung, Grundrechte etc. uns dazu auffordern, laut zu sein. Laut, ungemütlich, verändernd.

Und trotzdem wollen wir Menschen IMMER NOCH neue Autos, essen IMMER NOCH Unmengen an Fleisch, glauben IMMER NOCH NICHT daran, dass es auch unsere Verantwortung ist. Wie kann das sein? Ich verstehe es nicht. Diese Arroganz, diese Überheblichkeit, diese Ignoranz.

Ich zittere immer noch. Ich weiß, wir sind gerade in einer Krise. Und diese ist sehr offensichtlich. Dieses Virus hat aber auch mit all dem anderen zu tun.

Und was wir tun können? Was ich tun kann?

Mich zu allererst nicht mehr ausruhen auf meinem Privileg. Mich stark machen, mich informieren, aufstehen und nicht lockerlassen. Rassismus, Engstirnigkeit und Ignoranz nicht mit Meinungsfreiheit verwechseln. Zuhören und darüber reden. Aufklären und immer noch nicht lockerlassen.

Meine eigenen Gewohnheiten hinterfragen. Mich als Teil des großen Ganzen sehen. Nicht beim “Ich verwend eh schon ein Papiersackerl” aufhören. Dranbleiben. Informieren. Verändern.

Das klingt ungemütlich. Und ja, das ist es auch. Und ja, ich bin eigentlich die Königin der Gemütlichkeit. Aber in diesem Fall kann ich nicht gemütlich bleiben. Ich kann weder positiv bleiben, noch so tun, als wäre nichts. Es wird ungemütlich, wenn wir Wissen über nicht so schöne Tatsachen haben. Wenn wir draufkommen, dass wir dann auch nicht mehr wegschauen können. Wenn wir dann vielleicht auch noch etwas an unserer gemütlichen Routine ändern müssen.

Es wird ungemütlich? Pssst! Ich verrat euch etwas: Es ist schon ungemütlich, schon seit längerer Zeit…

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Was ich gelernt habe

Wieder ein Jahr vorbei. Ein komisches, außergewöhnliches, kurz- und langweiliges Jahr. Wieder ein Jahr vorbei, wieder ein Jahr älter. Und so, wie jeden Tag ein Jahr vorbei ist im Vergleich zu diesem Tag im letzten Jahr (denkt mal drüber nach!), so sind Geburtstage ganz besonders besonders, weil ich da immer so genau dran denke, was denn in diesem Jahr passiert ist.

Es ist vieles passiert. Und es fühlt sich oft wenig an. Die Zeit ist ganz komisch vergangen, vom letzten November bis zum heurigen. Ganz viel ist passiert, in der Welt und in mir. Ganz viel hat sich geändert, ganz viel wird sich auch von diesem November bis zum nächsten wieder ändern.

Und ganz viel hab ich lernen dürfen.

Dass Veränderung die einzige, aber wirklich einzige!, Konstante ist. Alles ist im Fluss und wir steigen nie ins gleiche Wasser. Die Veränderung ist unsere Begleiterin, unsere Beschützerin, unsere das-Leben-schöner-Macherin. Das hab ich gelernt, zum Beispiel.

Dass Pflanzen wunderbare Anti-Stress und Pro-Achtsamkeitsexperten sind, das hab ich auch in diesem Jahr gelernt. Dass es stolz und froh und entspannt machen kann, den Pflänzlein beim Wachsen zuzuschauen.

Dass ich Fragezeichen machen kann, hinter alles. Und dass ich sie machen soll, diese Fragezeichen, wenn etwas zu sicher scheint. Denn dann, ja dann besonders, braucht dieses Etwas (diese Ansicht, diese Einstellung, diese verstaubte Meinung,…) wohl eine kleine Überarbeitung.

Dass nichts, aber schon gar nichts, selbstverständlich ist. Nein, nicht mal Atmen. Dass ich mich wirklich wirklich glücklich schätze kann, wenn es mir einigermaßen gut geht. Wenn ich einigermaßen gesund und meistens glücklich bin. Wenn ich immer irgendjemanden zum Reden und Sein habe, wenn ich meine Entscheidungen in Freiheit treffen kann. Dass ich mir dessen wirklich bewusst bin, dass nichts selbstverständlich ist, auch das habe ich immer wieder gelernt. Und leider bin ich auch von außen daran erinnert worden. Denn es sind Dinge passiert, die mich traurig, wütend, verängstigt und unsicher gemacht haben. Und es ist nicht selbstverständlich, dass ich immer wieder zu meiner zufriedenen Mitte zurückkomme. Nichts. Aber schon gar nichts ist selbstverständlich. Nicht mal riechen. Oder schmecken. Oder leben. Das habe ich in diesem Jahr besonders gelernt.

Ich habe gelernt und bin daran erinnert worden, wie sehr ich es liebe, die Welt zu sehen. Ich mache das mittlerweile seit 8 Jahren – verbringe jeden zweiten Geburtstag in einem anderen Land (oder Kontinent!), reise auch dazwischen oft und merke in diesem Jahr, dass ich – obwohl es wieder so ein zweites Jahr ist – auch liebend gerne daheim bin.

Ich habe gelernt, dass ich genau weiß, was mich glücklich macht. Und zwar mit sofortiger Wirkung. Ich habe gelernt, dass es wichtig wichtig wichtig ist, diese Dinge zu tun! Ich habe gelernt, dass ich ohne die Dinge, die mich von Herzen erfreuen, mich zum Lachen und Freudentränenweinen bringen, nicht leben möchte. Und ich habe gelernt, dass es gar nicht so normal ist, das Leben so selbstbestimmt und frei und wild und bewusst unkonventionell und gesund und meinem eigenen Rhythmus folgend zu leben.

Ich habe außerdem gelernt, was es heißt, privilegiert zu sein. Ich habe gelernt, was Frau-sein für mich bedeutet, was ich in der Welt unter anderem bewirken möchte und ich habe gelernt, dass Menschen auf mich hören. Dass das Macht ist, die ich sinnvoll nutzen muss, auch das habe ich gelernt.

Ich habe gelernt, dass Schreiben – in all den möglichen Facetten – meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft ist. Dass es mich zutiefst berührt und dass meine Texte andere zutiefst berühren.

Ich habe gelernt, dass ich vieles schon lange weiß und trotzdem immer wieder dran erinnert werden muss.

Und dass es ok ist. Alles.

Auch das habe ich gelernt.

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Lustig ist es nicht

Gar nicht.

Ich habe geschrieben, dass es uns eh noch gut geht. Dass wir weit weg sind von Atemnot und Krankenhauseinlieferungen. Dass wir das Beste daraus machen und uns nicht zu tief hineinziehen lassen wollen. Aber ich habe einiges nicht geschrieben.

Dieser Text soll nicht Angst machen. Er soll zum Nachdenken anregen. Und er soll die, die auf dem zu hohen Ross der Unantastbarkeit dahingaloppieren, ein bisschen herunterholen.

Denn: Es kann jeden treffen. Jeden und jede. Es kann kommen, in Momenten der Unachtsamkeit sowie in Momenten des höchsten Achtgebens und Abstandhaltens. Diese Krankheit macht nicht Halt, hört nicht einfach auf, ansteckend zu sein, wenn wir aufhören daran zu denken.

Ich habe einiges nicht geschrieben. Ich habe gesagt, dass das Daheimsein seine Vorteile hat, dass der Geschmacksverlust zwar lästig, aber nicht bedrohlich ist. Ich habe geschrieben, dass es zwar ungut, aber zum Aushalten ist.

Und ich habe nicht geschrieben, was dieses Daheimsein-MÜSSEN mit uns macht. Wie eng die vier Wände werden. Wie anstrengend es ist, mich am Abend nicht aufs Bett zu freuen, weil ich eh quasi den ganzen Tag herumgelegen bin. Ich habe nicht geschrieben, dass ich mich vor den Nächten fürchte, weil ich Angst habe, plötzlich keine Luft mehr zu bekommen. Oder wenn schon nicht ich, dann irgendwer aus meiner Familie. Wie fad der immer gleiche Blick aus dem immer gleichen Fenster wird, auch wenn der Baum noch so schön und die Landschaft noch so weit ist. Das habe ich nicht geschrieben.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass immer auch eine Schuld mitschwingt – hätten wir nur besser aufgepasst, hätten wir nur mehr Abstand gehalten. Hätten wir nur weniger getan, weniger umarmt, weniger Menschen getroffen. Hätten wir. Haben wir auch, aber eben nicht immer. Vor allem in dem Moment, in dem wir uns angesteckt haben. Im eigenen Haus. Aber – und das möchte ich uns und allen da draußen sagen: Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung. Und ich sehe es als meine Verantwortung, Aufklärung zu betreiben. Mit diesem Text und mit meinen Geschichten.

Ich sehe es als meine Verantwortung, euch zu erzählen, dass es anstrengend, trostlos, erschöpfend, einengend, sorgenreich und angsteinflößend ist, eine Krankheit wie diese zu haben. Von der es weder ein Gegenmittel, noch eine Gewissheit, wie es weitergehen wird, gibt. Und nein, es ist keine Grippe. Es ist auch nicht “wie eine Grippe”. Weder die Symptome, noch das Gefühl. Denn wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir wissen nicht, ob es Langzeitschäden gibt und wenn ja, ob wir vielleicht auch hier die “Auserwählten” sind, die diese haben werden. Wir kennen diese Krankheit weder gut noch lange und das macht sie sehr groß und unberechnend.

Ich habe nicht geschrieben, dass das Nichtschmecken und -riechen nach mehr als 3 Tagen einfach nur noch lähmend ist. Dass ein Teil der Lust am Leben auch die Lust am Genuss ist. Und dass dieser Teil wegfällt, wenn ich einfach auch Papier essen könnte. Wenn ich mich nach jeder Mahlzeit nicht besser und gestärkt, zufriedener und gesättigt fühle. Sondern zum Nichtschmecken auch noch eine Übelkeit dazukommt, die sich zäh über das nicht stattgefundene Geschmackserlebnis legt und viel länger bleibt, als jeder gute Nachgeschmack bleiben könnte.

Ich habe nicht geschrieben, was die Ungewissheit und die Gefahr, die von dieser Krankheit ausgehen, mit mir und meiner Psyche machen. Ich habe nicht geschrieben, dass ich Angst habe um meine Familie. Dass ich beim Einschlafen nicht tief atmen kann, weil dieser Spuk innerlich und äußerlich auf meiner Brust liegt und sich schwer macht.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass unser Verlauf zwar mild bis mittelschwer ist, aber dass bereits das so viel mit sich bringt.

Ich schreibe diesen Text nicht zum Angstmachen. Ich schreibe ihn, um aufzurütteln, um wachzumachen. Um Whatsapp-Status-Nachrichten, die immer noch verleugnen, dass es sowas wie diesen Virus wirklich gibt, dass es ja keine Pandemie ist, wenn man nicht mindestens eine Person kennt, die “wirklich, ja so wirklich” krank ist, zu entkräften. Denn hier habt ihr jemanden, die wirklich krank ist. Und die diesen wirklich nicht angenehmen Zustand NIEMANDEM, ja wirklich niemandem, wünscht.

Und so, wie es meine Verantwortung ist, darüber zu sprechen und zu schreiben, so sehe ich es als eure Verantwortung, für uns alle Verantwortung zu übernehmen. Und ihr wisst, wie man das macht. Wir wissen das alle mittlerweile ganz genau.

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Auf bald, lieber Geschmack!

Ein Lagerbericht.

Seit 11 Tagen sitze ich in ein und dem selben Raum. Meiner Wohnung. Seit 11 Tagen darf ich nicht hinaus. Seit 7 Tagen bin ich zusätzlich auch noch krank. Und seit 3 Tagen schmecke und rieche ich nichts mehr.

Nichts.

Ja, mich hats erwischt. Ja, uns hats alle erwischt. Nicht so schlimm, zum Glück. Weder Krankenhaus, noch Atemnot. Zum Glück.

Doch diese Begleiterscheinung, dieser Zustand, dieses kaum Vorstellbare, das mit meinem Geschmackssinn los ist, das ist wohl das Ungemütlichste an dieser ganzen Krankheit. Also in meinem (sehr mild verlaufenden) Fall.

Seit 3 ganzen Tagen rieche und schmecke ich also nichts mehr. Ich habs ausprobiert. Hab alles ausprobiert – Kren und Banane und Schokolade und Pfefferminztee. Falafelgewürz und Pancakes, Apfel und Brot. Ich. Schmecke. Nichts.

Und wie das meinen Tag verändert, ja das erzähl ich euch gerne. Ich liebe Essen. Ich liebe gutes, buntes, wohlschmeckendes, selbstgemachtes, gesundes, ausgewogenes Essen. Und ich liebe das Zelebrieren dieses. Ich liebe es, mir extra Gewürzblütenschönheitsgewürz übers Essen zu streuen. Ich liebe es, wenn mein Essen die Regenbogenfarben hat und ich bei jedem Bissen fast vor Freude schmelze. Ich liebe es, mir zu überlegen, was ich denn kochen könnte, um dann festzustellen, dass ich zufälligerweise auch alles dafür zuhause habe.

Und ja. Dieser ganze Teil fällt gerade weg. Weder die Vorfreude, noch die Freude währenddessen, noch das gute Gefühl danach sind im Moment vorhanden. Und so esse ich jetzt eben, weil ich natürlich Essen brauche. Aber statt der unterschiedlichen Farben, Gewürze und Geschmäcker freue ich mich jetzt eben über unterschiedliche Konsistenzen. Und da gibt es viele! Das hätt ich mir vorher gar nicht gedacht! Und noch etwas sehr Interessantes fällt mir beim Essen auf: Die Zunge schmeckt noch immer die Unterschiede “salzig”, “säuerlich”, “bitter” und “süß” (Umami leider nicht, für all die Zungenknospenbewanderten unter euch).

Ich hatte so etwas noch nie und wahrscheinlich können es sich einige von euch auch gar nicht so genau vorstellen, wie es ist, weder zu riechen, noch zu schmecken. Also versuch ich es zu beschreiben, weil ich es äußerst spannend finde und euch zwar die Umstände, aber nicht die Informationen vorenthalten möchte.

Ich probiere mich durch die unterschiedlichsten “Geschmäcker” und stelle immer wieder fest, dass ich die Essenz dessen, was ich gerade esse, schon schmecke. Also bei einer Olive die Bitterkeit, bei Chips die salzig-ölige Mischung. Bei Paprika die Süße, bei dunkler Schokolade die bittere Süße und bei Gurken die wassrig-süßliche sowie super knackige Konsistenz. Es fühlt sich so an, als würde der Geschmack aber für mehr leider nicht reichen. Als wäre mein Geschmackssinn leider nicht stark genug, den Rest verarbeiten zu können. Ich hab mich auch schon dabei erwischt, die Dinge fest zu zerdrücken, sie noch 10mal mehr zu kauen und sie so irgendwie empfänglich für irgendein tieferes Geschmackserlebnis zu machen – doch bisher ohne Erfolg.

Was ich auch noch festgestellt habe, ist, dass ich auch nicht rieche, ob ein Lebensmittel abgelaufen oder schlecht geworden ist. Ich kann es nicht sagen und muss wirklich auf das Aussehen vertrauen. Ich riech auch nicht, wenn etwas im Ofen anbrennt oder wenn ich mal wieder unter die Dusche soll. Tja. So ist das jetzt einfach nunmal.

Wie lange dieser Zustand andauert, ist unbekannt. Können ein paar Tage bis zu ein paar Monaten sein. Ich geh jetzt mal nicht vom Schlimmsten aus und hoffe, dass ich die volle Vielfalt bald wieder wahrnehmen kann.

Bis dahin wünsch ich euch da draußen viele Geschmackserlebnisse. Nehmt es nicht als zu selbstverständlich hin und erfreuet euch jeden Bissens, mit der Gewissheit, dass nichts gewiss ist.

Lagerbericht over and out.

(Ich sehe diesen Text als Informationsweitergabe, als Berichterstattung, als Erfahrungsmitteilung, vielmehr als Jammern oder Klein- bzw. Großspielen der Umstände. Es geht mir gut, keine Sorge. Ich hatte und habe Glück, auch dessen bin ich mir bewusst.)

Was immer noch hilft, übrigens hier zu finden: Was tue ich, wenn ich daheim bleiben muss?