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Die Essenz meiner Leidenschaften

Ich habe eine Leidenschaft. Und so lange ich mich erinnern kann, habe ich sie. Immer schon haben mich Geschichten in ihren Bann gezogen, Bilder in die Situation eintauchen lassen und die Atmosphäre rundherum glücklich gemacht.

Kinderbücher. Bilderbücher. Bücher für Kinder. (Und Bücher, die zwar nicht offiziell, aber inoffizell höchstoffiziell für Erwachsene sind!) Bücher, die in wenigen Worten das ausdrücken, wofür manche ihr ganze Leben brauchen, es zu verstehen. Bücher, die in ihrer Einfachheit, ihrer Klarheit, ihrem Witz und ihrer fantastischen Weltenerschaffungsfähigkeit so viel transportieren.

Ich bin bei Kinderbüchern aber sehr anspruchsvoll, versteht mich nicht falsch. Ich mag nicht jedes kunterbunt illustrierte mit unzähligen Wörtern gefüllte Buch. Ich bin da sehr eigen. Am besten gefallen mir die etwas schrägen Erzählweisen, die verdichteten Geschichten, die Bilder, die ganz gezielt gesetzt sind und einen gewissen Witz haben. Am liebsten mag ich es, wenn ich als Erwachsene schmunzle und das Kind in mir in den Bann der Geschichte und der Aufmachung gezogen wird.

Fast bei jeder Reise, bei jedem Besuch in der Stadt suche ich einen Buchladen auf und halte mich dort quasi ausschließlich im Kinderbuchbereich auf. Dort schmökere ich, lasse mich in die Welten entführen und bin fasziniert von so manchen künstlerischen Hochleistungen – schriftlich und grafisch. Ich habe auch schon eine beachtliche Sammlung an Kinderbüchern zuhause – Bücher, die ich schon als Kind gelesen habe, Bücher, die ich in unterschiedlichsten Teilen der Welt gekauft habe, Bücher in unterschiedlichsten Sprachen, Formen, Farben und Themen.

Und so komme ich vor kurzer Zeit – nach langer Zeit – drauf, dass Kinderbücher das sind, was meine größten Leidenschaften zusammenbringt – Kinderbücher sind die Essenz meiner Leidenschaften.

Ich liebe es, wenn Dinge schön anzuschauen sind, die Formen und Farben wie ein Gedicht ineinandergreifen. Oder sie sich aber so widersprechen, dass das Gesamtkonzept wiederum als Ganzes ästhetisch – also mit den Sinnen erlebbar – ist.

Wenn Geschichten Humor haben und dabei tief, richtig tief gehen dürfen. Ich liebe es, über skurrile Themen und Probleme, über die Schönheit und Unverständlichkeit der Welt nachzudenken. Und ich liebe es auch, Lösungen zu finden und Hintergründe zu verstehen oder verständlich zu machen.

Ich liebe es, mich pädagogisch wertvoll auszutauschen und zu visionieren, wie eine Welt, in der Kinder wirklich mitbestimmen, aussehen könnte. Ich liebe Wörter und alles, was man damit machen kann.

Dann sollte ich Kinderbücher schreiben, sagt ihr? Ich wäre sogar wahrscheinlich richtig gut darin? Ja? Na wisst ihr was? Ich bin schon dabei! Und das zu tun, ist die größte Freude, die ich mir wünschen kann.

Ihr werdet zu den Ersten gehören, die erfahren, wenn das Buch (die Bücher!) da ist! Versprochen!

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Über die Frage der Einfachheit

Ist es einfach, wenn man nicht überall mitmacht? Weder mitmachen muss, noch mitmachen will?

Es ist einfach, wenn man selbst entscheiden kann, was man braucht und was nicht. Wenn man sich nicht ausgeliefert fühlt und meint, man müsse und solle und wolle und tue eben. Aber es ist nicht so einfach, dem großen, schönen Angebot standzuhalten.

Ich denke an so viele Bereiche, die ich einfach nicht mehr mitmache. Seit Längerem (Fleisch!) oder noch nie (Alkohol!) oder seit Kurzem (neues Gewand!). Weil ich gemerkt habe, dass „man“ so vieles auch einfach nicht mitmachen muss.

Es ist einfach und macht das Leben einfach, nicht das neueste Gewand, das neueste Auto, das neueste Handy zu brauchen. Es ist sogar noch einfacher, einfach damit auszukommen, was ich habe – egal, ob das Gewand, Technik oder sonstiger Schnickschnack ist.

Die Entscheidung, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe, hat viel mit Genügsamkeit zu tun. Wenig mit Verzicht. Es fühlt sich mittlerweile für mich fast besser an, etwas nicht zu kaufen, als es tatsächlich zu kaufen. Wenn ich draufkomme, dass ich etwas einfach nicht brauche, ist das immer ein schöner Moment für mich. Und natürlich, die Welt ist nicht dafür gemacht. Also die natürliche Welt schon, die materielle eben nicht.

Es gibt so viel Angebot – von allen Seiten, zu jeder Zeit, in jedem Bereich. Es gäbe so viel, es bräuchte so viel, es wäre doch so praktisch und wichtig und überhaupt gehört es halt einfach dazu.

Sobald man das aber mal durchblickt hat und sieht, dass es auch anders, ganz anders, geht, sind diese verlockende Angebote gar nicht mehr so verlockend. Sobald der Blick ein bisschen hinter die Konsumszene geht, ist dieses Angebot auch nicht mehr so leicht vertretbar oder gar schön.

Ich möchte hier keine Moralapostelfrau sein. Ich kaufe immer wieder Dinge – manche auch, die ich nicht „unbedingt brauche“. Aber diese sind – wirklich in jedem Bereich, ob das Nahrung, Gewand, Hausausstattung, Bücher, Dekoration etc. ist – wirklich wohlüberlegt und gut ausgesucht. Und das macht den Unterschied.

Es ist wirklich einfach, da nicht mehr mitzutun. Und gleichzeitig ist der Schritt aus der Kaufen-Spirale gar nicht so einfach. Er erfordert ein Maß an Klarheit, Durch- und Dahinterblick, Selbstliebe und Mut. Denn Neinsagen war noch nie ganz einfach. Wird aber immer wieder belohnt – und diese „Belohnungsfreude“ hält länger an, als die nach einem Shoppingtrip. Versprochen!

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Von der tiefen Leichtigkeit


Ich rede und schreibe ja oft darüber, dass Dinge leicht gehen dürfen. Oder sogar sollen. Dass eine gewisse Leichtigkeit nötig ist und dass ich nicht wirklich daran glaube, dass die Dinge, die ich wirklich haben möchte, schwer zu mir kommen müssen. 

Wenn ich schreibe, dann muss es leicht gehen. Ich setze mich vor den Computer, beginne zu schreiben und meine Gedanken füllen die Seiten. Es ist wirklich, als würde ich von der (Pampel)Muse geküsst werden. Innerhalb weniger Minuten ist mein Text fertig. Ich lese ihn noch einmal durch, bessere Kleinigkeiten aus, die im Rausch des Schreibens untergegangen sind und kann ihn mit der Welt teilen. 

Das wirkt sehr leicht. Und so empfinde ich das in diesen Momenten auch. Aber – und hier kommt die Crux bzw. auch die Tiefe dieses Themas – der Text, den ich schreibe, beginnt schon viel früher zu entstehen. Ich habe einen Gedanken, lese etwas dazu, höre mir einen Podcast über das Thema an, rede darüber, stelle Fragen, diskutiere und beginne in meinem Kopf schon einzelne Bestandteile des Texts zusammenzufügen. Den Titel zum Beispiel. Oder einzelne Sätze, die mir dazu oder darüber gefallen. Auch im Unterbewusstsein arbeitet dieses Thema dann über länger oder kürzer. Anders kann ich es mir sonst nicht vorstellen, dass ich plötzlich überall und immer wieder damit in Verbindung komme. Dass ich dieses Thema für eine gewisse Zeit dann sozusagen anziehe (Gesetz der Anziehung…? Oder doch selektive Wahrnehmung…?)

Und dann kommt der Moment, an dem ich mich zum Computer setze und schreibe. Die Vorgeschichte, die Vorbereitung – bewusst und unbewusst – in mir, in meinem ganzen System – und dann schreibe ich. Es geht leicht, wenn ich den richtigen Moment erwische. Wenn ich sozusagen mit dem Thema schwanger gegangen bin (verwendet noch jemand diesen Ausdruck außer mir?) Wenn das Thema also in mir entstanden und gereift und nun bereit für die “Geburt” ist. 

Denn der Text scheint wohl nur die Spitze des gedanklichen Eisbergs zu sein. Darunter verbergen sich zahlreiche Stunden, Gedanken, eine Tiefe und Weite, Arbeit (im herkömmlichen und nicht herkömmlichen Sinne) und Kreativität. Mit einer gewissen Prise Glück oder wie man das auch immer nennen mag – Einfall, Inspiration, Liebe…

Und so, meine Lieben, entstehen die Texte hier. Mehr dahinter als nur “Leichtigkeit” – obwohl ich immer noch stark daran glaube, dass es diese Leichtigkeit als Loslassen, als Öffnen, als Spannungsabbau braucht.

Und jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass ich meine Texte selbst so gerne mag. Denn dahinter steckt mehr als ein bloßer Worterguss spontan zusammengefundener Gedanken. Dahinter steckt, worüber ich mir Gedanken mache, wohin ich meine Energie schicke, woher ich meine Kraft nehme, wie ich mein Leben gestalte. Denn diese Gedanken, lange bevor ein Text entsteht, begleiten meine Tage, meine Wochen, mein Leben. 

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Auf ein Zeichen warten

Warten wir aufs Zeichen, ist es wohl Zeit, selbst eines zu setzen. Und in diesem Fall, in diesem Text, gehts heute um das Fragezeichen.

Denn dieses kleine, rundlich geformte Dinglein hat es in sich. Es verändert den Inhalt dessen, was ihm vorausgeht. Es macht sich breit und ist dann auch nicht mehr wegzudenken. Dieses kleine Zeichen, das den Satz zu einer Frage macht, spielt also heute hier die Hauptrolle.

Das Fragezeichen nämlich kann etwas, das wir oftmals vergessen. Indem es sich hinten anstellt und dazugesellt, macht es das Vorausgegangene zu etwas nicht Naturgegebenem. Es hinter-fragt.

Unlängst habe ich in einem SEHR empfehlenswerten Buch* die Inspiration zu diesem Text und zu ganz vielen Gedanken, die sich daraufhin in meinem Kopf und Leben aufmachten, gelesen. Es geht darum, die bestehenden Sätze (wasauchimmer), die mit einem Punkt oder gar einem Rufzeichen versehen sind, schleunigst mal auf ihre Fragezeichen-Fähigkeit hin zu untersuchen. Sie also „einfach“ zu einer Frage zu machen und sie dadurch auch zu hinter-fragen.

Einfach geht da wahrscheinlich gar nichts und gefährlich ist es obendrein, „Gegebenheiten“ nicht als gegeben zu verstehen. Denn dann lösen sich Glaubenssätze, Einstellungen und vielleicht sogar Welten auf! Oder?

Besonders in Bezug auf die neue Welt, auf frauen- und menschenrechtliche Ansätze, auf Erziehung, auf Weltanschauungen, auf Beziehungsleben, auf Ernährung, auf Umweltereignisse und (und und…) die tägliche Gestaltung des eigenen, kleinen Lebens sollten viel, viel mehr Fragezeichen zum Einsatz kommen.

Denn etwas, das so ist, weil es eben so ist, ist noch lange nicht Fragezeichen-sicher. Probiert es mal aus! Macht ein Spiel daraus! Ich habs gespielt und finde es höchst amüsant! … höchst amüsant … amüsant?

*“Untenrum frei“ von Margarete Stokowski – bitte, bitte lesen! Männer und Frauen, Mädchen und Buben und alle dazwischen! Lest es und werdet schlauer, empathischer und vor allem noch reflektierter, als ihr es ohnehin seid. ? . ? . ? .

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Laufen fürs Gemüt

Ich komme gerade von einer Morgenlaufrunde zurück. Die Luft ist kalt und klar, die Sonne wärmt erst ganz leicht und die Welt ist noch still. Ich bin müde.

Ich beobachte Vögel, wie sie hoch oben ihre Runden drehen, schaue Kühen zu, wie sie über die Straße aufs Feld gehen. Ich richte meinen Blick in die Ferne und entdecke die ersten mit Schnee bezuckerten Berge dieses Jahres. Die Luft ist kalt und klar, die Sonne wärmt schön langsam etwas mehr. Und auch mein Körper wacht auf. Nicht nur mein Körper – nein, mein ganzes Gemüt erwacht plötzlich!

Beim Anblick der Berge in der Ferne wird mir ganz warm ums Herz. Ich habe Tränen in den Augen, so sehr berührt mich dieser Moment. Die Welt ist still und langsam und ich laufe durch den Wald.

Vor Kurzem habe ich festgestellt, dass mir Laufen und Bewegung im Allgemeinen so sehr gut tun. Dass ich mich fast aus jedem Loch, aus jedem Weinen, aus jedem Zweifel herausbewegen kann. Ich laufe fürs Gemüt. Viel mehr als fürs Fit- oder Schönsein. Viel mehr. Ich laufe, weil es mich erfüllt, weil ich meine Gedanken auf eine weite Reise schicken kann, weil ich bei jedem Schritt innerlich leichter werde.

Jetzt ist es nicht so, dass ich nur laufe, wenn ich innerlich Last verspüre. Ich laufe und bewege mich grundsätzlich liebend gerne. Ich liebe das Gefühl währenddessen und ich liebe es danach, das Heimkommen und Spüren meines Körpers, das Leichtfühlen und in Balance sein.

Ich laufe fürs Gemüt. Denn mein Geist braucht diesen Ausgleich. Es ist wahrlich ein Genuss, diese Erkenntnis zu haben. Denn dann werden Zeiten und Zahlen, Strecken und Erfolge plötzlich unwichtig. Ich laufe und wenn mir danach ist, gehe ich. Ich bleibe stehen und schaue, halte inne und atme, wenn ich das gerade möchte. Oder ich laufe ganz schnell, um mich frei wie ein Kind zu fühlen.

Laufen fürs Gemüt. Rundherum gesund. Das ist es wohl.

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Meinungsveränderungen

Oh, wie ich das hatte! Oh, wie normal ich das fand! Oh, wie sehr es mich und meine Entscheidungen beschränkt hat. Oh, wie schön, dass ich mich langsam ändere. Oh, wovon ich schreibe?

Diese vorgefertigte, von mir erstellte, allerdings wenig fundierte und wenig überraschend einengende, sowie quasi nicht aktualisierte Meinung(en) über mich, die Welt und das Leben.

Das ist gut, weil blablabla. Und das ist so schlecht, weil blablabla. Und das werd ich niemals tun, weil blablabla. Und ich bin einfach so, weil blablabla.

Ich hab mir selbst ganz lang viel zu viele Dinge geglaubt. Einmal irgendwo gelesen und zu meiner Meinung gemacht. Sehr komott. Oder einmal (nicht wirklich, aber halt ein bisschen) drüber nachgedacht und zack – zu einer ultimativen Wahrheit erkoren.

Ich möchte mein jüngeres, früheres, gestriges Ich hier nicht schlechtmachen. Zu diesem Moment hab ich es vielleicht einfach noch nicht besser gewusst. Aber ich möchte mein heutiges, mein jetziges Ich dafür loben, dass es Dinge genauer betrachtet, nicht gleich Nein schreit und davonsaust, sondern erstmal zuhört. Und dass es auch immer wieder sein Bestes versucht, dieses Ich. Aber jetzt mit etwas mehr Ruhe und Besonnenheit.

Ich hab meine Meinungen und merke einfach immer wieder, dass es mehr braucht – mehr Sichten, mehr Perspektiven, mehr Erfahrung, mehr Geschichten, mehr Verständnis, mehr Weite, mehr Offenheit, um mir meine Meinung zu bilden. Und auch, dass sie sich ändern darf, diese Meinung. Vielleicht soll sie das sogar. Denn Veränderung ist ja bekanntlich die einzige Konstante. Und zu einer ordentlichen Veränderung gehört wohl die festgefahrene, über-Alles-gestellte Meinung mehr als nur entfernt dazu.

„In einem Jahr werden wir auch wieder andere Menschen sein“. Das hat eine meiner engsten Lebensfreundinnen vor Kurzem gesagt. Sehr weise, wie ich finde. Und das fasst meine Gedanken hier wohl auch sehr gut zusammen.

Andere Menschen. Mit neuen An- und Einsichten, neuen Erfahrungen, neuen Geschichten im Gepäck, neuen Meinungen und neuen Gedanken. Gut so, sonst würd sich das Ganze immer wieder nur im Kreis drehen. Und da kann einem (und einer) ja nur schwindelig werden.

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Gast-Freundschaft

Ich steh gerade in der Küche und koche mir Nudeln. An sich nichts Besonderes. Und doch: Ich bin nämlich nicht in meiner Küche. Und es sind auch nicht meine Nudeln – und irgendwie schon.

Wir sind bei Freund:innen auf Besuch und es ist mehr ein Heimkommen und hier Wohnen, als ein Gastsein. Diese Gast-Freundschaft, die ich hier spüre, ist riesengroß. Denn die beiden lassen uns viel mehr als nur bei ihnen schlafen. Wir sind Teil des Lebens, Teil der Familie für die Zeit, die wir hier sind. (Natürlich auch, wenn wir nicht hier sind! Aber jetzt in live ist es doch noch mal was Anderes!). Sie teilen ihren Lebensraum, ihre Zeit, ihr Essen – ihr Leben in dieser Zeit hier mit uns.

Wir werden hier empfangen und es ist nicht alles blitzeblank aufgeräumt – eben, weil wir keine Gäste sind. Weil wir Teil der Familie sind, weil weder sie noch wir hier mehr oder weniger tun (müssen). Für mich ist es jedes Mal eine Ehre, in einer fremden Wohnung staubzusaugen. Und ja, das meine ich wirklich so. Und nein, ich mach das nicht sehr oft. Aber wenn, dann bin ich jedes Mal wieder erstaunt, wie schön ich das finde. Denn es ist wie daheim. Und das macht das Hiersein so unkompliziert, authentisch, einfach und schön.

Jedes Mal, wenn ich nämlich so gast-freundschaftlich (und nicht gastfreundlich, was auch sehr nett, aber eben weiter weg als gastfreundschaftlich) empfangen werde, fühle ich mich gleich rundherum wohl. Ich weiß, dass ich nicht fragen muss, ob ich etwas aus dem Kühlschrank nehmen darf. Ich weiß, dass ich mich ausbreiten, meinem eigenen Rhythmus folgen kann und gleichzeitig als Teil dieser Familie eine wichtige Rolle übernehmen darf. Ich weiß, dass ich meine Ruhe haben darf, und mich im nächsten Moment liebend gerne mit jemandem unterhalte.

Diese Gast-Freundschaft ist etwas wirklich Kostbares. Und oft erlebe ich sie auch nicht. Was nicht schlimm ist – ich muss nicht überall staubsaugen, am Wohnzimmerboden schlafen und den Kühlschrank durchsuchen. Aber ich genieße gerade das besonders hier.

Also hier ein Danke an die beiden, sie wissen bestimmt, dass sie damit gemeint sind. Es ist wirklich eine Wohltat, ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit, mit wie viel Liebe wir hier sein können.

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Es muss immer erst was passieren…

… bevor sich was ändert.
Ein Satz, eine Einstellung, eine Lebensweise, eine Alltagswahrheit.

Es muss immer erst was passieren, damit wir umdenken. Die Welt muss brennen, der Rücken wehtun und die Seele weinen. Erst dann verändern wir etwas. Erst dann können wir etwas verändern. Es muss immer erst was passieren.

Was für eine gefährliche, gefährliche Halbwahrheit. Was für eine irreführende, ungesunde und kleinmachende Einstellung zum Leben das ist. Und wie normal sie gleichzeitig behandelt wird.

Meine Sicht auf diese Dinge ist anders. Vielleicht radikal anders. Denn ich mache Dinge, die mir guttun, jetzt schon. Nicht erst dann, wenn was passiert ist. Ich bewege mich und gebe meinem Körper gutes Essen, nicht, weil ich mich unwohl fühle oder krank war/bin. Nein, weil ich meinen Körper und meinen Geist gesund halten möchte. Gesund und munter, mobil und glücklich. Ich beende Dinge, die mir nicht guttun, nicht an einem Moment der vollkommenen Verzweiflung, sondern davor. Wenn ich merke, dass sie mir nicht (mehr) guttun. Ich umgebe mich viel und oft mit Menschen, die mir guttun. Die mich bereichern und zum Lachen bringen. Ich verbringe wenig Zeit mit den anderen.

Das braucht natürlich ein feinfühliges Hineinspüren und Kennen der eigenen Bedürfnisse. Das braucht auch Mut und den Drang zur Freiheit und zur (geistigen, körperlichen, …) Gesundheit. Es braucht zudem eine ordentliche Portion Selbstliebe, etwas zu tun oder zu lassen, das gut oder nicht (mehr) gut für eine ist. Und zwar vor der großen Krankheit, dem großen Zusammenbruch oder der großen Enttäuschung.

Natürlich passieren schlimme Dinge. Und natürlich ist es wichtig, daraufhin etwas zu ändern. Und es erfordert Mut und Selbstliebe und Gesundheit, das auch zu tun. Was ich mit meinem Text und meinen Gedanken aber sagen will, ist, dass es auch davor schon geht, seinem Körper und seinem Selbst etwas Gutes zu tun. Dass es nicht eine „Belohnung“ braucht, wenn etwas eh so schlimm war. Sondern dass Vorbeugen wahrscheinlich gesünder ist als Heilen. Dass ein vorzeitiges Einschreiten und Stoppen, ein Hineinfühlen und Vorausdenken möglich und wichtig sind. Für uns selbst, die Menschen um uns und auch für die Welt.

Denn wir dürfen genießen, ohne uns für irgendetwas zu belohnen. Dürfen gesund sein, ohne krank gewesen sein zu müssen. Dürfen selbst aufhören, ohne gestoppt worden zu sein. Dürfen Nein sagen, ohne es erklären zu müssen. Dürfen Dinge selbst entscheiden, ohne alles glauben zu müssen. Denn es muss nicht immer was passieren, um etwas zu ändern.

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Alleine deshalb…

… zahlt es sich schon aus, zu leben.

Diese weisen Worte hat meine Mama vor Kurzem beim Kaffeetrinken in einem wunderschönen und gemütlichen Café gesagt. Sie war – wie ich auch – so berührt von diesem schönen Ort, hat ihren schön hergerichteten Cappuccino geschlürft und diese schönen Worte von sich gegeben.

Und ja, sie berühren mich wirklich, diese Worte. Es ist so wichtig, diese kleinen großen Momente zu feiern. Es ist so wichtig, das alles nicht einfach hinzunehmen. Es ist so wichtig, immer wieder innezuhalten und für das Leben dankbar zu sein.

Und deshalb möchte ich diesen Text dem Leben widmen.

Ich möchte mich von tiefstem Herzen bedanken, bei dir, liebes Leben. Danke für all die Menschen, die ich um mich haben darf. Meine Familie, die unterstützend, bedingungslos liebend, wertschätzend ist. Meine Familie, die zusammenhält und die sich selbst mag. Meine Familie, die miteinander lachen und weinen kann, die streitet und sich versöhnt, die laut sein kann gemeinsam und auch ganz leise.

Die wichtigen Menschen in meinem Leben, die mir – egal, wie weit weg sie leben oder wie (wenig) oft ich sie sehe – so nahe sind. Die ich zu unterschiedlichsten Dingen im Leben um Rat und Meinung fragen kann, die mit mir ihre Ängste und Unsicherheiten teilen und die ich von ganzem Herzen schätze für das, was sie sind.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass du es mir ermöglichst, dass ich so lebe, wie ich lebe. Dass ich es leicht habe und es mir leicht machen kann. Dass ich das Kleine so sehr schätze, mich an Farben und Mustern erfreuen kann, dass ich spielen und tanzen kann, dass ich mich bewegen und still sein kann. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich mir aussuchen kann, was ich mache, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass ich schon so viel von der Welt sehen und erleben durfte. Dass ich meinen Weg hinein in so viele Unsicherheiten so bestimmt und im vollsten Vertrauen gehen durfte. Dass ich vieles ausprobieren und wieder lassen konnte, dass ich auf meinem Weg so viel Rückenwind gehabt habe und aus dem Gegenwind lernen durfte. Auch dafür bin ich so dankbar.

Die Liste an Dingen, für die ich dankbar bin, geht weiter. Jeden Tag halte ich kurz inne und überlege, für welche Momente des Tages ich dankbar bin. Einen dieser Momente schreibe ich dann auch auf. Und so habe ich bisher in diesem Jahr eine Sammlung mit 242 Glücksmomente angelegt. Das kann sich sehen lassen, oder?

Beim Sitzen in diesem Kaffeehaus hatte ich Tränen der Überwältigung in den Augen. Denn dieser Moment war ein Inbegriff des Guten für mich. Ein Inbegriff der Freiheit, des Friedens, der Leichtigkeit, des Genusses. Ein Inbegriff dessen, was ich meine, wenn ich vom guten Leben spreche. Und dieser Moment ist einer der – wohl weit mehr als – 242 Glücksmomenten in diesem Jahr…

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Mein Gespräch mit der Stimme

Ich habe endlich viel Zeit. Viel Zeit, die ich mir frei einteilen kann. Zeit, die ich so verbringen kann, wie es mir passt. Es gibt keine Struktur, keine Eile, keine Vorgaben. Zumindest fast keine. Wäre da nicht die Stimme in meinem Kopf, die brav kategorisiert. Die Stimme, die meine Aktivitäten einteilt in „gut“ und eben „nicht so gut“, weil wenig produktiv, wenig kreativ, zu wenig von irgendwas.

Diese Stimme, die gab es natürlich auch schon vorher. Ich glaub, die gab es schon immer. Ich komme aus einer Familie, die gerne viel macht. Und so bin ich aufgewachsen, habs so miterlebt und bin selbst so geworden. An sich ja nichts Schlechtes. Ich bin gerne sportlich, produktiv und kreativ. Erledige gerne Sachen, mache drei Dinge auf einmal und freue mich, wenn etwas abgeschlossen ist. So weit, so gut. Gäbe es da nicht die andere Seite dieses immer viel tun Wollens. Denn diese andere Seite ist faul und irgendwie immer ein bisschen zu wenig. Herumliegen und fernsehen, wenn das Wetter schön ist? Die schmutzige Küche noch ein bisschen länger schmutzig sein lassen und einfach später abwaschen? Wieder einen Tag ohne Berg-, Rad-, Lauftour erleben? All das ist gar nicht so einfach, mit dieser inneren Stimme, die das nicht mag.

Und da ich jetzt weiß, dass ich diese innere Stimme habe, versuche ich ihr nicht mehr allzu genau zuzuhören. Natürlich hör ich sie, ich sag ihr dann aber mittlerweile schon bestimmt und fast vollkommen überzeugt, dass es das nun mal ist, was ich jetzt tun möchte. Dass es ok ist, sag ich ihr auch. Und dass auch sie sich mal ausruhen soll. Dass sie sich bewusst werden soll, dass es keine „guten“ oder „schlechten“ Dinge gibt. Dass es sicherlich Dinge gibt, die gut tun und dadurch auch vermehrt getan werden sollten. Doch da vertrau ich meinem Gefühl, dass ich eh das mache, was ich für mich in diesem Moment für richtig halte. Und das wird wohl auch am nachhaltigsten sein, denk ich mal.

Ich mag es, wenn mir Dinge bewusst werden. Dann sind sie an der Oberfläche und ich kann mit ihnen arbeiten. Kann – wie mit dieser Stimme – umgehen lernen und sie akzeptieren oder auch verändern, wenn ich das will. Viel zu lange hat diese Stimme einfach in mir drinnen geschlummert und sich immer wieder laut gemacht, ohne befragt worden zu sein. Viel zu lange war es mir nicht bewusst, dass ich mir selbst (oder eben dieser Stimme, die ich ja auch bin) nicht alles glauben muss. Und jetzt, endlich – habe ich auch dafür Zeit, mich von ihr zu verabschieden und sie im Vertrauen in mich zum Schweigen zu bringen. Denn diese Stimmen, die dagegenreden, die sind nicht grad die nettesten Gesprächspartnerinnen.