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Ansteckungsgefahr

Es gibt viele Dinge, die anstecken können. Lachen, Schnupfen und ein Virus zum Beispiel. Gute Laune, schlechte Laune und Anstecknadeln auch.

Etwas, das auch sehr ansteckend ist, sind Lebensweisen. Ich merk das immer wieder in meinem Umfeld, dass das, was ich sage und tue (oder nicht tue), andere anstecken kann. Sie also dazu motivieren kann, dasselbe auch (nicht) zu tun.

Ein Beispiel: Ich bekomme eine Nachricht einer Freundin, ob wir uns mal wieder treffen können (precoronös, versteht sich) und antworte ihr ganz ehrlich, dass ich in dieser besagten Woche bereits zwei Termine am Abend habe und mir das zu viel werden würde, würden wir uns auch noch etwas ausmachen. Ich denke mir nicht viel, will einfach aufrichtig sein (zu ihr und zu mir selbst). Wochen später bei einem Telefonat erzählt sie mir, dass sie diese Selbstfürsorge (ich pack mir nicht zu viel in meine Woche; horche auf das, was ich spüre etc.) sehr beeindruckt und sie dazu animiert hat, sich auch für sich selbst wieder mehr Frei-Zeiten freizuhalten.

Und ich frage mich seit dem, ob es vielleicht auch andere Sachen und Dinge gibt, die ich mache, die andere unbewusst anstecken – im Positiven natürlich.

Ob es Momente oder Gedanken gibt, die andere inspirieren, auch mehr Selbstliebe, Achtsamkeit, Kreativität oder Muße in ihren Alltag einfließen zu lassen.

Und diese Ansteckungsgefahr dann vielleicht zu einer Ansteckungssicherheit, einer Ansteckungskette, zu einer positiven Ansteckungsreaktion wird…

Und dann wären wir auch wieder bei dieser globalen Verantwortung, beim Miteinander und beim wir-sind-hier-nicht-alleine.

Denn wie der Stein ins Wasser fällt, so hinterlässt wohl auch unser Handeln und Denken weite Kreise…

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Was übrig bleibt

Ich sitze – mal wieder – am Balkon. Dieses Mal ist es regnerisch und kühl. Ich höre die Tropfen fallen und sehe das satte Grün der Bäume und Pflanzen, die sich nach Wasser gesehnt haben.

Und ich frage mich, warum mir dieses Wetter gerade so passend vorkommt. Dieses Lechzen der Welt nach Regen, nach Wasser und – nach Normalität. Diese letzten Wochen waren lange. Geprägt von Unsicherheit und Zweifel, zu viel Zeit und zu wenig Sachen. Geprägt von Angst und Liebe, von Glauben, Hoffen und Wollen. Und plötzlich ist der Regen da, die Welt atmet ein bisschen auf. Zumindest die Welt um mich herum.

Diese letzten Wochen werden ins Geschichtsbuch eingehen. Und diese letzten Wochen sind nun erstmal vorüber. Es kleinreden, niedermachen oder leugnen, nein. Darum gehts jetzt nicht. Es ist auch noch nicht vorbei, dieses Es.

Aber die erste Durstrecke ist geschafft. Zumindest wissen wir jetzt, wie es sich anfühlt, wenn die Welt mal auf Pause drückt. Wenn Stillstand zur Stille wird und die Atempausen zur Normalität.

Immer immer wieder kann ich nur sagen, dass ich so dankbar bin, für all die außergewöhnlich guten Umstände, in denen ich mich befinde und in dieser Ausnahmesituation bisher befunden habe. Und immer immer wieder muss ich auch zugeben, dass ich der dagewesenen Stille, Muße und Situation ein bisschen nachtrauere.

Darf man das denn überhaupt sagen? Ich weiß es nicht.

Nicht den Kranken, nicht den Sterbenden. Nicht den Alleingelassenen, nicht den Überforderten. Nicht den Schwachen, nicht den Abhängigen. Denen wünsch ich dies alles natürlich nicht noch einmal.

Aber mit ein bisschen Wehmut denke ich jetzt schon zurück an die Stille auf den Straßen, die Ruhe in den Gesprächen, die Fülle und gleichzeitige Leere der Tage. Mit ein bisschen Wehmut und Sehnsucht denke ich an die bewussten Spaziergänge, die unendlich scheinenden Morgen und die Einfachheit, auf die ich mich reduzieren konnte.

Ich weiß. Es soll und darf keine Epidemie brauchen, um die Zeit zu genießen und in den Tag hineinzuleben. Es soll und darf kein Massensterben und -leiden brauchen, um die wichtigen Dinge zu erkennen. Das weiß ich.

Und trotzdem möchte ich diesen letzten Wochen etwas Ehre und Dankbarkeit widmen. Und wenn das dann alles vorbei und geschafft ist, dann würde ich mir wünschen, dass etwas übrigbleibt. Etwas von dieser Einfachheit, dieser Liebe, dieser Stille. Etwas vom großen Wert des Gemeinsamen, des Miteinander.

Etwas von dem, das mir (und vielen, mit denen ich in den letzten Wochen eng im Austausch war) trotz allem so gut getan hat. Was auch immer das für euch da draußen gewesen sein mag.

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Tiefgründig

Ich hab da so eine Vermutung. Eine, die erklären könnte, warum Konflikte und Reibungen unter anderem entstehen. Hochtrabend? Mag sein. Tiefgründig? Auf jeden Fall.

In Gesprächen und vor allem beim Zuhören komme ich immer wieder drauf, wie sehr und oft wir Menschen und ihr Handeln be- und auch verurteilen. Der macht dieses, die macht jenes. Dann macht der jenes nicht und die sowas schon überhaupt nie.

Egal, worum es geht, immer sind wir im Umgang mit anderen Menschen mit der Tatsache konfrontiert, dass jemand etwas macht oder eben nicht macht, das wir für gut oder eben nicht gut heißen.

Wenn ich mal von mir ausgehe, mache ich Dinge aus einem bestimmten Grund. Ich hab meine Gründe, meine Geschichte, meine Absichten, meine Ideen. Und mach die Dinge dann (oder eben nicht).

Und das nehm ich jetzt mal ganz einfach bei allen anderen auch so an: Alle handeln aus einem Grund. Ob der gut ist oder nicht, sei dahingestellt (und die Frage steht jetzt auch gar nicht im Zentrum). Was ich dann sehen kann, von all diesen tiefen Gründen, diesen weitdenkenden Ideen, diesen gut gemeinten Absichten – ja das ist nur das, was ich eben von außen sehen kann. Und oftmals ist das nicht so viel.

Wenn ich auf diesem Gedankengang spaziere, merke ich plötzlich, dass ich mich fast gar nicht mehr über andere aufregen kann. Weil ich fast nie die Hintergründe weiß. Oder zumindest oft nicht. Und dann muss ich mich ganz gut an der Nase nehmen und mir vorsagen, dass die oder der andere wohl einen Grund hat, so oder anders zu handeln.

Und sowas vereint uns ganz schön. Denn plötzlich sitzen wir im gleichen Boot. Haben die gleichen Ängste, die gleichen Hoffnungen, möchten unsere Liebsten schützen oder können und kennen eben nichts anderes.

Und so tiefgründig das ganze Hintergrundthema ist, so einfach ist es auch: Bevor ich rede und mir meine Meinung bilde, denke ich kurz drüber nach, was denn im Hintergrund abgelaufen sein könnte. Um dann etwas friedvoller und offener auf mein Gegenüber eingehen zu können.

Liebste Grüße aus der Tiefe des Gedankengrundes

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Was hilft?

Was ist es, das jetzt hilft? Was ist es, das uns gesund bleiben lässt? Im Körper und im Kopf? Was hilft in einer Zeit, wie dieser?

Ich mache mir viele Gedanken rund um dieses Thema und hab grad viel Zeit, Vieles auch auszuprobieren.

Meine Liste an Dingen, die mir helfen in dieser Zeit der Langsamkeit, der Ungewissheit, des Daheimbleibens, habe ich für euch gesammelt. Und unterteilt, damits noch einfacher ist.

Also, here we go!

DIE BASICS

Wasser trinken. Tut unheimlich gut, braucht der Körper sowieso, freuen sich alle Zellen. Viel und nebenbei und auch gerne lustiges Wasser mit Basilikumblättern und gefrorenen Himbeeren.

Atmen. Durchatmen. In den Bauch atmen. Wusste ich schon lange, wissen wir alle – mal ausprobieren, mal draufhören und – schauen, was das kann.

Essen. Und zwar gut. Zeit nehmen und lassen beim Kochen und Essen, auch mal was ausprobieren. Frisch kochen, bunt und lustig. Ein Regenbogen aus Obst und Gemüse? Ja! Besonders auch für Erwachsene!

Bewegung. Drinnen und (wenn möglich) draußen. J E D E N Tag. Wirklich. Ganz, ganz wichtig. Befreit, schenkt Lebensmut und erfrischt. Wenn möglich auch ab und zu schwitzen dabei.

DIE SPIELERISCHEN

Spielen. Ja, wirklich. Karten, Brettspiele, Quizzes. Oder ganz anders: Bücher nach Farben ordnen. Den Esstisch umstellen und sich freuen, auf einmal ein Büro zu haben (kann ich empfehlen, habs probiert!). Mit Farben, Wörtern, Papier, Musikinstrumenten – alleine oder gemeinsam. Hauptsache ohne “Zweck”.

Tanzen. Platz machen, Musik aufdrehen und wild herumspringen. Nicht schön ausschauen dabei, sondern bewegt. Das Herz pumpern und die Haare fliegen lassen.

Aus dem Fenster schauen. Der Sonne beim Untergehen zuschauen. Dem Wind beim Umherpusten. Und Vögel beobachten. Oder ins Fenster der Nachbarn lugen.

Neue Wörter verwenden. Zum Beipspiel “lugen”. Nachschauen, was sie bedeuten, Freude daran finden, dass Wörter komisch klingen. Lugen. Lugen. Lugen.

Sticken, malen, schreiben. Irgendwas Kreatives. Irgendwas, das Zeit braucht und Zeit bekommt. Irgendwas, das ein (schönes?) Produkt liefert. Oder irgendwas, das einfach der Sache wegen schön ist.

Experimente machen. Sauerteig züchten, zum Beispiel. Oder Farben mischen. Oder das Experiment, wie lange man die Fenster eh eigentlich nicht putzen muss.

DIE SOZIALEN

Pflanzen haben. Und sich drum kümmern. Beim Wachsen beobachten, sich über jedes neue Blättlein freuen. Den Basilikumbusch nach dem Abernten am Fensterbankerl stehen haben und zuschauen, wie neues Leben entsteht.

Reden. In echt und über Whatsapp. Sprachnachrichten verschicken und die Oma anrufen. Sich mitteilen, nachfragen, reden. Über die Ängste und die Hoffnungen. Über das Leben und das Leben danach.

Sich “treffen”. Videotelefonieren, Konferenzschaltungen und Houseparties ausprobieren. Sich anschauen und sehen. Austauschen und zuhören, Geschichten erzählen und gemeinsam lachen.

Netflix. Ja, das kommt beim Punkt “Soziales”. Weil es gut tut, die “Serienfreunde” zu sehen. Zu schauen, wie das Liebesproblem des einen und die Jobsituation der anderen weiterlaufen. Weil es die große Welt in die kleine Wohnung holen kann. Filme, Serien, Dokumentationen. Alles einfach.

DIE MUTMACHENDEN

Dankbar sein. Dafür, dass die Sonne scheint oder das Wetter so schmuddelig ist, dass eigentlich eh nur Fernsehen geht. Dass wir Essen haben und Menschen in unserem Leben. Jeden Tag zumindest für eine Sache dankbar sein. Gerne auch teilen.

Fragen stellen. Und nach Antworten suchen. Informationen bekommen, interessiert sein und kritisch bleiben. Nicht alles glauben und Informationen auf Glaubhaftigkeit überprüfen.

Vertrauen haben. Leichter gesagt als getan? Überlegen, was denn bis jetzt schon alles gut ausgegangen ist. Was das “Schlechte” an “Gutem” hat. Sehen, dass es immer immer immer mehr Seiten gibt.

Aus Routinen ausbrechen. Dafür braucht es vorher Routinen. Also: Routinen haben und dann auch mal ausbrechen. Vorm Fernseher essen. Oder ein Kleid anziehen, einfach so. Oder was Neues lernen. Im Internet oder von einem Buch. Ein neues Rezept oder eine neue Wissenschaft. Alles ist erlaubt.

Aufräumen, ordnen, ausmisten. Macht Mut und zeigt Veränderung. Schafft Platz – im Kasten und im Kopf.

Am Boden bleiben. Und das mein ich sehr buchstäblich. Ich leg mich grad gerne auf den Boden. Das hilft mir, mich zu erden. Am liebsten im Wald oder im Wohnzimmer. Dann schau ich nach oben und alles schaut schon mal ein bisschen anders aus.

Ich werd mir jetzt etwas aus dieser Liste aussuchen und machen. Wahrscheinlich sogar mehrere, denn der Tag ist jung und lang und die Zukunft ungewiss. Also lasst sie uns gestalten.

Viel Freude beim Nachmachen und Ausprobieren!



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Übers-Leben-Fragen

Und auf einmal ist es da, voll und ganz.

Und was dieses Etwas mit uns macht, das fängt erst an. Was es mit mir macht, das hab ich in den letzten Tagen des Öfteren gemerkt. Die “freie” Zeit habe ich genossen, die Sonne auch und auch das endlich-mal-wieder-wirklich-Zeit-haben. Aber als es bei mir angekommen ist, dass das Virus/der Zustand/die Situation jetzt wirklich voll und ganz auch in mein Leben eingreifen, da bin ich wütend geworden. Wütend, zwider und enttäuscht. Meine Erwartungen waren anders als die Realität. Und das hat mich mitgenommen.

Die Gedanken, die vielen Gedanken, für die jetzt viel, viel Zeit bleibt, sprudeln nur so. Vor allem sind es Fragen. Die Fragen, die Fragen bleiben. Die Fragen, die wir erst in langer Zeit beantworten können, nämlich rückblickend. Die Fragen, die ich mir stelle – grundsätzlich und überhaupt.

Was will ich? Was mache ich mit all dieser “freien” Zeit? Muss ich die Zeit füllen und etwas schaffen? Wann fühlt sich ein Tag/eine Woche/… gut an? Wenn ich etwas erledigt habe? Oder wenn ich wirklich nur das gemacht habe, was ich wollte? Wie teile ich meinen Tag ein, wenn ich die Struktur bestimmen kann und sogar muss? Was habe ich nicht gemacht, als es noch ging? Mit wem habe ich mich nicht getroffen, weil es scheinbar nie der hunderprozent passende Moment war? Welche Dinge würde ich jetzt gerne tun, die nicht möglich sind? Warum bin ich trotzdem noch in so einer glücklichen Lage und andere nicht? Was macht es mit Menschen, wenn so eine Krise plötzlich da ist und welche “Typen” von Menschen lassen sich in Stresssituationen erkennen? Wie gehen Menschen in meiner Nähe mit all den Nachrichten, den Restriktionen, den Veränderungen um? Was macht all das mit mir?

Viele Fragen, die (noch) keine Antworten haben. Müssen sie auch im Moment nicht. Ich lasse die Fragen einfach mal stehen und frage mich zum Schluss, wie es sein wird, in 6 Monaten, einem Jahr, 5 Jahren. Wie uns das verändert haben wird. Wie uns diese Krise näher gebracht haben wird. Wie wir zurückblicken werden und wie wir die Zeit bis dahin gestaltet haben werden.

P.S: Wenn ihr noch mehr Lust zum Lesen habt – hier ein Artikel, den ich sehr inspirierend gefunden habe: 48 – Die Welt nach Corona

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Auf einmal kommt da etwas

Auf einmal kommt da etwas. Kommt mit einer Wucht und Größe, die wir kaum halten können. Kommt und stört uns in unserer Ruhe, unserem kleinen Dasein.

Und auf einmal kommt da etwas, das größer ist, als wir selbst. Größer als das, was wir bisher kannten. Und größer, als wir es uns auszudenken trauten. Es kommt und ist da – laut, beunruhigend, überall.

Auf einmal kommt da etwas, das uns vieles hinterfragen lässt. Hinterfragen und neudenken. Es kommt und zeigt uns, dass Dinge unmöglich sind, die bisher möglich waren. Und es zeigt uns, dass Dinge auf einmal möglich sind, die bisher für unmöglich gehalten wurden. Es zeigt uns unsere Grenzen auf und öffnet trotzdem etwas in uns. Es lässt uns zusammenhalten und wegschauen, es lässt uns aneinander denken und uns selbst in den Mittelpunkt stellen. Es ist so ruhig und beunruhigt uns. Es spaltet, es polarisiert, es lässt zweifeln.

Auf einmal kommt da etwas, in einer Größe und Wucht, die wir uns hier in unserem schönen, sicheren, reichen Land nicht vorstellen hätten können. Etwas, das wir nicht sehen und das so viel sichtbar macht. Etwas, das wir nicht hören und das in unser aller Ohren, Augen, Köpfen ist. Etwas, das nicht zu leugnen, nicht zu verschmähen, nicht zu übersehen ist.

Auf einmal kommt da etwas und ist da. Voll und ganz, überall und jederzeit. Stört uns in unserer Ruhe und unserem kleinen Dasein. Und lässt uns umdenken, zweifeln, nachdenken, improvisieren. Es zeigt uns viel und wird uns noch vieles zeigen.

Auf einmal kommt da etwas und ist da.

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Mein Weg zu mir

Gerade komme ich von meinem Spaziergang heim. Während des Gehens hatte ich einen Moment des Außer-mir-Seins, denn ich konnte mich irgendwie von außen wahrnehmen. Es war wie eine Szene im Film, schwer zu beschreiben, aber schön zu erleben. Und wie ich mich da so gesehen habe, von außen, im Schnee mit meinem gelben Regenmantel, grinsend und gehend, da hab ich mich gefreut, dass ich mich so sehe.

Ich habe mir gedacht, wie schön es doch ist, dass ich meinen Nachhauseweg gehend zurücklege. Ich habe mich gefreut, dass mir das Wetter nichts ausmacht und dass ich mich sogar freue, wenns stürmt, weil ich da meinen gelben Mantel anziehen kann.

Ich habe mich gefreut, dass ich mich sehe und mich mag. Ich denke über mich nach und mag mich. Ich mag, wie ich bin. Zu mir selbst und zu anderen. Ich mag, wie ich denke und welche Gedanken ich habe. Ich mag, wie ich rede und wie ich über mich selbst rede (und schreibe). Ich mag mich. Und das ist ein wahrlich gutes Gefühl.

Ich mag, dass ich so gesund bin, dass ich mich nicht verbiegen lasse und dass ich mich nach Auseinandersetzungen frage, was ich davon gelernt haben könnte. Ich mag, welche Ideen ich habe und wie ich sie umsetze. Ich mag, dass ich mich mag.

Ich mag mich. Das ist etwas wahrlich Wohltuendes. Und etwas außerordentlich Wichtiges. Ich mag, wie ich bin, wie ich aussehe, wie ich mich gebe, wie ich mir treu bleibe, indem ich mich immer wieder verändere. Ich mag, dass ich anderen zuhören und oft ganz schnell ganz viel verstehen kann. Ich mag, dass mich Menschen mögen.

Nicht alle. Nicht immer und nicht überall. Weder geht es mir immer so, noch empfinde ich solche Selbstliebe in jedem Moment meines Lebens. Aber grundsätzlich und vom tiefsten Inneren heraus. Und das zeigt mir, dass ich grundsätzlich einen guten Weg gehe. Meinen Weg zu mir. Und der gefällt mir.

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Hochachtung, liebes Leben.

Gerade hatte ich einen Gedanken. Einen so aufrüttelnden, wie erschreckenden Gedanken. Ich hab nachgedacht und mich gefreut, dass morgen Freitag ist. Soweit ja nichts Erschütterndes. Eher eine Tatsache, eine Gegebenheit, eine Wirklichkeit.

Dass ich mich freue, ist auch ganz normal: Freitag ist der letzte Arbeitstag der Woche, danach ist das Wochenende, zwei Tage frei, zwei Tage tun und lassen, was ich mag.

Was jetzt das Erschreckende daran ist, fragt ihr euch? Die Tatsache, dass der Freitag bzw. eher das Wochenende als Symbol der Freiheit, der Zeit und des endlich Tuns, was ich wirklich will, ist, das macht mich schon mal stutzig. Dass ich mich aber freue, dass endlich schon wieder eine Woche um ist, das macht mir eher Angst. Dieser allseits verbreitete Gedanke, dass endlich wieder eine Woche “geschafft” ist, erschreckt mich. Eine Arbeitswoche, ja. Eine Woche meines Lebens auch, ja. Und mich darüber zu freuen, ist wohl mehr als arrogant – dem Leben gegenüber.

Ich möchte mein Leben so gestalten, dass ich mich nicht nach dem Wochenende sehnen “muss”. Dass ich die Tage als Tage annehme und nicht als zu-langsam-oder-zu-schnell-verstreichende-Lebenszeit. Es klingt hochdramatisch. Und vielleicht ist es das auch.

Vielleicht ist es an der Zeit, das Ganze etwas zu hinterfragen. Dieses ganze Arbeiten für die anderen. Dieses ganze Tun und vor allem Funktionieren. Dieses ganze alles-als-Selbstverständlichkeit-Sehen. Dieses von-Wochenende-zu-Wochenende-Hanteln.

Ich bin – mal wieder – in einer Phase des Umbruchs. Und der ist groß. Aber auch bis das alles so ist, wie ich es mir zusammendenke und visioniere, möchte ich mich selbst an der Nase nehmen und viel mehr Tage – Achtung, Spoiler: Die sind das Leben! – als voll erleben. Nicht verstreichen lassen, mich fragen, wo sie hingekommen sind. Sondern er-leben.

Denn ein bisschen Hochachtung hat das Leben schon verdient.

Hochachtungsvoll,
eure K.

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Weniger oder Über die Genugtuung.

Ich habe gerade eine Woche des Wenigers hinter mit. Habe wenig getan, wenig gegessen, wenig geschafft. Ich war krank, habe wenig zu tun gehabt. Ja, konnte sogar nur wenig tun. Und ich hatte viel Zeit zum Nachdenken.

Ob weniger immer mehr ist, weiß ich nicht. Oft stimmt es wohl. Und besonders, wenn ich merke, wie durch weniger Sachen/Stress/Arbeit/Gedanken/… etwas mehr Raum bleibt zum Atmen/Leben/Ausbreiten/Sein. Dann, ja dann, ist wohl weniger wirklich mehr.

Ich merke immer wieder, wie ich schön langsam weniger und weniger brauche. Ich brauche weniger Gewand, weniger Dinge, weniger “Action”. Ich will weniger Plastik, weniger jammern, weniger Menschen. Ich gehe hundertmal lieber Obst und Gemüse einkaufen als in ein Gewandgeschäft. Ich gebe Dinge weg, die ich nicht mehr verwende und entscheide mich ganz oft bewusst für einen langsamen Spaziergang und einen ruhigen Abend daheim.

Ich schreibe hier einen ziemlichen langen, ausgiebigen Text. Wahrscheinlich, weil ich paradoxerweise zu diesem Thema so viel zu sagen habe. Weniger und mehr. Wie relativ!

Besonders jetzt im Advent habe ich mir eine Sache sehr zu Herzen genommen: Das Ausmisten. Das Wenigermachen von Unnötigem. Das Weggeben und Platzschaffen.

Ich habe dieses Jahr einen umgekehrten Adventkalender: Jeden Tag gebe ich (mindestens) eine Sache weg, die ich nicht mehr brauche. Dabei können das Kleidungsstücke, Schmuck, Deko-Klimbim, Bücher, Küchenutensilien,… sein. Alles, von dem ich keinen Gebrauch mehr mache. Alles, das ich nicht unbedingt brauche – alles, von dem Frau Kondo sagen würde, dass es für mich keine Freude (mehr) versprüht.

Und oh! Tut das gut! Jeden Tag gehe ich ganz bewusst durch mein Haus und schaue die Dinge mit anderen Augen an: Ist das, was ich sehe, noch gut/wichtig/schön für mich? Brauche ich dieses oder jenes wirklich? Und wenn die Antwort – und die kommt meist ganz schnell – nein ist, dann kommt es in die Flohmarkt-Kiste.

Ein Begriff, der mir in diesem Kontext auch immer wieder einfällt, ist “frugal”. Dieses Wort bedeutet soviel wie “bescheiden”, “einfach”, “genügsam” und kann in unterschiedlichen Situationen angewendet werden. Nicht viel brauchen zum Leben. Genug haben können. Und wissen, was einem/r wichtig ist. Das ist frugal.

Ich bin so dankbar, dass diese Lebensweise so mit meiner Einstellung, meinen Überzeugungen, meinem kleinen, friedlichen Dasein zusammenpasst. Ich freue mich, dass es mir auch von vielen Seiten ermöglicht wird, dass ich so leben kann.

Weniger. Was für eine Genug-Tuung.

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Die Perlen der Wirklichkeit

“Ja, was bleibt denn?”, fragt meine Mama mit dem Staubsauger in der Hand, die Popcorn unseres Filmabends wegsaugend. “Wenn es nicht diese Momente sind, dann weiß ich es auch nicht.” Ja. Was bleibt denn?

Sie färben den Alltag bunt, machen das Herz warm und die Erinnerungen tief. Aus einer scheinbar alltäglichen Situation das Besondere herauszuholen, darum gehts dabei. Wovon ich spreche?

Von den Perlen der Wirklichkeit. Diese außer-ordentlichen Momente, die von Einfachheit, Liebe, Zusammenhalt und vollstem Genuss nur so übersprudeln. Diese Perlen der Wirklichkeit.

Gerade eben komme ich von einem solchen Perlen-Erlebnis. Voller tiefer Dankbarkeit und dem warmen Gefühl, dass das das Leben ist. Dass das mein, unser Leben ist.

Und was bleibt von diesem Leben? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Denn ihre Antwort soll mein Leben leiten.

Die Perlen der Wirklichkeit bleiben. Die glänzenden, die scheinenden, die tiefen Momente mit den wichtigsten Menschen bleiben. So ist das. Diese Perlen der Wirklichkeit, die so wichtig sind. Und so kostbar, echt, verbindend, friedlich, leuchtend und wunderschön.

Falls ihr die genaue Geschichte wissen wollt: Wir haben für unsere Jüngsten im Haus einen Gemeinsame-Zeit-Adventkalender vorbereitet. Und heute stand ein Filmabend am Plan. Mit Matratzen am Boden, Filmprojektion an der Wand, Popcorn und der ganzen Familie. Ein Abend voller Lachen, “Ma, danke” und dem warmen Gefühl, gerade etwas ganz, ganz Besonderes zu machen.

Und das ist es, was bleibt. Diese Perlen der Wirklichkeit.