achtsam · kreativ · reisend

Wenn die Ideen das Nest verlassen

Diese Ideen, die sich seit Monaten (manche seit Jahren!) in meinem Kopf herumtreiben, sie haben es geschafft. Sie haben das Nest verlassen.

War das ein wunderschöner Moment! Ein stolzerfüllter, glücklicher, rotebäckchenhabender, zitternder, aufregender, ganz warmer Moment. Im Grunde genommen haben in den letzten Tagen sogar gleich mehrere Ideenbabies das Nest verlassen. Jetzt flattern sie nicht mehr nur in meinem Kopf (und in dem von ein paar ausgewählten, ganz lieben Menschen) herum, sondern ihre Reise geht hinaus in die Welt.

Lange habe ich sie aufgezogen, genährt, mich um sie gekümmert und gesorgt – doch jetzt war der Moment da und sie durften raus. Leicht war das nicht immer, besonders weil solche kreativen Ideenvogerl Zeit und Liebe und Muße und die richtigen Menschen um sich brauchen. Weil sie, wenn die Federn noch nicht fertig gewachsen sind, manchmal noch zitternd vor mir stehen und nicht so recht wissen, wohin sie wollen. Weil der Wind stark sein kann und die Reise lange.

Ich musste ganz oft aufhören und wieder anfangen, umdenken und neumachen. Musste mich trauen, musste an mich glauben und vertrauen, dass sie schon wachsen, diese kleinen Ideengestalten.

Und ja, jetzt sind sie mal in der Welt. Sie werden zurückgeflogen kommen, das muss so sein. Fertig sind sie noch nicht, nicht alle. Aber ihre Flugroute kann ich gerade nicht bestimmen, den Wind kann ich nicht ändern und auch nicht die Hindernisse, die ihnen in den Weg kommen.

Doch ich hab sie vorbereitet, hab sie mit dem Besten, das sie brauchen und ich geben konnte, ausgestattet. Und das muss jetzt erst mal reichen.

Ich bin ja gespannt, was sie zu erzählen haben, wenn sie zurückkommen. Wen sie getroffen haben werden und wie wir gemeinsam weitermachen wollen und können und werden.

Auf bald, ihr lieben Ideen. Ich freu mich auf eure Rückkehr – und lass euch jetzt mal Zeit zum Entdecken und Fliegen!

(Was es mit der Geheimnistuerei auf sich hat? Naja, irgendwann werd ich euchs schon zwitschern, woran ich da so dahinwerkle – mit Schreiben und Büchern und Kunst hats jedenfalls zu tun, Überraschung, Überraschung!)

achtsam · kreativ · reisend

Das E-Bike, ein Gedicht

Ich liebe mein E-Bike und auf allen Wegen
kommt es mir viel mehr als nur gelegen.
Denn dieses Rad, es bringt mich weiter,
macht mich froh und macht mich heiter.

Es zeigt mir, wie leicht es ist, mich zu bewegen,
es zeigt mir, wie schön es ist, Wege zurückzulegen.
Es lehrt mich Leichtigkeit und Hochgenuss,
vertreibt die Schwere und den Verdruss.

Mein Rad, es lässt mich schweben
und ohne zu überlegen,
fahre ich weit und fast jeden Tag
und wer sich jetzt noch fragen mag,
was dann los ist mit Sport und Schinden,
naja, für mich ist es kein Überwinden.

Ich habe gelernt, dass es leicht sein kann
und wo fange ich jetzt am besten an?
Dass ich mich bewege für mich und meinen Körper
und auch einfach vom Draußensein werde ich stärker.

Dass ich es im Moment nicht brauch –
und das gilt für andere Bereiche auch – 
dass es schwer geht und nur mit Schwitzen
auf meinen Zahlen, Höhenmetern oder Zeiten zu sitzen.
Das ist nichts für mich,
macht mich nicht mehr glücklich.

Und manchmal frag ich mich, für wen wollte ich sie machen,
all die besseren, die schnelleren, die höheren Sachen?
Ob es nicht genug ist, mich selbst gut zu fühlen,
ohne mich oder die anderen dabei anzulügen?
Das scheint ein großes Wort zu sein,
doch für mich war es einfach oft Schein statt Sein.

Und um jetzt wieder zurückzufinden,
möchte ich niemandem hier den Sport unterbinden.
Sportlich sein ist schön und gut,
nur ich zieh nicht mehr gleich vor jemanden den Hut,
der oder die etwas Großes geschafft,
und sich damit fast kaputt gemacht.
Denn für mich ist Stärke auch die Ruhe zum Innehalten,
das Helfenlassen und Stoppen und Motor einschalten.

Dieser Text übers E-Bike ist fast eskaliert,
doch hab ich mit diesem Rad erst kapiert,
dass ich mich bewege, damits mir gut geht
und dabei hilft mir dieses Gerät.

Denn es bringt mich an schöne Orte, lässt mich fliegen,
der Ehrgeiz bleibt im wahrsten Sinne auf der Strecke liegen.
Denn nur, weils hart war, ists nicht auch gleich gut,
und so befind ich mich auf der Hut,
mit solchen Gedanken und machs mir lieber fein,
lade Leichtigkeit und Genuss zu mir aufs Rad ein. 

achtsam · selbstliebend · weiblich

So nahe.

Wir sind uns so nahe.

Ich sitze neben ihr, vor uns ihr neugeborenes Kind und zwischen uns steht nichts, gar nichts. Der Raum ist warm, die Luft ist rein und unsere Worte sind es auch.

Wir sind uns so nahe.

Kennen uns seit immer, teilen einen großen Teil unserer Familie, haben vieles gemeinsam erlebt. Und sie sitzt vor mir, so selbstbewusst, so klar, so in sich ruhend. Ihr Kind ist wunderschön, anders könnte es gar nicht sein. Sie ist wunderschön, von innen und von außen.

Wir sind uns so nahe.

Reden über die tief-, so tiefliegenden Schichten unserer Gefühle. Über unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart, unsere Zukunft. Über Hoffnungen und über Menschen. Wir reden über das Zuhören und hören einander gleichzeitig so aufmerksam zu.

So nahe sind wir uns.

Wir zerlegen die Welt, unsere kleinen Welten und stellen fest, dass wir uns so viel wünschen – für uns und ihr Neugeborenes. Dass wir irgendwie wissen, dass es gut ist und wird und sein soll. Auch darüber sprechen wir.

So nahe fühle ich mich.

Wir sind da, füreinander. Und zeigen uns das auch. Es tut im Herzen gut, bei ihr zu sein. Ich schaue ihr Neugeborenes an und bin so stolz auf sie. Auf alles, was sie gemacht und geschafft hat. Es ist, als hätte ich es erlebt, nur anders.

Wir sind uns so nahe.

Das waren wir immer, irgendwie. Und das werden wir immer sein, irgendwie.

So nahe.

Eine wunderschöne Nähe, die ich hier beschreibe. Eine Nähe, die nährt und stärkt und Kraft schenkt und so klar und echt ist. Solche Momente, Beziehungen und Freundschaften wünsche ich uns allen.

achtsam · allgemein · nachhaltig

Nichts darf es nicht sein.

Es rüttelt mich. In meinem Bauch zieht sich alles zusammen. Habe Tränen in den Augen. An sich bei mir ja nicht so was Außergewöhnliches. Und doch. Denn wieder einmal stehe ich vor dieser riesengroßen Wand an Unverständnis. Vor diesem Haufen an Ignoranz und Unwissen. Vor dieser riesengroßen Tür, hinter der sich immer mehr erschreckende Fakten versammeln.

Ich stelle fest, dass ich lange Dinge voneinander isoliert betrachtet habe. Nicht, weil ich mich nicht informiert hätte. Hab ich ja, solange es bequem war. Weil ein tieferes Verständnis mit immer mehr tiefergehenden Änderungen einhergehen hätte müssen.

Wovon ich hier schreibe? Was ich meine und welcher heiße Brei es ist, um den ich hier herumrede? Umweltschutz. Artenvielfalt. Karnismus. Feminismus. Menschenrechte. Kapitalismus. Egozentrik. Klimakrise. Ökologischer Fußabdruck. Autofahren. Plastikmüll. Und viele mehr. Viele.

All diese großen, mit unendlichen Inhalten gefüllten Schlagworte sind miteinander verbunden. Und das enger, als wir es glauben möchten. Was diese Begriffe eint, ist vor allem, dass Systeme dahinterstecken. Dass es systematisch falsch rennt, was da so rennt. Dass es um Macht geht, anstatt um Schutz. Dass es um Geld geht, anstatt um einen etwas gewagteren Blick in eine Zukunft für uns alle. Es geht um Angst, es geht um Verlust und es geht um Veränderung – die wir nicht bereit sind, einzugehen. Es geht um Bequemlichkeit, um Überlegenheit und um die Frage, ob das nicht alles sowieso übertrieben ist.

Was war ich naiv! Welche neuen Welten und Zusammenhänge sich da jetzt auftun, richtig spannend! Und Zeit wars! Und falls ihr diesen Text lest und euch denkt, was ihr genau tun könnt, damit meine (und eure (Enkel-)) Kinder noch auf der Erde leben können: informiert euch! Fangt bei einem beliebigen Thema der Auswahl oben an und ihr werdet sehen, wie eng verknüpft sie alle sind. Und was ihr dann damit macht, das werdet ihr sehen. Nichts wird es nicht sein. Nichts darf es nicht sein.

Was mich gerade jetzt wieder mal so wachgerüttelt hat, ist der Film “Seaspiracy“. Sehenswert, allgemeinbildungstechnisch.

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Wütende Gedanken

Manchmal, da bin ich so wütend.

So wütend, dass ich gar nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist. So wütend, dass ich all die Ich-Botschaften, Kommunikationsregeln und Empathiestrategien komplett vergesse. So wütend, dass ich so spreche, wie ich es nicht wollen würde, dass mit mir gesprochen wird. So wütend. Und das nicht mal wegen einer großen Sache.

Es ist mir peinlich, so wütend zu sein. Es ist anstrengend und es tut mir weh, wenn ich durch mein Wütendsein andere verletze. Es ist unangenehm und bringt im Nachhinein nicht mal wirklich eine Veränderung mit sich.

Wenn ich dann wieder klar denken kann, werde ich ruhig. Unsicher und in mich gekehrt. Wenn ich dann wieder klar denken kann und die Wut sich verflüchtigt hat, kann ich das, was vorher wütend aus mir heraus explodierte, plötzlich verstehen und anders formulieren.

Eines der Dinge, die mich in diesem Kontext besonders stutzig gemacht haben, ist, dass ich es doch besser wissen sollte. Dass ich mich doch so viel mit mir, meiner Sprache und meinem Verhalten auseinandersetze. Dass ich doch eigentlich weiß, worum es in den Konflikten geht. Dass ich doch eigentlich verstehen kann, wo die wirkliche Krux an der Sache liegt. Es macht mich stutzig und nachdenklich, dass ich nach all den Jahren der Selbstreflexion, des Wachsens, des Hineinhörens, des Kennenlernens neuer Ansichten, Meinungen und Welten immer noch so ungehalten, aggressiv und abwertend reagiere auf manche Situationen.

Und dann hatte ich diesen Gedanken. Diesen befreienden, diesen selbstfürsorglichen, diesen akzeptierenden Gedanken: Die Frage ist nicht, warum ich nicht wo anders stehe, nach all diesem Empathie-Selbstliebe-Bewusstseins-Reflexions-Metaebene-Bootcamp der letzten Jahre. Die Frage ist, wo würde ich stehen, hätte ich all das nicht gelernt, erfahren, ausprobiert, erlebt, dazugelernt?

Ich darf diese Frage in mir beantworten. Denn ich merke, dass ich schneller aus der Wut wieder in einen klaren Zustand komme. Dass ich es mittlerweile auch mal schaffe, mich zurückzunehmen und die Sache nicht größer zu machen, als sie ist. Dass ich mir beim Hineinwirbeln in die Gedanken auch Hilfe holen kann, um wieder herauszukommen, auch das habe ich lernen dürfen.

Viele Dinge haben sich verändert. Und dass ich immer noch wütend werde, finde ich gar nicht mehr so schlimm. Ich merke sogar, dass es nicht darum geht, nicht mehr wütend zu werden, sondern vielmehr darum, wie ich damit umgehen kann. Und damit werd ich immer besser, das ist ja schon mal was.

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Was ist Urvertrauen?

Die Überzeugung, dass die Dinge nicht gut ausgehen müssen, um trotzdem gut zu sein. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass das, was ich mache, wichtig und gut (für die Welt) ist. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich aus meiner Kraft und mit meinen Fähigkeiten etwas bewirken und verändern kann. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich richtig bin, so wie ich bin. Das ist Urvertrauen.

Die Überzeugung, dass ich, wenn ich falle, jedenfalls aufgefangen werde. Das ist Urvertrauen. 

Die Überzeugung, dass ich mit allem, was mir passiert, etwas anfangen kann. Das ist Urvertrauen. 

Die Überzeugung, der tiefe und ehrliche Glaube an das Gute – in mir, anderen und der Welt. Das ist Urvertrauen. 

Urvertrauen ist diese große Kraft, diese innerliche Sicherheit, dieser Hafen in mir. Urvertrauen habe ich nicht gelernt, Urvertrauen habe ich mitbekommen. Und ich kann es mir ohne nicht vorstellen. 

Urvertrauen ist nicht die Lösung für alles Rätsel und Probleme dieser Welt. Doch sie spielt eine bedeutende Rolle auf der Reise zur Lösung dieser. 

Kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die diesen Polster, diese Widerstandsfähigkeit, dieses Rundumpaket an Selbst(ur)vertrauen nicht mitbekomme haben, merke ich im Austausch mit anderen, dass ich wieder einmal beschenkt worden bin. Dass auch dies eines der vielen Privilegien ist, die ich weise und mitfühlend einsetzen muss. 

Und das ist meine Aufgabe. Denn ein Geschenk ausschließlich empfangen zu haben und damit nicht zu spielen, das wäre reinste Vergeudung. Meine Verantwortung, das Urvertrauen nicht ausschließlich für mich zu nutzen, wird mir immer mehr bewusst.

Was das im echten Leben, fern von diesen Worten und Zeilen, bedeuten kann? 

Zuhören. Hinschauen. Auffangen. Da sein. Genauer hinschauen. Genauer hinhören. Annehmen. Die Schwere aufteilen. 

Denn das Gegenteil von Vertrauen ist Angst. Wut. Zweifel. Aggression. Ein Fehlen dieses Urvertrauens kann schmerzvolle Erfahrungen in sich bergen. Es kann viel Arbeit hin zu einer eigenen Mitte, die auffängt, bedeuten. Doch was es wirklich bedeutet, dieses Fehlen des Urvertrauens, das kann ich mir nicht vorstellen. 

Urvertrauen. Ein weites Feld. 

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Manchmal

Manchmal, da hab ich Angst, dass das alles hier zu schnell vorbei geht. Dass es plötzlich aus ist und dass nichts bleibt.

Manchmal, da hab ich Angst, dass ich die schönen Dinge vergesse. Dass sie vergehen, ohne etwas zu hinterlassen. Dass sie weg sind und nie wieder kommen.

Manchmal, da hab ich Angst, dass ich zu sehr in der Vergangenheit lebe. Dass ich mich festhalte an Erinnerungen, die vorbei und weit weg sind.

Manchmal, da habe ich Angst, dass das Leben an mir vorbeizieht. Dass die Zeit zu schnell vergeht und ich nicht merke, wann die wichtigen Momente sind.

Manchmal, da habe ich Angst, dass Menschen von mir gehen und ein Loch in meinem Herzen bleibt. Dass ich diese Verluste nicht verarbeiten kann und zu lange traurig bin.

Manchmal, da habe ich Angst. Und diese Angst fühlt sich ganz groß an. Ganz da und ganz einnehmend. Diese Angst ist nicht schön. Sie tut weh, diese Angst. Sie lässt mich manchmal zittern und gibt mir Gänsehaut, diese Angst.

Doch ich wäre nicht ich, wenn ich diese Angst nicht auch anders lesen könnte.

Denn all diese Angst, die zeigt mir so vieles. Sie zeigt mir, dass ich innehalten muss, um zu spüren. Sie zeigt mir, dass ich langsam und wahrnehmend durch die Welt gehen muss, um zu sehen. Sie zeigt mir, dass ich meine Zeit sinnvoll verbringen muss. Sie zeigt mir, dass ich mich um die Menschen, die mir wichtig sind, kümmern muss. Sie zeigt mir, dass alles endlich und nichts selbstverständlich ist. Sie zeigt mir, dass das Leben es wert ist, gelebt zu werden.

Diese Angst zeigt mir auch, dass ich fühle. Sie zeigt mir, dass ich sensibel bin und wahrnehme, was um mich herum geschieht. Sie zeigt mir, dass es zum Leben dazugehört, zu zweifeln, zu zögern, zu vermissen, zu brechen und zu trauern.

Diese Angst – auch, wenn ich mich manchmal vor ihrem Erscheinen fürchte – zeigt mir, wie lebendig ich bin. Sie zeigt mir, was mir wichtig ist. Sie zeigt mir, wer ich bin.

Diese Angst macht mich demütig, reflektierend, wertschätzend, dankbar. Die macht mich wahrnehmend, nachdenklich und sie berührt mich zutiefst, diese Angst.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Ich! Ich? Ich.

Manchmal, da denk ich mir, wie ich-zentriert meine Texte doch sind. Wie oft die Sätze mit “ich” beginnen und ich nur aus meiner Perspektive schreibe. Ob das nicht zu egozentrisch wirkt, frag ich mich dann.

Und dann überlege ich und merke, dass das die einzige Form ist, in der ich authentisch schreiben kann. Denn nur ich kenne meine Gefühle. Und ich kenne nur meine Gefühle.

Denn ich kann von meinem kleinen Standpunkt aus ja nicht sagen oder wissen, wie es (das Gefühl, das Leben, die Stimmung etc.) für irgendjemand anderen ist. Und dazu kommt eine weitere Erkenntnis:

Ich kann nur so sein, wie ich bin. Ich kann mich weiterbilden, kann meine Schubladen weit aufmachen, kann vieles verändern – doch die anderen kann ich nicht sein. Nicht mal, wenn ich das wollen würde.

Und dann frag ich mich, nach so einer Erkenntnis, warum ich viel zu lange so sein wollte, wie die anderen? Oder in meinem Fall eher genau nicht, wie die anderen. Ohne zu wissen, was und wie die anderen überhaupt sind oder nicht sind.

Die anderen, die doch ihren eigenen Stil haben, in allem, was sie tun. Einen Stil, den ich nicht authentisch annehmen kann, weil ich ja nicht sie bin. Ich denke an mein jüngeres Ich und habe Mitgefühl, denn dieses jüngere Ich wollte ganz oft in (k)eine Schiene passen. Es wollte so oder so sicher nicht sein, anstatt so zu sein, wie es eben ist. Dass das einfach seine (ihre) Zeit braucht, das habe ich lernen dürfen. Dass ich mich zuerst selber besser kennen muss, auch das habe ich lernen dürfen.

Je besser ich mich kenne, umso leichter wird es für mich auch, aus mir selbst zu handeln. Ich schaffe es, immer mehr Dinge zu machen, die aus mir kommen. Die mir entsprechen, die ich aus mir schöpfen kann, die meinem Stil entsprechen, die mich ausmachen. Jetzt merke ich, dass sich mein Stil über die Jahre entwickelt hat, dass ich meine Ausdrucksweise durch viele Begegnungen, durch Reisen, durch Menschen, durch Zeit, durch Ausbildungen, durch Rückschläge, durch Ausprobieren, durch Mutigsein – aber vor allem durch das Hören auf meine eigene innere Stimme und mein Herz gebildet hat. 

Dass es nicht immer leicht ist, im Wirrwarr der Möglichkeiten und Angebote, im Lauten und im Selbstliebedschungel sich selbst zu “finden” oder man/frau selbst zu sein, das ist natürlich klar. 

Doch je mehr ich bin, wie ich bin, desto mehr merke ich, dass es dieses Kategorisieren, dieses Planen und dieses Tun-als-ob nicht mehr braucht.

Und das macht mein Leben einfacher, schöner und reicher. Was will ich denn mehr?

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Informeller Morgen

Wir nennen sie “informal mornings” – informelle Morgen. Informell, weil es keine Form gibt. In-form-ell.

Keine Form, keine Struktur und auch kein Müssen. Gemeinsam entscheiden wir uns für so einen Morgen, sprechen darüber und dann verselbstständigt sich das Ganze. Und ich sags euch – ich liebe solche Tage!

Was ich genau damit meine, das erzähle ich euch gerne. Denn gerade ist wieder so ein informeller Tag und wir machen, was wir wollen. Mit “wir” meine ich meinen Mann und mich.

Wir stehen auf und schon beginnt die Informalität. Denn ein Frühstück, das passiert zwischen lesen, schreiben, Musik hören, im Stehen oder Liegen, nach dem Yoga oder während des Arbeitens. Einfach wieder zurück ins Bett und Videos anschauen, auf der Couch lümmeln oder beim Fenster hinausschauen. Alleine und miteinander nebeneinander. Und so geht es weiter. Jede*r macht, was sie oder er will und dazwischen tauschen wir uns aus, was wir gerade so machen, was wir entdeckt oder gelernt haben, woran wir arbeiten oder was es Neues gibt. Während wir in unterschiedlichen Welten dahinwerkeln, sind wir ganz nahe dran, was die/der andere macht.

Wenn ich es so aufschreibe, klingt das ja gar nicht so außergewöhnlich – doch für uns sind diese ganz bewusst gewählten Morgennichtroutinen sehr besonders und erfrischend. Als würden wir etwas ganz Wildes machen, als könnten wir unser Leben selbst bestimmen (ha.). Da wird vorm Fernseher oder ausnahmsweise einfach mal nebenbei gegessen, da wird meist viel gearbeitet und produktiv erledigt, da wird getüftelt und Neues gelernt.

Die Musik läuft, der Kaffee oder Tee brüht und wir suchen uns die besten Plätze zum Sein aus. Ich liebe sie, diese informellen Morgen.

Und so, wie wir diesen informellen Tagen die Struktur entziehen, so kommt die Kreativität an diesen Morgen besonders in Schuss. Als würde sie es brauchen, um im Flow zu bleiben. Als würden diese informellen, verselbstständigten Zeiten dem Alltag seinen Schleier abnehmen.

Immer wieder entziehen wir uns den (auch von uns selbst) vorgegebenen Strukturen und lassen uns tragen – von der Informalität. Von der nicht vorgegebenen, von der freien Form dieser Momente.

achtsam · allgemein · selbstliebend

Eine Ode an die Berührtheit

Dies ist eine Ode. Eine Hommage. Eine Liebeserklärung.

Eine Ode an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Die Berührung, die ohne Berührung stattfindet. Die Berührung, die durch Mark und Bein geht, ohne je eines von beiden berührt zu haben.

Dies ist eine Hommage ans Berührtsein, ans Berührtwerdenlassen. Ans sich Nacktmachen, ohne die Kleidung abzulegen. Ans Aufmachen, ohne eine Tür in Sichtweite zu haben. Ans Nahefühlen, ohne nebeneinander stehen zu müssen.

Dies ist eine Liebeserklärung an die Berührtheit. Eine Liebeserklärung an diese Momente, in denen wir uns so nahe sind. In denen es kein Später gibt. In denen der Moment so kostbar ist, dass alles rundherum zu verschwinden scheint. Eine Liebeserklärung an die Berührtheit, die passiert, wenn ich mich ganz frei mache, frei und verletzlich. Verletzlich im Sinne von angreifbar, berührbar. Denn da gibt es keinen Plan, da gibt es nichts anderes in diesen raren Momenten der vollkommenen Berührung. In diesen Momente da weine ich, da bekomme ich Gänsehaut, da bin ich tief verbunden mit mir und meinem Gegenüber. Da gibt es nichts zwischen uns, keine Mauer, keine Urteile, keine Erwartungen. In diesen Momenten, in denen ich so berührt bin, da bin ich ganz wach, lebendig und spüre das Leben.

Dies ist eine Ode, eine Hommage, eine Liebeserklärung an die Berührtheit, ans Berührtsein, an die Berührung. Auf mehr, viele mehr, viele Momente des Aufmachens, des Berührenlassen. Durch die Schönheit, Musik, Menschen, Gespräche, Natur, Landschaften, Farben, Worte, Aufmerksamkeit, Freundschaft, Liebe.

Durch alles, das nicht greifbar ist und trotzdem zutiefst berühren kann.