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Über die Frage der Einfachheit

Ist es einfach, wenn man nicht überall mitmacht? Weder mitmachen muss, noch mitmachen will?

Es ist einfach, wenn man selbst entscheiden kann, was man braucht und was nicht. Wenn man sich nicht ausgeliefert fühlt und meint, man müsse und solle und wolle und tue eben. Aber es ist nicht so einfach, dem großen, schönen Angebot standzuhalten.

Ich denke an so viele Bereiche, die ich einfach nicht mehr mitmache. Seit Längerem (Fleisch!) oder noch nie (Alkohol!) oder seit Kurzem (neues Gewand!). Weil ich gemerkt habe, dass „man“ so vieles auch einfach nicht mitmachen muss.

Es ist einfach und macht das Leben einfach, nicht das neueste Gewand, das neueste Auto, das neueste Handy zu brauchen. Es ist sogar noch einfacher, einfach damit auszukommen, was ich habe – egal, ob das Gewand, Technik oder sonstiger Schnickschnack ist.

Die Entscheidung, zufrieden mit dem zu sein, was ich habe, hat viel mit Genügsamkeit zu tun. Wenig mit Verzicht. Es fühlt sich mittlerweile für mich fast besser an, etwas nicht zu kaufen, als es tatsächlich zu kaufen. Wenn ich draufkomme, dass ich etwas einfach nicht brauche, ist das immer ein schöner Moment für mich. Und natürlich, die Welt ist nicht dafür gemacht. Also die natürliche Welt schon, die materielle eben nicht.

Es gibt so viel Angebot – von allen Seiten, zu jeder Zeit, in jedem Bereich. Es gäbe so viel, es bräuchte so viel, es wäre doch so praktisch und wichtig und überhaupt gehört es halt einfach dazu.

Sobald man das aber mal durchblickt hat und sieht, dass es auch anders, ganz anders, geht, sind diese verlockende Angebote gar nicht mehr so verlockend. Sobald der Blick ein bisschen hinter die Konsumszene geht, ist dieses Angebot auch nicht mehr so leicht vertretbar oder gar schön.

Ich möchte hier keine Moralapostelfrau sein. Ich kaufe immer wieder Dinge – manche auch, die ich nicht „unbedingt brauche“. Aber diese sind – wirklich in jedem Bereich, ob das Nahrung, Gewand, Hausausstattung, Bücher, Dekoration etc. ist – wirklich wohlüberlegt und gut ausgesucht. Und das macht den Unterschied.

Es ist wirklich einfach, da nicht mehr mitzutun. Und gleichzeitig ist der Schritt aus der Kaufen-Spirale gar nicht so einfach. Er erfordert ein Maß an Klarheit, Durch- und Dahinterblick, Selbstliebe und Mut. Denn Neinsagen war noch nie ganz einfach. Wird aber immer wieder belohnt – und diese „Belohnungsfreude“ hält länger an, als die nach einem Shoppingtrip. Versprochen!

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Auf ein Zeichen warten

Warten wir aufs Zeichen, ist es wohl Zeit, selbst eines zu setzen. Und in diesem Fall, in diesem Text, gehts heute um das Fragezeichen.

Denn dieses kleine, rundlich geformte Dinglein hat es in sich. Es verändert den Inhalt dessen, was ihm vorausgeht. Es macht sich breit und ist dann auch nicht mehr wegzudenken. Dieses kleine Zeichen, das den Satz zu einer Frage macht, spielt also heute hier die Hauptrolle.

Das Fragezeichen nämlich kann etwas, das wir oftmals vergessen. Indem es sich hinten anstellt und dazugesellt, macht es das Vorausgegangene zu etwas nicht Naturgegebenem. Es hinter-fragt.

Unlängst habe ich in einem SEHR empfehlenswerten Buch* die Inspiration zu diesem Text und zu ganz vielen Gedanken, die sich daraufhin in meinem Kopf und Leben aufmachten, gelesen. Es geht darum, die bestehenden Sätze (wasauchimmer), die mit einem Punkt oder gar einem Rufzeichen versehen sind, schleunigst mal auf ihre Fragezeichen-Fähigkeit hin zu untersuchen. Sie also „einfach“ zu einer Frage zu machen und sie dadurch auch zu hinter-fragen.

Einfach geht da wahrscheinlich gar nichts und gefährlich ist es obendrein, „Gegebenheiten“ nicht als gegeben zu verstehen. Denn dann lösen sich Glaubenssätze, Einstellungen und vielleicht sogar Welten auf! Oder?

Besonders in Bezug auf die neue Welt, auf frauen- und menschenrechtliche Ansätze, auf Erziehung, auf Weltanschauungen, auf Beziehungsleben, auf Ernährung, auf Umweltereignisse und (und und…) die tägliche Gestaltung des eigenen, kleinen Lebens sollten viel, viel mehr Fragezeichen zum Einsatz kommen.

Denn etwas, das so ist, weil es eben so ist, ist noch lange nicht Fragezeichen-sicher. Probiert es mal aus! Macht ein Spiel daraus! Ich habs gespielt und finde es höchst amüsant! … höchst amüsant … amüsant?

*“Untenrum frei“ von Margarete Stokowski – bitte, bitte lesen! Männer und Frauen, Mädchen und Buben und alle dazwischen! Lest es und werdet schlauer, empathischer und vor allem noch reflektierter, als ihr es ohnehin seid. ? . ? . ? .

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Es muss immer erst was passieren…

… bevor sich was ändert.
Ein Satz, eine Einstellung, eine Lebensweise, eine Alltagswahrheit.

Es muss immer erst was passieren, damit wir umdenken. Die Welt muss brennen, der Rücken wehtun und die Seele weinen. Erst dann verändern wir etwas. Erst dann können wir etwas verändern. Es muss immer erst was passieren.

Was für eine gefährliche, gefährliche Halbwahrheit. Was für eine irreführende, ungesunde und kleinmachende Einstellung zum Leben das ist. Und wie normal sie gleichzeitig behandelt wird.

Meine Sicht auf diese Dinge ist anders. Vielleicht radikal anders. Denn ich mache Dinge, die mir guttun, jetzt schon. Nicht erst dann, wenn was passiert ist. Ich bewege mich und gebe meinem Körper gutes Essen, nicht, weil ich mich unwohl fühle oder krank war/bin. Nein, weil ich meinen Körper und meinen Geist gesund halten möchte. Gesund und munter, mobil und glücklich. Ich beende Dinge, die mir nicht guttun, nicht an einem Moment der vollkommenen Verzweiflung, sondern davor. Wenn ich merke, dass sie mir nicht (mehr) guttun. Ich umgebe mich viel und oft mit Menschen, die mir guttun. Die mich bereichern und zum Lachen bringen. Ich verbringe wenig Zeit mit den anderen.

Das braucht natürlich ein feinfühliges Hineinspüren und Kennen der eigenen Bedürfnisse. Das braucht auch Mut und den Drang zur Freiheit und zur (geistigen, körperlichen, …) Gesundheit. Es braucht zudem eine ordentliche Portion Selbstliebe, etwas zu tun oder zu lassen, das gut oder nicht (mehr) gut für eine ist. Und zwar vor der großen Krankheit, dem großen Zusammenbruch oder der großen Enttäuschung.

Natürlich passieren schlimme Dinge. Und natürlich ist es wichtig, daraufhin etwas zu ändern. Und es erfordert Mut und Selbstliebe und Gesundheit, das auch zu tun. Was ich mit meinem Text und meinen Gedanken aber sagen will, ist, dass es auch davor schon geht, seinem Körper und seinem Selbst etwas Gutes zu tun. Dass es nicht eine „Belohnung“ braucht, wenn etwas eh so schlimm war. Sondern dass Vorbeugen wahrscheinlich gesünder ist als Heilen. Dass ein vorzeitiges Einschreiten und Stoppen, ein Hineinfühlen und Vorausdenken möglich und wichtig sind. Für uns selbst, die Menschen um uns und auch für die Welt.

Denn wir dürfen genießen, ohne uns für irgendetwas zu belohnen. Dürfen gesund sein, ohne krank gewesen sein zu müssen. Dürfen selbst aufhören, ohne gestoppt worden zu sein. Dürfen Nein sagen, ohne es erklären zu müssen. Dürfen Dinge selbst entscheiden, ohne alles glauben zu müssen. Denn es muss nicht immer was passieren, um etwas zu ändern.

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Alleine deshalb…

… zahlt es sich schon aus, zu leben.

Diese weisen Worte hat meine Mama vor Kurzem beim Kaffeetrinken in einem wunderschönen und gemütlichen Café gesagt. Sie war – wie ich auch – so berührt von diesem schönen Ort, hat ihren schön hergerichteten Cappuccino geschlürft und diese schönen Worte von sich gegeben.

Und ja, sie berühren mich wirklich, diese Worte. Es ist so wichtig, diese kleinen großen Momente zu feiern. Es ist so wichtig, das alles nicht einfach hinzunehmen. Es ist so wichtig, immer wieder innezuhalten und für das Leben dankbar zu sein.

Und deshalb möchte ich diesen Text dem Leben widmen.

Ich möchte mich von tiefstem Herzen bedanken, bei dir, liebes Leben. Danke für all die Menschen, die ich um mich haben darf. Meine Familie, die unterstützend, bedingungslos liebend, wertschätzend ist. Meine Familie, die zusammenhält und die sich selbst mag. Meine Familie, die miteinander lachen und weinen kann, die streitet und sich versöhnt, die laut sein kann gemeinsam und auch ganz leise.

Die wichtigen Menschen in meinem Leben, die mir – egal, wie weit weg sie leben oder wie (wenig) oft ich sie sehe – so nahe sind. Die ich zu unterschiedlichsten Dingen im Leben um Rat und Meinung fragen kann, die mit mir ihre Ängste und Unsicherheiten teilen und die ich von ganzem Herzen schätze für das, was sie sind.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass du es mir ermöglichst, dass ich so lebe, wie ich lebe. Dass ich es leicht habe und es mir leicht machen kann. Dass ich das Kleine so sehr schätze, mich an Farben und Mustern erfreuen kann, dass ich spielen und tanzen kann, dass ich mich bewegen und still sein kann. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich mir aussuchen kann, was ich mache, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass ich schon so viel von der Welt sehen und erleben durfte. Dass ich meinen Weg hinein in so viele Unsicherheiten so bestimmt und im vollsten Vertrauen gehen durfte. Dass ich vieles ausprobieren und wieder lassen konnte, dass ich auf meinem Weg so viel Rückenwind gehabt habe und aus dem Gegenwind lernen durfte. Auch dafür bin ich so dankbar.

Die Liste an Dingen, für die ich dankbar bin, geht weiter. Jeden Tag halte ich kurz inne und überlege, für welche Momente des Tages ich dankbar bin. Einen dieser Momente schreibe ich dann auch auf. Und so habe ich bisher in diesem Jahr eine Sammlung mit 242 Glücksmomente angelegt. Das kann sich sehen lassen, oder?

Beim Sitzen in diesem Kaffeehaus hatte ich Tränen der Überwältigung in den Augen. Denn dieser Moment war ein Inbegriff des Guten für mich. Ein Inbegriff der Freiheit, des Friedens, der Leichtigkeit, des Genusses. Ein Inbegriff dessen, was ich meine, wenn ich vom guten Leben spreche. Und dieser Moment ist einer der – wohl weit mehr als – 242 Glücksmomenten in diesem Jahr…

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Kuchenküche

Nach der Freundesfreude geht es weiter mit der lustigen Alliterationsreihe. Wer sich fragt, was das heißt, der frage fremde Freunde oder wortgewandte Wörterbuchwichte.

Mein heutiger Text handelt von der sogenannten „Kuchenküche“. Was diese ist und was sie so besonders macht, das möchte ich euch gerne verraten.

Für mich war Kuchenbacken immer eine Sache, die sorgfältig geplant und vorbereitet, genau dosiert und exakt durchgeführt werden musste. Es brauchte viele Zutaten, komplizierte Rezepte, einen ganzen Nachmittag Zeit und noch dazu eine Portion Glück, damit das Ergebnis hoffentlich was werden würde. Und dadurch, dass das ganze Prozedere so umständlich war, habe ich ganz selten etwas gebacken.

Das hat sich schlagartig geändert, als ich meine Ernährung umgestellt und es plötzlich nicht mehr so viele kaufbare Süßigkeiten für mich gab. Als ich meinen Koch- und Backhorizont erweitert, mich aus der 0815-Küchen-Ausstattung hinausgewagt und meine Kreativität auch in der Küche einziehen hab lassen. Denn dann habe ich gelernt, dass es viele Wege gibt, um zum süßen Ziel zu kommen. Dass es oftmals nicht um die Höhe oder Form des Kuchens, sondern um dessen innere Werte geht. Dass weißes Mehl und weißer Zucker zwar bekannt, aber einfach auch fad sind. Dass es nicht alle Zutaten des Rezepts braucht, sondern vielmehr bunte Möglichkeiten, diese anders zu gestalten.

Und wie ich euch jetzt die Kuchenküche erkläre? Ganz einfach: Ich hab immer die Zutaten für irgendeinen Kuchen daheim. Und das, liebe Leute, ist wieder mal mehr als eine Rezeptidee: Es ist ein gar lebenstauglicher Ansatz, den ich hier verfolge!

Wenn die vorhandenen Zutaten für das eine und einzige Rezept nicht passen, dann kann man einfach das Rezept ändern! Denn aus den Ressourcen zu schöpfen ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch kreativer, wertschätzender und lustiger, als das eine Rezept (= den ein und einzigen Weg) auf Biegen und Brechen zu verfolgen. Das Ziel kann zwar anders werden, aber der Weg dorthin ist einfach selbstbestimmter, aufregender und lebendiger.

Tja. Und so bin ich sehr dankbar für diese Kuchenküche, die immer irgendetwas für mich bereithält. Denn meist entsteht daraus ein wahrhaft wohlschmeckender Kuchen, der viel Liebe und Kreativität enthält.

… und diese Weite und Fülle der Kuchenküche lässt sich ins Leben weit weg von Herd und Ofen übertragen, denkt mal drüber nach …

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Lebensqualitativ hochwertig

Wie ich mir einen Tag gut verbracht vorstelle? Gut verbracht und ausgefüllt, gar qualitativ hochwertig? Lebensqualitativ hochwertig? Das erzähl ich euch gerne!

So ein Tag voller Lebensqualität, der beginnt bei mir schon vorm Aufstehen. Der beginnt nämlich mit ausreichend und tiefem, gutem Schlaf. Und das beinhaltet für mich auch ein Schlaf bis zum natürlichen Aufwachen. Ein Schlaf, der damit endet, dass ein neuer Tag beginnen darf (anstatt zu müssen). Ein Tag, der mit einem langsamen, verschlafenen Umherrollen, Hineinwutzeln und nochmal die Augen für ein paar Momente Zumachen beginnt. Ja. So fängt die Lebensqualität bereits am Morgen an.

Ein Tag voller Lebensqualität hat wenig Pläne, viel Zeit und das Gefühl der Ewigkeit. Ein Nicht-auf-die-Uhr-schauen-müssen, ein Hineinspüren-und-einfach-tun-statt-planen. So geht der Tag weiter. Bei einem gemütlichen Frühstück mit buntem Essen und Blumen, Sonnenschein oder Regenprasseln oder Wind oder Schnee (wie ihr seht, das Wetter ist nicht entscheidend).

Dann geht dieser Tag gemächlich weiter. Generell hat Lebensqualität für mich viel mit Zeit zu tun. Also eigentlich mit Zeiträumen, dem Zeithaben, dem Zeitnehmen. Ein lebensqualitativ hochwertiger Tag hat viel frische Luft – im übertragenen und eigentlichen Sinne. Luft im Sinne von Leere und Stille, gepaart mit schaffenden, kreativen Momenten. Und mit frischer Luft im Sinne von draußen sein.

Ein Tag, der die Lebensqualität steigert oder eben voller Lebensqualität ist, hat für mich auch mit den Menschen zu tun, mit denen ich mich umgebe und mit dem Essen, das ich meinem Körper gebe. Hochwertige – wertvolle – Gespräche, Lebensmittel, Worte und Einstellungen gehören da für mich dazu.

Lebensqualität hat andererseits kaum Momente des Vergleichens und Gestresstseins. Wenig bis gar keine Momente des Müssens, viel mehr des Dürfens und Auswählens. Lebensqualität heißt daher für mich auch Selbstbestimmung – über den Tag und mein Leben. Lebensqualität heißt innere Zufriedenheit und Fülle, genauso wie Dankbarkeit für das, was ist und Bereitschaft für die Veränderung. Lebensqualität. Was für ein Konzept!

Ein lebensqualitativ hochwertiger Tag endet langsam und entschleunigt. Er endet, wie er begonnen hat – natürlich und einfach. Er bleibt rückblickend warm und hell in Erinnerung, so ein Tag. Und solche Tage der Lebensqualität dürfen sich gerne aneinanderreihen. Sie dürfen gerne verweilen und sich zu Jahren der Lebensqualität, ja – zu einem Leben voller Qualität summieren.

Die Qualität, also die Beschaffenheit, meines Lebens. Darüber mache ich mir gerne Gedanken. Und noch lieber erschaffe ich mir ein von schöner Qualität beschaffenes Leben! Was für eine Freude, diese Gedanken- und Wortspielereien! Ein weiterer Punkt auf meiner Liste: Was das Leben qualitativ hochwertig macht.

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Geregeltes Erwachsensein

Oft ist es so, dass sich meine Gedanken immer wieder um eine Sache drehen. Und dann nehme ich genau in dieser Zeit Dinge wahr, die genau das widerspiegeln oder zumindest auch damit zu tun haben.

Und so ist es mit folgender Frage, die ich in einer meiner liebsten Zeitschriften gelesen habe: Was würdest du deinem 12-jährigen Ich sagen?

Die Antworten prasseln nur so in mein Bewusstsein und ich frage mich, was das bei mir auslöst. Denn ich habe festgestellt, dass ich – je älter ich werde – immer weniger von außen auferlegte Regeln zum Leben brauche. Und dass das eine sehr angenehme Sache am Älterwerden ist.

Also lasst uns mal ganz von vorne beginnen. Was ich meinem 12-jährigen Ich sagen würde, ist, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie es im ersten Moment scheint. Weder so groß, noch so wichtig, noch so lebensverändernd. Und damit mein ich zum einen die Dinge, die ich mit 12 geglaubt habe, besitzen oder können zu müssen. Zum anderen aber auch die Tatsache, dass ein Pickel hier, ein blauer Fleck am Bein da und ein kleines Baucherl/roter Kopf/eine nicht so coole Hose/etc. nichts, aber schon gar nichts am Leben verändern wird.

Ich würde diesem jungen Ich sagen, dass es allen so geht. Egal, wie. Dass alle weinen und trauern, alle aufs Klo gehen müssen und alle mal schlechte Tage haben. Dass es zwar von außen oft nicht so ausschaut, aber dass alle eine (und noch viel, viel mehr) Geschichte(n) haben und dass wir nicht hineinschauen können, sondern mitfühlend mit uns und den anderen sein müssen.

Was ich meinem 12-jährigen Ich sagen würde, ist auch, dass alles so kommt, wie es passt. Auch, wenn wirs erst danach merken. Und dass es ganz wenige „Regeln“ braucht für ein gutes Leben.

Und so schließt sich der Kreis. Das ist es, was ich wahrnehme, wenn ich so ans Erwachsensein und Älterwerden denke: Ich brauch nicht mehr viele Regeln, keine Verbote oder enge Glaubenssätze mehr. Und das ist unheimlich befreiend!

Ich lebe so, wie ich gut leben kann. Ich lebe auch so, wie die anderen mit mir und um mich gut leben können. Ich lebe so frei und genügsam, so unkompliziert wie nur irgendwie möglich und ich habe Verständnis – für mich und für die anderen. Ich machs mir nicht unnütz schwer, ich weiß ja mittlerweile, was ich (nicht) mag. Ich brauch keine Regeln mehr von außen – weder von mir selbst, noch von der Gesellschaft oder den Leuten, die es auch nicht besser wissen.

Was ich meinem 12-jährigen Ich zusammenfassend sagen würde: Horch in dich hinein und lebe danach. Nicht nach Regeln, nicht nach Konventionen. Es ist dein Leben.

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Meine Lehrmeisterin, die Karotte

Lernen. Das hab ich immer schon gern gemacht. In der Schule und daheim, am Morgen und am Abend. Ich war eine von denen, die die Zusatzaufgaben immer gemacht haben – nicht unbedingt, weil es darauf ein Plus gab, sondern einfach, weil ich es mochte, seitenweise Rechnungen, neue Wörter und Vokabel aufzuschreiben und zu lernen. Weil ich das Gefühl mochte und immer noch so gerne mag, wenn sich was tut in meinem Kopf. Immer noch liebe ich es, Umfragen auszufüllen oder etwas zu lesen und danach Fragen zu beantworten. Ja, ich bin eine von denen.

Und so hab ich meine Aufgaben immer schön gemacht, hatte sogar Freude dabei und dann bin ich im Leben angekommen und merke, dass es nicht mehr viele solcher Schul-/Universitäts-/Prüfungssituationen gibt. Wie oft gibt es eine und nur eine Antwort? Bei der Millionenshow? Ja, da schon. Komm ich aber auch selten in die Mitte. Im Beruf? Eine Antwort und die anderen sind falsch? Auch da nicht wirklich. Im Alltag? Beim Kochen und Garteln? Oh, nein. Da gibt es hunderte von Herangehensweisen, hunderte Richtigs und ein paar „Beim-nächsten-Mal-werd-ichs-anders-machen“. Denn das ist es, dieses echte Lernen.

Diese Erkenntnis ist weder neu, noch unbekannt. Und ich glaub auch, dass sie jede und auch jeder von euch bereits erfahren hat.

Wie ihr bereits wisst, spielt sich mein Leben grad viel im Garten ab. Und wie beim letzten Text geschrieben, komm ich da immer wieder auf neue Sachen drauf. Und so kam auch die Idee zu diesem Text. Denn ich lerne gerade so viel, bin am Anfang und mitten drin in meiner Gartenlernreise. Und dieses Lernen ist ganz ein anderes, als das in der Schule (Uni,…). Ich probiere etwas Neues aus – in meinem Fall hab ich Karottensamen eingesetzt – und merke, dass ich zwar schon tausende von Karotten gekauft und gegessen habe, aber dass ich noch nie den Wachstumsprozess gesehen habe. Weder die Samen konnte ich zuordnen, noch konnte ich die Tatsache voraussagen, dass aus vielen, vielen Samen viele, viele Pflänzchen werden. Und so hab ich munter Samenkörner in die Erde gestreut, um dann ein paar Wochen später zu sehen, dass sie alle zu wachsen begonnen hatten.

Und was ich dann beim stundenlangen Auseinandersetzen und Platzmachen für jedes einzelne Karöttchen auch noch gelernt habe, ist, dass ich das beim nächsten Mal wohl anders machen werde. Weil es sicher andere (weniger zeitintensive) Wege gibt, um zum Ziel zu kommen. Und dieses Lernen ist so vielschichtig, so tiefgehend, ich sags euch.

Seit ich mich so intensiv mit unserem Garten befasse, möchte ich auch alles darüber wissen. Es reicht mir nicht, eine Sache zu tun und sie dann so zu belassen. Ich möchte wissen, warum die ersten Blätter bei einer Karottenpflanze anders ausschauen, als die anderen. Ich möchte wissen, welche Pflanzen sich gegenseitig rundherum helfen können. Ich möchte wissen, wann und wie viel und warum und wo einzelne Pflanzen gut wachsen. Und dann lese ich darüber, schaue mir Videos dazu an, frage Menschen, die es wissen könnten, probiere aus, warte und lerne dabei.

Dieses echte Lernen, dieses Lebenslernen, ist so belohnend. Ich weiß nicht, wie ich dieses Wort anders ausdrücken könnte. Der Lohn dafür ist nämlich weder ein Lob (noch ein Sternderl oder Pickerl oder Plus…) von jemandem, sondern es ist dieses tiefe innere Wohlgefühl, etwas für mich, für meine und die große Welt, getan zu haben. Und dieses praktische und theoretische, dieses Hand-Herz-Kopf-Lernen, dieses learning-by-doing, dieses aus-Fehlern-Lernen, dieses Prozess-statt-Produktorientiertierung, dieses sinnvolle, sinnhafte und sinnliche Lernen, das ist für mich das Lebenslernen.

Das hat mir meine Lehrmeisterin, die Karotte, in den letzten Wochen ausführlich und eingehend gezeigt. Und ich kanns kaum erwarten, bis ich wieder etwas Neues lernen kann. Bis ich wieder auf etwas draufkomme, wieder sehe, dass etwas so oder so (nicht) funktioniert und bis ich ein nächstes Mal freudestrahlend sagen kann: Das hab ich vorher noch nicht gewusst!

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Wie ein Samenkorn

Irgendwie hab ichs mir schon gedacht. Ich habs irgendwie gewusst und hab mich doch dagegen gestellt. Weil ich das ja nicht kann, weil ich das nicht bin und weils auch einfach nie zu meinen Leidenschaften gehört hat.

Was ich meine, ist das Gärtnern. Das Säen, Gießen, Beobachten und Ernten. Das Sorgen und Drandenken, das Wachsenlassen und Geduldigsein. All das meinte ich nicht können zu können. Ich meinte sogar, es nicht können zu wollen. Aus dem Glaubenssatz „Bei mir geht sogar ein Kaktus ein“ wollte ich mich lange (lange!) nicht trennen. Und habs auch nicht versucht.

Und plötzlich hat sich mein Herz aufgemacht – weit geöffnet für die wunder-volle Welt der Pflanzen, Blumen, Gewächse. Und ich bin so unendlich dankbar, dass ich all die Schönheit nun nicht nur sehen, sondern auch mitgestalten kann. Dass ich einen Garten habe, mit dem ich mich so verbunden fühle. Den ich jeden Tag betrete und bestaune, bei dem ich mitfühle und über den ich so froh bin. Jeden Tag gehe ich hinaus in diesen Garten und betrachte diese wundersamen Kreaturen. Freue mich an ihrem Wachstum, an ihrer Gesundheit. An ihren Farben, Formen und Mustern. Jeden Tag gehe ich in diesen Garten und sehe die Fülle, die Unendlichkeit, den Widerstand, die Stärke, die Schönheit, die Vollkommenheit dieser Pflanzen.

Die Natur mochte ich immer, vor allem im Wald oder am Berg. Aber dass ich so eng verbunden sein kann damit, das hab ich erst gelernt. Und dafür hab ich aufmachen müssen. Mich überwinden, Verantwortung zu übernehmen. Mich daran erinnern, dass die zwei Dinge, die diese Pflanzen brauchen, Wasser und Sonne sind und dass ich für eines dieser zwei verantwortlich bin. Es war nicht schwer, dieses Aufmachen für die Schönheit der selbstgestalteten Natur. Aber es war viel, viel folgenreicher, als ich es mir gedacht hätte.

Jetzt haben wir einen Garten und sogar ein Gewächshaus. In unserer Wohnung und am Balkon wächst das Leben. Hinter unserem Haus und vor unserem Haus und überall dazwischen wächst etwas, das ich jetzt so bewusst und dankbar wahrnehmen kann, wie ich mich nicht erinnern kann, das je getan zu haben.

Die Folgen, die dieses Hereinlassen der Natur in mich hat, sind wirklich groß: Ich habe eine neue Leidenschaft. Ich verbringe so viel Zeit in Ruhe, ohne Handy, ohne Computer, ohne Ablenkung, draußen. Ich bin voll bei der Sache, konzentriere mich ganz auf das, was ich sehe, rieche, spüre. Ich fühle eine so große Dankbarkeit, dass die Natur einfach weitermacht. Dass sie wächst und gedeiht, dass sie in unendlich vielen Formen vorkommt und dass sie eigentlich nur Sonne und Licht braucht. Ich übe mich in Geduld und Vertrauen und setze Samenkörner in die Erde. Und dann warte ich. Lange. Und schaue jeden Tag und bin voller Vorfreude und Erwartung, kann es kaum glauben, wenn das Pflänzlein dann durch die Erde bricht und sich der Sonne entgegenstreckt.

Und wie das Samenkorn hatte ich wohl all das bereits in mir und musste nur aufmachen, um diese Leidenschaft wachsen zu lassen.

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Ansteckungsgefahr

Es gibt viele Dinge, die anstecken können. Lachen, Schnupfen und ein Virus zum Beispiel. Gute Laune, schlechte Laune und Anstecknadeln auch.

Etwas, das auch sehr ansteckend ist, sind Lebensweisen. Ich merk das immer wieder in meinem Umfeld, dass das, was ich sage und tue (oder nicht tue), andere anstecken kann. Sie also dazu motivieren kann, dasselbe auch (nicht) zu tun.

Ein Beispiel: Ich bekomme eine Nachricht einer Freundin, ob wir uns mal wieder treffen können (precoronös, versteht sich) und antworte ihr ganz ehrlich, dass ich in dieser besagten Woche bereits zwei Termine am Abend habe und mir das zu viel werden würde, würden wir uns auch noch etwas ausmachen. Ich denke mir nicht viel, will einfach aufrichtig sein (zu ihr und zu mir selbst). Wochen später bei einem Telefonat erzählt sie mir, dass sie diese Selbstfürsorge (ich pack mir nicht zu viel in meine Woche; horche auf das, was ich spüre etc.) sehr beeindruckt und sie dazu animiert hat, sich auch für sich selbst wieder mehr Frei-Zeiten freizuhalten.

Und ich frage mich seit dem, ob es vielleicht auch andere Sachen und Dinge gibt, die ich mache, die andere unbewusst anstecken – im Positiven natürlich.

Ob es Momente oder Gedanken gibt, die andere inspirieren, auch mehr Selbstliebe, Achtsamkeit, Kreativität oder Muße in ihren Alltag einfließen zu lassen.

Und diese Ansteckungsgefahr dann vielleicht zu einer Ansteckungssicherheit, einer Ansteckungskette, zu einer positiven Ansteckungsreaktion wird…

Und dann wären wir auch wieder bei dieser globalen Verantwortung, beim Miteinander und beim wir-sind-hier-nicht-alleine.

Denn wie der Stein ins Wasser fällt, so hinterlässt wohl auch unser Handeln und Denken weite Kreise…