achtsam · allgemein · kreativ

Freundesfreude

Ich hatte dieses Gefühl gestern so stark wieder mal, dass ich sogar ein Wort dafür erfunden habe. Die Freundesfreude. Laut Pampelmuse-Duden besagt diese „(…) eine immense Freude über die Freund*innen und deren Anwesenheit, deren Sein und Wesen und die tiefe Verbundenheit mit ihnen“ (2020, S.44).

Denn gestern war so ein Tag, an dem ich diese Dankbarkeit, diese Verbundenheit, diese Gemeinschaft, dieses Miteinander, diese (Nicht-)Selbstverständlichkeit, diese Wellenlänge, diese Herzensnähe, diese Leichtigkeit, diese Innigkeit, diese Liebe wieder einmal so stark spüren durfte, dass es mich einfach überwältigt hat.

Freundesfreude, oder in meinem Fall Freundinnenfreude – doch ich muss zugeben, dass hier doch die männliche Form aufgrund des Wortrhythmus besser klingt – ist so etwas Wunderbares. Etwas so Kostbares und etwas so Heilsames. (Heilsam ist eine meiner neuen Lieblingsbeschreibungen für Dinge/Gefühle, die so gesund sind für den Geist und die Seele und erfrischend fürs Gemüt und wohltuend für die Stimmung. Damit ihr Bescheid wisst, was ich damit meine.)

Freundesfreude äußert sich bei mir meist dadurch, dass ich es mich fast zerreißt vor lauter Freude, wenn ich meine Freundinnen beobachte bei dem, was sie tun oder wenn ich gemeinsam mit ihnen lache, Blödsinn mache, tiefe Gespräche führe oder sie mich mit ihren Gesten berühren. Dann weine ich meist ein bisschen (oder ein bisschen mehr) und dann sag ich es ihnen, dass ich sie und uns so glass finde und dass ich mich so freue, sie zu haben.

Das ist sie also, die Freundesfreude. Kurz und auf den Punkt gebracht.

Ich wünsch euch allen solche Menschen, bei denen ihr euch auch so fühlen könnt!

allgemein · kreativ · selbstliebend

Probleme später ausbaden

Wir gehen. Da ist ein wunderschöner See. Das Wasser kristallklar, die Wanderung schon lange und der Wille, in den See zu gehen, ist auch irgendwie da. Irgendwie. Wären da nicht das Pflichtbewusstsein und die Konsequenzen, die nassen Sachen und der Tagesplan.

Denn wenn wir jetzt ins Wasser gehen, dann müssen wir die nassen Badesachen tragen. Und so warm ist es eigentlich ja auch nicht. Und außerdem ist es vielleicht später gescheiter und kalt wird uns danach auch sein… Viele solcher „erwachsener“ Gedanken kommen uns in den Sinn. Bis wir plötzlich eine unserer Abenteuer-Regeln anwenden: Wenn es uns juckt, etwas zu tun, dann tun wir es. Denn es ist in den meisten Fällen besser (abenteuerlicher, lebendiger, aufregender,…) etwas zu tun, als es nicht zu tun. Und die Aussage des Tages, die mich dann ganz überzeugt: „Die Probleme verschieben wir auf später. Jetzt gehen wir erst mal schwimmen.“

Und, wie ihr euch denken könnt: Es war wunderbar! Das Wasser kristallklar, das Wetter genau richtig und das Gefühl, wild im See herumzuplantschen einfach unersetzbar. Die „Probleme“, die wir vorhergesagt haben, haben sich dann in Luft aufgelöst: Im Rucksack haben wir leicht einen Platz gefunden für all die nassen Sachen, das Wandergewand war danach noch viel feiner zum Anhaben und kalt war uns nach dem Schwimmen keinesfalls – eher sogar wärmer, vor allem ums Herz.

Diese Einstellung, dass die Probleme warten können, hat etwas sehr Kraftvolles, sehr Heilsames. Es erlaubt mir, im Moment das zu tun, was ich für diesen Moment richtig halte, ohne den Schwarzmalereien die gesamte Leinwand zu überlassen. Es befreit mich von den Sorgen, die wir uns sowieso immer zu viel machen und zeigt mir auch, dass sich viele dieser Zweifel und Probleme im Kopf eh nicht bewahrheiten. Die Probleme auf später zu verschieben, verschafft mir auch einen ordentlichen Spielraum, den ich plötzlich freier nutzen kann. Es gibt mir etwas mehr Zeit und vielleicht sogar Abstand zur Situation, was nur von Vorteil sein kann.

Ein Sprung ins kalte Nass und schon wieder mal so eine Erkenntnis! Sogar gleich zwei sehr lebenstaugliche Erkenntnisse:

  1. Probleme und Sorgen können (und dürfen!) auf später verschoben werden
  2. Machen ist abenteuerlicher als könnte, sollte, hätte.

allgemein · reisend · selbstliebend

Alltagsabenteuer

Abenteuer. Das kling ja schon mal vielversprechend. Und Alltag? Naja, der hat auch was – zwar weniger abenteuerlich, dafür umso bekannter.

Die Alltagsabenteuer, von denen ich euch heute erzähle, führen mich nicht weit weg und haben trotzdem sehr viel mit Urlaub zu tun. Sie sind nicht teuer und haben trotzdem etwas Unbezahlbares. Die Alltagsabenteuer, von denen ich heute schreibe, helfen mir dabei, den Sommer erstens auch ohne viel Urlaub zu genießen und zweitens mein Leben abseits vom Trott bunt zu gestalten.

Also was meine ich denn damit, wenn ich vom Alltagsabenteuer schreibe? Für mich hat dieses einige Charakterzüge, die sich bei jedem dieser Abenteuer wiederholen. Ein Alltagsabenteuer …

  • … kann jeden Tag stattfinden, zu jeder Tag- und Nachtzeit, auch am Wochenende, auch nach Feierabend.
  • … ist nicht großartig geplant, findet einfach statt, braucht wenig und bringt viel.
  • … ist oft irgendwas außerhalb der eigenen vier Wände oder zumindest führt es zumindest kurz weg von der Couch, hinein ins Leben.
  • … kostet fast nix (außer vielleicht eine Eintrittskarte, eine Kugel Eis oder eine Packung Heidelbeeren)
  • … ist erfrischend, ermunternd, wohltuend und kurzweilig
  • … führt auch in neue Gegenden rund ums eigene bekannte Nest (dies muss aber nicht zwingend der Fall sein)
  • … ist von relativ kurzer Dauer – dies können 10 Minuten oder ein ganzer Nachmittag sein, je nach Abenteuer
  • … ist und bleibt in warmer Erinnerung
  • … wird offiziell davor, danach oder währenddessen zum Abenteuer deklariert. (Ein sehr wichtiger Faktor, hinsichtlich der Anerkennung und auch zum Erinnern dran sehr bedeutend.)

Dies sind nur einige Merkmale von den sogenannten Alltagsabenteuern. Ich hab heute – am Rad, während eines dieser Abenteuer – darüber nachgedacht, welche ich denn besonders in letzter Zeit erlebt habe – hier eine kleine, ausgewählte Sammlung:

Fast jeder Ausflug mit unseren neuen elektrischen Rädern wird zu einem Alltagsabenteuer, weil wir einfach irgendwo hinfahren und uns von Google Maps oder Straßenschildern leiten lassen. (Wenn ich von „wir“ schreibe, meine ich übrigens wenig überraschend meinen Abenteurer Nummer 1) So waren wir zum Beispiel auf einem Berg, auf dem uns wohl niemandem geraten hätte, mit dem Rad hinzufahren. Zumindest nicht von dieser Seite. Wir wussten es nicht und habens gemacht, aufregend wars und lustig obendrein.

Als Touris haben wir uns die Wasserspiele in Hellbrunn angeschaut, mit dem Audioguide lustige Geschichten erfahren und uns absichtlich anspritzen lassen, weils einfach nur dann so wirklich abenteuerlich ist.

Wir waren im Museum, haben uns die Werke angeschaut, im Museumsshop geschmökert und im Mitmachbereich gezeichnet und geschrieben, was das Zeug hält.

Wir haben uns bei Regen und Gewitterwetter am Abend die Gummistiefel angezogen, einen Schirm und die Regenjacke geholt und sind Blitze schauen gegangen.

Einmal war ich sogar früh am Morgen, vor dem Trubel und bevor der Alltag überhaupt munter war, eine Runde im Wald laufen. Hui, ist die Welt da noch ruhig!

Eines unserer eher wochenendlichen (haha, wie passend! endlich wochenendlich) Alltagsabenteuer ist das Plunderteig-Frühstück. Da beginnt das Abenteuer schon im Supermarkt – grinsend und vorfreudig – kaufen wir uns fertigen Plunderteig und dann gibts Medialunas (das sind Croissants auf Argentinisch), bei einem laaangen Frühstück mit Musik und Beeren und Tee und Zeit.

Bei einem unserer „wir fahren dorthin, wo wir noch nie waren-Abenteuer“ haben wir in einem wunderbaren Kaffeehaus superguten Kaffee bestellt und uns des Lebens erfreut. Auch das war eines unserer Alltagsabenteuer.

Ribisl und Himbeeren hinterm Haus pflücken ist ebenso ein Alltagsabenteuer, wie die oben genannten. Also wie ihr seht, die Bandbreite ist groß und deklarieren kann man all diese schönen Dinge zu Alltagsabenteuern. Denn die, liebe Leute, machen das Leben bunt und lustig, kurzweilig und schön. Ja. Alltagsabenteuer machen das Leben schön.

(Heute haben wir uns übrigens den Weg zum IKEA gesucht – mit dem Rad, vorbei an Seen, Wäldern, Bergpanoramas, 300-jährigen Häusern, uralten Bäckereien und mit der Sonne im Rücken.)

Ich freu mich auf viele mehr von diesen Aus-Zeiten im Alltag

achtsam · allgemein · selbstliebend

Vom Wohltuenden des Wohlwollens

Dieser Wohlwollen. Der ist etwas, der mich gerade beschäftigt. Und berührt. Und deshalb schreib ich heute mal darüber.

Wohlwollen. Suche ich dieses Wort im großen Internet, kommt viel. Suche ich es in der großen Welt, kommt… naja, auch was. Beschrieben wird dieses große Wort mit einer Zuneigung, einer positiven Einstellung gegenüber anderen. Es ist von Gunst die Rede und vom moralischen Handeln. Aha, schonmal interessant. Und praktisch umgesetzt, wie geht das?

Ich hab für mich – besonders in meiner derzeitigen Arbeit – ein Prinzip festgestellt, womit ich im Umgang mit Menschen ganz gut fahre: Wohlwollen. Der und dem anderen das Gute unterstellen. Klingt unwirklich, gar naiv oder unecht? Und obendrein noch sehr anstrengend? Na dann hört mal her!

Wohlwollen meint, dass ich der anderen Person Verständnis gegenüberbringe, ohne sie komplett zu verstehen. Es bedeutet, dass ich ihr (dieser Person) unterstelle, dass sie Dinge aus einem (für sie guten) Grund macht. Wohlwollen bedeutet auch, dass ich hinschaue und -höre und mich nicht vom ersten Eindruck täuschen lasse. Es bedeutet, dass ich den Wert der und des anderen schätze, dass ich sie und ihn anerkenne – als Person mit einer Geschichte, einer Haltung, einer Einstellung zum Ganzen.

Es klingt vielleicht naiv, wenn ich allen Menschen, denen ich begegne, wohlwollend gegenübertrete. Weil es gibt sie ja, die bösen Eigenschaften, die hinterlistigen Blicke und die falschen Wasauchimmer. Und nein. Ich empfinde es als höchst reflektiert, trotz alledem eine wohlwollende Haltung zu bewahren. Trotz alledem und vielleicht genau deshalb ein bisschen genauer hinzuhören, das Dahinter zu sehen und den Menschen mal ganz sein zu lassen.

Wohlwollen. Ein großes Geschenk, das ich meinem Gegenüber geben kann. Und auch eines, das ich mir selbst mache. Denn meine ganzen „Miteinander-Friede-Freude-veganer-Eierkuchen-Sachen“ sind gar nicht so selbstlos, wie sie scheinen: Es hat etwas höchst Friedliches, ja gar Befriedigendes, einen Menschen zum Strahlen zu bringen, weil ich vom Guten ausgehe und das Gute finde, wenn ich es nicht gleich sehen kann. Es hat etwas zutiefst Verbindendes und daher auch sehr Leichtes, MIT statt GEGEN einander zu sein.

Mit meinem Wohlwollen schenke ich mir und dir einen Augenblick der Verbindung, der Menschlichkeit, der Nähe. Und das ist etwas wahrhaft Wohltuendes.

Vom Wohltuenden des Wohlwollens. Das wars von meiner Seite. Ich hab grad ein sehr wohlwollendes Gespräch hinter mir und bin ganz beflügelt, wie gut sowas tun kann!

achtsam · allgemein · kreativ

Rein pflanzliche Metapher

In der Pflanzenwelt gibt es einen Ausdruck und einen Zustand, der schon wieder mal so so gut übertragbar ins Leben ist, dass ich gar nicht an ihm vorbeikomme.

Der Begriff heißt „root-bound“ und übersetzt könnte er werden mit „wurzelgebunden“ – eigentlich bedeutet er, dass eine Pflanze keinen Platz mehr in ihrem Topf hat, weil ihre Wurzeln zu groß für diesen sind.

Sehen kann man das daran – und hier der botanische Zugang – dass die Wurzeln vielleicht sogar schon über die Erde herauskommen. Wenn man die Pflanze aus dem Topf hebt, hat sich da schon ein Netz aus Wurzeln gebildet (das die Form des Topfs hat). Was man tun kann, ist, diese Pflanze schleunigst in einen größeren Topf zu übersiedeln. Davor noch die vorgeformten Wurzeln lösen und ihnen etwas Platz geben und dann ab in frische, neue Erde.

Wenn eine Pflanze also über sich hinauswachsen will, das aber nicht kann, weil der Topf zu klein ist, dann passiert Folgendes: Sie überlebt, aber vegetiert mehr vor sich hin. Lasst euch nicht täuschen – sie kann sogar recht gesund und hübsch aussehen. Aber wachsen, das tut sie nicht mehr. Sie produziert keine neuen Blätter, macht keine Blüten und mag eigentlich auch nicht mehr wirklich weitertun. Sie hat einfach keinen Platz mehr in ihrem Topf.

Und was hat das jetzt mit dem Leben zu tun? Na, gibts schon irgendwelche Mutmaßungen?

Als ich bei einer meiner Pflanzen-Fortbildungssessions von dieser root-boundness gehört habe, kam bei mir sofort diese wunderbare Lebensmetapher in den Sinn: Wir leben in einem System/Alltag/Leben, der diesem Topf gleicht. Er ist zwar groß, aber vielleicht einfach oftmals nicht groß genug. Und unsere Wurzeln (die unsere Gedanken, Ideen, Visionen – ja sogar unsere Lebensgestaltung sein könnten) passen sich diesem Topf an. Sie gehen nur an dessen Grenze, doch können nicht darüber hinaus. Wollen tun sie das vielleicht schon, aber sie schaffen es einfach nicht.

Und so machen und leben wir weiter, weil über-leben tun wir ja. Aber unsere Wurzeln, die haben eigentlich irgendwann keinen Platz mehr. Und wir wachsen auch nicht wirklich weiter, bilden keine neuen Blätter (Verwirklichungen, Herzensprojekte,…) und meinen noch, dass das alles gewesen sei.

Wenn wir uns aber aus diesem Topf heraustrauen, unseren Wurzeln ein bisschen Freiheit geben und uns nach einem größeren und passenderen Topf (oder ganz wild: einem großen Garten!) umschauen, kann das zu vielen schönen Dingen führen: Wir haben wieder Platz für neue Ideen, wir können uns ausbreiten, endlich wieder genügend Nahrung (in diesem Fall eher geistige…) aufnehmen und vielleicht kann dieses Platzmachen sogar Früchte tragen.

Denn erst, wenn wir diesen zu kleinen Topf verlassen, geben wir unseren Wurzeln ein bisschen mehr Raum und können diese in die unterschiedlichsten Richtungen ausstrecken. Und das ist der Moment, in dem wir (über uns selbst hinaus) wachsen.

Pflanzenmetaphern. Was für eine wunderbare Sache!

achtsam · allgemein · selbstliebend

Das liebende Wir

Oh, sie ist sowas Schönes, diese Liebe. Sie ist so tief und so erfüllend und so warm und rundherum wohltuend.

Die Liebe. Und dieses Mal schreib ich nicht von der Liebe zum Leben oder zur Natur, zum Essen oder zum Reisen. Dieses Mal geht es um die Beziehungsliebe. Um die Liebe, die ich für meinen Mann empfinde. Für meinen Partner, für meinen Liebsten. Für meinen besten Freund und meinen Begleiter.

Ich bin so – auf Englisch passt dieses Wort für mich einfach besser – blessed. Gesegnet. Mit so einem wunderbaren Menschen an meiner Seite, in meinem Leben. Ich empfinde so eine tiefe Dankbarkeit, dass ich jeden Tag mit einem Menschen leben darf, der so weise ist. Der das Leben so versteht. Der sich das gute Leben aussucht. Ganz bewusst, jeden Tag. Der Dinge hinterfragt, die Welt verstehen will und der vor allem – und das wirklich vor all dem anderen – so ein gutes Herz hat. Der Dinge sagt und macht aus einem liebevollen Grund. Der Frauen-Menschen-Lebensrechte nicht erklärt bekommen braucht (Thema Abwaschen, weil Frau und so). Der mir fast jeden Tag eine neue Tür in eine Welt aufmacht, die ich bisher nicht kannte. Der mit seiner Kreativität, seiner Sicht auf die Dinge, mit seinem Gespür die richtigen Worte und Taten findet. Immer wieder.

Ich bin so gesegnet, so beschenkt, dass ich mich auf dieses Abenteuer mit ihm einlassen durfte. Ich darf durch ihn und mit ihm mein Leben von einer anderen, einer weiteren, einer breiteren Sicht erleben. Jeden Tag.

Wir machen uns das Leben schön, haben gemeinsame Visionen und Träume, Projekte für die Zukunft und versuchen, dem Alltag im Hier und Jetzt ein bisschen Gemütlichkeit und Licht zu verleihen.

Wir machen wahrhaft wunderbare Dinge, und das nicht nur im Urlaub. Wir nehmen das „gute“ Geschirr einfach so her, um uns ein königliches Frühstück zu zaubern. Wir machen Musik, singen gemeinsam und lachen dabei. Wir kochen gemeinsam und richten das Essen schön her. Wir reden über uns, wir reflektieren, wir sind ehrlich und wir teilen uns mit. Wir halten uns und geben uns Raum. Wir diskutieren, kommen auf Neues drauf und sind uns so nahe. Wir lieben uns. Und diese Liebe ist wahrhaft wunderschön.

Wie eine Liebeserklärung, wie sie dieser Text ist, in diesen Blog passt? Weil ich finde, dass so eine gesunde, liebevolle, tiefe, ehrliche Beziehung ganz (GANZ!) viel mit Selbstliebe zu tun hat. Mit Dankbarkeit, mit Fülle, mit Leichtigkeit, mit Kreativität, mit Erfüllung, mit Lebensgestaltung, mit Bewusstheit, mit Achtsamkeit und Glück.

Und weil ich finde, dass Liebeserklärungen an einen Menschen auch Liebeserklärungen an mich selbst und das Leben sind.

Ich wünsch euch ein Wir voller Liebe. Egal, mit wem.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Auf Biegen und (Zer)Brechen

Wir leben und machen und tun in unserer kleinen Welt und dann gibts da andere auch noch. Und damit wir mit den anderen zusammenleben können, brauchen wir sie und müssen einfach manchmal Kompromisse eingehen und uns aufeinander einstellen. Aber das ist eben gar nicht so einfach.

Oft ist es doch so, dass wir uns selbst vor lauter den-anderen-Rechtmachen vergessen. Dass wir vor lauter Herumflattern im starken Wind der Meinungen, Erwartungen und Einstellungen anderer ganz schwindelig werden. Dieses Rechtmachen, dieses nur noch für die anderen Sein und Tun, das ist nämlich ganz schön anstrengend.

Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich etwas mache, in der Annahme, die anderen erwarten das ja von mir. Und jetzt mach ich eigentlich eh schon so viele Dinge aus mir selbst heraus und ohne die Meinungen der anderen zu laut werden zu lassen. Und trotzdem. Dann kommt wieder ein Moment und statt das zu tun, was ich aus mir selbst heraus für richtig halte, bin ich eingeschüchtert, überfordert oder einfach hin- und hergerissen zwischen dem „eigentlich sollte ich“ und „aber ich würde gern…“.

Und ich frage mich, warum das so ist. Warum die vermeintlichen Meinungen der anderen immer wieder meine Pläne kreuzen. Warum ich mich da immer wieder verunsichern lasse? Zufriedenstellende Antworten habe ich da noch keine gefunden…

Ich hab da so ein Bild für mich gefunden, das mir hilft, wenn das Rechtmachen wieder mal Überhand gewinnt: Wenn ich versuche, immer das zu tun, was die anderen von mir erwarten oder wollen, dann muss ich mich in alle Richtungen biegen. Denn der Eine will das, die Andere das und eine Dritte will vielleicht wieder ganz etwas anderes von mir. Und so würd ich mich bei dem, was ich mache, biegen, biegen, biegen – und wahrscheinlich daran zerbrechen. Und das klingt nicht gesund.

Das alles ist eng mit Grenzen setzen, Klarheit (über die eigenen Bedürfnisse), Kommunikation, Selbstliebe, Mut und einer Portion nicht-zu-viel-Nachdenken verbunden. Und es ist wohl ein lebenslanger Lernprozess…

Denn rechtmachen ist nicht unbedingt richtig machen. Und das sollte ich mir irgendwo hinschreiben, damit ich öfters dran denke.

allgemein · nachhaltig · selbstliebend

Geregeltes Erwachsensein

Oft ist es so, dass sich meine Gedanken immer wieder um eine Sache drehen. Und dann nehme ich genau in dieser Zeit Dinge wahr, die genau das widerspiegeln oder zumindest auch damit zu tun haben.

Und so ist es mit folgender Frage, die ich in einer meiner liebsten Zeitschriften gelesen habe: Was würdest du deinem 12-jährigen Ich sagen?

Die Antworten prasseln nur so in mein Bewusstsein und ich frage mich, was das bei mir auslöst. Denn ich habe festgestellt, dass ich – je älter ich werde – immer weniger von außen auferlegte Regeln zum Leben brauche. Und dass das eine sehr angenehme Sache am Älterwerden ist.

Also lasst uns mal ganz von vorne beginnen. Was ich meinem 12-jährigen Ich sagen würde, ist, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie es im ersten Moment scheint. Weder so groß, noch so wichtig, noch so lebensverändernd. Und damit mein ich zum einen die Dinge, die ich mit 12 geglaubt habe, besitzen oder können zu müssen. Zum anderen aber auch die Tatsache, dass ein Pickel hier, ein blauer Fleck am Bein da und ein kleines Baucherl/roter Kopf/eine nicht so coole Hose/etc. nichts, aber schon gar nichts am Leben verändern wird.

Ich würde diesem jungen Ich sagen, dass es allen so geht. Egal, wie. Dass alle weinen und trauern, alle aufs Klo gehen müssen und alle mal schlechte Tage haben. Dass es zwar von außen oft nicht so ausschaut, aber dass alle eine (und noch viel, viel mehr) Geschichte(n) haben und dass wir nicht hineinschauen können, sondern mitfühlend mit uns und den anderen sein müssen.

Was ich meinem 12-jährigen Ich sagen würde, ist auch, dass alles so kommt, wie es passt. Auch, wenn wirs erst danach merken. Und dass es ganz wenige „Regeln“ braucht für ein gutes Leben.

Und so schließt sich der Kreis. Das ist es, was ich wahrnehme, wenn ich so ans Erwachsensein und Älterwerden denke: Ich brauch nicht mehr viele Regeln, keine Verbote oder enge Glaubenssätze mehr. Und das ist unheimlich befreiend!

Ich lebe so, wie ich gut leben kann. Ich lebe auch so, wie die anderen mit mir und um mich gut leben können. Ich lebe so frei und genügsam, so unkompliziert wie nur irgendwie möglich und ich habe Verständnis – für mich und für die anderen. Ich machs mir nicht unnütz schwer, ich weiß ja mittlerweile, was ich (nicht) mag. Ich brauch keine Regeln mehr von außen – weder von mir selbst, noch von der Gesellschaft oder den Leuten, die es auch nicht besser wissen.

Was ich meinem 12-jährigen Ich zusammenfassend sagen würde: Horch in dich hinein und lebe danach. Nicht nach Regeln, nicht nach Konventionen. Es ist dein Leben.

achtsam · allgemein · kreativ

Gar nicht so selbstverständlich

Ich habe über ein Wort nachgedacht. Eines, das wir ganz selbstverständlich verwenden und eines, das gar nicht so selbstverständlich ist. Das Wort, von dem ich schreibe, ist selbstverständlich „selbstverständlich“.

Ich habe fünf Hypothesen aufgestellt, die ich euch selbstverständlich präsentieren möchte!

Hypothese 1: Selbstverständlich ist gar nicht so selbst-verständlich.

Das Wort an sich sagt im Prinzip ja schon, dass es selbst verständlich ist. Also sich selbst erklärt, ohne erklärt werden zu müssen. Denn es wird einfach verstanden, aus sich selbst. Angeblich. Denn ist es wirklich so selbstverständlich, dieses Wort? Kann man es einfach so verstehen? Und was meint es denn eigentlich, dieses selbstverständlich?

Ich (und ich nehme an, auch einige mehr von uns) verwenden dieses Wort des Öfteren. Und habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Habt ihr es bisher eh immer verstanden oder ist dieser Gedanke auch neu für euch?

Hypothese 2: Ist und (noch schlimmer wird) etwas zu selbstverständlich, wirds gefährlich.

Etwas wird selbstverständlich? Das ist ein etwas gefährliches Pflaster. Denn wenn es selbstverständlich ist, ja vielleicht sogar zu selbstverständlich – kann es dann noch als besonders oder wertvoll eingestuft werden? Dass wir atmen ist selbst-verständlich. Sonst wären wir nicht mehr hier. Dass wir lieben und geliebt werden, ist auch selbstverständlich? Eigentlich ja schön. Eigentlich. Denn wenns zu selbst-verständlich wird, dann kann das dazu führen, dass es weder reflektiert, noch dankbar angenommen wird. Denn auch, wenn ich es jeder und jedem wünsche, selbst-verständlich liebevolle Beziehungen zu führen und zu haben, glaub ich, dass eine Verselbstverständlichung eher zum Abflauen einer Beziehung beiträgt, als zu ihrem Gegenteil.

Hypothese 3: Wenns weg ist, dann ists auf einmal nicht mehr selbstverständlich.

Klingt kompliziert? Wie wärs mit dem Beispiel: Wir merken oft, wenn etwas weg ist, dass es bis zu diesem Moment selbstverständlich war. Zum Beispiel die Gesundheit. Ich hab mir vor ein paar Tagen beim Nacken etwas verrissen und bis dahin war es für mich vollkommen selbstverständlich, dass ich mich frei und vor allem schmerzfrei bewegen kann. Und dann eine so vergleichbar minikleine Sache – und BUMM – die Selbstverständlichkeit ist verflogen. Und mit jedem Tag der Besserung stellte sich bei mir auch mehr Dankbarkeit ein, dass dieses Warnsignal vom Körper nur kurz vorgekommen ist. Vergleichbar ist diese Situation auch mit Liebeskummer oder dem banalen Beispiel, dass wir im Urlaub plötzlich das Wasser aus der Leitung nicht mehr einfach so trinken können.

Hypothese 4: Immer alles nicht selbstverständlich nehmen, ist auch nicht die Lösung.

Wenn ich jeden Moment, jeden Schritt, jeden Schluck Wasser, jeden Atemzug und jede Begegnung mit jedem Menschen immer als nicht selbstverständlich einstufe, dann wirds etwas kompliziert. Und vor allem anstrengend. Manche Sachen dürfen gerne automatisiert sein. Aber vielleicht immer mit einer Prise Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und dem Bewusstsein, dass es auch anders sein könnte. Also: Immer wieder mal innehalten und mehr Dinge (Menschen, Situationen,…) weniger selbstverständlich sehen.

Hypothese 5: Wenn man über ein Wort ganz viel nachdenkt, ist es plötzlich nicht mehr so selbst-verständlich…

Gibt es von euch Hypothesen, die (nicht) selbstverständlich sind? Teilt sie gerne mit mir! Denn ich kann selbstverständlich nicht an alles denken! Ich freue mich!

allgemein · nachhaltig · pädagogisch

Meine Lehrmeisterin, die Karotte

Lernen. Das hab ich immer schon gern gemacht. In der Schule und daheim, am Morgen und am Abend. Ich war eine von denen, die die Zusatzaufgaben immer gemacht haben – nicht unbedingt, weil es darauf ein Plus gab, sondern einfach, weil ich es mochte, seitenweise Rechnungen, neue Wörter und Vokabel aufzuschreiben und zu lernen. Weil ich das Gefühl mochte und immer noch so gerne mag, wenn sich was tut in meinem Kopf. Immer noch liebe ich es, Umfragen auszufüllen oder etwas zu lesen und danach Fragen zu beantworten. Ja, ich bin eine von denen.

Und so hab ich meine Aufgaben immer schön gemacht, hatte sogar Freude dabei und dann bin ich im Leben angekommen und merke, dass es nicht mehr viele solcher Schul-/Universitäts-/Prüfungssituationen gibt. Wie oft gibt es eine und nur eine Antwort? Bei der Millionenshow? Ja, da schon. Komm ich aber auch selten in die Mitte. Im Beruf? Eine Antwort und die anderen sind falsch? Auch da nicht wirklich. Im Alltag? Beim Kochen und Garteln? Oh, nein. Da gibt es hunderte von Herangehensweisen, hunderte Richtigs und ein paar „Beim-nächsten-Mal-werd-ichs-anders-machen“. Denn das ist es, dieses echte Lernen.

Diese Erkenntnis ist weder neu, noch unbekannt. Und ich glaub auch, dass sie jede und auch jeder von euch bereits erfahren hat.

Wie ihr bereits wisst, spielt sich mein Leben grad viel im Garten ab. Und wie beim letzten Text geschrieben, komm ich da immer wieder auf neue Sachen drauf. Und so kam auch die Idee zu diesem Text. Denn ich lerne gerade so viel, bin am Anfang und mitten drin in meiner Gartenlernreise. Und dieses Lernen ist ganz ein anderes, als das in der Schule (Uni,…). Ich probiere etwas Neues aus – in meinem Fall hab ich Karottensamen eingesetzt – und merke, dass ich zwar schon tausende von Karotten gekauft und gegessen habe, aber dass ich noch nie den Wachstumsprozess gesehen habe. Weder die Samen konnte ich zuordnen, noch konnte ich die Tatsache voraussagen, dass aus vielen, vielen Samen viele, viele Pflänzchen werden. Und so hab ich munter Samenkörner in die Erde gestreut, um dann ein paar Wochen später zu sehen, dass sie alle zu wachsen begonnen hatten.

Und was ich dann beim stundenlangen Auseinandersetzen und Platzmachen für jedes einzelne Karöttchen auch noch gelernt habe, ist, dass ich das beim nächsten Mal wohl anders machen werde. Weil es sicher andere (weniger zeitintensive) Wege gibt, um zum Ziel zu kommen. Und dieses Lernen ist so vielschichtig, so tiefgehend, ich sags euch.

Seit ich mich so intensiv mit unserem Garten befasse, möchte ich auch alles darüber wissen. Es reicht mir nicht, eine Sache zu tun und sie dann so zu belassen. Ich möchte wissen, warum die ersten Blätter bei einer Karottenpflanze anders ausschauen, als die anderen. Ich möchte wissen, welche Pflanzen sich gegenseitig rundherum helfen können. Ich möchte wissen, wann und wie viel und warum und wo einzelne Pflanzen gut wachsen. Und dann lese ich darüber, schaue mir Videos dazu an, frage Menschen, die es wissen könnten, probiere aus, warte und lerne dabei.

Dieses echte Lernen, dieses Lebenslernen, ist so belohnend. Ich weiß nicht, wie ich dieses Wort anders ausdrücken könnte. Der Lohn dafür ist nämlich weder ein Lob (noch ein Sternderl oder Pickerl oder Plus…) von jemandem, sondern es ist dieses tiefe innere Wohlgefühl, etwas für mich, für meine und die große Welt, getan zu haben. Und dieses praktische und theoretische, dieses Hand-Herz-Kopf-Lernen, dieses learning-by-doing, dieses aus-Fehlern-Lernen, dieses Prozess-statt-Produktorientiertierung, dieses sinnvolle, sinnhafte und sinnliche Lernen, das ist für mich das Lebenslernen.

Das hat mir meine Lehrmeisterin, die Karotte, in den letzten Wochen ausführlich und eingehend gezeigt. Und ich kanns kaum erwarten, bis ich wieder etwas Neues lernen kann. Bis ich wieder auf etwas draufkomme, wieder sehe, dass etwas so oder so (nicht) funktioniert und bis ich ein nächstes Mal freudestrahlend sagen kann: Das hab ich vorher noch nicht gewusst!