Autor: Katharina Bacher
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Wohlwollendes Weinen
„Wann hast du das letzte Mal geweint?“ Bei einem Abendessen mit Bekannten kam plötzlich diese Frage auf. Reihum beantworteten wir diese. Bei manchen war es Monate her, bei anderen einen Tag. Bei mir ist es nie lange her, mein letztes Weinen. Gestern habe ich geweint, weil ich wütend war, zum Beispiel. Weil etwas so ganz… …weiterlesen
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Hier gehts um Menschen.
Fast schon taub streiche ich die Nachrichten vom Bildschirm. Bilder des Schreckens erschrecken mich erschreckend wenig. Videos, in denen Menschen vor Grenzen in Schlangen stehen, machen mich betroffen, doch betreffen mich in meiner kleinen Welt so wenig. Manchmal, da denk ich mir, ob ich mich nicht zu sehr abschirme. Mich zu sehr zurückziehe, mich zu… …weiterlesen
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Friedenkriegen
Ich krieg es nichtIn meinen Kopf Was passiertPassiert istPassieren wird Krieg es nichtÜbers Herz Zu glaubenZu schweigenMeine Augen zu verschließen Krieg es nichtÜber meine Lippen Was ich wirklichSagen willGesagt werden sollte Ich krieg es nichtAus meinem KopfAus meinem Herzen Und stell mir vorWie sie wärDiese WeltIn der wir alle Frieden kriegen. …weiterlesen
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Gegengewicht
Ich bin eine Verfechterin der Leichtigkeit. Liebe das Leichte, bin leicht, will Leichtes und strebe die allgemeine Leichtigkeit in meinem Leben an. Ich bin eine Verfechterin der Leichtigkeit. In guten wie in schlechten Zeiten, in Hochs und Tiefs und irgendwo dazwischen. Nun ist es so, dass ich meine Meinung etwas beuge. Meine Ansicht etwas verändere… …weiterlesen
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Du roter Faden
Vergiss nichtdass der rote Fadenden du suchstund suchstund suchstund vielleichtfindestimmer du bist. Der rote Faden,der du warstder du bistder du sein wirstin deinem Leben. Der rote Fadender seine Richtung ändertder sich verheddertder sich verknüpftsich durch das kleinste Nadelöhr windetder sich eindrehtseine Farben ändertverloren scheintdieser rote Fadenbist duin deinem Leben. Vergiss nichtdass allesdas du bistund tustund… …weiterlesen
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Pizzaparterschaft
Ich beobachte dich. Sehe, wie du gekonnt das Mehl in die Schüssel leerst, das Öl darüber tropfst und das Salz zwischen Zeigefinger und Daumen über die Mehlmasse priselst. Ich stehe vorm Kochtopf, werfe Knoblauchstückchen ins heiße Öl und gebe einen Rosmarinzweig dazu. Ein feiner Duft verbreitet sich. Ich füge die Tomatenstückchen dazu und ein lautes… …weiterlesen
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Wachsam wachse(i)n
Wachsam. Wachsein.So wirklich wach.Aufnahmefähig und aufnahmebereit.Bereit für die Welt.Wach. Ich liebe ihn, diesen Zustand, den ich mit Wachheit beschreibe. Es ist dieser Zustand, der es mir erlaubt, die Welt, meine Gedanken und mein Leben ganz nahe, in all seinen Formen und Farben zu sehen, wahrzunehmen. Es ist dieser Zustand, den ich manchmal herbeisehne, den ich… …weiterlesen
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Dieses Telefonieren
Ich bin leidenschaftliche Sprachnachrichtenverschickerin – gerne auch länger, als Telefonate oft dauern würden – versende Textnachrichten, auch einfach mal so und melde mich auf Nachrichten, so gut es geht, recht zeitnah zurück. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich ein Telefoniermuffel bin. Eine nicht abhebende, zu spät zurückrufende und auch nicht wirklich einfach zu erreichende… …weiterlesen
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Gesichtergestalten
Ich male diese Gesichtergestalten und habe mich so lange zurückgehalten, habe mir gesagt: Ich kann das nicht.Hab geglaubt, dass das nur was für andere ist.Hab mich zurückgehalten beim Malen und Zeichnen, hab mir gesagt: Ich hab nicht mal meinen eigenen Stil. Wo will ich denn damit bloß hin? Obwohl ichs gerne könnte und täte und… …weiterlesen
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Gütiges Schreiben
Ich beginne die Seite mit folgendem Satz: „Lasset die Spiele beginnen.“ Und nicht in diesem Moment, nein, es ist der nächste – beginne ich wirklich, wahrhaftig, mit mir selbst zu spielen. Schreibend spiele ich mich von Wort zu Wort, von Satz zu Satz, von Seite zu Seite. Spielend schreibe ich mich freier. Ich spiele dieses… …weiterlesen
