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Verdient verdient.

Ich glaube nicht daran. Nicht mehr. Ich glaube, es ist Zeit für mich, weiterzuziehen, neue Denkwege einzuschlagen, mich selbstliebend umzuorientieren.

Ich glaube nicht mehr daran. Woran, fragt ihr euch? Ich glaube nicht mehr an dieses “ich muss es mir erst verdienen”-Mantra. Dieses “das Gute kann nur kommen, wenn es mir wirklich schlecht ging davor”. Dieses “hart arbeiten, um mir die langersehnte Ruhe zu verdienen”.

Ich will es einfach nicht mehr glauben.

Gestern hatten wir ein sehr spannendes Gespräch mit einem Freund. Wir haben über das Leben gesprochen, darüber, wie es geht, dass wir im Moment beide wenig arbeiten und trotzdem all die Dinge tun können, die wir wollen. Wie es möglich ist, wenig Geld zu brauchen und wie einfach das ist für uns. Und dann – auf meine Erklärung, dass ich gerade keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, (ich verwende diesen Ausdruck sehr bewusst – denn ich arbeite. Aber ich bekomme im Moment (noch) kein Geld dafür.) – hat er gemeint, dass ich mir das ja verdient habe. Ich hab schließlich viel gearbeitet im letzten Jahr.

Und da überkam es mich. Da war es mir klar. Nein. Ich will das nicht. Ich will es mir nicht “verdienen” müssen, dass ich eine Zeit lang “nichts tue”. Und hier kommt auch die Krux an der Sache – in der deutschen Sprache differenzieren wir nicht zwischen “Geld verdienen” oder “sich etwas verdienen”. Und so mischen sich diese beiden Welten, die sich nahe stehen, aber eben nicht die gleichen sind.

Ich muss Geld verdienen, um mein Leben zu finanzieren. Versteh ich. Ich muss mir aber keine Zeit verdienen, um sie dann so zu nutzen, wie ich das möchte und brauche. (Ich schreibe das alles am hohen Thron der Privilegien, glaubt mir, ich denk viel darüber nach…)

Ich hab es hier schon ein paar Mal anklingen lassen – und ich werde nicht müde, es immer wieder zu schreiben: Ich muss nicht krank sein, um meine Tage mit Dingen zu füllen, von denen ich immer schon geträumt habe. Ich muss mir nicht die Woche vollstopfen, um dann am Wochenende endlich durchzuatmen. Ich muss mir das Gute, das Schöne nicht verdienen, vor allem wenn ich es mit Geld sowieso nicht bezahlen kann.

Versteht ihr, was ich meine?

Ich bin es satt, zu warten und mich klein zu machen. Ich bin es satt, gesagt zu bekommen, wie man lebt und was man darf. Und ich bin es satt, mir selbst das Gute nicht zu gönnen, weil ich es mir “ja nicht verdient habe”…

Ob ich mir etwas wirklich verdient verdient habe, das lass mich ab jetzt ich selbst entscheiden. Und dabei werd ich großzügig sein zu mir selbst. Denn das hab ich verdient, damit, dass ich hier bin.

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Vom Geschenk der Privilegien

Zur Weihnachtszeit, da denkt man doch mal gerne an das Schöne, nicht wahr?

An all die feinen, guten Dinge, die man essen wird. An die schönen, besonderen Geschenke, die man verschenken und vielleicht sogar bekommen wird. Und an die Stimmung, die Atmosphäre, das Gefühl.

So mach ich das zumindest. Und oh, was für eine Vorfreude sich da in mir auftut!

Und dann, genau in dieser schönen Zeit, in dieser Zeit der Stille und Einkehr, Liebe und Ruhe soll man sich plötzlich mit den Problemen der anderen auseinandersetzen? Ja gibts denn da keinen besseren Moment? Könnten wir damit nicht noch ein bisschen warten? Da wird ja die ganze Stimmung versaut und nur, weil ich drüber nachdenke, ändert das “bei denen” ja auch nichts.

Hm.

Wovon ich schreibe? Woran ich denke? Ich meine, es dürfte klar sein. Menschen, die wie Tiere – nein, halt! Nicht, wie Tiere, sondern mit weniger Rechten und Freiheiten wie diese – zusammengepfercht in der Kälte sitzen, während wir uns die Bäuche vollschlagen. Hm. Wenn ich weniger esse, haben “die da” auch nichts davon. Und außerdem, was soll ICH denn schon ändern? Die Strukturen, die Politik(er*Innen) und halt einfach die anderen, die sollen machen. Und eigentlich hab ich genug Probleme, da brauch ich nicht noch die von “denen” auch noch. Das denkst du dir?

Wenn das so ist, denkst du dir dann auch, in welch unfassbar privilegierten Situation du bist? Wie viel du wirklich dazu beigetragen hast und wie viel davon schon dein sogenanntes “Vor-Recht” (Privileg) war?

Falls nicht, dann hast du hier eine kleine Liste an ausgewählten (Weihnachts-)Privilegien, also an Geschenken, die so groß sind, dass sie nicht unter irgendeinen Baum passen, die du aber trotzdem einfach so geschenkt bekommen hast. Wahrscheinlich schon vor deiner Geburt. Und ziemlich sicher einfach so. Ohne, dass du etwas Großartiges dafür geleistet hast.

  • Du wohnst an einem Ort, der sicher ist. Du kannst ein (religiöses) Fest feiern und wirst dabei sogar von allen Seiten gefeiert.
  • Du kannst dir ein Essen leisten, das dich satt macht. Und morgen wird es dich vielleicht sogar übersatt machen.
  • Du schenkst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du bekommst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du feierst mit Menschen, die dir wichtig sind. Und auch sie können essen und trinken und schenken und erhalten Geschenke.
  • Du suchst dir aus, welches Gewand du trägst. Soll ja was Besonderes sein.
  • Du machst Pläne, planst deine Feiertage, hast etwas, worauf du dich freuen kannst.
  • Es ist warm. Dort wo du bist, wird dir nicht kalt.
  • Du bist womöglich gesund und falls nicht, weißt du, wohin du dich wenden kannst.
  • Du lebst in einem Land, das in keinem Krieg steckt. Du schaust nach draußen und das Einzige, worüber du jammerst, ist, dass es keinen Schnee gibt.

Uh. Wiedergefunden? Hm. Ich mich auch.

Bin ganz betroffen von meinen eigenen Gedanken. Und mach mir jetzt noch mehr davon.

Das große, das riesen-, riesengroße Geschenk der Privilegien. Denn etwas anderes ist es nicht. Ein Geschenk. Etwas, das wir erhalten haben. Warum? Das wissen wir nicht. Ist halt so. Und ja, auch jetzt – besonders jetzt – sollten wir zumindest einmal drüber nachdenken, über dieses unfassbar große Geschenk, das leider nicht alle bekommen haben.

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Worauf warten?

In letzter Zeit holt mich dieses Thema immer wieder ein. Immer wieder drehen sich Gedanken und Gespräche darum, immer wieder höre ich Geschichten, in denen es darum geht. Ja, sogar Lieder zu diesem Thema kommen plötzlich zu meinen Ohren!

Das Warten. Das auf irgendwas Warten. Das Warten auf bessere Zeiten, einen besonderen Anlass, einen bestimmten Tag, ein Ereignis, einen Zustand. Das Warten, das manche Dinge jetzt noch nicht erlaubt.

Das Warten an sich wäre nicht das Problem. Das kann ja was Schönes sein. Vorfreude und Hinfreude. Und Vorbereitung und Geduld. Das Warten an sich ist – wie so oft die Sache an sich – weder gut, noch schlecht.

Doch – und hier kommt der Kontext: Das Warten, um etwas zu tun, das jetzt schon möglich wäre, aber der Zeitpunkt eben nicht der “richtige”, “beste”, “besondere” oder einfach der “geplante” und “vorgestellte” ist. Das Warten – oder sogar noch treffender – Verschieben und Hinauszögern eines Wunsches, Vorhabens, einer Vision.

Beispiele habe ich viele, ihr bestimmt auch. Das besondere Geschirr. Die schönen Ohrringe. Die ersehnte Weltreise. Die neue Arbeit. Endlich mal wieder malen/schreiben/lesen/laufen/reiten/Kuchenbacken/ins Museum gehen/jemanden anrufen/… Und so gehts weiter. Diese Liste kann man mit allen Dingen und Situationen füllen, die man sich vorstellen und wünschen kann. Und man kann auch ewig darauf warten. Und vom Träumen nicht erwachen. Und sich dann wundern.

Aber das wollen wir ja nicht, oder? Wir wollen doch dabei sein, wenn wir die schönsten Entscheidungen treffen und unser schönstes Leben so (er)leben, dass wir irgendwann mal zurückschauen können und so vieles, wie nur irgendwie möglich, wirklich so gelebt haben, wie wir das wollten. Und ja, ich weiß auch, dass das ein Kalenderspruch ist. Und ich weiß auch, dass es nicht immer möglich ist. Und ich weiß auch, dass jede*r diese Zeilen selbst verstehen darf und muss.

Ich frage mich jedenfalls immer wieder – so in Abständen, die nicht allzu lange voneinander entfernt sind – ob das, was ich gerade mache und lebe, das ist, was ich gerade machen und leben möchte. Und wenn eine Entscheidung zu treffen ist, dann stell ich mir die Frage, worauf ich warten möchte. Wenn es Sinn macht, zu warten, kann ich warten. Wenn es “irgendwie schon und naja und eigentlich und ja, aber”-Gründe gibt, dann versuch ich dahinter zu schauen und mir klar zu machen, dass ich nicht hier bin, um zu gefallen und meine Zeit hier auch wirklich begrenzt ist. Und irgendwie schaffen mein Warten und ich es dann, uns zu einigen. Uns zu gedulden, wenn es um Geduld geht. Und zu leben, wenn es ums Leben geht.

Also worauf warten? Das ist die Frage. Wenn die Antwort klar ist, besser noch mal drüber nachdenken. Und dann am besten tun. Oder es mit den Worten der Sprachkünstlerin Julia Engelmann zu sagen: Grüner wirds nicht, grüner wirds nicht.

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Das Geschenk

Immer wieder finde ich es schön,
wenn sich die Wörter im Kreise drehn.
Wenn ich meine Gedanken in Reime fasse
und sie so aus meinem Kopf raus lasse.

Der Advent hat begonnen
und mit ihm zugleich,
die Zeit der Geschenke –
zumindest wer es ist, halbwegs reich.

Doch so schwarz und weiß möcht ich das nicht sehn,
können wir doch auch in eine andere Richtung gehn:
die Geschenke weniger
dafür mehr die Zeit –
ist es nicht das, was uns befreit?
Was uns zeigt, was wir aneinander haben?
Ohne uns gegenseitig zuzuschieben, die unnützen Gaben.

Ob sie unnütz sind oder von dringendstem Gebrauch,
darüber lässt sich streiten auch.
Doch was ich weiß und was ich sehe,
wenn ich vorm Beschenkten stehe,
ist doch – alles, was zählt –
ich, die das Geschenk ausgewählt
und du, der das Geschenk erhält –
was sich zwischen uns zwei abspielt, das ist die Welt.

Was ich meine mit meinem Gedichte,
ich mache hier nicht die Geschenke zunichte.
Doch was ich wohl sage und das mit Sicherheit –
das schönste Geschenk ist wohl die Aufmerksamkeit.

Die Zeit, die ich mir überlegt,
der Plan, den ich da ausgehegt.
Das immer wieder und nochmal Nachfragen,
das wirklich echte Dankesagen.

Und so kann ich Aufmerksamkeit ganz oft herschenken,
ohne hier nur an ein bestimmtes Fest zu denken.
Aufmerksamkeit in Wort und Tat,
Aufmerksamkeit, einfach, weil ich dich mag.
Aufmerksamkeit durch eine kleine Sache,
Aufmerksamkeit durch das, was ich mit dir mache.
Aufmerksamkeit durch Zuhören und Lachen,
Aufmerksamkeit, gemeinsam etwas machen.

Denn die volle und wirkliche und tiefe Aufmerksamkeit,
die lässt sich nicht ersetzen, liebe Leit.
Nicht durch Packerl, Schleifen und Geld,
durch nichts in der ganzen weiten Welt.

Und so wirds vielleicht leichter beim Geschenke einkaufen,
und wenn wir uns erwischen beim Herumlaufen,
dann erinnern wir uns lieber noch einmal daran,
es muss nicht viel sein – Hauptsache, man sieht ihm die Liebe an.
Und die volle, die tiefe, die ungeteilte Aufmerksamkeit
für die, mit denen wir sie verbringen, die schöne Zeit.



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Umgewöhnlich

Ja, ja – manche Dinge sind ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass die Umgewöhnung eine Zeit dauert. Eine umgewöhnlich lange Zeit manchmal.

Bis wir eine neue Gewohnheit verinnerlicht haben, dauert es im Schnitt zwei Monate. Wusstet ihr das? Davor ist unser System noch nicht bereit, sich auf diese Veränderung voll und ganz einzustellen und sie willkommen zu heißen. Es dauert einfach (s)eine Zeit, bis wir eine Tätigkeit so intus haben, dass wir sie gewohnt sind, sie also zur Gewohnheit gemacht haben. Dabei sind kleinere Änderungen (wie z.B. jeden Tag genügend Wasser trinken) schneller im Alltag integriert, als größere (wie z.B. jeden Tag mindestens 10 000 Schritte gehen).

Außerdem können wir nicht 10 Dinge auf einmal ändern und erwarten, dass diese in drei Tagen so normal sind, wie Zähneputzen oder Danke sagen. Ich habe mal gelesen, dass wir am besten nur eine Sache pro Zeitpunkt wirklich so verändern und daraufhin in unser Leben aufnehmen – also zur Gewohnheit machen – können.

Sehr spannend, wie ich finde. Denn etwas Neues auszuprobieren und es zum Eigenen zu machen, ist dann oft nicht so einfach oder einfach nicht so schnell, wie wir uns das manchmal wünschen.

Ich kultiviere gerade eine neue Gewohnheit. Ich mache gerade jeden Tag Yoga. Und ach, wie lange habe ich mir das vorgenommen, im Kopf gehabt, im Sinn und mich sogar ganz ab und zu mal auf die Matte gewagt. Ungelogen – seit Jahren! Ohne großen “Erfolg” (ich weiß, ich weiß – besonders beim Yoga geht es nicht um den Erfolg, sondern um das Erfolgen…). Und seit ich mich wirklich jeden Tag hinsetze und meine Übungen mache – fällt es mir mit jedem Tag leichter, dies als eine meiner neuen Gewohnheiten zu sehen und daher nicht die Hürde davor, sondern die Leichtigkeit danach viel stärker wahrzunehmen.

Und da ich jetzt auch weiß, dass es halt einfach eine Zeit braucht, bis ich diese Praxis voll und ganz in mir aufgenommen und zu einem Teil meines Lebens gemacht habe, nehme ich mir diese Zeit. Und bleibe dran. Was mir auch dazu einfällt, ist, dass es bei mir auch immer den richtigen Zeitpunkt braucht – ich habe viele Ideen und Vorhaben und merke mittlerweile, dass ich diese nicht immer gleich und sofort umsetzen und zu einem neuen Teil meines Lebens machen kann. Es brauchte lange, bis ich da draufgekommen bin – und jetzt, wo ich das weiß, macht es vieles einfacher. Denn ich kann darauf vertrauen, dass – sofern dieses Vorhaben ein wirklich wichtiges für mich ist – ich es zu einem Zeitpunkt in meinem Leben umsetzen werde. So war es bis jetzt bei ganz vielen Visionen, Gewohnheiten, Möglichkeiten und Vorstellungen.

Aber Achtung! Das Ändern von Gewohnheiten ist wahrlich kein Zuckerschlecken – überkreuzt mal eure Finger anders als gewohnt (also mit dem anderen Daumen oben!) Yoga für die Hände, sagt da meine Yogalehrerin…

Gewohnheiten. Da gibts doch diesen schönen Spruch – dass aus meinen Gedanken Worte werden und aus meinen Worten Taten und aus meinen Taten Handlungen und aus diesen dann Gewohnheiten. Und dabei bleibts (laut diesem Spruch) nicht, denn die Gewohnheiten bestimmen meinen Charakter und der, ja der wohl mein Leben… Lohnt sich also, mal über die eigenen Gewohnheiten nachzudenken…

Warum wir überhaupt Gewohnheiten ändern sollen, fragt ihr euch? Naja, weil vieles vielleicht gar nicht unseres ist, weil wir halt einfach machen, um dazuzugehören oder weil wir es nicht anders kennen. Weil frischer Wind immer wieder mal gut tut und auch gesund sein kann. Weil es das Leben ein bisschen bunter macht, etwas Neues darin zu verwurzeln. Und weil es einfach zu viele schöne Sachen gibt da draußen, die wir sonst nie kennenlernen würden.

P.S.: Hier noch ein interessanter Link zum Weiterlesen: https://zenhabits.net/36lessons/

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Jetzt wirds ungemütlich

Ich zittere. Mir läuft es kalt über den Rücken. Mein Herz schlägt so laut, dass ich es hören kann. Ich habe Tränen in den Augen. Achtung. Es wird jetzt ungemütlich.

Was passiert ist? Nichts.
Was wirklich passiert ist? Zu viel.

Gerade habe ich den Film “I am Greta” angeschaut. Eine Dokumentation über Greta Thunberg, die Umweltaktivistin. Und gerade einmal wieder bin ich daran erinnert worden, wie schlimm es um unsere Erde steht. Wie schlimm es um die Menschen und Tiere, die Pflanzen und uns, ja uns – hier und jetzt – steht. Am liebsten würde ich schreien. SCHREIEN! DEN TEXT AUSSCHLIEßLICH IN SCHREIENDEN BUCHSTABEN SCHREIBEN. DENN ICH BIN WÜTEND. WÜTEND, ENTTÄUSCHT und ja, auch traurig.

Ich weiß, jede/r von uns hat irgendwas – irgendwas zum Sorgen machen, irgendwas zum Tragen, irgendwas zum Gedanken machen. Irgendwas anderes eben.

Lange, zu lange, hat mich dieses ganze Thema nicht berührt. Nicht genug. Lange, zu lange, habe ich gemeint, dass es ja nicht so schlimm wäre, wenn es ein paar weniger Pflanzen und Tiere gäbe. Wenn die Erde ein bisschen wärmer werden würde. Denn – was hat es schon mit mir zu tun? Was verändert es in meinem kleinen, gemütlichen Leben? Und vor allem: Was kann ich schon tun?

Und dann bin ich aufgewacht. Habe aufgemacht und habe mich berühren lassen. Und jetzt kann ich nicht mehr wegschauen. Jetzt kann ich nicht mehr vergessen und nein, ich kann auch nicht mehr schweigen.

Ich weiß nicht viel über den wissenschaftlichen Stand der Klimakrise. Und ich kann es auch nicht genau erklären, was passiert, wenn die Erde wärmer und die Tiere weniger werden. Aber ich habe etwas Grundsätzliches verstanden: Ich habe verstanden, dass meine Handlungen Auswirkungen haben. Ich habe verstanden, dass es einen Zusammenhang gibt – einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Klima, zwischen Kriegen und Naturkatastrophen, zwischen meinem kleinen Leben und dem, von all den anderen Menschen.

Was ich verstanden habe, ist, dass ich nicht mehr schweigen will – nein, kann! Dass das Gefühl von Ohnmacht ein sehr gefährliches ist und mich von der Veränderung abhält. Dass Aktion mehr bringt als Re-Aktion. Ich habe verstanden, dass alles verbunden ist. Dass wir nicht alleine sind. Dass diese Arroganz, die wir immer noch haben – von wegen “hier geboren und deshalb einfach mehr (Grund!)Rechte als der Rest” – in eine komplett falsche Richtung geht. Dass Freiheit und Reichtum Verantwortung bedeutet. Dass die Privilegien von Sicherheit, Bildung, Grundrechte etc. uns dazu auffordern, laut zu sein. Laut, ungemütlich, verändernd.

Und trotzdem wollen wir Menschen IMMER NOCH neue Autos, essen IMMER NOCH Unmengen an Fleisch, glauben IMMER NOCH NICHT daran, dass es auch unsere Verantwortung ist. Wie kann das sein? Ich verstehe es nicht. Diese Arroganz, diese Überheblichkeit, diese Ignoranz.

Ich zittere immer noch. Ich weiß, wir sind gerade in einer Krise. Und diese ist sehr offensichtlich. Dieses Virus hat aber auch mit all dem anderen zu tun.

Und was wir tun können? Was ich tun kann?

Mich zu allererst nicht mehr ausruhen auf meinem Privileg. Mich stark machen, mich informieren, aufstehen und nicht lockerlassen. Rassismus, Engstirnigkeit und Ignoranz nicht mit Meinungsfreiheit verwechseln. Zuhören und darüber reden. Aufklären und immer noch nicht lockerlassen.

Meine eigenen Gewohnheiten hinterfragen. Mich als Teil des großen Ganzen sehen. Nicht beim “Ich verwend eh schon ein Papiersackerl” aufhören. Dranbleiben. Informieren. Verändern.

Das klingt ungemütlich. Und ja, das ist es auch. Und ja, ich bin eigentlich die Königin der Gemütlichkeit. Aber in diesem Fall kann ich nicht gemütlich bleiben. Ich kann weder positiv bleiben, noch so tun, als wäre nichts. Es wird ungemütlich, wenn wir Wissen über nicht so schöne Tatsachen haben. Wenn wir draufkommen, dass wir dann auch nicht mehr wegschauen können. Wenn wir dann vielleicht auch noch etwas an unserer gemütlichen Routine ändern müssen.

Es wird ungemütlich? Pssst! Ich verrat euch etwas: Es ist schon ungemütlich, schon seit längerer Zeit…

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Grundlose Freude

Manchmal, da freu ich mich, weil die Sonne scheint. Manchmal, weil es gutes Essen gibt und manchmal, weil ich irgendjemandem weiterhelfen konnte. Schöne Gründe zum Freuen.

Und manchmal, da freu ich mich einfach so. Ohne Grund und meist auch ohne eine Erklärung dafür parat zu haben. Da überkommt es mich und ich reibe meine Hände aneinander (das mach ich, seit ich ein Kind bin, hab ich mir sagen lassen) und dieses warme Gefühl der Freude durchströmt mich. Ich hatte vorhin grad wieder so einen Moment und deshalb möcht ich diesen Zustand auch mal mit euch teilen.

Bei mir “passiert” diese grundlose Freude meist, wenn ich alleine bin und Zeit habe zum Nachdenken und zum Sein. Das muss gar nicht lange sein, denn diese Freude schwappt auf einmal und kommt sehr schnell. Ich sag es dann auch laut und ohne zu denken “Ma, i gfrei mi so!”. Und wenn sich dann mein Bewusstsein einschaltet, frag ich mich auch, warum und find natürlich auch Gründe. Aber – und darum solls hier gehen – es braucht für mich keinen spezifischen Grund, diese Freude, dieses Glück zu spüren.

Und das ist eine wahrhaft privilegierte und gesegnete Eigenschaft, die ich wohl teils mitbekommen, teils kultiviert habe.

Woran mich diese grundlose Freude aber auch erinnert, ist die andere Seite. Die des Rechtfertigen und Suchen von schlimmen Gründen, warum ich (man/wir) auch mal traurig, fertig, niedergeschlagen sein “darf”. Bin mir nicht ganz sicher, ob es verständlich ist, was ich da schreibe. Was ich meine, ist, dass es – genauso wie bei der Freude – auch mit der Trauer, der Enttäuschung, der Wut, dem Zorn, der Angst, der Niedergeschlagenheit, der Überforderung, der Unsicherheit etc. – vollkommen in Ordnung ist, diese Gefühlszustände mal zu fühlen und zu erleben. Ohne großes Erklären oder Rechtfertigen, ohne großes Verstehenmüssen oder Ignorieren. So, wie die Freude (die grundvoll und grundlos sein kann) existiert, so gibt es eben auch diese andere Seite.

Ich plädiere hier nicht für ein Nicht-Ernstnehmen der Gefühle. Nein! Vielmehr bin ich stark dafür, beide Seiten (oder eben alle Seiten, die halt kommen), sein zu lassen. Denn es muss nicht immer eine Erklärung geben. Wir müssen unsere Gefühle auch nicht immer verstehen (obwohl wir natürlich auch so gepolt und erzogen sind, dass wir beschreiben können sollen, was wir fühlen und dass es “gute” und “böse” Gefühle gibt etc. etc.). Manchmal macht es uns natürlich auch leichter, zu verstehen, was los ist. Aber – und hier komme ich zum Punkt – es ist auch ok, wenn wir einfach nur fühlen, ohne zu verstehen.

So. Und jetzt widme ich mich wieder meiner Freude, die immer wieder grundlos durch meine Zellen strömt.

Einen gefühlvollen Tag allerseits.

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Lustig ist es nicht

Gar nicht.

Ich habe geschrieben, dass es uns eh noch gut geht. Dass wir weit weg sind von Atemnot und Krankenhauseinlieferungen. Dass wir das Beste daraus machen und uns nicht zu tief hineinziehen lassen wollen. Aber ich habe einiges nicht geschrieben.

Dieser Text soll nicht Angst machen. Er soll zum Nachdenken anregen. Und er soll die, die auf dem zu hohen Ross der Unantastbarkeit dahingaloppieren, ein bisschen herunterholen.

Denn: Es kann jeden treffen. Jeden und jede. Es kann kommen, in Momenten der Unachtsamkeit sowie in Momenten des höchsten Achtgebens und Abstandhaltens. Diese Krankheit macht nicht Halt, hört nicht einfach auf, ansteckend zu sein, wenn wir aufhören daran zu denken.

Ich habe einiges nicht geschrieben. Ich habe gesagt, dass das Daheimsein seine Vorteile hat, dass der Geschmacksverlust zwar lästig, aber nicht bedrohlich ist. Ich habe geschrieben, dass es zwar ungut, aber zum Aushalten ist.

Und ich habe nicht geschrieben, was dieses Daheimsein-MÜSSEN mit uns macht. Wie eng die vier Wände werden. Wie anstrengend es ist, mich am Abend nicht aufs Bett zu freuen, weil ich eh quasi den ganzen Tag herumgelegen bin. Ich habe nicht geschrieben, dass ich mich vor den Nächten fürchte, weil ich Angst habe, plötzlich keine Luft mehr zu bekommen. Oder wenn schon nicht ich, dann irgendwer aus meiner Familie. Wie fad der immer gleiche Blick aus dem immer gleichen Fenster wird, auch wenn der Baum noch so schön und die Landschaft noch so weit ist. Das habe ich nicht geschrieben.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass immer auch eine Schuld mitschwingt – hätten wir nur besser aufgepasst, hätten wir nur mehr Abstand gehalten. Hätten wir nur weniger getan, weniger umarmt, weniger Menschen getroffen. Hätten wir. Haben wir auch, aber eben nicht immer. Vor allem in dem Moment, in dem wir uns angesteckt haben. Im eigenen Haus. Aber – und das möchte ich uns und allen da draußen sagen: Es geht nicht um Schuld, es geht um Verantwortung. Und ich sehe es als meine Verantwortung, Aufklärung zu betreiben. Mit diesem Text und mit meinen Geschichten.

Ich sehe es als meine Verantwortung, euch zu erzählen, dass es anstrengend, trostlos, erschöpfend, einengend, sorgenreich und angsteinflößend ist, eine Krankheit wie diese zu haben. Von der es weder ein Gegenmittel, noch eine Gewissheit, wie es weitergehen wird, gibt. Und nein, es ist keine Grippe. Es ist auch nicht “wie eine Grippe”. Weder die Symptome, noch das Gefühl. Denn wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir wissen nicht, ob es Langzeitschäden gibt und wenn ja, ob wir vielleicht auch hier die “Auserwählten” sind, die diese haben werden. Wir kennen diese Krankheit weder gut noch lange und das macht sie sehr groß und unberechnend.

Ich habe nicht geschrieben, dass das Nichtschmecken und -riechen nach mehr als 3 Tagen einfach nur noch lähmend ist. Dass ein Teil der Lust am Leben auch die Lust am Genuss ist. Und dass dieser Teil wegfällt, wenn ich einfach auch Papier essen könnte. Wenn ich mich nach jeder Mahlzeit nicht besser und gestärkt, zufriedener und gesättigt fühle. Sondern zum Nichtschmecken auch noch eine Übelkeit dazukommt, die sich zäh über das nicht stattgefundene Geschmackserlebnis legt und viel länger bleibt, als jeder gute Nachgeschmack bleiben könnte.

Ich habe nicht geschrieben, was die Ungewissheit und die Gefahr, die von dieser Krankheit ausgehen, mit mir und meiner Psyche machen. Ich habe nicht geschrieben, dass ich Angst habe um meine Familie. Dass ich beim Einschlafen nicht tief atmen kann, weil dieser Spuk innerlich und äußerlich auf meiner Brust liegt und sich schwer macht.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass unser Verlauf zwar mild bis mittelschwer ist, aber dass bereits das so viel mit sich bringt.

Ich schreibe diesen Text nicht zum Angstmachen. Ich schreibe ihn, um aufzurütteln, um wachzumachen. Um Whatsapp-Status-Nachrichten, die immer noch verleugnen, dass es sowas wie diesen Virus wirklich gibt, dass es ja keine Pandemie ist, wenn man nicht mindestens eine Person kennt, die “wirklich, ja so wirklich” krank ist, zu entkräften. Denn hier habt ihr jemanden, die wirklich krank ist. Und die diesen wirklich nicht angenehmen Zustand NIEMANDEM, ja wirklich niemandem, wünscht.

Und so, wie es meine Verantwortung ist, darüber zu sprechen und zu schreiben, so sehe ich es als eure Verantwortung, für uns alle Verantwortung zu übernehmen. Und ihr wisst, wie man das macht. Wir wissen das alle mittlerweile ganz genau.

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Baumgedicht

Lieber Baum.

Ich schreibe heute ein Gedicht für dich. Und ich nenne es Baumgedicht.

baumgedicht

ich schaue dich an
und denke daran
wie schön es doch ist,
dass du du hier bist

ich sehe deine art
mit dem leben fertig zu werden
und bewundere sie sehr
sie lässt auch mich erden

wovon ich spreche
möchtest du wissen?
mich plagt da schon seit längerem
ein schlechtes gewissen

dass wir dich zwar sehen
doch nicht begreifen
dass wir so viel lernen könnten von dir –
ich denke ans wachsen und reifen

da stehst du und lässt den wind einfach machen
über unsere angst, du könntest brechen, kannst du nur lachen
der wind, ja der sturm, sie kommen und gehen
und du, ja du, bleibst einfach stehen

und jetzt in dieser dunklen zeit
hast du dich von dem ballast befreit
wirfst deine blätter einfach nieder
ganz im vertrauen – sie kommen ja wieder

denn obwohl sie für dich eine zeit lang alles sind,
ist es irgendwann doch leichter, sie mit dem wind
in eine neue zeit zu senden
und eure gemeinsame zeit zu beenden

wie oft ich dich angeschaut hab in diesem jahr
und für mich war es wirklich nicht klar
dass die veränderung deine konstante ist,
du die blätter machst und dabei ganz achtsam bist
du sie wachsen lässt, ganz langsam und leise
bis du sie wieder schickst auf ihre reise

denn jetzt ist die zeit
in der du loslässt und dich befreist
und dann –
fängst du wieder von vorne an

du machst das alles so nebenbei
ohne zu jammern, ohne zu schrein
und das lieber baum
das könnte ich mir von dir abschaun.

denn so wie du bist, sollten wir manchmal werden
die arme ausgestreckt und die wurzeln tief in der erde

lieber baum
auch, wenn du das hier nie liest
bin ich mir sicher, du genießt
die zeit da draußen vor meinem haus
und ich, ich schaue hinaus
und in gedanken daran
fange ich an

auch loszulassen.

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Über die Frage der Einfachheit

Ist es einfach, wenn man nicht überall mitmacht? Weder mitmachen muss, noch mitmachen will?

Es ist einfach, wenn man selbst entscheiden kann, was man braucht und was nicht. Wenn man sich nicht ausgeliefert fühlt und meint, man müsse und solle und wolle und tue eben. Aber es ist nicht so einfach, dem großen, schönen Angebot standzuhalten.

Ich denke an so viele Bereiche, die ich einfach nicht mehr mitmache. Seit Längerem (Fleisch!) oder noch nie (Alkohol!) oder seit Kurzem (neues Gewand!). Weil ich gemerkt habe, dass “man” so vieles auch einfach nicht mitmachen muss.

Es ist einfach und macht das Leben einfach, nicht das neueste Gewand, das neueste Auto, das neueste Handy zu brauchen. Es ist sogar noch einfacher, einfach damit auszukommen, was ich habe – egal, ob das Gewand, Technik oder sonstiger Schnickschnack ist.

Die Entscheidung, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe, hat viel mit Genügsamkeit zu tun. Wenig mit Verzicht. Es fühlt sich mittlerweile für mich fast besser an, etwas nicht zu kaufen, als es tatsächlich zu kaufen. Wenn ich draufkomme, dass ich etwas einfach nicht brauche, ist das immer ein schöner Moment für mich. Und natürlich, die Welt ist nicht dafür gemacht. Also die natürliche Welt schon, die materielle eben nicht.

Es gibt so viel Angebot – von allen Seiten, zu jeder Zeit, in jedem Bereich. Es gäbe so viel, es bräuchte so viel, es wäre doch so praktisch und wichtig und überhaupt gehört es halt einfach dazu.

Sobald man das aber mal durchblickt hat und sieht, dass es auch anders, ganz anders, geht, sind diese verlockende Angebote gar nicht mehr so verlockend. Sobald der Blick ein bisschen hinter die Konsumszene geht, ist dieses Angebot auch nicht mehr so leicht vertretbar oder gar schön.

Ich möchte hier keine Moralapostelfrau sein. Ich kaufe immer wieder Dinge – manche auch, die ich nicht “unbedingt brauche”. Aber diese sind – wirklich in jedem Bereich, ob das Nahrung, Gewand, Hausausstattung, Bücher, Dekoration etc. ist – wirklich wohlüberlegt und gut ausgesucht. Und das macht den Unterschied.

Es ist wirklich einfach, da nicht mehr mitzutun. Und gleichzeitig ist der Schritt aus der Kaufen-Spirale gar nicht so einfach. Er erfordert ein Maß an Klarheit, Durch- und Dahinterblick, Selbstliebe und Mut. Denn Neinsagen war noch nie ganz einfach. Wird aber immer wieder belohnt – und diese “Belohnungsfreude” hält länger an, als die nach einem Shoppingtrip. Versprochen!