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Informeller Morgen

Wir nennen sie “informal mornings” – informelle Morgen. Informell, weil es keine Form gibt. In-form-ell.

Keine Form, keine Struktur und auch kein Müssen. Gemeinsam entscheiden wir uns für so einen Morgen, sprechen darüber und dann verselbstständigt sich das Ganze. Und ich sags euch – ich liebe solche Tage!

Was ich genau damit meine, das erzähle ich euch gerne. Denn gerade ist wieder so ein informeller Tag und wir machen, was wir wollen. Mit “wir” meine ich meinen Mann und mich.

Wir stehen auf und schon beginnt die Informalität. Denn ein Frühstück, das passiert zwischen lesen, schreiben, Musik hören, im Stehen oder Liegen, nach dem Yoga oder während des Arbeitens. Einfach wieder zurück ins Bett und Videos anschauen, auf der Couch lümmeln oder beim Fenster hinausschauen. Alleine und miteinander nebeneinander. Und so geht es weiter. Jede*r macht, was sie oder er will und dazwischen tauschen wir uns aus, was wir gerade so machen, was wir entdeckt oder gelernt haben, woran wir arbeiten oder was es Neues gibt. Während wir in unterschiedlichen Welten dahinwerkeln, sind wir ganz nahe dran, was die/der andere macht.

Wenn ich es so aufschreibe, klingt das ja gar nicht so außergewöhnlich – doch für uns sind diese ganz bewusst gewählten Morgennichtroutinen sehr besonders und erfrischend. Als würden wir etwas ganz Wildes machen, als könnten wir unser Leben selbst bestimmen (ha.). Da wird vorm Fernseher oder ausnahmsweise einfach mal nebenbei gegessen, da wird meist viel gearbeitet und produktiv erledigt, da wird getüftelt und Neues gelernt.

Die Musik läuft, der Kaffee oder Tee brüht und wir suchen uns die besten Plätze zum Sein aus. Ich liebe sie, diese informellen Morgen.

Und so, wie wir diesen informellen Tagen die Struktur entziehen, so kommt die Kreativität an diesen Morgen besonders in Schuss. Als würde sie es brauchen, um im Flow zu bleiben. Als würden diese informellen, verselbstständigten Zeiten dem Alltag seinen Schleier abnehmen.

Immer wieder entziehen wir uns den (auch von uns selbst) vorgegebenen Strukturen und lassen uns tragen – von der Informalität. Von der nicht vorgegebenen, von der freien Form dieser Momente.

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Statistisch gesehen

Heute vor drei Jahren habe ich das letzte Mal Fleisch (und Milch und Käse,…) gegessen. Und oh, bin ich froh darüber. Hier folgt ein kleiner Ausflug in die Pseudostatistik (gespeist aus unterschiedlichen Quellen, manche wissenschaftlich fundierter als andere.)

Meine letzten drei Jahre in Zahlen.

1087 Tage ohne Fleisch, Tiermilch, Eier, Honig, Käse, Joghurt.

36 Monate ohne (neues) Leder, Pelze oder Echthaarkrimskrams.

4164 Liter gespartes Wasser. Pro Tag (!) Das sind ca. 20 Badewannen voll. Jeden. Einzelnen. Tag. (aber selbst so kann man sich nicht wirklich reinwaschen. Oups. Mitten in die Wunde.)

(je nach Quelle) Zwischen 5000 und 10000 kg nicht-ausgestoßenes CO2. Das entspricht mehr als 30 Flügen von Berlin nach London.

Einige Tausend Medikamente, die ich nicht durch die Blume (haha, wohl eher noch durch die Blume als durch das Tier) zu mir nehmen musste, ohne krank zu sein.

1080 Tiere, die nicht für mich geboren, aufgezogen, gemästet, gefüttert, geschwängert, geschlachtet – und wie man so unschön sagt – “produziert” werden mussten. Und nein, die sind genauso wie jedes T-Shirt “nicht sowieso da”.

Geschätzte 20 Mal “Nein, danke. Das esse ich nicht.” oder “Nein, auch nicht ein bisschen Käse/Schlag/Milch/Butter.” (gar nicht so oft! Das Danke geht an mein sehr kulantes und umweltbewusstes Umfeld!)

732 neue Rezeptideen und geglückte Küchenexperimente.

3 milde Auseinandersetzungen mit meiner Oma, warum ich das gute Zeug nicht esse und sie mir dann das supertraditionelle Essen macht, das immer schon vegan war. Bevor es vegan überhaupt gab.)

7 Regenbogenfarben auf meinem Teller. Fast täglich.

426 Aha-Erlebnisse. Dass sich tierische Dinge einfachst ersetzen lassen. Dass eine Kuh nicht automatisch einige Jahre durchgehend Milch gibt, einfach so. Dass das Einkaufen und Kochen mit Pflanzen preiswerter, lustiger und – holla die Waldfee – umweltfreundlicher ist.

10 Menschen (oder mehr), die durch unsere Lebensweise zu neuen Erkenntnissen und vielleicht sogar Einsichten gekommen sind.

2 Hochzeitsfeiern, auf denen insgesamt mehr als 100 Personen rein vegan verköstigt wurden.

246 “mmh, des is jo voi guad!?!” zur Verköstigung auf oben genannten Feiern oder Mitbringspeisen zu anderen Feierlichkeiten, Essenseinladungen und Familien-Kochangelegenheiten.

17 Mal die Frage, was wir denn dann essen. Und 17 Mal die Antwort “das, was ich daheim habe.” und den Verweis, dass die Pflanzenwelt um eiiiiniges größer ist als das Kühlregal im Supermarkt.

332 Gedanken und Gespräche rund um das Thema “Natürlichkeit” und “Extremismus” und “Umwelt” und “Moral” und “Verantwortung”.

3261 Mahlzeiten (plus einige Zwischenmählchen), die schmackhaft, ausgeklügelt oder einfach, gesund und bunt, lustig und aufregend, quasi leidlos und friedlich abgelaufen sind.

3 Jahre. Ein weiterer Meilenstein. Auf einige Jährchen mehr.

Ich feiere mein Jubiläum übrigens mit einer Nuss-Schokomousse-Zwetschken-Torte. Mein zweites Stück, in 2 Tagen. 100% Genuss. Alles für die Statistik.


Quellen:

https://veganfitwerden.de/veganrechner/
https://www.blitzrechner.de/fleisch/#wie-funktioniert-der-rechner
https://utopia.de/neue-studie-fleisch-milch-haben-groessten-umwelt-einfluss-92556/
www.diepampelmuse.com/studiendieüberraschen
www.diepampelmuse.com/zahlendieerfreuen


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Kopfzerbrecher

“Rompe cabezas”. So sagt man auf Spanisch zu Puzzles und es heißt übersetzt in etwa “Kopfzerbrecher”.

Ich sitze gerade vor so einem Kopfzerbrecher und zerbrech mir den Kopf – doch nicht nur über das Zusammensetzen der einzelnen Teilchen, nein. Viele Gedanken kommen mir in den Kopf. Puzzlegedanken.

Und die möcht ich mit euch teilen. Denn die sind ganz brauchbar, diese Gedanken, nicht nur beim Puzzeln. Und sie haben ganz schön mit dem Leben, vor allem mit dem Kopfzerbrechen, zu tun, diese Gedanken. Also bitteschön, hier sind sie:

Puzzles haben oft viele einzelne Teile. Diese Teile ergeben alleine wenig Sinn. Sie können ganz hübsch anzuschauen sein, aber wir merken gleich, dass da rechts und links und drunter und drüber – und eigentlich rundherum etwas fehlt. Dieses Teilchen macht erst im Gesamten Sinn.

So eine Unordnung, die da vor mir ausgebreitet liegt. Ich muss nicht aufräumen, aber ich kann mir Ordnung schaffen. Und das bringt mir Klarheit, bringt mir einen Überblick.

Dann ist es doch so, dass manche Teile so scheinen, als würden sie zusammenpassen. Die Farbe, das Muster. Das müsste doch passen. Und ich versuche es. Wenn ich fest hindrücke, dann gehts irgendwie. Die Teilchen lassen sich verbinden. Doch – leider passen sie nicht. Auch nicht, wenn ich sie verbiege. Beim Puzzeln darf es leicht gehen. Zumindest, wenn die richtigen (Bestand-)Teile gefunden sind.

Ich fange immer mit dem Rahmen an. Das gibt mir Sicherheit und lässt mich in dem scheinbar endlos wirkenden Chaos zumindest ein bisschen Kontrolle behalten. Ich weiß, was ich tun muss und habe bald die Übersicht.

Während ich die Randstücke (oder später auch zusammenpassende Teilchen) heraussuche, kann ich mich voll darauf konzentrieren, was ich suche. Auch bei vielen, vielen Teilen nehme ich für diesen Suchmoment nur die Teilchen wahr, auf die ich mich konzentriere.

Ich merke dann – auch wenn eine große Herausforderung vor mir liegt – ich muss es nur Stück für Stück heraussuchen, zusammensetzen und schaffen. Ich kann mir auch immer wieder Hilfe holen – indem ich auf das Bild auf der Packung schaue. Oder ich frage jemanden. Zwei Köpfe können mehr denken und vier Augen mehr sehen. Ich muss es nicht alleine schaffe. Das ist ok. Ich darf Hilfe annehmen.

Wenn ich dann an einer Stelle lange hänge, mich zu sehr darauf fixiere, dann gehts irgendwann entweder leicht oder gar nicht mehr. Ich sehe das Puzzle vor lauter Teilen nicht mehr. Was ich dann tun kann, ist an einer anderen Stelle weiterbauen. Schließlich führt am Ende alles zusammen.

Ich freue mich so, wenn ich Teilchen in Teilchen stecke und das Bild immer vollständiger wird. Es tut gut, etwas zu machen. Etwas zu kreieren. Etwas zu schaffen. Und wenn es das Ineinanderseteckern zweier Puzzleteile ist.

Und zu guter Letzt. Wenn das Kopfzerbrechen zu groß wird, erlaube ich mir, eine Pause zu machen. Ich muss nicht alles auf einmal lösen und schaffen.

Von meiner kreativen Pause begebe ich mich jetzt wieder zurück zu meinen Elementarteilchen. Schließlich ist es auch nur ein Spiel. Und das darf es auch bleiben.

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Wie ein Bild

Meine Tage fühlen sich an wie Bilder.
Bilder von Dingen, Farben und Formen.
Formen, die ineinandergreifen.
Farben, die harmonisch verschmelzen.
Dinge, die leuchten und scheinen.

Meine Tage sind gefüllt von Dingen.
Dinge, die leicht und schön zu betrachten sind.
Schön zu betrachten und einfach zu tun.
Einfach zu tun und wichtig zu fühlen.
Wichtig zu fühlen und wertzuschätzen.

Meine Tage sind wertschätzend.
Wertschätzend dem Leben gegenüber.
Dem Leben und den Menschen.
Den Menschen und mir selbst.
Meine Tage sind gut zu mir selbst.

Wenn ich meine Tage, meine Wochen, meine Zeit malen und gestalten würde, dann würde dieses Bild weiche, feine Formen haben. Kreise, Ovale, undefinierte Rundformen, ein paar geradkantige Formen. Es würde Farben haben, die mich beim ersten Betrachten glücklich machen. Petrol, dunkelgrün, minzgrün, senfgelb, altrosa, mattrot, cremeweiß. Die Farben stünden für die Dinge, die ich gerade jeden Tag mache. Yoga. Lesen. Kochen. Essen. Gehen. Staunen. Schreiben. Austauschen. Nachdenken. Eingemütlichen. Bewegen. Lachen. Gestalten. Schlafen. Schauen. Ruhen.


Es wäre ein ruhiges Bild, aber ein farbenfrohes und zu bestaunendes Bild. Es wäre ein Bild, das ich mir aufhängen und jeden Tag betrachten würde. Und es würde mich an all die guten Dinge im Leben erinnern, dieses Bild. Das Bild wäre nicht allzu groß, würde in einen Rahmen passen. Es muss den Rahmen nicht sprengen, es ist sehr friedlich dieses Bild. Es kann einfach an der Wand hängen und da sein. Denn dieses Bild ist ausgeglichen und braucht kein verrücktes Drumherum.

Ich schreibe dieses Bild. Ich beschreibe es. Vielleicht gibt es eines Tages die Farben und ich male es. Dann kann ich es euch zeigen.

Wie schaut euer Bild aus? Wie schauen eure Tage im Moment aus? Wie würde euer Bild aussehen? Welche Farben, welche Formen hätte es? Gibt es eine Farbe, die ungewollt zu viel Platz und Raum einnimmt? Gibt es Farben, die kräftiger leuchten, als die anderen?

Ich mag mein Bild. Und ich mag meine Tage, meine Zeit.

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Keine Vorsätze

Lange habe ich überlegt, wie mein erster Text im neuen Jahr ausschauen soll. Reflektierend über das letzte Jahr, das voller Schätze steckte? Vorausschauend auf das neue Jahr, das voller Schätze stecken wird? Meine Pläne, Visionen, Vorsätze für dieses Jahr? All das ist es nicht geworden.

Und hier bin ich. Innehaltend im Moment. Im heutigen Zustand, im jetzigen Augenblick. Und ich fühle mich sehr weise dabei. Denn wenn ich etwas immer mehr verstehe, dann ist es das kostbare Geschenk der Gegenwart.

Und so sitze ich hier und freue mich. Freue mich über so vieles. Und bin so unendlich dankbar, ich kann es kaum fassen, kaum ausdrücken. Ich liebe mein Leben aus tiefstem Herzen. Und ich liebe die vielen feinen Facetten meines Lebens.

Ich liebe es, dass ich eine Beziehung führe, die auf Miteinander, auf Liebe, auf tiefer Verbundenheit beruht. Ich liebe es, dass wir miteinander reden, uns austauschen, uns zuhören und diskutieren. Ich liebe es, dass wir uns gegenseitig wachsen und verändern lassen. Ich liebe es, dass wir uns fürs Abenteuer entscheiden, immer wieder. Für die Lebendigkeit, für das Aktive, für das Gute.

Ich liebe es, dass ich gesund bin. Dass ich meinen Körper bewegen und nutzen kann. Ich liebe es, dass ich mich schön finde. Ich liebe es, dass ich mit meinem Körper befreundet bin. Dass ich eine meiner eigenen engsten Freundinnen bin. Dass ich immer mehr lerne, mich noch mehr und immer mehr genau so anzunehmen, wie ich bin und mich nicht vor Veränderung fürchte.

Ich liebe es, dass ich so viele Möglichkeiten habe und viele davon nutze. Ich liebe es auch, dass ich es schaffe, “etwas zu verpassen”, im Bewusstsein, dass ich nicht alles immer tun muss. Ich liebe es, dass ich weiß, was mir guttut und dass ich so vieles davon machen kann. Ich liebe es, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann und weit genug entfernt habe von dem, was mir nicht gut tut.

Ich liebe auch solche Dinge, wie zum Beispiel, dass ich Räume gemütlich und schön machen kann. Das ist eine Fähigkeit, die ich sehr praktisch und schön finde. Ich liebe es, dass ich mich über Kleinigkeiten von ganzem Herzen freuen kann. Ich liebe es, dass ich alles schmecke und rieche und dass ich jeden Tag schönes Essen machen und haben kann.

Und das sind alles Dinge, die ich gerade jetzt, heute und hier, so sehr schätze und liebe. In diesem Moment.

Ich liebe es, dass ich eine Seite füllen kann mit Dingen, Zuständen und Gegebenheiten, die ich liebe. Und das, ohne viel nachzudenken oder mich anzustrengen.

Wie wunderbar. Da braucht es für mich dieses Jahr gar keine Vorsätze. Denn so, wie ich gerade lebe, so kann ich mir das gut fürs ganze Jahr (wenn nicht sogar länger…) vorstellen. Und wenn ich eines jetzt gerade weiß, dann dass die Veränderung meine Freundin bleiben wird, bei allem, was ich mache und liebe. Und das wird sie bleiben, ob mit oder ohne Vorsatz.

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Die lange Weile

Die letzten Tage waren gefüllt von diesem Nichts. Und bereits im ersten Satz widerspreche ich mir hier selbst. Denn gefüllt sein vom Nichts, das geht ja irgendwie nicht. Und doch. Die lange Weile, die schafft es, etwas zu füllen ohne selbst etwas zu sein.

Die lange Weile, leicht verwechselbar mit ihrer Zwillingsschwester der Langeweile, hat mich in den letzten Tagen oft begleitet und inspiriert.

Die lange Weile, die bringt dieses weite, scheinbar endlose Gefühl mit sich. Die Tage haben wenig Struktur, wenig Pläne, wenig Müssen. Die Tage, die diese lange Weile hervorrufen, sind umgeben von diesem Hauch der Leichtigkeit, der Ungezwungenheit, der Weite.

Woraus diese lange Weile besteht?
* Spazierengehen. Auch gern mehrmals am selben Tag. Langsam, weit und achtsam spazieren gehen.
* Essen. In lustigen Rhythmen und auch Dinge, die vielleicht so im Alltag nicht unbedingt vorkommen. Gemeinsam mit Menschen und alleine vor dem Fernseher. Egal, Hauptsache lange und gut und entspannt.
* Herumhängen. Dasitzen und schauen. Jemandem bei etwas zuschauen oder einfach in die Luft schauen. Währenddessen gar nicht viel denken. Einfach schauen.
* Wenig Zeit am Handy. Die Langeweile der langen Weile gut aushalten und nicht sofort ablenken (lassen).
* Spielen. Brett- und Gesellschaftsspiele. Die richtigen Karten suchen und lange nicht finden. Dabei die Uhr ticken hören und nicht einmal wissen, welche Stunde des Tages gerade ist.

Diese lange Weile, die mich absolut nicht langweilt, habe ich meist um die Weihnachtsfeiertage und in den Tagen zwischen den Jahren. Warum genau da? Vielleicht, weil ich sie mir da selbst erlaube. Weil da, ja besonders da, das Nichtstun Teil des Festes ist. Weil nichts von mir erwartet wird, nicht mal ich selbst erwarte etwas von mir.

Diese lange Weile, die hat aber sehr wohl viel mit ihrer Zwillingsschwester zu tun. Denn die Langeweile, die eine lange Weile erzeugt, die kann guttun, entschleunigen, inspirieren und uns zurückzuholen zum Wesentlichen.

Oder um es mit den Worten der wunderbaren Astrid Lindgren zu sagen: “Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”

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Sie ist geöffnet

Ich hab sie aufgemacht. Sogar schon vor einer Zeit. Und jetzt ist sie offen. Ganz aufgemacht, weit geöffnet.

Die Weihnachtskiste. Die Kiste, in der sich all die Wunder, der Zauber, der Glitzer und all die Düfte verbergen, die ich mit Weihnachten verbinde. Darin befindet sich auch dieses warme, wohlige Gefühl von “alles ist gut”. Dieses herzerwärmende, augenerleuchtende, gänsehauterzeugende Wohlgefühl von Weihnachten.

Ich habe sie geöffnet, die Kiste. Und sie ist keine wirkliche, keine sichtbare Kiste. Und doch ist sie so echt, so greifbar, so wirklich – für mich.

Diese Weihnachtskiste geht nicht nur einmal im Jahr auf, nein. Immer wieder öffne ich sie einen Spalt, schaue hinein und das Licht strahlt heraus. Dann ist Weihnachten. Das kann im Sommer sein, im Herbst, im Frühling und im Winter. Wie? Das geht immer? Ja! Das geht immer. Wenn Weihnachten ein Gefühl ist, dann kann ich das immer fühlen. Immer wieder mal.

Aber diese Weihnachtskiste lässt sich eben auch ganz weit öffnen. Und dann, ja dann kommt der ganze Glanz zum Vorschein: Kerzen, Sterne, warme Farbe. Weihrauch, Lebkuchen, Zimt. Glückseligkeit, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Ein Hochgefühl an Gefühlen. Eine Berührtheit, die ganz weit macht. All das kommt dann hervor. Und heute, da hab ich sie ganz geöffnet. Ganz weit. Habs ihr ganz leicht gemacht, ihren vollen Stolz zu präsentieren. Hab sie zu Keksen und zum Dekorieren eingeladen. Hab ihr eine Lichterkette aufgehängt und einen Sternspritzer ihr zu Ehren entzündet und bewundert.

Jetzt ist sie geöffnet, die Weihnachtskiste. Uns jetzt darf sie auch mal offen bleiben. Weit, weit offen. Dann geht sie tief, tief ins Herz. Ja. So eine Weihnachtskiste, die ist was Feines. So eine Kiste, so eine wunderbare Schatzkiste, die wünsch ich euch allen da draußen.

Macht es euch schön, ihr lieben Menschen.

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Das Geschenk

Immer wieder finde ich es schön,
wenn sich die Wörter im Kreise drehn.
Wenn ich meine Gedanken in Reime fasse
und sie so aus meinem Kopf raus lasse.

Der Advent hat begonnen
und mit ihm zugleich,
die Zeit der Geschenke –
zumindest wer es ist, halbwegs reich.

Doch so schwarz und weiß möcht ich das nicht sehn,
können wir doch auch in eine andere Richtung gehn:
die Geschenke weniger
dafür mehr die Zeit –
ist es nicht das, was uns befreit?
Was uns zeigt, was wir aneinander haben?
Ohne uns gegenseitig zuzuschieben, die unnützen Gaben.

Ob sie unnütz sind oder von dringendstem Gebrauch,
darüber lässt sich streiten auch.
Doch was ich weiß und was ich sehe,
wenn ich vorm Beschenkten stehe,
ist doch – alles, was zählt –
ich, die das Geschenk ausgewählt
und du, der das Geschenk erhält –
was sich zwischen uns zwei abspielt, das ist die Welt.

Was ich meine mit meinem Gedichte,
ich mache hier nicht die Geschenke zunichte.
Doch was ich wohl sage und das mit Sicherheit –
das schönste Geschenk ist wohl die Aufmerksamkeit.

Die Zeit, die ich mir überlegt,
der Plan, den ich da ausgehegt.
Das immer wieder und nochmal Nachfragen,
das wirklich echte Dankesagen.

Und so kann ich Aufmerksamkeit ganz oft herschenken,
ohne hier nur an ein bestimmtes Fest zu denken.
Aufmerksamkeit in Wort und Tat,
Aufmerksamkeit, einfach, weil ich dich mag.
Aufmerksamkeit durch eine kleine Sache,
Aufmerksamkeit durch das, was ich mit dir mache.
Aufmerksamkeit durch Zuhören und Lachen,
Aufmerksamkeit, gemeinsam etwas machen.

Denn die volle und wirkliche und tiefe Aufmerksamkeit,
die lässt sich nicht ersetzen, liebe Leit.
Nicht durch Packerl, Schleifen und Geld,
durch nichts in der ganzen weiten Welt.

Und so wirds vielleicht leichter beim Geschenke einkaufen,
und wenn wir uns erwischen beim Herumlaufen,
dann erinnern wir uns lieber noch einmal daran,
es muss nicht viel sein – Hauptsache, man sieht ihm die Liebe an.
Und die volle, die tiefe, die ungeteilte Aufmerksamkeit
für die, mit denen wir sie verbringen, die schöne Zeit.



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Diese Stille

Es gibt sie nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille. Diese Stille, die alle Geräusche in sich aufnimmt und sie behutsam umarmt. Diese Stille, die sich so weit und groß und umhüllend anfühlt. Diese Stille, die es nur jetzt gibt. Diese Stille, die eines meiner Lieblingsgeräusche ist.

Ich war gerade im Garten und hab sie gehört, diese Stille. Noch mehr hab ich sie gespürt, in mir und um mich herum. Diese Stille, bei der ich immer ganz ruhig und innehaltend und gleichzeitig aufgeregt und freudig werde. Denn diese Stille, die gibt es nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille, sie kommt, wenn es kalt ist. So kalt, dass man den Schnee schon riechen kann. Wenn die Welt um uns herum weiß ist. Nebelig oder beschneit. Diese Stille, die jeden Ton in sich aufnimmt und ihn nicht mehr hergibt. Diese Stille, die die stille Zeit des Jahres einläutet. Ganz still, aber nicht heimlich.

Ich bin ganz beglückt. Denn wenn ich diese Stille höre, dann macht das was mit mir. Ich bin auf einmal ganz ehrfürchtig, ganz klein und ganz – wie könnte es anders sein – still.

Ich liebe es, diese Stille hören zu können. Ich liebe es noch mehr, sie rund um mich zu spüren. Denn so, wie sie die Geräusche behutsam ruhig werden lässt, so legt sie sich auf mich und um mich und ich fühl mich irgendwie Teil dieser Stille.

Die Stille ist aber nicht nichts, nein. Sie ist alles. Die Stille ist nicht das weg-Sein von etwas, sie ist das da-Sein von etwas. Das ist ein großer Unterschied.

Was für ein umfassendes, erfüllendes Gefühl. Was für ein Glück, dass ich sie kennen darf, diese Stille. Denn es gibt sie nicht oft, aber jetzt ist sie da.

Wenn ihr genau hinhört, könnt ihr sie bestimmt auch hören. Genießt sie. Und nehmt sie in euch auf, so wie sie euch in sich aufnehmen wird.

(Ich habe diesen Text mitten in der Nacht geschrieben. Die Stille kommt auch tagsüber, ich habe sie gestern im Finsteren gehört. Was für ein weiches, warmes, ja – beruhigendes – Gefühl zum Schlafengehen.)

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Baumgedicht

Lieber Baum.

Ich schreibe heute ein Gedicht für dich. Und ich nenne es Baumgedicht.

baumgedicht

ich schaue dich an
und denke daran
wie schön es doch ist,
dass du du hier bist

ich sehe deine art
mit dem leben fertig zu werden
und bewundere sie sehr
sie lässt auch mich erden

wovon ich spreche
möchtest du wissen?
mich plagt da schon seit längerem
ein schlechtes gewissen

dass wir dich zwar sehen
doch nicht begreifen
dass wir so viel lernen könnten von dir –
ich denke ans wachsen und reifen

da stehst du und lässt den wind einfach machen
über unsere angst, du könntest brechen, kannst du nur lachen
der wind, ja der sturm, sie kommen und gehen
und du, ja du, bleibst einfach stehen

und jetzt in dieser dunklen zeit
hast du dich von dem ballast befreit
wirfst deine blätter einfach nieder
ganz im vertrauen – sie kommen ja wieder

denn obwohl sie für dich eine zeit lang alles sind,
ist es irgendwann doch leichter, sie mit dem wind
in eine neue zeit zu senden
und eure gemeinsame zeit zu beenden

wie oft ich dich angeschaut hab in diesem jahr
und für mich war es wirklich nicht klar
dass die veränderung deine konstante ist,
du die blätter machst und dabei ganz achtsam bist
du sie wachsen lässt, ganz langsam und leise
bis du sie wieder schickst auf ihre reise

denn jetzt ist die zeit
in der du loslässt und dich befreist
und dann –
fängst du wieder von vorne an

du machst das alles so nebenbei
ohne zu jammern, ohne zu schrein
und das lieber baum
das könnte ich mir von dir abschaun.

denn so wie du bist, sollten wir manchmal werden
die arme ausgestreckt und die wurzeln tief in der erde

lieber baum
auch, wenn du das hier nie liest
bin ich mir sicher, du genießt
die zeit da draußen vor meinem haus
und ich, ich schaue hinaus
und in gedanken daran
fange ich an

auch loszulassen.