achtsam · kreativ · selbstliebend

Informeller Morgen

Wir nennen sie “informal mornings” – informelle Morgen. Informell, weil es keine Form gibt. In-form-ell.

Keine Form, keine Struktur und auch kein Müssen. Gemeinsam entscheiden wir uns für so einen Morgen, sprechen darüber und dann verselbstständigt sich das Ganze. Und ich sags euch – ich liebe solche Tage!

Was ich genau damit meine, das erzähle ich euch gerne. Denn gerade ist wieder so ein informeller Tag und wir machen, was wir wollen. Mit “wir” meine ich meinen Mann und mich.

Wir stehen auf und schon beginnt die Informalität. Denn ein Frühstück, das passiert zwischen lesen, schreiben, Musik hören, im Stehen oder Liegen, nach dem Yoga oder während des Arbeitens. Einfach wieder zurück ins Bett und Videos anschauen, auf der Couch lümmeln oder beim Fenster hinausschauen. Alleine und miteinander nebeneinander. Und so geht es weiter. Jede*r macht, was sie oder er will und dazwischen tauschen wir uns aus, was wir gerade so machen, was wir entdeckt oder gelernt haben, woran wir arbeiten oder was es Neues gibt. Während wir in unterschiedlichen Welten dahinwerkeln, sind wir ganz nahe dran, was die/der andere macht.

Wenn ich es so aufschreibe, klingt das ja gar nicht so außergewöhnlich – doch für uns sind diese ganz bewusst gewählten Morgennichtroutinen sehr besonders und erfrischend. Als würden wir etwas ganz Wildes machen, als könnten wir unser Leben selbst bestimmen (ha.). Da wird vorm Fernseher oder ausnahmsweise einfach mal nebenbei gegessen, da wird meist viel gearbeitet und produktiv erledigt, da wird getüftelt und Neues gelernt.

Die Musik läuft, der Kaffee oder Tee brüht und wir suchen uns die besten Plätze zum Sein aus. Ich liebe sie, diese informellen Morgen.

Und so, wie wir diesen informellen Tagen die Struktur entziehen, so kommt die Kreativität an diesen Morgen besonders in Schuss. Als würde sie es brauchen, um im Flow zu bleiben. Als würden diese informellen, verselbstständigten Zeiten dem Alltag seinen Schleier abnehmen.

Immer wieder entziehen wir uns den (auch von uns selbst) vorgegebenen Strukturen und lassen uns tragen – von der Informalität. Von der nicht vorgegebenen, von der freien Form dieser Momente.

allgemein · selbstliebend · weiblich

Die gefährliche Schönheit

Arbeite für deinen Körper, nicht gegen ihn.

Gelesen habe ich diesen Satz bereits öfters, besonders berührt hat er mich vor ein paar Tagen. Und seit dem geht er mir auch nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder schwirrt dieser Satz vor meinem geistigen Auge herum.

Wie oft ich immer noch und immer wieder gegen meinen eigenen Körper arbeite. Wie oft ich immer noch und immer wieder Stellen an mir entdecke, die ich nicht so schön finde und dann denke, dass ich sie ändern sollte. Wie oft ich immer noch und immer wieder meine lustigen Dellen und komischen Stellen, meine durchscheinenden Adern, meine fransigen Babyhaare, meine ich-bin-doch-noch-nicht-so-alt-Falten und meine schwubbeligen Knie (!?) verfluche. Obwohl ich mich ja grundsätzlich schön finde. Und all das wunderbar gut und gesund funktioniert und fungiert und halt einfach da ist.

Und trotzdem habe ich es so intus, dass ich was finden muss, das ich “verbessern”, “verändern” oder “wegmachen” sollte. Finde es viel “normaler,” meine “unschönen” Stellen zu benennen, als jeden Tag zu sagen, wie wunderbar schön ich meine Haare/Zehen/Wadeln finde. Hu. Hier braucht es viele “Anführungszeichen”.

Und dann merke ich noch etwas: Es geht nicht ums Schönfinden. Es geht einfach nicht darum. Weder für die anderen, noch für mich. Wir müssen schön langsam und noch viel besser so schnell, wie nur irgendwie möglich, wegkommen von diesen Klassifizierungen. Von diesem schön/nicht schön, gut/nicht gut, so/nicht so. Von diesem Arbeiten gegen uns selbst, unseren Körper und unsere Körper- und Kopfgesundheit. Von diesem Irrglauben, dass es um unsere äußerliche Schönheit geht. Vor allem von dieser Schönheit, die viel viel viel zu wenige Gesichter hat. Die sich nur von einer Seite zeigt, die ganz falsch und unrealistisch und gefährlich sein kann und ist. Denn es geht nicht um die Schönheit. Tut es einfach nicht.

Und ich spreche hier nicht von der Schönheit der Welt, des Moments, des Lebens. Auch nicht vom sich selbst Wohlfühlen. Ich spreche von dieser in Schleier gepackten, von dieser von außen auferlegten, von dieser zwanghaften, gleichmachenden, einheitlichen Schönheit, die einfach nicht schön ist.

All diese Erwartungen und dieses Zweifeln an den Äußerlichkeiten an meinem Körper – auch die ganz kleinen – das ist alles traurigerweise viel mehr gegen als für meinen Körper (oder mich selbst).

Und dann lieg ich da und gehe langsam alle Stellen meines Körpers innerlich durch und versuche sie wahrzunehmen. Bedanke mich. Komme mir kurz komisch vor, merke aber dann, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alle Abläufe funktionieren. Dass ich gehen, stehen, laufen, tanzen, radfahren, schwimmen kann. Dass ich das Essen verarbeiten und verwenden kann. Dass die Luft ohne Probleme durch mich durch geht. Dass mein Blut fließt. Mein Herz pumpt. Mein Kopf Gedanken denkt.

Und ich nehme mir vor, öfters für statt gegen meinen Körper zu arbeiten. Denn eine Sache, die uns weiterbringen wird, als diese Schönheit, ist beispielsweise die Aufmerksamkeit für meinen Körper. Und das ist nur eine von ganz ganz vielen Sachen…

achtsam · allgemein · selbstliebend

Eine Ode an die Berührtheit

Dies ist eine Ode. Eine Hommage. Eine Liebeserklärung.

Eine Ode an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Die Berührung, die ohne Berührung stattfindet. Die Berührung, die durch Mark und Bein geht, ohne je eines von beiden berührt zu haben.

Dies ist eine Hommage ans Berührtsein, ans Berührtwerdenlassen. Ans sich Nacktmachen, ohne die Kleidung abzulegen. Ans Aufmachen, ohne eine Tür in Sichtweite zu haben. Ans Nahefühlen, ohne nebeneinander stehen zu müssen.

Dies ist eine Liebeserklärung an die Berührtheit. Eine Liebeserklärung an diese Momente, in denen wir uns so nahe sind. In denen es kein Später gibt. In denen der Moment so kostbar ist, dass alles rundherum zu verschwinden scheint. Eine Liebeserklärung an die Berührtheit, die passiert, wenn ich mich ganz frei mache, frei und verletzlich. Verletzlich im Sinne von angreifbar, berührbar. Denn da gibt es keinen Plan, da gibt es nichts anderes in diesen raren Momenten der vollkommenen Berührung. In diesen Momente da weine ich, da bekomme ich Gänsehaut, da bin ich tief verbunden mit mir und meinem Gegenüber. Da gibt es nichts zwischen uns, keine Mauer, keine Urteile, keine Erwartungen. In diesen Momenten, in denen ich so berührt bin, da bin ich ganz wach, lebendig und spüre das Leben.

Dies ist eine Ode, eine Hommage, eine Liebeserklärung an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Auf mehr, viele mehr, viele Momente des Aufmachens, des Berührenlassen. Durch die Schönheit, Musik, Menschen, Gespräche, Natur, Landschaften, Farben, Worte, Aufmerksamkeit, Freundschaft, Liebe.

Durch alles, das nicht greifbar ist und trotzdem zutiefst berühren kann.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Wie die Wolken

Dies ist wieder einer dieser Texte, bei denen sich alles fügt. Ich habe eine Idee, denke darüber nach, rede darüber, beobachte und stelle dann fest, dass all die Dinge, die ich so rundherum wahrnehme, mich zu diesem Text führen.

Was es heute ist?

Die Wolken.

Ein Sinnbild für so vieles. Die Wolken als Meditiationsmetapher. Die Wolken als Vorbeiziehmetapher. Die Wolken als Regenspeicher und Sonnenverdeckerinnen.

Und dann schau ich heute ganz bewusst und staunend den in Windeseile vorbeiziehenden Wolken zu und stelle fest, dass es das ist, was mich gerade beschäftigt. Nicht der Wind, nicht die Wolken an sich.

Sondern dieses Sinnbild der Wolken als etwas Kommendes und Gehendes. Als etwas nicht Bleibendes. Das Sinnbild, das ich heute male, hat viel damit zu tun.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Momente und Zeiten viel zu schnell an mir vorbeiziehen. Und so wie die Wolken, kann ich diese nicht festhalten. Manche Dinge hängen den ganzen Tag, die ganze Woche am Himmel – eben wie eine ganze Wolkenschicht. Andere Dinge scheinen tief herunterzuhängen. Ja sie lassen sich kaum bewegen und ich wünschte, die würden vorbeiziehen. Doch die Wolken, die lassen sich nicht beirren. Die ziehen, wenn der Wind stark genug ist. Sie sammeln sich oder verdünnen sich, wenn die Umstände passen.

Und so, ja so, kann ich dieses Sinnbild etwas leichter in mein Leben integrieren.

Denn manche Tage sind so schwer, so betrübend, so in Wattewolken gepackt, dass ich mich fast nicht mehr daran erinnere, dass auch sie vorbeiziehen. Und andere Tage scheinen so leicht, so flockig und klar, dass sie fast zu schnell an mir vorbeiziehen.

Dass sie vorbeiziehen, das steht fest. Denn so wie die Wolken, die manchmal die Sicht auf die Sonne verdecken – oder uns wohltuenden Schatten schenken – so sind auch die Tage. Mal leichter, mal schwerer. Mal mehr spürbar, mal eher vorbeiziehend.

Danke, liebe Wolken. Ihr seid weit lehrreicher, als ich das bisher gedacht habe.

achtsam · allgemein · nachhaltig

Warum ich ab jetzt nicht mehr überall mitrede

Ich lerne gerade sehr viel. Wenig davon steht in Büchern, wenig bis gar nichts.

Ich lerne gerade, mich zurückzuhalten. Vor allem mit meinen Meinungen, Einschätzungen und allen voran mit meinen Worten.

Ich lebe dieses kleine Leben. Ein sehr schönes, angenehmes, einfaches, ruhiges, sicheres Leben. Und ich lerne jeden Tag mehr, was es heißt, all das nicht zu leben. Ich lerne jeden Tag, dass es so (SO) viele Dinge, Situationen und Geschichten gibt, die ich nicht nachempfinden kann. So viele Schicksale, Entscheidungen und Hintergründe, die nicht meine sind.

Wo ich das lerne? Wo ich auf einmal mit Geschichten in Berührung komme, die ich bisher nicht einmal gedacht habe, dass sie existieren? Auf den sozialen Medien. Ja. Wirklich. Dort sehe ich immer wieder Dinge, die mich staunen, wundern, aufmachen und nachdenken lassen.

Bevor ich mich beispielsweise auf Instagram angemeldet habe, habe ich geschimpft darüber. Hab es verurteilt, hab es abgestempelt und meinte, zu wissen, wovon ich sprach.

Und wie eine Linie, die sich durchzieht, habe ich festgestellt, dass genau das eine Metapher für so vieles ist, das ich auf Instagram lese, sehe und eben lerne. Bevor ich überhaupt gewusst habe, was dieses neue Medium kann, habe ich mich weit, weit hinausgelehnt aus dem Fenster der Urteile.

Ich weiß, ich weiß. Das hat niemandem geschadet und es gibt auch wirklich viel Blödsinn auf dieser (und anderen) Plattformen. Doch dieses Eintauchen und Kennenlernen von ganz neuen Ansichten, Geschichten und ja, eben auch Schicksalen, ist für mich eine ganz große Bereicherung.

Denn bei so vielem kann ich einfach nicht mitreden. Ich kann nicht nachempfinden, nicht nachfühlen, nicht nachahmen und daher eben ganz oft einfach auch nicht mitreden.

Für mich ist das ein äußerst großer Lerngewinn. Wie oft ich gemeint habe, eine Meinung haben zu müssen. Wie oft ich geurteilt habe, ohne im geringsten zu wissen, wie sich manche Dinge anfühlen. Wie oft ich Ratschläge, Tipps und gutgemeinte Worte von mir gegeben habe, in der Annahme, dass ich damit irgendjemandem helfe.

Doch ich kann bei vielen Dingen einfach nicht mitreden. Wenn es bis jetzt noch zu abstrakt war, dann gebe ich gerne ein paar Beispiele, bei denen ich einfach nicht mitreden kann:

  • Beim Thema (unerfüllter) Kinderwunsch, Schwangerschaft und Muttersein.
  • Beim Thema Rassismus (im Sinne von betroffen davon – denn ich war noch nie in meinem Leben selbst davon betroffen.)
  • Beim Thema Migrations- und Fluchterfahrung. Auch da habe ich weder einen persönlichen Einblick, noch irgendwelche eigenen Erlebnisse.
  • Beim Thema Armut. Ich habe noch nie in Armut gelebt, kann es mir dementsprechend wenig vorstellen, was das wirklich bedeutet.
  • Beim Thema Krieg, Gewalt oder Missbrauch. Auch das sind Themen, mit denen ich bisher glücklicherweise keine Erfahrungen gemacht habe.
  • Beim Thema schwere Krankheiten (psychisch und physisch). Auch hier sind meine Kontaktpunkte äußert dünn.

Und das ist nur eine kleine Zusammenfassung von Dingen, bei denen ich am besten mehr zuhöre, als selbst zu sprechen.

Doch ich möchte hier eines klarstellen. Dass ich nicht mitreden kann, heißt, dass ich am besten zuhöre, lerne und meine Schubladen weit aufmache. Dass ich nicht mitrede, heißt nicht, dass ich mich nicht einsetzen kann für etwas oder Menschen, die mit solchen Päckchen leben (müssen), unterstützen kann. Dass ich nicht mitreden kann, heißt, dass ich meine Worte vorsichtig wähle. Mit Bedacht und nicht mit Gutgemeintheit. Dass ich nicht mitreden kann, heißt nicht, dass ich keine Meinung habe. Es bedeutet, dass ich mir meine Meinung durch Umsicht und Zuhören, durch Aufmachen und durch Erfahrung bilde. Und vor allem, dass ich sie mir nicht zu voreilig bilde, meine Meinung.

Denn bei vielem, ja bei vielem, kann ich einfach nicht mitreden…

achtsam · allgemein · selbstliebend

Einatmen. Ausatmen. Ein. Aus.

Ich denke daran. Habe es vor, will es machen.

Nehme meine Matte, breite sie auf dem Boden und breite gleichzeitig in mir Vorfreude aus. Ich setze mich auf die Matte, berühre den Startknopf*.

Ich höre die Anfangsmusik, die Begrüßung und beginne tiefer zu atmen. Die Vorfreude verwandelt sich in Freude. Ich spüre in mich hinein. Spüre, wie das Einatmen meinen Bauch- und Brustbereich weiter macht. Ich spüre, wie sich meine Schultern leicht anheben und beim Ausatmen sinke ich. Sinke auf den Boden, lasse mich fallen, obwohl ich sitze. Ich fühle mich gut aufgehoben, stark und leicht gleichzeitig.

Ich atme langsam ein. Ich lerne mit jedem langsamen Atmen, dass ich es bin, die meinen Atmen kontrollieren kann. Ich atme langsam aus. Lange. Atme alles aus. Mein Herz wird ruhiger.

Langsam beginnt die erste Position. Ich spüre meine Knie und Handflächen auf der Matte. Drücke meine Finger gleichmäßig in den Boden. So ist es für keinen zu viel, für keinen Finger und auch das Handgelenk dankt es mir. Meine Wirbelsäule ist gerade, mein Nacken eine Verlängerung der Wirbelsäule. Ich atme gleichmäßig ein und aus. Ich beginne mit meinem Körper zu spielen. Bewege mich in all die Richtungen, die möglich sind, hier auf dem Boden, auf meinen Knien und Händen.

Tief atme ich ein, beim Ausatmen drücke ich meine Hüften nach oben hinten. Meine Beine strecken sich, meine Arme sind stark. Ich atme ein und beim Ausatmen sinke ich tiefer in dieser Position. Ich bleibe hier, es ist eine angenehme Position. Nach einigen Atmenzügen hebe ich beim Einatmen mein rechtes Bein, ganz nach oben. Ich beuge mein rechtes Knie und öffne meine Hüften. Mein Körper ist gebeugt und zugleich weit geöffnet. Ich atme ruhig. Ich atme in meinen ganzen Körper. Ich bringe das Bein wieder zur Erde, atme aus. Ein. Aus. Ein. Aus.

Ich wiederhole das mit dem anderen Bein und bin wieder ganz offen, ganz achtsam.

Ich mache kleine Schritte an den vorderen Rand meiner Matte. Mein Kopf ist vorne über gebeugt, meine Arme baumeln, die Fingerspitzen berühren den Boden. Meine Knie sind leicht gebeugt. Ich atme. Mein Kopf ist schwer, mein Rücken wird leichter. Meine Schultern dürfen alles fallen lassen, das sie schwergemacht hat. Langsam atme ich ein und aus und komme Stück für Stück wieder zum Stehen.

Ich stehe. Merke, wie ich fest verwurzelt stehe. Meine Füße sind ganz am Boden. Die Zehen, die Seiten, die Fersen. Ich stehe gerade und aufrichtig. Beim Einatmen richte ich mich noch weiter auf, beim Ausatmen merke ich, wie ich tiefer verwurzelt werde. Ein. Aus. Ein. Aus.

Ich bin stark. Stehe voll im Leben. In dieser Position fühle ich mich so verbunden, so lebendig. Mein Blick ist geradeaus. Meine Mundwinkel sind nach oben gezogen. Ich habe die Sicherheit von unten und die Freiheit nach allen Seiten.

Langsam strecke ich meine Arme nach oben. Ich atme tief ein. Schaue nach oben. Atme aus. Atme ein. Als würde ich etwas ganz Großes, Wichtiges über mir halten. So fühlt es sich an. Und dieses Große, Wichtige, das hole ich beim nächsten Ausatmen ganz nah zu mir. Ich bringe es zu meinem Herzen. Atme ein, atme aus.

Beuge meinen Kopf zu meinem Herz, zu meiner Hand. Atme noch einmal tief ein. Der tiefste Atemzug, den ich den ganzen Tag genommen habe.

Ich fühle mich frei, stark und geliebt. Ich fühle mich wohl, warm und bereit. Ich fühle mich gut. Richtig gut.

— — —

Danke fürs Mitreisen auf dieser kleinen Yogareise, die ich seit über hundert Tagen nun jeden Tag mache. Und von der ich so schnell nicht zurückkehren werde. Namaste.

(*Yoga with Adriene. Ich kann sie aus tiefstem Herzen empfehlen.)

allgemein · kreativ · nachhaltig

Statistisch gesehen

Heute vor drei Jahren habe ich das letzte Mal Fleisch (und Milch und Käse,…) gegessen. Und oh, bin ich froh darüber. Hier folgt ein kleiner Ausflug in die Pseudostatistik (gespeist aus unterschiedlichen Quellen, manche wissenschaftlich fundierter als andere.)

Meine letzten drei Jahre in Zahlen.

1087 Tage ohne Fleisch, Tiermilch, Eier, Honig, Käse, Joghurt.

36 Monate ohne (neues) Leder, Pelze oder Echthaarkrimskrams.

4164 Liter gespartes Wasser. Pro Tag (!) Das sind ca. 20 Badewannen voll. Jeden. Einzelnen. Tag. (aber selbst so kann man sich nicht wirklich reinwaschen. Oups. Mitten in die Wunde.)

(je nach Quelle) Zwischen 5000 und 10000 kg nicht-ausgestoßenes CO2. Das entspricht mehr als 30 Flügen von Berlin nach London.

Einige Tausend Medikamente, die ich nicht durch die Blume (haha, wohl eher noch durch die Blume als durch das Tier) zu mir nehmen musste, ohne krank zu sein.

1080 Tiere, die nicht für mich geboren, aufgezogen, gemästet, gefüttert, geschwängert, geschlachtet – und wie man so unschön sagt – “produziert” werden mussten. Und nein, die sind genauso wie jedes T-Shirt “nicht sowieso da”.

Geschätzte 20 Mal “Nein, danke. Das esse ich nicht.” oder “Nein, auch nicht ein bisschen Käse/Schlag/Milch/Butter.” (gar nicht so oft! Das Danke geht an mein sehr kulantes und umweltbewusstes Umfeld!)

732 neue Rezeptideen und geglückte Küchenexperimente.

3 milde Auseinandersetzungen mit meiner Oma, warum ich das gute Zeug nicht esse und sie mir dann das supertraditionelle Essen macht, das immer schon vegan war. Bevor es vegan überhaupt gab.)

7 Regenbogenfarben auf meinem Teller. Fast täglich.

426 Aha-Erlebnisse. Dass sich tierische Dinge einfachst ersetzen lassen. Dass eine Kuh nicht automatisch einige Jahre durchgehend Milch gibt, einfach so. Dass das Einkaufen und Kochen mit Pflanzen preiswerter, lustiger und – holla die Waldfee – umweltfreundlicher ist.

10 Menschen (oder mehr), die durch unsere Lebensweise zu neuen Erkenntnissen und vielleicht sogar Einsichten gekommen sind.

2 Hochzeitsfeiern, auf denen insgesamt mehr als 100 Personen rein vegan verköstigt wurden.

246 “mmh, des is jo voi guad!?!” zur Verköstigung auf oben genannten Feiern oder Mitbringspeisen zu anderen Feierlichkeiten, Essenseinladungen und Familien-Kochangelegenheiten.

17 Mal die Frage, was wir denn dann essen. Und 17 Mal die Antwort “das, was ich daheim habe.” und den Verweis, dass die Pflanzenwelt um eiiiiniges größer ist als das Kühlregal im Supermarkt.

332 Gedanken und Gespräche rund um das Thema “Natürlichkeit” und “Extremismus” und “Umwelt” und “Moral” und “Verantwortung”.

3261 Mahlzeiten (plus einige Zwischenmählchen), die schmackhaft, ausgeklügelt oder einfach, gesund und bunt, lustig und aufregend, quasi leidlos und friedlich abgelaufen sind.

3 Jahre. Ein weiterer Meilenstein. Auf einige Jährchen mehr.

Ich feiere mein Jubiläum übrigens mit einer Nuss-Schokomousse-Zwetschken-Torte. Mein zweites Stück, in 2 Tagen. 100% Genuss. Alles für die Statistik.


Quellen:

https://veganfitwerden.de/veganrechner/
https://www.blitzrechner.de/fleisch/#wie-funktioniert-der-rechner
https://utopia.de/neue-studie-fleisch-milch-haben-groessten-umwelt-einfluss-92556/
www.diepampelmuse.com/studiendieüberraschen
www.diepampelmuse.com/zahlendieerfreuen


achtsam · kreativ · selbstliebend

Kopfzerbrecher

“Rompe cabezas”. So sagt man auf Spanisch zu Puzzles und es heißt übersetzt in etwa “Kopfzerbrecher”.

Ich sitze gerade vor so einem Kopfzerbrecher und zerbrech mir den Kopf – doch nicht nur über das Zusammensetzen der einzelnen Teilchen, nein. Viele Gedanken kommen mir in den Kopf. Puzzlegedanken.

Und die möcht ich mit euch teilen. Denn die sind ganz brauchbar, diese Gedanken, nicht nur beim Puzzeln. Und sie haben ganz schön mit dem Leben, vor allem mit dem Kopfzerbrechen, zu tun, diese Gedanken. Also bitteschön, hier sind sie:

Puzzles haben oft viele einzelne Teile. Diese Teile ergeben alleine wenig Sinn. Sie können ganz hübsch anzuschauen sein, aber wir merken gleich, dass da rechts und links und drunter und drüber – und eigentlich rundherum etwas fehlt. Dieses Teilchen macht erst im Gesamten Sinn.

So eine Unordnung, die da vor mir ausgebreitet liegt. Ich muss nicht aufräumen, aber ich kann mir Ordnung schaffen. Und das bringt mir Klarheit, bringt mir einen Überblick.

Dann ist es doch so, dass manche Teile so scheinen, als würden sie zusammenpassen. Die Farbe, das Muster. Das müsste doch passen. Und ich versuche es. Wenn ich fest hindrücke, dann gehts irgendwie. Die Teilchen lassen sich verbinden. Doch – leider passen sie nicht. Auch nicht, wenn ich sie verbiege. Beim Puzzeln darf es leicht gehen. Zumindest, wenn die richtigen (Bestand-)Teile gefunden sind.

Ich fange immer mit dem Rahmen an. Das gibt mir Sicherheit und lässt mich in dem scheinbar endlos wirkenden Chaos zumindest ein bisschen Kontrolle behalten. Ich weiß, was ich tun muss und habe bald die Übersicht.

Während ich die Randstücke (oder später auch zusammenpassende Teilchen) heraussuche, kann ich mich voll darauf konzentrieren, was ich suche. Auch bei vielen, vielen Teilen nehme ich für diesen Suchmoment nur die Teilchen wahr, auf die ich mich konzentriere.

Ich merke dann – auch wenn eine große Herausforderung vor mir liegt – ich muss es nur Stück für Stück heraussuchen, zusammensetzen und schaffen. Ich kann mir auch immer wieder Hilfe holen – indem ich auf das Bild auf der Packung schaue. Oder ich frage jemanden. Zwei Köpfe können mehr denken und vier Augen mehr sehen. Ich muss es nicht alleine schaffe. Das ist ok. Ich darf Hilfe annehmen.

Wenn ich dann an einer Stelle lange hänge, mich zu sehr darauf fixiere, dann gehts irgendwann entweder leicht oder gar nicht mehr. Ich sehe das Puzzle vor lauter Teilen nicht mehr. Was ich dann tun kann, ist an einer anderen Stelle weiterbauen. Schließlich führt am Ende alles zusammen.

Ich freue mich so, wenn ich Teilchen in Teilchen stecke und das Bild immer vollständiger wird. Es tut gut, etwas zu machen. Etwas zu kreieren. Etwas zu schaffen. Und wenn es das Ineinanderseteckern zweier Puzzleteile ist.

Und zu guter Letzt. Wenn das Kopfzerbrechen zu groß wird, erlaube ich mir, eine Pause zu machen. Ich muss nicht alles auf einmal lösen und schaffen.

Von meiner kreativen Pause begebe ich mich jetzt wieder zurück zu meinen Elementarteilchen. Schließlich ist es auch nur ein Spiel. Und das darf es auch bleiben.

achtsam · kreativ · selbstliebend

Wie ein Bild

Meine Tage fühlen sich an wie Bilder.
Bilder von Dingen, Farben und Formen.
Formen, die ineinandergreifen.
Farben, die harmonisch verschmelzen.
Dinge, die leuchten und scheinen.

Meine Tage sind gefüllt von Dingen.
Dinge, die leicht und schön zu betrachten sind.
Schön zu betrachten und einfach zu tun.
Einfach zu tun und wichtig zu fühlen.
Wichtig zu fühlen und wertzuschätzen.

Meine Tage sind wertschätzend.
Wertschätzend dem Leben gegenüber.
Dem Leben und den Menschen.
Den Menschen und mir selbst.
Meine Tage sind gut zu mir selbst.

Wenn ich meine Tage, meine Wochen, meine Zeit malen und gestalten würde, dann würde dieses Bild weiche, feine Formen haben. Kreise, Ovale, undefinierte Rundformen, ein paar geradkantige Formen. Es würde Farben haben, die mich beim ersten Betrachten glücklich machen. Petrol, dunkelgrün, minzgrün, senfgelb, altrosa, mattrot, cremeweiß. Die Farben stünden für die Dinge, die ich gerade jeden Tag mache. Yoga. Lesen. Kochen. Essen. Gehen. Staunen. Schreiben. Austauschen. Nachdenken. Eingemütlichen. Bewegen. Lachen. Gestalten. Schlafen. Schauen. Ruhen.


Es wäre ein ruhiges Bild, aber ein farbenfrohes und zu bestaunendes Bild. Es wäre ein Bild, das ich mir aufhängen und jeden Tag betrachten würde. Und es würde mich an all die guten Dinge im Leben erinnern, dieses Bild. Das Bild wäre nicht allzu groß, würde in einen Rahmen passen. Es muss den Rahmen nicht sprengen, es ist sehr friedlich dieses Bild. Es kann einfach an der Wand hängen und da sein. Denn dieses Bild ist ausgeglichen und braucht kein verrücktes Drumherum.

Ich schreibe dieses Bild. Ich beschreibe es. Vielleicht gibt es eines Tages die Farben und ich male es. Dann kann ich es euch zeigen.

Wie schaut euer Bild aus? Wie schauen eure Tage im Moment aus? Wie würde euer Bild aussehen? Welche Farben, welche Formen hätte es? Gibt es eine Farbe, die ungewollt zu viel Platz und Raum einnimmt? Gibt es Farben, die kräftiger leuchten, als die anderen?

Ich mag mein Bild. Und ich mag meine Tage, meine Zeit.

achtsam · reisend · selbstliebend

Eine Liebesgeschichte

Ich warte auf dich. Barfuß. Kenne dich noch nicht, weiß aber ungefähr, wie du ausschaust. Wir haben eine gemeinsame Freundin, die meint, dass wir zwei uns kennenlernen sollten. Warum – das werden wir bald herausfinden.
Du kommst. Vollbeladen mit Rucksäcken und Taschen.
Wir nehmen den Bus gemeinsam und du erzählst mir bereits auf der Reise nach Hause viel von deinem Leben.

Wir kochen, reden und machen Musik. Wir kennen uns schon länger, so ist das Gefühl. Wir reden bis spät in die Nacht, ich bin so interessiert an allem, was du mir erzählst.

Wir geben ein Konzert im Wohnzimmer meiner Eltern. Unser erstes Lied, es macht mir solch große Freude, mit dir zu blödeln. Meine Mama meint, dass du ja fast wie mein “argentinischer Bruder” bist, so ähnlich sind wir, so leicht wirkt es zwischen uns.

Wir lernen uns besser kennen, über Monate hinweg. Wir schreiben viel, du wohnst in Berlin, ich in Salzburg. Ich besuche dich, verbringe eine befreiende, aufregende und selbstfindende Zeit bei dir. Du besuchst mich. Wir kennen uns schon besser, sind uns noch näher.

So geht es dahin. Wir überbrücken die Zeit zwischen den Städten mit täglichem Austausch. Schicken Bilder, Videos, telefonieren und denken aneinander. Du verbringst viel Zeit bei mir, wir machen uns das Leben und die Welt, wie sie uns gefallen. Wir singen gemeinsam, spielen, kreieren, reden, kochen, spazieren, malen, lachen, lernen uns noch besser kennen.

Noch nicht mal ein Jahr ist um und wir beschließen, eine Reise zu machen. Wir fliegen nach Brasilien, ich lerne deine Familie und Freunde in Argentinien kennen, reisen durch das Land, durch Bolivien, Peru und nach Chile. Wir kommen zurück nach Argentinien und haben beschlossen, zu heiraten. Wir kennen uns mittlerweile schon gut. Nicht lange, aber gut. Verbringen jeden Tag – 24 Stunden – miteinander. Und es gibt immer noch vieles, vieles, über das wir reden. Wir wollen beisammen bleiben, wollen eine Familie sein.

Wir heiraten. Heute vor 2 Jahren. Es ist ein wunderschöner Tag, Sonnenschein, Gartenfest und ganz viele liebe Menschen. Wir tanzen, singen und essen wunderbar gutes Essen. Wir sind jetzt verheiratet. Glauben können wir das noch nicht ganz.

Dann geht es wieder nach Österreich zurück. Es ist nicht leicht für dich. Du bist viel alleine, ich arbeite viel. Wir nutzen die Zeit, die uns bleibt, gut und versprechen uns, dass wir unser Leben anders gestalten wollen. Wir wollen Zeit haben füreinander. Wollen unsere Visionen und Ideen gemeinsam in die Welt tragen. Wollen etwas Gutes schaffen. Wollen Abenteuer erleben.

Wir feiern ein Fest der Liebe. Ein Tag, wie er im Bilderbuch steht. Sonnenschein, Liebe, Familie, Essen und wunderbare Menschen. Ein Fest, das nicht schöner hätte sein können. Unsere österreichische Hochzeit. Sie bleibt – nicht nur uns- ganz warm in Erinnerung.

Das Jahr vergeht. Wir verbringen viel Zeit mit meiner Familie. Du lernst immer mehr Deutsch zu sprechen. Ich bin so dankbar dafür, dass du dich so einbringst. Sprachlich und kulturell. Es ist nicht immer leicht. Nicht für mich, nicht für dich. Wir entdecken gemeinsam neue Leidenschaften, sind viel unterwegs und gestalten unseren Lebensraum so, wie wir ihn beide haben wollen. Ruhig, grün und gemütlich.

Wir haben ein schönes Leben. Und wir wissen, wie wir es uns schön machen können. Wir reden viel über die Zukunft, was wir wollen, wie wir uns unsere Familie, unser Leben, unseren Alltag vorstellen. Wir wachsen miteinander. Lernen voneinander und lieben einander.

Es tut so gut, dich an meiner Seite zu haben. Ich fühle mich wohl, behütet und getragen. Du lässt mich wachsen, lässt mich sein und lässt mich atmen. Du machst mein Leben besser. Jeden Tag.

Ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dich getroffen zu haben. Dich in mein Herz gelassen zu haben und dich tief in mir zu tragen. Du hast mich verändert, näher zu mir selbst. Du hast mir neue Welten gezeigt und mich in deine aufgenommen. Du öffnest mein Herz mit deinen Ansichten, deinen Ideen und deiner Weise, das Leben zu sehen.

Ich bewundere dich, schätze dich so sehr. Ich liebe dich, fühle mich dir so nahe. Ich liebe uns, ich liebe unser Leben. Ich liebe es, wie wir uns gegenseitig wachsen und sein lassen.

Eine Liebesgeschichte. Meine Liebesgeschichte. Unsere Liebesgeschichte.

Auf viele weitere Hochzeitstage und viele Liebesgeschichten da draußen.
Ich gönn sie euch von Herzen.