Eine Frage der Rhetorik

Ich hab einen meiner etwas älteren Texte ausgegraben. Diesen mussten wir im Rahmen einer Rhetorik-Einführung im Lateinunterricht (aber auf Deutsch, tintinna, tintinna) in der Oberstufe verfassen. Im Text sollten so viele rhetorische Mittel wie möglich möglichst sinnvoll eingebaut werden. Das Thema war uns selbst überlassen. Ich entschied mich über die Achtsamkeit zu schreiben. Ein ziemlich bedeutsames Thema für eine 17-Jährige. Es passt(e) zu mir.

Fast jeder Satz dieses Texts war in sprachliche Stilmittel gehüllt. Ich verneinte doppelt, elipsierte Gegensätze gekonnt aus und alliterierte mich durch die Absätze. Ich liebte es, diese Liste an möglichen Stilmitteln vor mir liegen zu haben und Ideen zu finden, wie ich diese in meinen Text einbauen konnte. Im Anschluss durften wir (ja, für mich war es wirklich ein Dürfen) unsere Texte vor der Gruppe vortragen – ein Genuss!

Ich hab immer schon gerne geschrieben. Als ich diesen Text nun nach mehr als 15 Jahren wieder gelesen habe, wurde mir etwas bewusst: Es braucht Handwerkszeug, um arbeiten zu können. Es braucht eine Auswahl an Möglichkeiten, ein Büffet an Stilmitteln, Wort(mehr)bedeutungen und Zugängen, um das Schreiben in einer seiner vielen Facetten zu fassen. Für mich war der Zugang zu diesen Werkzeugen ein wahrer Augenöffner! Ich musste weder alles neu erfinden, noch tat es meiner Originalität Abbruch, wenn ich mich an bereits bekannten Strukturen entlanghangelte. Vor mir hatten Menschen schon mit Sprache gespielt (oh Wunder!) und hatten dieses Spiel sogar so weit abstrahiert, dass ich diese Werkzeuge noch Tausende von Jahren später anwenden konnte.

Eine andere Erkenntnis war, dass sich in mir wohl durch verschiedenste Neigungen (Sprache, Texte, Schreiben) bereits während der Schulzeit und später im Studium Regionen im Gehirn aktivierten und sogar verknüpften, die ich heute noch tagtäglich für mein Schreiben benutze. Dass diese Autobahnen an Synapsen mich zu meinem Hauptweg geführt haben: dem Schreiben.

Wenn ich mich also beim nächsten Einfall an Wortspielen frage, woher dieses kommen könnte, bin ich der Antwort einen Schritt näher: Manch ein Samenkorn, das – ohne große Absicht – in mir gesät wurde, durfte – langsam, sicher und über die Jahre – wachsen. Zu einer stattlichen Pflanze sogar, wie wunderbar.

Den Text möchte ich euch nicht vorenthalten. Wenn ihr auf diesen Link klickt, kommt ihr zum rein rhetorisch geschriebenen Achtsamkeitstext.

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