Die Plusliste

Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass ich mein Leben an der Plusliste orientieren möchte. Was das ist und dass diese einiges (aber nicht alles) mit Positivimus zu tun hat, erläutere ich im Folgenden:

Die Plusliste ist ein Konzept, das die Aktivitäten in meinem Leben beschreibt. Aktivitäten, die mir guttun (wie zum Beispiel genügend Wasser zu trinken, mich zu bewegen oder das zu essen, was mir wirklich guttut) setze ich auf die Plusliste.

Die funktioiert nicht wie die Plus-/Sticker-/Lobliste in der Schule, sondern folgendermaßen:

Wenn ich etwas mache, das mir guttut, ist es immer besser, als wenn ich es nicht mache. Also kommt es auf die Plusliste. Jedes Mal, das ich Yoga mache, ist ein Plus. Jedes Mal, das ich Wasser trinke, ist ein Plus. Jedes Mal, das ich gut schlafe, mich mit meinen Gefühlen auseinandersetze, draußen an der frischen Luft bin, etwas kreiere, mich mit meinen Mitmenschen ehrlich verbinde, ist ein Plus.

Das Gegenteil der Plusliste wäre die Minusliste, eigentlich klar.

Ich habe zwar keine Minusliste, aber zur Klarstellung hier der Unterschied: Die Minusliste orientiert sich daran, was ich alles nicht getan habe, hätte tun sollen oder gemacht haben könnte. Sie hat ein (ungewisses? recht undurchschaubares? immer größer werdendes?) Kontingent und wenn dieses nicht erfüllt und erlediget wird, kommt es auf die Minusliste. Wird also abgezogen.

Sie beschäftigt sich mit dem Tag, der unrund gelaufen ist, dem Softdrink, zu dem ich statt Wasser gegriffen habe, der „Faulheit“, die mich durch das Wochenende begleitet hat. Sie erhebt den Zeigefinger, sie macht Vorwürfe, sie ist nicht nur eine Liste, von der abgezogen wird, sondern schreibt ins Minus, was ich alles Gutes NICHT getan habe.

Die Plusliste hingegen ist sehr dankbar, das geb ich zu. Sie erfreut sich an den kleinen Dingen, an jedem Glas Wasser, an jeder Bewegung, an jedem Funken Gefühl.

Sie ist sehr genügsam, ja. Strebt sie vielleicht nach zu wenig? Hat sie denn keinen größeren Plan? Hat sie. Den Wohlwollen mit mir selbst. Das Ende des schlechten Gewissens. Die tiefe, ehrliche Selbstfreundschaft, die ich verdiene.

Ganz vereinfacht gesagt: Die Plusliste lässt (mich) wachsen, die Minusliste schrumpft (mich). Oder aber:

Auf der Plusliste ist mein Leben halb voll, auf der Minusliste immer halb leer.


Mehr zu lesen…

Diese Freundschaft
Und eigentlich gehts gar nicht darum, dass du mich rausholst. Eigentlich ist …
Was ich mag
Ich mag es, Menschen am nächsten Morgen und am nächsten und am …
Highlights
In Form einer Bildgeschichte erzähle ich meiner Familie von unserem Ausflug. Ich …
In Tunwörtern leben
Listen find ich hilfreich und furchteinflößend. Gut und böse. Ich schreibe und …