achtsam · kreativ · selbstliebend

Nackt machen

Mich nackt machen
mich ausziehen
vor dir.

Komplett nackt machen
nicht den Körper
aber die Seele.

Mich nackt machen
und berührbar
ja angreifbar
verletzlich.

Mich ausziehen
vor mir selbst
und vor dir
für uns.

So nahe kann ich sein
wenn ich aufmache
mich öffne
mich preisgebe
So nahe können wir sein.

Mich nackt machen
vor dir
heißt auch
dass es gefährlich werden könnte
dass es zu nahe sein könnte
dass du
dass ich
das, was wir nackt machen
gegeneinander verwenden.

Doch
wenn wir vertrauen
und ich vertraue dir
dann wird das nicht passieren.

Mich nackt machen
verletzlich
und klein
vor dir
macht mich groß
macht dich groß
macht uns größer.

Bringt uns zusammen.

Eine Ode ans Ausziehen voreinander. Für mehr Nähe, für mehr Vertrauen, für mehr offene Gefühle. Voreinander und füreinander.

achtsam · allgemein · kreativ

Vorbereitung auf die Zukunft

Diese Sache, die wir Kindern in der Schule und Schwangeren im Kurs mitgeben wollen. Diese Sache, an die wir uns vor Prüfungen und Tests klammern. Diese Sache, von der wir meinen, sie zu kontrollieren, sie zu bestimmen, um dann draufzukommen, dass doch alles ganz anders ist. Und sein wird.

Die Vorbereitung. Vor allem die auf die Zukunft.

Natürlich gibt Vorbereitung eine Art von Sicherheit, etwas zum Festhalten, etwas, das uns für Dinge, die wir noch nicht kennen oder wissen, bereit machen soll. Irgendwie sogar.

Und oft frag ich mich, worauf wir uns denn vorbereiten, also wofür wir uns bereit machen? Und ob das Vor-bereiten nicht dem jetzigen Moment manchmal die Show stiehlt. Ich frage mich, warum wir glauben, dass wir wissen, was kommt. Und ich frage mich, ob es das Vorbereiten in dem Sinne nur gibt, damit das, was kommt, irgendwie in unserer Kontrolle bleibt (was es dann meistens eh nicht tut…).

Die Zukunft ist ja dann noch ein weiteres Fass, das wir aufmachen, mit der Annahme, dass wir uns auf die Vorbereiten können. Zukunft. Das, was auf uns zukommt. Das, das kommt – mit oder ohne Plan, mit oder ohne Vorbereitung.

In der Zeit, in der ich mit (jungen) Kindern gearbeitet habe, habe ich mir diese Frage ganz oft gestellt: Worauf sollen wir die nächste Generation vorbereiten? Die Antworten habe ich nicht gefunden. Denn: Woher soll ich wissen, was kommt? In 10, 20, 30 Jahren? Und will ich denn – mit meinem kleinen Wissen und meiner kleinen Erfahrung – andere Wesen auf etwas vorbereiten, das ich annehme, dass es eintrifft? Eine weitere Frage, die sich bei mir da immer wieder auftut, ist auch: Will ich so tun, als würde alles so weiterlaufen, wie bisher und bereite mich und die anderen auf das vor, das dann vielleicht eh nicht kommt? Oder zumindest ganz anders? Oder ganz gewagt: hoffentlich ganz anders…?

Die Vorbereitung auf die Zukunft.

Ich mag es, Dinge von der anderen Seite zu betrachten. Ich mag es, Wörter und Ausdrücke zu hinterfragen und sie in einem neuen Licht neu zu denken.

Die Vorbereitung auf die Zukunft sind zwei so Konzepte, die mich im Moment immer wieder umgeben und die ich weiterhin versuchen werde, mit dem nötigen Abstand zu betrachten.

Ob wir bereit sind, werden wir erst sehen, wenn die Sachen eintreffen. Und was die Zukunft so bringt, das kommt noch früh genug auf. Wichtig ist jedenfalls, dem Vorausdenken und -planen nicht die ganze Aufmerksamkeit zu schenken, denn sonst sind wir vor allem eins nicht: bereit für den Moment, der gerade stattfindet.

achtsam · reisend · selbstliebend

Ungeteilt.

Eine Tasse.

Der Geruch. Das Innehalten. Das Zelebrieren. Der erste Schluck. Erfüllung des Mundes und Herzens. Heiß rinnt es den Hals hinunter. Beim Schlucken bleibt der Geschmack im Mund zurück. Mehr als das, mehr als ein Geschmack, vielfältige Geschmacksnoten. Wohlig, vollmundig, reich. Weitere Schlücke, langsam, mit den Augen zu und dem Herzen weit offen.

Ein Stück.

Das Aussehen. Die Farben und Texturen. Der Duft und die Vorfreude. Zum Heineinbeißen gut. Der erste Bissen. Zart schmelzend, kalt und warm. Cremig und krümelig. Den Mund erfüllend, die Zunge versucht alles zu schmecken, das sie schmecken kann. Ein Seufzer der Freude. Weitere Bissen, bewusst und freudig.

Ein Kuss.

Die Nähe. Die Sicherheit. Dieses Gefühl, dass es nichts anderes gibt, in diesem Moment. Die Blicke treffen sich, dann die Lippen. Vertraut und verbunden. Die Gedanken sind ruhig, das Herz ist es auch. Berührend, im Gesicht und im Gefühl.

Eine Stimmung.

Das Licht. Die Farben. Die Welt hält an. Es ist, als wären die Augen größer und könnten noch klarer, schärfer und weiter sehen. Ein Stillsein und gleichzeitiges Übergehen vor Freude und Demut. Ein Sattsehen scheint kaum möglich. Alles aufnehmen, Teil von mir machen.

Was ich da schreibe, sind Momente der vollkommenen Achtsamkeit. Der Hingabe, der ungeteilten Aufmerksamkeit. Diese Momente bekommen den ganzen Raum, die gesamte Bühne. Sie sind nicht lange, dauern oft wenige Sekunden. Sie sind rar und kostbar. Sie machen lebendig und das Leben aus.

Sie kommen vor, wenn wir sie vorkommen lassen. Sie können aus allem entstehen, in allem gedeihen und jeden Moment, der so gelebt wird, auf eine neue Stufe heben. Sie sind der Inbegriff vom Leben im Moment. Und sie tun dem Herzen und dem Gemüt wahrlich gut.

achtsam · allgemein · nachhaltig

Meine eigene Stille

In den letzten Jahren bin ich ruhiger geworden. In vielen Hinsichten. Ruhiger im Tun und ruhiger im Sein. Ruhend, in mir und dem, was gerade ist. Nicht immer, nicht überall. Doch im Gesamten.

Ich habe gelernt, dass ich viel öfter zuhören muss, um die Sache besser zu verstehen. Dass es ganz oft nicht um meine Meinung, meine Ideen oder meine Ratschläge zur erzählten Situation geht. Dass ich zuhöre und trotzdem nur einen kleinen Teil dessen verstehe, was wirklich los ist. Auch das habe ich gelernt. Oder besser gesagt: Lerne ich immer wieder.

Ich lerne immer noch, diese Stille zu genießen. Meine eigene Stille. Ich lerne immer noch, auf Fragen zu antworten und nicht auf Aussagen. Ich lerne immer noch, dass ein Zuhören kein Antworten impliziert. Dass mein Stillsein nicht Nichts ist.

Wie laut ich manchmal war, denk ich mir heute. Wie oft ich gemeint habe, zu wissen und zu verstehen – doch eigentlich lieber mich selbst reden hören wollte. Und wie wichtig das für mich war. Ist es auch heute noch, in manchen Momenten. Doch immer wieder und immer mehr merke ich, dass ich ruhiger werde und mich und meine Ideen zurückhalten kann – und sollte.

Natürlich schreibe ich an dieser Stelle von mir und meinen Ideen. Doch in der Welt da draußen versuche ich, mehr darauf zu hören, was gesagt wird. Anstatt, was ich hören möchte. Ich versuche, zu differenzieren, was mir mein Gegenüber mitteilt und was das Gesagte dann mit mir macht. Denn das sind immer zwei Welten, zwei Sichten, zwei Paar Schuhe.

Und wenn ich ruhig(er) bin, dann kann ich auch besser zuhören. Wenn ich meine eigene Stille aushalte, lerne ich nicht nur über die anderen, ich erfahre viel über mich selbst. Warum es mich manchmal fast zerreißt und ich trotzdem nichts dazu sagen sollte. Warum es Dinge gibt, die man selbst verstehen muss und es auch nichts bringt, wenn ich meine Sicht dazugebe. Warum ungefragter Rat in alle Richtungen, außer in die der Hilfestellung, losschießt. All das lerne ich, wenn ich meine eigene Stille zulasse.

Und diese Stille ist in vielen Momenten angebracht. Und in manchen nicht. In manchen muss man laut sein und dem eigenen Pathos nachgeben. Doch in vielen, vielen Situationen da hilft es mehr, zuerst einmal zuzuhören und genauer hinzuschauen und hinzuhören, um vielleicht wie durch ein Guckloch das große ganze Bild erkennen zu können.

Inspiriert wurde ich vom Buch “Pathos” von Solmaz Khorsand. Immer wieder wichtig, aus dem eigenen Gedankenkarussell auszusteigen.

Die eigene Stille muss man erst mal aushalten. … sagte sie und schrieb für die Öffentlichkeit … Ha.

achtsam · allgemein · nachhaltig

Diese Momente sind es

Wenn wir so nebeneinander her leben, uns in Gesprächen nicht zuhören. Wenn du sprichst und ich bereits an den nächsten Schritt, die nächste Sache denke. Wenn ich spreche und du am Handy bist und wir uns nicht einmal anschauen. Diese Momente sind es nicht.

Wenn wir geschäftig sind und beide unsere eigenen Sachen zu tun haben, dazwischen kurz essen, am Abend kurz fernsehen. Gemeinsam zwar, aber nicht wirklich beisammen. Diese Momente sind es nicht.

Wenn wir beide müde sind, fertig von all den Dingen, die das Leben so bringt. Wenn wir erschöpft sind und über unsere Belastbarkeit hinaus handeln. Und uns anschauen, aber nicht sehen. Diese Momente sind es nicht.

Wenn wir aber merken, dass wir stoppen müssen – egal, was wir tun. Weil wir uns schon zu lange nicht wirklich umarmt haben. Weil wir schon viel zu lange kein Gespräch geführt haben und viel zu oft andere Dinge wichtiger werden lassen haben. Wenn wir also stoppen und die Handys weglegen, den Computer, die Arbeit, den Kopf ausschalten, den Fernseher nicht einmal in Betracht ziehen. Wenn wir uns dann also endlich sehen und uns füreinander interessieren, uns einlassen, uns ansehen und wirklich sehen dabei. Dann sind es diese Momente.

Wenn wir die To-Do-Listen professionell ignorieren, die Küche unaufgeräumt lassen und die Türe für alles von außen Kommende verschließen. Dann gibt es nur uns zwei. Und diese Momente sind es.

Wenn wir unser liebstes Spiel spielen, wie auch immer dieses aussehen mag. Heute war es Lego. Letztens gemeinsam singen. Ein anderes Mal wieder etwas ganz Besonderes kochen – gemeinsam. Wenn wir uns zuhören, ganz nahe sind und diese Nähe sich in vielen Facetten äußert. Diese Momente sind es.

Wenn wir in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen, uns unsere gemeinsame Zukunft ausmalen und uns im gemeinsamen Gegenwartsmoment darüber und darauf freuen. Diese Momente sind es.

Diese Momente sind es, die uns ausmachen. Die uns beisammen und zusammen bleiben und wachsen lassen. Die unseren Alltag unterbrechen und uns zeigen, was wir füreinander sind. Diese Momente können Momente bleiben, können Minuten, Stunden, Tage werden. Und diese Momente, die dürfen wir nicht vergessen.

Die anderen Momente sind wichtig, das Alleinesein, das Tun, das Schaffen. Doch im Gemeinsamen sind die anderen Momente kostbarer. Und im Leben sind es wohl diese Momente, auf die wir zurückschauen, die uns Kraft geben und auffangen.

So, wie du das jeden Tag machst. Denn diese Momente, daran erinnerst du mich immer immer wieder, sind es, die uns zu uns machen.

allgemein · kreativ · nachhaltig

Über zwei Spielerinnen im selben Spiel

Es gibt zwei Spielerinnen im selben Spiel –
sie haben wenig miteinander zu tun und doch so viel.
Die eine gibt und träumt und schafft,
während der andere nimmt und nicht viel macht.

Die eine geht nach außen und hat viele Formen,
der andere geht nach innen, überkommt wenig Normen.
Beide sind wichtig und schön und gut,
doch vor dem anderen, seid auf der Hut.

Die zwei Spielerinnen, das sei gesagt,
wären ohne einander bestimmt oft verzagt.
Mehr braucht der andere die eine bestimmt,
doch ohne einander hätt es auch nicht gestimmt.

Wenn ich so nachdenke, dann kommt mir vor,
die eine kann warten und schaut leise empor,
während der andere oft schreit und sich behaupten muss,
viel zu viel gibt es schon von ihm, das ist ein Verdruss.

Welche Teile im selben Spiel ich meine?
Das sei gesagt: Kreation ist die eine.
Die, die gibt und schafft und zeigt.
Die, die warten kann und die, die bleibt.

Und die andere Seite dieser Gleichung,
lebt ganz leicht auch ohne unser Zutun.
Gerade im Moment betreiben wir sie zu viel,
und so macht es bald nicht mehr Freude, dieses Spiel.

Der Kreation gegenüber steht ganz klar
der Konsum auf seiner Seite da.
Doch vergehend und manchmal leer wie der Rauch,
verhält es sich leider auch mit dem Verbrauch.

Nun können wir viele Dinge konsumieren,
doch wenn wir Ware, Nahrung, Mittel, Kunst kreieren,
anstatt es zu verbrauchen,
dann werden wir merken, wie viel wir wirklich brauchen.

Ich hab den Konsum als etwas Schlechtes dargestellt,
doch fürcht ich, so gehts nicht nur mir in der Welt.
Viel zu viel wird verbraucht und verschwendet,
und wenn man sich wieder mehr der Kreation zuwendet,
können schöne Sachen entstehen
und die zu füllende Leere und Frust vergehen.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Mein Rhythmus

Ich hab mal wieder über etwas länger nachgedacht. Und wenn das der Fall ist, dann mag ich es, meine Gedanken in Worte zu fassen und sie zu teilen.

Mein heutiger Gedanke dreht sich um den Rhythmus. Genauer gesagt nicht um irgendeinen, sondern meinen eigenen. Wie ich dazu gekommen bin, darüber nachzudenken? Weil das Wort so lustig mit zwei Hs geschrieben ist und es alleine deshalb schon gut ist, darüber nachzudenken.

Doch das ist nicht der einzige Grund – nein, nein. Ich hatte ein Gespräch mit einer lieben Freundin und wie das so ist, sind wir auf viele Themen gekommen, die uns beschäftigen. Eines davon war – na, könnt ihr es schon erraten? Der Rhythmus. Der eigene, ja ureigene (Bio)Rhythmus, den wir alle in uns tragen.

Und dann hab ich mir meine Gedanken gemacht und mich gefreut, dass ich im Moment so sehr nach meinem eigenen Rhythmus leben kann. Denn es ist nicht selbstverständlich und ach, ich kenne ganz andere Momente in meinem Leben, in denen das absolut nicht möglich war.

Unser Rhythmus kommt zwar von uns selbst, von ganz tief drinnen. Aber danach zu leben, ist nicht immer so einfach. Da sind die Welt und das Wetter, die Arbeit und die Gesellschaft. Die Zeit und das Geld, die Familie und der Stress, etwas leisten zu müssen. Viele Dinge beeinflussen unseren Rhythmus und ehe wir uns versehen, ticken wir schon im Takt mit komplett anderen Rhythmen. Wenn wir das machen, können wir uns natürlich an manches gewöhnen. Und das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes. Doch wenn wir immer gegen unsere Natur ankämpfen, befürchte ich, dass wir irgendwann müde werden, ausgelaugt und antriebslos. Wenn wir immer wieder und immer mehr die Dinge im Rhythmus der anderen tun, ja dann bleibt ja gar keine Zeit zum Hineinhorchen und Nachschauen, ob in uns alles in Ordnung ist.

Jedenfalls denk ich so vor mich hin und sehe schon wieder einmal all die Privilegien vor mir hin- und herhüpfen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass ich im Moment dann aufwachen und aufstehen darf, wann es für meinen Rhythmus passt. Dass ich in die frische Luft gehe und mich bewege, wann es für mich passt. Dass ich esse, wenn ich Hunger habe. Und dass ich schlafe, wenn ich müde bin. Dass ich kreativ bin und arbeite, wenn mir danach ist und dass ich mich mit mir selbst beschäftige, wenn es für mich passt. All das ist nicht selbstverständlich und gerade deshalb so ein riesengroßes Geschenk.

Ich glaube, wenn wir mit unserem Rhythmus synchronisiert sind, fällt einiges auch leichter. Ob das für uns möglich ist und wie dieser Rhythmus ausschaut, kann natürlich jede und jeder nur selbst wissen. Doch eines sag ich euch: Es zahlt sich aus, zurückzuschalten, hineinzuhorchen und das ganze Drumherum mal stummzuschalten, um den eigenen Rhythmus wieder etwas besser zu hören – und ihm vielleicht auch wieder mehr folgen zu können.

achtsam · kreativ · reisend

Wenn die Ideen das Nest verlassen

Diese Ideen, die sich seit Monaten (manche seit Jahren!) in meinem Kopf herumtreiben, sie haben es geschafft. Sie haben das Nest verlassen.

War das ein wunderschöner Moment! Ein stolzerfüllter, glücklicher, rotebäckchenhabender, zitternder, aufregender, ganz warmer Moment. Im Grunde genommen haben in den letzten Tagen sogar gleich mehrere Ideenbabies das Nest verlassen. Jetzt flattern sie nicht mehr nur in meinem Kopf (und in dem von ein paar ausgewählten, ganz lieben Menschen) herum, sondern ihre Reise geht hinaus in die Welt.

Lange habe ich sie aufgezogen, genährt, mich um sie gekümmert und gesorgt – doch jetzt war der Moment da und sie durften raus. Leicht war das nicht immer, besonders weil solche kreativen Ideenvogerl Zeit und Liebe und Muße und die richtigen Menschen um sich brauchen. Weil sie, wenn die Federn noch nicht fertig gewachsen sind, manchmal noch zitternd vor mir stehen und nicht so recht wissen, wohin sie wollen. Weil der Wind stark sein kann und die Reise lange.

Ich musste ganz oft aufhören und wieder anfangen, umdenken und neumachen. Musste mich trauen, musste an mich glauben und vertrauen, dass sie schon wachsen, diese kleinen Ideengestalten.

Und ja, jetzt sind sie mal in der Welt. Sie werden zurückgeflogen kommen, das muss so sein. Fertig sind sie noch nicht, nicht alle. Aber ihre Flugroute kann ich gerade nicht bestimmen, den Wind kann ich nicht ändern und auch nicht die Hindernisse, die ihnen in den Weg kommen.

Doch ich hab sie vorbereitet, hab sie mit dem Besten, das sie brauchen und ich geben konnte, ausgestattet. Und das muss jetzt erst mal reichen.

Ich bin ja gespannt, was sie zu erzählen haben, wenn sie zurückkommen. Wen sie getroffen haben werden und wie wir gemeinsam weitermachen wollen und können und werden.

Auf bald, ihr lieben Ideen. Ich freu mich auf eure Rückkehr – und lass euch jetzt mal Zeit zum Entdecken und Fliegen!

(Was es mit der Geheimnistuerei auf sich hat? Naja, irgendwann werd ich euchs schon zwitschern, woran ich da so dahinwerkle – mit Schreiben und Büchern und Kunst hats jedenfalls zu tun, Überraschung, Überraschung!)

achtsam · kreativ · reisend

Das E-Bike, ein Gedicht

Ich liebe mein E-Bike und auf allen Wegen
kommt es mir viel mehr als nur gelegen.
Denn dieses Rad, es bringt mich weiter,
macht mich froh und macht mich heiter.

Es zeigt mir, wie leicht es ist, mich zu bewegen,
es zeigt mir, wie schön es ist, Wege zurückzulegen.
Es lehrt mich Leichtigkeit und Hochgenuss,
vertreibt die Schwere und den Verdruss.

Mein Rad, es lässt mich schweben
und ohne zu überlegen,
fahre ich weit und fast jeden Tag
und wer sich jetzt noch fragen mag,
was dann los ist mit Sport und Schinden,
naja, für mich ist es kein Überwinden.

Ich habe gelernt, dass es leicht sein kann
und wo fange ich jetzt am besten an?
Dass ich mich bewege für mich und meinen Körper
und auch einfach vom Draußensein werde ich stärker.

Dass ich es im Moment nicht brauch –
und das gilt für andere Bereiche auch – 
dass es schwer geht und nur mit Schwitzen
auf meinen Zahlen, Höhenmetern oder Zeiten zu sitzen.
Das ist nichts für mich,
macht mich nicht mehr glücklich.

Und manchmal frag ich mich, für wen wollte ich sie machen,
all die besseren, die schnelleren, die höheren Sachen?
Ob es nicht genug ist, mich selbst gut zu fühlen,
ohne mich oder die anderen dabei anzulügen?
Das scheint ein großes Wort zu sein,
doch für mich war es einfach oft Schein statt Sein.

Und um jetzt wieder zurückzufinden,
möchte ich niemandem hier den Sport unterbinden.
Sportlich sein ist schön und gut,
nur ich zieh nicht mehr gleich vor jemanden den Hut,
der oder die etwas Großes geschafft,
und sich damit fast kaputt gemacht.
Denn für mich ist Stärke auch die Ruhe zum Innehalten,
das Helfenlassen und Stoppen und Motor einschalten.

Dieser Text übers E-Bike ist fast eskaliert,
doch hab ich mit diesem Rad erst kapiert,
dass ich mich bewege, damits mir gut geht
und dabei hilft mir dieses Gerät.

Denn es bringt mich an schöne Orte, lässt mich fliegen,
der Ehrgeiz bleibt im wahrsten Sinne auf der Strecke liegen.
Denn nur, weils hart war, ists nicht auch gleich gut,
und so befind ich mich auf der Hut,
mit solchen Gedanken und machs mir lieber fein,
lade Leichtigkeit und Genuss zu mir aufs Rad ein. 

achtsam · selbstliebend · weiblich

So nahe.

Wir sind uns so nahe.

Ich sitze neben ihr, vor uns ihr neugeborenes Kind und zwischen uns steht nichts, gar nichts. Der Raum ist warm, die Luft ist rein und unsere Worte sind es auch.

Wir sind uns so nahe.

Kennen uns seit immer, teilen einen großen Teil unserer Familie, haben vieles gemeinsam erlebt. Und sie sitzt vor mir, so selbstbewusst, so klar, so in sich ruhend. Ihr Kind ist wunderschön, anders könnte es gar nicht sein. Sie ist wunderschön, von innen und von außen.

Wir sind uns so nahe.

Reden über die tief-, so tiefliegenden Schichten unserer Gefühle. Über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart, unsere Zukunft. Über Hoffnungen und über Menschen. Wir reden über das Zuhören und hören einander gleichzeitig so aufmerksam zu.

So nahe sind wir uns.

Wir zerlegen die Welt, unsere kleinen Welten und stellen fest, dass wir uns so viel wünschen – für uns und ihr Neugeborenes. Dass wir irgendwie wissen, dass es gut ist und wird und sein soll. Auch darüber sprechen wir.

So nahe fühle ich mich.

Wir sind da, füreinander. Und zeigen uns das auch. Es tut im Herzen gut, bei ihr zu sein. Ich schaue ihr Neugeborenes an und bin so stolz auf sie. Auf alles, was sie gemacht und geschafft hat. Es ist, als hätte ich es erlebt, nur anders.

Wir sind uns so nahe.

Das waren wir immer, irgendwie. Und das werden wir immer sein, irgendwie.

So nahe.

Eine wunderschöne Nähe, die ich hier beschreibe. Eine Nähe, die nährt und stärkt und Kraft schenkt und so klar und echt ist. Solche Momente, Beziehungen und Freundschaften wünsche ich uns allen.