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Dem Widerstand widerstehen

Manchmal da ist alles dicht. Die Luft und die Stimmung, die Nerven und scheinbar alle anderen um mich herum auch. Und nicht nur das: Auch der Widerstand scheint größer zu sein, als normalerweise.

Wer viel mit Kindern zu tun hat, weiß, dass es solche Moment zuhauf gibt. Denn nicht immer ist das Warten lustig oder das Anziehen toll und das Leisesein sowieso schon gar nicht irgendwie erstrebenswert. Und nicht immer ist es leicht, mit diesen Schwallen von unterschiedlichen Stimmungen, momentanen Bedürfnissen und Trotzphasen umzugehen.

ABER und jetzt kommt die große Wende zum positiven Teil dieser Geschichte: Ich hab es geschafft, dem Widerstand zu widerstehen. Hab nicht versucht, mich dagegenzustellen, mich größer zu machen oder einfach Nein zu sagen, um Nein zu sagen. Ich hab kurz überlegt, mein Erwartungs-Ich zurückgenommen und hab mich treiben lassen – von der Stimmung und dem, was momentan da war.

Und, was soll ich sagen: Der Stress war weg, der Widerstand hat sich zu einer wohlgeformten Gemeinsamheit entwickelt und dazu kam die ausgelassene Freude, weil etwas passierte, das wir alle davor nicht erwartet hätten.

(Falls ihr euch fragt: Wir haben gestampft und getanzt, sind gehüpft und als Hexen, Marienkäfer, Mini-Geister und Schnecken durch den Raum geflogen, sind gelaufen und gesaust und haben uns unter Tüchern versteckt. Was man eben so macht, um dem Widerstand zu widerstehen.)

Einmal hab ich einen Spruch gelesen und ihn mir dann gleich ins Klo gehängt, damit ich ihn immer immer immer wieder sehe:

“Im Leben entsteht Stress dadurch, dass du dich dem widersetzt, was gerade geschieht.”

Hu. So ist es wohl.

Denn Widerstand erzeugt Widerstand. Oft ist dieser auch ganz wichtig (ganz, ganz wichtig! Widersteht ihm ja nicht zu oft! Zivilcourage und so). Aber wenns um weise kleine Wesen geht, dann hilft der Widerstand oft nicht und mehr Freude macht Herumspringen obendrein!

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Vom Ratschlag mit T.

Dies ist ein Text übers Wissen.
Übers immer-besser-wissen-Müssen.
Übers Ratschlagen mit T anstatt mit D,
übers Antworten statt Zuhören, oje oje.

Dies ist ein Text übers miteinander Reden,
übers sich durch Worte über den anderen Erheben.
Übers Glauben und Meinen und nicht genau Wissen,
übers gute Meinen und übers schlechte Gewissen.

Dies ist ein Text, der dir vielleicht zusagt,
einer, bei dem du dich vielleicht fragst,
worum es denn geht und was ich denn meine,
wenn ich vom Ratschlag schreib, dem ohne Beine.

Wenn ich es dir erzähle, dann wirst du verstehen,
es geht darum, die Geschichte der und des anderen zu sehen.
Es geht darum, sich zuzuhören,
anstatt immer gleich auf dies oder das zu schwören.

Wir wollen gehört werden und gesehen,
wir wollen, dass die anderen uns verstehen.
Und ein Ratschlag ist schön und kann oft hilfreich sein,
aber im Moment des Klagens und Beschwerens passt er oft nicht ganz hinein.
Dann kommt ein Gefühl von “Ich sollte anders denken, tun und sein”,
anstatt eines wohltuenden “es ist grad schwer und das ist gemein”

Denn oft ist es leichter, gleich was zu sagen,
anstatt sich selbst ganz ehrlich zu fragen:
Was denn los ist beim Menschen gegenüber,
warum sind die Gedanken und Gefühle drunter und drüber?

Denn oft meinen wir durch Antworten zu helfen und zu unterstützen,
anstatt einfach mal ruhig dazusitzen.
Wir sagen etwas und gut gemeint ist nicht immer nur gut,
und das Gegenüber verlässt vielleicht noch schneller der Mut.

Ein “ich hör dich und seh, dass dir das wehtut”
ist mindestens genauso gut,
wie hundert Ideen, es anders zu machen
oder das Positive zu sehen und darüber zu lachen.

Denn das geht manchmal einfach (noch) nicht und muss auch nicht sein,
vor allem mit gutgemeinten Ratschlägen, die gehen oft schneller raus als rein.

Ratschläge und Worte zur Aufmunterung sind menschlich und wichtig,
aber der Moment ist leider ganz oft nicht ganz richtig.

Und wenn du dich jetzt ganz geheim und alleine fragst,
ob das, was du oft zu anderen sagst,
nicht vielleicht eher für dich als für die anderen ist,
dann hab ich viel erreicht, mit meiner Geschicht.

In Reimform geschrieben,
einem Gedicht sehr nah –
und das, was ich sagen will,
ist hoffentlich klar.

Denn dies ist ein Text über uns und dich und mich,
und vielleicht erinnerst du dich
dass man oft vergisst,
dass Zuhören alleine schon so, so, so wichtig ist.



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Was hilft?

Was ist es, das jetzt hilft? Was ist es, das uns gesund bleiben lässt? Im Körper und im Kopf? Was hilft in einer Zeit, wie dieser?

Ich mache mir viele Gedanken rund um dieses Thema und hab grad viel Zeit, Vieles auch auszuprobieren.

Meine Liste an Dingen, die mir helfen in dieser Zeit der Langsamkeit, der Ungewissheit, des Daheimbleibens, habe ich für euch gesammelt. Und unterteilt, damits noch einfacher ist.

Also, here we go!

DIE BASICS

Wasser trinken. Tut unheimlich gut, braucht der Körper sowieso, freuen sich alle Zellen. Viel und nebenbei und auch gerne lustiges Wasser mit Basilikumblättern und gefrorenen Himbeeren.

Atmen. Durchatmen. In den Bauch atmen. Wusste ich schon lange, wissen wir alle – mal ausprobieren, mal draufhören und – schauen, was das kann.

Essen. Und zwar gut. Zeit nehmen und lassen beim Kochen und Essen, auch mal was ausprobieren. Frisch kochen, bunt und lustig. Ein Regenbogen aus Obst und Gemüse? Ja! Besonders auch für Erwachsene!

Bewegung. Drinnen und (wenn möglich) draußen. J E D E N Tag. Wirklich. Ganz, ganz wichtig. Befreit, schenkt Lebensmut und erfrischt. Wenn möglich auch ab und zu schwitzen dabei.

DIE SPIELERISCHEN

Spielen. Ja, wirklich. Karten, Brettspiele, Quizzes. Oder ganz anders: Bücher nach Farben ordnen. Den Esstisch umstellen und sich freuen, auf einmal ein Büro zu haben (kann ich empfehlen, habs probiert!). Mit Farben, Wörtern, Papier, Musikinstrumenten – alleine oder gemeinsam. Hauptsache ohne “Zweck”.

Tanzen. Platz machen, Musik aufdrehen und wild herumspringen. Nicht schön ausschauen dabei, sondern bewegt. Das Herz pumpern und die Haare fliegen lassen.

Aus dem Fenster schauen. Der Sonne beim Untergehen zuschauen. Dem Wind beim Umherpusten. Und Vögel beobachten. Oder ins Fenster der Nachbarn lugen.

Neue Wörter verwenden. Zum Beipspiel “lugen”. Nachschauen, was sie bedeuten, Freude daran finden, dass Wörter komisch klingen. Lugen. Lugen. Lugen.

Sticken, malen, schreiben. Irgendwas Kreatives. Irgendwas, das Zeit braucht und Zeit bekommt. Irgendwas, das ein (schönes?) Produkt liefert. Oder irgendwas, das einfach der Sache wegen schön ist.

Experimente machen. Sauerteig züchten, zum Beispiel. Oder Farben mischen. Oder das Experiment, wie lange man die Fenster eh eigentlich nicht putzen muss.

DIE SOZIALEN

Pflanzen haben. Und sich drum kümmern. Beim Wachsen beobachten, sich über jedes neue Blättlein freuen. Den Basilikumbusch nach dem Abernten am Fensterbankerl stehen haben und zuschauen, wie neues Leben entsteht.

Reden. In echt und über Whatsapp. Sprachnachrichten verschicken und die Oma anrufen. Sich mitteilen, nachfragen, reden. Über die Ängste und die Hoffnungen. Über das Leben und das Leben danach.

Sich “treffen”. Videotelefonieren, Konferenzschaltungen und Houseparties ausprobieren. Sich anschauen und sehen. Austauschen und zuhören, Geschichten erzählen und gemeinsam lachen.

Netflix. Ja, das kommt beim Punkt “Soziales”. Weil es gut tut, die “Serienfreunde” zu sehen. Zu schauen, wie das Liebesproblem des einen und die Jobsituation der anderen weiterlaufen. Weil es die große Welt in die kleine Wohnung holen kann. Filme, Serien, Dokumentationen. Alles einfach.

DIE MUTMACHENDEN

Dankbar sein. Dafür, dass die Sonne scheint oder das Wetter so schmuddelig ist, dass eigentlich eh nur Fernsehen geht. Dass wir Essen haben und Menschen in unserem Leben. Jeden Tag zumindest für eine Sache dankbar sein. Gerne auch teilen.

Fragen stellen. Und nach Antworten suchen. Informationen bekommen, interessiert sein und kritisch bleiben. Nicht alles glauben und Informationen auf Glaubhaftigkeit überprüfen.

Vertrauen haben. Leichter gesagt als getan? Überlegen, was denn bis jetzt schon alles gut ausgegangen ist. Was das “Schlechte” an “Gutem” hat. Sehen, dass es immer immer immer mehr Seiten gibt.

Aus Routinen ausbrechen. Dafür braucht es vorher Routinen. Also: Routinen haben und dann auch mal ausbrechen. Vorm Fernseher essen. Oder ein Kleid anziehen, einfach so. Oder was Neues lernen. Im Internet oder von einem Buch. Ein neues Rezept oder eine neue Wissenschaft. Alles ist erlaubt.

Aufräumen, ordnen, ausmisten. Macht Mut und zeigt Veränderung. Schafft Platz – im Kasten und im Kopf.

Am Boden bleiben. Und das mein ich sehr buchstäblich. Ich leg mich grad gerne auf den Boden. Das hilft mir, mich zu erden. Am liebsten im Wald oder im Wohnzimmer. Dann schau ich nach oben und alles schaut schon mal ein bisschen anders aus.

Ich werd mir jetzt etwas aus dieser Liste aussuchen und machen. Wahrscheinlich sogar mehrere, denn der Tag ist jung und lang und die Zukunft ungewiss. Also lasst sie uns gestalten.

Viel Freude beim Nachmachen und Ausprobieren!



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Hochachtung, liebes Leben.

Gerade hatte ich einen Gedanken. Einen so aufrüttelnden, wie erschreckenden Gedanken. Ich hab nachgedacht und mich gefreut, dass morgen Freitag ist. Soweit ja nichts Erschütterndes. Eher eine Tatsache, eine Gegebenheit, eine Wirklichkeit.

Dass ich mich freue, ist auch ganz normal: Freitag ist der letzte Arbeitstag der Woche, danach ist das Wochenende, zwei Tage frei, zwei Tage tun und lassen, was ich mag.

Was jetzt das Erschreckende daran ist, fragt ihr euch? Die Tatsache, dass der Freitag bzw. eher das Wochenende als Symbol der Freiheit, der Zeit und des endlich Tuns, was ich wirklich will, ist, das macht mich schon mal stutzig. Dass ich mich aber freue, dass endlich schon wieder eine Woche um ist, das macht mir eher Angst. Dieser allseits verbreitete Gedanke, dass endlich wieder eine Woche “geschafft” ist, erschreckt mich. Eine Arbeitswoche, ja. Eine Woche meines Lebens auch, ja. Und mich darüber zu freuen, ist wohl mehr als arrogant – dem Leben gegenüber.

Ich möchte mein Leben so gestalten, dass ich mich nicht nach dem Wochenende sehnen “muss”. Dass ich die Tage als Tage annehme und nicht als zu-langsam-oder-zu-schnell-verstreichende-Lebenszeit. Es klingt hochdramatisch. Und vielleicht ist es das auch.

Vielleicht ist es an der Zeit, das Ganze etwas zu hinterfragen. Dieses ganze Arbeiten für die anderen. Dieses ganze Tun und vor allem Funktionieren. Dieses ganze alles-als-Selbstverständlichkeit-Sehen. Dieses von-Wochenende-zu-Wochenende-Hanteln.

Ich bin – mal wieder – in einer Phase des Umbruchs. Und der ist groß. Aber auch bis das alles so ist, wie ich es mir zusammendenke und visioniere, möchte ich mich selbst an der Nase nehmen und viel mehr Tage – Achtung, Spoiler: Die sind das Leben! – als voll erleben. Nicht verstreichen lassen, mich fragen, wo sie hingekommen sind. Sondern er-leben.

Denn ein bisschen Hochachtung hat das Leben schon verdient.

Hochachtungsvoll,
eure K.

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Das Klebeband

Diese Geschichte ist eine von denen, die ganz einfach sind. Ganz einfach und zugleich ganz tiefgehend, inspirierend und schön. Zugetragen hat sie sich gestern. Und was passiert ist, das möchte ich gerne mit euch teilen.

Ich arbeite mit ganz jungen Kindern und habe jeden Tag die Möglichkeit, sie in ihrem Spiel, ihrem Probieren, ihrem Erkunden und Lernen zu begleiten. Bereits seit einiger Zeit beobachte ich, dass Kleben etwas ist, das sie fasziniert. Dabei geht es wirklich rein um die Sache an sich: Den Kleber öffnen, daran riechen, die klebrige Spur auf dem Papier hinterlassen, den Kleber über das Papier gleiten lassen und draufkommen, dass etwas damit passiert.

Gestern habe ich dieses Interesse dann aufgeschnappt, ganz spontan, ohne viel Tamtam. Habe einen Tisch hergerichtet, ihn Klebetisch genannt und ihn mit Klebebändern und Klebestiften ausgestattet. Dann habe ich gewartet. Nicht lange hat es gedauert, bis ein reges Treiben rund um diesen Tisch entstand. Besonders zwei Kinder waren intensivst am Arbeiten. Dabei wurden Klebebänder ausgerollt, über den Tisch gespannt, rund um Sesselbeine gewickelt. Die glatte Oberfläche des Klebebandes wurde abgetastet, die Tatsache, dass es auch an einem selbst hängenbleiben kann, als erschreckend bewertet. Es wurde gemeinsam gearbeitet und alleine in Stille und vollster Konzentration.

Wer mit so jungen Menschen zu tun hat, weiß, dass es kaum Beruhigenderes und gleichzeitig Inspirierenderes gibt, als Kinder, die tiefversunken spielen. Und so etwas durfte ich gestern beobachten: Eine Hingabe, ein Entdecken, ein Verstehenwollen. Ein Scheitern, ein Wiedermachen, ein über die Arbeit Reflektieren. Eine Liebe zum Detail, ein Forschergeist, eine Ausdauer.

Und das war sie auch schon. Meine Geschichte vom Klebeband. Eine Geschichte, die mich an die Grundlagen, die Einfachheit und zutiefste Wertschätzung den kleinen Dingen gegenüber erinnert. Weder viel Tamtam, noch viel Material hat sie gebraucht, diese Geschichte. Aber was bleibt, sind neue Erfahrungen, Eindrücke und die Inspiration, den Prozess, das Tun zu genießen, ohne auf das Produkt fokussiert zu sein. Einfach tun. Und wenn es das Spiel mit einem Klebeband ist.

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Die normale Norm

Wir gehen durch die weihnachtlich geschmückten Räume eines Einkaufscenters und erfreuen uns an Porzellantässchen, Glitzerserviettchen und Kunstblümelein. In dem Moment, als ich vom Plastikgeruch dieser unechten Schönheiten etwas widerwillig zurückschrecke, sehe ich meinen (argentinischen) Mann mit Glitzern in den Augen: Es riecht nach Weihnachten!

Während ich nicht verstehe, wo doch Tannenzweige und Weihrauch weit entfernt sind, erzählt er mir vom Plastikbäumchen und der Kiste, die sie jeden Sommer – zu Weihnachten eben – aufmachten und mit deren Inhalt sie das Haus schmückten.

Uh. Uh. Uh. Jetzt kommt es mir. Das, was ich unter anderem mit Weihnachten verbinde – kalt, gemütlich, Tannenzweigegeruch und Lebkuchen – ist noch lange nicht das, was er damit verbindet. Für mich ist es so normal, wie nur irgendwie möglich. Und so ist es auch für ihn.

Normal. In der Norm. Das, was wir kennen und als gut und “weils eben so ist” abstempeln, das ist normal. Und da gibts dann auch nicht viel anderes, weil in so einer Norm, da hat nicht so viel Platz.

Normal ist, dass Weihnachten nach Tannenzweigen riecht. Normal ist, dass es dann auch kalt ist. Normal ist, das zu tun, was sich gehört. Normal ist, lieber ruhig zu sein, als zu laut. Normal ist, angepasst und brav zu sein. Normal ist, Fleisch zu essen. Normal ist, nur die männliche Form zu nennen und normal ist auch, sich als Frau damit immer angesprochen zu fühlen. Normal ist, einfach zu tun und nicht so viel nachzufragen. Normal ist, das zu tun, was die meisten tun. Weils die meisten schon wissen werden, sonst wärs ja nicht so.

Normal. Ein weites, aber scheinbar nicht sehr breites Feld. Normal. Dass ich da oft nicht mitmache, ist nicht so normal. Dass mir Dinge auffallen, dass ich Dinge anspreche und Dinge hinterfrage, ist nicht so normal.

Norm. Normal. Hat wohl viel mit dem zu tun, wo (und bei wem und mit wem) ich mich gerade befinde. Normal.

Mal ganz spannend, darüber nachzudenken, was denn in unserer aller Leben “normal” ist. Vielleicht ists nämlich an der Zeit, diese Norm breit genug für uns alle zu machen…

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Zum Geburtstag

Zum Geburtstag für mich schreib ich ein Gedicht. Es ist stark vom letzten Text und Gedicht inspiriert und beschreibt meinen wunderbaren Tag.

Weine.
Weine vor Freude. Und Berührung. Weine, weil die Zeit vergeht und dich das traurig macht. Weine und lass dich halten. Weine vor Freude und Berührung.

Spiele.
Spiele mit Essen, mit Farben, mit Licht. Baue dein Nest. Schütte Glitzer über dich, verteile es in der Luft, auf dem Boden. Schaue zu, wie es funkelt im Licht. Staune. Spiele mit Blättern im Wald, mit Worten und Gedanken.

Reise.
Reise zurück. Schau dir alte Fotos an. Finde Spielsachen, die du geliebt hast. Versinke in Erinnerungen. Teile sie und lass dich mitreißen von Erzählungen über die alten Tage, die junge Kindheit.

Atme.
Atme tief ein. Die kalte Luft, den warmen Duft. Atme und sei ganz da. Atme und merke – das ist dein Moment.

Gehe hinaus.
Gehe hinaus in den Wald, über die Wiesen. Gehe hinaus und gehe hinein. So schön ist es draußen, so schön ist es drinnen.

Genieße.
Genieße die Aufmerksamkeit und den Kuchen. Genieße es, Geschenke zu bekommen und nimm sie an. Genieße jeden Atemzug und die Tatsache, dass sich Menschen freuen, dass es dich gibt. Genieße diesen Ruhm, genieße diese besondere Stimmung an diesem besonderen Tag.

Freue dich.
Freue dich, dass es dich gibt. Freue dich, dass es die anderen gibt. Freue dich über den Kuchen, die Langsamkeit und die Zeit, die du mit den allerwichtigsten Menschen verbringen durftest und darfst. Freue dich über jede Umarmung, jedes Wort, jede liebe Geste.

Feiere.
Feiere deinen Tag, feiere das Leben. Heute und morgen und an ganz vielen Tagen. Feiere das Große, feiere das Kleine. Lass dich feiern, lass dich tragen.

Ich bin unendlich dankbar, zutiefst gerührt und von Herzen froh, so ein wunderbares Leben zu haben. Voller Liebe, Licht, Glitzer und dem warmen Gefühl, von so vielen Seiten geliebt zu werden.

Liebe Welt, danke für diesen Tag.

Mein Geburtstagsglitzerstaub.
Meine Geburtstagshöhle.
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Geschüttelt und gerührt.

Ich lese die Worte und es schüttelt mich. Ich bin berührt und gerührt. Und warum, das möchte ich euch sagen:

Eine amerikanische Künstlerin hat ein so wunderbares Gedicht geschrieben, das ich gerade entdeckt habe. Hier ist es, genießt es:

(Original: How to be an artist. Von Susan Ariel Rainbow Kennedy.)

Jeder Mensch ist ein Künstler.

Lass dich fallen.

Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die “Ja” sagen
und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde eine Freundin von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch du kannst
mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere “verantwortlich” zu sein.
Tu es aus Liebe.
Mach viele Nickerchen.
Gib Geld weiter. Tu es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei.
Lache viel.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu.
Öffne dich, tauche ein, sei frei.
Segne dich selbst.
Lass die Angst fallen.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in dir.
Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken.
Werde nass.
Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

(gefunden auf: http://www.musen-tanz.de/?p=68, wenig, aber doch adaptiert von mir)

Und ihr Lieben – da, wo euer Herz etwas schneller schlägt, bei dem Satz, den ihr zweimal lesen wollt, bei den Worten, die euch gleich berühren – da lasst es zu! Da probiert es aus, da schreibt es euch auf und klebt es irgendwo hin, wo ihr es sehen könnt. Immer und überall.

Denn das, was euch berührt, hat was mit euch zu tun.

Bei mir waren es vor allem diese:

Ich bin gerade so beflügelt, so berührt, so bereit, das umzusetzen, dass ich direkt Gänsehaut habe und auch Tränen in den Augen.

Lest. Macht. Denkt. Und freut euch des Lebens, es ist so schön.

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Bezaubernde Schokotarte

Heute mal etwas anderes von mir: Und zwar eines meiner Lieblingskuchenrezepte!

Zum ersten Mal hab ich diese Tarte vor bereits über einem Jahr für meinen Freund zum Geburtstag gemacht und mich selbst wie ein kleines Kind gefreut, ihm so ein wundervoll schönes Kunstwerk zu überreichen!

In den darauffolgenden Wochen habe ich sie dann noch ein-, zwei-, dreimal gemacht und auch noch etwas weiterentwickelt! Besonders das Verzieren hab ich sehr genossen – ein Spiel mit Blüten, Beeren, Salz, Kokos und allem, was schön ausschaut und gut schmeckt.

Die Tarte ist wirklich einfach, benötigt kein Backen und kann aus wenigen Zutaten gemacht werden.

Für den Boden habe ich mich schlussendlich für eine Nüsse-Trockenfrüchte-Mischung entschieden, die Ganache (ja, so nennt man das in der Fachsprache!) kommt mit drei Zutaten aus und ist wunderherrlich einfach herzustellen.

Für den Boden habe ich also verschiedene Nüsse und Samen verwendet (was ich gerade zur Verfügung habe – Cashews, Haselnüsse, Mandeln, Sesam, Sonnenblumenkerne etc.) und diese kleingehackt mit eingeweichten Datteln und Hafer zu einer angenehm klebrigen Masse vermischt. Was ich auch schon probiert habe, ist zu dieser Masse gefrorene Himbeeren dazuzugeben – dann schmeckt der Teig fruchtig und durch das Wasser in den Beeren hält er noch besser zusammen!

Da die Nüsse fettig sind, muss die Backform (ich verwende immer eine runde, ca. 1,5cm hohe Quicheform aus Porzellan) gar nicht vorbearbeitet werden, sondern der Boden kann gleich hinein. Einfach mit den Händen niederdrücken, sodass die Masse bis zu den Kanten hinauf überall ist.

Die Ganache funktioniert folgendermaßen: Die Schokolade zerstückeln und in eine Schüssel geben, dann die Kokosmilch erhitzen und kurz vor dem Kochen abdrehen. Die heiße Kokosmilch über die Schokolade leeren und zwei Minuten warten, dann Sahnesteif dazu und gut verrühren.

Die ganze Schokomasse kommt dann in die Form und so wird das Ganze einige Stunden (besser sogar über Nacht) kaltgestellt.

Anschließend kann die Tarte verschönert werden – mit allem, was das Herz begehrt! Beeren, Minze, Kokosraspeln, Blüten – und ein Geheimtipp, der immer wieder überzeugt: Salz! Ein paar Dreher mit der Salzmühle und fertig ist ein Geschmackserlebnis der besonderen Art!

Wenn ihr diese bezaubernde Tarte ausprobieren wollt, wünsch ich euch viel Vergnügen und Genuss beim Machen, Verzieren, Spielen und Verspeisen!

Hier noch einmal die genaueren Angaben:
Für den Boden brauchst du:

∆ 200g Nüsse (gemischt)
∆ 10 Stück Datteln (entweder die weichen Medjoul oder einfach die etwas härteren in 10 Minuten Wasser eingeweicht)
∆ 100g Haferflocken
∆ Zimt
∆ etwas Wasser (damit der Teig gut zusammenklebt)

Für die Ganache brauchst du:

∆ 200g dunkle Schokolade
∆ 300ml (eine Dose) Kokosmilch
∆ 1 Pkg. Sahnesteif

Beim Verschönern helfen dir:

∆ Himbeeren, Physalis, Heidelbeeren, Erdbeeren
∆ Zitronenschale
∆ Kokosraspel oder Kokossplitter
∆ Salz
∆ essbare Blüten (unbehandelte Rosenblätter, Malvenblüten, Ringelblumen, Gänseblümchen,…)
∆ Minze, Zitronenmelisse

Oh, schon beim Schreiben läuft mir das Wasser im Mund zusammen – ich glaub, diesen Hochgenuss gönn ich mir ganz bald wieder einmal!


allgemein · kreativ · nachhaltig

Hollersaft – oder: Über die Dankbarkeit

Vor zwei Tagen habe ich meinen ersten Hollersaft gemacht (was sehr verwunderlich ist, weil ich Hollersaft LIEBE und es Holler nicht erst seit diesem Jahr gibt! Aber es scheint, dass da in mir ein Knopf aufgegangen ist, denn erst jetzt sehe ich das alles, was es gibt und was ich verkochen, verarbeiten und verspeisen kann!) und da das Herstellen von Sirup so überraschend einfach ist, habe ich beschlossen, dass ich auch gleich noch einen zweiten – etwas experimentelleren – Sirup mache: Lavendel und Zitronenmelisse. All das gibts im Garten und beim Kochen hab ich mich schon auf meine Kreation gefreut!

Ich liebe das Gefühl, eine Grundtechnik (in diesem Fall “Wie stelle ich Sirup her”) (kennen) zu lernen und diese dann kreativ auszuweiten, anzupassen, zu verändern und damit zu spielen! Ich liebe das besonders ind er Küche, weil das Produkt so herrlich sinnvoll (und in den meisten, meisten Fällen auch noch so genießbar) ist!

Und dann überkommt es mich. Dieses befriedigende, wohlige, zutiefst dankbare Gefühl, wenn ich die Schätze der Natur kosten, pflücken und verwerten darf.

Besonders jetzt, wenn die ersten Ribisl rot, die Lavendelblüten lila und der Zucchini grün aus dem Beet leuchten, wenn die Linde süßlich duftet und die Kräuter im Wind wehen. Dann überkommt es mich.

Diese Geschmäcker, diese Düfte, diese herrliche Vielfalt. Dieser Schatz, diese Fülle, diese schier unpflückbaren Massen an Früchten, Gemüse und Kräutern, Blüten, Stängeln und Knospen! Es ist ein herrliches Gefühl, diese Geschenke der Natur wahrzunehmen, zu sehen, zu schmecken, zu riechen, zu genießen!

Und so, liebe Leute, werde ich heute Abend meinen ersten selbstgemachten Sirup verkosten, mich des Lebens und der Sonne erfreuen und dankbar mein Säftchen trinken!