achtsam · allgemein · reisend

Gast-Freundschaft

Ich steh gerade in der Küche und koche mir Nudeln. An sich nichts Besonderes. Und doch: Ich bin nämlich nicht in meiner Küche. Und es sind auch nicht meine Nudeln – und irgendwie schon.

Wir sind bei Freund:innen auf Besuch und es ist mehr ein Heimkommen und hier Wohnen, als ein Gastsein. Diese Gast-Freundschaft, die ich hier spüre, ist riesengroß. Denn die beiden lassen uns viel mehr als nur bei ihnen schlafen. Wir sind Teil des Lebens, Teil der Familie für die Zeit, die wir hier sind. (Natürlich auch, wenn wir nicht hier sind! Aber jetzt in live ist es doch noch mal was Anderes!). Sie teilen ihren Lebensraum, ihre Zeit, ihr Essen – ihr Leben in dieser Zeit hier mit uns.

Wir werden hier empfangen und es ist nicht alles blitzeblank aufgeräumt – eben, weil wir keine Gäste sind. Weil wir Teil der Familie sind, weil weder sie noch wir hier mehr oder weniger tun (müssen). Für mich ist es jedes Mal eine Ehre, in einer fremden Wohnung staubzusaugen. Und ja, das meine ich wirklich so. Und nein, ich mach das nicht sehr oft. Aber wenn, dann bin ich jedes Mal wieder erstaunt, wie schön ich das finde. Denn es ist wie daheim. Und das macht das Hiersein so unkompliziert, authentisch, einfach und schön.

Jedes Mal, wenn ich nämlich so gast-freundschaftlich (und nicht gastfreundlich, was auch sehr nett, aber eben weiter weg als gastfreundschaftlich) empfangen werde, fühle ich mich gleich rundherum wohl. Ich weiß, dass ich nicht fragen muss, ob ich etwas aus dem Kühlschrank nehmen darf. Ich weiß, dass ich mich ausbreiten, meinem eigenen Rhythmus folgen kann und gleichzeitig als Teil dieser Familie eine wichtige Rolle übernehmen darf. Ich weiß, dass ich meine Ruhe haben darf, und mich im nächsten Moment liebend gerne mit jemandem unterhalte.

Diese Gast-Freundschaft ist etwas wirklich Kostbares. Und oft erlebe ich sie auch nicht. Was nicht schlimm ist – ich muss nicht überall staubsaugen, am Wohnzimmerboden schlafen und den Kühlschrank durchsuchen. Aber ich genieße gerade das besonders hier.

Also hier ein Danke an die beiden, sie wissen bestimmt, dass sie damit gemeint sind. Es ist wirklich eine Wohltat, ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit, mit wie viel Liebe wir hier sein können.

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Es muss immer erst was passieren…

… bevor sich was ändert.
Ein Satz, eine Einstellung, eine Lebensweise, eine Alltagswahrheit.

Es muss immer erst was passieren, damit wir umdenken. Die Welt muss brennen, der Rücken wehtun und die Seele weinen. Erst dann verändern wir etwas. Erst dann können wir etwas verändern. Es muss immer erst was passieren.

Was für eine gefährliche, gefährliche Halbwahrheit. Was für eine irreführende, ungesunde und kleinmachende Einstellung zum Leben das ist. Und wie normal sie gleichzeitig behandelt wird.

Meine Sicht auf diese Dinge ist anders. Vielleicht radikal anders. Denn ich mache Dinge, die mir guttun, jetzt schon. Nicht erst dann, wenn was passiert ist. Ich bewege mich und gebe meinem Körper gutes Essen, nicht, weil ich mich unwohl fühle oder krank war/bin. Nein, weil ich meinen Körper und meinen Geist gesund halten möchte. Gesund und munter, mobil und glücklich. Ich beende Dinge, die mir nicht guttun, nicht an einem Moment der vollkommenen Verzweiflung, sondern davor. Wenn ich merke, dass sie mir nicht (mehr) guttun. Ich umgebe mich viel und oft mit Menschen, die mir guttun. Die mich bereichern und zum Lachen bringen. Ich verbringe wenig Zeit mit den anderen.

Das braucht natürlich ein feinfühliges Hineinspüren und Kennen der eigenen Bedürfnisse. Das braucht auch Mut und den Drang zur Freiheit und zur (geistigen, körperlichen, …) Gesundheit. Es braucht zudem eine ordentliche Portion Selbstliebe, etwas zu tun oder zu lassen, das gut oder nicht (mehr) gut für eine ist. Und zwar vor der großen Krankheit, dem großen Zusammenbruch oder der großen Enttäuschung.

Natürlich passieren schlimme Dinge. Und natürlich ist es wichtig, daraufhin etwas zu ändern. Und es erfordert Mut und Selbstliebe und Gesundheit, das auch zu tun. Was ich mit meinem Text und meinen Gedanken aber sagen will, ist, dass es auch davor schon geht, seinem Körper und seinem Selbst etwas Gutes zu tun. Dass es nicht eine “Belohnung” braucht, wenn etwas eh so schlimm war. Sondern dass Vorbeugen wahrscheinlich gesünder ist als Heilen. Dass ein vorzeitiges Einschreiten und Stoppen, ein Hineinfühlen und Vorausdenken möglich und wichtig sind. Für uns selbst, die Menschen um uns und auch für die Welt.

Denn wir dürfen genießen, ohne uns für irgendetwas zu belohnen. Dürfen gesund sein, ohne krank gewesen sein zu müssen. Dürfen selbst aufhören, ohne gestoppt worden zu sein. Dürfen Nein sagen, ohne es erklären zu müssen. Dürfen Dinge selbst entscheiden, ohne alles glauben zu müssen. Denn es muss nicht immer was passieren, um etwas zu ändern.

achtsam · allgemein · nachhaltig

Alleine deshalb…

… zahlt es sich schon aus, zu leben.

Diese weisen Worte hat meine Mama vor Kurzem beim Kaffeetrinken in einem wunderschönen und gemütlichen Café gesagt. Sie war – wie ich auch – so berührt von diesem schönen Ort, hat ihren schön hergerichteten Cappuccino geschlürft und diese schönen Worte von sich gegeben.

Und ja, sie berühren mich wirklich, diese Worte. Es ist so wichtig, diese kleinen großen Momente zu feiern. Es ist so wichtig, das alles nicht einfach hinzunehmen. Es ist so wichtig, immer wieder innezuhalten und für das Leben dankbar zu sein.

Und deshalb möchte ich diesen Text dem Leben widmen.

Ich möchte mich von tiefstem Herzen bedanken, bei dir, liebes Leben. Danke für all die Menschen, die ich um mich haben darf. Meine Familie, die unterstützend, bedingungslos liebend, wertschätzend ist. Meine Familie, die zusammenhält und die sich selbst mag. Meine Familie, die miteinander lachen und weinen kann, die streitet und sich versöhnt, die laut sein kann gemeinsam und auch ganz leise.

Die wichtigen Menschen in meinem Leben, die mir – egal, wie weit weg sie leben oder wie (wenig) oft ich sie sehe – so nahe sind. Die ich zu unterschiedlichsten Dingen im Leben um Rat und Meinung fragen kann, die mit mir ihre Ängste und Unsicherheiten teilen und die ich von ganzem Herzen schätze für das, was sie sind.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass du es mir ermöglichst, dass ich so lebe, wie ich lebe. Dass ich es leicht habe und es mir leicht machen kann. Dass ich das Kleine so sehr schätze, mich an Farben und Mustern erfreuen kann, dass ich spielen und tanzen kann, dass ich mich bewegen und still sein kann. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich mir aussuchen kann, was ich mache, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

Ich bin so dankbar, liebes Leben, dass ich schon so viel von der Welt sehen und erleben durfte. Dass ich meinen Weg hinein in so viele Unsicherheiten so bestimmt und im vollsten Vertrauen gehen durfte. Dass ich vieles ausprobieren und wieder lassen konnte, dass ich auf meinem Weg so viel Rückenwind gehabt habe und aus dem Gegenwind lernen durfte. Auch dafür bin ich so dankbar.

Die Liste an Dingen, für die ich dankbar bin, geht weiter. Jeden Tag halte ich kurz inne und überlege, für welche Momente des Tages ich dankbar bin. Einen dieser Momente schreibe ich dann auch auf. Und so habe ich bisher in diesem Jahr eine Sammlung mit 242 Glücksmomente angelegt. Das kann sich sehen lassen, oder?

Beim Sitzen in diesem Kaffeehaus hatte ich Tränen der Überwältigung in den Augen. Denn dieser Moment war ein Inbegriff des Guten für mich. Ein Inbegriff der Freiheit, des Friedens, der Leichtigkeit, des Genusses. Ein Inbegriff dessen, was ich meine, wenn ich vom guten Leben spreche. Und dieser Moment ist einer der – wohl weit mehr als – 242 Glücksmomenten in diesem Jahr…

achtsam · allgemein · selbstliebend

Mein Gespräch mit der Stimme

Ich habe endlich viel Zeit. Viel Zeit, die ich mir frei einteilen kann. Zeit, die ich so verbringen kann, wie es mir passt. Es gibt keine Struktur, keine Eile, keine Vorgaben. Zumindest fast keine. Wäre da nicht die Stimme in meinem Kopf, die brav kategorisiert. Die Stimme, die meine Aktivitäten einteilt in “gut” und eben “nicht so gut”, weil wenig produktiv, wenig kreativ, zu wenig von irgendwas.

Diese Stimme, die gab es natürlich auch schon vorher. Ich glaub, die gab es schon immer. Ich komme aus einer Familie, die gerne viel macht. Und so bin ich aufgewachsen, habs so miterlebt und bin selbst so geworden. An sich ja nichts Schlechtes. Ich bin gerne sportlich, produktiv und kreativ. Erledige gerne Sachen, mache drei Dinge auf einmal und freue mich, wenn etwas abgeschlossen ist. So weit, so gut. Gäbe es da nicht die andere Seite dieses immer viel tun Wollens. Denn diese andere Seite ist faul und irgendwie immer ein bisschen zu wenig. Herumliegen und fernsehen, wenn das Wetter schön ist? Die schmutzige Küche noch ein bisschen länger schmutzig sein lassen und einfach später abwaschen? Wieder einen Tag ohne Berg-, Rad-, Lauftour erleben? All das ist gar nicht so einfach, mit dieser inneren Stimme, die das nicht mag.

Und da ich jetzt weiß, dass ich diese innere Stimme habe, versuche ich ihr nicht mehr allzu genau zuzuhören. Natürlich hör ich sie, ich sag ihr dann aber mittlerweile schon bestimmt und fast vollkommen überzeugt, dass es das nun mal ist, was ich jetzt tun möchte. Dass es ok ist, sag ich ihr auch. Und dass auch sie sich mal ausruhen soll. Dass sie sich bewusst werden soll, dass es keine “guten” oder “schlechten” Dinge gibt. Dass es sicherlich Dinge gibt, die gut tun und dadurch auch vermehrt getan werden sollten. Doch da vertrau ich meinem Gefühl, dass ich eh das mache, was ich für mich in diesem Moment für richtig halte. Und das wird wohl auch am nachhaltigsten sein, denk ich mal.

Ich mag es, wenn mir Dinge bewusst werden. Dann sind sie an der Oberfläche und ich kann mit ihnen arbeiten. Kann – wie mit dieser Stimme – umgehen lernen und sie akzeptieren oder auch verändern, wenn ich das will. Viel zu lange hat diese Stimme einfach in mir drinnen geschlummert und sich immer wieder laut gemacht, ohne befragt worden zu sein. Viel zu lange war es mir nicht bewusst, dass ich mir selbst (oder eben dieser Stimme, die ich ja auch bin) nicht alles glauben muss. Und jetzt, endlich – habe ich auch dafür Zeit, mich von ihr zu verabschieden und sie im Vertrauen in mich zum Schweigen zu bringen. Denn diese Stimmen, die dagegenreden, die sind nicht grad die nettesten Gesprächspartnerinnen.

achtsam · allgemein · kreativ

Dort, wo sie sich treffen

Wie nahe sie doch beieinander liegen, die zwei. Wie ähnlich sie sich auch sind, irgendwie. Und wie untrennbar sie zusammengehören.

Von wem ich spreche? Vom Ende und vom Anfang. Denn die zwei sind wirklich nur einen Moment voneinander entfernt. Sie unterscheiden sich im ersten Moment wie Tag und Nacht, haben aber doch einen starken gemeinsamen Nenner: Den Punkt, an dem sie sich treffen. Denn der ist jetzt. Und der ist am Ende des Endes und am Anfang des Anfangs.

Ich bin gerade jetzt, ja genau jetzt, in diesem Moment, an diesem Punkt, an dem sich Ende und Anfang treffen.

Ich habe heute einen großen Teil beendet und genauso beginnt heute ein anderer großer Teil. Ich habe meine Arbeit in der sicheren, planbaren, voraussehbaren und schönen Umgebung beendet. Und begebe mich in eine noch unsichere, noch wenig planbare, noch nicht voraussehbare und gewiss wunderschöne, neue Welt.

Und natürlich habe ich Ideen, Visionen und Pläne, was ich so tun und lassen möchte. Viele davon. Und sie haben die schönsten Farben und Muster, Formen und Konturen. Doch wissen, was kommt, tu ich es nicht, gar nicht. Aber das wissen wenige, wenn wir uns ganz ehrlich sind.

Dieser Punkt zwischen den Welten, zwischen Ende und Anfang, hat eine Magie. Er beherbergt große Dankbarkeit für das, was war. Viele Erinnerungen, Erfahrungen, Momente des Gewachsenseins und die Nähe zu Menschen, die in dieser Zeit wichtig waren. Und dieser Punkt trägt zudem die große Neugierde, die Zuversicht und das Vertrauen in sich, dass das, was kommt, gut sein wird. Er trägt auch Zweifel und Ängste in sich, das Gefühl des Abenteuers und des Lebendigseins. Für mich hat dieser Punkt, an dem ich gerade stehe, viel – ja sehr viel – mit Freiheit zu tun.

Ich bin so vollgefüllt mit Gefühlen, denn das Ende dessen, was war, tut gut und ist wichtig und war die richtige Entscheidung. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude und gleichzeitig bin ich ganz ruhig. Denn ich weiß, dass ich alle Zeit der Welt habe. Zumindest, bis der nächste Punkt kommt, an dem sie sich treffen – das Ende und der Anfang.

achtsam · allgemein · kreativ

Freundesfreude

Ich hatte dieses Gefühl gestern so stark wieder mal, dass ich sogar ein Wort dafür erfunden habe. Die Freundesfreude. Laut Pampelmuse-Duden besagt diese “(…) eine immense Freude über die Freund*innen und deren Anwesenheit, deren Sein und Wesen und die tiefe Verbundenheit mit ihnen” (2020, S.44).

Denn gestern war so ein Tag, an dem ich diese Dankbarkeit, diese Verbundenheit, diese Gemeinschaft, dieses Miteinander, diese (Nicht-)Selbstverständlichkeit, diese Wellenlänge, diese Herzensnähe, diese Leichtigkeit, diese Innigkeit, diese Liebe wieder einmal so stark spüren durfte, dass es mich einfach überwältigt hat.

Freundesfreude, oder in meinem Fall Freundinnenfreude – doch ich muss zugeben, dass hier doch die männliche Form aufgrund des Wortrhythmus besser klingt – ist so etwas Wunderbares. Etwas so Kostbares und etwas so Heilsames. (Heilsam ist eine meiner neuen Lieblingsbeschreibungen für Dinge/Gefühle, die so gesund sind für den Geist und die Seele und erfrischend fürs Gemüt und wohltuend für die Stimmung. Damit ihr Bescheid wisst, was ich damit meine.)

Freundesfreude äußert sich bei mir meist dadurch, dass ich es mich fast zerreißt vor lauter Freude, wenn ich meine Freundinnen beobachte bei dem, was sie tun oder wenn ich gemeinsam mit ihnen lache, Blödsinn mache, tiefe Gespräche führe oder sie mich mit ihren Gesten berühren. Dann weine ich meist ein bisschen (oder ein bisschen mehr) und dann sag ich es ihnen, dass ich sie und uns so glass finde und dass ich mich so freue, sie zu haben.

Das ist sie also, die Freundesfreude. Kurz und auf den Punkt gebracht.

Ich wünsch euch allen solche Menschen, bei denen ihr euch auch so fühlen könnt!

achtsam · kreativ · selbstliebend

Der Garten der anderen

Oh, die Tomaten! Wie rot sie leuchten! Wie wunderbar sie wachsen, wie schön sie da hängen. Wie stark und gesund sie aussehen, wie prächtig sie sich entwickeln! Oh, diese Tomaten! Selten hab ich so schöne Tomaten gesehen … wie die im Garten nebenan. 

Und was diese rötesten Tomaten im Garten der anderen mit unseren Zweifeln, dem ständigen Vergleichen und einem Stich ins Selbstliebeherz zu tun haben, erzähl ich euch jetzt.

Während ich meinen Garten pflege, auf ihn Acht gebe und ihm die meiste Liebe geben kann, die mir nur möglich ist, bin ich so dankbar. Dankbar dafür, dass die Pflanzen so gut wachsen, dass die ersten Früchte bereits zu ernten sind und dass ganz viele neue Früchtchen nachkommen. Ich freue mich über jeden neuen Trieb, jedes Blatt, jede Minute, die ich im Garten verbringe. Ich bin ganz da, ganz präsent, ganz nah an mir und meinen Pflänzlein. Bin mit mir im Reinen, bin ganz bei der Sache. Ich verschwende keinen einzigen Gedanken daran, dass es wo anders vielleicht besser sein könnte.

Und dann gehe ich spazieren oder fahre mit dem Rad und sehe sie – die prächtigen Bäume, die hochrankenden Pflanzen, die leuchtend blühenden Blumen… im Garten der anderen. Und anstatt mich dessen zu erfreuen, bin ich kurz betrübt und verunsichert: Warum wachsen die Blumen bei uns nicht so hoch? Warum sind die Tomaten hier viel größer und roter? Warum scheint hier keine Schnecke, keine Ameise und kein Tierchen das Glück der Pflanzen zu gefährden?

Und ich merke: Ich zweifle. Ich fühle mich unsicher und nicht gerade glücklich darüber. 

Wenn ich beginne, den Garten der anderen mit meinem zu vergleichen, dann mache ich Folgendes: Ich sehe nur das Außen, sehe das Dahinter aber nicht. Weder die Arbeit, noch die Zeit oder Mühe, die hier hineingesteckt wurde. Ich weiß weder, wie lange die Pflanzen hier schon wachsen, noch sehe ich, welcher Dünger oder welche Mittel zum Einsatz gekommen sind. Ich kenne den Boden nicht, auf dem die Pflanzen gedeihen, kenne die Sonneneinstrahlung oder die Insektendichte dieses Stücks Erde nicht. Sehr botanisch? Hat wenig Lebensrelevanz, was ich hier schreibe?

Na, dann hört mal her:

Dieses Vergleichen, das ich mache, wenn ich andere Gärten bewundere, trägt nicht zu meiner guten Stimmung bei. Ich könnte mich daran freuen, aber stattdessen bin ich erzürnt und enttäuscht, warum es bei mir vielleicht im Moment nicht so gut läuft (oder wächst, in diesem Fall). Ich glaube, die Situation aufgrund meiner kurzen und nicht sehr tiefgehenden Beobachtung einschätzen und bewerten zu können. Ich vergleiche Äpfel mit Birnen. Denn der Garten der Nachbarn ist nicht mein Garten.

Und wenn wir jetzt – Achtung, wir lehnen uns jetzt weit aus dem Fenster – den Garten mit all möglichen Attributen der anderen austauschen, zum Beispiel der Karriere, der Wohnung, dem Auto, der Figur, dem Gewand, der Nase, der Beziehung etc., dann sollte spätestens jetzt klar sein, dass mein Vergleich von den rötesten Tomaten und dem wunderbarsten Garten wohl auch eine Metapher für unser ständiges Vergleichen mit anderen ist.

Wir wissen nicht, was die anderen warum tun (müssen). Wir kennen oft oft oft weder die Geschichte davor, noch die Geschichte danach. Wir machen uns durch das, was die anderen haben, tun und sind, selbst kleiner, weil das in unserem Kopf leichter scheint, als einfach zu beobachten. Anstatt uns daran zu erfreuen, dass in anderen Gärten die Pflanzen auch schön wachsen, suchen wir den Fehler und vergleichen unseren “Garten” mit dem der anderen.

Ich nehm mir ganz fest vor, den Garten der anderen als Garten der anderen zu sehen. Ihn vielleicht sogar genießen zu können. Und falls ich noch nicht so weit bin, dann erinnere ich mich an meinen Garten. Denn dort find ichs immer schön. 

achtsam · allgemein · selbstliebend

Vom Wohltuenden des Wohlwollens

Dieser Wohlwollen. Der ist etwas, der mich gerade beschäftigt. Und berührt. Und deshalb schreib ich heute mal darüber.

Wohlwollen. Suche ich dieses Wort im großen Internet, kommt viel. Suche ich es in der großen Welt, kommt… naja, auch was. Beschrieben wird dieses große Wort mit einer Zuneigung, einer positiven Einstellung gegenüber anderen. Es ist von Gunst die Rede und vom moralischen Handeln. Aha, schonmal interessant. Und praktisch umgesetzt, wie geht das?

Ich hab für mich – besonders in meiner derzeitigen Arbeit – ein Prinzip festgestellt, womit ich im Umgang mit Menschen ganz gut fahre: Wohlwollen. Der und dem anderen das Gute unterstellen. Klingt unwirklich, gar naiv oder unecht? Und obendrein noch sehr anstrengend? Na dann hört mal her!

Wohlwollen meint, dass ich der anderen Person Verständnis gegenüberbringe, ohne sie komplett zu verstehen. Es bedeutet, dass ich ihr (dieser Person) unterstelle, dass sie Dinge aus einem (für sie guten) Grund macht. Wohlwollen bedeutet auch, dass ich hinschaue und -höre und mich nicht vom ersten Eindruck täuschen lasse. Es bedeutet, dass ich den Wert der und des anderen schätze, dass ich sie und ihn anerkenne – als Person mit einer Geschichte, einer Haltung, einer Einstellung zum Ganzen.

Es klingt vielleicht naiv, wenn ich allen Menschen, denen ich begegne, wohlwollend gegenübertrete. Weil es gibt sie ja, die bösen Eigenschaften, die hinterlistigen Blicke und die falschen Wasauchimmer. Und nein. Ich empfinde es als höchst reflektiert, trotz alledem eine wohlwollende Haltung zu bewahren. Trotz alledem und vielleicht genau deshalb ein bisschen genauer hinzuhören, das Dahinter zu sehen und den Menschen mal ganz sein zu lassen.

Wohlwollen. Ein großes Geschenk, das ich meinem Gegenüber geben kann. Und auch eines, das ich mir selbst mache. Denn meine ganzen “Miteinander-Friede-Freude-veganer-Eierkuchen-Sachen” sind gar nicht so selbstlos, wie sie scheinen: Es hat etwas höchst Friedliches, ja gar Befriedigendes, einen Menschen zum Strahlen zu bringen, weil ich vom Guten ausgehe und das Gute finde, wenn ich es nicht gleich sehen kann. Es hat etwas zutiefst Verbindendes und daher auch sehr Leichtes, MIT statt GEGEN einander zu sein.

Mit meinem Wohlwollen schenke ich mir und dir einen Augenblick der Verbindung, der Menschlichkeit, der Nähe. Und das ist etwas wahrhaft Wohltuendes.

Vom Wohltuenden des Wohlwollens. Das wars von meiner Seite. Ich hab grad ein sehr wohlwollendes Gespräch hinter mir und bin ganz beflügelt, wie gut sowas tun kann!

achtsam · allgemein · kreativ

Rein pflanzliche Metapher

In der Pflanzenwelt gibt es einen Ausdruck und einen Zustand, der schon wieder mal so so gut übertragbar ins Leben ist, dass ich gar nicht an ihm vorbeikomme.

Der Begriff heißt “root-bound” und übersetzt könnte er werden mit “wurzelgebunden” – eigentlich bedeutet er, dass eine Pflanze keinen Platz mehr in ihrem Topf hat, weil ihre Wurzeln zu groß für diesen sind.

Sehen kann man das daran – und hier der botanische Zugang – dass die Wurzeln vielleicht sogar schon über die Erde herauskommen. Wenn man die Pflanze aus dem Topf hebt, hat sich da schon ein Netz aus Wurzeln gebildet (das die Form des Topfs hat). Was man tun kann, ist, diese Pflanze schleunigst in einen größeren Topf zu übersiedeln. Davor noch die vorgeformten Wurzeln lösen und ihnen etwas Platz geben und dann ab in frische, neue Erde.

Wenn eine Pflanze also über sich hinauswachsen will, das aber nicht kann, weil der Topf zu klein ist, dann passiert Folgendes: Sie überlebt, aber vegetiert mehr vor sich hin. Lasst euch nicht täuschen – sie kann sogar recht gesund und hübsch aussehen. Aber wachsen, das tut sie nicht mehr. Sie produziert keine neuen Blätter, macht keine Blüten und mag eigentlich auch nicht mehr wirklich weitertun. Sie hat einfach keinen Platz mehr in ihrem Topf.

Und was hat das jetzt mit dem Leben zu tun? Na, gibts schon irgendwelche Mutmaßungen?

Als ich bei einer meiner Pflanzen-Fortbildungssessions von dieser root-boundness gehört habe, kam bei mir sofort diese wunderbare Lebensmetapher in den Sinn: Wir leben in einem System/Alltag/Leben, der diesem Topf gleicht. Er ist zwar groß, aber vielleicht einfach oftmals nicht groß genug. Und unsere Wurzeln (die unsere Gedanken, Ideen, Visionen – ja sogar unsere Lebensgestaltung sein könnten) passen sich diesem Topf an. Sie gehen nur an dessen Grenze, doch können nicht darüber hinaus. Wollen tun sie das vielleicht schon, aber sie schaffen es einfach nicht.

Und so machen und leben wir weiter, weil über-leben tun wir ja. Aber unsere Wurzeln, die haben eigentlich irgendwann keinen Platz mehr. Und wir wachsen auch nicht wirklich weiter, bilden keine neuen Blätter (Verwirklichungen, Herzensprojekte,…) und meinen noch, dass das alles gewesen sei.

Wenn wir uns aber aus diesem Topf heraustrauen, unseren Wurzeln ein bisschen Freiheit geben und uns nach einem größeren und passenderen Topf (oder ganz wild: einem großen Garten!) umschauen, kann das zu vielen schönen Dingen führen: Wir haben wieder Platz für neue Ideen, wir können uns ausbreiten, endlich wieder genügend Nahrung (in diesem Fall eher geistige…) aufnehmen und vielleicht kann dieses Platzmachen sogar Früchte tragen.

Denn erst, wenn wir diesen zu kleinen Topf verlassen, geben wir unseren Wurzeln ein bisschen mehr Raum und können diese in die unterschiedlichsten Richtungen ausstrecken. Und das ist der Moment, in dem wir (über uns selbst hinaus) wachsen.

Pflanzenmetaphern. Was für eine wunderbare Sache!

achtsam · nachhaltig · selbstliebend

Lebensqualitativ hochwertig

Wie ich mir einen Tag gut verbracht vorstelle? Gut verbracht und ausgefüllt, gar qualitativ hochwertig? Lebensqualitativ hochwertig? Das erzähl ich euch gerne!

So ein Tag voller Lebensqualität, der beginnt bei mir schon vorm Aufstehen. Der beginnt nämlich mit ausreichend und tiefem, gutem Schlaf. Und das beinhaltet für mich auch ein Schlaf bis zum natürlichen Aufwachen. Ein Schlaf, der damit endet, dass ein neuer Tag beginnen darf (anstatt zu müssen). Ein Tag, der mit einem langsamen, verschlafenen Umherrollen, Hineinwutzeln und nochmal die Augen für ein paar Momente Zumachen beginnt. Ja. So fängt die Lebensqualität bereits am Morgen an.

Ein Tag voller Lebensqualität hat wenig Pläne, viel Zeit und das Gefühl der Ewigkeit. Ein Nicht-auf-die-Uhr-schauen-müssen, ein Hineinspüren-und-einfach-tun-statt-planen. So geht der Tag weiter. Bei einem gemütlichen Frühstück mit buntem Essen und Blumen, Sonnenschein oder Regenprasseln oder Wind oder Schnee (wie ihr seht, das Wetter ist nicht entscheidend).

Dann geht dieser Tag gemächlich weiter. Generell hat Lebensqualität für mich viel mit Zeit zu tun. Also eigentlich mit Zeiträumen, dem Zeithaben, dem Zeitnehmen. Ein lebensqualitativ hochwertiger Tag hat viel frische Luft – im übertragenen und eigentlichen Sinne. Luft im Sinne von Leere und Stille, gepaart mit schaffenden, kreativen Momenten. Und mit frischer Luft im Sinne von draußen sein.

Ein Tag, der die Lebensqualität steigert oder eben voller Lebensqualität ist, hat für mich auch mit den Menschen zu tun, mit denen ich mich umgebe und mit dem Essen, das ich meinem Körper gebe. Hochwertige – wertvolle – Gespräche, Lebensmittel, Worte und Einstellungen gehören da für mich dazu.

Lebensqualität hat andererseits kaum Momente des Vergleichens und Gestresstseins. Wenig bis gar keine Momente des Müssens, viel mehr des Dürfens und Auswählens. Lebensqualität heißt daher für mich auch Selbstbestimmung – über den Tag und mein Leben. Lebensqualität heißt innere Zufriedenheit und Fülle, genauso wie Dankbarkeit für das, was ist und Bereitschaft für die Veränderung. Lebensqualität. Was für ein Konzept!

Ein lebensqualitativ hochwertiger Tag endet langsam und entschleunigt. Er endet, wie er begonnen hat – natürlich und einfach. Er bleibt rückblickend warm und hell in Erinnerung, so ein Tag. Und solche Tage der Lebensqualität dürfen sich gerne aneinanderreihen. Sie dürfen gerne verweilen und sich zu Jahren der Lebensqualität, ja – zu einem Leben voller Qualität summieren.

Die Qualität, also die Beschaffenheit, meines Lebens. Darüber mache ich mir gerne Gedanken. Und noch lieber erschaffe ich mir ein von schöner Qualität beschaffenes Leben! Was für eine Freude, diese Gedanken- und Wortspielereien! Ein weiterer Punkt auf meiner Liste: Was das Leben qualitativ hochwertig macht.