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Gesegnet

Ich atme tief ein. Meine Bauchdecke hebt sich und ich fühle dieses tiefe Gefühl der Zufriedenheit, des Einklangs, der Sicherheit in mir. Der Atem durchströmt mich, ich spüre ihn wirklich bis zu den Zehen. Fühle mich so gesegnet, dass ich gesund bin. Dass es mir gut geht und ich diesen Moment so er-leben kann.

Ich werde überrascht mit einem Film. Ein Film, der mir einen ganz besonderen und wichtigen Tag in unserem Leben nahe bringt. Ein Tag, der so rund und bunt und voll und gut war. Der Film spiegelt all diese kleinen Momente und großen Gefühle wider. Gemeinsam mit denen, die mir am wichtigsten sind, schaue ich diesen Film an und kann es kaum glauben. Die Tränen überströmen meine Wangen, mein Atem stockt immer wieder, mein Herz, es wird ganz schnell und warm. Wieder fühle ich mich so gesegnet. So glücklich und überwältigt. Mit so einem Partner an meiner Seite. Mit so einer Familie als Anker. Mit solchen Erinnerungen im Kopf und Herzen. Mit so einem Leben.

Ich stehe an der Kasse vom Supermarkt. Packe das Gemüse und Obst in die Taschen ein und es durchströmt mich: Ich kann mir all das gute Essen, das ich brauche und möchte, kaufen. Habe genügend Geld, mich für das Gute zu entscheiden. Es ist nur ein Hauch, ein klitzekleiner Moment, in dem es mich so wirklich überkommt: Ich fühle mich so gesegnet, vom Leben beschenkt.

Ich sitze am buntgedeckten Tisch. Die Sonne strahlt am Sonnenschirm vorbei in mein Gesicht. Die Blätter rascheln, neben mir und mir gegenüber sitzen Menschen, die ich seit Jahren zu meinen engsten Vertrauten zähle. Sie erzählen von ihrem Leben, sie strahlen – beide. Sie sind voller Leben. Wir lachen, wir tauschen uns aus, wir sind beisammen. Als Ganzes. Ich fühle mich so gesegnet. Solche Menschen meine Freundinnen nennen zu dürfen. Zu wissen, dass ich bei ihnen ganz sein kann.

Gesegnet. Das ist das Wort, das mir in diesen Momenten unterkommt. Und das war ein kleiner Ausschnitt, eine Momentaufnahme sozusagen. Ich fühle mich so beschenkt, so reich, so aufgehoben und aufgefangen. Schätze mich so glücklich, so rundum zufrieden, so ganz.

Und in manchen Momenten wird mir das so besonders klar. Dann habe ich das Gefühl, dass ich ganz wach bin, ganz aufmerksam, ganz da. Dass ich so verbunden bin, wieder mal. So verbunden mit dem ganzen Guten, das mir widerfährt.

Umgeben von einem unsichtbaren Tuch, von einem Zauber, von einer Sicherheit und Leichtigkeit. Von einem Segen, der das Weltliche umfasst und übersteigt. Von einem Segen, der von innen kommt – und mich umhüllt, erfüllt und mich daran erinnert, was für mich zählt.

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Erdbeerzeit

Es ist Erdbeerzeit. Oder zumindest war sie bis vor Kurzem. Und jedes Jahr, wenn Erdbeerzeit ist, dann hab ich diesen Gedanken – und heute teil ich ihn mit euch.

Also wenn Erdbeerzeit ist, dann liebe liebe liebe ich es, so viele Erdbeeren, wie nur irgendwie möglich zu essen. Ich liebe den Duft, ich liebe den Geschmack, ich liebe, wie diese süßen Früchtchen aussehen – und ich liebe sie als Ganzes, weil mich ihr Sein an den Sommer erinnert.

In dieser Zeit, in der es überall Erdbeeren gibt, da haben sie den besten Geschmack und den besten Preis. In der Erdbeerzeit, da sollte man Erdbeeren essen (sofern man sie mag, eh klar).

Dann, wenn die Erdbeerzeit ist, gibt es so viele, dass man sie manchmal einkochen muss und sie für später hat, wenn die Erdbeerzeit vorbei ist. Ich persönlich mag ja Erdbeermarmelade nicht wirklich, aber ich versteh den Gedanken dahinter.

Also, was jetzt wie eine Marktstandl-Beschreibung im Gartenmagazin klingt, hat einen tieferen Sinn. Und den möchte ich euch gerne erzählen.

Ich denke mir in dieser Erdbeerzeit immer, dass es so wunderbar ist, dass es so eine Fülle von etwas geben kann. Und dass es diese Zeit gibt, in der der Geschmack und das Genießen dieser Früchte so gut und so einfach ist. Ich denke mir auch, dass wir eine Sache genau in dieser Zeit, wenn sie so vorhanden und lokal und frisch und leicht ist, genießen sollen. Und das in vollen Zügen und am besten in jedem sich anbietenden Moment.

Dass es großen Sinn macht, das Gegebene in vollen Zügen auszukosten, zu genießen und zu verwenden, das denk ich mir. Es hat etwas damit zu tun, die Ressourcen wahrzunehmen, das Momentane zu feiern, das Leichte anzunehmen. Und es geht darum, den richtigen Moment zu erwarten.

Denn in manchen Momenten passt es eben genau nicht. Wie Erdbeeren im Winter.

Einmachen und für später verwenden ist natürlich auch praktisch – so hat man den Geschmack (zwar in veränderter Form, aber immerhin die Idee davon) auch in Momenten, in denen diese Fülle nicht vorhanden ist. Und so kann man es vielleicht auch mit anderen Früchten und im übertragenen Sinne tun (sofern man nicht vergisst, sie in ihrer frischen Form auch zu genießen, denn das wäre schade).

Also lange Rede – Erdbeeren sind super und am besten schmecken sie in der Erdbeerzeit. Nämlich dann, wenn sie wachsen und gedeihen und wenn es sie in Fülle gibt. Und so ist es auch mit dem Leben – wenn es leicht geht und wenn sich die Fülle anbietet, dann können wir aus dem Vollen schöpfen. Dann sollten wir zugreifen und den Moment auskosten. Bis zur letzten Erdbeere.

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Muss auch gar nicht

Ich hab so einen Anspruch an mich und mein Leben. Den hab ich jeden Tag und da will ich dann, dass jeder Tag diesem Anspruch entspricht: Dass ich etwas Schönes mache, meinen Tag gut gestalte, dass ich glücklich bin und dass ich das mache, was mich erfüllt.

Und wenn ich dann so vor mich hintümple, an manchen Tagen, dann werde ich unruhig und merke, dass ich meinem Anspruch an mich selbst nicht gerecht werde. Dann werde ich noch unruhiger und anstatt es einfach loszulassen, möchte ich, dass ich das Ganz raushole, das Volle und Alles – aus diesem Tag und diesem Leben.

Das ist ja per se auch nichts Schlechtes und zeugt von Lebensgestaltungskompetenz (und Privilegien!), wenn ich meine Tage so füllen und leeren kann, wie das für mich passt.

Doch das Leben geht auch anders weiter. Auch an Tümpeltagen und in Schleiermomenten. Auch da dreht sich die Welt weiter und mein Leben mit ihr. Und das ist auch gut so. Denn das Leben ist halt einfach so – weder gut, noch schlecht, noch glücklich, noch traurig. Das Leben ist die Zeit, die wir haben hier.

Ganz vereinfacht gesagt.

Und wenn die Tage auch mal schwerer sind, die Stunden dunkler und wenn es einfach nunmal nicht geht, mich immer voll auszuleben (Ist das übrigens eine Generationsache? Gings denen vor uns auch so? Und wie gehts denen nach uns? Dieser Selbst- und Lebensoptimierungsanspruch? Das ist wohl ein großes neues Kapitel, in das ich mich eindenken muss…) – also wenns eben Tage gibt, die nicht dem Wandtattoo á la “Lebe jeden Tag, als wär es blabla”entsprechen, dann lerne ich Stück für Stück, das einfach anzunehmen.

Und das gibt mir eine große Freiheit – denn ich befrei mich von meinen eigenen Vorstellungen und Ansprüchen und die halten mich wohl in Wahrheit am meisten zurück.

Also. Um das noch mal zusammenzufassen: Manches muss gar nicht. Nicht schön sein, nicht gut sein, nicht besser sein, nicht irgendwie bestimmt sein. Denn sein wird es immer, irgendwie halt.

Es muss nicht immer gut sein. Ein sehr befreiender Gedanke.

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Über das Vor- und das Nachdenken

Ich denke gerne nach. Gar nicht so viel, wie es andere von mir meinen, manches mach ich auch ohne viel Kopf. Manchmal, da kommt was Gutes raus und manchmal was, das ich mit mehr Gedanken anders gelöst hätte. Warum es nachdenken heißt? Auch darüber denk ich nach. Herausgefunden hab ichs noch nicht. 

Ich denke gerne vor. Plane und visioniere, bin fünf Schritte vorne, um dann festzustellen, dass doch alles ganz anders wird. Oder geworden ist. Manchmal, da kommen mir gute Ideen und manchmal, da macht mir manches Angst. Doch mein Vordenken hat trotz des Verabschiedens aus dem momentanen Moment (denn da bin ich dann nicht, kann ja nicht gleichzeitig an beiden Orten sein) etwas wunderbar  Inspirierendes, Heilendes und Aufregendes. Denn alles ist möglich und die Gedanken sind frei, frisch und neu. 

Ich denke auch gerne für mich, ganz allein. Ohne groß die Gedanken zu teilen, ohne groß Worte zu finden, ohne groß was Großes zu wollen. Da denk ich und behalt meine Gedanken für mich. Manchmal, da ists fast wie ein Spiel, ein Gedankenspiel, ganz mit mir allein. Da denk ich was war, was wäre, was gewesen sein könnte, was hätte sein sollen und was sein wird. Da denk ich und meine Gedanken wirbeln und ich beweg mich mit ihnen.

Ich denke auch gerne für die anderen. Hab im Kopf, was jemand sagen wird. Hab im Gefühl, wie jemand reagieren wird. Denke, was jemand denken sollte. Und dann – fast immer – kommt auch das ganz anders. Und anstatt damit aufzuhören, bin ich dann manchmal fast erstaunt, dass die Gedanken der anderen so oft so anders zu meinen Gedanken sind. Und ich merke, dass das Denken für die anderen wohl nicht meine Stärke ist.

So denk ich also viel, in alle Richtungen. Denke nach und denke vor, denke in mich und denke nach außen. Denke und denke und denke und auch, wenn ich denke, dass Denken nicht alles ist, merke ich doch, wie viel Freude es mir macht. Wie schön ich es finde, dass die Gedanken kommen und wie faszinierend sie manchmal sind.

Und ein Gedanke, der mir auch immer wieder unterkommt: Auch, wenn ich noch so viel denke, bin ich doch so viel mehr als nur meine Gedanken. 

Vielleicht regen euch diese Gedanken ja zum Nach- (vor, quer, drüber, drunter, weiter, zurück) -denken an.

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Vorbereitung auf die Zukunft

Diese Sache, die wir Kindern in der Schule und Schwangeren im Kurs mitgeben wollen. Diese Sache, an die wir uns vor Prüfungen und Tests klammern. Diese Sache, von der wir meinen, sie zu kontrollieren, sie zu bestimmen, um dann draufzukommen, dass doch alles ganz anders ist. Und sein wird.

Die Vorbereitung. Vor allem die auf die Zukunft.

Natürlich gibt Vorbereitung eine Art von Sicherheit, etwas zum Festhalten, etwas, das uns für Dinge, die wir noch nicht kennen oder wissen, bereit machen soll. Irgendwie sogar.

Und oft frag ich mich, worauf wir uns denn vorbereiten, also wofür wir uns bereit machen? Und ob das Vor-bereiten nicht dem jetzigen Moment manchmal die Show stiehlt. Ich frage mich, warum wir glauben, dass wir wissen, was kommt. Und ich frage mich, ob es das Vorbereiten in dem Sinne nur gibt, damit das, was kommt, irgendwie in unserer Kontrolle bleibt (was es dann meistens eh nicht tut…).

Die Zukunft ist ja dann noch ein weiteres Fass, das wir aufmachen, mit der Annahme, dass wir uns auf die Vorbereiten können. Zukunft. Das, was auf uns zukommt. Das, das kommt – mit oder ohne Plan, mit oder ohne Vorbereitung.

In der Zeit, in der ich mit (jungen) Kindern gearbeitet habe, habe ich mir diese Frage ganz oft gestellt: Worauf sollen wir die nächste Generation vorbereiten? Die Antworten habe ich nicht gefunden. Denn: Woher soll ich wissen, was kommt? In 10, 20, 30 Jahren? Und will ich denn – mit meinem kleinen Wissen und meiner kleinen Erfahrung – andere Wesen auf etwas vorbereiten, das ich annehme, dass es eintrifft? Eine weitere Frage, die sich bei mir da immer wieder auftut, ist auch: Will ich so tun, als würde alles so weiterlaufen, wie bisher und bereite mich und die anderen auf das vor, das dann vielleicht eh nicht kommt? Oder zumindest ganz anders? Oder ganz gewagt: hoffentlich ganz anders…?

Die Vorbereitung auf die Zukunft.

Ich mag es, Dinge von der anderen Seite zu betrachten. Ich mag es, Wörter und Ausdrücke zu hinterfragen und sie in einem neuen Licht neu zu denken.

Die Vorbereitung auf die Zukunft sind zwei so Konzepte, die mich im Moment immer wieder umgeben und die ich weiterhin versuchen werde, mit dem nötigen Abstand zu betrachten.

Ob wir bereit sind, werden wir erst sehen, wenn die Sachen eintreffen. Und was die Zukunft so bringt, das kommt noch früh genug auf. Wichtig ist jedenfalls, dem Vorausdenken und -planen nicht die ganze Aufmerksamkeit zu schenken, denn sonst sind wir vor allem eins nicht: bereit für den Moment, der gerade stattfindet.

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Meine eigene Stille

In den letzten Jahren bin ich ruhiger geworden. In vielen Hinsichten. Ruhiger im Tun und ruhiger im Sein. Ruhend, in mir und dem, was gerade ist. Nicht immer, nicht überall. Doch im Gesamten.

Ich habe gelernt, dass ich viel öfter zuhören muss, um die Sache besser zu verstehen. Dass es ganz oft nicht um meine Meinung, meine Ideen oder meine Ratschläge zur erzählten Situation geht. Dass ich zuhöre und trotzdem nur einen kleinen Teil dessen verstehe, was wirklich los ist. Auch das habe ich gelernt. Oder besser gesagt: Lerne ich immer wieder.

Ich lerne immer noch, diese Stille zu genießen. Meine eigene Stille. Ich lerne immer noch, auf Fragen zu antworten und nicht auf Aussagen. Ich lerne immer noch, dass ein Zuhören kein Antworten impliziert. Dass mein Stillsein nicht Nichts ist.

Wie laut ich manchmal war, denk ich mir heute. Wie oft ich gemeint habe, zu wissen und zu verstehen – doch eigentlich lieber mich selbst reden hören wollte. Und wie wichtig das für mich war. Ist es auch heute noch, in manchen Momenten. Doch immer wieder und immer mehr merke ich, dass ich ruhiger werde und mich und meine Ideen zurückhalten kann – und sollte.

Natürlich schreibe ich an dieser Stelle von mir und meinen Ideen. Doch in der Welt da draußen versuche ich, mehr darauf zu hören, was gesagt wird. Anstatt, was ich hören möchte. Ich versuche, zu differenzieren, was mir mein Gegenüber mitteilt und was das Gesagte dann mit mir macht. Denn das sind immer zwei Welten, zwei Sichten, zwei Paar Schuhe.

Und wenn ich ruhig(er) bin, dann kann ich auch besser zuhören. Wenn ich meine eigene Stille aushalte, lerne ich nicht nur über die anderen, ich erfahre viel über mich selbst. Warum es mich manchmal fast zerreißt und ich trotzdem nichts dazu sagen sollte. Warum es Dinge gibt, die man selbst verstehen muss und es auch nichts bringt, wenn ich meine Sicht dazugebe. Warum ungefragter Rat in alle Richtungen, außer in die der Hilfestellung, losschießt. All das lerne ich, wenn ich meine eigene Stille zulasse.

Und diese Stille ist in vielen Momenten angebracht. Und in manchen nicht. In manchen muss man laut sein und dem eigenen Pathos nachgeben. Doch in vielen, vielen Situationen da hilft es mehr, zuerst einmal zuzuhören und genauer hinzuschauen und hinzuhören, um vielleicht wie durch ein Guckloch das große ganze Bild erkennen zu können.

Inspiriert wurde ich vom Buch “Pathos” von Solmaz Khorsand. Immer wieder wichtig, aus dem eigenen Gedankenkarussell auszusteigen.

Die eigene Stille muss man erst mal aushalten. … sagte sie und schrieb für die Öffentlichkeit … Ha.

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Diese Momente sind es

Wenn wir so nebeneinander her leben, uns in Gesprächen nicht zuhören. Wenn du sprichst und ich bereits an den nächsten Schritt, die nächste Sache denke. Wenn ich spreche und du am Handy bist und wir uns nicht einmal anschauen. Diese Momente sind es nicht.

Wenn wir geschäftig sind und beide unsere eigenen Sachen zu tun haben, dazwischen kurz essen, am Abend kurz fernsehen. Gemeinsam zwar, aber nicht wirklich beisammen. Diese Momente sind es nicht.

Wenn wir beide müde sind, fertig von all den Dingen, die das Leben so bringt. Wenn wir erschöpft sind und über unsere Belastbarkeit hinaus handeln. Und uns anschauen, aber nicht sehen. Diese Momente sind es nicht.

Wenn wir aber merken, dass wir stoppen müssen – egal, was wir tun. Weil wir uns schon zu lange nicht wirklich umarmt haben. Weil wir schon viel zu lange kein Gespräch geführt haben und viel zu oft andere Dinge wichtiger werden lassen haben. Wenn wir also stoppen und die Handys weglegen, den Computer, die Arbeit, den Kopf ausschalten, den Fernseher nicht einmal in Betracht ziehen. Wenn wir uns dann also endlich sehen und uns füreinander interessieren, uns einlassen, uns ansehen und wirklich sehen dabei. Dann sind es diese Momente.

Wenn wir die To-Do-Listen professionell ignorieren, die Küche unaufgeräumt lassen und die Türe für alles von außen Kommende verschließen. Dann gibt es nur uns zwei. Und diese Momente sind es.

Wenn wir unser liebstes Spiel spielen, wie auch immer dieses aussehen mag. Heute war es Lego. Letztens gemeinsam singen. Ein anderes Mal wieder etwas ganz Besonderes kochen – gemeinsam. Wenn wir uns zuhören, ganz nahe sind und diese Nähe sich in vielen Facetten äußert. Diese Momente sind es.

Wenn wir in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen, uns unsere gemeinsame Zukunft ausmalen und uns im gemeinsamen Gegenwartsmoment darüber und darauf freuen. Diese Momente sind es.

Diese Momente sind es, die uns ausmachen. Die uns beisammen und zusammen bleiben und wachsen lassen. Die unseren Alltag unterbrechen und uns zeigen, was wir füreinander sind. Diese Momente können Momente bleiben, können Minuten, Stunden, Tage werden. Und diese Momente, die dürfen wir nicht vergessen.

Die anderen Momente sind wichtig, das Alleinesein, das Tun, das Schaffen. Doch im Gemeinsamen sind die anderen Momente kostbarer. Und im Leben sind es wohl diese Momente, auf die wir zurückschauen, die uns Kraft geben und auffangen.

So, wie du das jeden Tag machst. Denn diese Momente, daran erinnerst du mich immer immer wieder, sind es, die uns zu uns machen.

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Über zwei Spielerinnen im selben Spiel

Es gibt zwei Spielerinnen im selben Spiel –
sie haben wenig miteinander zu tun und doch so viel.
Die eine gibt und träumt und schafft,
während der andere nimmt und nicht viel macht.

Die eine geht nach außen und hat viele Formen,
der andere geht nach innen, überkommt wenig Normen.
Beide sind wichtig und schön und gut,
doch vor dem anderen, seid auf der Hut.

Die zwei Spielerinnen, das sei gesagt,
wären ohne einander bestimmt oft verzagt.
Mehr braucht der andere die eine bestimmt,
doch ohne einander hätt es auch nicht gestimmt.

Wenn ich so nachdenke, dann kommt mir vor,
die eine kann warten und schaut leise empor,
während der andere oft schreit und sich behaupten muss,
viel zu viel gibt es schon von ihm, das ist ein Verdruss.

Welche Teile im selben Spiel ich meine?
Das sei gesagt: Kreation ist die eine.
Die, die gibt und schafft und zeigt.
Die, die warten kann und die, die bleibt.

Und die andere Seite dieser Gleichung,
lebt ganz leicht auch ohne unser Zutun.
Gerade im Moment betreiben wir sie zu viel,
und so macht es bald nicht mehr Freude, dieses Spiel.

Der Kreation gegenüber steht ganz klar
der Konsum auf seiner Seite da.
Doch vergehend und manchmal leer wie der Rauch,
verhält es sich leider auch mit dem Verbrauch.

Nun können wir viele Dinge konsumieren,
doch wenn wir Ware, Nahrung, Mittel, Kunst kreieren,
anstatt es zu verbrauchen,
dann werden wir merken, wie viel wir wirklich brauchen.

Ich hab den Konsum als etwas Schlechtes dargestellt,
doch fürcht ich, so gehts nicht nur mir in der Welt.
Viel zu viel wird verbraucht und verschwendet,
und wenn man sich wieder mehr der Kreation zuwendet,
können schöne Sachen entstehen
und die zu füllende Leere und Frust vergehen.

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Mein Rhythmus

Ich hab mal wieder über etwas länger nachgedacht. Und wenn das der Fall ist, dann mag ich es, meine Gedanken in Worte zu fassen und sie zu teilen.

Mein heutiger Gedanke dreht sich um den Rhythmus. Genauer gesagt nicht um irgendeinen, sondern meinen eigenen. Wie ich dazu gekommen bin, darüber nachzudenken? Weil das Wort so lustig mit zwei Hs geschrieben ist und es alleine deshalb schon gut ist, darüber nachzudenken.

Doch das ist nicht der einzige Grund – nein, nein. Ich hatte ein Gespräch mit einer lieben Freundin und wie das so ist, sind wir auf viele Themen gekommen, die uns beschäftigen. Eines davon war – na, könnt ihr es schon erraten? Der Rhythmus. Der eigene, ja ureigene (Bio)Rhythmus, den wir alle in uns tragen.

Und dann hab ich mir meine Gedanken gemacht und mich gefreut, dass ich im Moment so sehr nach meinem eigenen Rhythmus leben kann. Denn es ist nicht selbstverständlich und ach, ich kenne ganz andere Momente in meinem Leben, in denen das absolut nicht möglich war.

Unser Rhythmus kommt zwar von uns selbst, von ganz tief drinnen. Aber danach zu leben, ist nicht immer so einfach. Da sind die Welt und das Wetter, die Arbeit und die Gesellschaft. Die Zeit und das Geld, die Familie und der Stress, etwas leisten zu müssen. Viele Dinge beeinflussen unseren Rhythmus und ehe wir uns versehen, ticken wir schon im Takt mit komplett anderen Rhythmen. Wenn wir das machen, können wir uns natürlich an manches gewöhnen. Und das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes. Doch wenn wir immer gegen unsere Natur ankämpfen, befürchte ich, dass wir irgendwann müde werden, ausgelaugt und antriebslos. Wenn wir immer wieder und immer mehr die Dinge im Rhythmus der anderen tun, ja dann bleibt ja gar keine Zeit zum Hineinhorchen und Nachschauen, ob in uns alles in Ordnung ist.

Jedenfalls denk ich so vor mich hin und sehe schon wieder einmal all die Privilegien vor mir hin- und herhüpfen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass ich im Moment dann aufwachen und aufstehen darf, wann es für meinen Rhythmus passt. Dass ich in die frische Luft gehe und mich bewege, wann es für mich passt. Dass ich esse, wenn ich Hunger habe. Und dass ich schlafe, wenn ich müde bin. Dass ich kreativ bin und arbeite, wenn mir danach ist und dass ich mich mit mir selbst beschäftige, wenn es für mich passt. All das ist nicht selbstverständlich und gerade deshalb so ein riesengroßes Geschenk.

Ich glaube, wenn wir mit unserem Rhythmus synchronisiert sind, fällt einiges auch leichter. Ob das für uns möglich ist und wie dieser Rhythmus ausschaut, kann natürlich jede und jeder nur selbst wissen. Doch eines sag ich euch: Es zahlt sich aus, zurückzuschalten, hineinzuhorchen und das ganze Drumherum mal stummzuschalten, um den eigenen Rhythmus wieder etwas besser zu hören – und ihm vielleicht auch wieder mehr folgen zu können.

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Nichts darf es nicht sein.

Es rüttelt mich. In meinem Bauch zieht sich alles zusammen. Habe Tränen in den Augen. An sich bei mir ja nicht so was Außergewöhnliches. Und doch. Denn wieder einmal stehe ich vor dieser riesengroßen Wand an Unverständnis. Vor diesem Haufen an Ignoranz und Unwissen. Vor dieser riesengroßen Tür, hinter der sich immer mehr erschreckende Fakten versammeln.

Ich stelle fest, dass ich lange Dinge voneinander isoliert betrachtet habe. Nicht, weil ich mich nicht informiert hätte. Hab ich ja, solange es bequem war. Weil ein tieferes Verständnis mit immer mehr tiefergehenden Änderungen einhergehen hätte müssen.

Wovon ich hier schreibe? Was ich meine und welcher heiße Brei es ist, um den ich hier herumrede? Umweltschutz. Artenvielfalt. Karnismus. Feminismus. Menschenrechte. Kapitalismus. Egozentrik. Klimakrise. Ökologischer Fußabdruck. Autofahren. Plastikmüll. Und viele mehr. Viele.

All diese großen, mit unendlichen Inhalten gefüllten Schlagworte sind miteinander verbunden. Und das enger, als wir es glauben möchten. Was diese Begriffe eint, ist vor allem, dass Systeme dahinterstecken. Dass es systematisch falsch rennt, was da so rennt. Dass es um Macht geht, anstatt um Schutz. Dass es um Geld geht, anstatt um einen etwas gewagteren Blick in eine Zukunft für uns alle. Es geht um Angst, es geht um Verlust und es geht um Veränderung – die wir nicht bereit sind, einzugehen. Es geht um Bequemlichkeit, um Überlegenheit und um die Frage, ob das nicht alles sowieso übertrieben ist.

Was war ich naiv! Welche neuen Welten und Zusammenhänge sich da jetzt auftun, richtig spannend! Und Zeit wars! Und falls ihr diesen Text lest und euch denkt, was ihr genau tun könnt, damit meine (und eure (Enkel-)) Kinder noch auf der Erde leben können: informiert euch! Fangt bei einem beliebigen Thema der Auswahl oben an und ihr werdet sehen, wie eng verknüpft sie alle sind. Und was ihr dann damit macht, das werdet ihr sehen. Nichts wird es nicht sein. Nichts darf es nicht sein.

Was mich gerade jetzt wieder mal so wachgerüttelt hat, ist der Film “Seaspiracy“. Sehenswert, allgemeinbildungstechnisch.