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∆ Vom Aufhören und Anfangen ∆

Ihr fragt mich, ob ich angekommen bin? Ob alles anders ist? Ob es gut ist, wieder zu Hause zu sein? Ihr möchtet wissen, ob es gut war und ob es jetzt wieder anders ist. Was ich euch antworten kann: Ja und Nein. Gleichzeitig und manchmal in unterschiedlichen Momenten.

Natürlich ist es wieder schön daheim, aber manchmal ist es einfach viel, laut und schnell. Ja, es ist alles anders und nein, nichts hat sich geändert. Ja, es war gut und nein, wir wollten nicht länger bleiben. Es ist anders jetzt, der Alltag, unser Leben, unser Rhythmus, den wir erst finden werden.

Jeden Tag lernen wir unseren Rhythmus hier gemeinsam in Österreich kennen. Jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Nachmittag, jeden Abend probieren wir Dinge aus, die uns gut tun könnten. Die wir einbauen oder lassen wollen, die wir anfangen oder aufhören wollen. Jeden Tag probieren wir aus. Und ja, das ist alles ein Prozess. Ein Prozess des Ankommens, des Anfangens, des Aufhörens, des Einlassens und des Lebens. Oh, wären wir mal wieder angekommen (ha!) in meinem Lieblingsgebiet: Leben!

Ich glaube nicht, dass es einen Moment geben wird, an dem ich sagen kann: So. Jetzt bin ich angekommen. Unlängst habe ich darüber nachgedacht, dass ich die Reise als solches gar nicht als so etwas Außergewöhnliches sehe. Verglichen mit (vielen) anderen Alltagen/Lebensentwürfen ist sie das schon. Verglichen mit dem, was ich lebe, nicht. Die Reise war und ist Teil meiner Geschichte. So, wie das Vollzeit-Arbeiten jetzt im Moment ein Teil meiner Geschichte ist. Teil einer wundersamen, ereignisreichen, eindrucksvollen, farbenfrohen, gefühlsstarken Geschichte.

Und dabei möchte ich diesen Text und diesen Blog jetzt auch belassen. Ein neues Projekt wartet bereits auf mich. Die Pampelmuse. Das bin ich und da werd ich was machen. Denken, Schreiben, Gestalten, Fotografieren, Erfinden und mich freuen, dass ich mich freuen kann.

Danke fürs Lesen und Mit-dabei-Sein!

Grüße aus unserem neuen Studio, eines der Herzensprojekte, über die ihr an anderer Stelle bald lesen könnt.

Auf ein Wiedersehen!

K.

achtsam · allgemein · reisend

∆ Noch nicht ∆

Das ist er noch nicht, mein letzter Text.

Auch, wenn – und jetzt haltet euch fest – die letzte Woche für mich und uns hier in Südamerika begonnen hat. Nächsten Freitag geht es nämlich ab nach Österreich. Und das bedeutet Organisieren, was wir dafür brauchen, packen, umschichten, minimalisieren, verabschieden, …

Unter diesem Titel stehen viele Dinge, viele Kleinigkeiten, Behördengänge, Einpackereien,…

Unsere Zeit hier ist bald vorbei, aber dies ist nicht mein letzter Text. Zu nervös bin ich, diese 7 Monate in einen Text zu packen, zurückzudenken, alles revuepassieren zu lassen. Zu nervös bin ich, zu aufgeregt, zu beschäftigt und zu vorfreudig auf daheim.

Ich mag es, am Ende einer Reise noch einmal zusammenzufassen, was so alles passiert ist. Ich mag es, sehnsüchtig an die Momente zurückzudenken. Ich mag es, diesem Abenteuer gebührend Raum und Platz zu geben. Und dafür muss ich ruhig sein. Und das, liebe Leute, bin ich im Moment nicht.

Das ist ein hübscher Stempelfisch, der nichts mit dem Text zu tun hat.

Zu viele Gedanken schwirren in meinem Kopf. Organisationsgedanken. Verabschiedungsgedanken. Zukunftsfreudegedanken. Und da haben die Reiseabschlussgedanken grad noch keinen Platz.

So bin ich nun hier im kleinen Kinderzimmer von Gastón, in dem wir so viel Zeit verbracht haben. Ein Koffer ist schon vollgefüllt, alles präzise angeordnet, eingeschlichtet und bis zum Gewichtslimit ausgeschöpft. Es ist viel, ja es ist viel. Gastón wechselt seinen Lebensmittelpunkt. Ein neuer Abschnitt in unserem gemeinsamen Leben beginnt. Wir werden gemeinsam in einer Wohnung leben, ich werde (im Kindergarten! Ach, wie schön!) arbeiten, Gastón wird seine Arbeit suchen und (er)finden.

Hier genießen wir noch den Rio de la Plata, den wir jetzt dann eine Zeit lang nicht sehen werden.

Wir werden einen Alltag haben, einen waschechten Alltag. Einen, den wir uns gestalten werden, einen, den wir uns so machen werden, dass wir ihn mögen, unseren Alltag. Ich freu mich drauf. Auch Gastón freut sich auf (s)ein Leben in Österreich. Die neuen Chancen, die neuen Geschichten, der neue Rhythmus.

Heute haben wir das Wohnzimmer schön hergerichtet und eine kleine Feier gefeiert. Gastóns Opa war da, hat mit uns gesungen – vor allem “Oh du lieber Augustin” singt er liebend gerne auf Deutsch!, wir haben fein gespeist und über das Leben in Österreich geredet. Auch Gastóns Bruder und seine Tante und Onkel waren da, seine Mama hat ein wunderbares Essen für alle gekocht, sein Papa hat die Musik aufgelegt und wir haben den Nachmittag genossen.

Gastón und sein Bruder Ivan gemütlich auf der Couch.

Erst beim Verabschieden hab ich gemerkt, dass wir gehen. Als uns alle viel Glück gewünscht und gesagt haben, dass wir uns ja melden sollen, sollten wir irgendetwas brauchen, erst dann hab ich ein bisschen verstanden, was los ist.

Aber nein, das ist er noch nicht, mein letzter Text. Dazu ist zu viel in meinem Kopf, in meinem Herzen. Zuviel Organisation, zu viele Dinge, die wir noch erledigen müssen, bevor ich dieser Reise gebührend Abschied erweisen kann. Der Moment wird sich ergeben. Hier oder im Flugzeug oder daheim.

Ein weiteres Schreibprojekt hab ich übrigens auch im Kopf. Also bleibt gespannt.

Freut euch drauf, ich freu mich drauf.

∆ K ∆

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∆ Was das Reisen mit mir macht – Ein Plädoyer ∆

Würde ich das ganze Alphabet durchgehen, könnte ich wohl zu jedem Buchstaben etwas finden, was Reisen mit mir macht und gemacht hat.

Gemütlichkeit beim Reisen? Für uns vor allem in Cafés.

Alle, die schon einmal gereist sind, werden verstehen, was ich meine. Ich schreibe hier vom Reisen, nicht vom Urlaub. Ich schreibe vom Entdecken und Erfahren, nicht vom Anschauen und Fotografieren. Ich schreibe vom Anpassen und Verändern, nicht vom Alltag mit auf Urlaub nehmen. Ich schreibe hier vom Reisen, das verändert, das was mit mir macht. Und ich schreibe es für das Reisen, nicht gegen den Urlaub. Ich schreibe über mich und von mir und meinen Erfahrungen.

Was aussieht, wie ein gestelltes Foto, ist tatsächlich wahr: Wir sind ein Stückchen getrampt.

Reisen ist anstrengend. Es fordert viel. Organisation, Umdenken, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Geduld, Empathie zum Beispiel. Reisen macht größer, breiter im Denken und Fühlen. Es lässt wachsen. Es ist unbequem. Es lässt nachdenken und nachfühlen. Reisen heißt auch, Zeit zu haben. Viel Zeit. Und diese Zeit kann unbequem sein. Die Veränderungen, die passieren, können unbequem sein. Für die eigenen Glaubenssätze, für die Menschen daheim, für eine*n selbst. Ja. Veränderung ist nicht bequem.

[wpvideo kn6zgIS5 ]

Und Reisen ist so leicht. Es gibt so viel. Reisen ist bequem. Weit weg von Verpflichtungen des Alltags, von Meinungen der Leute, weit weg von dem, was stören kann. Reisen vergeht schnell, viel zu schnell. Und gleichzeitig ist alles so weit und lang und voller Zeit und Momente.

Reisen ist widersprüchlich.

Chilenischer Pazifik – sehr erfrischend!

Es sind noch zwei Tage, dann ist unsere unkonventionelle Hochzeitsreise vorbei. Zwei Monate voller unglaublich schöner Landschaften und Natur, voller Menschen und Lärm, voller Märkte mit frischestem Obst, voller langer Busfahrten, Meer, Wüste, Hitze und Regenzeit, voller Musik, Essen, Zeit zu zweit. Voller Gespräche über das Jetzt und das Dann, unsere Visionen, unsere gemeinsamen Projekte (oh, ja! Davon haben wir viel!). Voller Ideen und Gedanken, berührenden Situationen, Überforderung, Dankbarkeit, Müdigkeit und so viel Elan.

Widersprüchlich, dieses Reisen.

Der Sternenhimmel in der Atacamawüste hat uns verzaubert!

Würde ich das ganze Alphabet durchgehen, könnte ich wohl zu jedem Buchstaben etwas finden, das Reisen mit mir macht und gemacht hat.

Reisen macht mich abenteuerlustig. Bereit für Neues und charakterstark. Dankbar, erfinderisch, feinfühlig. Es macht mich glücklich, humorvoll und zeigt mir, was die Welt im Innersten zusammenhält. Es macht mich jähzornig, kreativ und lebensfroh. Mutig, macht es mich und neugierig, offenherzig und problemlöseorientiert, quallenfreundlich, ratlos, stolz und traurig, ungeduldig, verwundbar. Reisen macht mich wählerisch, xund, y und zufrieden.

Was aussieht wie ein grausliger Pool, ist in Wahrheit eine höchst eisenhaltige heiße Quelle.

Entspanne dich.
Lass das Steuer los.

Trudle durch die Welt.
Sie ist so schön.

Gib dich ihr hin.
Und sie wird sich dir geben.

(K. Tucholsky)

Immer wieder spannend, diese Reise, die sich Leben nennt.

Hier noch in Chile am Weg nach Argentinien – ein Vulkan neben dem anderen!

Was das Reisen für uns besonders fein macht – überall zuhause zu fühlen. Das äußert sich dann in Pancaketürmen und anderen genüsslichen Kreationen.

Eure gedankenvolle

• K •

allgemein · kreativ · reisend

∆ Der Pinguin ∆

••• Dieses Gedicht widme ich den wunderbaren Tieren hier in Paracas, Peru. •••

Der Pinguin
Ein Gedicht in vielen Wellen.

Früh am Morgen, es war fast noch Nacht –
da haben wir uns aufgemacht.
Mit einem Boot, über Wellen und Gischt,
hinaus aufs Meer – Angst, die gab es ni(s)cht.

Wir schaukelten hin, wir schaukelten her,
ganz schön groß, dieses pazifische Meer.
Ganz aufgeregt und freudig, den Inseln entgegen,
denn dort leben sie, bei Sonne und Regen.

Doch nicht nur sie, nein viele andere Tiere teilen sich den Ort –
besonders kleine Vögel mögen es dort.
Die belagern die ganze Insel und lassen sich dort nieder,
fliegen ihre Bahnen und kommen immer wieder.

Doch schau doch, schau, das stand nicht am Plan –
da segelt vorbei ein Pelikan!
Und lässt sich friedlich nieder,
neben aberhunderten Freunden mit grauem Gefieder.

Der Schnabel lang, die Gurgel groß,
bisher nur am Stift gesehen, in echt sehr famos!
Neben der Peilkanherde schwimmen Kormorane,
große Vögel, in schwarz-weiß, lange Federn und Arme.

Weiter gehts, auf hoher See –
und dass ich mich nicht verseh –
vor uns und neben uns und überall rundherum
ein Seelöwenpärchen in schnellem Schwumm.

Die tauchen auf, sie tauchen unter,
küssen sich und bleiben ganz munter,
immer in der Nähe, zum Bestaunen ganz schön,
bis sie dann auf einer Insel bleiben stehen.

Diese Insel, genannt ihr Heim,
unter felsigem Bogen, alles aus Stein.
Dort leben sie zu Hunderten und mehr,
hören kann man ihr Gebrüll – weit über das Meer.

Aus dem Staunen kommen wir gar nicht mehr raus,
da lugt aus dem Wasser was Größeres heraus:
Der Rücken eines Wals, ich kann es fast nicht glauben,
da kommt noch ein zweiter und möchte dem anderen die Show rauben.

[wpvideo QoZhFe08 ]

Zwei Wale also, ganz nah am Boot,
der eine grün, der andere rot.
Ob das der Wahrheit entspricht, das kann ich euch nicht sagen,
ohne dichterische Freiheit wärs wirklich kaum zu ertragen.

Die Tiere haben wir gesehen,
die Farben, naja.
Aber jetzt horcht zu,
das Ende ist bald da.

So staunen wir noch über des Wales Größe,
als wir uns nähern der nackten Blöße –
eines oder zwei, drei Pinguinengestalten,
die sich ganz oben am Felsen anhalten.

Die Aussicht genießen und in die Ferne sehen,
so beobachten wir sie oben stehen.
Echte Pinguine, in der freien Natur,
das kommt echt nicht oft so vor.

Überglücklich und mit Kamera ausgestattet
haben wir auf diesen Moment gewartet.
Wie wunderschön und lieb die doch aussehen,
wie sie da oben auf der Insel stehen.

Erwartet haben wir nur das eine Tier,
bekommen haben wir so viel mehr.
Das kommt oft vor, dass am Wegesrand auch schöne Blumen stehen,
wenn man bereit ist, sie zu sehen.

Genug mit den Metaphern, mit den schweren Worten,
gesehen haben wir so viele verschiedene Sorten.
So viele Tiere in nur einer Tour,
na stellt euch das mal bitte vor!
Wunderschön wars und ich würds gern nochmal erleben,
wenn sich die Wale aus dem Wasser erheben.

Wenn die Pelikane ihre Schnabel mit Fischen befüllen,
die Seelöwen um die Gunst der Seelöwinnen brüllen.
Wenn die Pinguine ganz gelassen am Felsen stehen
und in die weite Ferne sehen.

Ich bin dankbar für diese Reise,
So viele Eindrücke und auf so schöne Weise,
die Welt zu sehen, mit schönen Geschichten im Gepäck,
so bewegen wir uns von einem zum anderen Fleck.

Lieber Pinguin, Pelikan, Wal und Seelöwe und all eure Freundinnen – danke fürs Herzeigen.

Ein Ort, der inspiriert.

In Liebe.

• K •

allgemein · nachhaltig · reisend

∆ Über die kleinen und die großen Freuden des Alltags ∆

Auf Reisen vom Alltag zu schreiben, scheint etwas weit hergeholt zu sein. So etwas wie Alltag scheinen wir hier ja nicht zu haben. Immer unterwegs, immer neue und andere Städte und Plätze und Orte. Neue Routinen und neue Wege, die wir beschreiten. Und trotzdem – so etwas wie Alltag pendelt sich immer wieder ein.

Unserer besteht darin, dass wir gemütlich in unserem Zimmer sind und überlegen, wohin wir weiterreisen wollen. Was wir tun und lassen wollen. Was wir einkaufen und was wir essen. Alltagsmomente gibt es dann beim Einkaufen und Kochen, auch, wenn es überall etwas anders ist als daheim.

Wüstenalltag.

Alltägliche Momente ereignen sich also immer und überall. Und da kommen jetzt die großen und die kleinen Freuden dazu.

Kleine Freuden sind zum Beispiel, wenn wir unterwegs sind und plötzlich einen wunderschönen Baum, eine versteckte Galerie, ein Haus voller Schätze und Innenhöfe entdecken. Oder wenn der Wind durch das Zimmer weht, die Sonne hereinscheint und wir gemütlich faulenzen.

Dattel-am-Steckerl-Alltag.

Ach ja, die Sonne scheint! Wir sind in Lima, wir sind am Meer, wir sind im Warmen und Trockenen! Dazwischen waren wir noch in Huacachina, das ist eine Oase in der Wüste. Ja, einfach mal so zum Drüberstreuen haben wir uns gedacht, wir wollen eine weitere Besonderheit dieser Reise sehen: Sand, Sanddünen, Sandhügel, Sandlandschaften, Sand. Und dazwischen ein paar Häuschen, ein kleiner See und ganz viele Touristen.

Sandsturm-Alltag.

Für mich (mehr als für Gastón) war es echt so eine Freude mit dem Nachtbus zu fahren und mich komplett (180 Grad!) zurücklehnen zu können und im Bus hin und herschaukelnd in den Schlaf gewogen zu werden. Eingekuschelt in die Decke, das berühmte Hüttengefühl im Bauch und 17 Stunden später sind wir von Cusco in Huacachina angekommen.

[wpvideo leuD3TMi ]

Dort war es ein Freude, hoch auf der Düne sitzend, der Sonne beim Untergehen und den Wolken beim Verfärben zuzuschauen. Doch, was sich danach zugetragen hat, war für mich die größte Freude: Schreiend, lachend und wildherumspringend sind wir den Berg im Dunkeln in großen Schritten hinuntergestolpert.

Wüstensonnenuntergangsalltag.

Einen Pool hatten wir da auch – oh, so fein! Und so unglaublich, dass wir am Tag zuvor noch in Cusco gefroren haben und uns kaum aus unserem Bett rausgetraut haben, weil es wirklich eisig kalt war. Im Pool liegend, die Sandhügeln im Hintergrund, den frischen Ananas-Wassermelonen-Saft schlürfend – solche Freuden “passieren” uns immer wieder.

Luxusalltag.

Diese Freuden im Reisealltag. Die großen und die kleinen.

Eine ganz besonders große Freude hat sich gestern zugetragen. Da hatte nämlich mein großer Bruder Geburtstag und ich habe zuhause angerufen und wessen Gesicht habe ich gesehen? Das meiner Oma! Ach, war das eine Überraschung und Freude! Ich hab dann mit ihr und nacheinander mit allen geredet und dann auch dabei sein können, wie mein Bruder unser Geschenk aufgemacht hat. Eine erfüllende Freude, die ich den ganzen Tag mit mir herumgetragen habe.

Telefon-Lama-Alltag.

Dann hab ich auch noch mit meiner anderen Oma geredet und die war ganz hin und weg, dass ich sie von so weit weg anrufen kann. Und ich hab ihr dann erzählt, dass wir bald heimkommen und das hat sie so gefreut! War das ein schöner Moment! Dass wir es uns dann ganz gemütlich machen und wir ihr von der Reise erzählen sollen und dass sie uns umschlingen wird, hat sie gesagt. Ich hatte Tränen in den Augen, so sehr hat mich diese kurze Oma-Zeit in Lima mit beiden Omas gefreut.

Lima übrigens. Wir haben ein Zimmer gemietet und leben mit zwei Burschen aus Lima in einer Wohnung. Was das Besondere an der Wohnung ist, ist die Dachterrasse mit Pool mit Ausblick mit Sonnenuntergang mit Meer mit so viel Freude. Hui, ist das ein Gefühl, hoch über den Dächern Limas, die Stadt überblickend, das Meer bestaunend zu schwimmen. Fast hoheitlich!

[wpvideo U5WgkX4X ]

Gestern hat uns dann auch noch ein Freund von Gastón in einer Radiosendung erwähnt – er arbeitet in einem Sender in Buenos Aires und als Gastón ihm geschrieben hat, dass wir ihm lauschen, hat er ein paar Minuten später der ganzen Welt (also zumindest allen, die zugehört haben) erzählt, dass Gastón und Katharina gerade auf Hochzeitsreise sind und dann gemeinsam nach Österreich ziehen. Ach, war das ein cooler Moment! Wer wird schon einfach so in einer Radiosendung erwähnt?! Freude, Freude, Freude!

Fruchtviel-Valltag.

Aber nicht alles ist Freude. Nicht alle Momente sind freudig und schön. Es kommt zu Auseinandersetzungen, weil wir müde und hungrig oder enttäuscht sind. Es ist anstrengend, es ist viel. Wir sind die meiste Zeit nur nur nur zu zweit und das kann einfach auch in manchen Momenten zu Reibungen führen. Nicht alles ist Freude. Aber die Momente der Freude im Alltag sind weitaus mehr und größer als der Rest. Und selbst der Alltag ist schön hier.

Auf-dem-Auto-in-der-Wüste-Pose-Alltag.

Denn wir lassens uns wirklich gut gehen. Immer wieder genießen wir ein Stück Torte, eine Empanada, ein feines Essen hier und dort. Beim Einkaufen suchen wir uns die Dinge aus, die uns Freude machen und das sind meist ganz viele Früchte in unterschiedlichsten Farben – wir essen bestimmt jeden Tag eine Mango, ein paar Bananen, ein Stückchen Wassermelone und Ananas, eine Avocado und weitere Wunderbarkeiten, die hier günstig sind und frisch wachsen. Hier wächst die Freude, könnte man im Sonnentor´schen Slang sagen!

Blüten-Buntheits-Essens-Alltag.

Wir sitzen gerade in einem Café, ich schreibe, Gastón telefoniert. Immer wieder schauen wir uns freudestrahlend an. Wir sind so glücklich miteinander. Miteinander zu sein, zu reisen, zu leben. Das mögen wir.

Gemeinsam-Ess-Alltag.

Diese Momente machen das Leben so schön.
Was für eine Freude!

• K •

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∆ Reisemomentaufnahmen ∆

Da mir in den letzten Tagen so einige Dinge zum Thema Reisen hier eingefallen sind, möchte ich euch heute ein paar dieser Gedankenblitze und Alltagsmomentaufnahmen mit euch teilen.

Und auch ein paar dieser Fotoperlen: Hier in Cusco

Nummer 1 – Luft

Wie ihr ja wisst, sind wir in Bolivien und mittlerweile hier in Peru unterwegs. Und was es hier neben Märkten, lauten Straßen und bunten Stoffen noch gibt, ist eine ungeheure Höhenlage. Und diese bringt so einige Strapazen mit sich. Noch nie habe ich das so in meinem Körper gespürt, was die Welt mit mir macht. Aber in diesen letzten Wochen merke ich immer wieder, wie schnell ich außer Atem bin, wie sehr die dünne Luft auf meine Lungen drückt und wie oft ich das auch wieder vergesse und mir denke, das kanns doch nicht sein! Warum kann ich schon wieder nicht atmen?! Hier seht ihr mich überglücklich und zur Abwechslung mit Luft in einer der Gondeln hoch über La Paz:

[wpvideo NfzDFDaC ]

Vor ein paar Tagen ist mir dann was passiert, das ich bisher noch gar nicht kannte. Und zwar haben wir auf unseren Nachtbus gewartet (und gewartet und gewartet), ich war übermüdet und plötzlich ist mir so schwindelig geworden, dass ich fast umgekippt wäre. Hui! Das war was! Zweimal hat es mich fast donidraht (haha, dieses Wort trifft es einfach passend!), zum Glück ist es dann besser geworden und beim nächsten Mal weiß ich schon, was ich tun muss und zwar:

Nummer 2 – Coca-Blätter

Gegen diese Höhenluft und -schwindeligkeit hilft diese Pflanze nämlich besonders gut! Seit Jahrhunderten (wenn nicht Jahrtausenden) wird die Pflanze hier in den Andenregionen bis nach Kolumbien hinauf konsumiert und hilft so gegen Müdigkeit, Schwindel, Hunger und Höhenkrankheit, weil sie die Sauerstoffaufnahme erleichtert. Und so trinken wir (fast) immer, wenn wir im Bus längere Strecken fahren oder eine Wanderung machen, Coca-Tee. Auch Kokain wird von der gleichen Pflanze hergestellt – aber keine Angst, der Tee ist harmlos, hilft in diesen Mengen und dieser Konzentration aber sehr! Und die gute Wirkung merken wir immer gleich, sehr praktisch also!

Keine-Drogen-Ring-Inszenierung

Nummer 3 – Regen

Ach Leute. Es regnet so viel hier in der Gegend, in der wir unterwegs sind. Ja, es ist Regenzeit. Und ja, wir hätten uns vielleicht vorab etwas besser informieren können. Aber dass es so viel regnet, damit haben wir nicht gerechnet. Der Regen an sich ist ja schön – alles wächst und gedeiht. Wasser ist Leben. Aber – und das ist besonders beim Reisen nicht schön – wenn alles nass ist, weil es den ganzen Tag regnet, die Unterkunft eisig kalt ist, es weit und breit nicht den Anschein einer Heizung oder Sonnenstrahlen gibt, dann ist das einfach anstrengend.

Wir werden zum Glück immer kreativer – Gastóns neuer Trend heißt: Zeitungspapier statt Socken, meine Devise lautet: Wir nutzen alle nicht-nassen Flächen und breiten unsere Kleidung darauf aus. Und irgendwie wird immer alles gut – und trocken. Jetzt zum Beispiel hängt meine Hose am Sitz vor mir im Bus, denn hier gibt es so etwas wie eine Heizung.

Hier zur Abwechslung mal ein Momentchen Sonne

Nummer 4 – Klos

Die Anzahl an lustigen Klos nimmt pro Kilometer zu, ob im Bus, im Eco-Hostel oder irgendwo im Wald. Besonders beim Reisen gehört ein gewisses Abstandnehmen vom Luxus dazu. Das geht damit einher, dass man Wasser im Klo aus einer Tonne ins Klo schütten muss oder mitten in der Nacht das gemütlich warme Bett verlassen und über den Hof zum zusammengeschusterten Klo wandern muss. Im Bus währenddessen wird man auf cirka 15 Schildern freundlich und warnend darauf hingewiesen, dass man nur Pipi machen darf und dabei schleudert es einen wegen der ganzen Bergstraßen im ganzen Klöchen (die sind so klein, dass sie eine Verkleinerungsform verdienen) wie wild herum.

Da die Spülungen auch nicht so stark sind, wird das Papier ausschließlich und überall in den Mistkübel neben dem Klo geschmissen. Wie der Geruch da sein kann, darf sich jede und jeder selbst vorstellen. Ich bevorzuge in einigen Fällen dann einfach oft das Freiluftklo hinter einem Baum, Stein oder irgendwo im Gebüsch.

Na so ein lustiges Thema, diese Klos! (Hier sind wir übrigens nicht am Klo, sondern in einer Riesenplastikkugel am Titicacasee)

Nummer 5 – Herbergssuche

Was jedes Mal wieder ein Abenteuer ist, ist das (Aus-)Suchen einer Wohnung für die kommenden Tage. Mal wollen wir ganz alleine sein, mal trauen wir uns in ein Hostel. Mal möchten wir die bestmöglich ausgestattete Küche, mal reicht uns ein gemütliches Bettchen. Mal planen wir im Voraus, mal kommen wir an und lassen uns von den Angeboten überraschen.

Besonders genießen wir die Zeit, wenn wir eine kleine feine Wohnung mit eigener Küche haben, aus dem Hostel-Sozializing-Alter sind wir beide irgendwie draußen. Wir versuchens immer wieder, und kommen immer wieder drauf, dass wir doch gern unsere Sachen zu unserer Zeit machen wollen. Und das womöglich ohne Smalltalk über unsere Reise zu führen. Klingt hart, ist aber so. Gastón ist super begabt im preiswerte Wohnungen finden, schreibt dann auf Spanisch mit den Leuten, organisiert und sucht den Weg raus. Ich sitze dankbar daneben und freue mich, so einen praktischen (Reise-)Partner zu haben.

Mal schauen, welche Wohnungen wir in Peru finden werden…

Nummer 6 – Busfahrten

Busse. Wie viele wir schon genommen haben, kann ich gar nicht sagen. Es waren viele. Viele lange Fahrten. Fahrten am Tag und in der Nacht. Bei Regen und bei Hitze. Oh Busfahrten. Und wisst ihr was? Ich mag sie immer noch. Besonders die Nachtbusfahrten finde ich sehr gemütlich. Wahrscheinlich weil ich dieses kleine Hüttengefühl so mag! Hüttengefühl, weil es sich anfühlt, als wär man in einer Kapsel und alles rundherum ist egal, weil es drinnen so gemütlich ist. Und die Busse hier haben echten Gemütlichkeitsfaktor! Mit Decke und Zurücklehnen bis fast 180 Grad, schön warm und beim Einschlafen an einem anderen Ort als beim Aufwachen. Sehr besonders, diese Busfahrten.

In unserer Bussuite

Nummer 7 – Märkte

Oh diese Farben! Oh diese Vielfalt! Oh dieses bunte Treiben! Oh diese Märkte! Immer wieder schlendern wir durch die Lebensmittel-Haushalts-Tante-Emma-Laden-Märkte und erfreuen uns an all der Buntheit, die diese zu bieten haben. So viele Früchte, deren Namen, geschweigedenn Geschmack uns neu sind. So viele Farben der Gewürze und getrockneten Kräuter. So viel Krimskrams, dass ich mich immer wieder frage: Wer kauft das alles?!

Das, meine Damen und Herren, sind ausschließlich Erdäpfel! Es gibt in Peru über 500 Sorten!

Märkte haben etwas ganz Besonderes. Und sind auch anstrengend. Oft kaufen wir nur eine Kleinigkeit und lassen uns von den Massen treiben, bleiben innehaltend stehen oder genießen einfach die Magie an diesen Orten. Eine Sache, die mich besonders freut, ist, dass es fast auf jedem Markt mindestens fünf Stände gibt, an denen frische Frucht- und Gemüsesäfte und Obstsalate angeboten werden! Da wird das Herumschlendern gleich noch besser!

Wenn mein Grinser fast explodiert, heißt das, dass es wunderbares Essen gibt!

Nummer 8 – Menschheitsgeschichten

Wie viele Gedanken ich mir hier über die Zusammenhänge der Welt mache, ist kaum vergleichbar mit dem, was ich bisher getan habe. Zumindest in diesem Kontext. Wie viele Fragen ich und wir uns stellen: Wie war das Leben vor der “Entdeckung” Amerikas? Wo ist Kolumbus gelandet und warum lernen wir in der Schule nur so einseitig darüber? Was hat es mit “Zivilisierung” zu tun und warum hatten die Incas so ein riesengroßes Reich? Wie konnten die Sprachen (in Bolivien sind es neben Spanisch noch andere 35 anerkannte offizielle Sprachen) bis heute bestehen?

Woher kommen diese Sprachen und warum habe ich mich noch nie gefragt, warum ein gesamter Kontinent Spanisch (und Portugiesisch, Französisch und Niederländisch) spricht? So weit weg von Spanien (Portugal, Frankreich und den Niederlanden)? Wie kann es sein, dass in Bolivien 90% der Bevölkerung indigen ist, während es in Argentinien gerade einmal 10% sind? Und woher kommen diese anderen 90% dann? So viele Fragen, so viele Gedanken, so viele Geschichten – diese Menschheitsgeschichten.

Incakönige neben Plastikbooten am Titicacasee
Hier eine fesche Ureinwohnerin mit originaler Tracht

Nummer 9 – Badezimmer-Minimalismus

Wir reisen im Moment mit recht wenig Gepäck – wir beide haben einen Handgepäcksrucksack, der um die 8 Kilo wiegt. Und trotzdem haben wir immer wieder das Gefühl, dass es weniger sein könnte. Dass wir doch weniger Sachen brauchen, als wir mitgebracht haben. Eine Sache, die wir wirklich minimalistisch betreiben, ist die Badezimmerausstattung. Wir haben ein Stück Seife und unsere Zahnbürsten.

Shampoo verwenden wir beide nicht – darauf bin ich übrigens besonders stolz: Seit September wasche ich meine Haare nur noch mit Wasser und es funktioniert! Stellt euch das mal vor! All das Plastikverpackungs-Chemie-Zeug brauche ich nicht mehr! Manches Mal funktioniert es nur solala, meistens bin ich so glücklich darüber, dass sich meine Haare auf diesen Rhythmus eingestellt haben. Ich merke sofort die Wasserqualität und manchmal muss ich einfach mit mit nicht so feschen Haaren leben. Aber meistens bin ich so zufrieden, diesen Weg eingeschlagen zu haben! Ein Hoch auf den (nachhaltigen, umweltschonenden, gesunden, günstigen) Minimalismus!

Hier noch interessantes Detail zum Badezimmer: Die Duschen sind elektrisch, die Kabel und das Licht gleich neben dem Wasser. Ob so etwas in Österreich erlaubt wäre…?

Das wars mal mit den Momentaufnahmen. Wir sind jetzt in Peru, in Cusco genauergesagt. Die Stadt war die “Hauptstadt” des Inca-Reichs und zeugt auch heute noch von ganz viel Kultur und Geschichte. Sehr interessant! Wir werden die nächsten Tage hierbleiben, weil wir so eine gemütliche Wohnung (mit Küche! Endlich können wir unsere superguten Speisen wieder selbst zubereiten!) gefunden haben.

Schaut euch dieses von Hunger und Dankbarkeit verzerrte Gesichtchen an!

Vor ein paar Tagen haben wir in Puno (das ist bereits Peru) eine schwimmende Insel-Stadt auf dem Titicaca-See besucht. Die Menschen sind vor 500 Jahren vor den Incas auf den See geflohen und haben sich dort “sesshaft” gemacht. Die Inseln sind aus Seegras, die Häuser auch. Schule und Krankenhaus gibt es auf einer Insel, Restaurant und Solaranlagen auf der anderen. Ein paar der Bewohnerinnen haben eine kleine Show für uns gemacht, wir durften uns verkleiden, mit dem Boot fahren und die Einzigartigkeit dieser Stadt genießen. Sehr spannend bisher, dieses Peru.

Abgelegen und weit weg von Zivilisation? Nicht auf dieser Insel: Mit Kreditkarte kann man sich hier alles kaufen!
Auf der schwimmenden Inselstadt

Ihr lest von mir.

• K •

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∆ Bolivien ∆

Eine Momentaufnahme.

Wir sind in einem Apartment in La Paz. Neben dem Fenster schweben die eifrigen Gondeln auf und ab. Gastón spielt auf seiner Charango (ein traditionelles 12-Saiten-Instrument aus Nordargentinien und Bolivien). In der Küche riecht es nach Quinoa.

Hoch über La Paz

Bolivien.

Seit etwas mehr als einer Woche befinden wir uns nun in diesem Land voller Widersprüchlichkeiten, weiter Landschaften, Flamingos, Lamas, Schnee und ganz viel Tohuwabohu.

Tohuwabohu sagst du? Hier ist es doch ganz ruhig. Tss.

Bolivien.

Ein Land, das ich ganz anders eingeschätzt habe. Ein Land, von dem ich bisher nicht viel gehört oder gesehen habe. Zumindest nicht bewusst. Ein Land, das mich ab den ersten Momenten mit seiner Buntheit, seiner Vielfältigkeit, seinen Menschen, seinen Landschaften überzeugt hat.

So scheeee

Bereits nach ein paar Tagen hier haben wir uns entschlossen, ein (touristisches) Abenteuer zu buchen. (Ja, man kann Abenteuer buchen. Was dabei rauskommt, das ist aber nicht immer alles inklusive.). Von Tupiza, das liegt im Süden Boliviens, nach Uyuni wollen wir reisen. Eine mehrtägige Tour, vorbei an bunten Lagunen, Lamaherden und Vulkanen bis zur größten Salzwüste der Welt. Das wollen wir, das machen wir.

Kurz haben wir überlegt, ob wir den Trip auf einem Lama reitend machen sollen. Haben uns dann doch für den Jeep entschieden.

Und so sind wir gemeinsam mit einer kleinen internationalen Gruppe, einer Köchin, zwei Guides in zwei Allradfahrzeugen aufgebrochen. Und nichtsahnend sind wir durch bergige Straßen, rauf und runter getuckert, haben ein Mittagessen in der Wildnis genossen und im Jeep über dies und das geplaudert. Bis es plötzlich zu regnen angefangen hat.

Ein Picknick in der Wildnis. Wie fein!

Der Regen hier in der Regenzeit lässt nicht mit sich scherzen. Das sag ich euch. Der Regen hier macht kleine Rinnsale zu Flüssen, Flüsse zu Seen und Straßen zu unbefahrbaren Gatschmassen. Und mitten in diesen Gatsch-Wasser-Massen nun zwei Jeeps geladen mit Erwartungen und ganz viel Gepäck. Geladen mit dem Essen für die nächsten Tage, dem kompletten Gepäck aller Mitreisenden und der immer tiefer sinkenden Motivation dieser.

So traurig war es zwischenzeitlich.

Nach einem äußerst traurig aussehenden Flamingo, alleine in seiner grauen Wasserlatsche, einer Reifenpanne und zwölf Stunden im Auto, haben wir dann dank unserer ausgesprochen kompetenten Guides eine Unterkunft für die erste Nacht gefunden. Kalt, durchnässt – wir sowie unser gesamtes Gepäck – und unruhig, was die nächsten Tage bringen werden, haben wir die Nacht auf Matratzen am Boden verbracht.

Fast hätten wir in diesem Refugium schlafen müssen. Na das wär was gewesen.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter, das Wetter meinte es etwas besser mit uns und so beschlossen wir, einen Um-Weg über die Berge zu nehmen, um dem Regen etwas zu entkommen. Und was passiert mit Regen, dem es zu kalt wird? Schnee! Richtig! Vorbei an unendlichen Weiten, ging es in Landschaften, von denen ich bisher nur träumen konnte. Rote Steinwüste, im Hintergrund angezuckerte Vulkane. Vorbei an tiefen Schneelandschaften, grasenden Lamas, bunten Lagunen. Hin zu Vulkansteinskulpturen, die die Fantasie erwecken, rosafarbenen Wolken, Flamigos, soweit das Auge reicht.

Das über uns sind übrigens fliegende Flamingos
Spaß unterm Steinbaum

Auch durch Ortschaften sind wir gefahren. Ortschaften, die von Minenarbeit und Tourismus leben. Häuschen, die aus Lehmziegeln gebaut sind, die Dächer aus Wellblech mit Steinen befestigt. Und in einer dieser Ortschaften haben wir unsere zweite Nacht verbracht. Alle gemeinsam in einem Raum, Heizung gab es nicht. Dafür ganz viele Decken, heißen Tee und gemeinsames Essen.

Hier lässig in Villa Mar.

Unsere Gruppe hat sich in diesen Tagen unter diesen Umständen ziemlich gut kennengelernt. Wir waren mit Leuten aus Irland und Schweden im Auto, im anderen waren Franzosen und eine Italienerin. Unsere Guides und die Köchin waren aus Bolivien und haben ihre Arbeit sehr ernst genommen. Immer wieder haben sie uns informiert, in die Entscheidungen miteinbezogen und ihre Arbeit so gut gemacht. Gastón hat auch für einen Gruppen-Insider gesorgt: Am zweiten Tag hat er seinen Ehering nämlich verloren. Und nachdem wir ihn im Schnee gefunden haben, hat er sich gedacht, er verliert ihn gleich nochmal. Und wir haben ihn wieder gefunden. Irgendwo zwischen allem Gepäck. So ein Glück! Und ein Running (oder soll ich Ringing sagen? Haa.) Gag noch dazu!

Unsere Gruppe – alle gemeinsam mit Agustina, Roberto und Pancho
Festlich geschmückt unsere Flitterwochenkutsche.

Am dritten Tag hat sich die Wetterlage verbessert und so konnten wir unsere Tour wie geplant fortsetzen – wieder an Vulkanen, grasenden Vicuñas (die Vorfahren der domestizierten Lamas) und Quinoa-Plantagen vorbei zu riesigen Steinformationen und einer schwarzen Lagune. Diese ist umgeben von roten Felsen und einer schier unechten Landschaft – Grashügel, Wassertümpeln, Lamas und der unendlichen Stille bolivianischer Wildnis.

Wenn das ein Einhorn gewesen wäre, hätte mich das auch nicht überrascht.
Roberto, unser gutgelaunter Guide beim Spielen in den Bergen.

Auf dem Weg nach Uyuni haben wir wieder in paar Mal Halt gemacht, ein Mittagessen on the road genossen, einen Condor über einer Schlucht fliegend beobachtet und uns an der Landschaft erfreut. Ich kann es gar nicht oft genug sagen, wie hin und weg ich von dieser Vielfältigkeit hier bin! Die Farben, die Weiten, die Höhen. Alles scheint einfach ruhig dazusein und darauf zu warten, bestaunt zu werden.

Hier ein Steinkamel neben anderen eindrucksvollen Steinhaufen.
Das war nur einer der Flüsse, durch die wir durchgefahren sind – die Landschaft unberührt und wunderschön

In Uyuni angekommen, hat es wieder stark zu regnen begonnen und wir konnten unseren geplanten Sonnenuntergang in der Salzwüste nicht sehen. Stattdessen haben wir die Nacht in einem Salzhostel verbracht – ja, ihr lest richtig. Ein Hostel, das komplett aus Salz gebaut ist. Die Betten, die Sessel, die Wände. Alles aus Salz.

Kathsalzarina auf Salzbank vor Salzwand.

Am nächsten Morgen haben wir uns bereits um kurz nach 5 Uhr aufgemacht in die Salzwüste – und wurden mit einem unglaublich schönen, beruhigenden, faszinierenden, unendlichen Sonnenaufgang belohnt. Da gerade Regenzeit ist, liegt auf der Salzweite (das war übrigens vor Tausenden von Jahren ein Salzsee) Wasser. Und so spiegelt sich alles, ja wirklich alles, was rundherum passiert, darin.

So ein besonderer Moment!
Schaut, wie schön! Die Guten-Morgen-Wölckchen.
Einfach wunderbar, solche Momente teilen zu können.

Nach dem Frühstück im Salzhotel, mitten am Spiegelsee haben wir natürlich noch ein paar sehenswerte Schnappschüsse macht. Für mich war das eine Riesenfreude, barfuß durch die Wasser-Spiegelfläche zu springen, zu turnen, optische Illusionen zu inszenieren und dabei die Einzigartigkeit dieser Momente zu genießen.

Mandalagaudi
Ein Küsschen in der Unendlichkeit
Was für eine Freude!

Nach diesen vier Tagen voller Abenteuer, lustigen und ernsten Momenten, nach Tränen der Erschöpfung, nach Staunen und Innehalten und mit einem Gefühl von erfüllender Dankbarkeit, einen so wundervollen Teil dieser Erde kennengelernt zu haben, sind wir im Nachtbus nach La Paz gefahren.

Danke, liebe Gruppe. Es war mir ein Fest!

Hier genießen wir den Komfort einer Dusche, des mit Abstand besten öffentlichen Verkehrsmittels, das ich je erlebt habe (dem Mi Téléferico – das ist die Seilbahn, die die bergige Landschaft in dieser Stadt um einiges leichter miteinander verbindet und bei jeder Fahrt einer atemberaubenden Sicht auf die Stadt erlaubt). Wir genießen die vielfältigen Möglichkeiten essen zu gehen oder nur durch das Gewimmel in den Märkten und den von bunten Stoffen gesäumten Straßen zu schlendern.

Hier ein kleiner Einblick – am Hexenmarkt werden Lamafötusse für rituelle Zwecke verkauft. Ein Föto sozusagen.

Bei uns ist es gerade Mittag. Wir haben einen gemütlichen Vormittag in unserer AirBnB-Wohnung hinter uns. Gastón überlegt sich Routen für die nächsten Wochen, in der Küche riecht es nach Quinoa, draußen hat es 7 Grad. Wir haben vor, wieder ein bisschen mit der Seilbahn die Stadt zu erkunden und am Abend gönnen wir uns ein Flitterwochen-Dinner in einem der feinsten veganen Lokale des Kontinents.

Hat jemand feines Essen gesagt? Wir kommeeeeen!

Bolivien.

Ich freu mich auf das, was kommt und erfreue mich an dem, was war. Wie wunderbar schön doch das Reisen ist. Wie abwechslungsreich, fordernd, atemberaubend, friedlich und lebensgeisterweckend das Erleben der Fremde doch sein kann.

Bolivien. Ich schätze dich sehr.

Ein Dankmal.

• Deine (eure) K. •

achtsam · allgemein · nachhaltig · reisend

∆ Von den Lebenden und den Toten ∆

… und was das mit Ruinen, Veganismus und Reisen zu tun hat, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Hier eine feine vegane Dame im wilden (Nord-)Westen

Ich ernähre mich seit offiziell einem Jahr vegan! Das bedeutet, dass ich keine Lebensmittel zu mir nehme, die aus tierischen Produkten gemacht sind. Auch Leder, Pelz und Elfenbein kaufe ich nicht mehr.

Warum ich mich entschieden habe, mich pflanzlich zu ernähren, hat viele Gründe. Inspiriert wurde ich von Gastón, der das seit 4 Jahren macht und mit ihm habe ich ganz viel darüber geredet, diskutiert und erfahren.

Hier in einem lieben kleinen Café bei lila Maisbrot und Live-Musik

Dann habe ich mich damit auseinandergesetzt und mir gedacht, ich probiers einfach mal für ein Jahr. Und hier sind wir – das erste Jahr ist vorbei, ich habs probiert und bin begeistert! Es macht so viel Sinn für mich, “nur noch” pflanzliche Lebensmittel zu mir zu nehmen, dass ich im Moment gar nicht mehr daran denke, das zu ändern.

Der für mich sinnvollste Grund ist, dass die Ernährung – so, wie ich sie betreibe – für mich sehr gesund und wohltuend ist. Essen macht mir solche Freude – und seit ich vegan esse, kommt mir diese Freude noch größer vor! Ich esse viel, viel Obst und Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Samen und genieße jede Speise so, weil ich weiß, dass das für mich (und die Welt) etwas Gutes ist.

Das kommt beim Experimentieren heraus: Schwarz-Lila-farbene Maisnudeln mit Tomaten-Karottensauce und Erdnussöl

Dass sich plötzlich so viele Menschen um meinen Proteinhaushalt, meine Vitaminzufuhr und meine Nährstoffaufnahme kümmern, kommt mir etwas Spanisch vor. Das Interesse ist groß, die Skepsis auch. Aber, und das haben Studien herausgefunden (ja, jetzt bringe ich auch noch die Wissenschaft ins Spiel!) – Menschen, die sich vegan ernähren, kennen sich tendenziell besser mit (ihrer) Ernährung aus, als Menschen, die einfach essen, was es gibt, weil es ja schon immer so war. Also keine Angst, ich bekomm meine Vitamine, Proteine und sonst auch alle lustigen Sachen, die wir so zum Leben brauchen!

So ein Kuchen hat wahrscheinlich mehr Nährstoffe, als ich zählen kann – aus Nüssen und Samen gemacht, mit Früchten und Zuckerrohrhonig

Ein weiterer Grund ist, dass ich mich darum bemühe, meinen Kindern und Enkelkindern eine gute Welt zu hinterlassen – und so, wie wir das als Gesellschaft gerade betreiben, so machen wir eher das Gegenteil davon. Ich könnte jetzt davon anfangen, von allen “Umweltsünden” zu sprechen, das ist aber nicht meine Intention. Ich trage mit meiner Entscheidung, keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren, viel dazu bei, die Welt ein bisschen besser (gesünder, achtsamer, empathischer, nachhaltiger, umweltschonender, verantwortungsbewusster) zu hinterlassen. Und das ist ja schon ein schöner Grund!

Diese Lamas haben ein paar Tage zuvor Hochzeit gefeiert, daher die schöne Verzierung in ihrer Wolle

Natürlich gabs Momente, in denen es einfach einfacher gewesen wäre, das Stück Käse oder die Torte mit Creme zu essen, doch wenn man einmal weiß, woher das kommt, wie es produziert ist und was dahinter steckt, dann geht der kurze Genussmoment schnell vorbei. Und so viel genießen, wie ich es mit dieser Lebens-/Ernährungsform mache, so viel kreatives Ausprobieren, so viel Freude beim Einkaufen, Kochen, Essen – das lohnt sich für mich auf jeden Fall, diese Entscheidung jeden Tag wieder zu treffen.

Ein bisschen Lama-Landart

Hier wären wir also schon mitten in der Thematik der Lebenden und der Toten. Viele lebende Tiere, weniger tote. Aber ich möchte den Bogen schlagen zu einer weiteren wunderbaren Tatsache und zwar:

Wir sind wieder auf Reisen! Seit ein paar Tagen sind wir im Norden Argentiniens unterwegs und ich kann euch sagen, es ist ein TRAUM hier!

Die Berge, die Sonne und ich

Vor ein paar Tagen waren wir im archäologischen Museum von Salta und haben – und jetzt haltet euch fest – eine echte Mumie gesehen! Eine der am besten erhaltenen, die es auf der Welt gibt! Ein kleiner Junge, der von den Incas geopfert wurde. Unglaublich! Zusammengekauert, die Augen geschlossen, die Haut ledrig, die Haare kohlrabenschwarz. In diesem Museum gibt es insgesamt vier Mumien, es werden immer nur zwei gezeigt, die anderen werden bei eisigen Temperaturen aufbewahrt, damit sie noch ganz lange für viele Menschen gut erhalten bleiben können. Die Stimmung um diese Vitrine, in der der kleine Körper sitzt, ist magisch. Ein Relikt aus Zeiten, die wir uns heute nur noch durch genau solche Überbleibsel vorstellen können. Magisch gruselig und zugleich so ruhig und besinnlich. Sehr schräg, diese lebenden Toten.

Die Incas haben diesen Jungen aufgrund seiner herausragenden Schönheit den Vorfahren-Göttern geopfert

Wir waren in einer Ruine, die von einer Ureinwohner-Gemeinschaft vor 500 Jahren gebaut wurde. Dort haben wir eine Führung gemacht und die Dame, die diese Menschen als ihr Volk bezeichnet, hat uns viele schöne Details über die Häuschen, die Innenhöfe, die Traditionen, die Kultur erzählt. Am Schluss der Führung hat sie uns ermutigt, uns diese ganzen Szenen lebend und in Farbe, mit Musik, Düften, Geräuschen und echten Menschen vorzustellen. Mit Gänsehaut habe ich ihr gelauscht, berührt von der Landschaft, den Geschichten und der Stimmung auf diesem Berg. Denn was wichtig ist, so hat diese Führerin gesagt, ist, dass wir diese Kulturen als Lebende in Erinnerung behalten – mit ihren Farben, ihren Geschichten, ihren Vorstellungen, ihren Handwerkskünsten, ihren Geschmäckern, ihrer Lebensweise.

Hier vor einem rekonstruierten Häuschen

Wir befinden uns übrigens gerade auf 2500m in Tilcara, einer kleinen Stadt in der Provinz Jujuy [Chu-Chui]. Bevor die Inca hier eingefallen sind, den Leuten ihre Religion und ihre Brauchtümer aufgezwängt haben, haben viele Menschen mit viel Kultur und Handwerkskünsten hier gelebt. Und das ist er jetzt, der Bogen zu den Lebenden und den Toten. Die, die schon lange tot sind, haben so viel hinterlassen – Häuser und Straßen, Kulturtechniken und -güter. Generationen, die ihnen nachfolgen – die noch heute von ihrer Familie sprechen, das sind die Lebenden, von denen ich schreibe.

Hier durch das Haus in den Patio (Innenhof) schauend mitten in den Ruinen

Es fasziniert mich, wie wenig ich mich bisher damit auseinandergesetzt habe, wie die Welt funktioniert. Das mag ein bisschen hochtrabend klingen, aber wenn man bedenkt, dass Menschen von Menschen von Menschen von Menschen abstammen, dann ist das schon ganz schön interessant, wenn die Gesichtszüge und Kulturtechniken, die Sprache, der Glaube etc. etc. noch nahe an dem dran sind, was wir “Ureinwohner” nennen. Schöner klingt der Ausdruck “indigene Bevölkerung”. Der amerikanische Kontinent wurde ja bekanntlich erst im 15. Jahrhundert entdeckt – davor gabs hier ja nichts. Dann haben die spanischen und portugiesischen Eroberer zum Glück die Kirche und die Kultur hierher gebracht und seither sind sie auch zivilisiert, diese Wilden.

Hier die zivilisierten Toristen

Heute haben wir darüber gesprochen, wie unglaublich unglaublich es ist, dass Kartoffeln vor der Eroberung Südamerikas in Europa nicht existiert haben! Dass es zwar Universitäten gab, aber keine Kartoffeln! Dass ein Grundnahrungsmittel – das Gemüse eines jeden männlichen Österreichers – einmal nicht gewachsen ist in unserem Lande! Dass der Austausch von Kulturen (so nennen Gastón und ich das auf überoptimistische Weise) bei so einem basalen Ding, wie einer Kartoffel, so viel ausmacht. Und dann stellt euch mal bitte den Rest vor!

Ach, ich könnte noch ewig weitertipseln, so inspirierend ist dieser Ort hier. Wir sind übrigens in einem Haus, das mit Blick auf die Berge, den Garten und den Himmel viel Ruhe und Freiheit bietet. Die Gegend hier ist Wüste und bekannt für die bunten Felsen – einer wird “Berg der sieben Farben”, ein anderer “Des Malers Palette” genannt. Neben Riesenkakteen (-ussen?) ragen sand-, rost-, rosa-, grünlich-, bläulich-, lilafarbene Berge in die Höhe. Ein wahrer Genuss, diese Natur.

Habt ihr euch einen Kaktus schon einmal ganz genau angeschaut? Das lohnt sich auf jeden Fall!

Hier noch ein paar Eindrücke von unserer Morgenwanderung – die Sonne im Rücken, die Berge in Sicht, Mate trinkend und das Leben genießend haben wir hier ein paar Stunden verbracht.

Schönheit in allen Richtungen

Um kurz nach 7 haben wir uns auf den Weg gemacht – die goldene Morgenstund!

Wir sind mittlerweile noch weiter gereist – und zwar nach Iruya. Eine kleine Stadt auf knapp 3000m mitten in den Bergen im Norden Argentiniens. Bereits die Strecke von Tilcara nach hier war atemberaubend schön! Die Berge, die weiten Wiesen, die engen Straßen, auf denen unmöglich ein Bus fahren kann – denkste! Langsam und gemächlich sind wir über Stock und Stein getuckert und nach 3 Stunden Fahrt dann hier angekommen:

Der Blick auf Iruya – unvergleichlich schön!

Es ist so ruhig hier, so gemächlich, so gemütlich. Alles und alle. Wir schlafen in einem Hostel mit Ausblick auf die Stadt und die Berge, neben uns sitzt eine reisende Familie mit Kind, in der Küche brodelt unser Eintopf – ein wärmendes Essen, weil es hier ganz schön kalt ist. Es regnet, wir sitzen auf der Terrasse und genießen die Stimmung.

Bis Mitte März sind wir unterwegs – Zeit haben wir und einen ungefähren Plan. Was dazwischen passiert, wissen wir nicht. Dass es gut wird, wissen wir schon.

Ein Uno-Spielchen zum Zeitverbringen haben wir uns auch gegönnt

Tanzend in den Straßen von Iruya

Es grüßt euch die faszinierte, dankbare, sonnengeküsste

• K •

achtsam · allgemein · reisend

∆ Liebe, Liebe, Liebe oder: Warum ich euch allen einen Gastón wünsche.

Hier sitze ich nun also. Auf meiner Hand ein glänzender Ring, in meinem Herzen das warme Gefühl, dass der Beginn von etwas Großem gemacht worden ist:

Wir sind verheiratet!

Am Freitag war unser großer Tag – und es war ein Tag voller Liebe, Musik, Sonne, Farben und Nähe.

Nach einiger bürokratischer Vorbereitungszeit (Papiere ausfüllen, hinbringen, ändern, ausfüllen, herumfahren, kopieren…) und Ideensammlungen, wie und wo, mit wem und wann wir feiern wollen, haben wir es geschafft, ganz viele liebe Leute an einem schönen Ort (nämlich im Garten von Pablos Elternhaus) zu versammeln, um mit uns diesen großen Tag zu feiern.

Zu sagen, dass er nicht besser hätte sein können, ist nur ein Teil der Wahrheit – denn meine Familie und meine lieben Freund*innen haben mir an diesem wichtigen Tag in meinem Leben gefehlt. Aber, und das freut mich von ganzem Herzen: In diesen Umständen, an diesem Ort, zu dieser Zeit war es ein perfekter Tag, der in seiner Form nicht besser hätte sein können.

Einige von euch haben das Video gesehen, für all diejenigen, die es noch interessiert, hier ist der Link zum Video vom Standesamt:

Die Zeremonie verging ziemlich schnell, waren ja nur ca. 15 Minuten. Der Moment der Ringe und des offiziellen Jas zueinander war gesäumt von Tränen der Überwältigung (nicht nur von mir). Ach, wie schön, wenn sich so viele Leute an einem Tag so viel freuen.

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll – der Tag war von früh morgens bis spät abends entspannt und liebe-voll. Ein Cousine von Gastón hat mich geschminkt und mir eine wunderschöne Frisur gemacht, ich hab mein Dirndl mitgenommen und mir schöne Schühlein dazu gekauft. Alles ganz einfach, alles unkompliziert. Für Gastón haben wir Hosenträger in der passenden Farbe gefunden und so haben wir geheiratet:

Vorbereitet mit dem Nötigsten, ausgestattet mit dem Wichtigstem: Dem großen JA zueinander. Dem großen Ja, dass wir zusammensein, -bleiben, -leben wollen. Dem großen Ja, dass wir kulturelle Unterschiede als Geschenk annehmen. Dem großen Ja zu unserer Liebe, zu unserem Vertrauen, unserer Nähe, unserer gemeinsamen Kraft.

Wenn ich eine Checkliste von Dingen, die ich mag, gemacht hätte, hätte ich alles abhaken können:

  • Lichterkette
  • Sonnenschein
  • weiße lange Tafel in der Wiese
  • Blumen
  • Schatten der Bäume
  • Mango- und Avocadobaum
  • Musik machen
  • Tanzen
  • Schokokuchen
  • Fähnchen im Wind
  • Sternspritzer und Seifenblasen
  • Leichtigkeit
  • Freuden- und Berührtheitstränen

Und zu diesen Dingen kamen dann noch ganz viele liebe Leute, Lachen, Unkompliziertheit, Unterstützung, Mitfreude, ein Video von vielen lieben Leuten daheim (DANKE DANKE DANKE euch allen!! Ich habs noch nicht geschafft, mich “persönlich” mit einer Nachricht zu bedanken, deshalb mach ich das jetzt hier!) und so viele liebe Nachrichten, dass mein Handy fast übergegangen wäre.

[wpvideo YNxYTFuy ]

Der Tag bleibt so fest in meinem Herzen und das Schönste ist, dass wir seither jeden Tag mehrmals, wenn wir unsere Ringe oder uns gegenseitig anschauen, laut ausrufen, dass wir es so schön finden, dass wir jetzt verheiratet sind. Was für eine Freude!

Liebe, Liebe, Liebe also.

Und was hat es mit dem zweiten Teil der Überschrift auf sich? Warum ich euch allen einen Gastón wünsche? Das klingt vielleicht komisch, aber ich mein das natürlich im übertragenen Sinne.

Ich wünsche euch einen Menschen an eurer Seite, zu dem ihr ganz fest und aus vollstem Herzen JA sagen könnt. Auch und genau weil ihr die vielen Seiten dieser Person – und umgekehrt sie an euch – kennt. Ich wünsche euch einen Menschen, den ihr monatelang ohne Unterbrechung sehen könnt und ihr euch immer noch jeden Tag so vieles zu sagen habt.

Ich wünsche euch einen Menschen, mit dem ihr diskutieren könnt, über das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Ich wünsche euch einen Menschen, dem ihr vertrauen könnt – bei dem ihr so sicher sein könnt, dass jeder kleine Zweifel sich bei der nächsten Umarmung in Luft auflöst. Ich wünsche euch einen Menschen, der euch voll und ganz annimmt, mit allem, was ihr seid und der trotz alledem nicht aufhört, euch aus euerer Komfortzone herauszulocken und mit euch die Grenzen eures Seins erweitert. Ich wünsche euch einen Menschen, der an euch glaubt – an eure Überzeugungen, an eure Ideen, an eure Visionen.

Ich wünsche euch einen Menschen, mit dem ihr ruhig sein könnt und diese Ruhe sich nicht nur im Nicht-Reden äußert. Ich wünsche euch einen Menschen, mit dem alles leichter ist – selbst wenn manche Sachen von außen schwer oder schwierig sind, wünsche ich euch einen Menschen, mit dem ihr in euch und zwischen euch leicht sein könnt.

Ich wünsche euch einen Menschen, den ihr anschaut und in dessen Augen ihr die Zärtlichkeit, den Respekt, die Liebe, die Zuneigung, die Freude, die Dankbarkeit, die Ruhe, den Frieden sehen könnt. Ich wünsche euch einen Menschen, der sagt, dass es in Ordnung ist – in Momenten, in denen ihr weint und es euch nicht gut geht – dass es ok ist und dass es vorbei geht. Der euch immer wieder sagt, dass ihr gut seid, so wie ihr seid. Und der euch seine Liebe jeden Tag wieder zeigt.

Und so einen Menschen, ihr Lieben da draußen, so einen Menschen habe ich am Freitag geheiratet. Meinen Gastón.

Wie schön das L(i)eben doch ist.

Zum Abschluss noch ein kleines Video – because it´s always better when we´re together.

[wpvideo cDIs8sjK ]

∆ es grüßt die verheiratete K. ∆

achtsam · allgemein · reisend

∆ Danke, 2018 ∆

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

Jänner in Berlin.

Du hast viele Überraschungen für mich bereitgehalten. Du hast mich viel erkennen lassen, viel erleben lassen, viel sein lassen.

2018, du hast in Berlin begonnen und endest in Buenos Aires. Du hast mich viel reisen lassen – viele Male nach Berlin, daheim in die Berge und und zu den Seen, dazwischen nach Sardinien, nach England und Schottland, an die Ostsee, nach Brasilien und Argentinien.

Du hast mich feiern lassen, mit Menschen, die ich liebe. Du hast mir Zeit geschenkt, wertvolle Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte.

Februar in Eugendorf.

Du hast es mir manchmal sehr leicht gemacht, mir die Antworten auf meine Fragen ganz offensichtlich gezeigt. Andere Male hast du mich nachdenken lassen, zweifeln und neudenken, entscheiden und Konsequenzen tragen lassen. Du hast mich gefordert, in vielerlei Hinsicht.

März in Rauris.

Du hast mich genießen lassen. Das Leben und die Momente, das Essen und die kleinen Dinge zwischen den großen.

Du hast mich kreativ sein lassen, in jeglicher Hinsicht. 2018, du warst ein Jahr voller gestalterischer Momente – ob kochen, reisen, stempeln, schreiben, musizieren oder spielen, all das war Teil meiner Tage.

April in Berlin.

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

Du hast mir viel, viel Freiraum gegeben und mich bestärkt, diesen Nicht-Rhythmus, diesen Nicht-Alltag aufzusaugen und in vollen Zügen (und leeren Bussen) zu genießen. Du hast mir bewusst gemacht, was für ein Luxus es ist, so viel freie Zeit zu haben und so viel reisen zu können.

Mai in Sardinien.

Du hast mich auch gelehrt, feinfühliger zu sein. Mir und meinem Körper gegenüber, den anderen Menschen und ihren Geschichten gegenüber. Ich habe gelernt, dass Zuhören manchmal (oft!) einfach viel hilfreicher sein kann, als jeglicher Rat.

Du hast mich ganz viel spüren und fühlen lassen. Vieles davon war gut, manches anstrengend. Aber immer habe ich gemerkt, dass ich so vieles bin. Dass mein Ich aus ganz vielen Facetten und Gefühlen besteht. Und dass diese Dinge be- und genannt werden dürfen und sollen. Auch das hast du mir gezeigt. 2018, du warst ein Jahr voller Gespür und Ausdruck.

Juni in Berlin.

2018, du hast mir immer und immer wieder aufgezeigt, dass ich mir selbst nicht alles glauben brauche. Dass ich manchmal die Idee von etwas lieber mag, als die tatsächliche Realität. Und dass es gut ist, loszulassen von Ideen und die Realität zu leben, auch das hast du mir weisgemacht.

Dass ich die kostbaren Momente schätzen soll und die Feinheiten dieser mit vollstem Herzen genießen kann, auch das hast du mir in den unzähligen Momenten in der Natur, am Berg, im Wald, im Wasser und mit meinen allerliebsten Menschen immer wieder gezeigt.

Juli am Berg.

Du hast mich viele Entscheidungen treffen lassen – mit Gastón eine Beziehung zu führen, mit der Uni aufzuhören, mich vegan zu ernähren, nach Südamerika zu reisen, hier zu heiraten. All das waren und sind große Entscheidungen, die ich 2018 getroffen habe. Die vielen kleinen zwischendrin sind da gar nicht dabei!

August unter der Linde.

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

September in Brasilien.

Du hast mich ganz intensive Gespräche mit unterschiedlichen Menschen führen lassen. Hast mich zu Orten und Menschen geführt, in ihren Gedanken und Geschichten mithorchen lassen, hast mir ganz klar gezeigt, dass es immer mehr als eine Wahrheit gibt und dass auch meine nur eine davon ist.

Oktober unterm Regenbogen.

Du hast mich Ideen verwirklichen lassen, mir weitere Ideen in den Kopf gesetzt und Visionen, die in mir leben, wichtig nehmen lassen.

Du hast mich mit Altem abschließen und mit Neuem beginnen lassen. Hast mir Zeit gegeben, Altes zu verarbeiten und Platz für Neues zu machen. Neue Menschen, neue Gedanken, neue Ideen, neue Räume. Du hast mich auch verabschieden lassen von Menschen, die ich sobald nicht mehr wieder sehen werde. Und du hast mir ganz viele neue Menschen gebracht. Menschen, die ich meine Freunde und meine Familie nenne.

November in Buenos Aires.

2018, ich bin dir so dankbar für all diesen Zauber, diese Magie, diese Überraschungen, diese Funken, diese Ruhe, diese Zeit, diese Begegnungen, diese Eindrücke. All das werden Erinnerungen, die mich an dich, 2018, zurückdenken lassen werden. Mit einem warmen Gefühl im Bauch, einem Grinsen im Gesicht und Glänzen in den Augen.

Dezember in Patagonien.

Denn du, 2018, warst das beste 2018, das ich jemals erlebt habe.

Ein Gedanke für 2019.

Ich wünsch euch einen guten Start in das beste 2019, das ihr jemals haben werdet.

• K •