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Die Essenz meiner Leidenschaften

Ich habe eine Leidenschaft. Und so lange ich mich erinnern kann, habe ich sie. Immer schon haben mich Geschichten in ihren Bann gezogen, Bilder in die Situation eintauchen lassen und die Atmosphäre rundherum glücklich gemacht.

Kinderbücher. Bilderbücher. Bücher für Kinder. (Und Bücher, die zwar nicht offiziell, aber inoffizell höchstoffiziell für Erwachsene sind!) Bücher, die in wenigen Worten das ausdrücken, wofür manche ihr ganze Leben brauchen, es zu verstehen. Bücher, die in ihrer Einfachheit, ihrer Klarheit, ihrem Witz und ihrer fantastischen Weltenerschaffungsfähigkeit so viel transportieren.

Ich bin bei Kinderbüchern aber sehr anspruchsvoll, versteht mich nicht falsch. Ich mag nicht jedes kunterbunt illustrierte mit unzähligen Wörtern gefüllte Buch. Ich bin da sehr eigen. Am besten gefallen mir die etwas schrägen Erzählweisen, die verdichteten Geschichten, die Bilder, die ganz gezielt gesetzt sind und einen gewissen Witz haben. Am liebsten mag ich es, wenn ich als Erwachsene schmunzle und das Kind in mir in den Bann der Geschichte und der Aufmachung gezogen wird.

Fast bei jeder Reise, bei jedem Besuch in der Stadt suche ich einen Buchladen auf und halte mich dort quasi ausschließlich im Kinderbuchbereich auf. Dort schmökere ich, lasse mich in die Welten entführen und bin fasziniert von so manchen künstlerischen Hochleistungen – schriftlich und grafisch. Ich habe auch schon eine beachtliche Sammlung an Kinderbüchern zuhause – Bücher, die ich schon als Kind gelesen habe, Bücher, die ich in unterschiedlichsten Teilen der Welt gekauft habe, Bücher in unterschiedlichsten Sprachen, Formen, Farben und Themen.

Und so komme ich vor kurzer Zeit – nach langer Zeit – drauf, dass Kinderbücher das sind, was meine größten Leidenschaften zusammenbringt – Kinderbücher sind die Essenz meiner Leidenschaften.

Ich liebe es, wenn Dinge schön anzuschauen sind, die Formen und Farben wie ein Gedicht ineinandergreifen. Oder sie sich aber so widersprechen, dass das Gesamtkonzept wiederum als Ganzes ästhetisch – also mit den Sinnen erlebbar – ist.

Wenn Geschichten Humor haben und dabei tief, richtig tief gehen dürfen. Ich liebe es, über skurrile Themen und Probleme, über die Schönheit und Unverständlichkeit der Welt nachzudenken. Und ich liebe es auch, Lösungen zu finden und Hintergründe zu verstehen oder verständlich zu machen.

Ich liebe es, mich pädagogisch wertvoll auszutauschen und zu visionieren, wie eine Welt, in der Kinder wirklich mitbestimmen, aussehen könnte. Ich liebe Wörter und alles, was man damit machen kann.

Dann sollte ich Kinderbücher schreiben, sagt ihr? Ich wäre sogar wahrscheinlich richtig gut darin? Ja? Na wisst ihr was? Ich bin schon dabei! Und das zu tun, ist die größte Freude, die ich mir wünschen kann.

Ihr werdet zu den Ersten gehören, die erfahren, wenn das Buch (die Bücher!) da ist! Versprochen!

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Dem Widerstand widerstehen

Manchmal da ist alles dicht. Die Luft und die Stimmung, die Nerven und scheinbar alle anderen um mich herum auch. Und nicht nur das: Auch der Widerstand scheint größer zu sein, als normalerweise.

Wer viel mit Kindern zu tun hat, weiß, dass es solche Moment zuhauf gibt. Denn nicht immer ist das Warten lustig oder das Anziehen toll und das Leisesein sowieso schon gar nicht irgendwie erstrebenswert. Und nicht immer ist es leicht, mit diesen Schwallen von unterschiedlichen Stimmungen, momentanen Bedürfnissen und Trotzphasen umzugehen.

ABER und jetzt kommt die große Wende zum positiven Teil dieser Geschichte: Ich hab es geschafft, dem Widerstand zu widerstehen. Hab nicht versucht, mich dagegenzustellen, mich größer zu machen oder einfach Nein zu sagen, um Nein zu sagen. Ich hab kurz überlegt, mein Erwartungs-Ich zurückgenommen und hab mich treiben lassen – von der Stimmung und dem, was momentan da war.

Und, was soll ich sagen: Der Stress war weg, der Widerstand hat sich zu einer wohlgeformten Gemeinsamheit entwickelt und dazu kam die ausgelassene Freude, weil etwas passierte, das wir alle davor nicht erwartet hätten.

(Falls ihr euch fragt: Wir haben gestampft und getanzt, sind gehüpft und als Hexen, Marienkäfer, Mini-Geister und Schnecken durch den Raum geflogen, sind gelaufen und gesaust und haben uns unter Tüchern versteckt. Was man eben so macht, um dem Widerstand zu widerstehen.)

Einmal hab ich einen Spruch gelesen und ihn mir dann gleich ins Klo gehängt, damit ich ihn immer immer immer wieder sehe:

„Im Leben entsteht Stress dadurch, dass du dich dem widersetzt, was gerade geschieht.“

Hu. So ist es wohl.

Denn Widerstand erzeugt Widerstand. Oft ist dieser auch ganz wichtig (ganz, ganz wichtig! Widersteht ihm ja nicht zu oft! Zivilcourage und so). Aber wenns um weise kleine Wesen geht, dann hilft der Widerstand oft nicht und mehr Freude macht Herumspringen obendrein!

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Meine Lehrmeisterin, die Karotte

Lernen. Das hab ich immer schon gern gemacht. In der Schule und daheim, am Morgen und am Abend. Ich war eine von denen, die die Zusatzaufgaben immer gemacht haben – nicht unbedingt, weil es darauf ein Plus gab, sondern einfach, weil ich es mochte, seitenweise Rechnungen, neue Wörter und Vokabel aufzuschreiben und zu lernen. Weil ich das Gefühl mochte und immer noch so gerne mag, wenn sich was tut in meinem Kopf. Immer noch liebe ich es, Umfragen auszufüllen oder etwas zu lesen und danach Fragen zu beantworten. Ja, ich bin eine von denen.

Und so hab ich meine Aufgaben immer schön gemacht, hatte sogar Freude dabei und dann bin ich im Leben angekommen und merke, dass es nicht mehr viele solcher Schul-/Universitäts-/Prüfungssituationen gibt. Wie oft gibt es eine und nur eine Antwort? Bei der Millionenshow? Ja, da schon. Komm ich aber auch selten in die Mitte. Im Beruf? Eine Antwort und die anderen sind falsch? Auch da nicht wirklich. Im Alltag? Beim Kochen und Garteln? Oh, nein. Da gibt es hunderte von Herangehensweisen, hunderte Richtigs und ein paar „Beim-nächsten-Mal-werd-ichs-anders-machen“. Denn das ist es, dieses echte Lernen.

Diese Erkenntnis ist weder neu, noch unbekannt. Und ich glaub auch, dass sie jede und auch jeder von euch bereits erfahren hat.

Wie ihr bereits wisst, spielt sich mein Leben grad viel im Garten ab. Und wie beim letzten Text geschrieben, komm ich da immer wieder auf neue Sachen drauf. Und so kam auch die Idee zu diesem Text. Denn ich lerne gerade so viel, bin am Anfang und mitten drin in meiner Gartenlernreise. Und dieses Lernen ist ganz ein anderes, als das in der Schule (Uni,…). Ich probiere etwas Neues aus – in meinem Fall hab ich Karottensamen eingesetzt – und merke, dass ich zwar schon tausende von Karotten gekauft und gegessen habe, aber dass ich noch nie den Wachstumsprozess gesehen habe. Weder die Samen konnte ich zuordnen, noch konnte ich die Tatsache voraussagen, dass aus vielen, vielen Samen viele, viele Pflänzchen werden. Und so hab ich munter Samenkörner in die Erde gestreut, um dann ein paar Wochen später zu sehen, dass sie alle zu wachsen begonnen hatten.

Und was ich dann beim stundenlangen Auseinandersetzen und Platzmachen für jedes einzelne Karöttchen auch noch gelernt habe, ist, dass ich das beim nächsten Mal wohl anders machen werde. Weil es sicher andere (weniger zeitintensive) Wege gibt, um zum Ziel zu kommen. Und dieses Lernen ist so vielschichtig, so tiefgehend, ich sags euch.

Seit ich mich so intensiv mit unserem Garten befasse, möchte ich auch alles darüber wissen. Es reicht mir nicht, eine Sache zu tun und sie dann so zu belassen. Ich möchte wissen, warum die ersten Blätter bei einer Karottenpflanze anders ausschauen, als die anderen. Ich möchte wissen, welche Pflanzen sich gegenseitig rundherum helfen können. Ich möchte wissen, wann und wie viel und warum und wo einzelne Pflanzen gut wachsen. Und dann lese ich darüber, schaue mir Videos dazu an, frage Menschen, die es wissen könnten, probiere aus, warte und lerne dabei.

Dieses echte Lernen, dieses Lebenslernen, ist so belohnend. Ich weiß nicht, wie ich dieses Wort anders ausdrücken könnte. Der Lohn dafür ist nämlich weder ein Lob (noch ein Sternderl oder Pickerl oder Plus…) von jemandem, sondern es ist dieses tiefe innere Wohlgefühl, etwas für mich, für meine und die große Welt, getan zu haben. Und dieses praktische und theoretische, dieses Hand-Herz-Kopf-Lernen, dieses learning-by-doing, dieses aus-Fehlern-Lernen, dieses Prozess-statt-Produktorientiertierung, dieses sinnvolle, sinnhafte und sinnliche Lernen, das ist für mich das Lebenslernen.

Das hat mir meine Lehrmeisterin, die Karotte, in den letzten Wochen ausführlich und eingehend gezeigt. Und ich kanns kaum erwarten, bis ich wieder etwas Neues lernen kann. Bis ich wieder auf etwas draufkomme, wieder sehe, dass etwas so oder so (nicht) funktioniert und bis ich ein nächstes Mal freudestrahlend sagen kann: Das hab ich vorher noch nicht gewusst!

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Das Klebeband

Diese Geschichte ist eine von denen, die ganz einfach sind. Ganz einfach und zugleich ganz tiefgehend, inspirierend und schön. Zugetragen hat sie sich gestern. Und was passiert ist, das möchte ich gerne mit euch teilen.

Ich arbeite mit ganz jungen Kindern und habe jeden Tag die Möglichkeit, sie in ihrem Spiel, ihrem Probieren, ihrem Erkunden und Lernen zu begleiten. Bereits seit einiger Zeit beobachte ich, dass Kleben etwas ist, das sie fasziniert. Dabei geht es wirklich rein um die Sache an sich: Den Kleber öffnen, daran riechen, die klebrige Spur auf dem Papier hinterlassen, den Kleber über das Papier gleiten lassen und draufkommen, dass etwas damit passiert.

Gestern habe ich dieses Interesse dann aufgeschnappt, ganz spontan, ohne viel Tamtam. Habe einen Tisch hergerichtet, ihn Klebetisch genannt und ihn mit Klebebändern und Klebestiften ausgestattet. Dann habe ich gewartet. Nicht lange hat es gedauert, bis ein reges Treiben rund um diesen Tisch entstand. Besonders zwei Kinder waren intensivst am Arbeiten. Dabei wurden Klebebänder ausgerollt, über den Tisch gespannt, rund um Sesselbeine gewickelt. Die glatte Oberfläche des Klebebandes wurde abgetastet, die Tatsache, dass es auch an einem selbst hängenbleiben kann, als erschreckend bewertet. Es wurde gemeinsam gearbeitet und alleine in Stille und vollster Konzentration.

Wer mit so jungen Menschen zu tun hat, weiß, dass es kaum Beruhigenderes und gleichzeitig Inspirierenderes gibt, als Kinder, die tiefversunken spielen. Und so etwas durfte ich gestern beobachten: Eine Hingabe, ein Entdecken, ein Verstehenwollen. Ein Scheitern, ein Wiedermachen, ein über die Arbeit Reflektieren. Eine Liebe zum Detail, ein Forschergeist, eine Ausdauer.

Und das war sie auch schon. Meine Geschichte vom Klebeband. Eine Geschichte, die mich an die Grundlagen, die Einfachheit und zutiefste Wertschätzung den kleinen Dingen gegenüber erinnert. Weder viel Tamtam, noch viel Material hat sie gebraucht, diese Geschichte. Aber was bleibt, sind neue Erfahrungen, Eindrücke und die Inspiration, den Prozess, das Tun zu genießen, ohne auf das Produkt fokussiert zu sein. Einfach tun. Und wenn es das Spiel mit einem Klebeband ist.

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Nicht von schlechten Eltern

Ich muss euch sagen, ich bin so dankbar. Dankbar für etwas, das jede und jeder von uns hat – ohne das wir nicht hier wären. Eine Beziehung, die von Beginn an da ist und unser Dasein zumindest irgendwie und wahrscheinlich sogar irgendwie ziemlich stark bestimmt.

Ich spreche und schreibe von Eltern. In meinem Fall von meinen Eltern. Gerade hatte ich (wieder) mal ein Gespräch, in dem herausgekommen ist, dass es nicht, und zwar überhaupt nicht, selbstverständlich ist, Eltern zu haben, mit denen man sich versteht, die bedingungslos lieben und sogar, wenn wir erwachsen sind, einfach unterstützend da sind. Und deswegen fällt es mir noch bewusster auf, welch Glück ich habe.

Deshalb bin ich auch so unendlich dankbar. Wir wohnen im Haus meiner Eltern und daher sehen wir uns auch so gut wie jeden Tag. Manchmal teilen wir einen Minimoment, manchmal ein Abendessen und viele Gespräche. Ich genieße das sehr. Nicht nur, weil ich durch und durch ein Familienmensch bin, sondern auch, weil ich es so sehr schätze, wie meine Eltern sind und mit uns umgehen.

Natürlich gibt es Momente, die wir aushandeln müssen, in denen wir diskutieren und die unterschiedlichen Generationen ganz stark herauskommen. Aber das, was ich so sehr schätze, ist, dass meine Eltern – und zwar beide – zugeben und sich sogar darüber freuen, wie viel sie von uns Kindern lernen. Immer wieder. Was für eine Größe!

Heute hatten wir ein Gespräch über eine gemeinsame Reise, die wir planen. Und ich weiß, dass das wahrscheinlich eine Ausnahme ist – aber auch die kleinen, zarten Momente, die wir teilen, zeigen mir, welch Glück ich mit ihnen habe. Und ich lerne immer wieder, dass das absolut nicht selbstverständlich ist.

Dass wir gerne hier wohnen, unsere Ideen und unser Leben mit ihnen teilen, ist auch nicht selbstverständlich. Und ein großer Verdienst ihrer Erziehung, ihres Vertrauens, ihrer unendlichen Liebe und ihrer Offenheit, die wunderschön und sehr bemerkenswert ist.

Diese Eltern-Kind-Beziehung, die mich so stark geprägt hat, deren Abkapselung mir viel Kraft gekostet hat und deren Verständnis ich als erwachsene Frau jeden Tag mehr aufbaue, ist eine der wunderbarsten Dinge, die ich erfahren darf.

Und das, liebe Mama und lieber Papa, möchte ich euch auf diesem Weg sagen. Danke.

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Auszeichnung der Langsamkeit

Würde heute der Titel für die langsamste Langsamerin der Welt verliehen werden, würde ich mich nominieren. Ob ich ihn gewinnen würde, diesen Titel, das ist eine andere Frage.

Heute war nämlich mein Tag der Langsamkeit. Und nicht – wie ihr vielleicht annehmen könntet und was auch meinem Stil entsprechen könnte – gemütlich daheim oder langsam im Wald, in meiner Geburtstagshöhle oder beim Nichtstun. Nein! Heute war ich in meiner Arbeit in zwei Momenten besonders, besonders langsam.

Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass das eine gute Sache ist. Entgegen aller Ansichten moderner Gesellschaftsfanatikerinnen. Entgegen aller höher, schneller, besser Denkenden. Langsam ist das neue Gut. Gut und gut.

Also, um auch euch davon zu überzeugen, dass der Titel der Langsamkeit wohlverdient wäre, erzähl ich euch meine Geschichte:

Es ist 7 Uhr morgens. Ein Kind kommt in die Gruppe. Es sucht keine Spielsachen, es setzt sich nicht hin. Nein. Es fängt zu spielen an, in einer ganz anderen Weise, als ich das erwartet hätte. Es beginnt zu gehen. Und geht und geht und geht. Am Teppich entlang, den Blick auf ihre Füße gerichtet. Mal schneller, mal langsamer. Aber immer gehend. Es blickt manchmal kurz auf, schaut, was ich mache. Und geht weiter. Ich schaue. Schaue, was es macht. Schaue und habe Zeit. So machen wir das für 15 Minuten. 15 Minuten voller Schritte, meditativ, gleichmäßig, höchstkonzentriert. Das ist der Beginn meines Tages.

Die zweite Geschichte ereignet sich am Ende meines Arbeitstages. Ein Kind ist noch da. Ich sehe, dass es den Wasserhahn fokussiert und drehe den Wasserstrahl leicht auf. Halte meine Hand darunter und ziehe sie wieder zurück. Das Kind beginnt – zuerst zögerlich, dann immer entspannter – das Wasser über seine kleine Hand rinnen zu lassen. Es beobachtet genau. Probiert aus. Mit einer Sorgfalt, einer Konzentration, mit einer Hingabe, die kaum beschreibbar ist. Das geht 10 Minuten so dahin. Ich sitze hinter dem Kind, bin da. Beobachte, nicke zustimmend, bin still.

So. Langsam.

Ich beginne meinen Arbeitstag und ende ihn in einer Langsamkeit, die unfassbar gut tut. Ich bin mir im Klaren darüber, dass nicht ich die Künstlerin der Zeit bin. Nein.

Würde heute der Titel der langsamsten Langsamerinnen verliehen werden, würden ihn diese zwei kleinen Menschen verliehen bekommen. Mit Hingabe, Konzentration und viel Sorgfalt haben sie sich diesen Titel wohl verdient.

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Was wir nicht müssen

Es gibt vieles, das wir nicht müssen. Vieles davon glauben wir zwar zu müssen, aber – und hier kommt die Entwarnung: Wir müssen nicht.

Sie schreibt schon wieder in Rätseln, diese Pampelmuse. Weil mich dieses Thema seit ein paar Tagen so zum Nachdenken anregt, möchte ich es euch auch nicht vorenthalten. Hier also die Erklärung:

Ich habe eine neue Arbeit. Seit ein paar Wochen arbeite ich mit ganz jungen Menschen zusammen. Diese entdecken tagtäglich viel, viel, viel und wollen viel, viel, viel erfahren. Wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, wollen Zusammenhänge verstehen und wollen Dinge alleine schaffen.

Und schon wären wir mitten in der Thematik. Alleine Dinge schaffen. Das macht auch großen Sinn, wenn ich selbst, ganz alleine etwas schaffe, etwas machen kann. Wenn ich etwas ohne Hilfe tun kann, nur auf mich gestellt. Es aktiviert auch die Selbstwirksamkeit, macht selbstständig und größer.

Dass wir aber nicht alles alleine schaffen müssen, dass es gut und wichtig und gesund ist, um Hilfe zu fragen, das vergessen wir oft. Dass es wesentlich und zutiefst menschlich ist, dass wir zusammenhelfen und einander beistehen, dass wir gemeinsam ausprobieren und uns unterstützen, das wird meiner Erfahrung nach oft auf der Strecke gelassen.

Ich hab vor Kurzem ein Video einer Bildungswissenschaftlerin angeschaut, die davon gesprochen hat, dass wir nicht wissen, worauf wir Kinder eigentlich vorbereiten. Dass wir zwar so tun, als würden wir es wissen, dass wir es aber nicht voraussehen können, welche Fähigkeiten, Kompetenzen und Talente Menschen in Zukunft brauchen werden.

Eine Sache wird aber immer wichtig sein, wenn nicht sogar noch wichtiger werden: Die Kooperation. Das Zusammenarbeiten. Das Einanderhelfen. Das Miteinander.

Und diese tagtägliche Erinnerung mit diesen wunderbaren kleinen Menschen hilft mir auch, diese Sache etwas wichtiger zu nehmen. In Zukunft werde ich nicht mehr nur das Alleineschaffen als besonders sehen und benennen. Nein, meine kleinen Menschen werden hören, dass ich es wahrnehme und schön finde, wenn sie um Hilfe fragen, wenn sie miteinander etwas schaffen und gemeinsam stark sind.

Denn das ist eine der Sachen, die auch wir Großen noch (mehr) lernen dürfen: Wir müssen nicht alles alleine schaffen. Es ist gut und gesund und stark, wenn ich um Hilfe fragen kann, wenn ich selbst helfe und wenn ich MIT-einander denken und sein kann.

Ist doch auch schön, das (wieder) mal zu hören.

P.S.: Hier das oben beschriebene Video, bereits die ersten 10 min sind höchst interessant! https://youtu.be/t_vyC4h8FK4

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∆ Räume ∆

Immer, wenn ich Ideen für meinen nächsten Text habe, sammle ich sie in meinem Kopf so lange, bis mir ein passender Überbegriff einfällt. Ein Titel, ein Bogen, der alle Geschichten mit einschließt. Und dieses Mal ist es „Räume“.

Stadtraumgestempel

Interessant, weil irgendwie alles als Raum gesehen werden kann. Ich bin in einem anderen Lebens-Raum, bewege mich aus meinem Komfort-Raum ganz oft nach außen, lerne neue Welt-Räume kennen und durch meine Sprache und die Begegnungen hier öffnen sich neue Denk-Räume.

Ja, so weit geht dieses Thema. Und damit wir alle schön (schwebend) am Boden bleiben können, werde ich euch von ganz angreifbaren, echten Räumen erzählen. Und bereits wenn ich das ausschreibe, merke ich, dass die Räume, von denen ich gleich schreiben werde (WIE LANG DAUERT DIESE EINLEITUNG BITTESCHÖN NOHOCH??), doch vielleicht auch imaginäre sind.

Wasserräume am Rio de la Plata

So. Los gehts.

In der letzten Woche war ich zum allerersten Mal in meinem ganzen Leben (HAAA SIE FORMULIERT SCHON WIEDER SO UM DEN BREI HERUM) in einem „Escape room“. Diejenigen unter euch, die sowas schon mal gemacht haben, können jetzt weghören (WIE? WEGHÖREN? WEGLESEN? ABER DANN WEISS ICH JA NICHT, WO ICH WIEDER WEITERLESEN SOLL? ACH, EGAL. ICH LES EINFACH WEITER.)

Ein „Escape room“ (zu Deutsch: „Ich will hier raus – Zimmer“) ist ein Spiel für Erwachsene. Man wird in einen Raum eingesperrt und hat 60 Minuten Zeit, die passenden Schlösser und Schlüssel, Codes und Kombinationen, Lösungen und Clues zu finden, um die verschlossene Tür aufzusperren. Klaus, unser Trophobiker, hätte hier wohl keinen Spaß. Die ganze Sache ist natürlich sicher, und es gibt einen Notfallknopf für den Fall des Falles (falls zufällig jemand fällt). Aber wie gesagt, eigentlich geht es in diesem Spiel darum, kniffig und geschickt – und vor allem gemeinsam in einer Gruppe – Rätsel zu lösen.

Eze, ich und Gasti

Wir waren mit einem Freund von Gastón und dessen Brüdern und es war so ein Spaß! Wir waren in einem „Hotelzimmer“ und erst nachdem wir die Karte zum Aktivieren des Lichts gefunden haben, konnten wir mithilfe der anderen Hinweise durch einen Luftschacht in den anderen Teil des Spielhotels krabbeln, um dort Hinweis für Hinweis zum Ausgang zu gelangen. Nach einer halben Stunde haben wir gemeinsam alles gelöst und waren fast ein bisschen traurig, dass es schon aus war. Ich werd auf alle Fälle wieder mal zu so einem Spiel gehen, hab schon gesehen, dass es da daheim auch welche gibt! Juhu!

Hier nach getaner Arbeit: die drei Brüder und wir

Die nächste räumliche Geschichte hat sich auch letzte Woche zugetragen. Ich hab ja von diesem pädagogischen Vortrag erzählt und durch geschicktes Networking hab ich den Kontakt von der Leiterin eines Kindergartens und einer Volksschule bekommen. Und die haben Gastón und ich letzte Woche besucht.

Und jetzt stellt ihr euch bestimmt die Frage, was das mit Räumen zu tun hat. (NAJA, SO SCHWIERIG IST DIESE FRAGE NUN AUCH WIEDER NICHT. IN EINER SCHULE WIRD ES WAHRSCHEINLICH RÄUME GEBEN…). Ja, aber was für Räume! Das ist nämlich wirklich anders als alles, was ich an Pädagogik bisher gesehen habe.

Pädagogisch wertvoll aufgeregt

Die Schule ist die erste Reggio-inspirierte Schule Argentiniens. Reggio-Pädagogik ist eine Form des offenen Unterrichts, der Selbstbestimmung, der Partizipation, des Miteinanders. Reggio-Pädagog*innen sehen den Raum als dritten Erzieher und dementsprechend werden die Räume auch gestaltet und genutzt.

Das Atelier, das durch ein riesiges Fenster gleich beim Eingang immer sichtbar ist, der Hof, der mit einem kleinen Garten und einem großen Baum zum Verweilen einlädt. Die Räume, die wir auf unsere Tour durch die Schule sehen durften, waren voller Leben und voller Liebe zum Tun.

Una cosita de Austria en Baires? Increíble!

In einem wurde Akrobatik mit Literatur einstudiert. In Gruppen wurden zu Texten akrobatische Nummern eingeübt. In einem anderen wurde aus Holzresten und anderem Material geschraubt, gesägt, gehämmert und gebaut.

Die Lehrerin, die uns durch die Schule geführt hat, hat immer wieder von den „Sprachen“ gesprochen, die die Kinder an zwei Tagen der Woche wählen dürfen. „Sprachen“ sind im Fall dieser Schule alle Fächer und Fachbereiche, die angeboten werden. Und so können die Kinder selbst mitbestimmen, was sie interessiert, wo ihre Talente liegen und was sie im Moment gerade wichtig finden. Hier gibt es einen Text, wen es interessiert:

Apropos Moment: Ein Satz, der mich im anschließenden Gespräch mit der Leiterin der Schule sehr berührt hat war folgender: „Wir bereiten die Kinder hier nicht auf die Zukunft vor. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Was wirklich wichtig ist, ist die Gegenwart.“ Und dass das nicht höchsten Grades zukunftsorientiert ist, bezweifle ich.

Es macht so viel SINN, Kinder in dem zu stärken, was sie in der jeweiligen Zeit gerade gut können und mögen. Es macht so viel SINN, Kinder als Teil der jetzigen Gesellschaft zu sehen und sie auch so zu behandeln (Thema Demokratie und Partizipation und so). Es macht auch so viel SINN, ein Miteinander zu pflegen, das viel harmonischer, wertvoller, wertschätzender und letzten Endes auch ertragreicher ist, als jeglicher Ellbogenkämpfereiblödsinn.

Ja, auch das macht viel Sinn – Blumen im Wind zu beobachten

In dieser Schule war ich auf so vielen Ebenen berührt. Immer wieder hatte ich Gänsehaut, wenn wir über die Philosophie der Schule gesprochen haben. Wenn ich die Kinder gesehen habe, die voller Eifer an ihrer Sache gewerkelt haben oder wenn ich daran gedacht habe, dass ich ja gar nicht so weltfremd bin mit meiner Einstellung, wie Pädagogik/Erziehung/Schule/Unterricht auch sein kann.

Ich bin so froh, das alles mit meinem Blumenmenschen zu teilen (so hab ich ihn noch nie genannt, werd ich auch nie. Aber weil eine Blume im Hintergrund zu sehen ist, hab ich mir gedacht, ich schreib Blumenmensch. (JA WIR VERSTEHEN!)

Die vielen Abers, die vielleicht in manchen Köpfen nun auftauchen, kann ich natürlich nicht alle beantworten. Weil ich sie nicht kenne. Aber ich kann mit großer Gewissheit sagen, dass es wenig Sinn macht, gleichförmig denkende Schafe, die nicht wissen, in welche Richtung sie laufen sollen und so dem lautesten Schafanführer nachrennen, heranzuziehen.

Dass es jedoch großen Sinn macht, das Leben in der Schule mit dem Leben außerhalb der Schule verschmelzen zu lassen. Dass es großen Sinn macht, Kinder und ihre Ideen ernst zu nehmen. Und dass es riesengroßen Sinn macht, Lernen als etwas Fruchtbringendes anstatt etwas Furchtbringendem zu sehen (Und diese zwei Worte unterscheiden sich nicht nur aufgrund der Position des „t“ meilenweit voneinander…).

(Apropos Früchte – hier bin ich auf einem Selbstversorgungstrip)

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Es gäbe noch so viel zu sagen, doch das führt in diesem Rahmen zu weit. Ich habe mich so verstanden gefühlt in dieser Schule, auch, wenn ich die „Sprache Sprache“ nicht wirklich spreche. Ich habe meine Ideen in einer manifestierten Form wiedergefunden und so auch den Mut geschöpft, meiner Vision zu folgen. (WELCHE VISION? HABE ICH ETWAS VERPASST?!) Nein, keine Angst. Davon hab ich hier noch nicht geschrieben. Das ist ein längeres Thema, nur so viel kann ich verraten: Ich weiß, dass ich einen RAUM gründen/haben/führen/gestalten/ermöglichen/eröffnen/… werde, in dem es Raum gibt (HACH, DIESE WORTSPIELEREIEN) für Kreativität in jeglicher Hinsicht – und der wird bestimmt nicht zu einem „Escape room“, sondern eher zu einem „enjoy room“.

Wann, wie, wo – das wird sich auftun.

(Im Video seht ihr auch so einen „Enjoy room“ – selbstgedrehte Musik im Kulturzentrum Recoleta)

[wpvideo S8Ism9lq ]

Jetzt hab ich bei all der T-räum-erei gar nicht erzählt, dass wir auch unseren Buenos Aires Raum erweitert haben: Am Samstag waren wir in einem wunderwunderschönen Naturschutzgebiet, haben die Ruhe genossen und Vögel beobachtet. Und gestern waren wir in Recoleta, einem der feinsten Bezirke der Stadt – die Häuser wie in Paris, schöne, große Parks und ein beeindruckender Friedhof, der zum Staunen einlädt.

Huhuu diese Totenhäuschen – manche waren so groß, dass eine vierköpfige Familie darin lebend wohnen könnte…
Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal

• K •

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∆ Von heiligem Wasser, sexueller Erziehung und anderen Aktivitäten ∆

Das nenn ich mal einen Titel! Muss schon sagen, da übertreff ich mich selbst mal wieder.

Stets zu meinen Diensten!

Ich kann euch von dieser Woche so viele Dinge erzählen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Am besten am Anfang. Das macht Sinn.

Die berühmten Steineier von Buenos Aires

Also am Ende des letzen Blogeintrags hab ich ja geschrieben, dass wir zu einer Comicconvention fahren. Und da beginnt auch schon das erste Abenteuer dieser Woche.

Demi (ein Freund von Gastón, in dessen Wohnung wir über meinen Geburtstag bleiben durften) arbeitet als Sprecher für Werbungen und Cartoons – unter anderem für einen, der unter der jungen Bevölkerung Argentiniens sehr bekannt ist. Er ist die Stimme des Hauptcharakters und ist daher zu dieser Comicmesse eingeladen worden, um Autogramme zu geben und von seiner Arbeit als Sprecher zu … sprechen.

Die berühmten Cartoonstars von San Nicolas

Und wir haben uns diesen Spaß natürlich nicht entgehen lassen und sind mit ihm in eine kleine Stadt ca. 3 Stunden westlich von Buenos Aires gefahren. Im Auto mit Mate und lauter Musik sind wir so durch die Pampa gefahren. Und noch nie in meinem Leben hat dieser Satz auch geografisch so viel Sinn gemacht! Die Pampa ist eine Landschaftsform, die geprägt von weiten (endlosen) Wiesen, sattgrünem Gras und Pferden bzw. Kühen ist, die sich darauf tummeln. Wunderschön! Und so anders, wenn am Ende der Weite keine Berge zu sehen sind!

In San Nicolas waren wir dann wie gesagt auf der Comicmesse, ein höchst schräge Angelegenheit für mich als Comicnokerbatzi. Aber gut, Erfahrungen sind ja da, um gemacht zu werden. Viele Leute waren verkleidet, es gab auch die professionellen Verkleideten, die als Star Wars oder Predators (habe ich vorher nicht gekannt, geb ich zu) ihre Show gemacht haben.

Ein berühmter Predator (beim Verlassen des Klassenzimmers – er hat wohl was angestellt…)

Nach der Show von Demi und Agustina (das ist die Kollegin, die das Mädchen in der gleichen Serie spricht), gab es noch Autogramme und danach sind wir ab in die Stadt, haben Pizza gegessen und uns am Hauptplatz mit uns selbst amüsiert.

Was für ein spontaner Schnappschuss!

Am nächsten Morgen sind wir dann los um * tamtatatataaaam* heiliges Wasser zu schlürfen. (Darf man das so überhaupt sagen? Ist das nicht schon Blasphemie? Ich weiß es nicht, aber was wir dort aufgeführt haben, war wahrscheinlich nicht ganz heilig…). Wir sind also zu dieser Kirche, in der im Keller eine Quelle mit einem Brunnen ist, in der durch einen Lichtstrahl die Heilige Maria erschienen ist.

[wpvideo XbM7gZz2 ]

Die heiligen Matefreunde

Und wenn ich das so schreibe, dann schüttle ich bereits meinen Kopf. Ich bin für so etwas ja gar nicht zu haben, Gastón und Demi haben ein paar (geheime) Videos in der Kirche gemacht, dann sind wir aber schnell raus. ABER und das ist ja gut, wenn es gläubigen Menschen hilft, dann ist das ja gut. Wir haben an der Zapfstelle eine Flasche heiliges Wasser mitgenommen, das wirklich gut geschmeckt hat und sind dann am Heimweg wieder mit Mate und diesmal noch lauterer Musik heimgedüst. Stoppgemacht haben wir bei einem Bauernstandl neben der Straße, haben Früchte gekauft und uns des Lebens gefreut.

Die heiligen Wasserhähne

An diesem Wochenende hab ich mit Gastón und Demi so viel gelacht, und mich selbst auch so lustig gefunden, was mich natürlich noch mehr zum Lachen gebracht hat. Im Auto hinten drin hab ich dann festgestellt, dass ich es liebe, mit Menschen unterwegs zu sein und kleine Abenteuer zu erleben (oder uns selbst welche zu machen), die so auf einer Wellenlänge mit mir sind. Zufrieden und sonnenverbrannt, aber mit einer Flasche heiligen Wassers sind wir am Montagabend wieder in Martinez angekommen.

[wpvideo grbFLt8C ]

Am nächsten Tag haben wir einen Trip in die Hauptstadt gemacht, um Schobi zu treffen. Einen guten Freund von Maxi und mir und unserer Familie überhaupt. Der ist mit seiner Freundin, die hier ein Auslandssemester gemacht hat, am Herumreisen und da haben wir uns getroffen, sind durch wunderschöne Parks geschlendert, haben die Farben der Papageien bewundert und natürlich Mate getrunken. Das Gefühl von Heimat und Zuhause hat sich beim Ratschen und Reden in mir ausgebreitet und es hat auch so gut getan, meine Erfahrungen mit Leuten, die aus dem gleichen Land kommen, zu teilen.

Hier gemütlich im Papageienpark

Die Liste der Aktivitäten hört aber nicht auf, nein, nein! Wie gesagt, diese Woche war vollgepackt damit! Am nächsten Tag hab ich mich mit Luli, einer Freundin von Denise getroffen. Die hab ich in Berlin kennengelernt und gemeinsam sind wir in den Park gegangen, haben Stempeln geschnitzt und einem Dudelsackspieler zugehört. So einer feiner Nachmittag und auch mal schön, was alleine zu machen (Thema Unabhängigkeit und so).

Kreativeln in einem anderen Park

Der nächste Tag hat mit einem ganz besonderen Termin auf mich gewartet: Ich hab eine kleine, deutschsprachige Spielgruppe hier um die Ecke besuchen dürfen. Die haben wir zufällig beim Spazieren entdeckt und daraufhin hab ich Kontakt aufgenommen und sie haben mich eingeladen.

Das Haus ist ein kleines Wohnhäuschen und bereits beim Eintreten hab ich das wohlige Gefühl von Kinder-Leben gespürt. Ein kleines Mädchen ist gleich zu mir gekommen, hat mich umarmt, „hola“ gesagt und ist dann wieder abgezischt. Ich hab den ganzen Vormittag dort verbracht und mitgespielt, getanzt, am Boden gesessen, beobachtet, gemalt, Musik gehört, Bücher angeschaut und die Energie von 2-Jährigen genossen.

Das ist nicht die Spielgruppe, sondern ein Haus, das ich gerne kaufen würde

Die Pädagoginnen sprechen Deutsch mit den Kindern, die Kinder antworten meist auf Spanisch. Ich hab nicht so viel verstanden, weil es mir echt schwergefallen ist, bei einer piepsigen Stimme und abgelenkt vom kleinen, so lieben Gesichtchen auf die Sprache zu achten. Am Ende hab ich noch ein kleines Lied mit ihnen gesungen und gesagt, dass ich sehr gerne wieder kommen möchte.

Ich bin auch mit der Leiterin im Kontakt, sie hat mir am nächsten Tag geschrieben, dass die Kinder schon gefragt haben, ob „Catalina“ heute wieder kommt. Ach, wie schön! Erfüllt und voller Ideendrang bin ich nach Hause, hab Gastón meine Pläne von der Arbeit mit kleinen Kindern erzählt und mich gefreut, dass ich den ganzen Vormittag von so feinen Wesen umgeben sein durfte.

Auch so ein feines Wesen, dieser Gastón

Am Freitag hab ich dann ganze zwei Stunden mit meiner Familie videotelefoniert und das hat so so gut getan. Alle waren da, alle versammelt vorm Handy. Alle haben ihre Geschichten erzählt und ich hab mich ihnen so nahe gefühlt. Es tut so gut zu wissen, dass ich euch habe und so wichtig bin. Danke Papa, Mama, Alex, Maxi, Raphael und Marla. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich euch manchmal vermisse. Und wie warm es mir ums Herz wird, wenn ich daran denke, dass ich so ein unglaublich großes Glück habe, Teil dieser Herzensfamilie zu sein.

Ich geb zu, heute sind meine Fotos etwas aus dem Kontext gerissen – aber teilen möcht ich sie trotzdem mit euch 🙂

Am Freitag waren wir bei der Präsentation eines Buches über sexuelle Erziehung. Dieses hat die Mama eines guten Freundes von Gastón geschrieben, und die beiden haben den Abend gefilmt und ich hab mich ins Publikum gesetzt und genossen, an so einer Veranstaltung teilzuhaben. Alles hab ich natürlich nicht verstanden, aber die Kernpunkte möcht ich gerne mit euch teilen.

Hier in San Nicolas am Fluss Paraná

In Argentinien gibt es, wie erschreckenderweise in ganz vielen Teilen der Welt, eine starke Bewegung der konservativ Rechten. Und diese sind unter anderem gegen die sexuelle Erziehung im Kindergarten, weil sie finden, dass wir Kinder dadurch zeigen, homosexuell oder transgender oder pervers oder wasauchimmer zu werden. Dass wir durch die Erziehung zu selbst- und körperbewussten Menschen die Gesellschaft in eine falsche Richtung bringen.

Jacaranda – der Baum, der gerade in der ganzen Stadt seinen Blütenteppich auslegt

Das andere Extrem ist, dass Kinder nicht mehr berührt werden dürfen, keine Umarmungen, kein Windelwechseln etc., weil das die Integrität der Kinder einschränken würde.

Und dieses Thema nimmt dieses Buch auf und zeigt in Projekten und Ideen für Familien, wie es gehen kann, dass ganzheitliche sexuelle Erziehung von jungen Kindern Zärtlichkeit braucht. Dass Umarmungen nicht Umarmungen sind. Und dass ein Miteinander wichtig ist, wenn wir eine Gesellschaft mit kritischdenkenden, selbst- und körperbewussten Menschen wollen, die ihre Grenzen kennen und die Grenzen der anderen respektieren.

Und dasss iss dass Pla-ne-ta-ri-un (bitte mit lustiger Wisperstimme lesen)

Viele Leute waren anwesend, viel Interesse wurde gezeigt. Das Buch ist natürlich auf Spanisch, aber ich hab mit Santis Mama gesprochen, dass ich das Buch trotzdem gerne haben würde, um die Ideen und Gedanken nachlesen zu können. Und ich vertraue meinen Spanischsynapsen, dass die sich immer mehr und mehr bemühen, mir das Verstehen der Inhalte zu ermöglichen.

Im Anschluss gab es noch ein Konzert von drei Tango-Musikerinnen, ich hab mich wie in einem Film gefühlt. Und was mich berührt hat, ist die Tatsache, dass ich gerade hier bin und so tief in diese Kultur eintauchen darf: Diskussionen über Politik und Erziehung, Musik, die das widerspiegelt, was viele Menschen fühlen.

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Und heute hatten wir einen feinen Familiensonntag bei Gastóns Bruder daheim – bei selbstgemachter Pizza, Eis in 250g-Portionen und einem 3D-Drucker haben wirs uns bei ihm im Patio (das ist der Hof, der im oder zwischen oder vorm Haus ist) gemütlich gemacht! So ein feiner Tag!

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Herrrlich! Ananas, Himbeere und Zitrone mit Schokostücken, geliefert mit Nüsschen zum Verzieren

Diese Woche war wirklich gut. So viele Aufs, so viele bereichernde Momente. Ich bin dankbar für alles hier. Und was ich auch gemerkt habe: Ich darf manche Ideen und Vorstellungen einfach loslassen. Ich muss hier nichts. Weder tun, noch erledigen, noch erleben. Ich bin hier und alleine dadurch tut sich schon so vieles in mir.

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