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Über zwei Spielerinnen im selben Spiel

Es gibt zwei Spielerinnen im selben Spiel –
sie haben wenig miteinander zu tun und doch so viel.
Die eine gibt und träumt und schafft,
während der andere nimmt und nicht viel macht.

Die eine geht nach außen und hat viele Formen,
der andere geht nach innen, überkommt wenig Normen.
Beide sind wichtig und schön und gut,
doch vor dem anderen, seid auf der Hut.

Die zwei Spielerinnen, das sei gesagt,
wären ohne einander bestimmt oft verzagt.
Mehr braucht der andere die eine bestimmt,
doch ohne einander hätt es auch nicht gestimmt.

Wenn ich so nachdenke, dann kommt mir vor,
die eine kann warten und schaut leise empor,
während der andere oft schreit und sich behaupten muss,
viel zu viel gibt es schon von ihm, das ist ein Verdruss.

Welche Teile im selben Spiel ich meine?
Das sei gesagt: Kreation ist die eine.
Die, die gibt und schafft und zeigt.
Die, die warten kann und die, die bleibt.

Und die andere Seite dieser Gleichung,
lebt ganz leicht auch ohne unser Zutun.
Gerade im Moment betreiben wir sie zu viel,
und so macht es bald nicht mehr Freude, dieses Spiel.

Der Kreation gegenüber steht ganz klar
der Konsum auf seiner Seite da.
Doch vergehend und manchmal leer wie der Rauch,
verhält es sich leider auch mit dem Verbrauch.

Nun können wir viele Dinge konsumieren,
doch wenn wir Ware, Nahrung, Mittel, Kunst kreieren,
anstatt es zu verbrauchen,
dann werden wir merken, wie viel wir wirklich brauchen.

Ich hab den Konsum als etwas Schlechtes dargestellt,
doch fürcht ich, so gehts nicht nur mir in der Welt.
Viel zu viel wird verbraucht und verschwendet,
und wenn man sich wieder mehr der Kreation zuwendet,
können schöne Sachen entstehen
und die zu füllende Leere und Frust vergehen.

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Wenn die Ideen das Nest verlassen

Diese Ideen, die sich seit Monaten (manche seit Jahren!) in meinem Kopf herumtreiben, sie haben es geschafft. Sie haben das Nest verlassen.

War das ein wunderschöner Moment! Ein stolzerfüllter, glücklicher, rotebäckchenhabender, zitternder, aufregender, ganz warmer Moment. Im Grunde genommen haben in den letzten Tagen sogar gleich mehrere Ideenbabies das Nest verlassen. Jetzt flattern sie nicht mehr nur in meinem Kopf (und in dem von ein paar ausgewählten, ganz lieben Menschen) herum, sondern ihre Reise geht hinaus in die Welt.

Lange habe ich sie aufgezogen, genährt, mich um sie gekümmert und gesorgt – doch jetzt war der Moment da und sie durften raus. Leicht war das nicht immer, besonders weil solche kreativen Ideenvogerl Zeit und Liebe und Muße und die richtigen Menschen um sich brauchen. Weil sie, wenn die Federn noch nicht fertig gewachsen sind, manchmal noch zitternd vor mir stehen und nicht so recht wissen, wohin sie wollen. Weil der Wind stark sein kann und die Reise lange.

Ich musste ganz oft aufhören und wieder anfangen, umdenken und neumachen. Musste mich trauen, musste an mich glauben und vertrauen, dass sie schon wachsen, diese kleinen Ideengestalten.

Und ja, jetzt sind sie mal in der Welt. Sie werden zurückgeflogen kommen, das muss so sein. Fertig sind sie noch nicht, nicht alle. Aber ihre Flugroute kann ich gerade nicht bestimmen, den Wind kann ich nicht ändern und auch nicht die Hindernisse, die ihnen in den Weg kommen.

Doch ich hab sie vorbereitet, hab sie mit dem Besten, das sie brauchen und ich geben konnte, ausgestattet. Und das muss jetzt erst mal reichen.

Ich bin ja gespannt, was sie zu erzählen haben, wenn sie zurückkommen. Wen sie getroffen haben werden und wie wir gemeinsam weitermachen wollen und können und werden.

Auf bald, ihr lieben Ideen. Ich freu mich auf eure Rückkehr – und lass euch jetzt mal Zeit zum Entdecken und Fliegen!

(Was es mit der Geheimnistuerei auf sich hat? Naja, irgendwann werd ich euchs schon zwitschern, woran ich da so dahinwerkle – mit Schreiben und Büchern und Kunst hats jedenfalls zu tun, Überraschung, Überraschung!)

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Das E-Bike, ein Gedicht

Ich liebe mein E-Bike und auf allen Wegen
kommt es mir viel mehr als nur gelegen.
Denn dieses Rad, es bringt mich weiter,
macht mich froh und macht mich heiter.

Es zeigt mir, wie leicht es ist, mich zu bewegen,
es zeigt mir, wie schön es ist, Wege zurückzulegen.
Es lehrt mich Leichtigkeit und Hochgenuss,
vertreibt die Schwere und den Verdruss.

Mein Rad, es lässt mich schweben
und ohne zu überlegen,
fahre ich weit und fast jeden Tag
und wer sich jetzt noch fragen mag,
was dann los ist mit Sport und Schinden,
naja, für mich ist es kein Überwinden.

Ich habe gelernt, dass es leicht sein kann
und wo fange ich jetzt am besten an?
Dass ich mich bewege für mich und meinen Körper
und auch einfach vom Draußensein werde ich stärker.

Dass ich es im Moment nicht brauch –
und das gilt für andere Bereiche auch – 
dass es schwer geht und nur mit Schwitzen
auf meinen Zahlen, Höhenmetern oder Zeiten zu sitzen.
Das ist nichts für mich,
macht mich nicht mehr glücklich.

Und manchmal frag ich mich, für wen wollte ich sie machen,
all die besseren, die schnelleren, die höheren Sachen?
Ob es nicht genug ist, mich selbst gut zu fühlen,
ohne mich oder die anderen dabei anzulügen?
Das scheint ein großes Wort zu sein,
doch für mich war es einfach oft Schein statt Sein.

Und um jetzt wieder zurückzufinden,
möchte ich niemandem hier den Sport unterbinden.
Sportlich sein ist schön und gut,
nur ich zieh nicht mehr gleich vor jemanden den Hut,
der oder die etwas Großes geschafft,
und sich damit fast kaputt gemacht.
Denn für mich ist Stärke auch die Ruhe zum Innehalten,
das Helfenlassen und Stoppen und Motor einschalten.

Dieser Text übers E-Bike ist fast eskaliert,
doch hab ich mit diesem Rad erst kapiert,
dass ich mich bewege, damits mir gut geht
und dabei hilft mir dieses Gerät.

Denn es bringt mich an schöne Orte, lässt mich fliegen,
der Ehrgeiz bleibt im wahrsten Sinne auf der Strecke liegen.
Denn nur, weils hart war, ists nicht auch gleich gut,
und so befind ich mich auf der Hut,
mit solchen Gedanken und machs mir lieber fein,
lade Leichtigkeit und Genuss zu mir aufs Rad ein. 

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Das ist doch nicht normal!

Über die Norm denk ich grad viel nach. Über Normen in all den verschiedenen Farben und Formen. Und was sich da so schön reimt, ist oft gar nicht wie ein Gedicht.

Wir glauben oft zu meinen, dass wir wissen, wie sich etwas gehört. Wie es normal ist. Wie es alle machen und erleben. Und vergessen dabei eine wichtige Sache: Dass wir alle unterschiedlich sind, nämlich.

Dass wir unterschiedliche Körper haben, unterschiedliche Gedanken, unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Hintergründe, unterschiedliche Vorstellungen, unterschiedliche Motive, unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Wahrnehmungen.

Dann von einer Norm, einem Normal, zu sprechen, ist ganz schön anmaßend. Es ist sogar gefährlich, kann täuschen und enttäuschen, kann auf falsche Fährten führen und kann vor allem eines: etwas als die einzig mögliche Möglichkeit suggerieren.

Dass sich das nicht ausgeht, ist irgendwie klar. Dass es da mehr geben muss, sollte auch klar sein. Ist es aber nicht. In Gesprächen komme ich immer wieder drauf, wie oft wir den Begriff “normal” in unterschiedlichsten Kontexten immer noch verwenden. Vielleicht gibt uns das Sicherheit. Vielleicht ist es auch einfacher, an eine Welt zu glauben, ja regelrecht daran festzuhalten, die scheinbar normale Menschen (Ansichten, Sichtweisen, Geschichten, Erfahrungen etc.) bereithält.

Was ich jedenfalls immer wieder feststelle, ist, dass das Enttäuschen – also die Täuschung wegnehmen, ent – täuschen – groß ist, wenn wir draufkommen, dass es ja ganz “normal” ist, dass etwas “nicht normal” gelaufen ist.

Dass es wichtig ist, sich auf etwas zu verlassen, verstehe ich. Dass diese Normen und Normalitäten uns etwas zum Festhalten geben, das ist auch verständlich. Doch je fester wir uns daran festkrallen, desto unsicherer wird es. Desto kleinkarierter, desto menschenfeindlicher, desto engsichtiger wird die ganze Sache auch. Es gibt Normen, die falsche Hoffnungen schüren, uns im Stich lassen, wenn wir uns mit genügend Menschen austauschen und die einfach nicht gut sind für uns. Das trau ich mir wirklich so zu sagen.

Ich frage mich, ob es nicht an der Zeit wäre, diesen Begriff aufzubrechen, niederzubrechen und uns mit dem auseinanderzusetzen, das ist, statt mit dem, das sein sollte.

Das ist ja nicht normal. Stimmt. Vielleicht ganz gut so.

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Informeller Morgen

Wir nennen sie “informal mornings” – informelle Morgen. Informell, weil es keine Form gibt. In-form-ell.

Keine Form, keine Struktur und auch kein Müssen. Gemeinsam entscheiden wir uns für so einen Morgen, sprechen darüber und dann verselbstständigt sich das Ganze. Und ich sags euch – ich liebe solche Tage!

Was ich genau damit meine, das erzähle ich euch gerne. Denn gerade ist wieder so ein informeller Tag und wir machen, was wir wollen. Mit “wir” meine ich meinen Mann und mich.

Wir stehen auf und schon beginnt die Informalität. Denn ein Frühstück, das passiert zwischen lesen, schreiben, Musik hören, im Stehen oder Liegen, nach dem Yoga oder während des Arbeitens. Einfach wieder zurück ins Bett und Videos anschauen, auf der Couch lümmeln oder beim Fenster hinausschauen. Alleine und miteinander nebeneinander. Und so geht es weiter. Jede*r macht, was sie oder er will und dazwischen tauschen wir uns aus, was wir gerade so machen, was wir entdeckt oder gelernt haben, woran wir arbeiten oder was es Neues gibt. Während wir in unterschiedlichen Welten dahinwerkeln, sind wir ganz nahe dran, was die/der andere macht.

Wenn ich es so aufschreibe, klingt das ja gar nicht so außergewöhnlich – doch für uns sind diese ganz bewusst gewählten Morgennichtroutinen sehr besonders und erfrischend. Als würden wir etwas ganz Wildes machen, als könnten wir unser Leben selbst bestimmen (ha.). Da wird vorm Fernseher oder ausnahmsweise einfach mal nebenbei gegessen, da wird meist viel gearbeitet und produktiv erledigt, da wird getüftelt und Neues gelernt.

Die Musik läuft, der Kaffee oder Tee brüht und wir suchen uns die besten Plätze zum Sein aus. Ich liebe sie, diese informellen Morgen.

Und so, wie wir diesen informellen Tagen die Struktur entziehen, so kommt die Kreativität an diesen Morgen besonders in Schuss. Als würde sie es brauchen, um im Flow zu bleiben. Als würden diese informellen, verselbstständigten Zeiten dem Alltag seinen Schleier abnehmen.

Immer wieder entziehen wir uns den (auch von uns selbst) vorgegebenen Strukturen und lassen uns tragen – von der Informalität. Von der nicht vorgegebenen, von der freien Form dieser Momente.

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Statistisch gesehen

Heute vor drei Jahren habe ich das letzte Mal Fleisch (und Milch und Käse,…) gegessen. Und oh, bin ich froh darüber. Hier folgt ein kleiner Ausflug in die Pseudostatistik (gespeist aus unterschiedlichen Quellen, manche wissenschaftlich fundierter als andere.)

Meine letzten drei Jahre in Zahlen.

1087 Tage ohne Fleisch, Tiermilch, Eier, Honig, Käse, Joghurt.

36 Monate ohne (neues) Leder, Pelze oder Echthaarkrimskrams.

4164 Liter gespartes Wasser. Pro Tag (!) Das sind ca. 20 Badewannen voll. Jeden. Einzelnen. Tag. (aber selbst so kann man sich nicht wirklich reinwaschen. Oups. Mitten in die Wunde.)

(je nach Quelle) Zwischen 5000 und 10000 kg nicht-ausgestoßenes CO2. Das entspricht mehr als 30 Flügen von Berlin nach London.

Einige Tausend Medikamente, die ich nicht durch die Blume (haha, wohl eher noch durch die Blume als durch das Tier) zu mir nehmen musste, ohne krank zu sein.

1080 Tiere, die nicht für mich geboren, aufgezogen, gemästet, gefüttert, geschwängert, geschlachtet – und wie man so unschön sagt – “produziert” werden mussten. Und nein, die sind genauso wie jedes T-Shirt “nicht sowieso da”.

Geschätzte 20 Mal “Nein, danke. Das esse ich nicht.” oder “Nein, auch nicht ein bisschen Käse/Schlag/Milch/Butter.” (gar nicht so oft! Das Danke geht an mein sehr kulantes und umweltbewusstes Umfeld!)

732 neue Rezeptideen und geglückte Küchenexperimente.

3 milde Auseinandersetzungen mit meiner Oma, warum ich das gute Zeug nicht esse und sie mir dann das supertraditionelle Essen macht, das immer schon vegan war. Bevor es vegan überhaupt gab.)

7 Regenbogenfarben auf meinem Teller. Fast täglich.

426 Aha-Erlebnisse. Dass sich tierische Dinge einfachst ersetzen lassen. Dass eine Kuh nicht automatisch einige Jahre durchgehend Milch gibt, einfach so. Dass das Einkaufen und Kochen mit Pflanzen preiswerter, lustiger und – holla die Waldfee – umweltfreundlicher ist.

10 Menschen (oder mehr), die durch unsere Lebensweise zu neuen Erkenntnissen und vielleicht sogar Einsichten gekommen sind.

2 Hochzeitsfeiern, auf denen insgesamt mehr als 100 Personen rein vegan verköstigt wurden.

246 “mmh, des is jo voi guad!?!” zur Verköstigung auf oben genannten Feiern oder Mitbringspeisen zu anderen Feierlichkeiten, Essenseinladungen und Familien-Kochangelegenheiten.

17 Mal die Frage, was wir denn dann essen. Und 17 Mal die Antwort “das, was ich daheim habe.” und den Verweis, dass die Pflanzenwelt um eiiiiniges größer ist als das Kühlregal im Supermarkt.

332 Gedanken und Gespräche rund um das Thema “Natürlichkeit” und “Extremismus” und “Umwelt” und “Moral” und “Verantwortung”.

3261 Mahlzeiten (plus einige Zwischenmählchen), die schmackhaft, ausgeklügelt oder einfach, gesund und bunt, lustig und aufregend, quasi leidlos und friedlich abgelaufen sind.

3 Jahre. Ein weiterer Meilenstein. Auf einige Jährchen mehr.

Ich feiere mein Jubiläum übrigens mit einer Nuss-Schokomousse-Zwetschken-Torte. Mein zweites Stück, in 2 Tagen. 100% Genuss. Alles für die Statistik.


Quellen:

https://veganfitwerden.de/veganrechner/
https://www.blitzrechner.de/fleisch/#wie-funktioniert-der-rechner
https://utopia.de/neue-studie-fleisch-milch-haben-groessten-umwelt-einfluss-92556/
www.diepampelmuse.com/studiendieüberraschen
www.diepampelmuse.com/zahlendieerfreuen


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Kopfzerbrecher

“Rompe cabezas”. So sagt man auf Spanisch zu Puzzles und es heißt übersetzt in etwa “Kopfzerbrecher”.

Ich sitze gerade vor so einem Kopfzerbrecher und zerbrech mir den Kopf – doch nicht nur über das Zusammensetzen der einzelnen Teilchen, nein. Viele Gedanken kommen mir in den Kopf. Puzzlegedanken.

Und die möcht ich mit euch teilen. Denn die sind ganz brauchbar, diese Gedanken, nicht nur beim Puzzeln. Und sie haben ganz schön mit dem Leben, vor allem mit dem Kopfzerbrechen, zu tun, diese Gedanken. Also bitteschön, hier sind sie:

Puzzles haben oft viele einzelne Teile. Diese Teile ergeben alleine wenig Sinn. Sie können ganz hübsch anzuschauen sein, aber wir merken gleich, dass da rechts und links und drunter und drüber – und eigentlich rundherum etwas fehlt. Dieses Teilchen macht erst im Gesamten Sinn.

So eine Unordnung, die da vor mir ausgebreitet liegt. Ich muss nicht aufräumen, aber ich kann mir Ordnung schaffen. Und das bringt mir Klarheit, bringt mir einen Überblick.

Dann ist es doch so, dass manche Teile so scheinen, als würden sie zusammenpassen. Die Farbe, das Muster. Das müsste doch passen. Und ich versuche es. Wenn ich fest hindrücke, dann gehts irgendwie. Die Teilchen lassen sich verbinden. Doch – leider passen sie nicht. Auch nicht, wenn ich sie verbiege. Beim Puzzeln darf es leicht gehen. Zumindest, wenn die richtigen (Bestand-)Teile gefunden sind.

Ich fange immer mit dem Rahmen an. Das gibt mir Sicherheit und lässt mich in dem scheinbar endlos wirkenden Chaos zumindest ein bisschen Kontrolle behalten. Ich weiß, was ich tun muss und habe bald die Übersicht.

Während ich die Randstücke (oder später auch zusammenpassende Teilchen) heraussuche, kann ich mich voll darauf konzentrieren, was ich suche. Auch bei vielen, vielen Teilen nehme ich für diesen Suchmoment nur die Teilchen wahr, auf die ich mich konzentriere.

Ich merke dann – auch wenn eine große Herausforderung vor mir liegt – ich muss es nur Stück für Stück heraussuchen, zusammensetzen und schaffen. Ich kann mir auch immer wieder Hilfe holen – indem ich auf das Bild auf der Packung schaue. Oder ich frage jemanden. Zwei Köpfe können mehr denken und vier Augen mehr sehen. Ich muss es nicht alleine schaffe. Das ist ok. Ich darf Hilfe annehmen.

Wenn ich dann an einer Stelle lange hänge, mich zu sehr darauf fixiere, dann gehts irgendwann entweder leicht oder gar nicht mehr. Ich sehe das Puzzle vor lauter Teilen nicht mehr. Was ich dann tun kann, ist an einer anderen Stelle weiterbauen. Schließlich führt am Ende alles zusammen.

Ich freue mich so, wenn ich Teilchen in Teilchen stecke und das Bild immer vollständiger wird. Es tut gut, etwas zu machen. Etwas zu kreieren. Etwas zu schaffen. Und wenn es das Ineinanderseteckern zweier Puzzleteile ist.

Und zu guter Letzt. Wenn das Kopfzerbrechen zu groß wird, erlaube ich mir, eine Pause zu machen. Ich muss nicht alles auf einmal lösen und schaffen.

Von meiner kreativen Pause begebe ich mich jetzt wieder zurück zu meinen Elementarteilchen. Schließlich ist es auch nur ein Spiel. Und das darf es auch bleiben.

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Wie ein Bild

Meine Tage fühlen sich an wie Bilder.
Bilder von Dingen, Farben und Formen.
Formen, die ineinandergreifen.
Farben, die harmonisch verschmelzen.
Dinge, die leuchten und scheinen.

Meine Tage sind gefüllt von Dingen.
Dinge, die leicht und schön zu betrachten sind.
Schön zu betrachten und einfach zu tun.
Einfach zu tun und wichtig zu fühlen.
Wichtig zu fühlen und wertzuschätzen.

Meine Tage sind wertschätzend.
Wertschätzend dem Leben gegenüber.
Dem Leben und den Menschen.
Den Menschen und mir selbst.
Meine Tage sind gut zu mir selbst.

Wenn ich meine Tage, meine Wochen, meine Zeit malen und gestalten würde, dann würde dieses Bild weiche, feine Formen haben. Kreise, Ovale, undefinierte Rundformen, ein paar geradkantige Formen. Es würde Farben haben, die mich beim ersten Betrachten glücklich machen. Petrol, dunkelgrün, minzgrün, senfgelb, altrosa, mattrot, cremeweiß. Die Farben stünden für die Dinge, die ich gerade jeden Tag mache. Yoga. Lesen. Kochen. Essen. Gehen. Staunen. Schreiben. Austauschen. Nachdenken. Eingemütlichen. Bewegen. Lachen. Gestalten. Schlafen. Schauen. Ruhen.


Es wäre ein ruhiges Bild, aber ein farbenfrohes und zu bestaunendes Bild. Es wäre ein Bild, das ich mir aufhängen und jeden Tag betrachten würde. Und es würde mich an all die guten Dinge im Leben erinnern, dieses Bild. Das Bild wäre nicht allzu groß, würde in einen Rahmen passen. Es muss den Rahmen nicht sprengen, es ist sehr friedlich dieses Bild. Es kann einfach an der Wand hängen und da sein. Denn dieses Bild ist ausgeglichen und braucht kein verrücktes Drumherum.

Ich schreibe dieses Bild. Ich beschreibe es. Vielleicht gibt es eines Tages die Farben und ich male es. Dann kann ich es euch zeigen.

Wie schaut euer Bild aus? Wie schauen eure Tage im Moment aus? Wie würde euer Bild aussehen? Welche Farben, welche Formen hätte es? Gibt es eine Farbe, die ungewollt zu viel Platz und Raum einnimmt? Gibt es Farben, die kräftiger leuchten, als die anderen?

Ich mag mein Bild. Und ich mag meine Tage, meine Zeit.

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Keine Vorsätze

Lange habe ich überlegt, wie mein erster Text im neuen Jahr ausschauen soll. Reflektierend über das letzte Jahr, das voller Schätze steckte? Vorausschauend auf das neue Jahr, das voller Schätze stecken wird? Meine Pläne, Visionen, Vorsätze für dieses Jahr? All das ist es nicht geworden.

Und hier bin ich. Innehaltend im Moment. Im heutigen Zustand, im jetzigen Augenblick. Und ich fühle mich sehr weise dabei. Denn wenn ich etwas immer mehr verstehe, dann ist es das kostbare Geschenk der Gegenwart.

Und so sitze ich hier und freue mich. Freue mich über so vieles. Und bin so unendlich dankbar, ich kann es kaum fassen, kaum ausdrücken. Ich liebe mein Leben aus tiefstem Herzen. Und ich liebe die vielen feinen Facetten meines Lebens.

Ich liebe es, dass ich eine Beziehung führe, die auf Miteinander, auf Liebe, auf tiefer Verbundenheit beruht. Ich liebe es, dass wir miteinander reden, uns austauschen, uns zuhören und diskutieren. Ich liebe es, dass wir uns gegenseitig wachsen und verändern lassen. Ich liebe es, dass wir uns fürs Abenteuer entscheiden, immer wieder. Für die Lebendigkeit, für das Aktive, für das Gute.

Ich liebe es, dass ich gesund bin. Dass ich meinen Körper bewegen und nutzen kann. Ich liebe es, dass ich mich schön finde. Ich liebe es, dass ich mit meinem Körper befreundet bin. Dass ich eine meiner eigenen engsten Freundinnen bin. Dass ich immer mehr lerne, mich noch mehr und immer mehr genau so anzunehmen, wie ich bin und mich nicht vor Veränderung fürchte.

Ich liebe es, dass ich so viele Möglichkeiten habe und viele davon nutze. Ich liebe es auch, dass ich es schaffe, “etwas zu verpassen”, im Bewusstsein, dass ich nicht alles immer tun muss. Ich liebe es, dass ich weiß, was mir guttut und dass ich so vieles davon machen kann. Ich liebe es, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann und weit genug entfernt habe von dem, was mir nicht gut tut.

Ich liebe auch solche Dinge, wie zum Beispiel, dass ich Räume gemütlich und schön machen kann. Das ist eine Fähigkeit, die ich sehr praktisch und schön finde. Ich liebe es, dass ich mich über Kleinigkeiten von ganzem Herzen freuen kann. Ich liebe es, dass ich alles schmecke und rieche und dass ich jeden Tag schönes Essen machen und haben kann.

Und das sind alles Dinge, die ich gerade jetzt, heute und hier, so sehr schätze und liebe. In diesem Moment.

Ich liebe es, dass ich eine Seite füllen kann mit Dingen, Zuständen und Gegebenheiten, die ich liebe. Und das, ohne viel nachzudenken oder mich anzustrengen.

Wie wunderbar. Da braucht es für mich dieses Jahr gar keine Vorsätze. Denn so, wie ich gerade lebe, so kann ich mir das gut fürs ganze Jahr (wenn nicht sogar länger…) vorstellen. Und wenn ich eines jetzt gerade weiß, dann dass die Veränderung meine Freundin bleiben wird, bei allem, was ich mache und liebe. Und das wird sie bleiben, ob mit oder ohne Vorsatz.

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Die lange Weile

Die letzten Tage waren gefüllt von diesem Nichts. Und bereits im ersten Satz widerspreche ich mir hier selbst. Denn gefüllt sein vom Nichts, das geht ja irgendwie nicht. Und doch. Die lange Weile, die schafft es, etwas zu füllen ohne selbst etwas zu sein.

Die lange Weile, leicht verwechselbar mit ihrer Zwillingsschwester der Langeweile, hat mich in den letzten Tagen oft begleitet und inspiriert.

Die lange Weile, die bringt dieses weite, scheinbar endlose Gefühl mit sich. Die Tage haben wenig Struktur, wenig Pläne, wenig Müssen. Die Tage, die diese lange Weile hervorrufen, sind umgeben von diesem Hauch der Leichtigkeit, der Ungezwungenheit, der Weite.

Woraus diese lange Weile besteht?
* Spazierengehen. Auch gern mehrmals am selben Tag. Langsam, weit und achtsam spazieren gehen.
* Essen. In lustigen Rhythmen und auch Dinge, die vielleicht so im Alltag nicht unbedingt vorkommen. Gemeinsam mit Menschen und alleine vor dem Fernseher. Egal, Hauptsache lange und gut und entspannt.
* Herumhängen. Dasitzen und schauen. Jemandem bei etwas zuschauen oder einfach in die Luft schauen. Währenddessen gar nicht viel denken. Einfach schauen.
* Wenig Zeit am Handy. Die Langeweile der langen Weile gut aushalten und nicht sofort ablenken (lassen).
* Spielen. Brett- und Gesellschaftsspiele. Die richtigen Karten suchen und lange nicht finden. Dabei die Uhr ticken hören und nicht einmal wissen, welche Stunde des Tages gerade ist.

Diese lange Weile, die mich absolut nicht langweilt, habe ich meist um die Weihnachtsfeiertage und in den Tagen zwischen den Jahren. Warum genau da? Vielleicht, weil ich sie mir da selbst erlaube. Weil da, ja besonders da, das Nichtstun Teil des Festes ist. Weil nichts von mir erwartet wird, nicht mal ich selbst erwarte etwas von mir.

Diese lange Weile, die hat aber sehr wohl viel mit ihrer Zwillingsschwester zu tun. Denn die Langeweile, die eine lange Weile erzeugt, die kann guttun, entschleunigen, inspirieren und uns zurückzuholen zum Wesentlichen.

Oder um es mit den Worten der wunderbaren Astrid Lindgren zu sagen: “Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”