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Die Essenz meiner Leidenschaften

Ich habe eine Leidenschaft. Und so lange ich mich erinnern kann, habe ich sie. Immer schon haben mich Geschichten in ihren Bann gezogen, Bilder in die Situation eintauchen lassen und die Atmosphäre rundherum glücklich gemacht.

Kinderbücher. Bilderbücher. Bücher für Kinder. (Und Bücher, die zwar nicht offiziell, aber inoffizell höchstoffiziell für Erwachsene sind!) Bücher, die in wenigen Worten das ausdrücken, wofür manche ihr ganze Leben brauchen, es zu verstehen. Bücher, die in ihrer Einfachheit, ihrer Klarheit, ihrem Witz und ihrer fantastischen Weltenerschaffungsfähigkeit so viel transportieren.

Ich bin bei Kinderbüchern aber sehr anspruchsvoll, versteht mich nicht falsch. Ich mag nicht jedes kunterbunt illustrierte mit unzähligen Wörtern gefüllte Buch. Ich bin da sehr eigen. Am besten gefallen mir die etwas schrägen Erzählweisen, die verdichteten Geschichten, die Bilder, die ganz gezielt gesetzt sind und einen gewissen Witz haben. Am liebsten mag ich es, wenn ich als Erwachsene schmunzle und das Kind in mir in den Bann der Geschichte und der Aufmachung gezogen wird.

Fast bei jeder Reise, bei jedem Besuch in der Stadt suche ich einen Buchladen auf und halte mich dort quasi ausschließlich im Kinderbuchbereich auf. Dort schmökere ich, lasse mich in die Welten entführen und bin fasziniert von so manchen künstlerischen Hochleistungen – schriftlich und grafisch. Ich habe auch schon eine beachtliche Sammlung an Kinderbüchern zuhause – Bücher, die ich schon als Kind gelesen habe, Bücher, die ich in unterschiedlichsten Teilen der Welt gekauft habe, Bücher in unterschiedlichsten Sprachen, Formen, Farben und Themen.

Und so komme ich vor kurzer Zeit – nach langer Zeit – drauf, dass Kinderbücher das sind, was meine größten Leidenschaften zusammenbringt – Kinderbücher sind die Essenz meiner Leidenschaften.

Ich liebe es, wenn Dinge schön anzuschauen sind, die Formen und Farben wie ein Gedicht ineinandergreifen. Oder sie sich aber so widersprechen, dass das Gesamtkonzept wiederum als Ganzes ästhetisch – also mit den Sinnen erlebbar – ist.

Wenn Geschichten Humor haben und dabei tief, richtig tief gehen dürfen. Ich liebe es, über skurrile Themen und Probleme, über die Schönheit und Unverständlichkeit der Welt nachzudenken. Und ich liebe es auch, Lösungen zu finden und Hintergründe zu verstehen oder verständlich zu machen.

Ich liebe es, mich pädagogisch wertvoll auszutauschen und zu visionieren, wie eine Welt, in der Kinder wirklich mitbestimmen, aussehen könnte. Ich liebe Wörter und alles, was man damit machen kann.

Dann sollte ich Kinderbücher schreiben, sagt ihr? Ich wäre sogar wahrscheinlich richtig gut darin? Ja? Na wisst ihr was? Ich bin schon dabei! Und das zu tun, ist die größte Freude, die ich mir wünschen kann.

Ihr werdet zu den Ersten gehören, die erfahren, wenn das Buch (die Bücher!) da ist! Versprochen!

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Von der tiefen Leichtigkeit


Ich rede und schreibe ja oft darüber, dass Dinge leicht gehen dürfen. Oder sogar sollen. Dass eine gewisse Leichtigkeit nötig ist und dass ich nicht wirklich daran glaube, dass die Dinge, die ich wirklich haben möchte, schwer zu mir kommen müssen. 

Wenn ich schreibe, dann muss es leicht gehen. Ich setze mich vor den Computer, beginne zu schreiben und meine Gedanken füllen die Seiten. Es ist wirklich, als würde ich von der (Pampel)Muse geküsst werden. Innerhalb weniger Minuten ist mein Text fertig. Ich lese ihn noch einmal durch, bessere Kleinigkeiten aus, die im Rausch des Schreibens untergegangen sind und kann ihn mit der Welt teilen. 

Das wirkt sehr leicht. Und so empfinde ich das in diesen Momenten auch. Aber – und hier kommt die Crux bzw. auch die Tiefe dieses Themas – der Text, den ich schreibe, beginnt schon viel früher zu entstehen. Ich habe einen Gedanken, lese etwas dazu, höre mir einen Podcast über das Thema an, rede darüber, stelle Fragen, diskutiere und beginne in meinem Kopf schon einzelne Bestandteile des Texts zusammenzufügen. Den Titel zum Beispiel. Oder einzelne Sätze, die mir dazu oder darüber gefallen. Auch im Unterbewusstsein arbeitet dieses Thema dann über länger oder kürzer. Anders kann ich es mir sonst nicht vorstellen, dass ich plötzlich überall und immer wieder damit in Verbindung komme. Dass ich dieses Thema für eine gewisse Zeit dann sozusagen anziehe (Gesetz der Anziehung…? Oder doch selektive Wahrnehmung…?)

Und dann kommt der Moment, an dem ich mich zum Computer setze und schreibe. Die Vorgeschichte, die Vorbereitung – bewusst und unbewusst – in mir, in meinem ganzen System – und dann schreibe ich. Es geht leicht, wenn ich den richtigen Moment erwische. Wenn ich sozusagen mit dem Thema schwanger gegangen bin (verwendet noch jemand diesen Ausdruck außer mir?) Wenn das Thema also in mir entstanden und gereift und nun bereit für die “Geburt” ist. 

Denn der Text scheint wohl nur die Spitze des gedanklichen Eisbergs zu sein. Darunter verbergen sich zahlreiche Stunden, Gedanken, eine Tiefe und Weite, Arbeit (im herkömmlichen und nicht herkömmlichen Sinne) und Kreativität. Mit einer gewissen Prise Glück oder wie man das auch immer nennen mag – Einfall, Inspiration, Liebe…

Und so, meine Lieben, entstehen die Texte hier. Mehr dahinter als nur “Leichtigkeit” – obwohl ich immer noch stark daran glaube, dass es diese Leichtigkeit als Loslassen, als Öffnen, als Spannungsabbau braucht.

Und jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass ich meine Texte selbst so gerne mag. Denn dahinter steckt mehr als ein bloßer Worterguss spontan zusammengefundener Gedanken. Dahinter steckt, worüber ich mir Gedanken mache, wohin ich meine Energie schicke, woher ich meine Kraft nehme, wie ich mein Leben gestalte. Denn diese Gedanken, lange bevor ein Text entsteht, begleiten meine Tage, meine Wochen, mein Leben. 

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Auf ein Zeichen warten

Warten wir aufs Zeichen, ist es wohl Zeit, selbst eines zu setzen. Und in diesem Fall, in diesem Text, gehts heute um das Fragezeichen.

Denn dieses kleine, rundlich geformte Dinglein hat es in sich. Es verändert den Inhalt dessen, was ihm vorausgeht. Es macht sich breit und ist dann auch nicht mehr wegzudenken. Dieses kleine Zeichen, das den Satz zu einer Frage macht, spielt also heute hier die Hauptrolle.

Das Fragezeichen nämlich kann etwas, das wir oftmals vergessen. Indem es sich hinten anstellt und dazugesellt, macht es das Vorausgegangene zu etwas nicht Naturgegebenem. Es hinter-fragt.

Unlängst habe ich in einem SEHR empfehlenswerten Buch* die Inspiration zu diesem Text und zu ganz vielen Gedanken, die sich daraufhin in meinem Kopf und Leben aufmachten, gelesen. Es geht darum, die bestehenden Sätze (wasauchimmer), die mit einem Punkt oder gar einem Rufzeichen versehen sind, schleunigst mal auf ihre Fragezeichen-Fähigkeit hin zu untersuchen. Sie also „einfach“ zu einer Frage zu machen und sie dadurch auch zu hinter-fragen.

Einfach geht da wahrscheinlich gar nichts und gefährlich ist es obendrein, „Gegebenheiten“ nicht als gegeben zu verstehen. Denn dann lösen sich Glaubenssätze, Einstellungen und vielleicht sogar Welten auf! Oder?

Besonders in Bezug auf die neue Welt, auf frauen- und menschenrechtliche Ansätze, auf Erziehung, auf Weltanschauungen, auf Beziehungsleben, auf Ernährung, auf Umweltereignisse und (und und…) die tägliche Gestaltung des eigenen, kleinen Lebens sollten viel, viel mehr Fragezeichen zum Einsatz kommen.

Denn etwas, das so ist, weil es eben so ist, ist noch lange nicht Fragezeichen-sicher. Probiert es mal aus! Macht ein Spiel daraus! Ich habs gespielt und finde es höchst amüsant! … höchst amüsant … amüsant?

*“Untenrum frei“ von Margarete Stokowski – bitte, bitte lesen! Männer und Frauen, Mädchen und Buben und alle dazwischen! Lest es und werdet schlauer, empathischer und vor allem noch reflektierter, als ihr es ohnehin seid. ? . ? . ? .

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Laufen fürs Gemüt

Ich komme gerade von einer Morgenlaufrunde zurück. Die Luft ist kalt und klar, die Sonne wärmt erst ganz leicht und die Welt ist noch still. Ich bin müde.

Ich beobachte Vögel, wie sie hoch oben ihre Runden drehen, schaue Kühen zu, wie sie über die Straße aufs Feld gehen. Ich richte meinen Blick in die Ferne und entdecke die ersten mit Schnee bezuckerten Berge dieses Jahres. Die Luft ist kalt und klar, die Sonne wärmt schön langsam etwas mehr. Und auch mein Körper wacht auf. Nicht nur mein Körper – nein, mein ganzes Gemüt erwacht plötzlich!

Beim Anblick der Berge in der Ferne wird mir ganz warm ums Herz. Ich habe Tränen in den Augen, so sehr berührt mich dieser Moment. Die Welt ist still und langsam und ich laufe durch den Wald.

Vor Kurzem habe ich festgestellt, dass mir Laufen und Bewegung im Allgemeinen so sehr gut tun. Dass ich mich fast aus jedem Loch, aus jedem Weinen, aus jedem Zweifel herausbewegen kann. Ich laufe fürs Gemüt. Viel mehr als fürs Fit- oder Schönsein. Viel mehr. Ich laufe, weil es mich erfüllt, weil ich meine Gedanken auf eine weite Reise schicken kann, weil ich bei jedem Schritt innerlich leichter werde.

Jetzt ist es nicht so, dass ich nur laufe, wenn ich innerlich Last verspüre. Ich laufe und bewege mich grundsätzlich liebend gerne. Ich liebe das Gefühl währenddessen und ich liebe es danach, das Heimkommen und Spüren meines Körpers, das Leichtfühlen und in Balance sein.

Ich laufe fürs Gemüt. Denn mein Geist braucht diesen Ausgleich. Es ist wahrlich ein Genuss, diese Erkenntnis zu haben. Denn dann werden Zeiten und Zahlen, Strecken und Erfolge plötzlich unwichtig. Ich laufe und wenn mir danach ist, gehe ich. Ich bleibe stehen und schaue, halte inne und atme, wenn ich das gerade möchte. Oder ich laufe ganz schnell, um mich frei wie ein Kind zu fühlen.

Laufen fürs Gemüt. Rundherum gesund. Das ist es wohl.

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Meinungsveränderungen

Oh, wie ich das hatte! Oh, wie normal ich das fand! Oh, wie sehr es mich und meine Entscheidungen beschränkt hat. Oh, wie schön, dass ich mich langsam ändere. Oh, wovon ich schreibe?

Diese vorgefertigte, von mir erstellte, allerdings wenig fundierte und wenig überraschend einengende, sowie quasi nicht aktualisierte Meinung(en) über mich, die Welt und das Leben.

Das ist gut, weil blablabla. Und das ist so schlecht, weil blablabla. Und das werd ich niemals tun, weil blablabla. Und ich bin einfach so, weil blablabla.

Ich hab mir selbst ganz lang viel zu viele Dinge geglaubt. Einmal irgendwo gelesen und zu meiner Meinung gemacht. Sehr komott. Oder einmal (nicht wirklich, aber halt ein bisschen) drüber nachgedacht und zack – zu einer ultimativen Wahrheit erkoren.

Ich möchte mein jüngeres, früheres, gestriges Ich hier nicht schlechtmachen. Zu diesem Moment hab ich es vielleicht einfach noch nicht besser gewusst. Aber ich möchte mein heutiges, mein jetziges Ich dafür loben, dass es Dinge genauer betrachtet, nicht gleich Nein schreit und davonsaust, sondern erstmal zuhört. Und dass es auch immer wieder sein Bestes versucht, dieses Ich. Aber jetzt mit etwas mehr Ruhe und Besonnenheit.

Ich hab meine Meinungen und merke einfach immer wieder, dass es mehr braucht – mehr Sichten, mehr Perspektiven, mehr Erfahrung, mehr Geschichten, mehr Verständnis, mehr Weite, mehr Offenheit, um mir meine Meinung zu bilden. Und auch, dass sie sich ändern darf, diese Meinung. Vielleicht soll sie das sogar. Denn Veränderung ist ja bekanntlich die einzige Konstante. Und zu einer ordentlichen Veränderung gehört wohl die festgefahrene, über-Alles-gestellte Meinung mehr als nur entfernt dazu.

„In einem Jahr werden wir auch wieder andere Menschen sein“. Das hat eine meiner engsten Lebensfreundinnen vor Kurzem gesagt. Sehr weise, wie ich finde. Und das fasst meine Gedanken hier wohl auch sehr gut zusammen.

Andere Menschen. Mit neuen An- und Einsichten, neuen Erfahrungen, neuen Geschichten im Gepäck, neuen Meinungen und neuen Gedanken. Gut so, sonst würd sich das Ganze immer wieder nur im Kreis drehen. Und da kann einem (und einer) ja nur schwindelig werden.

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Gast-Freundschaft

Ich steh gerade in der Küche und koche mir Nudeln. An sich nichts Besonderes. Und doch: Ich bin nämlich nicht in meiner Küche. Und es sind auch nicht meine Nudeln – und irgendwie schon.

Wir sind bei Freund:innen auf Besuch und es ist mehr ein Heimkommen und hier Wohnen, als ein Gastsein. Diese Gast-Freundschaft, die ich hier spüre, ist riesengroß. Denn die beiden lassen uns viel mehr als nur bei ihnen schlafen. Wir sind Teil des Lebens, Teil der Familie für die Zeit, die wir hier sind. (Natürlich auch, wenn wir nicht hier sind! Aber jetzt in live ist es doch noch mal was Anderes!). Sie teilen ihren Lebensraum, ihre Zeit, ihr Essen – ihr Leben in dieser Zeit hier mit uns.

Wir werden hier empfangen und es ist nicht alles blitzeblank aufgeräumt – eben, weil wir keine Gäste sind. Weil wir Teil der Familie sind, weil weder sie noch wir hier mehr oder weniger tun (müssen). Für mich ist es jedes Mal eine Ehre, in einer fremden Wohnung staubzusaugen. Und ja, das meine ich wirklich so. Und nein, ich mach das nicht sehr oft. Aber wenn, dann bin ich jedes Mal wieder erstaunt, wie schön ich das finde. Denn es ist wie daheim. Und das macht das Hiersein so unkompliziert, authentisch, einfach und schön.

Jedes Mal, wenn ich nämlich so gast-freundschaftlich (und nicht gastfreundlich, was auch sehr nett, aber eben weiter weg als gastfreundschaftlich) empfangen werde, fühle ich mich gleich rundherum wohl. Ich weiß, dass ich nicht fragen muss, ob ich etwas aus dem Kühlschrank nehmen darf. Ich weiß, dass ich mich ausbreiten, meinem eigenen Rhythmus folgen kann und gleichzeitig als Teil dieser Familie eine wichtige Rolle übernehmen darf. Ich weiß, dass ich meine Ruhe haben darf, und mich im nächsten Moment liebend gerne mit jemandem unterhalte.

Diese Gast-Freundschaft ist etwas wirklich Kostbares. Und oft erlebe ich sie auch nicht. Was nicht schlimm ist – ich muss nicht überall staubsaugen, am Wohnzimmerboden schlafen und den Kühlschrank durchsuchen. Aber ich genieße gerade das besonders hier.

Also hier ein Danke an die beiden, sie wissen bestimmt, dass sie damit gemeint sind. Es ist wirklich eine Wohltat, ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit, mit wie viel Liebe wir hier sein können.

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Alleine deshalb…

… zahlt es sich schon aus, zu leben.

Diese weisen Worte hat meine Mama vor Kurzem beim Kaffeetrinken in einem wunderschönen und gemütlichen Café gesagt. Sie war – wie ich auch – so berührt von diesem schönen Ort, hat ihren schön hergerichteten Cappuccino geschlürft und diese schönen Worte von sich gegeben.

Und ja, sie berühren mich wirklich, diese Worte. Es ist so wichtig, diese kleinen großen Momente zu feiern. Es ist so wichtig, das alles nicht einfach hinzunehmen. Es ist so wichtig, immer wieder innezuhalten und für das Leben dankbar zu sein.

Und deshalb möchte ich diesen Text dem Leben widmen.

Ich möchte mich von tiefstem Herzen bedanken, bei dir, liebes Leben. Danke für all die Menschen, die ich um mich haben darf. Meine Familie, die unterstützend, bedingungslos liebend, wertschätzend ist. Meine Familie, die zusammenhält und die sich selbst mag. Meine Familie, die miteinander lachen und weinen kann, die streitet und sich versöhnt, die laut sein kann gemeinsam und auch ganz leise.

Die wichtigen Menschen in meinem Leben, die mir – egal, wie weit weg sie leben oder wie (wenig) oft ich sie sehe – so nahe sind. Die ich zu unterschiedlichsten Dingen im Leben um Rat und Meinung fragen kann, die mit mir ihre Ängste und Unsicherheiten teilen und die ich von ganzem Herzen schätze für das, was sie sind.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass du es mir ermöglichst, dass ich so lebe, wie ich lebe. Dass ich es leicht habe und es mir leicht machen kann. Dass ich das Kleine so sehr schätze, mich an Farben und Mustern erfreuen kann, dass ich spielen und tanzen kann, dass ich mich bewegen und still sein kann. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich mir aussuchen kann, was ich mache, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass ich schon so viel von der Welt sehen und erleben durfte. Dass ich meinen Weg hinein in so viele Unsicherheiten so bestimmt und im vollsten Vertrauen gehen durfte. Dass ich vieles ausprobieren und wieder lassen konnte, dass ich auf meinem Weg so viel Rückenwind gehabt habe und aus dem Gegenwind lernen durfte. Auch dafür bin ich so dankbar.

Die Liste an Dingen, für die ich dankbar bin, geht weiter. Jeden Tag halte ich kurz inne und überlege, für welche Momente des Tages ich dankbar bin. Einen dieser Momente schreibe ich dann auch auf. Und so habe ich bisher in diesem Jahr eine Sammlung mit 242 Glücksmomente angelegt. Das kann sich sehen lassen, oder?

Beim Sitzen in diesem Kaffeehaus hatte ich Tränen der Überwältigung in den Augen. Denn dieser Moment war ein Inbegriff des Guten für mich. Ein Inbegriff der Freiheit, des Friedens, der Leichtigkeit, des Genusses. Ein Inbegriff dessen, was ich meine, wenn ich vom guten Leben spreche. Und dieser Moment ist einer der – wohl weit mehr als – 242 Glücksmomenten in diesem Jahr…

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Mein Gespräch mit der Stimme

Ich habe endlich viel Zeit. Viel Zeit, die ich mir frei einteilen kann. Zeit, die ich so verbringen kann, wie es mir passt. Es gibt keine Struktur, keine Eile, keine Vorgaben. Zumindest fast keine. Wäre da nicht die Stimme in meinem Kopf, die brav kategorisiert. Die Stimme, die meine Aktivitäten einteilt in „gut“ und eben „nicht so gut“, weil wenig produktiv, wenig kreativ, zu wenig von irgendwas.

Diese Stimme, die gab es natürlich auch schon vorher. Ich glaub, die gab es schon immer. Ich komme aus einer Familie, die gerne viel macht. Und so bin ich aufgewachsen, habs so miterlebt und bin selbst so geworden. An sich ja nichts Schlechtes. Ich bin gerne sportlich, produktiv und kreativ. Erledige gerne Sachen, mache drei Dinge auf einmal und freue mich, wenn etwas abgeschlossen ist. So weit, so gut. Gäbe es da nicht die andere Seite dieses immer viel tun Wollens. Denn diese andere Seite ist faul und irgendwie immer ein bisschen zu wenig. Herumliegen und fernsehen, wenn das Wetter schön ist? Die schmutzige Küche noch ein bisschen länger schmutzig sein lassen und einfach später abwaschen? Wieder einen Tag ohne Berg-, Rad-, Lauftour erleben? All das ist gar nicht so einfach, mit dieser inneren Stimme, die das nicht mag.

Und da ich jetzt weiß, dass ich diese innere Stimme habe, versuche ich ihr nicht mehr allzu genau zuzuhören. Natürlich hör ich sie, ich sag ihr dann aber mittlerweile schon bestimmt und fast vollkommen überzeugt, dass es das nun mal ist, was ich jetzt tun möchte. Dass es ok ist, sag ich ihr auch. Und dass auch sie sich mal ausruhen soll. Dass sie sich bewusst werden soll, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Dinge gibt. Dass es sicherlich Dinge gibt, die gut tun und dadurch auch vermehrt getan werden sollten. Doch da vertrau ich meinem Gefühl, dass ich eh das mache, was ich für mich in diesem Moment für richtig halte. Und das wird wohl auch am nachhaltigsten sein, denk ich mal.

Ich mag es, wenn mir Dinge bewusst werden. Dann sind sie an der Oberfläche und ich kann mit ihnen arbeiten. Kann – wie mit dieser Stimme – umgehen lernen und sie akzeptieren oder auch verändern, wenn ich das will. Viel zu lange hat diese Stimme einfach in mir drinnen geschlummert und sich immer wieder laut gemacht, ohne befragt worden zu sein. Viel zu lange war es mir nicht bewusst, dass ich mir selbst (oder eben dieser Stimme, die ich ja auch bin) nicht alles glauben muss. Und jetzt, endlich – habe ich auch dafür Zeit, mich von ihr zu verabschieden und sie im Vertrauen in mich zum Schweigen zu bringen. Denn diese Stimmen, die dagegenreden, die sind nicht grad die nettesten Gesprächspartnerinnen.

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Dort, wo sie sich treffen

Wie nahe sie doch beieinander liegen, die zwei. Wie ähnlich sie sich auch sind, irgendwie. Und wie untrennbar sie zusammengehören.

Von wem ich spreche? Vom Ende und vom Anfang. Denn die zwei sind wirklich nur einen Moment voneinander entfernt. Sie unterscheiden sich im ersten Moment wie Tag und Nacht, haben aber doch einen starken gemeinsamen Nenner: Den Punkt, an dem sie sich treffen. Denn der ist jetzt. Und der ist am Ende des Endes und am Anfang des Anfangs.

Ich bin gerade jetzt, ja genau jetzt, in diesem Moment, an diesem Punkt, an dem sich Ende und Anfang treffen.

Ich habe heute einen großen Teil beendet und genauso beginnt heute ein anderer großer Teil. Ich habe meine Arbeit in der sicheren, planbaren, voraussehbaren und schönen Umgebung beendet. Und begebe mich in eine noch unsichere, noch wenig planbare, noch nicht voraussehbare und gewiss wunderschöne, neue Welt.

Und natürlich habe ich Ideen, Visionen und Pläne, was ich so tun und lassen möchte. Viele davon. Und sie haben die schönsten Farben und Muster, Formen und Konturen. Doch wissen, was kommt, tu ich es nicht, gar nicht. Aber das wissen wenige, wenn wir uns ganz ehrlich sind.

Dieser Punkt zwischen den Welten, zwischen Ende und Anfang, hat eine Magie. Er beherbergt große Dankbarkeit für das, was war. Viele Erinnerungen, Erfahrungen, Momente des Gewachsenseins und die Nähe zu Menschen, die in dieser Zeit wichtig waren. Und dieser Punkt trägt zudem die große Neugierde, die Zuversicht und das Vertrauen in sich, dass das, was kommt, gut sein wird. Er trägt auch Zweifel und Ängste in sich, das Gefühl des Abenteuers und des Lebendigseins. Für mich hat dieser Punkt, an dem ich gerade stehe, viel – ja sehr viel – mit Freiheit zu tun.

Ich bin so vollgefüllt mit Gefühlen, denn das Ende dessen, was war, tut gut und ist wichtig und war die richtige Entscheidung. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude und gleichzeitig bin ich ganz ruhig. Denn ich weiß, dass ich alle Zeit der Welt habe. Zumindest, bis der nächste Punkt kommt, an dem sie sich treffen – das Ende und der Anfang.

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Sommerliche Zeitreisen

Ich reise gerne. Am liebsten mit allen Sinnen und dorthin, wo es mir gefällt. Am liebsten an Orte, die mich erfreuen, mich berühren, mich an andere Orte erinnern (lustig, oder? Neues entdecken, um zu sehen, dass sie mich an Altes erinnern…)

Und ja. Reisen ist grad nicht so möglich, wie wir das kennen. Zumindest jetzt in diesem Moment nicht. Ich habe aber eine Reisemöglichkeit gefunden, die mich in den letzten Wochen sehr glücklich gemacht hat: Die Zeitreise in meine eigene Kindheit.

Wie ich das mache? Ganz einfach: Ich erinnere mich an die schönen Dinge in meiner Kindheit und versuche sie zu rekonstruieren. Das mache ich meist unbewusst, denn ich bin draufgekommen, dass das beste und direkteste Ticket in die Kindheit meine Sinne sind. Also in meinem Fall im Moment besonders mein Geruchs- und mein Tastsinn. Es ist also eher umgekehrt, dass ich etwas empfinde und es dann in Gedanken fasse. Hier meine kleine, ausgewählte Sammlung:

Es gibt im Keller einen Kasten, der riecht für mich nach Kindheit. Wenn ich ihn öffne, strömt nicht nur der süßlich-leichte Duft von Kerzenwachs, alten Bildern und Waschmittel meiner Oma heraus – vielmehr sehe ich mich als Kind vorm inneren Auge dort im Keller herumkramen, an heißen Sommertagen nach „Saftpackerl“ zu suchen und damit dann schnell wieder raus in die Sonne auf der Mauer sitzend die Erfrischung mit dem viel zu kleinen Strohhalm zu schlürfen.

Keller haben grundsätzlich diesen Kindheitsreiseeffekt für mich – besonders an heißen Sommertagen riecht es im Keller für mich nicht (nur) nach feuchten Wänden, dem kühlen Boden oder den gelagerten hunderttausend anderen Sachen – nein, es riecht nach den Mini-Magnums, die wir dort in der Gefriertruhe (! Truhe!) hatten und die an Sommertagen eines unserer Grundnahrungsmittel darstellten.

Weiter gehts auch in diesem Szenario, wenn ich barfuß bin – denn dann spüre ich den kalten Beton des Kellers, beim Hinausgehen das kratzige Gitter, das die Garage vom Parkplatz trennt und draußen die von den Sommersonne aufgewärmten Steinplatten, die immer noch an der gleichen Stelle wackeln, an der sie es immer getan haben. Wenn ich im Garten bin und das leicht nasse Gras unter meinen Füßen spüre, mit den abgekühlten Zehen dann über den warmen Parkplatz zur viel zu heißen Straße gehe, kommen sofort wieder die Bilder und Gefühle der ewig lange scheinenden Sommerferien als Kind in meinen Sinn. Das Rollerfahren und dabei immer wieder die Zehen am gleichen Fleck aufschlagen, das Sitzen am warmen Asphalt und dabei Straßenmalkreiden malen. Das unbeschwerte, warme, fröhliche Gefühl vom alle Zeit der Welt haben. Wie sehr ich es genieße, dorthin zu reisen!

Ein Kindheitsreisemoment ist auch, wenn ich bei leichtem Regen im aufgewärmten Pool schwimme – mein Körper eingehüllt vom warmen Nass, mein Kopf draußen und von leichten Regentröpfchen abgekühlt. Wenn ich dann meine Taucherinnenbrille ins kleine Häuschen zurückbringe und den Duft dort schnuppere, katapultiert es mich in Sekundenschnelle zur Sommerhütte meiner Nachbarn, in der wir uns als Kinder immer umgezogen, unsere nach Plastik riechenden Luftmatratzen und die bereits hundertfach verwendeten nassen Handtücher gelagert haben.

Ich werde auch weiterhin an diesen warmen sommerlichen Tagen einige Tickets in meine eigene Vergangenheit lösen – denn ich liebe den Gedanken daran, dass ich zumindest für einige wenige Sekunden wieder dorthin reisen kann. Ich hatte eine wahrhaft schöne, erfüllte und unbeschwerte Kindheit. Und dahin reise ich immer wieder gerne zurück…