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Wenn die Ideen das Nest verlassen

Diese Ideen, die sich seit Monaten (manche seit Jahren!) in meinem Kopf herumtreiben, sie haben es geschafft. Sie haben das Nest verlassen.

War das ein wunderschöner Moment! Ein stolzerfüllter, glücklicher, rotebäckchenhabender, zitternder, aufregender, ganz warmer Moment. Im Grunde genommen haben in den letzten Tagen sogar gleich mehrere Ideenbabies das Nest verlassen. Jetzt flattern sie nicht mehr nur in meinem Kopf (und in dem von ein paar ausgewählten, ganz lieben Menschen) herum, sondern ihre Reise geht hinaus in die Welt.

Lange habe ich sie aufgezogen, genährt, mich um sie gekümmert und gesorgt – doch jetzt war der Moment da und sie durften raus. Leicht war das nicht immer, besonders weil solche kreativen Ideenvogerl Zeit und Liebe und Muße und die richtigen Menschen um sich brauchen. Weil sie, wenn die Federn noch nicht fertig gewachsen sind, manchmal noch zitternd vor mir stehen und nicht so recht wissen, wohin sie wollen. Weil der Wind stark sein kann und die Reise lange.

Ich musste ganz oft aufhören und wieder anfangen, umdenken und neumachen. Musste mich trauen, musste an mich glauben und vertrauen, dass sie schon wachsen, diese kleinen Ideengestalten.

Und ja, jetzt sind sie mal in der Welt. Sie werden zurückgeflogen kommen, das muss so sein. Fertig sind sie noch nicht, nicht alle. Aber ihre Flugroute kann ich gerade nicht bestimmen, den Wind kann ich nicht ändern und auch nicht die Hindernisse, die ihnen in den Weg kommen.

Doch ich hab sie vorbereitet, hab sie mit dem Besten, das sie brauchen und ich geben konnte, ausgestattet. Und das muss jetzt erst mal reichen.

Ich bin ja gespannt, was sie zu erzählen haben, wenn sie zurückkommen. Wen sie getroffen haben werden und wie wir gemeinsam weitermachen wollen und können und werden.

Auf bald, ihr lieben Ideen. Ich freu mich auf eure Rückkehr – und lass euch jetzt mal Zeit zum Entdecken und Fliegen!

(Was es mit der Geheimnistuerei auf sich hat? Naja, irgendwann werd ich euchs schon zwitschern, woran ich da so dahinwerkle – mit Schreiben und Büchern und Kunst hats jedenfalls zu tun, Überraschung, Überraschung!)

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Das E-Bike, ein Gedicht

Ich liebe mein E-Bike und auf allen Wegen
kommt es mir viel mehr als nur gelegen.
Denn dieses Rad, es bringt mich weiter,
macht mich froh und macht mich heiter.

Es zeigt mir, wie leicht es ist, mich zu bewegen,
es zeigt mir, wie schön es ist, Wege zurückzulegen.
Es lehrt mich Leichtigkeit und Hochgenuss,
vertreibt die Schwere und den Verdruss.

Mein Rad, es lässt mich schweben
und ohne zu überlegen,
fahre ich weit und fast jeden Tag
und wer sich jetzt noch fragen mag,
was dann los ist mit Sport und Schinden,
naja, für mich ist es kein Überwinden.

Ich habe gelernt, dass es leicht sein kann
und wo fange ich jetzt am besten an?
Dass ich mich bewege für mich und meinen Körper
und auch einfach vom Draußensein werde ich stärker.

Dass ich es im Moment nicht brauch –
und das gilt für andere Bereiche auch – 
dass es schwer geht und nur mit Schwitzen
auf meinen Zahlen, Höhenmetern oder Zeiten zu sitzen.
Das ist nichts für mich,
macht mich nicht mehr glücklich.

Und manchmal frag ich mich, für wen wollte ich sie machen,
all die besseren, die schnelleren, die höheren Sachen?
Ob es nicht genug ist, mich selbst gut zu fühlen,
ohne mich oder die anderen dabei anzulügen?
Das scheint ein großes Wort zu sein,
doch für mich war es einfach oft Schein statt Sein.

Und um jetzt wieder zurückzufinden,
möchte ich niemandem hier den Sport unterbinden.
Sportlich sein ist schön und gut,
nur ich zieh nicht mehr gleich vor jemanden den Hut,
der oder die etwas Großes geschafft,
und sich damit fast kaputt gemacht.
Denn für mich ist Stärke auch die Ruhe zum Innehalten,
das Helfenlassen und Stoppen und Motor einschalten.

Dieser Text übers E-Bike ist fast eskaliert,
doch hab ich mit diesem Rad erst kapiert,
dass ich mich bewege, damits mir gut geht
und dabei hilft mir dieses Gerät.

Denn es bringt mich an schöne Orte, lässt mich fliegen,
der Ehrgeiz bleibt im wahrsten Sinne auf der Strecke liegen.
Denn nur, weils hart war, ists nicht auch gleich gut,
und so befind ich mich auf der Hut,
mit solchen Gedanken und machs mir lieber fein,
lade Leichtigkeit und Genuss zu mir aufs Rad ein. 

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Eine Liebesgeschichte

Ich warte auf dich. Barfuß. Kenne dich noch nicht, weiß aber ungefähr, wie du ausschaust. Wir haben eine gemeinsame Freundin, die meint, dass wir zwei uns kennenlernen sollten. Warum – das werden wir bald herausfinden.
Du kommst. Vollbeladen mit Rucksäcken und Taschen.
Wir nehmen den Bus gemeinsam und du erzählst mir bereits auf der Reise nach Hause viel von deinem Leben.

Wir kochen, reden und machen Musik. Wir kennen uns schon länger, so ist das Gefühl. Wir reden bis spät in die Nacht, ich bin so interessiert an allem, was du mir erzählst.

Wir geben ein Konzert im Wohnzimmer meiner Eltern. Unser erstes Lied, es macht mir solch große Freude, mit dir zu blödeln. Meine Mama meint, dass du ja fast wie mein “argentinischer Bruder” bist, so ähnlich sind wir, so leicht wirkt es zwischen uns.

Wir lernen uns besser kennen, über Monate hinweg. Wir schreiben viel, du wohnst in Berlin, ich in Salzburg. Ich besuche dich, verbringe eine befreiende, aufregende und selbstfindende Zeit bei dir. Du besuchst mich. Wir kennen uns schon besser, sind uns noch näher.

So geht es dahin. Wir überbrücken die Zeit zwischen den Städten mit täglichem Austausch. Schicken Bilder, Videos, telefonieren und denken aneinander. Du verbringst viel Zeit bei mir, wir machen uns das Leben und die Welt, wie sie uns gefallen. Wir singen gemeinsam, spielen, kreieren, reden, kochen, spazieren, malen, lachen, lernen uns noch besser kennen.

Noch nicht mal ein Jahr ist um und wir beschließen, eine Reise zu machen. Wir fliegen nach Brasilien, ich lerne deine Familie und Freunde in Argentinien kennen, reisen durch das Land, durch Bolivien, Peru und nach Chile. Wir kommen zurück nach Argentinien und haben beschlossen, zu heiraten. Wir kennen uns mittlerweile schon gut. Nicht lange, aber gut. Verbringen jeden Tag – 24 Stunden – miteinander. Und es gibt immer noch vieles, vieles, über das wir reden. Wir wollen beisammen bleiben, wollen eine Familie sein.

Wir heiraten. Heute vor 2 Jahren. Es ist ein wunderschöner Tag, Sonnenschein, Gartenfest und ganz viele liebe Menschen. Wir tanzen, singen und essen wunderbar gutes Essen. Wir sind jetzt verheiratet. Glauben können wir das noch nicht ganz.

Dann geht es wieder nach Österreich zurück. Es ist nicht leicht für dich. Du bist viel alleine, ich arbeite viel. Wir nutzen die Zeit, die uns bleibt, gut und versprechen uns, dass wir unser Leben anders gestalten wollen. Wir wollen Zeit haben füreinander. Wollen unsere Visionen und Ideen gemeinsam in die Welt tragen. Wollen etwas Gutes schaffen. Wollen Abenteuer erleben.

Wir feiern ein Fest der Liebe. Ein Tag, wie er im Bilderbuch steht. Sonnenschein, Liebe, Familie, Essen und wunderbare Menschen. Ein Fest, das nicht schöner hätte sein können. Unsere österreichische Hochzeit. Sie bleibt – nicht nur uns- ganz warm in Erinnerung.

Das Jahr vergeht. Wir verbringen viel Zeit mit meiner Familie. Du lernst immer mehr Deutsch zu sprechen. Ich bin so dankbar dafür, dass du dich so einbringst. Sprachlich und kulturell. Es ist nicht immer leicht. Nicht für mich, nicht für dich. Wir entdecken gemeinsam neue Leidenschaften, sind viel unterwegs und gestalten unseren Lebensraum so, wie wir ihn beide haben wollen. Ruhig, grün und gemütlich.

Wir haben ein schönes Leben. Und wir wissen, wie wir es uns schön machen können. Wir reden viel über die Zukunft, was wir wollen, wie wir uns unsere Familie, unser Leben, unseren Alltag vorstellen. Wir wachsen miteinander. Lernen voneinander und lieben einander.

Es tut so gut, dich an meiner Seite zu haben. Ich fühle mich wohl, behütet und getragen. Du lässt mich wachsen, lässt mich sein und lässt mich atmen. Du machst mein Leben besser. Jeden Tag.

Ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dich getroffen zu haben. Dich in mein Herz gelassen zu haben und dich tief in mir zu tragen. Du hast mich verändert, näher zu mir selbst. Du hast mir neue Welten gezeigt und mich in deine aufgenommen. Du öffnest mein Herz mit deinen Ansichten, deinen Ideen und deiner Weise, das Leben zu sehen.

Ich bewundere dich, schätze dich so sehr. Ich liebe dich, fühle mich dir so nahe. Ich liebe uns, ich liebe unser Leben. Ich liebe es, wie wir uns gegenseitig wachsen und sein lassen.

Eine Liebesgeschichte. Meine Liebesgeschichte. Unsere Liebesgeschichte.

Auf viele weitere Hochzeitstage und viele Liebesgeschichten da draußen.
Ich gönn sie euch von Herzen.

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Gast-Freundschaft

Ich steh gerade in der Küche und koche mir Nudeln. An sich nichts Besonderes. Und doch: Ich bin nämlich nicht in meiner Küche. Und es sind auch nicht meine Nudeln – und irgendwie schon.

Wir sind bei Freund:innen auf Besuch und es ist mehr ein Heimkommen und hier Wohnen, als ein Gastsein. Diese Gast-Freundschaft, die ich hier spüre, ist riesengroß. Denn die beiden lassen uns viel mehr als nur bei ihnen schlafen. Wir sind Teil des Lebens, Teil der Familie für die Zeit, die wir hier sind. (Natürlich auch, wenn wir nicht hier sind! Aber jetzt in live ist es doch noch mal was Anderes!). Sie teilen ihren Lebensraum, ihre Zeit, ihr Essen – ihr Leben in dieser Zeit hier mit uns.

Wir werden hier empfangen und es ist nicht alles blitzeblank aufgeräumt – eben, weil wir keine Gäste sind. Weil wir Teil der Familie sind, weil weder sie noch wir hier mehr oder weniger tun (müssen). Für mich ist es jedes Mal eine Ehre, in einer fremden Wohnung staubzusaugen. Und ja, das meine ich wirklich so. Und nein, ich mach das nicht sehr oft. Aber wenn, dann bin ich jedes Mal wieder erstaunt, wie schön ich das finde. Denn es ist wie daheim. Und das macht das Hiersein so unkompliziert, authentisch, einfach und schön.

Jedes Mal, wenn ich nämlich so gast-freundschaftlich (und nicht gastfreundlich, was auch sehr nett, aber eben weiter weg als gastfreundschaftlich) empfangen werde, fühle ich mich gleich rundherum wohl. Ich weiß, dass ich nicht fragen muss, ob ich etwas aus dem Kühlschrank nehmen darf. Ich weiß, dass ich mich ausbreiten, meinem eigenen Rhythmus folgen kann und gleichzeitig als Teil dieser Familie eine wichtige Rolle übernehmen darf. Ich weiß, dass ich meine Ruhe haben darf, und mich im nächsten Moment liebend gerne mit jemandem unterhalte.

Diese Gast-Freundschaft ist etwas wirklich Kostbares. Und oft erlebe ich sie auch nicht. Was nicht schlimm ist – ich muss nicht überall staubsaugen, am Wohnzimmerboden schlafen und den Kühlschrank durchsuchen. Aber ich genieße gerade das besonders hier.

Also hier ein Danke an die beiden, sie wissen bestimmt, dass sie damit gemeint sind. Es ist wirklich eine Wohltat, ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit, mit wie viel Liebe wir hier sein können.

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Sommerliche Zeitreisen

Ich reise gerne. Am liebsten mit allen Sinnen und dorthin, wo es mir gefällt. Am liebsten an Orte, die mich erfreuen, mich berühren, mich an andere Orte erinnern (lustig, oder? Neues entdecken, um zu sehen, dass sie mich an Altes erinnern…)

Und ja. Reisen ist grad nicht so möglich, wie wir das kennen. Zumindest jetzt in diesem Moment nicht. Ich habe aber eine Reisemöglichkeit gefunden, die mich in den letzten Wochen sehr glücklich gemacht hat: Die Zeitreise in meine eigene Kindheit.

Wie ich das mache? Ganz einfach: Ich erinnere mich an die schönen Dinge in meiner Kindheit und versuche sie zu rekonstruieren. Das mache ich meist unbewusst, denn ich bin draufgekommen, dass das beste und direkteste Ticket in die Kindheit meine Sinne sind. Also in meinem Fall im Moment besonders mein Geruchs- und mein Tastsinn. Es ist also eher umgekehrt, dass ich etwas empfinde und es dann in Gedanken fasse. Hier meine kleine, ausgewählte Sammlung:

Es gibt im Keller einen Kasten, der riecht für mich nach Kindheit. Wenn ich ihn öffne, strömt nicht nur der süßlich-leichte Duft von Kerzenwachs, alten Bildern und Waschmittel meiner Oma heraus – vielmehr sehe ich mich als Kind vorm inneren Auge dort im Keller herumkramen, an heißen Sommertagen nach “Saftpackerl” zu suchen und damit dann schnell wieder raus in die Sonne auf der Mauer sitzend die Erfrischung mit dem viel zu kleinen Strohhalm zu schlürfen.

Keller haben grundsätzlich diesen Kindheitsreiseeffekt für mich – besonders an heißen Sommertagen riecht es im Keller für mich nicht (nur) nach feuchten Wänden, dem kühlen Boden oder den gelagerten hunderttausend anderen Sachen – nein, es riecht nach den Mini-Magnums, die wir dort in der Gefriertruhe (! Truhe!) hatten und die an Sommertagen eines unserer Grundnahrungsmittel darstellten.

Weiter gehts auch in diesem Szenario, wenn ich barfuß bin – denn dann spüre ich den kalten Beton des Kellers, beim Hinausgehen das kratzige Gitter, das die Garage vom Parkplatz trennt und draußen die von den Sommersonne aufgewärmten Steinplatten, die immer noch an der gleichen Stelle wackeln, an der sie es immer getan haben. Wenn ich im Garten bin und das leicht nasse Gras unter meinen Füßen spüre, mit den abgekühlten Zehen dann über den warmen Parkplatz zur viel zu heißen Straße gehe, kommen sofort wieder die Bilder und Gefühle der ewig lange scheinenden Sommerferien als Kind in meinen Sinn. Das Rollerfahren und dabei immer wieder die Zehen am gleichen Fleck aufschlagen, das Sitzen am warmen Asphalt und dabei Straßenmalkreiden malen. Das unbeschwerte, warme, fröhliche Gefühl vom alle Zeit der Welt haben. Wie sehr ich es genieße, dorthin zu reisen!

Ein Kindheitsreisemoment ist auch, wenn ich bei leichtem Regen im aufgewärmten Pool schwimme – mein Körper eingehüllt vom warmen Nass, mein Kopf draußen und von leichten Regentröpfchen abgekühlt. Wenn ich dann meine Taucherinnenbrille ins kleine Häuschen zurückbringe und den Duft dort schnuppere, katapultiert es mich in Sekundenschnelle zur Sommerhütte meiner Nachbarn, in der wir uns als Kinder immer umgezogen, unsere nach Plastik riechenden Luftmatratzen und die bereits hundertfach verwendeten nassen Handtücher gelagert haben.

Ich werde auch weiterhin an diesen warmen sommerlichen Tagen einige Tickets in meine eigene Vergangenheit lösen – denn ich liebe den Gedanken daran, dass ich zumindest für einige wenige Sekunden wieder dorthin reisen kann. Ich hatte eine wahrhaft schöne, erfüllte und unbeschwerte Kindheit. Und dahin reise ich immer wieder gerne zurück…

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Alltagsabenteuer

Abenteuer. Das kling ja schon mal vielversprechend. Und Alltag? Naja, der hat auch was – zwar weniger abenteuerlich, dafür umso bekannter.

Die Alltagsabenteuer, von denen ich euch heute erzähle, führen mich nicht weit weg und haben trotzdem sehr viel mit Urlaub zu tun. Sie sind nicht teuer und haben trotzdem etwas Unbezahlbares. Die Alltagsabenteuer, von denen ich heute schreibe, helfen mir dabei, den Sommer erstens auch ohne viel Urlaub zu genießen und zweitens mein Leben abseits vom Trott bunt zu gestalten.

Also was meine ich denn damit, wenn ich vom Alltagsabenteuer schreibe? Für mich hat dieses einige Charakterzüge, die sich bei jedem dieser Abenteuer wiederholen. Ein Alltagsabenteuer …

  • … kann jeden Tag stattfinden, zu jeder Tag- und Nachtzeit, auch am Wochenende, auch nach Feierabend.
  • … ist nicht großartig geplant, findet einfach statt, braucht wenig und bringt viel.
  • … ist oft irgendwas außerhalb der eigenen vier Wände oder zumindest führt es zumindest kurz weg von der Couch, hinein ins Leben.
  • … kostet fast nix (außer vielleicht eine Eintrittskarte, eine Kugel Eis oder eine Packung Heidelbeeren)
  • … ist erfrischend, ermunternd, wohltuend und kurzweilig
  • … führt auch in neue Gegenden rund ums eigene bekannte Nest (dies muss aber nicht zwingend der Fall sein)
  • … ist von relativ kurzer Dauer – dies können 10 Minuten oder ein ganzer Nachmittag sein, je nach Abenteuer
  • … ist und bleibt in warmer Erinnerung
  • … wird offiziell davor, danach oder währenddessen zum Abenteuer deklariert. (Ein sehr wichtiger Faktor, hinsichtlich der Anerkennung und auch zum Erinnern dran sehr bedeutend.)

Dies sind nur einige Merkmale von den sogenannten Alltagsabenteuern. Ich hab heute – am Rad, während eines dieser Abenteuer – darüber nachgedacht, welche ich denn besonders in letzter Zeit erlebt habe – hier eine kleine, ausgewählte Sammlung:

Fast jeder Ausflug mit unseren neuen elektrischen Rädern wird zu einem Alltagsabenteuer, weil wir einfach irgendwo hinfahren und uns von Google Maps oder Straßenschildern leiten lassen. (Wenn ich von “wir” schreibe, meine ich übrigens wenig überraschend meinen Abenteurer Nummer 1) So waren wir zum Beispiel auf einem Berg, auf dem uns wohl niemandem geraten hätte, mit dem Rad hinzufahren. Zumindest nicht von dieser Seite. Wir wussten es nicht und habens gemacht, aufregend wars und lustig obendrein.

Als Touris haben wir uns die Wasserspiele in Hellbrunn angeschaut, mit dem Audioguide lustige Geschichten erfahren und uns absichtlich anspritzen lassen, weils einfach nur dann so wirklich abenteuerlich ist.

Wir waren im Museum, haben uns die Werke angeschaut, im Museumsshop geschmökert und im Mitmachbereich gezeichnet und geschrieben, was das Zeug hält.

Wir haben uns bei Regen und Gewitterwetter am Abend die Gummistiefel angezogen, einen Schirm und die Regenjacke geholt und sind Blitze schauen gegangen.

Einmal war ich sogar früh am Morgen, vor dem Trubel und bevor der Alltag überhaupt munter war, eine Runde im Wald laufen. Hui, ist die Welt da noch ruhig!

Eines unserer eher wochenendlichen (haha, wie passend! endlich wochenendlich) Alltagsabenteuer ist das Plunderteig-Frühstück. Da beginnt das Abenteuer schon im Supermarkt – grinsend und vorfreudig – kaufen wir uns fertigen Plunderteig und dann gibts Medialunas (das sind Croissants auf Argentinisch), bei einem laaangen Frühstück mit Musik und Beeren und Tee und Zeit.

Bei einem unserer “wir fahren dorthin, wo wir noch nie waren-Abenteuer” haben wir in einem wunderbaren Kaffeehaus superguten Kaffee bestellt und uns des Lebens erfreut. Auch das war eines unserer Alltagsabenteuer.

Ribisl und Himbeeren hinterm Haus pflücken ist ebenso ein Alltagsabenteuer, wie die oben genannten. Also wie ihr seht, die Bandbreite ist groß und deklarieren kann man all diese schönen Dinge zu Alltagsabenteuern. Denn die, liebe Leute, machen das Leben bunt und lustig, kurzweilig und schön. Ja. Alltagsabenteuer machen das Leben schön.

(Heute haben wir uns übrigens den Weg zum IKEA gesucht – mit dem Rad, vorbei an Seen, Wäldern, Bergpanoramas, 300-jährigen Häusern, uralten Bäckereien und mit der Sonne im Rücken.)

Ich freu mich auf viele mehr von diesen Aus-Zeiten im Alltag

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In tiefster Verbundenheit

Ich überlege, frage mich und fühle in mich hinein: Was ist es, das mich lebendig sein lässt? Was macht mich ganz wach, klar denkend und sehend? Was verbindet mich mit dem Leben? Mach mich leben-dig?

Ich spüre es meist in dem Moment, in dem ich mich ganz verbunden fühle, dass es das ist, was mich lebendig macht. Ein kurzes Innehalten, ein Erfülltsein, ein Moment der puren Freude. Das ist es, was mich wach, lebendig macht.

Manchmal vergehen Stunden, manchmal sogar Tage, ohne dieses Gefühl. Ziehen vorbei, sind voll und trotzdem so leer. Manchmal erwisch ich mich dabei, wie ich unrund bin, unrunde Dinge von mir gebe und meine Unfülle an die Menschen in meiner Umgebung ablade. Dann merke ich, dass ich nicht verbunden bin, dass ich mich nicht ganz lebendig oder wach fühle.

Und dann gibt es wieder diese Momente, diese Stunden, diese Tage voller Vollheit. Voller Fülle, voller Leben. Ich bemerke, dass ich ganz scharf sehe, dass ich die Gerüche wahrnehme, die um mich herumschwirren, dass ich die Töne ganz klar höre. Ja, wirklich. Ich nehme mein Lebendigsein ganz stark körperlich wahr. Macht auch Sinn, wenn meine Sinne ganz bei Verstand sind. Wenn meine Sinne offen und empfänglich sind, für das, was JETZT gerade ist. Dann bin ich verbunden. Mit dem Leben und mit mir.

Es ist wichtig, wenn nicht sogar essenziell, dass ich mich mit dem Leben verbinde. Dass ich nicht nur irgendwie so dahinwurtschtle, die Tage vergehen lasse und mich frage, wo die Zeit hin ist. Es ist wichtig, wenn nicht sogar essenziell, dass ich mich spüre, dass ich mich lebendig und wach fühle. Denn das, meine lieben Leute, ist das Leben. LEBEN-DIG. Voller Leben.

Ich nehme mir vor, diese Momente – weil ich schon ungefähr weiß, wie sie ablaufen oder wie ich sie mir gestalten kann – wieder ganz bewusst in meinen Alltag, in mein Leben einzubauen. Ganz bewusst einbauen und ganz bewusst bewusst leben. Dankbar sein und daraus schöpfen (oder mich zumindest daran zu erinnern!), wenn es mal nicht so lebendig zugeht.

Wir waren heute auf 2500 Metern am Fuße eines Vulkans. Die Landschaft unbeschreiblich, die Luft kalt und dünn, das Gefühl atemberaubend. Und in diesem Moment habe ich entschlossen, wieder bewusster lebendige Momente zu zelebrieren. Und nein, das muss nicht jedes Mal eine Ausnahmesituation wie ein Vulkan sein. Duschen. Wasser trinken. Ein Abendessen genießen. Mit meinem Liebsten blödeln und dabei aus tiefstem Herzen lachen. Laufen, das Herz bewegen. Innehalten und spüren. Überall finden sich Momente zum Verbinden mit dem Leben.

In tiefster Verbundenheit. Das ist es, was ich bin.

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Gelassene Vorfreude

Es ist frühmorgens. Die Luft ist klar und kalt. Die Landschaft zieht vorbei, die Welt schläft noch. Neben uns ein See, ruhig und weit. Die Straßenlaternen schimmern leicht und alles ist grau. Die Sonne sucht ihren Weg und zeigt sich in leichten Pastelltönen. Die Berge im Hintergrund schlummern, auf ihnen Schnee. Die Welt ist umfüllt von Nebel, der alles in sanften Farben in sich wiegt. Die Welt ist kalt und frisch. 

Es ist der zweite Tag im neuen Jahr. In diesem neuen Jahr voller neuer Tage, neuer Momente, neuer Zeit. Dieses Jahr hat gerade begonnen und wir wissen nicht, was es bringt. 

Ich liebe diesen Zauber am Jahresbeginn. Liebe es, wenn die Welt noch schläft – das Jahr noch schläft – und sich die Farben des Tages langsam zeigen. Wir wissen nicht, was der Tag bringt, genausowenig wissen wir, das das Jahr bringt.

Welche Herausforderungen werden uns wachsen lassen? Welche Momente werden uns berühren? Welche Menschen begleiten unseren Weg? Welche Menschen verlassen uns und welche kommen dazu? Welche Entscheidungen werden wir treffen und welche Konsequenzen werden diese nach sich ziehen? Was werden wir tun, um glücklich zu bleiben und zu sein? Was werden wir erleben, erfahren und endlich verstehen?

Ein ganzes Jahr liegt vor uns. Ein neues, frisches, erst aufwachendes Jahr. Ein Jahr, das seine Farben erst nach und nach zeigen wird. Ein Jahr, das es nur einmal geben wird. Einmal und nie wieder. 

Ich freue mich auf das, was kommt. Ich freue mich auf die Farben, die Muster, die Zeit, die kommt und das mit sich bringt, was es eben sein wird. Und ich bin gleichzeitig ganz ruhig. In mir ruhend. Habe dieses sanfte Gefühl, dass das, was kommt, gut sein wird. So, wie die feinen Farben der Landschaft, der leichte Nebel, das alles umhüllende friedliche Grau, die Welt ruhig machen – so ruhig fühle ich mich. 

Gelassen und doch vorfreudig blicke ich auf das neue Jahr. Und frage mich, was es sein wird, das ich in einem Jahr über dieses Jahr denken werde.

Wir sitzen im Zug, auf dem Weg in ein kurzes Reiseabenteuer. Gelassen und vorfreudig.

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Ich bitte um Urlaubnis

Hier lieg ich also. In meinem Bettchen in Riga. Wir machen Urlaub in Lettland, haben wir beschlossen. Mal was anderes, mal in den Norden, statt in den Süden. Ist schön hier, wirklich wahr! Kalt, windig, gemütlich und schön.

Wunderschönes Alt-Riga

Und hier lieg ich noch immer und überleg so vor mich hin, was denn den Urlaub zum Urlaub macht. Und warum ich mich immer wieder dabei erwische, dass ich nervös auf die Uhr schaue. Uhr-laub? Wohl eher nicht.

Bei solchen Eindrücken, scheint die Zeit still zu stehen

Ich hab mich mal schlau gemacht. Das Wort “Urlaub” kommt von der Erlaubnis, wegzugehen. Erlauben. Mir selbst erlauben, wegzugehen. 

Und da wäre wir schon mitten in der Thematik. Oh, wie ich es liebe, wegzugehen vom Bekannten, Gewohnten. Etwas zu unternehmen, etwas anzuschauen und erleben. Etwas Neues zu sehen, neue Winde zu spüren, neuen Sand unter den Füßen zu fühlen.

… unter den Füßen zu spüren

Und oh, wie mich das manchmal stresst, dass ich dafür aus dem Haus gehen muss. Dass ich dafür sogar womöglich einen Zug oder Flieger, Bus und eine Straßenbahn nutzen muss, vorher noch nachdenken und meinen Rucksack packen und dann ja nichts daheim vergessen soll, weil ichs ja dann nicht habe.

Beerenparadies am Markt

Und oh, was mich da am meisten stresst, an diesem Abenteuer-Erleben, ist, dass ich mich ja darauf freuen will und es kopflich, gedanklich einplane und mir das dann auch vornehme und machen will und meinem lieben Mann das dann auch eindringlich zu verstehen gebe.

Mein lieber Mann und ich

Also. Um den Kreis zu schließen – hier liege ich nun, also eigentlich sitze ich, weil das Schreiben im Liegen so kompliziert ist (und das ist dann ja wirklich kein Urlaub) und freue mich, dass wir heute Abenteuer erlebt haben und morgen ganz, ganz ruhig sein werden. Nur in der Wohnung, nur essen und schlafen und kochen und lesen. Und. Sonst. Nix. 

Denn das ist Urlaub. Ab. Schal. Ten. Ru. He. Nix.

Unsere Eindrücke von Riga, hübsch verpackt in einem Filmchen

… mir erlauben, nichts zu tun.

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Lachende Weinreise

Ein Wochenende, ein Kurztrip, eine Auszeit liegen hinter mir. Es waren Tage voller Gemütlichkeit, einfacher Entscheidungen und Ausgelassenheit. Tage voller Freundschaft und Gelächter, voller tiefer Gespräche und gutem Wein.

Weite Landschaft, fühlt sich gleich anders an als daheim

Wir haben uns diese Tage gegönnt, haben sie lange schon im Kopf gehabt und jetzt endlich verwirklicht. Haben den Alltag daheim lassen und uns für ein paar Tage herausgenommen aus der alltäglichen Normalität.

Eine kleine Reise mit Freundinnen. Ein paar Tage wertvollster gemeinsamer Zeit. So gut hat es getan, zu wissen, dass beim Wegfahren noch viele, viele gemeinsame Stunden vor uns liegen. Und bereits ab dem ersten Moment war es lustig, ausgelassen und heiter. Einfach, unkompliziert und echt.

Unkompliziert heißt manchmal, alles von oben (oder außen) zu sehen

Wir haben über unsere gemeinsamen Erinnerungen gelacht, uns Fragen über die Zukunft gestellt und den Moment im Jetzt so genossen. Wir konnten lange reden, hatten am dritten Tag immer noch viel zu besprechen und besonders durch diese Zeit haben sich wieder neue Erinnerungen gebildet, von denen wir noch lange zehren werden.

Zeit mit Freundinnen zu verbringen ist so wohltuend und heilsam. So viel gemeinsam zu lachen und die Zeit so herrlich sinnvoll und langsam gemeinsam zu verbringen, kann nur gesund sein! 

Apropos gesund – hier ein paar Gartenschätze im Sonnentor-Hauptlager

Immer wieder haber ich innegehalten und eine tiefe Dankbarkeit in mir gespürt. Dieses gute, wärmende Gefühl von Verstandensein, Vertrautheit und Daheimfühlen. Bei und mit meinen lieben Freundinnen, egal wo.

Ich danke euch von Herzen, ihr Lieblingsmenschen. Auf ein nächstes Mal! Auf unsere Freundschaft! Auf das Leben!

Denn – so kann ich es jetzt wieder einmal bestätigen – aus Beziehungen, Begegnungen und gut gelebter Zeit, die zu gemeinsamen Erinnerungen wird, besteht das Leben.

Statt Gewürze wie in diesem Apothekerschrank, sammeln wir Erinnerungen