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Random Acts of Kindness

oder zu Deutsch: Ein zufälliger Akt der Güte. Einfach so nett sein.

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist das Verteilen von Komplimenten und netten Worten, Dankesworten und Lächeln.

Das mag sehr heroisch klingen, vielleicht sogar übertrieben und unnötig, aber ich sags euch – es ist einen Versuch wert.

Dass es für das aufmerksame Bemerken und Aussprechen, dass die Kollegin beim Friseur war, das Danke-sagen für etwas scheinbar Selbstverständliches, das Anlächeln von Fremden einen Ausdruck gibt, finde ich wunderbar!

Random Acts of Kindness. So wird dieses Phänomen genannt. Dabei geht es nicht darum, jeder Person, die uns begegnet, ungefiltert die eigene Nettigkeit überzustülpen oder gar übertrieben nett zu sein. Es geht auch nicht darum, etwas zu tun, bei dem man sich selbst unecht empfindet – nein. Es geht bei diesem “random kind” sein, darum, einfach gütig, aufmerksam, nett, dankbar, herzlich zu sein – ohne Berechnung, ohne Erwartung(en), ohne großes Tamtam.

Random Acts of Kindness. Was für eine schöne Sache. Und gar nicht so schwer, wenn es mal geübt ist. Und wisst ihr, was es noch ist? Gar nicht so selbstlos, wie es anfangs vielleicht scheint: Nett (aufmerksam, lieb, herzlich,…) zu sein, tut Uns selbst nämlich so so gut, macht das Herz warm und hinterlässt ein Gefühl von Weltverbesserung.

Und so, wie sich die anderen freuen, wenn wir einfach mal ohne Grund was herschenken, danke sagen oder zugeben, dass wir so froh sind, über die Hilfe (Zusammenarbeit, Aufmerksamkeit, Liebe, …) der anderen Person, so gut fühlt es sich auch an, das offen und ehrlich auszusprechen.

Random Acts of Kindness. Das gehört auf die To-Do-Liste für unsere Gesellschaft.

Es gibt auch eine Organisation, die sich ganz gezielt damit auseinandersetzt und viele gute Ideen liefert, falls es euch anfänglich noch etwas schwerer fällt – oder ihr aber bereits solche Profis im zufälligen Verteilen von Güte seid, dass ihr noch mehr Inspirationen braucht: https://www.randomactsofkindness.org/

Und als würde sie es wissen – in diesem Moment kommt meine 7-jährige Nichte in meine Wohnung, um mir zu erzählen, dass sie eine Karte mit Herzen für ihren Papa gemalt hat. Einfach so.

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Wald, auf bald!

Ich komme gerade zurück von einem Morgensonnen-Waldstille-Lauf und habe diese Gefühl tiefer, stiller Dankbarkeit.

So, wie ich bereits von meiner neuen Freundin, der Zeit, geschrieben habe, zähle ich den Wald zu meinen neuen engen Freunden. So oft, wie nur irgendwie möglich, treffe ich mich mit ihm. Ich sage ihm, wie sehr ich ihn mag und gehe achtsam mit und in ihm um(her).

Der Wald beschenkt mich mit seiner Ruhe, ja, seiner Stille. Er lässt mich loslassen, meine Gedanken dürfen frei sein, er bringt mich zum Wesentlichen zurück. Immer wieder bleibe ich stehen, halte inne und schaue mich um. Schaue nach oben, sehe die Farben, die Blätter im Wind. Schaue nach unten, spüre den nassen Boden unter mir. Ich rieche und nehme den Wald in mir auf.

Es tut mir so unendlich gut, mir diese Wald-Zeit zu nehmen. Ich fühle mich kraftvoll und dankbar, voll und ausgelassen.

Ich brauche diese Momente zum Verbinden, zum Nachdenken, zum Alleinesein. Und ich brauche sie, weil sie mich gesund bleiben lassen.

Wald, auf bald!

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Ich habe eine neue Freundin.

Und diese Freundin, die kenn ich schon lange, sehr lange. Ich habe sie bisher als Bekannte wahrgenommen, eher eine weit entfernte, als eine nahstehende.

Bisher konnte sie mir oft nicht weiterhelfen, hat mich oft unnötig unter Druck gesetzt und mich nicht zu Wort kommen lassen.

Sie wollte einfach da sein (für mich), aber alleine diese Tatsache hat mich so gestresst und verunsichert, dass es sich angefühlt habe, als müsste ich ihr immer einen Schritt voraus sein. Ich fühlte mich schuldig, im Streit mit ihr, enttäuscht und manchmal einfach ausgelaugt, wenn ich mich mit ihrer Existenz auseinandersetzte.

Meine Freundin. Das ist vielleicht noch ein großes Wort, sind wir doch erst gerade dabei, uns anzufreunden. Dabei habe ich gemerkt, dass sie bereits mit einigen Menschen um mich gut befreundet ist!

Und ihr fragt euch jetzt bestimmt auch, warum ich diese Freundin überhaupt als Freundin haben möchte, wenn wir doch so viele Unstimmigkeiten hatten? Das kann ich euch beantworten. Ihre Freundschaft macht mich freier. Mich mit ihr zu versöhnen, bringt mir Gelassenheit.

Darf ich euch vorstellen: Meine neue Freundin:
Die Zeit.

Langsam, schön langsam, sind wir dabei, uns anzufreunden. Ich kontrolliere sie nicht mehr ständig, lasse sie einfach laufen und merke, wie ich dadurch langsamer und freier sein kann.

Eine tiefe, langsame Freundschaft kann beginnen. Ich freue mich darauf.

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P A U S E

Oh liebe K.

Ich muss dich an etwas erinnern, das du zwar schon weißt, aber immer mal wieder vergisst.

Vielleicht geht es manchmal um dich herum so schnell und wild zu, dass es gar nicht so leicht ist, daran zu denken. Vielleicht schaffst du es eh in manchen Momenten, aber in den anderen wird es dir dann wieder zu viel.

Wovon ich schreibe, liebe K.?

Davon, dass du Pausen machen darfst. Sollst und musst.

Sei nicht zu hart zu dir. Gib dir den Moment des Nichts. Gib dich ihm hin. Natürlich gäbe es noch was zu tun. Zu arbeiten, zu erledigen, zu machen, aufzuräumen, … Immer würde dir etwas einfallen. Aber nimm dir den Moment, mach es dir gemütlich, nimm das Rundherum zwar wahr und lass es vorbeiziehen. Es wartet auf dich, ganz geduldig.

Es tut so gut, wenn du etwas erledigst. Wenn du etwas schaffst. Aber frag dich mal, warum es nicht so gut tut, nichts zu tun? Welches Bild hast du denn von dir? Dass du leisten musst, um genug zu sein? Sei nicht zu hart zu dir. Wir alle vergessen das oft.

Aber ich erinnere dich jetzt noch einmal ganz laut daran: Du bist genug. Egal, ob du mehr oder weniger tust/schaffst/erledigst. Lass dich nicht hineinziehen von den vielen Leuten, die es dir anders vormachen. Lass dich inspirieren von denen, die es schaffen, nichts zu schaffen.

Und jetzt – leg dich hin, schnapp dir deine Lieblingszeitschrift und schalt mal auf Pause.

Deine Pampelmuse.

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Berührungspunkt Mensch

Ich lese das Buch und zittere, meine Augen füllen sich mit Tränen, der Kropf im Hals wird immer größer und mein Herz, es tut weh. 

Ich kann es kaum glauben, ich will es nicht glauben. Ich verstehe nicht, was los ist mit der Welt. Ich begreife nicht, wie es Menschen geben kann, die so grauenhafte, schreckliche Dinge tun. Ich bin gefangen in der Geschichte, kann nicht einfach loslassen und so tun, als wäre nichts. Dieses Gefühl begleitet mich. Ich will es abschütteln, aber es bleibt. Und das ist vielleicht gut so.

Ich schreibe hier über ein Buch, das die Geschichte des jungen Syrers Jad erzählt. Ein Mann, der sich vor ein paar Jahren von Syrien aus auf den Weg nach Europa gemacht hat. Ein Mann, der seine Familie, seine Heimat, sein Leben dort verlassen hat, um weiterzuleben. Und ein Mann, der seine Gedanken in Worte fassen kann.

Ich erinnere mich wieder einmal, dass ich NICHTS dafür kann, dass es nicht mein Verdienst ist, hier auf (derzeit) sicherem Boden geboren worden zu sein. In eine Familie, in ein Land, das für mich sorgt. Ich fühle mich nicht schuldig, nein, das ist es nicht. Ich weiß nur, dass es wichtig ist, dass wir Bescheid wissen. Dass wir Geschichten lesen und zuhören. Dass wir dankbar sind, unendlich dankbar für die Tatsache, hier zu leben. Und dass es damit nicht genug ist. 

Zivilcourage, Aufstehen gegen Rassismus, der mit Meinungsfreiheit verwechselt wird, diskutieren und zuhören. Die Angst derjenigen wahrnehmen, die ganz laut schreien, wenn es um “ihr Österreich” geht, diese Angst aber nicht als Entschuldigung zu sehen, sondern auch mal laut Nein sagen. All das gehört meiner Meinung nach ganz klar zum Luxusticket “in Österreich geboren” dazu.

Ich kann es kaum fassen, was ich lese. Kann es nicht verstehen, will es nicht glauben. Diese Geschichte berührt mich so sehr, obwohl ich keine Berührungspunkte damit habe. Das glaube ich zumindest im ersten Moment.

Denn natürlich habe ich Berührungspunkte mit der Geschichte. Natürlich berührt mich die Geschichte eines Menschen. Eines Menschen mit Gefühlen, mit Familie, mit Hoffnungen, Ängsten und dem tiefen Wunsch, (gut) zu (über)leben. 

Und wenn das nicht der größte Berührungspunkt ist, dann ist es zumindest der, den wir am dringendsten brauchen. Mensch-lich-keit.

Hier noch der Link zum Buch: https://www.residenzverlag.com/buch/wenn-der-jasmin-auswandert

allgemein · kreativ · nachhaltig

Hollersaft – oder: Über die Dankbarkeit

Vor zwei Tagen habe ich meinen ersten Hollersaft gemacht (was sehr verwunderlich ist, weil ich Hollersaft LIEBE und es Holler nicht erst seit diesem Jahr gibt! Aber es scheint, dass da in mir ein Knopf aufgegangen ist, denn erst jetzt sehe ich das alles, was es gibt und was ich verkochen, verarbeiten und verspeisen kann!) und da das Herstellen von Sirup so überraschend einfach ist, habe ich beschlossen, dass ich auch gleich noch einen zweiten – etwas experimentelleren – Sirup mache: Lavendel und Zitronenmelisse. All das gibts im Garten und beim Kochen hab ich mich schon auf meine Kreation gefreut!

Ich liebe das Gefühl, eine Grundtechnik (in diesem Fall “Wie stelle ich Sirup her”) (kennen) zu lernen und diese dann kreativ auszuweiten, anzupassen, zu verändern und damit zu spielen! Ich liebe das besonders ind er Küche, weil das Produkt so herrlich sinnvoll (und in den meisten, meisten Fällen auch noch so genießbar) ist!

Und dann überkommt es mich. Dieses befriedigende, wohlige, zutiefst dankbare Gefühl, wenn ich die Schätze der Natur kosten, pflücken und verwerten darf.

Besonders jetzt, wenn die ersten Ribisl rot, die Lavendelblüten lila und der Zucchini grün aus dem Beet leuchten, wenn die Linde süßlich duftet und die Kräuter im Wind wehen. Dann überkommt es mich.

Diese Geschmäcker, diese Düfte, diese herrliche Vielfalt. Dieser Schatz, diese Fülle, diese schier unpflückbaren Massen an Früchten, Gemüse und Kräutern, Blüten, Stängeln und Knospen! Es ist ein herrliches Gefühl, diese Geschenke der Natur wahrzunehmen, zu sehen, zu schmecken, zu riechen, zu genießen!

Und so, liebe Leute, werde ich heute Abend meinen ersten selbstgemachten Sirup verkosten, mich des Lebens und der Sonne erfreuen und dankbar mein Säftchen trinken!

allgemein · nachhaltig · reisend

∆ Über die kleinen und die großen Freuden des Alltags ∆

Auf Reisen vom Alltag zu schreiben, scheint etwas weit hergeholt zu sein. So etwas wie Alltag scheinen wir hier ja nicht zu haben. Immer unterwegs, immer neue und andere Städte und Plätze und Orte. Neue Routinen und neue Wege, die wir beschreiten. Und trotzdem – so etwas wie Alltag pendelt sich immer wieder ein.

Unserer besteht darin, dass wir gemütlich in unserem Zimmer sind und überlegen, wohin wir weiterreisen wollen. Was wir tun und lassen wollen. Was wir einkaufen und was wir essen. Alltagsmomente gibt es dann beim Einkaufen und Kochen, auch, wenn es überall etwas anders ist als daheim.

Wüstenalltag.

Alltägliche Momente ereignen sich also immer und überall. Und da kommen jetzt die großen und die kleinen Freuden dazu.

Kleine Freuden sind zum Beispiel, wenn wir unterwegs sind und plötzlich einen wunderschönen Baum, eine versteckte Galerie, ein Haus voller Schätze und Innenhöfe entdecken. Oder wenn der Wind durch das Zimmer weht, die Sonne hereinscheint und wir gemütlich faulenzen.

Dattel-am-Steckerl-Alltag.

Ach ja, die Sonne scheint! Wir sind in Lima, wir sind am Meer, wir sind im Warmen und Trockenen! Dazwischen waren wir noch in Huacachina, das ist eine Oase in der Wüste. Ja, einfach mal so zum Drüberstreuen haben wir uns gedacht, wir wollen eine weitere Besonderheit dieser Reise sehen: Sand, Sanddünen, Sandhügel, Sandlandschaften, Sand. Und dazwischen ein paar Häuschen, ein kleiner See und ganz viele Touristen.

Sandsturm-Alltag.

Für mich (mehr als für Gastón) war es echt so eine Freude mit dem Nachtbus zu fahren und mich komplett (180 Grad!) zurücklehnen zu können und im Bus hin und herschaukelnd in den Schlaf gewogen zu werden. Eingekuschelt in die Decke, das berühmte Hüttengefühl im Bauch und 17 Stunden später sind wir von Cusco in Huacachina angekommen.

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Dort war es ein Freude, hoch auf der Düne sitzend, der Sonne beim Untergehen und den Wolken beim Verfärben zuzuschauen. Doch, was sich danach zugetragen hat, war für mich die größte Freude: Schreiend, lachend und wildherumspringend sind wir den Berg im Dunkeln in großen Schritten hinuntergestolpert.

Wüstensonnenuntergangsalltag.

Einen Pool hatten wir da auch – oh, so fein! Und so unglaublich, dass wir am Tag zuvor noch in Cusco gefroren haben und uns kaum aus unserem Bett rausgetraut haben, weil es wirklich eisig kalt war. Im Pool liegend, die Sandhügeln im Hintergrund, den frischen Ananas-Wassermelonen-Saft schlürfend – solche Freuden “passieren” uns immer wieder.

Luxusalltag.

Diese Freuden im Reisealltag. Die großen und die kleinen.

Eine ganz besonders große Freude hat sich gestern zugetragen. Da hatte nämlich mein großer Bruder Geburtstag und ich habe zuhause angerufen und wessen Gesicht habe ich gesehen? Das meiner Oma! Ach, war das eine Überraschung und Freude! Ich hab dann mit ihr und nacheinander mit allen geredet und dann auch dabei sein können, wie mein Bruder unser Geschenk aufgemacht hat. Eine erfüllende Freude, die ich den ganzen Tag mit mir herumgetragen habe.

Telefon-Lama-Alltag.

Dann hab ich auch noch mit meiner anderen Oma geredet und die war ganz hin und weg, dass ich sie von so weit weg anrufen kann. Und ich hab ihr dann erzählt, dass wir bald heimkommen und das hat sie so gefreut! War das ein schöner Moment! Dass wir es uns dann ganz gemütlich machen und wir ihr von der Reise erzählen sollen und dass sie uns umschlingen wird, hat sie gesagt. Ich hatte Tränen in den Augen, so sehr hat mich diese kurze Oma-Zeit in Lima mit beiden Omas gefreut.

Lima übrigens. Wir haben ein Zimmer gemietet und leben mit zwei Burschen aus Lima in einer Wohnung. Was das Besondere an der Wohnung ist, ist die Dachterrasse mit Pool mit Ausblick mit Sonnenuntergang mit Meer mit so viel Freude. Hui, ist das ein Gefühl, hoch über den Dächern Limas, die Stadt überblickend, das Meer bestaunend zu schwimmen. Fast hoheitlich!

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Gestern hat uns dann auch noch ein Freund von Gastón in einer Radiosendung erwähnt – er arbeitet in einem Sender in Buenos Aires und als Gastón ihm geschrieben hat, dass wir ihm lauschen, hat er ein paar Minuten später der ganzen Welt (also zumindest allen, die zugehört haben) erzählt, dass Gastón und Katharina gerade auf Hochzeitsreise sind und dann gemeinsam nach Österreich ziehen. Ach, war das ein cooler Moment! Wer wird schon einfach so in einer Radiosendung erwähnt?! Freude, Freude, Freude!

Fruchtviel-Valltag.

Aber nicht alles ist Freude. Nicht alle Momente sind freudig und schön. Es kommt zu Auseinandersetzungen, weil wir müde und hungrig oder enttäuscht sind. Es ist anstrengend, es ist viel. Wir sind die meiste Zeit nur nur nur zu zweit und das kann einfach auch in manchen Momenten zu Reibungen führen. Nicht alles ist Freude. Aber die Momente der Freude im Alltag sind weitaus mehr und größer als der Rest. Und selbst der Alltag ist schön hier.

Auf-dem-Auto-in-der-Wüste-Pose-Alltag.

Denn wir lassens uns wirklich gut gehen. Immer wieder genießen wir ein Stück Torte, eine Empanada, ein feines Essen hier und dort. Beim Einkaufen suchen wir uns die Dinge aus, die uns Freude machen und das sind meist ganz viele Früchte in unterschiedlichsten Farben – wir essen bestimmt jeden Tag eine Mango, ein paar Bananen, ein Stückchen Wassermelone und Ananas, eine Avocado und weitere Wunderbarkeiten, die hier günstig sind und frisch wachsen. Hier wächst die Freude, könnte man im Sonnentor´schen Slang sagen!

Blüten-Buntheits-Essens-Alltag.

Wir sitzen gerade in einem Café, ich schreibe, Gastón telefoniert. Immer wieder schauen wir uns freudestrahlend an. Wir sind so glücklich miteinander. Miteinander zu sein, zu reisen, zu leben. Das mögen wir.

Gemeinsam-Ess-Alltag.

Diese Momente machen das Leben so schön.
Was für eine Freude!

• K •

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∆ Reisemomentaufnahmen ∆

Da mir in den letzten Tagen so einige Dinge zum Thema Reisen hier eingefallen sind, möchte ich euch heute ein paar dieser Gedankenblitze und Alltagsmomentaufnahmen mit euch teilen.

Und auch ein paar dieser Fotoperlen: Hier in Cusco

Nummer 1 – Luft

Wie ihr ja wisst, sind wir in Bolivien und mittlerweile hier in Peru unterwegs. Und was es hier neben Märkten, lauten Straßen und bunten Stoffen noch gibt, ist eine ungeheure Höhenlage. Und diese bringt so einige Strapazen mit sich. Noch nie habe ich das so in meinem Körper gespürt, was die Welt mit mir macht. Aber in diesen letzten Wochen merke ich immer wieder, wie schnell ich außer Atem bin, wie sehr die dünne Luft auf meine Lungen drückt und wie oft ich das auch wieder vergesse und mir denke, das kanns doch nicht sein! Warum kann ich schon wieder nicht atmen?! Hier seht ihr mich überglücklich und zur Abwechslung mit Luft in einer der Gondeln hoch über La Paz:

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Vor ein paar Tagen ist mir dann was passiert, das ich bisher noch gar nicht kannte. Und zwar haben wir auf unseren Nachtbus gewartet (und gewartet und gewartet), ich war übermüdet und plötzlich ist mir so schwindelig geworden, dass ich fast umgekippt wäre. Hui! Das war was! Zweimal hat es mich fast donidraht (haha, dieses Wort trifft es einfach passend!), zum Glück ist es dann besser geworden und beim nächsten Mal weiß ich schon, was ich tun muss und zwar:

Nummer 2 – Coca-Blätter

Gegen diese Höhenluft und -schwindeligkeit hilft diese Pflanze nämlich besonders gut! Seit Jahrhunderten (wenn nicht Jahrtausenden) wird die Pflanze hier in den Andenregionen bis nach Kolumbien hinauf konsumiert und hilft so gegen Müdigkeit, Schwindel, Hunger und Höhenkrankheit, weil sie die Sauerstoffaufnahme erleichtert. Und so trinken wir (fast) immer, wenn wir im Bus längere Strecken fahren oder eine Wanderung machen, Coca-Tee. Auch Kokain wird von der gleichen Pflanze hergestellt – aber keine Angst, der Tee ist harmlos, hilft in diesen Mengen und dieser Konzentration aber sehr! Und die gute Wirkung merken wir immer gleich, sehr praktisch also!

Keine-Drogen-Ring-Inszenierung

Nummer 3 – Regen

Ach Leute. Es regnet so viel hier in der Gegend, in der wir unterwegs sind. Ja, es ist Regenzeit. Und ja, wir hätten uns vielleicht vorab etwas besser informieren können. Aber dass es so viel regnet, damit haben wir nicht gerechnet. Der Regen an sich ist ja schön – alles wächst und gedeiht. Wasser ist Leben. Aber – und das ist besonders beim Reisen nicht schön – wenn alles nass ist, weil es den ganzen Tag regnet, die Unterkunft eisig kalt ist, es weit und breit nicht den Anschein einer Heizung oder Sonnenstrahlen gibt, dann ist das einfach anstrengend.

Wir werden zum Glück immer kreativer – Gastóns neuer Trend heißt: Zeitungspapier statt Socken, meine Devise lautet: Wir nutzen alle nicht-nassen Flächen und breiten unsere Kleidung darauf aus. Und irgendwie wird immer alles gut – und trocken. Jetzt zum Beispiel hängt meine Hose am Sitz vor mir im Bus, denn hier gibt es so etwas wie eine Heizung.

Hier zur Abwechslung mal ein Momentchen Sonne

Nummer 4 – Klos

Die Anzahl an lustigen Klos nimmt pro Kilometer zu, ob im Bus, im Eco-Hostel oder irgendwo im Wald. Besonders beim Reisen gehört ein gewisses Abstandnehmen vom Luxus dazu. Das geht damit einher, dass man Wasser im Klo aus einer Tonne ins Klo schütten muss oder mitten in der Nacht das gemütlich warme Bett verlassen und über den Hof zum zusammengeschusterten Klo wandern muss. Im Bus währenddessen wird man auf cirka 15 Schildern freundlich und warnend darauf hingewiesen, dass man nur Pipi machen darf und dabei schleudert es einen wegen der ganzen Bergstraßen im ganzen Klöchen (die sind so klein, dass sie eine Verkleinerungsform verdienen) wie wild herum.

Da die Spülungen auch nicht so stark sind, wird das Papier ausschließlich und überall in den Mistkübel neben dem Klo geschmissen. Wie der Geruch da sein kann, darf sich jede und jeder selbst vorstellen. Ich bevorzuge in einigen Fällen dann einfach oft das Freiluftklo hinter einem Baum, Stein oder irgendwo im Gebüsch.

Na so ein lustiges Thema, diese Klos! (Hier sind wir übrigens nicht am Klo, sondern in einer Riesenplastikkugel am Titicacasee)

Nummer 5 – Herbergssuche

Was jedes Mal wieder ein Abenteuer ist, ist das (Aus-)Suchen einer Wohnung für die kommenden Tage. Mal wollen wir ganz alleine sein, mal trauen wir uns in ein Hostel. Mal möchten wir die bestmöglich ausgestattete Küche, mal reicht uns ein gemütliches Bettchen. Mal planen wir im Voraus, mal kommen wir an und lassen uns von den Angeboten überraschen.

Besonders genießen wir die Zeit, wenn wir eine kleine feine Wohnung mit eigener Küche haben, aus dem Hostel-Sozializing-Alter sind wir beide irgendwie draußen. Wir versuchens immer wieder, und kommen immer wieder drauf, dass wir doch gern unsere Sachen zu unserer Zeit machen wollen. Und das womöglich ohne Smalltalk über unsere Reise zu führen. Klingt hart, ist aber so. Gastón ist super begabt im preiswerte Wohnungen finden, schreibt dann auf Spanisch mit den Leuten, organisiert und sucht den Weg raus. Ich sitze dankbar daneben und freue mich, so einen praktischen (Reise-)Partner zu haben.

Mal schauen, welche Wohnungen wir in Peru finden werden…

Nummer 6 – Busfahrten

Busse. Wie viele wir schon genommen haben, kann ich gar nicht sagen. Es waren viele. Viele lange Fahrten. Fahrten am Tag und in der Nacht. Bei Regen und bei Hitze. Oh Busfahrten. Und wisst ihr was? Ich mag sie immer noch. Besonders die Nachtbusfahrten finde ich sehr gemütlich. Wahrscheinlich weil ich dieses kleine Hüttengefühl so mag! Hüttengefühl, weil es sich anfühlt, als wär man in einer Kapsel und alles rundherum ist egal, weil es drinnen so gemütlich ist. Und die Busse hier haben echten Gemütlichkeitsfaktor! Mit Decke und Zurücklehnen bis fast 180 Grad, schön warm und beim Einschlafen an einem anderen Ort als beim Aufwachen. Sehr besonders, diese Busfahrten.

In unserer Bussuite

Nummer 7 – Märkte

Oh diese Farben! Oh diese Vielfalt! Oh dieses bunte Treiben! Oh diese Märkte! Immer wieder schlendern wir durch die Lebensmittel-Haushalts-Tante-Emma-Laden-Märkte und erfreuen uns an all der Buntheit, die diese zu bieten haben. So viele Früchte, deren Namen, geschweigedenn Geschmack uns neu sind. So viele Farben der Gewürze und getrockneten Kräuter. So viel Krimskrams, dass ich mich immer wieder frage: Wer kauft das alles?!

Das, meine Damen und Herren, sind ausschließlich Erdäpfel! Es gibt in Peru über 500 Sorten!

Märkte haben etwas ganz Besonderes. Und sind auch anstrengend. Oft kaufen wir nur eine Kleinigkeit und lassen uns von den Massen treiben, bleiben innehaltend stehen oder genießen einfach die Magie an diesen Orten. Eine Sache, die mich besonders freut, ist, dass es fast auf jedem Markt mindestens fünf Stände gibt, an denen frische Frucht- und Gemüsesäfte und Obstsalate angeboten werden! Da wird das Herumschlendern gleich noch besser!

Wenn mein Grinser fast explodiert, heißt das, dass es wunderbares Essen gibt!

Nummer 8 – Menschheitsgeschichten

Wie viele Gedanken ich mir hier über die Zusammenhänge der Welt mache, ist kaum vergleichbar mit dem, was ich bisher getan habe. Zumindest in diesem Kontext. Wie viele Fragen ich und wir uns stellen: Wie war das Leben vor der “Entdeckung” Amerikas? Wo ist Kolumbus gelandet und warum lernen wir in der Schule nur so einseitig darüber? Was hat es mit “Zivilisierung” zu tun und warum hatten die Incas so ein riesengroßes Reich? Wie konnten die Sprachen (in Bolivien sind es neben Spanisch noch andere 35 anerkannte offizielle Sprachen) bis heute bestehen?

Woher kommen diese Sprachen und warum habe ich mich noch nie gefragt, warum ein gesamter Kontinent Spanisch (und Portugiesisch, Französisch und Niederländisch) spricht? So weit weg von Spanien (Portugal, Frankreich und den Niederlanden)? Wie kann es sein, dass in Bolivien 90% der Bevölkerung indigen ist, während es in Argentinien gerade einmal 10% sind? Und woher kommen diese anderen 90% dann? So viele Fragen, so viele Gedanken, so viele Geschichten – diese Menschheitsgeschichten.

Incakönige neben Plastikbooten am Titicacasee
Hier eine fesche Ureinwohnerin mit originaler Tracht

Nummer 9 – Badezimmer-Minimalismus

Wir reisen im Moment mit recht wenig Gepäck – wir beide haben einen Handgepäcksrucksack, der um die 8 Kilo wiegt. Und trotzdem haben wir immer wieder das Gefühl, dass es weniger sein könnte. Dass wir doch weniger Sachen brauchen, als wir mitgebracht haben. Eine Sache, die wir wirklich minimalistisch betreiben, ist die Badezimmerausstattung. Wir haben ein Stück Seife und unsere Zahnbürsten.

Shampoo verwenden wir beide nicht – darauf bin ich übrigens besonders stolz: Seit September wasche ich meine Haare nur noch mit Wasser und es funktioniert! Stellt euch das mal vor! All das Plastikverpackungs-Chemie-Zeug brauche ich nicht mehr! Manches Mal funktioniert es nur solala, meistens bin ich so glücklich darüber, dass sich meine Haare auf diesen Rhythmus eingestellt haben. Ich merke sofort die Wasserqualität und manchmal muss ich einfach mit mit nicht so feschen Haaren leben. Aber meistens bin ich so zufrieden, diesen Weg eingeschlagen zu haben! Ein Hoch auf den (nachhaltigen, umweltschonenden, gesunden, günstigen) Minimalismus!

Hier noch interessantes Detail zum Badezimmer: Die Duschen sind elektrisch, die Kabel und das Licht gleich neben dem Wasser. Ob so etwas in Österreich erlaubt wäre…?

Das wars mal mit den Momentaufnahmen. Wir sind jetzt in Peru, in Cusco genauergesagt. Die Stadt war die “Hauptstadt” des Inca-Reichs und zeugt auch heute noch von ganz viel Kultur und Geschichte. Sehr interessant! Wir werden die nächsten Tage hierbleiben, weil wir so eine gemütliche Wohnung (mit Küche! Endlich können wir unsere superguten Speisen wieder selbst zubereiten!) gefunden haben.

Schaut euch dieses von Hunger und Dankbarkeit verzerrte Gesichtchen an!

Vor ein paar Tagen haben wir in Puno (das ist bereits Peru) eine schwimmende Insel-Stadt auf dem Titicaca-See besucht. Die Menschen sind vor 500 Jahren vor den Incas auf den See geflohen und haben sich dort “sesshaft” gemacht. Die Inseln sind aus Seegras, die Häuser auch. Schule und Krankenhaus gibt es auf einer Insel, Restaurant und Solaranlagen auf der anderen. Ein paar der Bewohnerinnen haben eine kleine Show für uns gemacht, wir durften uns verkleiden, mit dem Boot fahren und die Einzigartigkeit dieser Stadt genießen. Sehr spannend bisher, dieses Peru.

Abgelegen und weit weg von Zivilisation? Nicht auf dieser Insel: Mit Kreditkarte kann man sich hier alles kaufen!
Auf der schwimmenden Inselstadt

Ihr lest von mir.

• K •

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∆ Von den Lebenden und den Toten ∆

… und was das mit Ruinen, Veganismus und Reisen zu tun hat, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Hier eine feine vegane Dame im wilden (Nord-)Westen

Ich ernähre mich seit offiziell einem Jahr vegan! Das bedeutet, dass ich keine Lebensmittel zu mir nehme, die aus tierischen Produkten gemacht sind. Auch Leder, Pelz und Elfenbein kaufe ich nicht mehr.

Warum ich mich entschieden habe, mich pflanzlich zu ernähren, hat viele Gründe. Inspiriert wurde ich von Gastón, der das seit 4 Jahren macht und mit ihm habe ich ganz viel darüber geredet, diskutiert und erfahren.

Hier in einem lieben kleinen Café bei lila Maisbrot und Live-Musik

Dann habe ich mich damit auseinandergesetzt und mir gedacht, ich probiers einfach mal für ein Jahr. Und hier sind wir – das erste Jahr ist vorbei, ich habs probiert und bin begeistert! Es macht so viel Sinn für mich, “nur noch” pflanzliche Lebensmittel zu mir zu nehmen, dass ich im Moment gar nicht mehr daran denke, das zu ändern.

Der für mich sinnvollste Grund ist, dass die Ernährung – so, wie ich sie betreibe – für mich sehr gesund und wohltuend ist. Essen macht mir solche Freude – und seit ich vegan esse, kommt mir diese Freude noch größer vor! Ich esse viel, viel Obst und Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Samen und genieße jede Speise so, weil ich weiß, dass das für mich (und die Welt) etwas Gutes ist.

Das kommt beim Experimentieren heraus: Schwarz-Lila-farbene Maisnudeln mit Tomaten-Karottensauce und Erdnussöl

Dass sich plötzlich so viele Menschen um meinen Proteinhaushalt, meine Vitaminzufuhr und meine Nährstoffaufnahme kümmern, kommt mir etwas Spanisch vor. Das Interesse ist groß, die Skepsis auch. Aber, und das haben Studien herausgefunden (ja, jetzt bringe ich auch noch die Wissenschaft ins Spiel!) – Menschen, die sich vegan ernähren, kennen sich tendenziell besser mit (ihrer) Ernährung aus, als Menschen, die einfach essen, was es gibt, weil es ja schon immer so war. Also keine Angst, ich bekomm meine Vitamine, Proteine und sonst auch alle lustigen Sachen, die wir so zum Leben brauchen!

So ein Kuchen hat wahrscheinlich mehr Nährstoffe, als ich zählen kann – aus Nüssen und Samen gemacht, mit Früchten und Zuckerrohrhonig

Ein weiterer Grund ist, dass ich mich darum bemühe, meinen Kindern und Enkelkindern eine gute Welt zu hinterlassen – und so, wie wir das als Gesellschaft gerade betreiben, so machen wir eher das Gegenteil davon. Ich könnte jetzt davon anfangen, von allen “Umweltsünden” zu sprechen, das ist aber nicht meine Intention. Ich trage mit meiner Entscheidung, keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren, viel dazu bei, die Welt ein bisschen besser (gesünder, achtsamer, empathischer, nachhaltiger, umweltschonender, verantwortungsbewusster) zu hinterlassen. Und das ist ja schon ein schöner Grund!

Diese Lamas haben ein paar Tage zuvor Hochzeit gefeiert, daher die schöne Verzierung in ihrer Wolle

Natürlich gabs Momente, in denen es einfach einfacher gewesen wäre, das Stück Käse oder die Torte mit Creme zu essen, doch wenn man einmal weiß, woher das kommt, wie es produziert ist und was dahinter steckt, dann geht der kurze Genussmoment schnell vorbei. Und so viel genießen, wie ich es mit dieser Lebens-/Ernährungsform mache, so viel kreatives Ausprobieren, so viel Freude beim Einkaufen, Kochen, Essen – das lohnt sich für mich auf jeden Fall, diese Entscheidung jeden Tag wieder zu treffen.

Ein bisschen Lama-Landart

Hier wären wir also schon mitten in der Thematik der Lebenden und der Toten. Viele lebende Tiere, weniger tote. Aber ich möchte den Bogen schlagen zu einer weiteren wunderbaren Tatsache und zwar:

Wir sind wieder auf Reisen! Seit ein paar Tagen sind wir im Norden Argentiniens unterwegs und ich kann euch sagen, es ist ein TRAUM hier!

Die Berge, die Sonne und ich

Vor ein paar Tagen waren wir im archäologischen Museum von Salta und haben – und jetzt haltet euch fest – eine echte Mumie gesehen! Eine der am besten erhaltenen, die es auf der Welt gibt! Ein kleiner Junge, der von den Incas geopfert wurde. Unglaublich! Zusammengekauert, die Augen geschlossen, die Haut ledrig, die Haare kohlrabenschwarz. In diesem Museum gibt es insgesamt vier Mumien, es werden immer nur zwei gezeigt, die anderen werden bei eisigen Temperaturen aufbewahrt, damit sie noch ganz lange für viele Menschen gut erhalten bleiben können. Die Stimmung um diese Vitrine, in der der kleine Körper sitzt, ist magisch. Ein Relikt aus Zeiten, die wir uns heute nur noch durch genau solche Überbleibsel vorstellen können. Magisch gruselig und zugleich so ruhig und besinnlich. Sehr schräg, diese lebenden Toten.

Die Incas haben diesen Jungen aufgrund seiner herausragenden Schönheit den Vorfahren-Göttern geopfert

Wir waren in einer Ruine, die von einer Ureinwohner-Gemeinschaft vor 500 Jahren gebaut wurde. Dort haben wir eine Führung gemacht und die Dame, die diese Menschen als ihr Volk bezeichnet, hat uns viele schöne Details über die Häuschen, die Innenhöfe, die Traditionen, die Kultur erzählt. Am Schluss der Führung hat sie uns ermutigt, uns diese ganzen Szenen lebend und in Farbe, mit Musik, Düften, Geräuschen und echten Menschen vorzustellen. Mit Gänsehaut habe ich ihr gelauscht, berührt von der Landschaft, den Geschichten und der Stimmung auf diesem Berg. Denn was wichtig ist, so hat diese Führerin gesagt, ist, dass wir diese Kulturen als Lebende in Erinnerung behalten – mit ihren Farben, ihren Geschichten, ihren Vorstellungen, ihren Handwerkskünsten, ihren Geschmäckern, ihrer Lebensweise.

Hier vor einem rekonstruierten Häuschen

Wir befinden uns übrigens gerade auf 2500m in Tilcara, einer kleinen Stadt in der Provinz Jujuy [Chu-Chui]. Bevor die Inca hier eingefallen sind, den Leuten ihre Religion und ihre Brauchtümer aufgezwängt haben, haben viele Menschen mit viel Kultur und Handwerkskünsten hier gelebt. Und das ist er jetzt, der Bogen zu den Lebenden und den Toten. Die, die schon lange tot sind, haben so viel hinterlassen – Häuser und Straßen, Kulturtechniken und -güter. Generationen, die ihnen nachfolgen – die noch heute von ihrer Familie sprechen, das sind die Lebenden, von denen ich schreibe.

Hier durch das Haus in den Patio (Innenhof) schauend mitten in den Ruinen

Es fasziniert mich, wie wenig ich mich bisher damit auseinandergesetzt habe, wie die Welt funktioniert. Das mag ein bisschen hochtrabend klingen, aber wenn man bedenkt, dass Menschen von Menschen von Menschen von Menschen abstammen, dann ist das schon ganz schön interessant, wenn die Gesichtszüge und Kulturtechniken, die Sprache, der Glaube etc. etc. noch nahe an dem dran sind, was wir “Ureinwohner” nennen. Schöner klingt der Ausdruck “indigene Bevölkerung”. Der amerikanische Kontinent wurde ja bekanntlich erst im 15. Jahrhundert entdeckt – davor gabs hier ja nichts. Dann haben die spanischen und portugiesischen Eroberer zum Glück die Kirche und die Kultur hierher gebracht und seither sind sie auch zivilisiert, diese Wilden.

Hier die zivilisierten Toristen

Heute haben wir darüber gesprochen, wie unglaublich unglaublich es ist, dass Kartoffeln vor der Eroberung Südamerikas in Europa nicht existiert haben! Dass es zwar Universitäten gab, aber keine Kartoffeln! Dass ein Grundnahrungsmittel – das Gemüse eines jeden männlichen Österreichers – einmal nicht gewachsen ist in unserem Lande! Dass der Austausch von Kulturen (so nennen Gastón und ich das auf überoptimistische Weise) bei so einem basalen Ding, wie einer Kartoffel, so viel ausmacht. Und dann stellt euch mal bitte den Rest vor!

Ach, ich könnte noch ewig weitertipseln, so inspirierend ist dieser Ort hier. Wir sind übrigens in einem Haus, das mit Blick auf die Berge, den Garten und den Himmel viel Ruhe und Freiheit bietet. Die Gegend hier ist Wüste und bekannt für die bunten Felsen – einer wird “Berg der sieben Farben”, ein anderer “Des Malers Palette” genannt. Neben Riesenkakteen (-ussen?) ragen sand-, rost-, rosa-, grünlich-, bläulich-, lilafarbene Berge in die Höhe. Ein wahrer Genuss, diese Natur.

Habt ihr euch einen Kaktus schon einmal ganz genau angeschaut? Das lohnt sich auf jeden Fall!

Hier noch ein paar Eindrücke von unserer Morgenwanderung – die Sonne im Rücken, die Berge in Sicht, Mate trinkend und das Leben genießend haben wir hier ein paar Stunden verbracht.

Schönheit in allen Richtungen

Um kurz nach 7 haben wir uns auf den Weg gemacht – die goldene Morgenstund!

Wir sind mittlerweile noch weiter gereist – und zwar nach Iruya. Eine kleine Stadt auf knapp 3000m mitten in den Bergen im Norden Argentiniens. Bereits die Strecke von Tilcara nach hier war atemberaubend schön! Die Berge, die weiten Wiesen, die engen Straßen, auf denen unmöglich ein Bus fahren kann – denkste! Langsam und gemächlich sind wir über Stock und Stein getuckert und nach 3 Stunden Fahrt dann hier angekommen:

Der Blick auf Iruya – unvergleichlich schön!

Es ist so ruhig hier, so gemächlich, so gemütlich. Alles und alle. Wir schlafen in einem Hostel mit Ausblick auf die Stadt und die Berge, neben uns sitzt eine reisende Familie mit Kind, in der Küche brodelt unser Eintopf – ein wärmendes Essen, weil es hier ganz schön kalt ist. Es regnet, wir sitzen auf der Terrasse und genießen die Stimmung.

Bis Mitte März sind wir unterwegs – Zeit haben wir und einen ungefähren Plan. Was dazwischen passiert, wissen wir nicht. Dass es gut wird, wissen wir schon.

Ein Uno-Spielchen zum Zeitverbringen haben wir uns auch gegönnt

Tanzend in den Straßen von Iruya

Es grüßt euch die faszinierte, dankbare, sonnengeküsste

• K •

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∆ Patagonienzeit ∆

In diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Zelt, mit Blick auf einen Fluss. Neben mir spielt Gastón auf der Ukulele, über uns tropfen die Regentropfen auf das Zeltdach. Im Zelt neben uns schlafen Marianela und Luis, Gastóns Schwester und ihr Freund. Wir sind in Chile und wie wir hierher gekommen sind, das ist eine gute Geschichte.

Ein Luxus, dieser Ausblick!

Begonnen hat das Abenteuer letzte Woche am Montag. Nachdem wir unseren Hochzeitstermin festgelegt haben, haben wir kurzerhand entschlossen, dass wir unseren Wunsch in die Wirklichkeit umsetzen und nach Patagonien reisen. Gastóns Schwester lebt hier und so haben wir Kontakt aufgenommen und ausgemacht, dass wir sie besuchen kommen. Patagonien ist – wie irrtümlich viele glauben – kein eigenes Land, es ist eine große, große Region im Süden Argentiniens und Chiles, geprägt von Bergen, weiter Natur, Seen und anderen Naturschönheiten.

Diese Landschaft und 90 Tage mehr in Argentinien, sehr praktisch, so ein Trip nach Chile!

Am Donnerstag gings mit dem Flieger nach Bariloche, von dort mit dem Bus zwei Stunden in den Süden. Durch wunderbarst schöne Landschaften tingelnd, über Berge und an Seen vorbei zu Gastóns Familie in den Bolsón. Dort angekommen, hat uns Gastóns Neffe, Piltri, abgeholt und wir sind zu ihm nach Hause. Piltri ist 22 und lebt mit seiner Freundin und deren kleiner Schwester in einem kleinen, selbstgebauten Haus. Außerdem lebt dort noch Gastóns Nichte, Acayu und deren Vater und noch dazu ein paar andere Leute.

Hier mit Acayu und Piltri

El Bolsón ist bekannt für sein Hippieflair – viermal in der Woche findet ein Kunsthandwerksmarkt statt, viele Aussteiger leben dort und auch sonst ist alles recht gemütlich.

Hippig, oder?

Gastón und ich haben neben der so feinen Familienzeit (für 7 Leute kochen und gemeinsam an einem großen Tisch essen, das fühlt sich einfach immer an wie Weihnachten!) auch die Gegend erkundet.
Das folgende Video ist bei einem Abendessen entstanden – da haben wir uns sehr über die deutsche Sprache – und im Besonderen über das Wort “Kaulquappe” amüsiert. Aber seht selbst:

[wpvideo Z3UQqzpk ]So waren wir an einem Tag in einem kleinen Park mit Aussichtsplattform über die patagonische Landschaft. Den Samstag haben wir Mate trinkend und Muffin essend am Markt verbracht – wo auch Gastóns Schwester ihren Schmuckstand hat. Das war auch das erste Mal, das ich sie kennengelernt habe.

Marianela mit ihrem Schmuck – den findet ihr übrigens auf Facebook unter “El arte de la Flor”

Am Sonntag sind Gastón und ich dann in einen anderen Nationalpark gefahren: Lago Puelo. Und dort hat es mich fast umgehauen vor lauter Schönheit! Der See, die Farbe des Wassers, die Berge, die Bäume, die Landschaft. So atemberaubend schön! Ich hab ein bisschen geweint, weils so schön war.

Ist das nicht wahrhaft ein Traum?

Wir sind auf einen kleinen Berg gestiegen und haben von oben die Landschaft genossen – eine Stunde lang sind wir in der Sonne gelegen, haben die Wolken beobachtet, dem Wasser zugeschaut und uns immer wieder freudestrahlend angeschaut: Wir sind in Patagonien!

Der Lago Puelo – eine Naturschönheit!

In El Bolsón haben wir eine ganz besondere kleine Dame kennenlernen dürfen: Jazmín. Sie ist die Schwester von Paloma (der Freundin von Gastóns Neffen Piltri) und 6 Jahre alt. Jazmín hat eine so so liebe Art und wir haben sehr viel Zeit mit ihr verbracht. Meistens spielend oder irgendetwas in der Natur entdeckend. Eine wahre Freude, mit einem so feinen Menschen Zeit zu verbringen. Generell haben sich alle so lieb um uns gekümmert, gekocht, unseren Geschichten gelauscht, von ihrem Leben erzählt und uns einfach Teil sein lassen an ihrem Leben.

“Ich hab noch nie in meinem Leben mit einer echten Kamera fotografiert…” – und zack, wollte sie sie gar nicht mehr hergeben

Am Montag gings dann mit Gastóns Schwester und ihrem Freund nochmal weiter in den Süden: Nach Corcovado. Einige Stunden lang im Auto durch die unglaublich fasznierende, bunte, vielfältige, beeindruckende Landschaft Patagoniens fahren zu dürfen, ist wirklich ein Traum!

Aaanden, die Aaaaanden!!

Wir haben Flamingos gesehen und einen wilden Vogelstrauß! Die Berge haben ihre Formen und Farben verändert, die Wiesen waren gesäumt von lila-rosa Blumen. Die Anden mit Schnee bedeckt im Hintergrund, die sandfarbenen Berge etwas näher. Patagonien ist so wunderschön, dass ich nur noch staunend und von Herzen dankbar im Auto gesessen bin.

Viele sagen, dass Patagonien sehr ähnlich wie Österreich ist – aber hier seht ihr auch, wie anders es aussieht

Nach ein paar Stunden sind wir dann in einer noch viel kleineren, verschlafeneren Stadt angekommen: Corcovado. Dort leben Marianela und Luis in einer kleinen Hütte inmitten von 2 Hektar Grund – sie kennen alle Bäume und Pflanzen, jedes Blümchen, die dort wachsen, bauen Obst und Kräuter an. Vor ein paar Jahren, als Marianela noch mit ihren Kindern dort gewohnt hat, hatten sie ein Grünhaus und noch viel, viel mehr essbare Pflanzen.

Natur pur, einfach wunderschön!
Meine Lieblingsblümchen

Wir haben unser Zelt mitgebracht und es unter einem Baum im Garten aufgestellt – mit Blick auf die Mohnblumen, das hohe Gras und die Berge. Ach, ich sags euch. So ein Glück!

Die Hütte hat kein fließendes Wasser, aber es gibt Strom. Es ist alles sehr rustikal und soo gemütlich: Ein Klavier, eine Gitarre, ein paar Trommeln und andere Musikinstrumente haben einfach höhere Priorität, als eine warme Dusche.

Ein Moment eingefangen – Mate und Luis und Sonne und Natur und ich

Die Sonne genießend haben wir den Nachmittag am Fluss verbracht, über das Leben gesprochen und – natürlich – Mate getrunken. Marianela hat mit 17 beschlossen, dass das Leben in Buenos Aires nicht ihrem Traum entspricht: Sie ist nach Patagonien gegangen und hat begonnen, Schmuck zu machen und ihn zu verkaufen. Und das macht sie nach 30 Jahren immer noch. Ihr Schmuck ist wunderschön – mit Steinen, die es nur hier in Argentinien gibt und Silber, ganz fein und hochwertig zu Schmuck verarbeitet.

Am nächsten Tag haben wir unsere Siebensachen gepackt und sind mit dem Auto über die 25 km entfernte chilenische Grenze gefahren. Mit einem Stopp an einem Wasserfall, einer Quelle zum Wasserauffüllen und einer Jausenpause sind wir nach der sehr strengen chilenischen Grenzkontrolle dann auf der anderen Seite angekommen.

Luis, Marinela und wir zwei

Mit Glück haben wir einen kostenlosen und wunderschönen Platz zum Schlafen gefunden, haben unsere Zelte dort aufgeschlagen und den Abend am Lagerfeuer singend verbracht.

Die Zeit mit Marianela und Luis ist so gemütlich – mittlerweile sind wir wieder daheim bei ihnen, sitzen in der Hütte, der Regen prasselt aufs Dach. Wir hoffen, dass unser Zelt den Schauer aushält. Die beiden sind so friedlich und offenherzig, lassen uns teilhaben an ihrem Leben und sind bereit für Abenteuer. Marianela ist fast 50, ihr Freund ein paar Jahre älter. Echte Hippies aus der ersten Generation. Liebevolle, einfache und herzliche Menschen. So fein, Zeit mit ihnen verbringen zu können.

Wer sagt, dass man zum Hausbauen einen Kredit aufnehmen muss, der irrt – wir haben ohne Geld einen Luxusbaugrund gefunden

Die Gespräche, die wir geführt haben, waren lustig, berührend und sehr tiefgehend. Eine Vertrautheit hat sich ausgebreitet, wir waren einander so nahe. Gastón sagt, dass diese Zeit mit seiner Schwester zu einer der schönsten gehört. Wie wunderbar, dass ich Teil davon sein durfte!

Unsere Patagonien-Zeit dauert noch ein paar Tage, am 23. gehts wieder nach Buenos Aires, wo wir auch Weihnachten verbringen werden.

[wpvideo LQ0VH3qs ]Es durchfährt mich, ich habe Tränen in den Augen und spüre mein Herz schneller schlagen, wenn ich daran denke, welch ein riesengroßes Glück ich habe, hier sein zu können.

Apropos Glück – das hier ist die Hütte, hier mit hübschem Regenbogendach

Ich setze meine Geschichte fort, mittlerweile sind wir in einem Apartment in Bariloche. Eine Wohnung mit Warmwasser – das haben wir uns für die letzte Nacht an “Luxus” gegönnt (wenn auch der Luxus in diesen letzten Tagen einfach seine Bedeutung komplett verändert hat…).

Patagonische Füßegrüße

Wir haben schlussendlich die letzten zwei Tage in Corcovado in der Hütte geschlafen, was sehr gemütlich war. Am Donnerstag sind wir dann über Stock und Stein und Land und Berg (wie aufregend beschrieben!) zu einem Bergsee auf 1200m gefahren, haben Musik gemacht und uns am Feuer ein paar gute Sachen gekocht. So einfach und so traumhaft schön !

Gastón ganz stolz im eisigen Wasser – im Hintergrund seht ihr die Patagonica Marianela

Gestern gings dann wieder ab nach Bolsón, weil Marianela am Wochenende dort immer am Kunsthandwerksmarkt ihren Schmuck verkauft. Ein bisschen sentimental und erfüllt, dass wir so eine schöne Zeit gemeinsam verbracht haben, haben wir uns dann heute von ihnen verabschiedet und den Bus nach Bariloche genommen.

Diese 10 Tage haben sich angefühlt wie ein paar Monate. So voll und so erfüllend. So abenteuerlich und gleichzeitig so ruhig. Den Rhythmus, die Ruhe, die Momente, die wir hatten – all das macht die Zeit in Patagonien unvergesslich.

Was für eine Zeit, die wird noch lange nachwirken…

Ich bin von Herzen dankbar, diese Zeit hier verbringen zu dürfen – Gastón und ich titulieren diese Reise mit “Junggesellenabschied” und sind froh, dass wir so frei von Konventionen, einengenden Strukturen und voller Lebensfreude leben können.

Tja, wir sind halt einfach Glücksmenschen
Alsdann, die Gauchos und wir wünschen euch allen feine Weihnachten und Feliz Navidad!