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Dort, wo sie sich treffen

Wie nahe sie doch beieinander liegen, die zwei. Wie ähnlich sie sich auch sind, irgendwie. Und wie untrennbar sie zusammengehören.

Von wem ich spreche? Vom Ende und vom Anfang. Denn die zwei sind wirklich nur einen Moment voneinander entfernt. Sie unterscheiden sich im ersten Moment wie Tag und Nacht, haben aber doch einen starken gemeinsamen Nenner: Den Punkt, an dem sie sich treffen. Denn der ist jetzt. Und der ist am Ende des Endes und am Anfang des Anfangs.

Ich bin gerade jetzt, ja genau jetzt, in diesem Moment, an diesem Punkt, an dem sich Ende und Anfang treffen.

Ich habe heute einen großen Teil beendet und genauso beginnt heute ein anderer großer Teil. Ich habe meine Arbeit in der sicheren, planbaren, voraussehbaren und schönen Umgebung beendet. Und begebe mich in eine noch unsichere, noch wenig planbare, noch nicht voraussehbare und gewiss wunderschöne, neue Welt.

Und natürlich habe ich Ideen, Visionen und Pläne, was ich so tun und lassen möchte. Viele davon. Und sie haben die schönsten Farben und Muster, Formen und Konturen. Doch wissen, was kommt, tu ich es nicht, gar nicht. Aber das wissen wenige, wenn wir uns ganz ehrlich sind.

Dieser Punkt zwischen den Welten, zwischen Ende und Anfang, hat eine Magie. Er beherbergt große Dankbarkeit für das, was war. Viele Erinnerungen, Erfahrungen, Momente des Gewachsenseins und die Nähe zu Menschen, die in dieser Zeit wichtig waren. Und dieser Punkt trägt zudem die große Neugierde, die Zuversicht und das Vertrauen in sich, dass das, was kommt, gut sein wird. Er trägt auch Zweifel und Ängste in sich, das Gefühl des Abenteuers und des Lebendigseins. Für mich hat dieser Punkt, an dem ich gerade stehe, viel – ja sehr viel – mit Freiheit zu tun.

Ich bin so vollgefüllt mit Gefühlen, denn das Ende dessen, was war, tut gut und ist wichtig und war die richtige Entscheidung. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude und gleichzeitig bin ich ganz ruhig. Denn ich weiß, dass ich alle Zeit der Welt habe. Zumindest, bis der nächste Punkt kommt, an dem sie sich treffen – das Ende und der Anfang.

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Sommerliche Zeitreisen

Ich reise gerne. Am liebsten mit allen Sinnen und dorthin, wo es mir gefällt. Am liebsten an Orte, die mich erfreuen, mich berühren, mich an andere Orte erinnern (lustig, oder? Neues entdecken, um zu sehen, dass sie mich an Altes erinnern…)

Und ja. Reisen ist grad nicht so möglich, wie wir das kennen. Zumindest jetzt in diesem Moment nicht. Ich habe aber eine Reisemöglichkeit gefunden, die mich in den letzten Wochen sehr glücklich gemacht hat: Die Zeitreise in meine eigene Kindheit.

Wie ich das mache? Ganz einfach: Ich erinnere mich an die schönen Dinge in meiner Kindheit und versuche sie zu rekonstruieren. Das mache ich meist unbewusst, denn ich bin draufgekommen, dass das beste und direkteste Ticket in die Kindheit meine Sinne sind. Also in meinem Fall im Moment besonders mein Geruchs- und mein Tastsinn. Es ist also eher umgekehrt, dass ich etwas empfinde und es dann in Gedanken fasse. Hier meine kleine, ausgewählte Sammlung:

Es gibt im Keller einen Kasten, der riecht für mich nach Kindheit. Wenn ich ihn öffne, strömt nicht nur der süßlich-leichte Duft von Kerzenwachs, alten Bildern und Waschmittel meiner Oma heraus – vielmehr sehe ich mich als Kind vorm inneren Auge dort im Keller herumkramen, an heißen Sommertagen nach “Saftpackerl” zu suchen und damit dann schnell wieder raus in die Sonne auf der Mauer sitzend die Erfrischung mit dem viel zu kleinen Strohhalm zu schlürfen.

Keller haben grundsätzlich diesen Kindheitsreiseeffekt für mich – besonders an heißen Sommertagen riecht es im Keller für mich nicht (nur) nach feuchten Wänden, dem kühlen Boden oder den gelagerten hunderttausend anderen Sachen – nein, es riecht nach den Mini-Magnums, die wir dort in der Gefriertruhe (! Truhe!) hatten und die an Sommertagen eines unserer Grundnahrungsmittel darstellten.

Weiter gehts auch in diesem Szenario, wenn ich barfuß bin – denn dann spüre ich den kalten Beton des Kellers, beim Hinausgehen das kratzige Gitter, das die Garage vom Parkplatz trennt und draußen die von den Sommersonne aufgewärmten Steinplatten, die immer noch an der gleichen Stelle wackeln, an der sie es immer getan haben. Wenn ich im Garten bin und das leicht nasse Gras unter meinen Füßen spüre, mit den abgekühlten Zehen dann über den warmen Parkplatz zur viel zu heißen Straße gehe, kommen sofort wieder die Bilder und Gefühle der ewig lange scheinenden Sommerferien als Kind in meinen Sinn. Das Rollerfahren und dabei immer wieder die Zehen am gleichen Fleck aufschlagen, das Sitzen am warmen Asphalt und dabei Straßenmalkreiden malen. Das unbeschwerte, warme, fröhliche Gefühl vom alle Zeit der Welt haben. Wie sehr ich es genieße, dorthin zu reisen!

Ein Kindheitsreisemoment ist auch, wenn ich bei leichtem Regen im aufgewärmten Pool schwimme – mein Körper eingehüllt vom warmen Nass, mein Kopf draußen und von leichten Regentröpfchen abgekühlt. Wenn ich dann meine Taucherinnenbrille ins kleine Häuschen zurückbringe und den Duft dort schnuppere, katapultiert es mich in Sekundenschnelle zur Sommerhütte meiner Nachbarn, in der wir uns als Kinder immer umgezogen, unsere nach Plastik riechenden Luftmatratzen und die bereits hundertfach verwendeten nassen Handtücher gelagert haben.

Ich werde auch weiterhin an diesen warmen sommerlichen Tagen einige Tickets in meine eigene Vergangenheit lösen – denn ich liebe den Gedanken daran, dass ich zumindest für einige wenige Sekunden wieder dorthin reisen kann. Ich hatte eine wahrhaft schöne, erfüllte und unbeschwerte Kindheit. Und dahin reise ich immer wieder gerne zurück…

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Kuchenküche

Nach der Freundesfreude geht es weiter mit der lustigen Alliterationsreihe. Wer sich fragt, was das heißt, der frage fremde Freunde oder wortgewandte Wörterbuchwichte.

Mein heutiger Text handelt von der sogenannten “Kuchenküche”. Was diese ist und was sie so besonders macht, das möchte ich euch gerne verraten.

Für mich war Kuchenbacken immer eine Sache, die sorgfältig geplant und vorbereitet, genau dosiert und exakt durchgeführt werden musste. Es brauchte viele Zutaten, komplizierte Rezepte, einen ganzen Nachmittag Zeit und noch dazu eine Portion Glück, damit das Ergebnis hoffentlich was werden würde. Und dadurch, dass das ganze Prozedere so umständlich war, habe ich ganz selten etwas gebacken.

Das hat sich schlagartig geändert, als ich meine Ernährung umgestellt und es plötzlich nicht mehr so viele kaufbare Süßigkeiten für mich gab. Als ich meinen Koch- und Backhorizont erweitert, mich aus der 0815-Küchen-Ausstattung hinausgewagt und meine Kreativität auch in der Küche einziehen hab lassen. Denn dann habe ich gelernt, dass es viele Wege gibt, um zum süßen Ziel zu kommen. Dass es oftmals nicht um die Höhe oder Form des Kuchens, sondern um dessen innere Werte geht. Dass weißes Mehl und weißer Zucker zwar bekannt, aber einfach auch fad sind. Dass es nicht alle Zutaten des Rezepts braucht, sondern vielmehr bunte Möglichkeiten, diese anders zu gestalten.

Und wie ich euch jetzt die Kuchenküche erkläre? Ganz einfach: Ich hab immer die Zutaten für irgendeinen Kuchen daheim. Und das, liebe Leute, ist wieder mal mehr als eine Rezeptidee: Es ist ein gar lebenstauglicher Ansatz, den ich hier verfolge!

Wenn die vorhandenen Zutaten für das eine und einzige Rezept nicht passen, dann kann man einfach das Rezept ändern! Denn aus den Ressourcen zu schöpfen ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch kreativer, wertschätzender und lustiger, als das eine Rezept (= den ein und einzigen Weg) auf Biegen und Brechen zu verfolgen. Das Ziel kann zwar anders werden, aber der Weg dorthin ist einfach selbstbestimmter, aufregender und lebendiger.

Tja. Und so bin ich sehr dankbar für diese Kuchenküche, die immer irgendetwas für mich bereithält. Denn meist entsteht daraus ein wahrhaft wohlschmeckender Kuchen, der viel Liebe und Kreativität enthält.

… und diese Weite und Fülle der Kuchenküche lässt sich ins Leben weit weg von Herd und Ofen übertragen, denkt mal drüber nach …

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Freundesfreude

Ich hatte dieses Gefühl gestern so stark wieder mal, dass ich sogar ein Wort dafür erfunden habe. Die Freundesfreude. Laut Pampelmuse-Duden besagt diese “(…) eine immense Freude über die Freund*innen und deren Anwesenheit, deren Sein und Wesen und die tiefe Verbundenheit mit ihnen” (2020, S.44).

Denn gestern war so ein Tag, an dem ich diese Dankbarkeit, diese Verbundenheit, diese Gemeinschaft, dieses Miteinander, diese (Nicht-)Selbstverständlichkeit, diese Wellenlänge, diese Herzensnähe, diese Leichtigkeit, diese Innigkeit, diese Liebe wieder einmal so stark spüren durfte, dass es mich einfach überwältigt hat.

Freundesfreude, oder in meinem Fall Freundinnenfreude – doch ich muss zugeben, dass hier doch die männliche Form aufgrund des Wortrhythmus besser klingt – ist so etwas Wunderbares. Etwas so Kostbares und etwas so Heilsames. (Heilsam ist eine meiner neuen Lieblingsbeschreibungen für Dinge/Gefühle, die so gesund sind für den Geist und die Seele und erfrischend fürs Gemüt und wohltuend für die Stimmung. Damit ihr Bescheid wisst, was ich damit meine.)

Freundesfreude äußert sich bei mir meist dadurch, dass ich es mich fast zerreißt vor lauter Freude, wenn ich meine Freundinnen beobachte bei dem, was sie tun oder wenn ich gemeinsam mit ihnen lache, Blödsinn mache, tiefe Gespräche führe oder sie mich mit ihren Gesten berühren. Dann weine ich meist ein bisschen (oder ein bisschen mehr) und dann sag ich es ihnen, dass ich sie und uns so glass finde und dass ich mich so freue, sie zu haben.

Das ist sie also, die Freundesfreude. Kurz und auf den Punkt gebracht.

Ich wünsch euch allen solche Menschen, bei denen ihr euch auch so fühlen könnt!

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Probleme später ausbaden

Wir gehen. Da ist ein wunderschöner See. Das Wasser kristallklar, die Wanderung schon lange und der Wille, in den See zu gehen, ist auch irgendwie da. Irgendwie. Wären da nicht das Pflichtbewusstsein und die Konsequenzen, die nassen Sachen und der Tagesplan.

Denn wenn wir jetzt ins Wasser gehen, dann müssen wir die nassen Badesachen tragen. Und so warm ist es eigentlich ja auch nicht. Und außerdem ist es vielleicht später gescheiter und kalt wird uns danach auch sein… Viele solcher “erwachsener” Gedanken kommen uns in den Sinn. Bis wir plötzlich eine unserer Abenteuer-Regeln anwenden: Wenn es uns juckt, etwas zu tun, dann tun wir es. Denn es ist in den meisten Fällen besser (abenteuerlicher, lebendiger, aufregender,…) etwas zu tun, als es nicht zu tun. Und die Aussage des Tages, die mich dann ganz überzeugt: “Die Probleme verschieben wir auf später. Jetzt gehen wir erst mal schwimmen.”

Und, wie ihr euch denken könnt: Es war wunderbar! Das Wasser kristallklar, das Wetter genau richtig und das Gefühl, wild im See herumzuplantschen einfach unersetzbar. Die “Probleme”, die wir vorhergesagt haben, haben sich dann in Luft aufgelöst: Im Rucksack haben wir leicht einen Platz gefunden für all die nassen Sachen, das Wandergewand war danach noch viel feiner zum Anhaben und kalt war uns nach dem Schwimmen keinesfalls – eher sogar wärmer, vor allem ums Herz.

Diese Einstellung, dass die Probleme warten können, hat etwas sehr Kraftvolles, sehr Heilsames. Es erlaubt mir, im Moment das zu tun, was ich für diesen Moment richtig halte, ohne den Schwarzmalereien die gesamte Leinwand zu überlassen. Es befreit mich von den Sorgen, die wir uns sowieso immer zu viel machen und zeigt mir auch, dass sich viele dieser Zweifel und Probleme im Kopf eh nicht bewahrheiten. Die Probleme auf später zu verschieben, verschafft mir auch einen ordentlichen Spielraum, den ich plötzlich freier nutzen kann. Es gibt mir etwas mehr Zeit und vielleicht sogar Abstand zur Situation, was nur von Vorteil sein kann.

Ein Sprung ins kalte Nass und schon wieder mal so eine Erkenntnis! Sogar gleich zwei sehr lebenstaugliche Erkenntnisse:

  1. Probleme und Sorgen können (und dürfen!) auf später verschoben werden
  2. Machen ist abenteuerlicher als könnte, sollte, hätte.

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Der Garten der anderen

Oh, die Tomaten! Wie rot sie leuchten! Wie wunderbar sie wachsen, wie schön sie da hängen. Wie stark und gesund sie aussehen, wie prächtig sie sich entwickeln! Oh, diese Tomaten! Selten hab ich so schöne Tomaten gesehen … wie die im Garten nebenan. 

Und was diese rötesten Tomaten im Garten der anderen mit unseren Zweifeln, dem ständigen Vergleichen und einem Stich ins Selbstliebeherz zu tun haben, erzähl ich euch jetzt.

Während ich meinen Garten pflege, auf ihn Acht gebe und ihm die meiste Liebe geben kann, die mir nur möglich ist, bin ich so dankbar. Dankbar dafür, dass die Pflanzen so gut wachsen, dass die ersten Früchte bereits zu ernten sind und dass ganz viele neue Früchtchen nachkommen. Ich freue mich über jeden neuen Trieb, jedes Blatt, jede Minute, die ich im Garten verbringe. Ich bin ganz da, ganz präsent, ganz nah an mir und meinen Pflänzlein. Bin mit mir im Reinen, bin ganz bei der Sache. Ich verschwende keinen einzigen Gedanken daran, dass es wo anders vielleicht besser sein könnte.

Und dann gehe ich spazieren oder fahre mit dem Rad und sehe sie – die prächtigen Bäume, die hochrankenden Pflanzen, die leuchtend blühenden Blumen… im Garten der anderen. Und anstatt mich dessen zu erfreuen, bin ich kurz betrübt und verunsichert: Warum wachsen die Blumen bei uns nicht so hoch? Warum sind die Tomaten hier viel größer und roter? Warum scheint hier keine Schnecke, keine Ameise und kein Tierchen das Glück der Pflanzen zu gefährden?

Und ich merke: Ich zweifle. Ich fühle mich unsicher und nicht gerade glücklich darüber. 

Wenn ich beginne, den Garten der anderen mit meinem zu vergleichen, dann mache ich Folgendes: Ich sehe nur das Außen, sehe das Dahinter aber nicht. Weder die Arbeit, noch die Zeit oder Mühe, die hier hineingesteckt wurde. Ich weiß weder, wie lange die Pflanzen hier schon wachsen, noch sehe ich, welcher Dünger oder welche Mittel zum Einsatz gekommen sind. Ich kenne den Boden nicht, auf dem die Pflanzen gedeihen, kenne die Sonneneinstrahlung oder die Insektendichte dieses Stücks Erde nicht. Sehr botanisch? Hat wenig Lebensrelevanz, was ich hier schreibe?

Na, dann hört mal her:

Dieses Vergleichen, das ich mache, wenn ich andere Gärten bewundere, trägt nicht zu meiner guten Stimmung bei. Ich könnte mich daran freuen, aber stattdessen bin ich erzürnt und enttäuscht, warum es bei mir vielleicht im Moment nicht so gut läuft (oder wächst, in diesem Fall). Ich glaube, die Situation aufgrund meiner kurzen und nicht sehr tiefgehenden Beobachtung einschätzen und bewerten zu können. Ich vergleiche Äpfel mit Birnen. Denn der Garten der Nachbarn ist nicht mein Garten.

Und wenn wir jetzt – Achtung, wir lehnen uns jetzt weit aus dem Fenster – den Garten mit all möglichen Attributen der anderen austauschen, zum Beispiel der Karriere, der Wohnung, dem Auto, der Figur, dem Gewand, der Nase, der Beziehung etc., dann sollte spätestens jetzt klar sein, dass mein Vergleich von den rötesten Tomaten und dem wunderbarsten Garten wohl auch eine Metapher für unser ständiges Vergleichen mit anderen ist.

Wir wissen nicht, was die anderen warum tun (müssen). Wir kennen oft oft oft weder die Geschichte davor, noch die Geschichte danach. Wir machen uns durch das, was die anderen haben, tun und sind, selbst kleiner, weil das in unserem Kopf leichter scheint, als einfach zu beobachten. Anstatt uns daran zu erfreuen, dass in anderen Gärten die Pflanzen auch schön wachsen, suchen wir den Fehler und vergleichen unseren “Garten” mit dem der anderen.

Ich nehm mir ganz fest vor, den Garten der anderen als Garten der anderen zu sehen. Ihn vielleicht sogar genießen zu können. Und falls ich noch nicht so weit bin, dann erinnere ich mich an meinen Garten. Denn dort find ichs immer schön. 

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Rein pflanzliche Metapher

In der Pflanzenwelt gibt es einen Ausdruck und einen Zustand, der schon wieder mal so so gut übertragbar ins Leben ist, dass ich gar nicht an ihm vorbeikomme.

Der Begriff heißt “root-bound” und übersetzt könnte er werden mit “wurzelgebunden” – eigentlich bedeutet er, dass eine Pflanze keinen Platz mehr in ihrem Topf hat, weil ihre Wurzeln zu groß für diesen sind.

Sehen kann man das daran – und hier der botanische Zugang – dass die Wurzeln vielleicht sogar schon über die Erde herauskommen. Wenn man die Pflanze aus dem Topf hebt, hat sich da schon ein Netz aus Wurzeln gebildet (das die Form des Topfs hat). Was man tun kann, ist, diese Pflanze schleunigst in einen größeren Topf zu übersiedeln. Davor noch die vorgeformten Wurzeln lösen und ihnen etwas Platz geben und dann ab in frische, neue Erde.

Wenn eine Pflanze also über sich hinauswachsen will, das aber nicht kann, weil der Topf zu klein ist, dann passiert Folgendes: Sie überlebt, aber vegetiert mehr vor sich hin. Lasst euch nicht täuschen – sie kann sogar recht gesund und hübsch aussehen. Aber wachsen, das tut sie nicht mehr. Sie produziert keine neuen Blätter, macht keine Blüten und mag eigentlich auch nicht mehr wirklich weitertun. Sie hat einfach keinen Platz mehr in ihrem Topf.

Und was hat das jetzt mit dem Leben zu tun? Na, gibts schon irgendwelche Mutmaßungen?

Als ich bei einer meiner Pflanzen-Fortbildungssessions von dieser root-boundness gehört habe, kam bei mir sofort diese wunderbare Lebensmetapher in den Sinn: Wir leben in einem System/Alltag/Leben, der diesem Topf gleicht. Er ist zwar groß, aber vielleicht einfach oftmals nicht groß genug. Und unsere Wurzeln (die unsere Gedanken, Ideen, Visionen – ja sogar unsere Lebensgestaltung sein könnten) passen sich diesem Topf an. Sie gehen nur an dessen Grenze, doch können nicht darüber hinaus. Wollen tun sie das vielleicht schon, aber sie schaffen es einfach nicht.

Und so machen und leben wir weiter, weil über-leben tun wir ja. Aber unsere Wurzeln, die haben eigentlich irgendwann keinen Platz mehr. Und wir wachsen auch nicht wirklich weiter, bilden keine neuen Blätter (Verwirklichungen, Herzensprojekte,…) und meinen noch, dass das alles gewesen sei.

Wenn wir uns aber aus diesem Topf heraustrauen, unseren Wurzeln ein bisschen Freiheit geben und uns nach einem größeren und passenderen Topf (oder ganz wild: einem großen Garten!) umschauen, kann das zu vielen schönen Dingen führen: Wir haben wieder Platz für neue Ideen, wir können uns ausbreiten, endlich wieder genügend Nahrung (in diesem Fall eher geistige…) aufnehmen und vielleicht kann dieses Platzmachen sogar Früchte tragen.

Denn erst, wenn wir diesen zu kleinen Topf verlassen, geben wir unseren Wurzeln ein bisschen mehr Raum und können diese in die unterschiedlichsten Richtungen ausstrecken. Und das ist der Moment, in dem wir (über uns selbst hinaus) wachsen.

Pflanzenmetaphern. Was für eine wunderbare Sache!

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Gar nicht so selbstverständlich

Ich habe über ein Wort nachgedacht. Eines, das wir ganz selbstverständlich verwenden und eines, das gar nicht so selbstverständlich ist. Das Wort, von dem ich schreibe, ist selbstverständlich “selbstverständlich”.

Ich habe fünf Hypothesen aufgestellt, die ich euch selbstverständlich präsentieren möchte!

Hypothese 1: Selbstverständlich ist gar nicht so selbst-verständlich.

Das Wort an sich sagt im Prinzip ja schon, dass es selbst verständlich ist. Also sich selbst erklärt, ohne erklärt werden zu müssen. Denn es wird einfach verstanden, aus sich selbst. Angeblich. Denn ist es wirklich so selbstverständlich, dieses Wort? Kann man es einfach so verstehen? Und was meint es denn eigentlich, dieses selbstverständlich?

Ich (und ich nehme an, auch einige mehr von uns) verwenden dieses Wort des Öfteren. Und habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Habt ihr es bisher eh immer verstanden oder ist dieser Gedanke auch neu für euch?

Hypothese 2: Ist und (noch schlimmer wird) etwas zu selbstverständlich, wirds gefährlich.

Etwas wird selbstverständlich? Das ist ein etwas gefährliches Pflaster. Denn wenn es selbstverständlich ist, ja vielleicht sogar zu selbstverständlich – kann es dann noch als besonders oder wertvoll eingestuft werden? Dass wir atmen ist selbst-verständlich. Sonst wären wir nicht mehr hier. Dass wir lieben und geliebt werden, ist auch selbstverständlich? Eigentlich ja schön. Eigentlich. Denn wenns zu selbst-verständlich wird, dann kann das dazu führen, dass es weder reflektiert, noch dankbar angenommen wird. Denn auch, wenn ich es jeder und jedem wünsche, selbst-verständlich liebevolle Beziehungen zu führen und zu haben, glaub ich, dass eine Verselbstverständlichung eher zum Abflauen einer Beziehung beiträgt, als zu ihrem Gegenteil.

Hypothese 3: Wenns weg ist, dann ists auf einmal nicht mehr selbstverständlich.

Klingt kompliziert? Wie wärs mit dem Beispiel: Wir merken oft, wenn etwas weg ist, dass es bis zu diesem Moment selbstverständlich war. Zum Beispiel die Gesundheit. Ich hab mir vor ein paar Tagen beim Nacken etwas verrissen und bis dahin war es für mich vollkommen selbstverständlich, dass ich mich frei und vor allem schmerzfrei bewegen kann. Und dann eine so vergleichbar minikleine Sache – und BUMM – die Selbstverständlichkeit ist verflogen. Und mit jedem Tag der Besserung stellte sich bei mir auch mehr Dankbarkeit ein, dass dieses Warnsignal vom Körper nur kurz vorgekommen ist. Vergleichbar ist diese Situation auch mit Liebeskummer oder dem banalen Beispiel, dass wir im Urlaub plötzlich das Wasser aus der Leitung nicht mehr einfach so trinken können.

Hypothese 4: Immer alles nicht selbstverständlich nehmen, ist auch nicht die Lösung.

Wenn ich jeden Moment, jeden Schritt, jeden Schluck Wasser, jeden Atemzug und jede Begegnung mit jedem Menschen immer als nicht selbstverständlich einstufe, dann wirds etwas kompliziert. Und vor allem anstrengend. Manche Sachen dürfen gerne automatisiert sein. Aber vielleicht immer mit einer Prise Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und dem Bewusstsein, dass es auch anders sein könnte. Also: Immer wieder mal innehalten und mehr Dinge (Menschen, Situationen,…) weniger selbstverständlich sehen.

Hypothese 5: Wenn man über ein Wort ganz viel nachdenkt, ist es plötzlich nicht mehr so selbst-verständlich…

Gibt es von euch Hypothesen, die (nicht) selbstverständlich sind? Teilt sie gerne mit mir! Denn ich kann selbstverständlich nicht an alles denken! Ich freue mich!

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Dem Widerstand widerstehen

Manchmal da ist alles dicht. Die Luft und die Stimmung, die Nerven und scheinbar alle anderen um mich herum auch. Und nicht nur das: Auch der Widerstand scheint größer zu sein, als normalerweise.

Wer viel mit Kindern zu tun hat, weiß, dass es solche Moment zuhauf gibt. Denn nicht immer ist das Warten lustig oder das Anziehen toll und das Leisesein sowieso schon gar nicht irgendwie erstrebenswert. Und nicht immer ist es leicht, mit diesen Schwallen von unterschiedlichen Stimmungen, momentanen Bedürfnissen und Trotzphasen umzugehen.

ABER und jetzt kommt die große Wende zum positiven Teil dieser Geschichte: Ich hab es geschafft, dem Widerstand zu widerstehen. Hab nicht versucht, mich dagegenzustellen, mich größer zu machen oder einfach Nein zu sagen, um Nein zu sagen. Ich hab kurz überlegt, mein Erwartungs-Ich zurückgenommen und hab mich treiben lassen – von der Stimmung und dem, was momentan da war.

Und, was soll ich sagen: Der Stress war weg, der Widerstand hat sich zu einer wohlgeformten Gemeinsamheit entwickelt und dazu kam die ausgelassene Freude, weil etwas passierte, das wir alle davor nicht erwartet hätten.

(Falls ihr euch fragt: Wir haben gestampft und getanzt, sind gehüpft und als Hexen, Marienkäfer, Mini-Geister und Schnecken durch den Raum geflogen, sind gelaufen und gesaust und haben uns unter Tüchern versteckt. Was man eben so macht, um dem Widerstand zu widerstehen.)

Einmal hab ich einen Spruch gelesen und ihn mir dann gleich ins Klo gehängt, damit ich ihn immer immer immer wieder sehe:

“Im Leben entsteht Stress dadurch, dass du dich dem widersetzt, was gerade geschieht.”

Hu. So ist es wohl.

Denn Widerstand erzeugt Widerstand. Oft ist dieser auch ganz wichtig (ganz, ganz wichtig! Widersteht ihm ja nicht zu oft! Zivilcourage und so). Aber wenns um weise kleine Wesen geht, dann hilft der Widerstand oft nicht und mehr Freude macht Herumspringen obendrein!

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Vom Ratschlag mit T.

Dies ist ein Text übers Wissen.
Übers immer-besser-wissen-Müssen.
Übers Ratschlagen mit T anstatt mit D,
übers Antworten statt Zuhören, oje oje.

Dies ist ein Text übers miteinander Reden,
übers sich durch Worte über den anderen Erheben.
Übers Glauben und Meinen und nicht genau Wissen,
übers gute Meinen und übers schlechte Gewissen.

Dies ist ein Text, der dir vielleicht zusagt,
einer, bei dem du dich vielleicht fragst,
worum es denn geht und was ich denn meine,
wenn ich vom Ratschlag schreib, dem ohne Beine.

Wenn ich es dir erzähle, dann wirst du verstehen,
es geht darum, die Geschichte der und des anderen zu sehen.
Es geht darum, sich zuzuhören,
anstatt immer gleich auf dies oder das zu schwören.

Wir wollen gehört werden und gesehen,
wir wollen, dass die anderen uns verstehen.
Und ein Ratschlag ist schön und kann oft hilfreich sein,
aber im Moment des Klagens und Beschwerens passt er oft nicht ganz hinein.
Dann kommt ein Gefühl von “Ich sollte anders denken, tun und sein”,
anstatt eines wohltuenden “es ist grad schwer und das ist gemein”

Denn oft ist es leichter, gleich was zu sagen,
anstatt sich selbst ganz ehrlich zu fragen:
Was denn los ist beim Menschen gegenüber,
warum sind die Gedanken und Gefühle drunter und drüber?

Denn oft meinen wir durch Antworten zu helfen und zu unterstützen,
anstatt einfach mal ruhig dazusitzen.
Wir sagen etwas und gut gemeint ist nicht immer nur gut,
und das Gegenüber verlässt vielleicht noch schneller der Mut.

Ein “ich hör dich und seh, dass dir das wehtut”
ist mindestens genauso gut,
wie hundert Ideen, es anders zu machen
oder das Positive zu sehen und darüber zu lachen.

Denn das geht manchmal einfach (noch) nicht und muss auch nicht sein,
vor allem mit gutgemeinten Ratschlägen, die gehen oft schneller raus als rein.

Ratschläge und Worte zur Aufmunterung sind menschlich und wichtig,
aber der Moment ist leider ganz oft nicht ganz richtig.

Und wenn du dich jetzt ganz geheim und alleine fragst,
ob das, was du oft zu anderen sagst,
nicht vielleicht eher für dich als für die anderen ist,
dann hab ich viel erreicht, mit meiner Geschicht.

In Reimform geschrieben,
einem Gedicht sehr nah –
und das, was ich sagen will,
ist hoffentlich klar.

Denn dies ist ein Text über uns und dich und mich,
und vielleicht erinnerst du dich
dass man oft vergisst,
dass Zuhören alleine schon so, so, so wichtig ist.