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Nichts darf es nicht sein.

Es rüttelt mich. In meinem Bauch zieht sich alles zusammen. Habe Tränen in den Augen. An sich bei mir ja nicht so was Außergewöhnliches. Und doch. Denn wieder einmal stehe ich vor dieser riesengroßen Wand an Unverständnis. Vor diesem Haufen an Ignoranz und Unwissen. Vor dieser riesengroßen Tür, hinter der sich immer mehr erschreckende Fakten versammeln.

Ich stelle fest, dass ich lange Dinge voneinander isoliert betrachtet habe. Nicht, weil ich mich nicht informiert hätte. Hab ich ja, solange es bequem war. Weil ein tieferes Verständnis mit immer mehr tiefergehenden Änderungen einhergehen hätte müssen.

Wovon ich hier schreibe? Was ich meine und welcher heiße Brei es ist, um den ich hier herumrede? Umweltschutz. Artenvielfalt. Karnismus. Feminismus. Menschenrechte. Kapitalismus. Egozentrik. Klimakrise. Ökologischer Fußabdruck. Autofahren. Plastikmüll. Und viele mehr. Viele.

All diese großen, mit unendlichen Inhalten gefüllten Schlagworte sind miteinander verbunden. Und das enger, als wir es glauben möchten. Was diese Begriffe eint, ist vor allem, dass Systeme dahinterstecken. Dass es systematisch falsch rennt, was da so rennt. Dass es um Macht geht, anstatt um Schutz. Dass es um Geld geht, anstatt um einen etwas gewagteren Blick in eine Zukunft für uns alle. Es geht um Angst, es geht um Verlust und es geht um Veränderung – die wir nicht bereit sind, einzugehen. Es geht um Bequemlichkeit, um Überlegenheit und um die Frage, ob das nicht alles sowieso übertrieben ist.

Was war ich naiv! Welche neuen Welten und Zusammenhänge sich da jetzt auftun, richtig spannend! Und Zeit wars! Und falls ihr diesen Text lest und euch denkt, was ihr genau tun könnt, damit meine (und eure (Enkel-)) Kinder noch auf der Erde leben können: informiert euch! Fangt bei einem beliebigen Thema der Auswahl oben an und ihr werdet sehen, wie eng verknüpft sie alle sind. Und was ihr dann damit macht, das werdet ihr sehen. Nichts wird es nicht sein. Nichts darf es nicht sein.

Was mich gerade jetzt wieder mal so wachgerüttelt hat, ist der Film “Seaspiracy“. Sehenswert, allgemeinbildungstechnisch.

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Das ist doch nicht normal!

Über die Norm denk ich grad viel nach. Über Normen in all den verschiedenen Farben und Formen. Und was sich da so schön reimt, ist oft gar nicht wie ein Gedicht.

Wir glauben oft zu meinen, dass wir wissen, wie sich etwas gehört. Wie es normal ist. Wie es alle machen und erleben. Und vergessen dabei eine wichtige Sache: Dass wir alle unterschiedlich sind, nämlich.

Dass wir unterschiedliche Körper haben, unterschiedliche Gedanken, unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Hintergründe, unterschiedliche Vorstellungen, unterschiedliche Motive, unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Wahrnehmungen.

Dann von einer Norm, einem Normal, zu sprechen, ist ganz schön anmaßend. Es ist sogar gefährlich, kann täuschen und enttäuschen, kann auf falsche Fährten führen und kann vor allem eines: etwas als die einzig mögliche Möglichkeit suggerieren.

Dass sich das nicht ausgeht, ist irgendwie klar. Dass es da mehr geben muss, sollte auch klar sein. Ist es aber nicht. In Gesprächen komme ich immer wieder drauf, wie oft wir den Begriff “normal” in unterschiedlichsten Kontexten immer noch verwenden. Vielleicht gibt uns das Sicherheit. Vielleicht ist es auch einfacher, an eine Welt zu glauben, ja regelrecht daran festzuhalten, die scheinbar normale Menschen (Ansichten, Sichtweisen, Geschichten, Erfahrungen etc.) bereithält.

Was ich jedenfalls immer wieder feststelle, ist, dass das Enttäuschen – also die Täuschung wegnehmen, ent – täuschen – groß ist, wenn wir draufkommen, dass es ja ganz “normal” ist, dass etwas “nicht normal” gelaufen ist.

Dass es wichtig ist, sich auf etwas zu verlassen, verstehe ich. Dass diese Normen und Normalitäten uns etwas zum Festhalten geben, das ist auch verständlich. Doch je fester wir uns daran festkrallen, desto unsicherer wird es. Desto kleinkarierter, desto menschenfeindlicher, desto engsichtiger wird die ganze Sache auch. Es gibt Normen, die falsche Hoffnungen schüren, uns im Stich lassen, wenn wir uns mit genügend Menschen austauschen und die einfach nicht gut sind für uns. Das trau ich mir wirklich so zu sagen.

Ich frage mich, ob es nicht an der Zeit wäre, diesen Begriff aufzubrechen, niederzubrechen und uns mit dem auseinanderzusetzen, das ist, statt mit dem, das sein sollte.

Das ist ja nicht normal. Stimmt. Vielleicht ganz gut so.

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Wütende Gedanken

Manchmal, da bin ich so wütend.

So wütend, dass ich gar nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist. So wütend, dass ich all die Ich-Botschaften, Kommunikationsregeln und Empathiestrategien komplett vergesse. So wütend, dass ich so spreche, wie ich es nicht wollen würde, dass mit mir gesprochen wird. So wütend. Und das nicht mal wegen einer großen Sache.

Es ist mir peinlich, so wütend zu sein. Es ist anstrengend und es tut mir weh, wenn ich durch mein Wütendsein andere verletze. Es ist unangenehm und bringt im Nachhinein nicht mal wirklich eine Veränderung mit sich.

Wenn ich dann wieder klar denken kann, werde ich ruhig. Unsicher und in mich gekehrt. Wenn ich dann wieder klar denken kann und die Wut sich verflüchtigt hat, kann ich das, was vorher wütend aus mir heraus explodierte, plötzlich verstehen und anders formulieren.

Eines der Dinge, die mich in diesem Kontext besonders stutzig gemacht haben, ist, dass ich es doch besser wissen sollte. Dass ich mich doch so viel mit mir, meiner Sprache und meinem Verhalten auseinandersetze. Dass ich doch eigentlich weiß, worum es in den Konflikten geht. Dass ich doch eigentlich verstehen kann, wo die wirkliche Krux an der Sache liegt. Es macht mich stutzig und nachdenklich, dass ich nach all den Jahren der Selbstreflexion, des Wachsens, des Hineinhörens, des Kennenlernens neuer Ansichten, Meinungen und Welten immer noch so ungehalten, aggressiv und abwertend reagiere auf manche Situationen.

Und dann hatte ich diesen Gedanken. Diesen befreienden, diesen selbstfürsorglichen, diesen akzeptierenden Gedanken: Die Frage ist nicht, warum ich nicht wo anders stehe, nach all diesem Empathie-Selbstliebe-Bewusstseins-Reflexions-Metaebene-Bootcamp der letzten Jahre. Die Frage ist, wo würde ich stehen, hätte ich all das nicht gelernt, erfahren, ausprobiert, erlebt, dazugelernt?

Ich darf diese Frage in mir beantworten. Denn ich merke, dass ich schneller aus der Wut wieder in einen klaren Zustand komme. Dass ich es mittlerweile auch mal schaffe, mich zurückzunehmen und die Sache nicht größer zu machen, als sie ist. Dass ich mir beim Hineinwirbeln in die Gedanken auch Hilfe holen kann, um wieder herauszukommen, auch das habe ich lernen dürfen.

Viele Dinge haben sich verändert. Und dass ich immer noch wütend werde, finde ich gar nicht mehr so schlimm. Ich merke sogar, dass es nicht darum geht, nicht mehr wütend zu werden, sondern vielmehr darum, wie ich damit umgehen kann. Und damit werd ich immer besser, das ist ja schon mal was.

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Warum ich ab jetzt nicht mehr überall mitrede

Ich lerne gerade sehr viel. Wenig davon steht in Büchern, wenig bis gar nichts.

Ich lerne gerade, mich zurückzuhalten. Vor allem mit meinen Meinungen, Einschätzungen und allen voran mit meinen Worten.

Ich lebe dieses kleine Leben. Ein sehr schönes, angenehmes, einfaches, ruhiges, sicheres Leben. Und ich lerne jeden Tag mehr, was es heißt, all das nicht zu leben. Ich lerne jeden Tag, dass es so (SO) viele Dinge, Situationen und Geschichten gibt, die ich nicht nachempfinden kann. So viele Schicksale, Entscheidungen und Hintergründe, die nicht meine sind.

Wo ich das lerne? Wo ich auf einmal mit Geschichten in Berührung komme, die ich bisher nicht einmal gedacht habe, dass sie existieren? Auf den sozialen Medien. Ja. Wirklich. Dort sehe ich immer wieder Dinge, die mich staunen, wundern, aufmachen und nachdenken lassen.

Bevor ich mich beispielsweise auf Instagram angemeldet habe, habe ich geschimpft darüber. Hab es verurteilt, hab es abgestempelt und meinte, zu wissen, wovon ich sprach.

Und wie eine Linie, die sich durchzieht, habe ich festgestellt, dass genau das eine Metapher für so vieles ist, das ich auf Instagram lese, sehe und eben lerne. Bevor ich überhaupt gewusst habe, was dieses neue Medium kann, habe ich mich weit, weit hinausgelehnt aus dem Fenster der Urteile.

Ich weiß, ich weiß. Das hat niemandem geschadet und es gibt auch wirklich viel Blödsinn auf dieser (und anderen) Plattformen. Doch dieses Eintauchen und Kennenlernen von ganz neuen Ansichten, Geschichten und ja, eben auch Schicksalen, ist für mich eine ganz große Bereicherung.

Denn bei so vielem kann ich einfach nicht mitreden. Ich kann nicht nachempfinden, nicht nachfühlen, nicht nachahmen und daher eben ganz oft einfach auch nicht mitreden.

Für mich ist das ein äußerst großer Lerngewinn. Wie oft ich gemeint habe, eine Meinung haben zu müssen. Wie oft ich geurteilt habe, ohne im geringsten zu wissen, wie sich manche Dinge anfühlen. Wie oft ich Ratschläge, Tipps und gutgemeinte Worte von mir gegeben habe, in der Annahme, dass ich damit irgendjemandem helfe.

Doch ich kann bei vielen Dingen einfach nicht mitreden. Wenn es bis jetzt noch zu abstrakt war, dann gebe ich gerne ein paar Beispiele, bei denen ich einfach nicht mitreden kann:

  • Beim Thema (unerfüllter) Kinderwunsch, Schwangerschaft und Muttersein.
  • Beim Thema Rassismus (im Sinne von betroffen davon – denn ich war noch nie in meinem Leben selbst davon betroffen.)
  • Beim Thema Migrations- und Fluchterfahrung. Auch da habe ich weder einen persönlichen Einblick, noch irgendwelche eigenen Erlebnisse.
  • Beim Thema Armut. Ich habe noch nie in Armut gelebt, kann es mir dementsprechend wenig vorstellen, was das wirklich bedeutet.
  • Beim Thema Krieg, Gewalt oder Missbrauch. Auch das sind Themen, mit denen ich bisher glücklicherweise keine Erfahrungen gemacht habe.
  • Beim Thema schwere Krankheiten (psychisch und physisch). Auch hier sind meine Kontaktpunkte äußert dünn.

Und das ist nur eine kleine Zusammenfassung von Dingen, bei denen ich am besten mehr zuhöre, als selbst zu sprechen.

Doch ich möchte hier eines klarstellen. Dass ich nicht mitreden kann, heißt, dass ich am besten zuhöre, lerne und meine Schubladen weit aufmache. Dass ich nicht mitrede, heißt nicht, dass ich mich nicht einsetzen kann für etwas oder Menschen, die mit solchen Päckchen leben (müssen), unterstützen kann. Dass ich nicht mitreden kann, heißt, dass ich meine Worte vorsichtig wähle. Mit Bedacht und nicht mit Gutgemeintheit. Dass ich nicht mitreden kann, heißt nicht, dass ich keine Meinung habe. Es bedeutet, dass ich mir meine Meinung durch Umsicht und Zuhören, durch Aufmachen und durch Erfahrung bilde. Und vor allem, dass ich sie mir nicht zu voreilig bilde, meine Meinung.

Denn bei vielem, ja bei vielem, kann ich einfach nicht mitreden…

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Statistisch gesehen

Heute vor drei Jahren habe ich das letzte Mal Fleisch (und Milch und Käse,…) gegessen. Und oh, bin ich froh darüber. Hier folgt ein kleiner Ausflug in die Pseudostatistik (gespeist aus unterschiedlichen Quellen, manche wissenschaftlich fundierter als andere.)

Meine letzten drei Jahre in Zahlen.

1087 Tage ohne Fleisch, Tiermilch, Eier, Honig, Käse, Joghurt.

36 Monate ohne (neues) Leder, Pelze oder Echthaarkrimskrams.

4164 Liter gespartes Wasser. Pro Tag (!) Das sind ca. 20 Badewannen voll. Jeden. Einzelnen. Tag. (aber selbst so kann man sich nicht wirklich reinwaschen. Oups. Mitten in die Wunde.)

(je nach Quelle) Zwischen 5000 und 10000 kg nicht-ausgestoßenes CO2. Das entspricht mehr als 30 Flügen von Berlin nach London.

Einige Tausend Medikamente, die ich nicht durch die Blume (haha, wohl eher noch durch die Blume als durch das Tier) zu mir nehmen musste, ohne krank zu sein.

1080 Tiere, die nicht für mich geboren, aufgezogen, gemästet, gefüttert, geschwängert, geschlachtet – und wie man so unschön sagt – “produziert” werden mussten. Und nein, die sind genauso wie jedes T-Shirt “nicht sowieso da”.

Geschätzte 20 Mal “Nein, danke. Das esse ich nicht.” oder “Nein, auch nicht ein bisschen Käse/Schlag/Milch/Butter.” (gar nicht so oft! Das Danke geht an mein sehr kulantes und umweltbewusstes Umfeld!)

732 neue Rezeptideen und geglückte Küchenexperimente.

3 milde Auseinandersetzungen mit meiner Oma, warum ich das gute Zeug nicht esse und sie mir dann das supertraditionelle Essen macht, das immer schon vegan war. Bevor es vegan überhaupt gab.)

7 Regenbogenfarben auf meinem Teller. Fast täglich.

426 Aha-Erlebnisse. Dass sich tierische Dinge einfachst ersetzen lassen. Dass eine Kuh nicht automatisch einige Jahre durchgehend Milch gibt, einfach so. Dass das Einkaufen und Kochen mit Pflanzen preiswerter, lustiger und – holla die Waldfee – umweltfreundlicher ist.

10 Menschen (oder mehr), die durch unsere Lebensweise zu neuen Erkenntnissen und vielleicht sogar Einsichten gekommen sind.

2 Hochzeitsfeiern, auf denen insgesamt mehr als 100 Personen rein vegan verköstigt wurden.

246 “mmh, des is jo voi guad!?!” zur Verköstigung auf oben genannten Feiern oder Mitbringspeisen zu anderen Feierlichkeiten, Essenseinladungen und Familien-Kochangelegenheiten.

17 Mal die Frage, was wir denn dann essen. Und 17 Mal die Antwort “das, was ich daheim habe.” und den Verweis, dass die Pflanzenwelt um eiiiiniges größer ist als das Kühlregal im Supermarkt.

332 Gedanken und Gespräche rund um das Thema “Natürlichkeit” und “Extremismus” und “Umwelt” und “Moral” und “Verantwortung”.

3261 Mahlzeiten (plus einige Zwischenmählchen), die schmackhaft, ausgeklügelt oder einfach, gesund und bunt, lustig und aufregend, quasi leidlos und friedlich abgelaufen sind.

3 Jahre. Ein weiterer Meilenstein. Auf einige Jährchen mehr.

Ich feiere mein Jubiläum übrigens mit einer Nuss-Schokomousse-Zwetschken-Torte. Mein zweites Stück, in 2 Tagen. 100% Genuss. Alles für die Statistik.


Quellen:

https://veganfitwerden.de/veganrechner/
https://www.blitzrechner.de/fleisch/#wie-funktioniert-der-rechner
https://utopia.de/neue-studie-fleisch-milch-haben-groessten-umwelt-einfluss-92556/
www.diepampelmuse.com/studiendieüberraschen
www.diepampelmuse.com/zahlendieerfreuen


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Verdient verdient.

Ich glaube nicht daran. Nicht mehr. Ich glaube, es ist Zeit für mich, weiterzuziehen, neue Denkwege einzuschlagen, mich selbstliebend umzuorientieren.

Ich glaube nicht mehr daran. Woran, fragt ihr euch? Ich glaube nicht mehr an dieses “ich muss es mir erst verdienen”-Mantra. Dieses “das Gute kann nur kommen, wenn es mir wirklich schlecht ging davor”. Dieses “hart arbeiten, um mir die langersehnte Ruhe zu verdienen”.

Ich will es einfach nicht mehr glauben.

Gestern hatten wir ein sehr spannendes Gespräch mit einem Freund. Wir haben über das Leben gesprochen, darüber, wie es geht, dass wir im Moment beide wenig arbeiten und trotzdem all die Dinge tun können, die wir wollen. Wie es möglich ist, wenig Geld zu brauchen und wie einfach das ist für uns. Und dann – auf meine Erklärung, dass ich gerade keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, (ich verwende diesen Ausdruck sehr bewusst – denn ich arbeite. Aber ich bekomme im Moment (noch) kein Geld dafür.) – hat er gemeint, dass ich mir das ja verdient habe. Ich hab schließlich viel gearbeitet im letzten Jahr.

Und da überkam es mich. Da war es mir klar. Nein. Ich will das nicht. Ich will es mir nicht “verdienen” müssen, dass ich eine Zeit lang “nichts tue”. Und hier kommt auch die Krux an der Sache – in der deutschen Sprache differenzieren wir nicht zwischen “Geld verdienen” oder “sich etwas verdienen”. Und so mischen sich diese beiden Welten, die sich nahe stehen, aber eben nicht die gleichen sind.

Ich muss Geld verdienen, um mein Leben zu finanzieren. Versteh ich. Ich muss mir aber keine Zeit verdienen, um sie dann so zu nutzen, wie ich das möchte und brauche. (Ich schreibe das alles am hohen Thron der Privilegien, glaubt mir, ich denk viel darüber nach…)

Ich hab es hier schon ein paar Mal anklingen lassen – und ich werde nicht müde, es immer wieder zu schreiben: Ich muss nicht krank sein, um meine Tage mit Dingen zu füllen, von denen ich immer schon geträumt habe. Ich muss mir nicht die Woche vollstopfen, um dann am Wochenende endlich durchzuatmen. Ich muss mir das Gute, das Schöne nicht verdienen, vor allem wenn ich es mit Geld sowieso nicht bezahlen kann.

Versteht ihr, was ich meine?

Ich bin es satt, zu warten und mich klein zu machen. Ich bin es satt, gesagt zu bekommen, wie man lebt und was man darf. Und ich bin es satt, mir selbst das Gute nicht zu gönnen, weil ich es mir “ja nicht verdient habe”…

Ob ich mir etwas wirklich verdient verdient habe, das lass mich ab jetzt ich selbst entscheiden. Und dabei werd ich großzügig sein zu mir selbst. Denn das hab ich verdient, damit, dass ich hier bin.

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Vom Geschenk der Privilegien

Zur Weihnachtszeit, da denkt man doch mal gerne an das Schöne, nicht wahr?

An all die feinen, guten Dinge, die man essen wird. An die schönen, besonderen Geschenke, die man verschenken und vielleicht sogar bekommen wird. Und an die Stimmung, die Atmosphäre, das Gefühl.

So mach ich das zumindest. Und oh, was für eine Vorfreude sich da in mir auftut!

Und dann, genau in dieser schönen Zeit, in dieser Zeit der Stille und Einkehr, Liebe und Ruhe soll man sich plötzlich mit den Problemen der anderen auseinandersetzen? Ja gibts denn da keinen besseren Moment? Könnten wir damit nicht noch ein bisschen warten? Da wird ja die ganze Stimmung versaut und nur, weil ich drüber nachdenke, ändert das “bei denen” ja auch nichts.

Hm.

Wovon ich schreibe? Woran ich denke? Ich meine, es dürfte klar sein. Menschen, die wie Tiere – nein, halt! Nicht, wie Tiere, sondern mit weniger Rechten und Freiheiten wie diese – zusammengepfercht in der Kälte sitzen, während wir uns die Bäuche vollschlagen. Hm. Wenn ich weniger esse, haben “die da” auch nichts davon. Und außerdem, was soll ICH denn schon ändern? Die Strukturen, die Politik(er*Innen) und halt einfach die anderen, die sollen machen. Und eigentlich hab ich genug Probleme, da brauch ich nicht noch die von “denen” auch noch. Das denkst du dir?

Wenn das so ist, denkst du dir dann auch, in welch unfassbar privilegierten Situation du bist? Wie viel du wirklich dazu beigetragen hast und wie viel davon schon dein sogenanntes “Vor-Recht” (Privileg) war?

Falls nicht, dann hast du hier eine kleine Liste an ausgewählten (Weihnachts-)Privilegien, also an Geschenken, die so groß sind, dass sie nicht unter irgendeinen Baum passen, die du aber trotzdem einfach so geschenkt bekommen hast. Wahrscheinlich schon vor deiner Geburt. Und ziemlich sicher einfach so. Ohne, dass du etwas Großartiges dafür geleistet hast.

  • Du wohnst an einem Ort, der sicher ist. Du kannst ein (religiöses) Fest feiern und wirst dabei sogar von allen Seiten gefeiert.
  • Du kannst dir ein Essen leisten, das dich satt macht. Und morgen wird es dich vielleicht sogar übersatt machen.
  • Du schenkst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du bekommst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du feierst mit Menschen, die dir wichtig sind. Und auch sie können essen und trinken und schenken und erhalten Geschenke.
  • Du suchst dir aus, welches Gewand du trägst. Soll ja was Besonderes sein.
  • Du machst Pläne, planst deine Feiertage, hast etwas, worauf du dich freuen kannst.
  • Es ist warm. Dort wo du bist, wird dir nicht kalt.
  • Du bist womöglich gesund und falls nicht, weißt du, wohin du dich wenden kannst.
  • Du lebst in einem Land, das in keinem Krieg steckt. Du schaust nach draußen und das Einzige, worüber du jammerst, ist, dass es keinen Schnee gibt.

Uh. Wiedergefunden? Hm. Ich mich auch.

Bin ganz betroffen von meinen eigenen Gedanken. Und mach mir jetzt noch mehr davon.

Das große, das riesen-, riesengroße Geschenk der Privilegien. Denn etwas anderes ist es nicht. Ein Geschenk. Etwas, das wir erhalten haben. Warum? Das wissen wir nicht. Ist halt so. Und ja, auch jetzt – besonders jetzt – sollten wir zumindest einmal drüber nachdenken, über dieses unfassbar große Geschenk, das leider nicht alle bekommen haben.

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Worauf warten?

In letzter Zeit holt mich dieses Thema immer wieder ein. Immer wieder drehen sich Gedanken und Gespräche darum, immer wieder höre ich Geschichten, in denen es darum geht. Ja, sogar Lieder zu diesem Thema kommen plötzlich zu meinen Ohren!

Das Warten. Das auf irgendwas Warten. Das Warten auf bessere Zeiten, einen besonderen Anlass, einen bestimmten Tag, ein Ereignis, einen Zustand. Das Warten, das manche Dinge jetzt noch nicht erlaubt.

Das Warten an sich wäre nicht das Problem. Das kann ja was Schönes sein. Vorfreude und Hinfreude. Und Vorbereitung und Geduld. Das Warten an sich ist – wie so oft die Sache an sich – weder gut, noch schlecht.

Doch – und hier kommt der Kontext: Das Warten, um etwas zu tun, das jetzt schon möglich wäre, aber der Zeitpunkt eben nicht der “richtige”, “beste”, “besondere” oder einfach der “geplante” und “vorgestellte” ist. Das Warten – oder sogar noch treffender – Verschieben und Hinauszögern eines Wunsches, Vorhabens, einer Vision.

Beispiele habe ich viele, ihr bestimmt auch. Das besondere Geschirr. Die schönen Ohrringe. Die ersehnte Weltreise. Die neue Arbeit. Endlich mal wieder malen/schreiben/lesen/laufen/reiten/Kuchenbacken/ins Museum gehen/jemanden anrufen/… Und so gehts weiter. Diese Liste kann man mit allen Dingen und Situationen füllen, die man sich vorstellen und wünschen kann. Und man kann auch ewig darauf warten. Und vom Träumen nicht erwachen. Und sich dann wundern.

Aber das wollen wir ja nicht, oder? Wir wollen doch dabei sein, wenn wir die schönsten Entscheidungen treffen und unser schönstes Leben so (er)leben, dass wir irgendwann mal zurückschauen können und so vieles, wie nur irgendwie möglich, wirklich so gelebt haben, wie wir das wollten. Und ja, ich weiß auch, dass das ein Kalenderspruch ist. Und ich weiß auch, dass es nicht immer möglich ist. Und ich weiß auch, dass jede*r diese Zeilen selbst verstehen darf und muss.

Ich frage mich jedenfalls immer wieder – so in Abständen, die nicht allzu lange voneinander entfernt sind – ob das, was ich gerade mache und lebe, das ist, was ich gerade machen und leben möchte. Und wenn eine Entscheidung zu treffen ist, dann stell ich mir die Frage, worauf ich warten möchte. Wenn es Sinn macht, zu warten, kann ich warten. Wenn es “irgendwie schon und naja und eigentlich und ja, aber”-Gründe gibt, dann versuch ich dahinter zu schauen und mir klar zu machen, dass ich nicht hier bin, um zu gefallen und meine Zeit hier auch wirklich begrenzt ist. Und irgendwie schaffen mein Warten und ich es dann, uns zu einigen. Uns zu gedulden, wenn es um Geduld geht. Und zu leben, wenn es ums Leben geht.

Also worauf warten? Das ist die Frage. Wenn die Antwort klar ist, besser noch mal drüber nachdenken. Und dann am besten tun. Oder es mit den Worten der Sprachkünstlerin Julia Engelmann zu sagen: Grüner wirds nicht, grüner wirds nicht.

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Das Geschenk

Immer wieder finde ich es schön,
wenn sich die Wörter im Kreise drehn.
Wenn ich meine Gedanken in Reime fasse
und sie so aus meinem Kopf raus lasse.

Der Advent hat begonnen
und mit ihm zugleich,
die Zeit der Geschenke –
zumindest wer es ist, halbwegs reich.

Doch so schwarz und weiß möcht ich das nicht sehn,
können wir doch auch in eine andere Richtung gehn:
die Geschenke weniger
dafür mehr die Zeit –
ist es nicht das, was uns befreit?
Was uns zeigt, was wir aneinander haben?
Ohne uns gegenseitig zuzuschieben, die unnützen Gaben.

Ob sie unnütz sind oder von dringendstem Gebrauch,
darüber lässt sich streiten auch.
Doch was ich weiß und was ich sehe,
wenn ich vorm Beschenkten stehe,
ist doch – alles, was zählt –
ich, die das Geschenk ausgewählt
und du, der das Geschenk erhält –
was sich zwischen uns zwei abspielt, das ist die Welt.

Was ich meine mit meinem Gedichte,
ich mache hier nicht die Geschenke zunichte.
Doch was ich wohl sage und das mit Sicherheit –
das schönste Geschenk ist wohl die Aufmerksamkeit.

Die Zeit, die ich mir überlegt,
der Plan, den ich da ausgehegt.
Das immer wieder und nochmal Nachfragen,
das wirklich echte Dankesagen.

Und so kann ich Aufmerksamkeit ganz oft herschenken,
ohne hier nur an ein bestimmtes Fest zu denken.
Aufmerksamkeit in Wort und Tat,
Aufmerksamkeit, einfach, weil ich dich mag.
Aufmerksamkeit durch eine kleine Sache,
Aufmerksamkeit durch das, was ich mit dir mache.
Aufmerksamkeit durch Zuhören und Lachen,
Aufmerksamkeit, gemeinsam etwas machen.

Denn die volle und wirkliche und tiefe Aufmerksamkeit,
die lässt sich nicht ersetzen, liebe Leit.
Nicht durch Packerl, Schleifen und Geld,
durch nichts in der ganzen weiten Welt.

Und so wirds vielleicht leichter beim Geschenke einkaufen,
und wenn wir uns erwischen beim Herumlaufen,
dann erinnern wir uns lieber noch einmal daran,
es muss nicht viel sein – Hauptsache, man sieht ihm die Liebe an.
Und die volle, die tiefe, die ungeteilte Aufmerksamkeit
für die, mit denen wir sie verbringen, die schöne Zeit.



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Umgewöhnlich

Ja, ja – manche Dinge sind ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass die Umgewöhnung eine Zeit dauert. Eine umgewöhnlich lange Zeit manchmal.

Bis wir eine neue Gewohnheit verinnerlicht haben, dauert es im Schnitt zwei Monate. Wusstet ihr das? Davor ist unser System noch nicht bereit, sich auf diese Veränderung voll und ganz einzustellen und sie willkommen zu heißen. Es dauert einfach (s)eine Zeit, bis wir eine Tätigkeit so intus haben, dass wir sie gewohnt sind, sie also zur Gewohnheit gemacht haben. Dabei sind kleinere Änderungen (wie z.B. jeden Tag genügend Wasser trinken) schneller im Alltag integriert, als größere (wie z.B. jeden Tag mindestens 10 000 Schritte gehen).

Außerdem können wir nicht 10 Dinge auf einmal ändern und erwarten, dass diese in drei Tagen so normal sind, wie Zähneputzen oder Danke sagen. Ich habe mal gelesen, dass wir am besten nur eine Sache pro Zeitpunkt wirklich so verändern und daraufhin in unser Leben aufnehmen – also zur Gewohnheit machen – können.

Sehr spannend, wie ich finde. Denn etwas Neues auszuprobieren und es zum Eigenen zu machen, ist dann oft nicht so einfach oder einfach nicht so schnell, wie wir uns das manchmal wünschen.

Ich kultiviere gerade eine neue Gewohnheit. Ich mache gerade jeden Tag Yoga. Und ach, wie lange habe ich mir das vorgenommen, im Kopf gehabt, im Sinn und mich sogar ganz ab und zu mal auf die Matte gewagt. Ungelogen – seit Jahren! Ohne großen “Erfolg” (ich weiß, ich weiß – besonders beim Yoga geht es nicht um den Erfolg, sondern um das Erfolgen…). Und seit ich mich wirklich jeden Tag hinsetze und meine Übungen mache – fällt es mir mit jedem Tag leichter, dies als eine meiner neuen Gewohnheiten zu sehen und daher nicht die Hürde davor, sondern die Leichtigkeit danach viel stärker wahrzunehmen.

Und da ich jetzt auch weiß, dass es halt einfach eine Zeit braucht, bis ich diese Praxis voll und ganz in mir aufgenommen und zu einem Teil meines Lebens gemacht habe, nehme ich mir diese Zeit. Und bleibe dran. Was mir auch dazu einfällt, ist, dass es bei mir auch immer den richtigen Zeitpunkt braucht – ich habe viele Ideen und Vorhaben und merke mittlerweile, dass ich diese nicht immer gleich und sofort umsetzen und zu einem neuen Teil meines Lebens machen kann. Es brauchte lange, bis ich da draufgekommen bin – und jetzt, wo ich das weiß, macht es vieles einfacher. Denn ich kann darauf vertrauen, dass – sofern dieses Vorhaben ein wirklich wichtiges für mich ist – ich es zu einem Zeitpunkt in meinem Leben umsetzen werde. So war es bis jetzt bei ganz vielen Visionen, Gewohnheiten, Möglichkeiten und Vorstellungen.

Aber Achtung! Das Ändern von Gewohnheiten ist wahrlich kein Zuckerschlecken – überkreuzt mal eure Finger anders als gewohnt (also mit dem anderen Daumen oben!) Yoga für die Hände, sagt da meine Yogalehrerin…

Gewohnheiten. Da gibts doch diesen schönen Spruch – dass aus meinen Gedanken Worte werden und aus meinen Worten Taten und aus meinen Taten Handlungen und aus diesen dann Gewohnheiten. Und dabei bleibts (laut diesem Spruch) nicht, denn die Gewohnheiten bestimmen meinen Charakter und der, ja der wohl mein Leben… Lohnt sich also, mal über die eigenen Gewohnheiten nachzudenken…

Warum wir überhaupt Gewohnheiten ändern sollen, fragt ihr euch? Naja, weil vieles vielleicht gar nicht unseres ist, weil wir halt einfach machen, um dazuzugehören oder weil wir es nicht anders kennen. Weil frischer Wind immer wieder mal gut tut und auch gesund sein kann. Weil es das Leben ein bisschen bunter macht, etwas Neues darin zu verwurzeln. Und weil es einfach zu viele schöne Sachen gibt da draußen, die wir sonst nie kennenlernen würden.

P.S.: Hier noch ein interessanter Link zum Weiterlesen: https://zenhabits.net/36lessons/