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Vom Weltverständnis

Kennt ihr das? Ihr lest etwas, versteht es und denkt nicht einmal darüber nach, ob jemand anders etwas anderes verstehen kann.

So geht es mir ganz oft. Denn ich leb in meiner Welt und sage und mache, schreibe und lese Dinge, die ich nun mal mit meinem Weltverständnis so an- und aufnehme. Doch dass jede und jeder eine eigene kleine Welt hat und daher auch ein eigenes (kleines) Weltverständnis, das ist etwas, das ich immer wieder lernen darf.

Gerade letztens habe ich mit meiner Nichte ein kleines Kreativprojekt gemacht: Das Buch von Keri Smith “Mach dieses Buch fertig”. Es war aufregend, herausfordernd, lustig und zum Nachdenken anregend.

Dieses Buch ist ein Mitmachbuch. Es geht dabei nicht ums schöne Ausmalen, nein, es geht ums kreative Mitmachen. Seite aufschlagen, Anweisung befolgen. Und dann kommt dabei unter anderem heraus, dass das Buch ohne Hände aufgehoben werden soll, dass unnütze Dinge eingeklebt und Seiten herausgerissen werden sollen. Und eine Seite sagte Folgendes:

“Schreibe mit dem Stift im Mund

Für mich ganz klar, was das bedeutet. Ich beachtete für einen Moment gar nicht, was meine Nichte machte, die nach einem schwarzen Stift fragte, weil man den anderen ja nicht sehen konnte. Den gab ich ihr und schon hatte sie ihn im Mund. Ich verstand nicht ganz, las die Anweisung noch einmal, beobachtete sie und stellte überrascht fest, dass sie mit dem Stift im Mund schrieb. Mit dem Stift malte sie eifrig kleine Buchstaben in ihren Mund. Sie hat den Satz einfach mit einer anderen Betonung als ich gelesen und das Resultat war ein komplett anderes.

Hin und weg von diesem Einfall – und der Tatsache, dass ihre Welt und meine Welt für einen Moment ganz etwas anderes verstanden, brachte es mich dazu, diesen Text zu schreiben.

Denn was wir lesen/schreiben/sagen/denken/annehmen/verstehen… ist noch lange nicht das, was die und der andere verstehen.

Und so ist es immer und immer und immer wieder. Und wenn wir die Ideen der anderen verstehen wollen, dann müssen wir ganz genau zuhören, zuschauen, mitfühlen und versuchen, unser Verständnis auch mal hinten anzustellen, um dem der anderen Platz zu machen.

Viel Freude beim Hinhören und anders Denken!

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