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Verdient verdient.

Ich glaube nicht daran. Nicht mehr. Ich glaube, es ist Zeit für mich, weiterzuziehen, neue Denkwege einzuschlagen, mich selbstliebend umzuorientieren.

Ich glaube nicht mehr daran. Woran, fragt ihr euch? Ich glaube nicht mehr an dieses “ich muss es mir erst verdienen”-Mantra. Dieses “das Gute kann nur kommen, wenn es mir wirklich schlecht ging davor”. Dieses “hart arbeiten, um mir die langersehnte Ruhe zu verdienen”.

Ich will es einfach nicht mehr glauben.

Gestern hatten wir ein sehr spannendes Gespräch mit einem Freund. Wir haben über das Leben gesprochen, darüber, wie es geht, dass wir im Moment beide wenig arbeiten und trotzdem all die Dinge tun können, die wir wollen. Wie es möglich ist, wenig Geld zu brauchen und wie einfach das ist für uns. Und dann – auf meine Erklärung, dass ich gerade keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, (ich verwende diesen Ausdruck sehr bewusst – denn ich arbeite. Aber ich bekomme im Moment (noch) kein Geld dafür.) – hat er gemeint, dass ich mir das ja verdient habe. Ich hab schließlich viel gearbeitet im letzten Jahr.

Und da überkam es mich. Da war es mir klar. Nein. Ich will das nicht. Ich will es mir nicht “verdienen” müssen, dass ich eine Zeit lang “nichts tue”. Und hier kommt auch die Krux an der Sache – in der deutschen Sprache differenzieren wir nicht zwischen “Geld verdienen” oder “sich etwas verdienen”. Und so mischen sich diese beiden Welten, die sich nahe stehen, aber eben nicht die gleichen sind.

Ich muss Geld verdienen, um mein Leben zu finanzieren. Versteh ich. Ich muss mir aber keine Zeit verdienen, um sie dann so zu nutzen, wie ich das möchte und brauche. (Ich schreibe das alles am hohen Thron der Privilegien, glaubt mir, ich denk viel darüber nach…)

Ich hab es hier schon ein paar Mal anklingen lassen – und ich werde nicht müde, es immer wieder zu schreiben: Ich muss nicht krank sein, um meine Tage mit Dingen zu füllen, von denen ich immer schon geträumt habe. Ich muss mir nicht die Woche vollstopfen, um dann am Wochenende endlich durchzuatmen. Ich muss mir das Gute, das Schöne nicht verdienen, vor allem wenn ich es mit Geld sowieso nicht bezahlen kann.

Versteht ihr, was ich meine?

Ich bin es satt, zu warten und mich klein zu machen. Ich bin es satt, gesagt zu bekommen, wie man lebt und was man darf. Und ich bin es satt, mir selbst das Gute nicht zu gönnen, weil ich es mir “ja nicht verdient habe”…

Ob ich mir etwas wirklich verdient verdient habe, das lass mich ab jetzt ich selbst entscheiden. Und dabei werd ich großzügig sein zu mir selbst. Denn das hab ich verdient, damit, dass ich hier bin.

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Keine Vorsätze

Lange habe ich überlegt, wie mein erster Text im neuen Jahr ausschauen soll. Reflektierend über das letzte Jahr, das voller Schätze steckte? Vorausschauend auf das neue Jahr, das voller Schätze stecken wird? Meine Pläne, Visionen, Vorsätze für dieses Jahr? All das ist es nicht geworden.

Und hier bin ich. Innehaltend im Moment. Im heutigen Zustand, im jetzigen Augenblick. Und ich fühle mich sehr weise dabei. Denn wenn ich etwas immer mehr verstehe, dann ist es das kostbare Geschenk der Gegenwart.

Und so sitze ich hier und freue mich. Freue mich über so vieles. Und bin so unendlich dankbar, ich kann es kaum fassen, kaum ausdrücken. Ich liebe mein Leben aus tiefstem Herzen. Und ich liebe die vielen feinen Facetten meines Lebens.

Ich liebe es, dass ich eine Beziehung führe, die auf Miteinander, auf Liebe, auf tiefer Verbundenheit beruht. Ich liebe es, dass wir miteinander reden, uns austauschen, uns zuhören und diskutieren. Ich liebe es, dass wir uns gegenseitig wachsen und verändern lassen. Ich liebe es, dass wir uns fürs Abenteuer entscheiden, immer wieder. Für die Lebendigkeit, für das Aktive, für das Gute.

Ich liebe es, dass ich gesund bin. Dass ich meinen Körper bewegen und nutzen kann. Ich liebe es, dass ich mich schön finde. Ich liebe es, dass ich mit meinem Körper befreundet bin. Dass ich eine meiner eigenen engsten Freundinnen bin. Dass ich immer mehr lerne, mich noch mehr und immer mehr genau so anzunehmen, wie ich bin und mich nicht vor Veränderung fürchte.

Ich liebe es, dass ich so viele Möglichkeiten habe und viele davon nutze. Ich liebe es auch, dass ich es schaffe, “etwas zu verpassen”, im Bewusstsein, dass ich nicht alles immer tun muss. Ich liebe es, dass ich weiß, was mir guttut und dass ich so vieles davon machen kann. Ich liebe es, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann und weit genug entfernt habe von dem, was mir nicht gut tut.

Ich liebe auch solche Dinge, wie zum Beispiel, dass ich Räume gemütlich und schön machen kann. Das ist eine Fähigkeit, die ich sehr praktisch und schön finde. Ich liebe es, dass ich mich über Kleinigkeiten von ganzem Herzen freuen kann. Ich liebe es, dass ich alles schmecke und rieche und dass ich jeden Tag schönes Essen machen und haben kann.

Und das sind alles Dinge, die ich gerade jetzt, heute und hier, so sehr schätze und liebe. In diesem Moment.

Ich liebe es, dass ich eine Seite füllen kann mit Dingen, Zuständen und Gegebenheiten, die ich liebe. Und das, ohne viel nachzudenken oder mich anzustrengen.

Wie wunderbar. Da braucht es für mich dieses Jahr gar keine Vorsätze. Denn so, wie ich gerade lebe, so kann ich mir das gut fürs ganze Jahr (wenn nicht sogar länger…) vorstellen. Und wenn ich eines jetzt gerade weiß, dann dass die Veränderung meine Freundin bleiben wird, bei allem, was ich mache und liebe. Und das wird sie bleiben, ob mit oder ohne Vorsatz.

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Die lange Weile

Die letzten Tage waren gefüllt von diesem Nichts. Und bereits im ersten Satz widerspreche ich mir hier selbst. Denn gefüllt sein vom Nichts, das geht ja irgendwie nicht. Und doch. Die lange Weile, die schafft es, etwas zu füllen ohne selbst etwas zu sein.

Die lange Weile, leicht verwechselbar mit ihrer Zwillingsschwester der Langeweile, hat mich in den letzten Tagen oft begleitet und inspiriert.

Die lange Weile, die bringt dieses weite, scheinbar endlose Gefühl mit sich. Die Tage haben wenig Struktur, wenig Pläne, wenig Müssen. Die Tage, die diese lange Weile hervorrufen, sind umgeben von diesem Hauch der Leichtigkeit, der Ungezwungenheit, der Weite.

Woraus diese lange Weile besteht?
* Spazierengehen. Auch gern mehrmals am selben Tag. Langsam, weit und achtsam spazieren gehen.
* Essen. In lustigen Rhythmen und auch Dinge, die vielleicht so im Alltag nicht unbedingt vorkommen. Gemeinsam mit Menschen und alleine vor dem Fernseher. Egal, Hauptsache lange und gut und entspannt.
* Herumhängen. Dasitzen und schauen. Jemandem bei etwas zuschauen oder einfach in die Luft schauen. Währenddessen gar nicht viel denken. Einfach schauen.
* Wenig Zeit am Handy. Die Langeweile der langen Weile gut aushalten und nicht sofort ablenken (lassen).
* Spielen. Brett- und Gesellschaftsspiele. Die richtigen Karten suchen und lange nicht finden. Dabei die Uhr ticken hören und nicht einmal wissen, welche Stunde des Tages gerade ist.

Diese lange Weile, die mich absolut nicht langweilt, habe ich meist um die Weihnachtsfeiertage und in den Tagen zwischen den Jahren. Warum genau da? Vielleicht, weil ich sie mir da selbst erlaube. Weil da, ja besonders da, das Nichtstun Teil des Festes ist. Weil nichts von mir erwartet wird, nicht mal ich selbst erwarte etwas von mir.

Diese lange Weile, die hat aber sehr wohl viel mit ihrer Zwillingsschwester zu tun. Denn die Langeweile, die eine lange Weile erzeugt, die kann guttun, entschleunigen, inspirieren und uns zurückzuholen zum Wesentlichen.

Oder um es mit den Worten der wunderbaren Astrid Lindgren zu sagen: “Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.”

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Vom Geschenk der Privilegien

Zur Weihnachtszeit, da denkt man doch mal gerne an das Schöne, nicht wahr?

An all die feinen, guten Dinge, die man essen wird. An die schönen, besonderen Geschenke, die man verschenken und vielleicht sogar bekommen wird. Und an die Stimmung, die Atmosphäre, das Gefühl.

So mach ich das zumindest. Und oh, was für eine Vorfreude sich da in mir auftut!

Und dann, genau in dieser schönen Zeit, in dieser Zeit der Stille und Einkehr, Liebe und Ruhe soll man sich plötzlich mit den Problemen der anderen auseinandersetzen? Ja gibts denn da keinen besseren Moment? Könnten wir damit nicht noch ein bisschen warten? Da wird ja die ganze Stimmung versaut und nur, weil ich drüber nachdenke, ändert das “bei denen” ja auch nichts.

Hm.

Wovon ich schreibe? Woran ich denke? Ich meine, es dürfte klar sein. Menschen, die wie Tiere – nein, halt! Nicht, wie Tiere, sondern mit weniger Rechten und Freiheiten wie diese – zusammengepfercht in der Kälte sitzen, während wir uns die Bäuche vollschlagen. Hm. Wenn ich weniger esse, haben “die da” auch nichts davon. Und außerdem, was soll ICH denn schon ändern? Die Strukturen, die Politik(er*Innen) und halt einfach die anderen, die sollen machen. Und eigentlich hab ich genug Probleme, da brauch ich nicht noch die von “denen” auch noch. Das denkst du dir?

Wenn das so ist, denkst du dir dann auch, in welch unfassbar privilegierten Situation du bist? Wie viel du wirklich dazu beigetragen hast und wie viel davon schon dein sogenanntes “Vor-Recht” (Privileg) war?

Falls nicht, dann hast du hier eine kleine Liste an ausgewählten (Weihnachts-)Privilegien, also an Geschenken, die so groß sind, dass sie nicht unter irgendeinen Baum passen, die du aber trotzdem einfach so geschenkt bekommen hast. Wahrscheinlich schon vor deiner Geburt. Und ziemlich sicher einfach so. Ohne, dass du etwas Großartiges dafür geleistet hast.

  • Du wohnst an einem Ort, der sicher ist. Du kannst ein (religiöses) Fest feiern und wirst dabei sogar von allen Seiten gefeiert.
  • Du kannst dir ein Essen leisten, das dich satt macht. Und morgen wird es dich vielleicht sogar übersatt machen.
  • Du schenkst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du bekommst Geschenke, die nicht unbedingt brauchbar (essenziell – notwendig), aber eben schön sind.
  • Du feierst mit Menschen, die dir wichtig sind. Und auch sie können essen und trinken und schenken und erhalten Geschenke.
  • Du suchst dir aus, welches Gewand du trägst. Soll ja was Besonderes sein.
  • Du machst Pläne, planst deine Feiertage, hast etwas, worauf du dich freuen kannst.
  • Es ist warm. Dort wo du bist, wird dir nicht kalt.
  • Du bist womöglich gesund und falls nicht, weißt du, wohin du dich wenden kannst.
  • Du lebst in einem Land, das in keinem Krieg steckt. Du schaust nach draußen und das Einzige, worüber du jammerst, ist, dass es keinen Schnee gibt.

Uh. Wiedergefunden? Hm. Ich mich auch.

Bin ganz betroffen von meinen eigenen Gedanken. Und mach mir jetzt noch mehr davon.

Das große, das riesen-, riesengroße Geschenk der Privilegien. Denn etwas anderes ist es nicht. Ein Geschenk. Etwas, das wir erhalten haben. Warum? Das wissen wir nicht. Ist halt so. Und ja, auch jetzt – besonders jetzt – sollten wir zumindest einmal drüber nachdenken, über dieses unfassbar große Geschenk, das leider nicht alle bekommen haben.

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Das Wunder des Wunderns

Ich wundere mich. Und erkenne viele Wunder darin. Wundern heißt staunen, mit Ver-WUNDER-ung wahrnehmen, etwas Unerwartetes erkennen und in Erstaunen versetzt zu sein.

Ich glaube, dass jede und jeder von uns diese Eigenschaft, uns zu wundern und zu staunen, hat. Dieses naive, kindliche, unvoreingenommene Betrachten der Welt. Eine Fähigkeit, die wohl irgendwo tief in uns allen schlummert. Und hoffentlich nicht zu tief drinnen… Denn dieses Staunen über die Welt, die Natur, die Gegebenheiten, die uns umgeben, ist zu schade, um es nur manchmal herauszulassen.

VerWUNDERlich?

Gestern war ich spazieren. Und da waren so Schneewollknäulchen überall am Boden. Ich hab einen aufgehoben und ihn betrachtet. Wie feinste Wolle um einen Stock gesponnen, wie einzelne Fasern aus schier unechtem weißem Material. Schmelzend, aber in sich zusammenhaltend. Ich hab dieses Kunstwerk der Natur betrachtet und habe gestaunt. Ich wusste nicht, was es war. Ich wusste nicht, woher es kam und ich war ganz ver-wundert von seiner Schönheit.

Wundern hat etwas mit einem gewissen Nichtwissen zu tun. Vielleicht auch mit nicht unbedingt wissen wollen. Wundern kann mit Staunen einhergehen. Und das wiederum hat auch etwas damit zu tun, nicht alle Dinge als vollkommen gegeben zu nehmen. Ich glaube, es wäre zu anstrengend und auch sehr unpraktisch im täglichen Leben über alles zu staunen und mich über jede Kleinigkeit zu wundern. Dann könnt ich wohl nicht aus dem Bett aufstehen, zu wunderlich wäre die Tatsache, dass die Bettdecke so schön warmhält und das Licht auch ohne sichtbare Sonne durchs Fenster scheint. Oder ich würde mich wundern, warum ich atme. Doch ein manchmal absichtlich herbeigeführtes Staunen, dass dieses Atmen so automatisch abläuft und mich am Leben hält, ich es aber auch kontrollieren kann, um mir selbst Gutes zu tun, das kann nicht schaden.

Das Wunder des Wunderns.

Was ich feststelle, ist, je mehr ich mich wundere und staune, desto schöner wird die “normale” Welt um mich herum. Desto glänzender der Schnee, wärmer die Sonne und desto frischer die Luft. Und oh, das Wundern und Staunen gehen nicht so einfach, vor allem wenns grad nicht so einfach ist alles. Für mich merke ich allerdings, dass es mich gesund und offen, kreativ und aufnahmefähig für das Gute macht. Wundern lässt mich auch innehalten, lässt den Moment Moment sein und schafft es, die Zeit für diesen kurzen Augenblick durchatmen zu lassen.

Ein Wunder, dieses Wundern…

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Sie ist geöffnet

Ich hab sie aufgemacht. Sogar schon vor einer Zeit. Und jetzt ist sie offen. Ganz aufgemacht, weit geöffnet.

Die Weihnachtskiste. Die Kiste, in der sich all die Wunder, der Zauber, der Glitzer und all die Düfte verbergen, die ich mit Weihnachten verbinde. Darin befindet sich auch dieses warme, wohlige Gefühl von “alles ist gut”. Dieses herzerwärmende, augenerleuchtende, gänsehauterzeugende Wohlgefühl von Weihnachten.

Ich habe sie geöffnet, die Kiste. Und sie ist keine wirkliche, keine sichtbare Kiste. Und doch ist sie so echt, so greifbar, so wirklich – für mich.

Diese Weihnachtskiste geht nicht nur einmal im Jahr auf, nein. Immer wieder öffne ich sie einen Spalt, schaue hinein und das Licht strahlt heraus. Dann ist Weihnachten. Das kann im Sommer sein, im Herbst, im Frühling und im Winter. Wie? Das geht immer? Ja! Das geht immer. Wenn Weihnachten ein Gefühl ist, dann kann ich das immer fühlen. Immer wieder mal.

Aber diese Weihnachtskiste lässt sich eben auch ganz weit öffnen. Und dann, ja dann kommt der ganze Glanz zum Vorschein: Kerzen, Sterne, warme Farbe. Weihrauch, Lebkuchen, Zimt. Glückseligkeit, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Ein Hochgefühl an Gefühlen. Eine Berührtheit, die ganz weit macht. All das kommt dann hervor. Und heute, da hab ich sie ganz geöffnet. Ganz weit. Habs ihr ganz leicht gemacht, ihren vollen Stolz zu präsentieren. Hab sie zu Keksen und zum Dekorieren eingeladen. Hab ihr eine Lichterkette aufgehängt und einen Sternspritzer ihr zu Ehren entzündet und bewundert.

Jetzt ist sie geöffnet, die Weihnachtskiste. Uns jetzt darf sie auch mal offen bleiben. Weit, weit offen. Dann geht sie tief, tief ins Herz. Ja. So eine Weihnachtskiste, die ist was Feines. So eine Kiste, so eine wunderbare Schatzkiste, die wünsch ich euch allen da draußen.

Macht es euch schön, ihr lieben Menschen.

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Worauf warten?

In letzter Zeit holt mich dieses Thema immer wieder ein. Immer wieder drehen sich Gedanken und Gespräche darum, immer wieder höre ich Geschichten, in denen es darum geht. Ja, sogar Lieder zu diesem Thema kommen plötzlich zu meinen Ohren!

Das Warten. Das auf irgendwas Warten. Das Warten auf bessere Zeiten, einen besonderen Anlass, einen bestimmten Tag, ein Ereignis, einen Zustand. Das Warten, das manche Dinge jetzt noch nicht erlaubt.

Das Warten an sich wäre nicht das Problem. Das kann ja was Schönes sein. Vorfreude und Hinfreude. Und Vorbereitung und Geduld. Das Warten an sich ist – wie so oft die Sache an sich – weder gut, noch schlecht.

Doch – und hier kommt der Kontext: Das Warten, um etwas zu tun, das jetzt schon möglich wäre, aber der Zeitpunkt eben nicht der “richtige”, “beste”, “besondere” oder einfach der “geplante” und “vorgestellte” ist. Das Warten – oder sogar noch treffender – Verschieben und Hinauszögern eines Wunsches, Vorhabens, einer Vision.

Beispiele habe ich viele, ihr bestimmt auch. Das besondere Geschirr. Die schönen Ohrringe. Die ersehnte Weltreise. Die neue Arbeit. Endlich mal wieder malen/schreiben/lesen/laufen/reiten/Kuchenbacken/ins Museum gehen/jemanden anrufen/… Und so gehts weiter. Diese Liste kann man mit allen Dingen und Situationen füllen, die man sich vorstellen und wünschen kann. Und man kann auch ewig darauf warten. Und vom Träumen nicht erwachen. Und sich dann wundern.

Aber das wollen wir ja nicht, oder? Wir wollen doch dabei sein, wenn wir die schönsten Entscheidungen treffen und unser schönstes Leben so (er)leben, dass wir irgendwann mal zurückschauen können und so vieles, wie nur irgendwie möglich, wirklich so gelebt haben, wie wir das wollten. Und ja, ich weiß auch, dass das ein Kalenderspruch ist. Und ich weiß auch, dass es nicht immer möglich ist. Und ich weiß auch, dass jede*r diese Zeilen selbst verstehen darf und muss.

Ich frage mich jedenfalls immer wieder – so in Abständen, die nicht allzu lange voneinander entfernt sind – ob das, was ich gerade mache und lebe, das ist, was ich gerade machen und leben möchte. Und wenn eine Entscheidung zu treffen ist, dann stell ich mir die Frage, worauf ich warten möchte. Wenn es Sinn macht, zu warten, kann ich warten. Wenn es “irgendwie schon und naja und eigentlich und ja, aber”-Gründe gibt, dann versuch ich dahinter zu schauen und mir klar zu machen, dass ich nicht hier bin, um zu gefallen und meine Zeit hier auch wirklich begrenzt ist. Und irgendwie schaffen mein Warten und ich es dann, uns zu einigen. Uns zu gedulden, wenn es um Geduld geht. Und zu leben, wenn es ums Leben geht.

Also worauf warten? Das ist die Frage. Wenn die Antwort klar ist, besser noch mal drüber nachdenken. Und dann am besten tun. Oder es mit den Worten der Sprachkünstlerin Julia Engelmann zu sagen: Grüner wirds nicht, grüner wirds nicht.

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Das Geschenk

Immer wieder finde ich es schön,
wenn sich die Wörter im Kreise drehn.
Wenn ich meine Gedanken in Reime fasse
und sie so aus meinem Kopf raus lasse.

Der Advent hat begonnen
und mit ihm zugleich,
die Zeit der Geschenke –
zumindest wer es ist, halbwegs reich.

Doch so schwarz und weiß möcht ich das nicht sehn,
können wir doch auch in eine andere Richtung gehn:
die Geschenke weniger
dafür mehr die Zeit –
ist es nicht das, was uns befreit?
Was uns zeigt, was wir aneinander haben?
Ohne uns gegenseitig zuzuschieben, die unnützen Gaben.

Ob sie unnütz sind oder von dringendstem Gebrauch,
darüber lässt sich streiten auch.
Doch was ich weiß und was ich sehe,
wenn ich vorm Beschenkten stehe,
ist doch – alles, was zählt –
ich, die das Geschenk ausgewählt
und du, der das Geschenk erhält –
was sich zwischen uns zwei abspielt, das ist die Welt.

Was ich meine mit meinem Gedichte,
ich mache hier nicht die Geschenke zunichte.
Doch was ich wohl sage und das mit Sicherheit –
das schönste Geschenk ist wohl die Aufmerksamkeit.

Die Zeit, die ich mir überlegt,
der Plan, den ich da ausgehegt.
Das immer wieder und nochmal Nachfragen,
das wirklich echte Dankesagen.

Und so kann ich Aufmerksamkeit ganz oft herschenken,
ohne hier nur an ein bestimmtes Fest zu denken.
Aufmerksamkeit in Wort und Tat,
Aufmerksamkeit, einfach, weil ich dich mag.
Aufmerksamkeit durch eine kleine Sache,
Aufmerksamkeit durch das, was ich mit dir mache.
Aufmerksamkeit durch Zuhören und Lachen,
Aufmerksamkeit, gemeinsam etwas machen.

Denn die volle und wirkliche und tiefe Aufmerksamkeit,
die lässt sich nicht ersetzen, liebe Leit.
Nicht durch Packerl, Schleifen und Geld,
durch nichts in der ganzen weiten Welt.

Und so wirds vielleicht leichter beim Geschenke einkaufen,
und wenn wir uns erwischen beim Herumlaufen,
dann erinnern wir uns lieber noch einmal daran,
es muss nicht viel sein – Hauptsache, man sieht ihm die Liebe an.
Und die volle, die tiefe, die ungeteilte Aufmerksamkeit
für die, mit denen wir sie verbringen, die schöne Zeit.



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Umgewöhnlich

Ja, ja – manche Dinge sind ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass die Umgewöhnung eine Zeit dauert. Eine umgewöhnlich lange Zeit manchmal.

Bis wir eine neue Gewohnheit verinnerlicht haben, dauert es im Schnitt zwei Monate. Wusstet ihr das? Davor ist unser System noch nicht bereit, sich auf diese Veränderung voll und ganz einzustellen und sie willkommen zu heißen. Es dauert einfach (s)eine Zeit, bis wir eine Tätigkeit so intus haben, dass wir sie gewohnt sind, sie also zur Gewohnheit gemacht haben. Dabei sind kleinere Änderungen (wie z.B. jeden Tag genügend Wasser trinken) schneller im Alltag integriert, als größere (wie z.B. jeden Tag mindestens 10 000 Schritte gehen).

Außerdem können wir nicht 10 Dinge auf einmal ändern und erwarten, dass diese in drei Tagen so normal sind, wie Zähneputzen oder Danke sagen. Ich habe mal gelesen, dass wir am besten nur eine Sache pro Zeitpunkt wirklich so verändern und daraufhin in unser Leben aufnehmen – also zur Gewohnheit machen – können.

Sehr spannend, wie ich finde. Denn etwas Neues auszuprobieren und es zum Eigenen zu machen, ist dann oft nicht so einfach oder einfach nicht so schnell, wie wir uns das manchmal wünschen.

Ich kultiviere gerade eine neue Gewohnheit. Ich mache gerade jeden Tag Yoga. Und ach, wie lange habe ich mir das vorgenommen, im Kopf gehabt, im Sinn und mich sogar ganz ab und zu mal auf die Matte gewagt. Ungelogen – seit Jahren! Ohne großen “Erfolg” (ich weiß, ich weiß – besonders beim Yoga geht es nicht um den Erfolg, sondern um das Erfolgen…). Und seit ich mich wirklich jeden Tag hinsetze und meine Übungen mache – fällt es mir mit jedem Tag leichter, dies als eine meiner neuen Gewohnheiten zu sehen und daher nicht die Hürde davor, sondern die Leichtigkeit danach viel stärker wahrzunehmen.

Und da ich jetzt auch weiß, dass es halt einfach eine Zeit braucht, bis ich diese Praxis voll und ganz in mir aufgenommen und zu einem Teil meines Lebens gemacht habe, nehme ich mir diese Zeit. Und bleibe dran. Was mir auch dazu einfällt, ist, dass es bei mir auch immer den richtigen Zeitpunkt braucht – ich habe viele Ideen und Vorhaben und merke mittlerweile, dass ich diese nicht immer gleich und sofort umsetzen und zu einem neuen Teil meines Lebens machen kann. Es brauchte lange, bis ich da draufgekommen bin – und jetzt, wo ich das weiß, macht es vieles einfacher. Denn ich kann darauf vertrauen, dass – sofern dieses Vorhaben ein wirklich wichtiges für mich ist – ich es zu einem Zeitpunkt in meinem Leben umsetzen werde. So war es bis jetzt bei ganz vielen Visionen, Gewohnheiten, Möglichkeiten und Vorstellungen.

Aber Achtung! Das Ändern von Gewohnheiten ist wahrlich kein Zuckerschlecken – überkreuzt mal eure Finger anders als gewohnt (also mit dem anderen Daumen oben!) Yoga für die Hände, sagt da meine Yogalehrerin…

Gewohnheiten. Da gibts doch diesen schönen Spruch – dass aus meinen Gedanken Worte werden und aus meinen Worten Taten und aus meinen Taten Handlungen und aus diesen dann Gewohnheiten. Und dabei bleibts (laut diesem Spruch) nicht, denn die Gewohnheiten bestimmen meinen Charakter und der, ja der wohl mein Leben… Lohnt sich also, mal über die eigenen Gewohnheiten nachzudenken…

Warum wir überhaupt Gewohnheiten ändern sollen, fragt ihr euch? Naja, weil vieles vielleicht gar nicht unseres ist, weil wir halt einfach machen, um dazuzugehören oder weil wir es nicht anders kennen. Weil frischer Wind immer wieder mal gut tut und auch gesund sein kann. Weil es das Leben ein bisschen bunter macht, etwas Neues darin zu verwurzeln. Und weil es einfach zu viele schöne Sachen gibt da draußen, die wir sonst nie kennenlernen würden.

P.S.: Hier noch ein interessanter Link zum Weiterlesen: https://zenhabits.net/36lessons/

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Diese Stille

Es gibt sie nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille. Diese Stille, die alle Geräusche in sich aufnimmt und sie behutsam umarmt. Diese Stille, die sich so weit und groß und umhüllend anfühlt. Diese Stille, die es nur jetzt gibt. Diese Stille, die eines meiner Lieblingsgeräusche ist.

Ich war gerade im Garten und hab sie gehört, diese Stille. Noch mehr hab ich sie gespürt, in mir und um mich herum. Diese Stille, bei der ich immer ganz ruhig und innehaltend und gleichzeitig aufgeregt und freudig werde. Denn diese Stille, die gibt es nicht oft. Und jetzt ist sie da.

Diese Stille, sie kommt, wenn es kalt ist. So kalt, dass man den Schnee schon riechen kann. Wenn die Welt um uns herum weiß ist. Nebelig oder beschneit. Diese Stille, die jeden Ton in sich aufnimmt und ihn nicht mehr hergibt. Diese Stille, die die stille Zeit des Jahres einläutet. Ganz still, aber nicht heimlich.

Ich bin ganz beglückt. Denn wenn ich diese Stille höre, dann macht das was mit mir. Ich bin auf einmal ganz ehrfürchtig, ganz klein und ganz – wie könnte es anders sein – still.

Ich liebe es, diese Stille hören zu können. Ich liebe es noch mehr, sie rund um mich zu spüren. Denn so, wie sie die Geräusche behutsam ruhig werden lässt, so legt sie sich auf mich und um mich und ich fühl mich irgendwie Teil dieser Stille.

Die Stille ist aber nicht nichts, nein. Sie ist alles. Die Stille ist nicht das weg-Sein von etwas, sie ist das da-Sein von etwas. Das ist ein großer Unterschied.

Was für ein umfassendes, erfüllendes Gefühl. Was für ein Glück, dass ich sie kennen darf, diese Stille. Denn es gibt sie nicht oft, aber jetzt ist sie da.

Wenn ihr genau hinhört, könnt ihr sie bestimmt auch hören. Genießt sie. Und nehmt sie in euch auf, so wie sie euch in sich aufnehmen wird.

(Ich habe diesen Text mitten in der Nacht geschrieben. Die Stille kommt auch tagsüber, ich habe sie gestern im Finsteren gehört. Was für ein weiches, warmes, ja – beruhigendes – Gefühl zum Schlafengehen.)