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Gar nicht so selbstverständlich

Ich habe über ein Wort nachgedacht. Eines, das wir ganz selbstverständlich verwenden und eines, das gar nicht so selbstverständlich ist. Das Wort, von dem ich schreibe, ist selbstverständlich “selbstverständlich”.

Ich habe fünf Hypothesen aufgestellt, die ich euch selbstverständlich präsentieren möchte!

Hypothese 1: Selbstverständlich ist gar nicht so selbst-verständlich.

Das Wort an sich sagt im Prinzip ja schon, dass es selbst verständlich ist. Also sich selbst erklärt, ohne erklärt werden zu müssen. Denn es wird einfach verstanden, aus sich selbst. Angeblich. Denn ist es wirklich so selbstverständlich, dieses Wort? Kann man es einfach so verstehen? Und was meint es denn eigentlich, dieses selbstverständlich?

Ich (und ich nehme an, auch einige mehr von uns) verwenden dieses Wort des Öfteren. Und habt ihr schon mal darüber nachgedacht? Habt ihr es bisher eh immer verstanden oder ist dieser Gedanke auch neu für euch?

Hypothese 2: Ist und (noch schlimmer wird) etwas zu selbstverständlich, wirds gefährlich.

Etwas wird selbstverständlich? Das ist ein etwas gefährliches Pflaster. Denn wenn es selbstverständlich ist, ja vielleicht sogar zu selbstverständlich – kann es dann noch als besonders oder wertvoll eingestuft werden? Dass wir atmen ist selbst-verständlich. Sonst wären wir nicht mehr hier. Dass wir lieben und geliebt werden, ist auch selbstverständlich? Eigentlich ja schön. Eigentlich. Denn wenns zu selbst-verständlich wird, dann kann das dazu führen, dass es weder reflektiert, noch dankbar angenommen wird. Denn auch, wenn ich es jeder und jedem wünsche, selbst-verständlich liebevolle Beziehungen zu führen und zu haben, glaub ich, dass eine Verselbstverständlichung eher zum Abflauen einer Beziehung beiträgt, als zu ihrem Gegenteil.

Hypothese 3: Wenns weg ist, dann ists auf einmal nicht mehr selbstverständlich.

Klingt kompliziert? Wie wärs mit dem Beispiel: Wir merken oft, wenn etwas weg ist, dass es bis zu diesem Moment selbstverständlich war. Zum Beispiel die Gesundheit. Ich hab mir vor ein paar Tagen beim Nacken etwas verrissen und bis dahin war es für mich vollkommen selbstverständlich, dass ich mich frei und vor allem schmerzfrei bewegen kann. Und dann eine so vergleichbar minikleine Sache – und BUMM – die Selbstverständlichkeit ist verflogen. Und mit jedem Tag der Besserung stellte sich bei mir auch mehr Dankbarkeit ein, dass dieses Warnsignal vom Körper nur kurz vorgekommen ist. Vergleichbar ist diese Situation auch mit Liebeskummer oder dem banalen Beispiel, dass wir im Urlaub plötzlich das Wasser aus der Leitung nicht mehr einfach so trinken können.

Hypothese 4: Immer alles nicht selbstverständlich nehmen, ist auch nicht die Lösung.

Wenn ich jeden Moment, jeden Schritt, jeden Schluck Wasser, jeden Atemzug und jede Begegnung mit jedem Menschen immer als nicht selbstverständlich einstufe, dann wirds etwas kompliziert. Und vor allem anstrengend. Manche Sachen dürfen gerne automatisiert sein. Aber vielleicht immer mit einer Prise Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und dem Bewusstsein, dass es auch anders sein könnte. Also: Immer wieder mal innehalten und mehr Dinge (Menschen, Situationen,…) weniger selbstverständlich sehen.

Hypothese 5: Wenn man über ein Wort ganz viel nachdenkt, ist es plötzlich nicht mehr so selbst-verständlich…

Gibt es von euch Hypothesen, die (nicht) selbstverständlich sind? Teilt sie gerne mit mir! Denn ich kann selbstverständlich nicht an alles denken! Ich freue mich!

One Comment

  1. Man sieht nach so einer Krise wie einem auch Freunde fehlen. Freundschaft ist nicht selbstverständlich. Freundschaften muß man sich aufbauen und nicht als “jo is jo e selbstverständlich” hinnehmen.

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