Der Raum ist lichtdurchflutet. Das wenige Sonnenlicht dieser Tage dringt durch die hohen Fenster. Doch dieser Raum erstrahlt heute nicht nur im Licht. Klänge erfüllen die hohen Hallen. Musik schwebt durch die Gänge. Kompositionen setzen sich in jede Ecke dieses Raumes.
Menschen allen Alters lehnen an Säulen, teilen sich improvisierte Sitzplätze. Besetzen Boden. Schaffen sich ihre eigenen kleinen Inseln. Neben uns hat sich jemand hingelegt.
Augen schweifen durch den Raum, Blicke treffen sich, andere hängen irgendwo in der Ferne. Geschlossene Augen, wache Ohren. Da wird geflüstert, gelesen, gelauscht. Genickt. Gewartet. Genossen. Gehört.
Ich lehne mich an die Wand hinter mir, schließe meine Augen und lasse mich transportieren. Sehe weite Wiesen, Blumenfelder, frische Luft, so viel Luft, Sonnenschein, sehe mich selbst barfuß laufend, atme tiefer. Bewege mich leise im Schein der Musik. Lasse mich von ihr berühren, bewegen.
Da gab es Menschen vor knapp 200 Jahren, die diese Noten einst nur in ihrem Kopf hatten. Die sie niederschrieben, um Zugang zu ihnen zu finden. Die diese Melodien durch das Niederschreiben für andere zugänglich machten. Andere, die leben würden, wenn sie längst vergangen wären.
Es ist Mittwoch, 13 Uhr. Hier kommen Menschen zusammen. Es ist die Berliner Philharmonie, die wöchentlich ihre Pforten öffnet, um Menschen zu ihren “Lunchkonzerten” einzuladen.
Hier wird niederschwellig klassische Musik zugänglich gemacht. Niederschwellig, weil diese Konzerte keine Anmeldung, Sitzplatzreservierung oder Kosten fordern. Niederschwellig, weil es nicht einmal besonderer Kleidung oder Planung bedarf. Was es braucht, ist das Wissen darum und zufällig eine Stunde Zeit.
Zugänge schaffen. In diesem Fall zu klassischer Musik.
Zugänge schaffen. Im Moment eines meiner Lieblings(utopie)themen.
