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Diese Stille

Es gibt sie nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille. Diese Stille, die alle Geräusche in sich aufnimmt und sie behutsam umarmt. Diese Stille, die sich so weit und groß und umhüllend anfühlt. Diese Stille, die es nur jetzt gibt. Diese Stille, die eines meiner Lieblingsgeräusche ist.

Ich war gerade im Garten und hab sie gehört, diese Stille. Noch mehr hab ich sie gespürt, in mir und um mich herum. Diese Stille, bei der ich immer ganz ruhig und innehaltend und gleichzeitig aufgeregt und freudig werde. Denn diese Stille, die gibt es nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille, sie kommt, wenn es kalt ist. So kalt, dass man den Schnee schon riechen kann. Wenn die Welt um uns herum weiß ist. Nebelig oder beschneit. Diese Stille, die jeden Ton in sich aufnimmt und ihn nicht mehr hergibt. Diese Stille, die die stille Zeit des Jahres einläutet. Ganz still, aber nicht heimlich.

Ich bin ganz beglückt. Denn wenn ich diese Stille höre, dann macht das was mit mir. Ich bin auf einmal ganz ehrfürchtig, ganz klein und ganz – wie könnte es anders sein – still.

Ich liebe es, diese Stille hören zu können. Ich liebe es noch mehr, sie rund um mich zu spüren. Denn so, wie sie die Geräusche behutsam ruhig werden lässt, so legt sie sich auf mich und um mich und ich fühl mich irgendwie Teil dieser Stille.

Die Stille ist aber nicht nichts, nein. Sie ist alles. Die Stille ist nicht das weg-Sein von etwas, sie ist das da-Sein von etwas. Das ist ein großer Unterschied.

Was für ein umfassendes, erfüllendes Gefühl. Was für ein Glück, dass ich sie kennen darf, diese Stille. Denn es gibt sie nicht oft, aber jetzt ist sie da.

Wenn ihr genau hinhört, könnt ihr sie bestimmt auch hören. Genießt sie. Und nehmt sie in euch auf, so wie sie euch in sich aufnehmen wird.

(Ich habe diesen Text mitten in der Nacht geschrieben. Die Stille kommt auch tagsüber, ich habe sie gestern im Finsteren gehört. Was für ein weiches, warmes, ja – beruhigendes – Gefühl zum Schlafengehen.)

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Jetzt wirds ungemütlich

Ich zittere. Mir läuft es kalt über den Rücken. Mein Herz schlägt so laut, dass ich es hören kann. Ich habe Tränen in den Augen. Achtung. Es wird jetzt ungemütlich.

Was passiert ist? Nichts.
Was wirklich passiert ist? Zu viel.

Gerade habe ich den Film “I am Greta” angeschaut. Eine Dokumentation über Greta Thunberg, die Umweltaktivistin. Und gerade einmal wieder bin ich daran erinnert worden, wie schlimm es um unsere Erde steht. Wie schlimm es um die Menschen und Tiere, die Pflanzen und uns, ja uns – hier und jetzt – steht. Am liebsten würde ich schreien. SCHREIEN! DEN TEXT AUSSCHLIEßLICH IN SCHREIENDEN BUCHSTABEN SCHREIBEN. DENN ICH BIN WÜTEND. WÜTEND, ENTTÄUSCHT und ja, auch traurig.

Ich weiß, jede/r von uns hat irgendwas – irgendwas zum Sorgen machen, irgendwas zum Tragen, irgendwas zum Gedanken machen. Irgendwas anderes eben.

Lange, zu lange, hat mich dieses ganze Thema nicht berührt. Nicht genug. Lange, zu lange, habe ich gemeint, dass es ja nicht so schlimm wäre, wenn es ein paar weniger Pflanzen und Tiere gäbe. Wenn die Erde ein bisschen wärmer werden würde. Denn – was hat es schon mit mir zu tun? Was verändert es in meinem kleinen, gemütlichen Leben? Und vor allem: Was kann ich schon tun?

Und dann bin ich aufgewacht. Habe aufgemacht und habe mich berühren lassen. Und jetzt kann ich nicht mehr wegschauen. Jetzt kann ich nicht mehr vergessen und nein, ich kann auch nicht mehr schweigen.

Ich weiß nicht viel über den wissenschaftlichen Stand der Klimakrise. Und ich kann es auch nicht genau erklären, was passiert, wenn die Erde wärmer und die Tiere weniger werden. Aber ich habe etwas Grundsätzliches verstanden: Ich habe verstanden, dass meine Handlungen Auswirkungen haben. Ich habe verstanden, dass es einen Zusammenhang gibt – einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Klima, zwischen Kriegen und Naturkatastrophen, zwischen meinem kleinen Leben und dem, von all den anderen Menschen.

Was ich verstanden habe, ist, dass ich nicht mehr schweigen will – nein, kann! Dass das Gefühl von Ohnmacht ein sehr gefährliches ist und mich von der Veränderung abhält. Dass Aktion mehr bringt als Re-Aktion. Ich habe verstanden, dass alles verbunden ist. Dass wir nicht alleine sind. Dass diese Arroganz, die wir immer noch haben – von wegen “hier geboren und deshalb einfach mehr (Grund!)Rechte als der Rest” – in eine komplett falsche Richtung geht. Dass Freiheit und Reichtum Verantwortung bedeutet. Dass die Privilegien von Sicherheit, Bildung, Grundrechte etc. uns dazu auffordern, laut zu sein. Laut, ungemütlich, verändernd.

Und trotzdem wollen wir Menschen IMMER NOCH neue Autos, essen IMMER NOCH Unmengen an Fleisch, glauben IMMER NOCH NICHT daran, dass es auch unsere Verantwortung ist. Wie kann das sein? Ich verstehe es nicht. Diese Arroganz, diese Überheblichkeit, diese Ignoranz.

Ich zittere immer noch. Ich weiß, wir sind gerade in einer Krise. Und diese ist sehr offensichtlich. Dieses Virus hat aber auch mit all dem anderen zu tun.

Und was wir tun können? Was ich tun kann?

Mich zu allererst nicht mehr ausruhen auf meinem Privileg. Mich stark machen, mich informieren, aufstehen und nicht lockerlassen. Rassismus, Engstirnigkeit und Ignoranz nicht mit Meinungsfreiheit verwechseln. Zuhören und darüber reden. Aufklären und immer noch nicht lockerlassen.

Meine eigenen Gewohnheiten hinterfragen. Mich als Teil des großen Ganzen sehen. Nicht beim “Ich verwend eh schon ein Papiersackerl” aufhören. Dranbleiben. Informieren. Verändern.

Das klingt ungemütlich. Und ja, das ist es auch. Und ja, ich bin eigentlich die Königin der Gemütlichkeit. Aber in diesem Fall kann ich nicht gemütlich bleiben. Ich kann weder positiv bleiben, noch so tun, als wäre nichts. Es wird ungemütlich, wenn wir Wissen über nicht so schöne Tatsachen haben. Wenn wir draufkommen, dass wir dann auch nicht mehr wegschauen können. Wenn wir dann vielleicht auch noch etwas an unserer gemütlichen Routine ändern müssen.

Es wird ungemütlich? Pssst! Ich verrat euch etwas: Es ist schon ungemütlich, schon seit längerer Zeit…

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Grundlose Freude

Manchmal, da freu ich mich, weil die Sonne scheint. Manchmal, weil es gutes Essen gibt und manchmal, weil ich irgendjemandem weiterhelfen konnte. Schöne Gründe zum Freuen.

Und manchmal, da freu ich mich einfach so. Ohne Grund und meist auch ohne eine Erklärung dafür parat zu haben. Da überkommt es mich und ich reibe meine Hände aneinander (das mach ich, seit ich ein Kind bin, hab ich mir sagen lassen) und dieses warme Gefühl der Freude durchströmt mich. Ich hatte vorhin grad wieder so einen Moment und deshalb möcht ich diesen Zustand auch mal mit euch teilen.

Bei mir “passiert” diese grundlose Freude meist, wenn ich alleine bin und Zeit habe zum Nachdenken und zum Sein. Das muss gar nicht lange sein, denn diese Freude schwappt auf einmal und kommt sehr schnell. Ich sag es dann auch laut und ohne zu denken “Ma, i gfrei mi so!”. Und wenn sich dann mein Bewusstsein einschaltet, frag ich mich auch, warum und find natürlich auch Gründe. Aber – und darum solls hier gehen – es braucht für mich keinen spezifischen Grund, diese Freude, dieses Glück zu spüren.

Und das ist eine wahrhaft privilegierte und gesegnete Eigenschaft, die ich wohl teils mitbekommen, teils kultiviert habe.

Woran mich diese grundlose Freude aber auch erinnert, ist die andere Seite. Die des Rechtfertigen und Suchen von schlimmen Gründen, warum ich (man/wir) auch mal traurig, fertig, niedergeschlagen sein “darf”. Bin mir nicht ganz sicher, ob es verständlich ist, was ich da schreibe. Was ich meine, ist, dass es – genauso wie bei der Freude – auch mit der Trauer, der Enttäuschung, der Wut, dem Zorn, der Angst, der Niedergeschlagenheit, der Überforderung, der Unsicherheit etc. – vollkommen in Ordnung ist, diese Gefühlszustände mal zu fühlen und zu erleben. Ohne großes Erklären oder Rechtfertigen, ohne großes Verstehenmüssen oder Ignorieren. So, wie die Freude (die grundvoll und grundlos sein kann) existiert, so gibt es eben auch diese andere Seite.

Ich plädiere hier nicht für ein Nicht-Ernstnehmen der Gefühle. Nein! Vielmehr bin ich stark dafür, beide Seiten (oder eben alle Seiten, die halt kommen), sein zu lassen. Denn es muss nicht immer eine Erklärung geben. Wir müssen unsere Gefühle auch nicht immer verstehen (obwohl wir natürlich auch so gepolt und erzogen sind, dass wir beschreiben können sollen, was wir fühlen und dass es “gute” und “böse” Gefühle gibt etc. etc.). Manchmal macht es uns natürlich auch leichter, zu verstehen, was los ist. Aber – und hier komme ich zum Punkt – es ist auch ok, wenn wir einfach nur fühlen, ohne zu verstehen.

So. Und jetzt widme ich mich wieder meiner Freude, die immer wieder grundlos durch meine Zellen strömt.

Einen gefühlvollen Tag allerseits.

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Was ich gelernt habe

Wieder ein Jahr vorbei. Ein komisches, außergewöhnliches, kurz- und langweiliges Jahr. Wieder ein Jahr vorbei, wieder ein Jahr älter. Und so, wie jeden Tag ein Jahr vorbei ist im Vergleich zu diesem Tag im letzten Jahr (denkt mal drüber nach!), so sind Geburtstage ganz besonders besonders, weil ich da immer so genau dran denke, was denn in diesem Jahr passiert ist.

Es ist vieles passiert. Und es fühlt sich oft wenig an. Die Zeit ist ganz komisch vergangen, vom letzten November bis zum heurigen. Ganz viel ist passiert, in der Welt und in mir. Ganz viel hat sich geändert, ganz viel wird sich auch von diesem November bis zum nächsten wieder ändern.

Und ganz viel hab ich lernen dürfen.

Dass Veränderung die einzige, aber wirklich einzige!, Konstante ist. Alles ist im Fluss und wir steigen nie ins gleiche Wasser. Die Veränderung ist unsere Begleiterin, unsere Beschützerin, unsere das-Leben-schöner-Macherin. Das hab ich gelernt, zum Beispiel.

Dass Pflanzen wunderbare Anti-Stress und Pro-Achtsamkeitsexperten sind, das hab ich auch in diesem Jahr gelernt. Dass es stolz und froh und entspannt machen kann, den Pflänzlein beim Wachsen zuzuschauen.

Dass ich Fragezeichen machen kann, hinter alles. Und dass ich sie machen soll, diese Fragezeichen, wenn etwas zu sicher scheint. Denn dann, ja dann besonders, braucht dieses Etwas (diese Ansicht, diese Einstellung, diese verstaubte Meinung,…) wohl eine kleine Überarbeitung.

Dass nichts, aber schon gar nichts, selbstverständlich ist. Nein, nicht mal Atmen. Dass ich mich wirklich wirklich glücklich schätze kann, wenn es mir einigermaßen gut geht. Wenn ich einigermaßen gesund und meistens glücklich bin. Wenn ich immer irgendjemanden zum Reden und Sein habe, wenn ich meine Entscheidungen in Freiheit treffen kann. Dass ich mir dessen wirklich bewusst bin, dass nichts selbstverständlich ist, auch das habe ich immer wieder gelernt. Und leider bin ich auch von außen daran erinnert worden. Denn es sind Dinge passiert, die mich traurig, wütend, verängstigt und unsicher gemacht haben. Und es ist nicht selbstverständlich, dass ich immer wieder zu meiner zufriedenen Mitte zurückkomme. Nichts. Aber schon gar nichts ist selbstverständlich. Nicht mal riechen. Oder schmecken. Oder leben. Das habe ich in diesem Jahr besonders gelernt.

Ich habe gelernt und bin daran erinnert worden, wie sehr ich es liebe, die Welt zu sehen. Ich mache das mittlerweile seit 8 Jahren – verbringe jeden zweiten Geburtstag in einem anderen Land (oder Kontinent!), reise auch dazwischen oft und merke in diesem Jahr, dass ich – obwohl es wieder so ein zweites Jahr ist – auch liebend gerne daheim bin.

Ich habe gelernt, dass ich genau weiß, was mich glücklich macht. Und zwar mit sofortiger Wirkung. Ich habe gelernt, dass es wichtig wichtig wichtig ist, diese Dinge zu tun! Ich habe gelernt, dass ich ohne die Dinge, die mich von Herzen erfreuen, mich zum Lachen und Freudentränenweinen bringen, nicht leben möchte. Und ich habe gelernt, dass es gar nicht so normal ist, das Leben so selbstbestimmt und frei und wild und bewusst unkonventionell und gesund und meinem eigenen Rhythmus folgend zu leben.

Ich habe außerdem gelernt, was es heißt, privilegiert zu sein. Ich habe gelernt, was Frau-sein für mich bedeutet, was ich in der Welt unter anderem bewirken möchte und ich habe gelernt, dass Menschen auf mich hören. Dass das Macht ist, die ich sinnvoll nutzen muss, auch das habe ich gelernt.

Ich habe gelernt, dass Schreiben – in all den möglichen Facetten – meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft ist. Dass es mich zutiefst berührt und dass meine Texte andere zutiefst berühren.

Ich habe gelernt, dass ich vieles schon lange weiß und trotzdem immer wieder dran erinnert werden muss.

Und dass es ok ist. Alles.

Auch das habe ich gelernt.

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Lustig ist es nicht

Gar nicht.

Ich habe geschrieben, dass es uns eh noch gut geht. Dass wir weit weg sind von Atemnot und Krankenhauseinlieferungen. Dass wir das Beste daraus machen und uns nicht zu tief hineinziehen lassen wollen. Aber ich habe einiges nicht geschrieben.

Dieser Text soll nicht Angst machen. Er soll zum Nachdenken anregen. Und er soll die, die auf dem zu hohen Ross der Unantastbarkeit dahingaloppieren, ein bisschen herunterholen.

Denn: Es kann jeden treffen. Jeden und jede. Es kann kommen, in Momenten der Unachtsamkeit sowie in Momenten des höchsten Achtgebens und Abstandhaltens. Diese Krankheit macht nicht Halt, hört nicht einfach auf, ansteckend zu sein, wenn wir aufhören daran zu denken.

Ich habe einiges nicht geschrieben. Ich habe gesagt, dass das Daheimsein seine Vorteile hat, dass der Geschmacksverlust zwar lästig, aber nicht bedrohlich ist. Ich habe geschrieben, dass es zwar ungut, aber zum Aushalten ist.

Und ich habe nicht geschrieben, was dieses Daheimsein-MÜSSEN mit uns macht. Wie eng die vier Wände werden. Wie anstrengend es ist, mich am Abend nicht aufs Bett zu freuen, weil ich eh quasi den ganzen Tag herumgelegen bin. Ich habe nicht geschrieben, dass ich mich vor den Nächten fürchte, weil ich Angst habe, plötzlich keine Luft mehr zu bekommen. Oder wenn schon nicht ich, dann irgendwer aus meiner Familie. Wie fad der immer gleiche Blick aus dem immer gleichen Fenster wird, auch wenn der Baum noch so schön und die Landschaft noch so weit ist. Das habe ich nicht geschrieben.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass immer auch eine Schuld mitschwingt – hätten wir nur besser aufgepasst, hätten wir nur mehr Abstand gehalten. Hätten wir nur weniger getan, weniger umarmt, weniger Menschen getroffen. Hätten wir. Haben wir auch, aber eben nicht immer. Vor allem in dem Moment, in dem wir uns angesteckt haben. Im eigenen Haus. Aber – und das möchte ich uns und allen da draußen sagen: Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung. Und ich sehe es als meine Verantwortung, Aufklärung zu betreiben. Mit diesem Text und mit meinen Geschichten.

Ich sehe es als meine Verantwortung, euch zu erzählen, dass es anstrengend, trostlos, erschöpfend, einengend, sorgenreich und angsteinflößend ist, eine Krankheit wie diese zu haben. Von der es weder ein Gegenmittel, noch eine Gewissheit, wie es weitergehen wird, gibt. Und nein, es ist keine Grippe. Es ist auch nicht “wie eine Grippe”. Weder die Symptome, noch das Gefühl. Denn wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir wissen nicht, ob es Langzeitschäden gibt und wenn ja, ob wir vielleicht auch hier die “Auserwählten” sind, die diese haben werden. Wir kennen diese Krankheit weder gut noch lange und das macht sie sehr groß und unberechnend.

Ich habe nicht geschrieben, dass das Nichtschmecken und -riechen nach mehr als 3 Tagen einfach nur noch lähmend ist. Dass ein Teil der Lust am Leben auch die Lust am Genuss ist. Und dass dieser Teil wegfällt, wenn ich einfach auch Papier essen könnte. Wenn ich mich nach jeder Mahlzeit nicht besser und gestärkt, zufriedener und gesättigt fühle. Sondern zum Nichtschmecken auch noch eine Übelkeit dazukommt, die sich zäh über das nicht stattgefundene Geschmackserlebnis legt und viel länger bleibt, als jeder gute Nachgeschmack bleiben könnte.

Ich habe nicht geschrieben, was die Ungewissheit und die Gefahr, die von dieser Krankheit ausgehen, mit mir und meiner Psyche machen. Ich habe nicht geschrieben, dass ich Angst habe um meine Familie. Dass ich beim Einschlafen nicht tief atmen kann, weil dieser Spuk innerlich und äußerlich auf meiner Brust liegt und sich schwer macht.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass unser Verlauf zwar mild bis mittelschwer ist, aber dass bereits das so viel mit sich bringt.

Ich schreibe diesen Text nicht zum Angstmachen. Ich schreibe ihn, um aufzurütteln, um wachzumachen. Um Whatsapp-Status-Nachrichten, die immer noch verleugnen, dass es sowas wie diesen Virus wirklich gibt, dass es ja keine Pandemie ist, wenn man nicht mindestens eine Person kennt, die “wirklich, ja so wirklich” krank ist, zu entkräften. Denn hier habt ihr jemanden, die wirklich krank ist. Und die diesen wirklich nicht angenehmen Zustand NIEMANDEM, ja wirklich niemandem, wünscht.

Und so, wie es meine Verantwortung ist, darüber zu sprechen und zu schreiben, so sehe ich es als eure Verantwortung, für uns alle Verantwortung zu übernehmen. Und ihr wisst, wie man das macht. Wir wissen das alle mittlerweile ganz genau.

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Auf bald, lieber Geschmack!

Ein Lagerbericht.

Seit 11 Tagen sitze ich in ein und dem selben Raum. Meiner Wohnung. Seit 11 Tagen darf ich nicht hinaus. Seit 7 Tagen bin ich zusätzlich auch noch krank. Und seit 3 Tagen schmecke und rieche ich nichts mehr.

Nichts.

Ja, mich hats erwischt. Ja, uns hats alle erwischt. Nicht so schlimm, zum Glück. Weder Krankenhaus, noch Atemnot. Zum Glück.

Doch diese Begleiterscheinung, dieser Zustand, dieses kaum Vorstellbare, das mit meinem Geschmackssinn los ist, das ist wohl das Ungemütlichste an dieser ganzen Krankheit. Also in meinem (sehr mild verlaufenden) Fall.

Seit 3 ganzen Tagen rieche und schmecke ich also nichts mehr. Ich habs ausprobiert. Hab alles ausprobiert – Kren und Banane und Schokolade und Pfefferminztee. Falafelgewürz und Pancakes, Apfel und Brot. Ich. Schmecke. Nichts.

Und wie das meinen Tag verändert, ja das erzähl ich euch gerne. Ich liebe Essen. Ich liebe gutes, buntes, wohlschmeckendes, selbstgemachtes, gesundes, ausgewogenes Essen. Und ich liebe das Zelebrieren dieses. Ich liebe es, mir extra Gewürzblütenschönheitsgewürz übers Essen zu streuen. Ich liebe es, wenn mein Essen die Regenbogenfarben hat und ich bei jedem Bissen fast vor Freude schmelze. Ich liebe es, mir zu überlegen, was ich denn kochen könnte, um dann festzustellen, dass ich zufälligerweise auch alles dafür zuhause habe.

Und ja. Dieser ganze Teil fällt gerade weg. Weder die Vorfreude, noch die Freude währenddessen, noch das gute Gefühl danach sind im Moment vorhanden. Und so esse ich jetzt eben, weil ich natürlich Essen brauche. Aber statt der unterschiedlichen Farben, Gewürze und Geschmäcker freue ich mich jetzt eben über unterschiedliche Konsistenzen. Und da gibt es viele! Das hätt ich mir vorher gar nicht gedacht! Und noch etwas sehr Interessantes fällt mir beim Essen auf: Die Zunge schmeckt noch immer die Unterschiede “salzig”, “säuerlich”, “bitter” und “süß” (Umami leider nicht, für all die Zungenknospenbewanderten unter euch).

Ich hatte so etwas noch nie und wahrscheinlich können es sich einige von euch auch gar nicht so genau vorstellen, wie es ist, weder zu riechen, noch zu schmecken. Also versuch ich es zu beschreiben, weil ich es äußerst spannend finde und euch zwar die Umstände, aber nicht die Informationen vorenthalten möchte.

Ich probiere mich durch die unterschiedlichsten “Geschmäcker” und stelle immer wieder fest, dass ich die Essenz dessen, was ich gerade esse, schon schmecke. Also bei einer Olive die Bitterkeit, bei Chips die salzig-ölige Mischung. Bei Paprika die Süße, bei dunkler Schokolade die bittere Süße und bei Gurken die wassrig-süßliche sowie super knackige Konsistenz. Es fühlt sich so an, als würde der Geschmack aber für mehr leider nicht reichen. Als wäre mein Geschmackssinn leider nicht stark genug, den Rest verarbeiten zu können. Ich hab mich auch schon dabei erwischt, die Dinge fest zu zerdrücken, sie noch 10mal mehr zu kauen und sie so irgendwie empfänglich für irgendein tieferes Geschmackserlebnis zu machen – doch bisher ohne Erfolg.

Was ich auch noch festgestellt habe, ist, dass ich auch nicht rieche, ob ein Lebensmittel abgelaufen oder schlecht geworden ist. Ich kann es nicht sagen und muss wirklich auf das Aussehen vertrauen. Ich riech auch nicht, wenn etwas im Ofen anbrennt oder wenn ich mal wieder unter die Dusche soll. Tja. So ist das jetzt einfach nunmal.

Wie lange dieser Zustand andauert, ist unbekannt. Können ein paar Tage bis zu ein paar Monaten sein. Ich geh jetzt mal nicht vom Schlimmsten aus und hoffe, dass ich die volle Vielfalt bald wieder wahrnehmen kann.

Bis dahin wünsch ich euch da draußen viele Geschmackserlebnisse. Nehmt es nicht als zu selbstverständlich hin und erfreuet euch jeden Bissens, mit der Gewissheit, dass nichts gewiss ist.

Lagerbericht over and out.

(Ich sehe diesen Text als Informationsweitergabe, als Berichterstattung, als Erfahrungsmitteilung, vielmehr als Jammern oder Klein- bzw. Großspielen der Umstände. Es geht mir gut, keine Sorge. Ich hatte und habe Glück, auch dessen bin ich mir bewusst.)

Was immer noch hilft, übrigens hier zu finden: Was tue ich, wenn ich daheim bleiben muss?

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Baumgedicht

Lieber Baum.

Ich schreibe heute ein Gedicht für dich. Und ich nenne es Baumgedicht.

baumgedicht

ich schaue dich an
und denke daran
wie schön es doch ist,
dass du du hier bist

ich sehe deine art
mit dem leben fertig zu werden
und bewundere sie sehr
sie lässt auch mich erden

wovon ich spreche
möchtest du wissen?
mich plagt da schon seit längerem
ein schlechtes gewissen

dass wir dich zwar sehen
doch nicht begreifen
dass wir so viel lernen könnten von dir –
ich denke ans wachsen und reifen

da stehst du und lässt den wind einfach machen
über unsere angst, du könntest brechen, kannst du nur lachen
der wind, ja der sturm, sie kommen und gehen
und du, ja du, bleibst einfach stehen

und jetzt in dieser dunklen zeit
hast du dich von dem ballast befreit
wirfst deine blätter einfach nieder
ganz im vertrauen – sie kommen ja wieder

denn obwohl sie für dich eine zeit lang alles sind,
ist es irgendwann doch leichter, sie mit dem wind
in eine neue zeit zu senden
und eure gemeinsame zeit zu beenden

wie oft ich dich angeschaut hab in diesem jahr
und für mich war es wirklich nicht klar
dass die veränderung deine konstante ist,
du die blätter machst und dabei ganz achtsam bist
du sie wachsen lässt, ganz langsam und leise
bis du sie wieder schickst auf ihre reise

denn jetzt ist die zeit
in der du loslässt und dich befreist
und dann –
fängst du wieder von vorne an

du machst das alles so nebenbei
ohne zu jammern, ohne zu schrein
und das lieber baum
das könnte ich mir von dir abschaun.

denn so wie du bist, sollten wir manchmal werden
die arme ausgestreckt und die wurzeln tief in der erde

lieber baum
auch, wenn du das hier nie liest
bin ich mir sicher, du genießt
die zeit da draußen vor meinem haus
und ich, ich schaue hinaus
und in gedanken daran
fange ich an

auch loszulassen.

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Die Essenz meiner Leidenschaften

Ich habe eine Leidenschaft. Und so lange ich mich erinnern kann, habe ich sie. Immer schon haben mich Geschichten in ihren Bann gezogen, Bilder in die Situation eintauchen lassen und die Atmosphäre rundherum glücklich gemacht.

Kinderbücher. Bilderbücher. Bücher für Kinder. (Und Bücher, die zwar nicht offiziell, aber inoffizell höchstoffiziell für Erwachsene sind!) Bücher, die in wenigen Worten das ausdrücken, wofür manche ihr ganze Leben brauchen, es zu verstehen. Bücher, die in ihrer Einfachheit, ihrer Klarheit, ihrem Witz und ihrer fantastischen Weltenerschaffungsfähigkeit so viel transportieren.

Ich bin bei Kinderbüchern aber sehr anspruchsvoll, versteht mich nicht falsch. Ich mag nicht jedes kunterbunt illustrierte mit unzähligen Wörtern gefüllte Buch. Ich bin da sehr eigen. Am besten gefallen mir die etwas schrägen Erzählweisen, die verdichteten Geschichten, die Bilder, die ganz gezielt gesetzt sind und einen gewissen Witz haben. Am liebsten mag ich es, wenn ich als Erwachsene schmunzle und das Kind in mir in den Bann der Geschichte und der Aufmachung gezogen wird.

Fast bei jeder Reise, bei jedem Besuch in der Stadt suche ich einen Buchladen auf und halte mich dort quasi ausschließlich im Kinderbuchbereich auf. Dort schmökere ich, lasse mich in die Welten entführen und bin fasziniert von so manchen künstlerischen Hochleistungen – schriftlich und grafisch. Ich habe auch schon eine beachtliche Sammlung an Kinderbüchern zuhause – Bücher, die ich schon als Kind gelesen habe, Bücher, die ich in unterschiedlichsten Teilen der Welt gekauft habe, Bücher in unterschiedlichsten Sprachen, Formen, Farben und Themen.

Und so komme ich vor kurzer Zeit – nach langer Zeit – drauf, dass Kinderbücher das sind, was meine größten Leidenschaften zusammenbringt – Kinderbücher sind die Essenz meiner Leidenschaften.

Ich liebe es, wenn Dinge schön anzuschauen sind, die Formen und Farben wie ein Gedicht ineinandergreifen. Oder sie sich aber so widersprechen, dass das Gesamtkonzept wiederum als Ganzes ästhetisch – also mit den Sinnen erlebbar – ist.

Wenn Geschichten Humor haben und dabei tief, richtig tief gehen dürfen. Ich liebe es, über skurrile Themen und Probleme, über die Schönheit und Unverständlichkeit der Welt nachzudenken. Und ich liebe es auch, Lösungen zu finden und Hintergründe zu verstehen oder verständlich zu machen.

Ich liebe es, mich pädagogisch wertvoll auszutauschen und zu visionieren, wie eine Welt, in der Kinder wirklich mitbestimmen, aussehen könnte. Ich liebe Wörter und alles, was man damit machen kann.

Dann sollte ich Kinderbücher schreiben, sagt ihr? Ich wäre sogar wahrscheinlich richtig gut darin? Ja? Na wisst ihr was? Ich bin schon dabei! Und das zu tun, ist die größte Freude, die ich mir wünschen kann.

Ihr werdet zu den Ersten gehören, die erfahren, wenn das Buch (die Bücher!) da ist! Versprochen!

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Über die Frage der Einfachheit

Ist es einfach, wenn man nicht überall mitmacht? Weder mitmachen muss, noch mitmachen will?

Es ist einfach, wenn man selbst entscheiden kann, was man braucht und was nicht. Wenn man sich nicht ausgeliefert fühlt und meint, man müsse und solle und wolle und tue eben. Aber es ist nicht so einfach, dem großen, schönen Angebot standzuhalten.

Ich denke an so viele Bereiche, die ich einfach nicht mehr mitmache. Seit Längerem (Fleisch!) oder noch nie (Alkohol!) oder seit Kurzem (neues Gewand!). Weil ich gemerkt habe, dass “man” so vieles auch einfach nicht mitmachen muss.

Es ist einfach und macht das Leben einfach, nicht das neueste Gewand, das neueste Auto, das neueste Handy zu brauchen. Es ist sogar noch einfacher, einfach damit auszukommen, was ich habe – egal, ob das Gewand, Technik oder sonstiger Schnickschnack ist.

Die Entscheidung, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe, hat viel mit Genügsamkeit zu tun. Wenig mit Verzicht. Es fühlt sich mittlerweile für mich fast besser an, etwas nicht zu kaufen, als es tatsächlich zu kaufen. Wenn ich draufkomme, dass ich etwas einfach nicht brauche, ist das immer ein schöner Moment für mich. Und natürlich, die Welt ist nicht dafür gemacht. Also die natürliche Welt schon, die materielle eben nicht.

Es gibt so viel Angebot – von allen Seiten, zu jeder Zeit, in jedem Bereich. Es gäbe so viel, es bräuchte so viel, es wäre doch so praktisch und wichtig und überhaupt gehört es halt einfach dazu.

Sobald man das aber mal durchblickt hat und sieht, dass es auch anders, ganz anders, geht, sind diese verlockende Angebote gar nicht mehr so verlockend. Sobald der Blick ein bisschen hinter die Konsumszene geht, ist dieses Angebot auch nicht mehr so leicht vertretbar oder gar schön.

Ich möchte hier keine Moralapostelfrau sein. Ich kaufe immer wieder Dinge – manche auch, die ich nicht “unbedingt brauche”. Aber diese sind – wirklich in jedem Bereich, ob das Nahrung, Gewand, Hausausstattung, Bücher, Dekoration etc. ist – wirklich wohlüberlegt und gut ausgesucht. Und das macht den Unterschied.

Es ist wirklich einfach, da nicht mehr mitzutun. Und gleichzeitig ist der Schritt aus der Kaufen-Spirale gar nicht so einfach. Er erfordert ein Maß an Klarheit, Durch- und Dahinterblick, Selbstliebe und Mut. Denn Neinsagen war noch nie ganz einfach. Wird aber immer wieder belohnt – und diese “Belohnungsfreude” hält länger an, als die nach einem Shoppingtrip. Versprochen!

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Von der tiefen Leichtigkeit


Ich rede und schreibe ja oft darüber, dass Dinge leicht gehen dürfen. Oder sogar sollen. Dass eine gewisse Leichtigkeit nötig ist und dass ich nicht wirklich daran glaube, dass die Dinge, die ich wirklich haben möchte, schwer zu mir kommen müssen. 

Wenn ich schreibe, dann muss es leicht gehen. Ich setze mich vor den Computer, beginne zu schreiben und meine Gedanken füllen die Seiten. Es ist wirklich, als würde ich von der (Pampel)Muse geküsst werden. Innerhalb weniger Minuten ist mein Text fertig. Ich lese ihn noch einmal durch, bessere Kleinigkeiten aus, die im Rausch des Schreibens untergegangen sind und kann ihn mit der Welt teilen. 

Das wirkt sehr leicht. Und so empfinde ich das in diesen Momenten auch. Aber – und hier kommt die Crux bzw. auch die Tiefe dieses Themas – der Text, den ich schreibe, beginnt schon viel früher zu entstehen. Ich habe einen Gedanken, lese etwas dazu, höre mir einen Podcast über das Thema an, rede darüber, stelle Fragen, diskutiere und beginne in meinem Kopf schon einzelne Bestandteile des Texts zusammenzufügen. Den Titel zum Beispiel. Oder einzelne Sätze, die mir dazu oder darüber gefallen. Auch im Unterbewusstsein arbeitet dieses Thema dann über länger oder kürzer. Anders kann ich es mir sonst nicht vorstellen, dass ich plötzlich überall und immer wieder damit in Verbindung komme. Dass ich dieses Thema für eine gewisse Zeit dann sozusagen anziehe (Gesetz der Anziehung…? Oder doch selektive Wahrnehmung…?)

Und dann kommt der Moment, an dem ich mich zum Computer setze und schreibe. Die Vorgeschichte, die Vorbereitung – bewusst und unbewusst – in mir, in meinem ganzen System – und dann schreibe ich. Es geht leicht, wenn ich den richtigen Moment erwische. Wenn ich sozusagen mit dem Thema schwanger gegangen bin (verwendet noch jemand diesen Ausdruck außer mir?) Wenn das Thema also in mir entstanden und gereift und nun bereit für die “Geburt” ist. 

Denn der Text scheint wohl nur die Spitze des gedanklichen Eisbergs zu sein. Darunter verbergen sich zahlreiche Stunden, Gedanken, eine Tiefe und Weite, Arbeit (im herkömmlichen und nicht herkömmlichen Sinne) und Kreativität. Mit einer gewissen Prise Glück oder wie man das auch immer nennen mag – Einfall, Inspiration, Liebe…

Und so, meine Lieben, entstehen die Texte hier. Mehr dahinter als nur “Leichtigkeit” – obwohl ich immer noch stark daran glaube, dass es diese Leichtigkeit als Loslassen, als Öffnen, als Spannungsabbau braucht.

Und jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass ich meine Texte selbst so gerne mag. Denn dahinter steckt mehr als ein bloßer Worterguss spontan zusammengefundener Gedanken. Dahinter steckt, worüber ich mir Gedanken mache, wohin ich meine Energie schicke, woher ich meine Kraft nehme, wie ich mein Leben gestalte. Denn diese Gedanken, lange bevor ein Text entsteht, begleiten meine Tage, meine Wochen, mein Leben.