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∆ Räume ∆

Immer, wenn ich Ideen für meinen nächsten Text habe, sammle ich sie in meinem Kopf so lange, bis mir ein passender Überbegriff einfällt. Ein Titel, ein Bogen, der alle Geschichten mit einschließt. Und dieses Mal ist es “Räume”.

Stadtraumgestempel

Interessant, weil irgendwie alles als Raum gesehen werden kann. Ich bin in einem anderen Lebens-Raum, bewege mich aus meinem Komfort-Raum ganz oft nach außen, lerne neue Welt-Räume kennen und durch meine Sprache und die Begegnungen hier öffnen sich neue Denk-Räume.

Ja, so weit geht dieses Thema. Und damit wir alle schön (schwebend) am Boden bleiben können, werde ich euch von ganz angreifbaren, echten Räumen erzählen. Und bereits wenn ich das ausschreibe, merke ich, dass die Räume, von denen ich gleich schreiben werde (WIE LANG DAUERT DIESE EINLEITUNG BITTESCHÖN NOHOCH??), doch vielleicht auch imaginäre sind.

Wasserräume am Rio de la Plata

So. Los gehts.

In der letzten Woche war ich zum allerersten Mal in meinem ganzen Leben (HAAA SIE FORMULIERT SCHON WIEDER SO UM DEN BREI HERUM) in einem “Escape room”. Diejenigen unter euch, die sowas schon mal gemacht haben, können jetzt weghören (WIE? WEGHÖREN? WEGLESEN? ABER DANN WEISS ICH JA NICHT, WO ICH WIEDER WEITERLESEN SOLL? ACH, EGAL. ICH LES EINFACH WEITER.)

Ein “Escape room” (zu Deutsch: “Ich will hier raus – Zimmer”) ist ein Spiel für Erwachsene. Man wird in einen Raum eingesperrt und hat 60 Minuten Zeit, die passenden Schlösser und Schlüssel, Codes und Kombinationen, Lösungen und Clues zu finden, um die verschlossene Tür aufzusperren. Klaus, unser Trophobiker, hätte hier wohl keinen Spaß. Die ganze Sache ist natürlich sicher, und es gibt einen Notfallknopf für den Fall des Falles (falls zufällig jemand fällt). Aber wie gesagt, eigentlich geht es in diesem Spiel darum, kniffig und geschickt – und vor allem gemeinsam in einer Gruppe – Rätsel zu lösen.

Eze, ich und Gasti

Wir waren mit einem Freund von Gastón und dessen Brüdern und es war so ein Spaß! Wir waren in einem “Hotelzimmer” und erst nachdem wir die Karte zum Aktivieren des Lichts gefunden haben, konnten wir mithilfe der anderen Hinweise durch einen Luftschacht in den anderen Teil des Spielhotels krabbeln, um dort Hinweis für Hinweis zum Ausgang zu gelangen. Nach einer halben Stunde haben wir gemeinsam alles gelöst und waren fast ein bisschen traurig, dass es schon aus war. Ich werd auf alle Fälle wieder mal zu so einem Spiel gehen, hab schon gesehen, dass es da daheim auch welche gibt! Juhu!

Hier nach getaner Arbeit: die drei Brüder und wir

Die nächste räumliche Geschichte hat sich auch letzte Woche zugetragen. Ich hab ja von diesem pädagogischen Vortrag erzählt und durch geschicktes Networking hab ich den Kontakt von der Leiterin eines Kindergartens und einer Volksschule bekommen. Und die haben Gastón und ich letzte Woche besucht.

Und jetzt stellt ihr euch bestimmt die Frage, was das mit Räumen zu tun hat. (NAJA, SO SCHWIERIG IST DIESE FRAGE NUN AUCH WIEDER NICHT. IN EINER SCHULE WIRD ES WAHRSCHEINLICH RÄUME GEBEN…). Ja, aber was für Räume! Das ist nämlich wirklich anders als alles, was ich an Pädagogik bisher gesehen habe.

Pädagogisch wertvoll aufgeregt

Die Schule ist die erste Reggio-inspirierte Schule Argentiniens. Reggio-Pädagogik ist eine Form des offenen Unterrichts, der Selbstbestimmung, der Partizipation, des Miteinanders. Reggio-Pädagog*innen sehen den Raum als dritten Erzieher und dementsprechend werden die Räume auch gestaltet und genutzt.

Das Atelier, das durch ein riesiges Fenster gleich beim Eingang immer sichtbar ist, der Hof, der mit einem kleinen Garten und einem großen Baum zum Verweilen einlädt. Die Räume, die wir auf unsere Tour durch die Schule sehen durften, waren voller Leben und voller Liebe zum Tun.

Una cosita de Austria en Baires? Increíble!

In einem wurde Akrobatik mit Literatur einstudiert. In Gruppen wurden zu Texten akrobatische Nummern eingeübt. In einem anderen wurde aus Holzresten und anderem Material geschraubt, gesägt, gehämmert und gebaut.

Die Lehrerin, die uns durch die Schule geführt hat, hat immer wieder von den “Sprachen” gesprochen, die die Kinder an zwei Tagen der Woche wählen dürfen. “Sprachen” sind im Fall dieser Schule alle Fächer und Fachbereiche, die angeboten werden. Und so können die Kinder selbst mitbestimmen, was sie interessiert, wo ihre Talente liegen und was sie im Moment gerade wichtig finden. Hier gibt es einen Text, wen es interessiert:

Apropos Moment: Ein Satz, der mich im anschließenden Gespräch mit der Leiterin der Schule sehr berührt hat war folgender: “Wir bereiten die Kinder hier nicht auf die Zukunft vor. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Was wirklich wichtig ist, ist die Gegenwart.” Und dass das nicht höchsten Grades zukunftsorientiert ist, bezweifle ich.

Es macht so viel SINN, Kinder in dem zu stärken, was sie in der jeweiligen Zeit gerade gut können und mögen. Es macht so viel SINN, Kinder als Teil der jetzigen Gesellschaft zu sehen und sie auch so zu behandeln (Thema Demokratie und Partizipation und so). Es macht auch so viel SINN, ein Miteinander zu pflegen, das viel harmonischer, wertvoller, wertschätzender und letzten Endes auch ertragreicher ist, als jeglicher Ellbogenkämpfereiblödsinn.

Ja, auch das macht viel Sinn – Blumen im Wind zu beobachten

In dieser Schule war ich auf so vielen Ebenen berührt. Immer wieder hatte ich Gänsehaut, wenn wir über die Philosophie der Schule gesprochen haben. Wenn ich die Kinder gesehen habe, die voller Eifer an ihrer Sache gewerkelt haben oder wenn ich daran gedacht habe, dass ich ja gar nicht so weltfremd bin mit meiner Einstellung, wie Pädagogik/Erziehung/Schule/Unterricht auch sein kann.

Ich bin so froh, das alles mit meinem Blumenmenschen zu teilen (so hab ich ihn noch nie genannt, werd ich auch nie. Aber weil eine Blume im Hintergrund zu sehen ist, hab ich mir gedacht, ich schreib Blumenmensch. (JA WIR VERSTEHEN!)

Die vielen Abers, die vielleicht in manchen Köpfen nun auftauchen, kann ich natürlich nicht alle beantworten. Weil ich sie nicht kenne. Aber ich kann mit großer Gewissheit sagen, dass es wenig Sinn macht, gleichförmig denkende Schafe, die nicht wissen, in welche Richtung sie laufen sollen und so dem lautesten Schafanführer nachrennen, heranzuziehen.

Dass es jedoch großen Sinn macht, das Leben in der Schule mit dem Leben außerhalb der Schule verschmelzen zu lassen. Dass es großen Sinn macht, Kinder und ihre Ideen ernst zu nehmen. Und dass es riesengroßen Sinn macht, Lernen als etwas Fruchtbringendes anstatt etwas Furchtbringendem zu sehen (Und diese zwei Worte unterscheiden sich nicht nur aufgrund der Position des “t” meilenweit voneinander…).

(Apropos Früchte – hier bin ich auf einem Selbstversorgungstrip)

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Es gäbe noch so viel zu sagen, doch das führt in diesem Rahmen zu weit. Ich habe mich so verstanden gefühlt in dieser Schule, auch, wenn ich die “Sprache Sprache” nicht wirklich spreche. Ich habe meine Ideen in einer manifestierten Form wiedergefunden und so auch den Mut geschöpft, meiner Vision zu folgen. (WELCHE VISION? HABE ICH ETWAS VERPASST?!) Nein, keine Angst. Davon hab ich hier noch nicht geschrieben. Das ist ein längeres Thema, nur so viel kann ich verraten: Ich weiß, dass ich einen RAUM gründen/haben/führen/gestalten/ermöglichen/eröffnen/… werde, in dem es Raum gibt (HACH, DIESE WORTSPIELEREIEN) für Kreativität in jeglicher Hinsicht – und der wird bestimmt nicht zu einem “Escape room”, sondern eher zu einem “enjoy room”.

Wann, wie, wo – das wird sich auftun.

(Im Video seht ihr auch so einen “Enjoy room” – selbstgedrehte Musik im Kulturzentrum Recoleta)

[wpvideo S8Ism9lq ]

Jetzt hab ich bei all der T-räum-erei gar nicht erzählt, dass wir auch unseren Buenos Aires Raum erweitert haben: Am Samstag waren wir in einem wunderwunderschönen Naturschutzgebiet, haben die Ruhe genossen und Vögel beobachtet. Und gestern waren wir in Recoleta, einem der feinsten Bezirke der Stadt – die Häuser wie in Paris, schöne, große Parks und ein beeindruckender Friedhof, der zum Staunen einlädt.

Huhuu diese Totenhäuschen – manche waren so groß, dass eine vierköpfige Familie darin lebend wohnen könnte…
Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal

• K •

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∆ Von heiligem Wasser, sexueller Erziehung und anderen Aktivitäten ∆

Das nenn ich mal einen Titel! Muss schon sagen, da übertreff ich mich selbst mal wieder.

Stets zu meinen Diensten!

Ich kann euch von dieser Woche so viele Dinge erzählen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Am besten am Anfang. Das macht Sinn.

Die berühmten Steineier von Buenos Aires

Also am Ende des letzen Blogeintrags hab ich ja geschrieben, dass wir zu einer Comicconvention fahren. Und da beginnt auch schon das erste Abenteuer dieser Woche.

Demi (ein Freund von Gastón, in dessen Wohnung wir über meinen Geburtstag bleiben durften) arbeitet als Sprecher für Werbungen und Cartoons – unter anderem für einen, der unter der jungen Bevölkerung Argentiniens sehr bekannt ist. Er ist die Stimme des Hauptcharakters und ist daher zu dieser Comicmesse eingeladen worden, um Autogramme zu geben und von seiner Arbeit als Sprecher zu … sprechen.

Die berühmten Cartoonstars von San Nicolas

Und wir haben uns diesen Spaß natürlich nicht entgehen lassen und sind mit ihm in eine kleine Stadt ca. 3 Stunden westlich von Buenos Aires gefahren. Im Auto mit Mate und lauter Musik sind wir so durch die Pampa gefahren. Und noch nie in meinem Leben hat dieser Satz auch geografisch so viel Sinn gemacht! Die Pampa ist eine Landschaftsform, die geprägt von weiten (endlosen) Wiesen, sattgrünem Gras und Pferden bzw. Kühen ist, die sich darauf tummeln. Wunderschön! Und so anders, wenn am Ende der Weite keine Berge zu sehen sind!

In San Nicolas waren wir dann wie gesagt auf der Comicmesse, ein höchst schräge Angelegenheit für mich als Comicnokerbatzi. Aber gut, Erfahrungen sind ja da, um gemacht zu werden. Viele Leute waren verkleidet, es gab auch die professionellen Verkleideten, die als Star Wars oder Predators (habe ich vorher nicht gekannt, geb ich zu) ihre Show gemacht haben.

Ein berühmter Predator (beim Verlassen des Klassenzimmers – er hat wohl was angestellt…)

Nach der Show von Demi und Agustina (das ist die Kollegin, die das Mädchen in der gleichen Serie spricht), gab es noch Autogramme und danach sind wir ab in die Stadt, haben Pizza gegessen und uns am Hauptplatz mit uns selbst amüsiert.

Was für ein spontaner Schnappschuss!

Am nächsten Morgen sind wir dann los um * tamtatatataaaam* heiliges Wasser zu schlürfen. (Darf man das so überhaupt sagen? Ist das nicht schon Blasphemie? Ich weiß es nicht, aber was wir dort aufgeführt haben, war wahrscheinlich nicht ganz heilig…). Wir sind also zu dieser Kirche, in der im Keller eine Quelle mit einem Brunnen ist, in der durch einen Lichtstrahl die Heilige Maria erschienen ist.

[wpvideo XbM7gZz2 ]

Die heiligen Matefreunde

Und wenn ich das so schreibe, dann schüttle ich bereits meinen Kopf. Ich bin für so etwas ja gar nicht zu haben, Gastón und Demi haben ein paar (geheime) Videos in der Kirche gemacht, dann sind wir aber schnell raus. ABER und das ist ja gut, wenn es gläubigen Menschen hilft, dann ist das ja gut. Wir haben an der Zapfstelle eine Flasche heiliges Wasser mitgenommen, das wirklich gut geschmeckt hat und sind dann am Heimweg wieder mit Mate und diesmal noch lauterer Musik heimgedüst. Stoppgemacht haben wir bei einem Bauernstandl neben der Straße, haben Früchte gekauft und uns des Lebens gefreut.

Die heiligen Wasserhähne

An diesem Wochenende hab ich mit Gastón und Demi so viel gelacht, und mich selbst auch so lustig gefunden, was mich natürlich noch mehr zum Lachen gebracht hat. Im Auto hinten drin hab ich dann festgestellt, dass ich es liebe, mit Menschen unterwegs zu sein und kleine Abenteuer zu erleben (oder uns selbst welche zu machen), die so auf einer Wellenlänge mit mir sind. Zufrieden und sonnenverbrannt, aber mit einer Flasche heiligen Wassers sind wir am Montagabend wieder in Martinez angekommen.

[wpvideo grbFLt8C ]

Am nächsten Tag haben wir einen Trip in die Hauptstadt gemacht, um Schobi zu treffen. Einen guten Freund von Maxi und mir und unserer Familie überhaupt. Der ist mit seiner Freundin, die hier ein Auslandssemester gemacht hat, am Herumreisen und da haben wir uns getroffen, sind durch wunderschöne Parks geschlendert, haben die Farben der Papageien bewundert und natürlich Mate getrunken. Das Gefühl von Heimat und Zuhause hat sich beim Ratschen und Reden in mir ausgebreitet und es hat auch so gut getan, meine Erfahrungen mit Leuten, die aus dem gleichen Land kommen, zu teilen.

Hier gemütlich im Papageienpark

Die Liste der Aktivitäten hört aber nicht auf, nein, nein! Wie gesagt, diese Woche war vollgepackt damit! Am nächsten Tag hab ich mich mit Luli, einer Freundin von Denise getroffen. Die hab ich in Berlin kennengelernt und gemeinsam sind wir in den Park gegangen, haben Stempeln geschnitzt und einem Dudelsackspieler zugehört. So einer feiner Nachmittag und auch mal schön, was alleine zu machen (Thema Unabhängigkeit und so).

Kreativeln in einem anderen Park

Der nächste Tag hat mit einem ganz besonderen Termin auf mich gewartet: Ich hab eine kleine, deutschsprachige Spielgruppe hier um die Ecke besuchen dürfen. Die haben wir zufällig beim Spazieren entdeckt und daraufhin hab ich Kontakt aufgenommen und sie haben mich eingeladen.

Das Haus ist ein kleines Wohnhäuschen und bereits beim Eintreten hab ich das wohlige Gefühl von Kinder-Leben gespürt. Ein kleines Mädchen ist gleich zu mir gekommen, hat mich umarmt, “hola” gesagt und ist dann wieder abgezischt. Ich hab den ganzen Vormittag dort verbracht und mitgespielt, getanzt, am Boden gesessen, beobachtet, gemalt, Musik gehört, Bücher angeschaut und die Energie von 2-Jährigen genossen.

Das ist nicht die Spielgruppe, sondern ein Haus, das ich gerne kaufen würde

Die Pädagoginnen sprechen Deutsch mit den Kindern, die Kinder antworten meist auf Spanisch. Ich hab nicht so viel verstanden, weil es mir echt schwergefallen ist, bei einer piepsigen Stimme und abgelenkt vom kleinen, so lieben Gesichtchen auf die Sprache zu achten. Am Ende hab ich noch ein kleines Lied mit ihnen gesungen und gesagt, dass ich sehr gerne wieder kommen möchte.

Ich bin auch mit der Leiterin im Kontakt, sie hat mir am nächsten Tag geschrieben, dass die Kinder schon gefragt haben, ob “Catalina” heute wieder kommt. Ach, wie schön! Erfüllt und voller Ideendrang bin ich nach Hause, hab Gastón meine Pläne von der Arbeit mit kleinen Kindern erzählt und mich gefreut, dass ich den ganzen Vormittag von so feinen Wesen umgeben sein durfte.

Auch so ein feines Wesen, dieser Gastón

Am Freitag hab ich dann ganze zwei Stunden mit meiner Familie videotelefoniert und das hat so so gut getan. Alle waren da, alle versammelt vorm Handy. Alle haben ihre Geschichten erzählt und ich hab mich ihnen so nahe gefühlt. Es tut so gut zu wissen, dass ich euch habe und so wichtig bin. Danke Papa, Mama, Alex, Maxi, Raphael und Marla. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich euch manchmal vermisse. Und wie warm es mir ums Herz wird, wenn ich daran denke, dass ich so ein unglaublich großes Glück habe, Teil dieser Herzensfamilie zu sein.

Ich geb zu, heute sind meine Fotos etwas aus dem Kontext gerissen – aber teilen möcht ich sie trotzdem mit euch 🙂

Am Freitag waren wir bei der Präsentation eines Buches über sexuelle Erziehung. Dieses hat die Mama eines guten Freundes von Gastón geschrieben, und die beiden haben den Abend gefilmt und ich hab mich ins Publikum gesetzt und genossen, an so einer Veranstaltung teilzuhaben. Alles hab ich natürlich nicht verstanden, aber die Kernpunkte möcht ich gerne mit euch teilen.

Hier in San Nicolas am Fluss Paraná

In Argentinien gibt es, wie erschreckenderweise in ganz vielen Teilen der Welt, eine starke Bewegung der konservativ Rechten. Und diese sind unter anderem gegen die sexuelle Erziehung im Kindergarten, weil sie finden, dass wir Kinder dadurch zeigen, homosexuell oder transgender oder pervers oder wasauchimmer zu werden. Dass wir durch die Erziehung zu selbst- und körperbewussten Menschen die Gesellschaft in eine falsche Richtung bringen.

Jacaranda – der Baum, der gerade in der ganzen Stadt seinen Blütenteppich auslegt

Das andere Extrem ist, dass Kinder nicht mehr berührt werden dürfen, keine Umarmungen, kein Windelwechseln etc., weil das die Integrität der Kinder einschränken würde.

Und dieses Thema nimmt dieses Buch auf und zeigt in Projekten und Ideen für Familien, wie es gehen kann, dass ganzheitliche sexuelle Erziehung von jungen Kindern Zärtlichkeit braucht. Dass Umarmungen nicht Umarmungen sind. Und dass ein Miteinander wichtig ist, wenn wir eine Gesellschaft mit kritischdenkenden, selbst- und körperbewussten Menschen wollen, die ihre Grenzen kennen und die Grenzen der anderen respektieren.

Und dasss iss dass Pla-ne-ta-ri-un (bitte mit lustiger Wisperstimme lesen)

Viele Leute waren anwesend, viel Interesse wurde gezeigt. Das Buch ist natürlich auf Spanisch, aber ich hab mit Santis Mama gesprochen, dass ich das Buch trotzdem gerne haben würde, um die Ideen und Gedanken nachlesen zu können. Und ich vertraue meinen Spanischsynapsen, dass die sich immer mehr und mehr bemühen, mir das Verstehen der Inhalte zu ermöglichen.

Im Anschluss gab es noch ein Konzert von drei Tango-Musikerinnen, ich hab mich wie in einem Film gefühlt. Und was mich berührt hat, ist die Tatsache, dass ich gerade hier bin und so tief in diese Kultur eintauchen darf: Diskussionen über Politik und Erziehung, Musik, die das widerspiegelt, was viele Menschen fühlen.

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Und heute hatten wir einen feinen Familiensonntag bei Gastóns Bruder daheim – bei selbstgemachter Pizza, Eis in 250g-Portionen und einem 3D-Drucker haben wirs uns bei ihm im Patio (das ist der Hof, der im oder zwischen oder vorm Haus ist) gemütlich gemacht! So ein feiner Tag!

[wpvideo SDrt5baf ]

Herrrlich! Ananas, Himbeere und Zitrone mit Schokostücken, geliefert mit Nüsschen zum Verzieren

Diese Woche war wirklich gut. So viele Aufs, so viele bereichernde Momente. Ich bin dankbar für alles hier. Und was ich auch gemerkt habe: Ich darf manche Ideen und Vorstellungen einfach loslassen. Ich muss hier nichts. Weder tun, noch erledigen, noch erleben. Ich bin hier und alleine dadurch tut sich schon so vieles in mir.

[wpvideo QAgR9O6g ]

achtsam · allgemein · reisend

∆ Aufs und Abs ∆

Reisen ist immer schön. Immer entspannend. Immer voller Freude und voller guter Momente. Es ist immer einfach, weil es ja keine Regeln und keine Vorschriften gibt.

Hier glücklich in einer Spielzeugausstellung

So sieht es auf den Fotos aus, so sind die Reisegeschichten meistens. Und ich werde heute und jetzt etwa zugeben: Das ist nicht so. Reisen ist auch anstrengend, nicht schön und nicht immer voller Freude.

Hier immer noch ziemlich glücklich, allerdings im falschen Moment fotografiert – mit Gastóns Freund Gaspar waren wir am Fluss, Mate trinken und übers Leben reden

Ich habe in den letzten Wochen einige Auf und Abs erlebt. Und davon werd ich euch jetzt berichten.

Also die Abs. Hu. Ich sags euch. Es ist anstrengend, die Sprache des Landes nicht zu sprechen. Ich kann nicht sagen, was ich brauche oder will, kann meine Ideen nur schwer teilen, kann zuhören, aber nicht wirklich antworten. Natürlich, ich verstehe immer mehr, darauf bin ich wirklich stolz – noch nie in meinem Leben habe ich eine Sprache so in der Praxis gelernt. Ich konnte bei den anderen Sprachen zumindest einige grammatikalische Strukturen und Muster. Und jetzt sitz ich hier, brauche lange, um einen Satz herauszubekommen und fühl mich dabei manchmal einfach überfordert und entmutigt.

Alles ist ein Prozess und ich merke natürlich, dass es in eine gute Richtung geht, aber – und das muss ich leider zugeben – meine Ungeduld trägt nicht zu meiner Zufriedenheit bei. Gastóns Eltern sind so geduldig mit mir, erzählen mir so viel und freuen sich jedes Mal, wenn ich etwas mehr verstehe. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Aber wenn ich dann wieder mal nicht sagen kann, weil ich die Wörter noch nicht habe, oder zu schüchtern bin, dann ist das ziemlich frustrierend.

Gastóns Mama hatte zwei Tage nach mir Geburtstag – hier feiern wir gemeinsam mit zwei Kuchen und lustigen Kerzen

Ein weiteres Ab, das ich hier gerade spüre, ist Abhängigkeit. Es ist wunderschön, dass Gastón sich um mich kümmert, er macht das wirklich gut und mit ganzem Herzen. Und dieses auf-ihn-Verlassen macht mich natürlich in gewisser Weise abhängig von ihm. Er wirds schon richten, er wirds schon übersetzen, er wirds schon lösen. Ich verlasse mich auf ihn und er übernimmt ganz viele Aufgaben hier – für uns beide. Und damit versetze ich mich selbst in eine Abhängigkeit, die ich nicht mag. Natürlich ist es schön, wenn alles für mich gelöst wird, aber meine Komfortzone verlasse ich dadurch nicht. Ich merke das erst, wenn ich zwider werde, obwohl doch alles für mich einfach sein sollte. Und wenn ich dann gemein werde, weil alles für mich gemacht wird, merke ich, dass ich mich in einem Zustand befinde, den ich war nicht so gerne mag, der aber jetzt in dieser Zeit gerade Realität ist. Dass das nicht für immer anhalten wird, ist klar. Dass dieser Moment auch nicht das ganze Leben ist, das darf ich dabei lernen.

Das Zusammenleben mit einer Familie, die einen eigenen Rhythmus hat, hat seine wunderschönen, aber natürlich auch intensiven Seiten. Ich mag Gastóns Eltern von Herzen gern, sie sind so zuvorkommend und lieb und geduldig und verständnisvoll zu und mit mir. Ich bin so so dankbar, dass ich sie kennenlernen darf. Und manchmal merke ich einfach, dass ich durch meine bisherigen Erfahrungen auch mal keinen Rhythmus oder eben meinen eigenen Rhythmus leben möchte. Und das ist in diesen Umständen nicht so leicht.

Apropos Rhythmus – hier in einem der feinsten Buchläden, die ich je sehen durfte

Gastón und ich haben das letzte Wochenende – inklusive meinen Geburtstag – in der Wohnung eines Freundes verbracht und das hat uns so richtig gut getan. Wir hatten unseren eigenen Rhythmus, haben getan und nicht getan, was wir (nicht) wollten und gemerkt, dass wir sehr bereit sind für das Leben zu zweit gemeinsam an einem Ort. Es ist natürlich anders, einen Raum oder eine ganze Wohnung ganz für uns alleine zu haben. Ich kann mich im Haus überall frei bewegen, natürlich! Aber es ist halt einfach nicht mein Haus und das ist auch ok so. Wir haben am Ende des Wochenendes festgehalten, was uns so gut tut und sind draufgekommen, dass wir das ganz einfache und leise Leben gemeinsam so genießen. Wenn wir Musik hören, Kuchen backen und zusammen alleine sein können, dann sind unsere Wohlfühlbedürfnisse weitgehend gedeckt.

[wpvideo aRkfpcx1 ]

So fein! Das ist die Geburtstagswohnung hier mit Lichterkettengemütlichkeit

Eine weitere Sache, die einige Tränen mit sich bringt, ist, dass ich einfach manchmal gern Zuhause wäre. Mit meiner Familie einen gemütlichen Sonntag zu verbringen, die Sprache sprechen, die ich am besten verstehe und die kleinen (kulturellen, familiären, alltäglichen) Zwischendinge ohne Nachdenken und Nachfragen einfach mitzuleben. Das wünsche ich mir manchmal und das ist auch das, worauf ich mich so freue. Ich weiß, dass ich (quasi) mein ganzes Leben daheim war und auch mein kommendes Leben (ach, ich schreibe, als gäbe es mehrere Leben!) daheim sein kann. Ich weiß auch, dass ich jetzt in diesem Moment hier bin und alles aufsaugen soll, was ich aufsaugen kann. Aber ich gebe es zu: Manchmal wärs so schön, wenns einfach einfach wäre. Und Bekanntes ist einfacher. Zumindest von weit weg.

Und was als “ach so interessant” und “wichtig für die Erweiterung der Blickwinkel” angesehen wird, kann manchmal einfach ermüdend und aaaanstrengend sein: kulturelle Unterschiede. Wie oft ich Sachen einfach nicht verstehe, anders interpretiere oder mache, weil ich in einer anderen Kultur aufgewachsen bin! Ich sehe so viele Gemeinsamkeiten und trotzdem komme ich immer wieder zu dem Punkt, dass ich etwas nicht verstehe – und da red ich jetzt nicht allein von der Sprache – und komplett anders aufnehme, als es intendiert war.

Zum kulturellen Unterschied noch ein Foto: Das ist der Altar von einem Gaucho (Gauchito Gil, falls wer recherchieren mag) – eine Opferstätte, zu der Menschen tagtäglich ihre Opfergaben bringen

Das mit dem Unterbrechen hab ich euch ja schon gesagt. Aber da gibt es noch eine Sache, die mich fürchterlich ärgern kann (wenn ich im richtigen – also eigentlich falschen – Gemütszustand bin): das komplett andere Einschätzen und Einteilen von Zeit. Wenn wir sagen, dass wir in einer Viertelstunde etwas machen, dann bin ich in einer Viertelstunde fertig. Weil ich ja weiß, dass wir was machen und ich ja antizipieren kann, wie lange ich für gewisse Dinge brauchen werde.

Das ist hier nicht so. “Wir essen gleich” heißt bei mir: Wir essen gleich. Dass das dann aber bis zu zwei Stunden dauern kann, verstehe ich schlichtweg einfach nicht! Es ist wirklich so: Ich verstehe es mit meinem Verstand nicht! Wenn ich sehe, dass alles halbfertig ist, dann kann ich doch cirka einschätzen, wie lange das Essen (das Zusammenrichten, Duschen, der Weg irgendwohin, etc. – die Liste ist lang) dauern wird. Oder etwa nicht? Das macht mich manchmal fertig. Und ganz huschig. Und dann trägt das nicht grade zur Harmonie bei.

Der trägt allerdings sehr zur Harmonie bei! Die Streusel wollte ich unbedingt haben

Ich lerne immer mehr, mich einfach auf Situationen einzulassen. Nehme meinen Block und meinen Stift zum Esstisch, weil ich mittlerweile weiß, dass ich leicht Zeit habe, ein paar Dinge aufzuschreiben oder zu zeichnen. Aber manchmal, da reichts mir einfach und da möchte ich in meinem effektiven Zuhause, umgeben von planmäßigen Abfahrten und verlassenswerten Angaben sein. Aber ja, das ist wohl etwas, das ich hier lernen darf und gezwungenermaßen lernen muss: Geduld.

Das schreib ich dann auf, um von den Abs leichter zu den Aufs zu kommen

Wie ihr seht, sind meine Abs auch mit vielen Aufs gekoppelt. Ich kann das Gute im Unwohlsein herausfiltern, früher oder später. Ich schreibe das alles nieder, weil ich mich und meine Gefühle dadurch besser verstehen kann. Und weil ich es fair finde, auch das zu teilen. Natürlich versuche ich mich auf das Gute zu konzentrieren. Aber manchmal geht das einfach nicht so einfach. Und das ist etwas, das ich lernen durfte. Dass es komplett und vollkommen ok ist, auch mal unten zu sein. Auch mal unzufrieden und zwider und überfordert zu sein.

Und das mach ich hier auch gerne: mit Gastóns Farbenstäbchen aus der Volksschulzeit spielen. Das beruhigt und macht mich zufrieden

Und warum ich das dann alles mache? Weil ich mich wachsen sehe. Ich sehe, wie ich tagtäglich über mich hinauswachse und die Vorstellungen im meinem Kopf umwerfe, zerstöre und anders und neu wieder aufbaue. Weil ich es mag, gefordert zu werden. Weil es für mich dazugehört, einen Weltblick zu bekommen. Weil es für mich wichtig und sehr aufschlussreich ist, dass ich die Kultur, die Familie, das Land, die Leute, aus denen mein Freund kommt, kennenlerne. Weil das Leben – egal, an welchem Ort ich mich befinde – immer wieder Herausforderungen bergen wird. Und weil ich mit diesen Erfahrungen, die ich hier machen darf, mit den Reflektionen, für die ich hier Zeit habe, mit dem Verständnis fürs anders-als-ich-Sein, das ich hier aufbaue, viel mitnehmen kann in jegliche Lebenslagen. Weil ich weiß, dass alles vorbeigeht – das Gute und das Schlechte, weil ich jetzt hier bin und weil ich mich gegen ganz viele Konventionen (in meinem Kopf) daheim durchsetzen musste, um heute hier sein zu können.

Apropos Kennenlernen von Gastóns Herkunft: Hier ein zuckersüßes Foto von ihm! Ich liebe es!

Morgen gehts ab zu einer Comicconvention mit einem Freund von Gastón, jetzt werden wir unsere Serie auf Netflix weiterschauen und nächste Woche darf ich eine Spielgruppe in der Nachbarschaft besuchen. All das und vieles mehr erwartet euch in der nächsten Folge von “Katharina mag das Reisen trotzdem”.

Ich danke euch fürs Lesen meiner Gedanken.

• K •

achtsam · allgemein · reisend

∆ Von den feinen Momenten ∆

Wenn ich von den feinen Momenten schreibe, meine ich zweierlei: Zum Einen die Momente, die gut tun und tief gehen und glücklich machen und einfach fein sind, zum Anderen die Momente, die ihre Besonderheit im Kleinen, im Feinen haben.

Blau blau blau

Feine Momente wahrnehmen und schaffen, das ist gerade meine Devise. Und so bin ich auch auf den Titel dieses Texts gekommen.

Zur ersten Kategorie – den selbstgemachten feinen Momenten – gibt es einiges zu sagen. Die letzte Woche war geprägt von feinen Situationen, Stunden, Tagen. Und diese Momente vermischen sich teilweise mit der zweiten Kategorie feiner Momente.

Am Samstag zum Beispiel waren wir bei dem Konzert einer energievollen, superguten Band: Perotá Chingó. Das sind zwei Frauen aus Buenos Aires, die seit einigen Jahren Musik gemeinsam machen und ich hab zum ersten Mal in Berlin von ihnen gehört. Da hat mir meine liebe Freundin Denise die Band gezeigt und seither hab ich sie immer lautstark gehört. Und zufälligerweise sind die gerade auf Südamerika-Tour und haben in einem Club hier gespielt. Was für eine Freude, solche Musik hautnah zu erleben! Ich hab ein bisschen geweint, weil es mich so berührt hat, dass ich gerade hier sein darf und dass mir so schöne Sachen zukommen.

Hier beim Konzert, bunt und glücklich

Der Sonntag hat gleich nachgelegt mit feinen Momenten – wir waren zu Besuch bei Gastóns Tante und Onkel, haben dort zu Mittag gegessen und ein bisschen über die österreichische Kultur, Politik und was halt hier an Österreich interessant sein könnte, geplaudert. Die feinen Momente zweiter Kategorie – die, die sich zwischen den Zeilen abspielen – waren besonders die Blicke zwischen Gastóns Eltern und mir mit einem Vertrauen und einem Gefühl des Dazugehörens. Bereits nach einer Woche hat sich dieses feine Gefühl herauskristallisiert.

Anschließend haben wir noch eine ganz liebe Freundin von Gastón getroffen – mit der waren wir im Park, haben Mate getrunken und ganz viel geredet. Mate? Was, das habe ich noch gar nicht erzählt? Das Volksgetränk und die große Tradition des Mate in Argentinien! Mate ist ein Teegetränk, das von allen und jederzeit und in allen Umständen getrunken wird. Dabei wird der Yerba (das ist die Pflanze, aus der die Infusion gemacht wird – und es gibt ganz viele verschiedene Sorten) in ein extra dafür vorgesehenes Behältnis gefüllt, fast bis oben voll, danach kommt eine Portion heißes Wasser drauf, dann der Bombilla (das ist ein Strohhalm mit einem Filter unten dran) und dann wird getrunken. Wenn man fertig ist mit der ersten Portion, kommt wieder heißes Wasser drauf und die Tasse wird weitergeben. Und so wird Mate getrunken – meist in einer Gruppe, immer mit einer Thermoskanne mit heißem Wasser. Mate schmeckt – je nach Marke – sehr bis etwas bitter. Für mich gewöhnungsbedürftig, mittlerweile mag ich ihn schon recht gern. Besonders das Ritual gefällt mir so gut!

Hier mit Mate im Park am Fluss

Auch am nächsten Tag haben wir wieder ein Freundin von Gastón getroffen, die hat einen kleinen Sohn und der hat sich – nach kurzen Anlaufschwierigkeiten – so gefreut, dass Gastón wieder da ist. Gemeinsam waren wir am Spielplatz, Gastón und Fermin haben gespielt, Ana und ich haben über Erziehung und Kindergärten und Systeme und das Leben geredet – so ein feiner Nachmittag!

Ein ganz besonderer Tag war der Donnerstag, weil wir da zum ersten Mal ins Stadtzentrum von Buenos Aires gefahren sind und uns dort Zeit genommen haben zum Trudeln und Schlendern. So fein! Und von einer Welt – der Vorstadt, in der wir jetzt leben mit vielen kleinen Häusern und Gärten und wenig Leuten – in die nächste: Großstadtleben mit der weitesten Avenue der Welt, Unmengen an Menschen und Demonstrationen für oder gegen etwas an jeder Ecke, hupenden Autos und Sirenengeheul von den Einsatzfahrzeugen.

Funfact: Ich hab den Obelisk zuerst gar nicht gesehen, hab ihn mir größer vorgestellt. Aber hier pose ich brav als Touristin
Hier mit einer Medialuna – das ist ein kleines Croissant mit Zuckerguss – unglaublich guuuut

Beim Aussteigen aus der U-Bahn ist mit klargeworden, dass ich mich in einer der Metropolen der Welt befinde. Die Häuser, die noch aus der Blütezeit der Stadt stammen, mischen sich mit modernen Geschäften und den Zeichen von Großstadtarmut. Hier am Platz (Plaza de Mayo) vor dem rosaroten Haus, in dem der Präsident arbeitet.

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Das prächtige Haus der Post wurde umgewandelt in ein Kulturzentrum und das haben wir uns näher angeschaut. Beim Betreten hab ich mich gefühlt, wie 200 Jahre zurückversetzt. Die schweren Tische, die hohen Räume, die riesigen Lampen. All das ist erhalten von einer längst vergangenen Zeit. Und direkt daneben befinden sich modernste Kunstinstallationen, ein riesiger Raum, der sich wie schwebend durch die große Halle zieht, Ausstellungen über Musiker, die Geschichte von elektronischer Musik, ein Zelt aus Holz, in dem Klänge und Stimmen gespielt werden. Bunt gemischte Kultur in einem Haus voller Geschichte. Ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Hier im Video seht ihr mich herumsausen unter tausenden von bunten Stoffen, ein kultureller Kindsein-Moment.

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Anschließend waren wir auch noch im chinesischen Viertel – und somit wieder in einer anderen Welt. Dort sind die Straßennamen in Chinesisch geschrieben, die Supermärkte verkaufen Schildkrötenfleisch und die Stimmung fühlt sich an, wie auf der anderen Seite der Welt. Faszinierend! Wir haben uns im Supermarkt eingedeckt mit Linsen, Tofu, veganem Käse und anderen Spezialitäten, die wir nur dort kaufen können. Ein feiner Tag, dieser Ausflug in drei verschiedene Welten.

Darf ich vorstellen: Die Touristin!

Die zweite Kategorie – die feinen Momente, die sich manchmal etwas verstecken und gefunden werden wollen, – tragen sich immer wieder zu, jeden Tag.

Die Momente, die ich besonders fein finde, sind die kleinen Augenblicke, wenn ich beim Abendessen mit der Familie dasitze und beobachte. Wenn Gastóns Mama versucht, mir etwas aus ihrer Kindheit zu erzählen und dann so zu lachen beginnt, weil sie sich an etwas Lustiges erinnert und ich einfach mitlachen muss, weil es so ansteckend ist und auch, wenn ich oftmals nicht alles hundertprozentig verstehe. Oder wenn Gastón seinem Papa etwas erklärt und der ihn mit leuchtenden Augen und voller Stolz anschaut und ihm ganz genau zuhört.

Oder wenn wir zum Gemüsegeschäft an der nächsten Ecke gehen und der Verkäufer am gleichen Morgen Papa geworden ist und wir uns neben der Auswahl an Gemüse und Obst die Babyfotos anschauen. Oder wenn wir im Lebensmittelladen an der anderen Ecke sind und der alte Herr, der seit gefühlten 100 Jahren das gleiche Geschäft hier hat, mich ganz genau anschaut und dann anlächelt, weil ich doch nicht ganz so aussehe, wie die meisten Leute hier und weil ich neu hier bin.

ooh unser Frühstück – das ist auch unglaublich fein!

Das sind feine Momente. Die kleinen Momente zwischen den großen.

Mit Gastón habe ich auch ganz viele dieser feinen Momente – wenn wir uns ein paar Stunden über alles Mögliche unterhalten und gar nicht merken, wie die Zeit vergeht. Oder wenn wir am Fluss sitzen, Mate trinken und über die Zukunft sinnieren. Oder wenn wir auf der Terrasse sitzen und gemeinsam Kinderbücher lesen, damit ich Spanisch lernen kann.

Hier ein Buch über verschiedene Formen von Landwirtschaft, sehr brauchbares Vokabular
Bananicecream – Eis aus gefrorenen Bananen mit Kakao und Lavendel mmmhh

Oder wenn wir mit dem Fahrrad durch die Straßen fahren, den Duft von frischen Blumen in der Nase, auf dem Weg zur nächsten Dietetica. Das sind kleine Läden, die gesunde Lebensmittel nach Kilo verkaufen. Und dort gibts auch immer wieder ien paar Schätze für uns zu finden. Gerade letztens waren wir bei der Dietetica um die Ecke und haben mit der Besitzerin geredet, über Österreich und welche Sprache wir da sprechen und dass Argentinien ja so ein schönes Land ist, wenn man die Wirtschaft nicht bedenkt und dass sie sich freut, wenn wir wieder kommen. Ach, so schön, das kleine Großstadtleben hier.

Das ist zwar im China-Supermarkt, aber so ähnlich schauts in den Dieteticas auch aus, nur in klein

Feine Momente nehme ich auch wahr, wenn ich merke, wie anders mein Blick auf manche Dinge ist. Einfach, weil ich in einer anderen Kultur, in einem anderen Land, in einer anderen Familie aufgewachsen bin. Ich merke, wie normal Dinge hier sind, die für mich einfach gar nicht normal sind. Ein Beispiel, damit ihr euch vorstellen könnt, was ich meine: Wenn hier jemand etwas erzählt, ist es völlig normal, die Person zu unterbrechen und die eigenen Gedanken einzubringen. Dadurch, dass das für mich ein Zeichen von Respektlosigkeit ist, mache ich das selbst auch nicht und fühle mich ein bisschen angegriffen, wenn ich unterbrochen werde. Dass es dabei aber nicht darum geht, wichtiger als die andere Person zu sein, sondern darum, dass das Gespräch lebendig bleibt und andere Sichtweisen eingebracht werden, muss ich erst lernen. Und wie viel ich es dann mag, weiß ich jetzt noch nicht. Ich zucke noch jedes Mal zusammen, wenn plötzlich drei Leute lautstark über drei unterschiedliche Themen reden. Und trotzdem wissen anscheinend alle, worum es geht.

Am Fluss – immer wieder schön

Was für mich auch ganz berührende, feine Momente sind, sind die vielen Nachrichten, die ich von meinen Lieben daheim bekomme. Mit ein paar Leuten tausche ich lange Sprachnachrichten aus, mit anderen Fotos und kurze Ich-denk-an-dich-Nachrichten. Es ist so schön, rundherum so viel ehrliches Interesse und Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich liebe diesen Austausch und fühle so viel Dankbarkeit, dass ich, egal wie weit ich weg bin, Momente des Nahefühlens und Teilhabens erleben darf.

Ich sitze übrigens gerade auf der Dachterrasse, hab mir ein Sonnensegel gebaut, weil es jetzt schön langsam wirklich warm wird und denke an all die feinen Momente, die waren – und auch an die, die kommen werden. Ich schau den Blüten beim Wachsen zu, genieße den Wind und bin so, so dankbar für mein Leben.

Mein heutiger Arbeitsplatz

Ich wünsch euch ganz viel feine Momente – große und kleine.

• K •

allgemein · reisend

∆ FAQ – Häufig gestellte Fragen ∆

Heute darf ich euch etwas Besonderes präsentieren – ich durfte ein Interview machen und kann mir vorstellen, dass euch das auch interessiert!

Hallo und willkommen bei “Große Menschen in großen Ländern”! Heute mit Katharina aus dem kleinen Österreich.

Danke für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute und hier über meine ersten Erfahrungen in Argentinien, diesem riesengroßen Land, zu sprechen.

Eine selbstgestempelte Karte für Gastóns Mama

Der Name dieses Formats lässt es ja schon anmuten: Bist du größer als alle Menschen in Argentinien?

(Seufzt) (lacht) Nein. So schlimm ist es auch wieder nicht. Auch, wenn Gastón mich vorbereitet hat, dass ich die Gringa [Anm: so werden die weißen Europäer*innen hier bezeichnet] sein werde, weil ich so viel größer als der Rest der Bevölkerung sein werde. Dass ich größer als viele Menschen hier bin, das fällt mir zwar auf, aber die Stadt ist so groß, da kann man das nicht verallgemeinert sehen.

Wo bist du denn gerade?

In diesem Moment sitze ich auf meiner Seite des Schreibtischs. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich einen großen Baum und ein paar Häuser. Die Gegend hier ist wunderschön! Ein Vorort von Buenos Aires, eine kleine Stadt, die zur Provinz Buenos Aires gehört: Martinez. Hier leben die Menschen sehr ruhig, viele Häuser mit kleinen Gärten, Lebensmittelläden an fast jeder Ecke, Bäckereien, Gemüseläden und Trafiken.

Der Blick aus dem Fenster

Und wie ist es dort?

Gemütlich! Nicht viel los, aber wenns mehr sein soll, müssen wir nur den Bus nehmen und ein paar Stationen fahren, dann sind wir im Trubel der (Groß-)Stadt. Bisher waren wir nur einmal in Capital, also der Stadt Buenos Aires. Ansonsten haben wir uns hier herumgetrieben, haben viel Familienzeit gehabt und versucht, die Gegend zu erkunden.

[wpvideo GdBlTTF4 ]

In Argentinien ist ja jetzt Frühling, wie kann man sich das Wetter vorstellen?

Ach, diese Frage habe ich bereits einige Male gestellt bekommen. Und ich antworte immer das Gleiche: Es fühlt sich an wie ein schöner Herbst in Österreich. Sobald die Sonne herauskommt, ist es warm, ohne Pullover wird es aber zu kalt. Wenn es regnet, regnet es wie Sau …

Bitte, diese Ausdrucksweise! Ein bisschen gehobener, wenn ich bitten darf.

Naja, wenns so ist. Und meine Leser*innen kennen mich ja. Dadurch, dass ich hier selten bis gar nicht Deutsch spreche, genieße ich diese Ausdrucksweise umso mehr.

Wenn wir schon beim Thema angekommen sind, wie gehts mit der Sprache und der Verständigung?

Immer besser! Also ich verstehe relativ viel, vor allem, wenn ich nur Zuhörerin bin. Wenn ich auf Spanisch antworten soll, werd ich immer ein bisschen nervös. Da Gastón und ich Englisch sprechen, nutz ich das auch als eine Ausrede, aber ich bin gewollt, Spanisch zu lernen. Ich hab mir so eine App runtergeladen und mit der üb ich fleißig. Ansonsten richt ich mir wunderschöne Sätze im Kopf her – und stellt euch vor, manchmal sprech ich diese sogar aus!

Gastóns Papa spricht ein bisschen Englisch, das macht die Verständigung noch einfacher. Seine Mama erklärt mir viele Dinge, ich kann folgen und lerne dadurch immer mehr. Es gibt Momente, in denen merke ich, dass ich nicht wirklich verstanden habe, worum es geht, wenn Gastón und ich danach über etwas sprechen und ich eine komplett andere Geschichte im Kopf habe. Aber gut, ich hab ja Zeit.

Was war denn das bisher berührendste Erlebnis in Buenos Aires?

Für mich war es die Geburtstagsfeier von Gastóns Papa. Die war am Samstag, also zwei Tage nachdem wir angekommen sind. Für mich war es so interessant und auch sehr herzerwärmend, an einem Fest in einer – meiner argentinischen – Familie teilzuhaben. Es wurde gekocht und gegessen, gestritten und gelacht. Wie das nunmal so ist, wenn Familie zusammenkommt. Es war schön zu sehen, wie ähnlich und gleichzeitig komplett anders Familien sein können.

Gastón hat einen Bruder und zwei Schwestern, wobei eine davon weit weg (in Patagonien) wohnt. Die andere Schwester war mit ihrem Sohn hier, mit Gastóns Bruder waren wir vor der Feier noch Geschenke einkaufen – hat sich angefühlt wie Weihnachten. Der Tag hat mich sehr berührt – ich war fremd und zugleich so nahe und wurde von allen mit offenen Herzen angenommen. Aber ich muss zugeben, an solchen Tagen fehlt mir meine Familie daheim sehr (sehr).

Ein fesches Familienfoto – der vordere Kuchen war extra für uns!

Hast du viel Kontakt mit deiner Familie?

Ja, wir schreiben viel und auch das Videotelefonieren klappt ganz gut. Ich bin also am Laufenden, was zuhause passiert und sie wissen auch, was hier so los ist.

Wir haben gesehen, dass du ein Fahrrad hast! Erzähl uns die Geschichte!

(Lacht) Ja, das stimmt. Ach, was für eine Freude! Das Fahrrad haben wir im Keller im letzten Winkel gefunden, es herrichten lassen und dann sind wir gleich ein paar Runden gefahren. Mein Rad ist wunderschön und ich liebe das Gefühl, die Gegend damit zu erkunden. Wir haben gleich einen Ausflug zum Rio de la Plata gemacht, dem weitesten Fluss der Welt. Der schaut aus wie das Meer, ist aber ein Fluss. So schön ist es dort! Da werden wir noch viele Stunden verbringen, das ist sicher.

Mein Raaadl

Wir wissen aus sicheren Quellen, dass du ein Fan guten Essens bist. Welche kulinarischen Erfahrungen hast du bisher gemacht?

Da wir unser Essen meist selbst kochen, ist es nicht so viel anders, als daheim oder auf Reisen. Was aber anders ist, ist das Einkaufen! Ich liebe es, zu Felipe (dem Gemüse- und Obsthändler unseres Vertrauens) zu gehen, und die Lebensmittel frisch einzukaufen. Zugegebenermaßen habe ich das bisher erst einmal gemacht, aber dieses Mal wird sich wiederholen. Ansonsten kocht Gastóns Mama auch manchmal extra was Veganes für uns oder wir gönnen uns irgendwo eine Kleinigkeit. Empanadas zum Beispiel! Ohhh was für eine wundervolle Erfindung! Gefüllte Teigtaschen, liebevoll zusammengeknetet. Oder die Kekse, Vollkornhaferschokolade, die die besten sind, die ich bisher in meinem Leben gegessen habe. Einmal waren wir in einem Teehaus und haben den ganzen Nachmittag über alles Mögliche redend und mit Waffeln und Tee genießend verbracht. Wunderbar!

Mein Lieblingsgemüse hier: Zapallito

Hier die hübschen Kekse – in allen Geschmacksrichtungen

Apropos reden – ihr verbringt jede Minute miteinander, habt ihr da schon noch Themen zum Reden?

Ja, und ob! Dadurch, dass ich Gastóns Vergangenheit jetzt kennenlerne und die Vorstellungen, die ich bisher nur durch Geschichten hatte, jetzt in echte Bilder umgewandelt werden, haben wir so viele Themen zu besprechen. Wir gehen durch Straßen und er erzählt mir, dass das eine Haus sein Kindergarten und das andere die Schokoladenfabrik war. Auch so reden wir viel über die Zukunft, wie wir auf kürzere oder längere Sicht weitermachen wollen. Und das ist sehr beflügelnd, wir haben viele gemeinsame Pläne, viele Ideen und Visionen. Unsere Beziehung wird durch dieses Abenteuer hier auch noch einmal tiefer, was ein wunderschöner Nebeneffekt des Ganzen ist.

Wir am (im) Fluss

Ein runder Abschluss für dieses Gespräch. Gibt es etwas, das es noch loszuwerden gilt?

Naja, wie ich immer zu sagen pflege: Das Leben ist schön! Auch, wenns manchmal einfacher wäre, zuhause im gewohnten Umfeld zu sein und alles so zu haben, wie ich es kenne und mag. Aber dafür bin ich ja nicht hier. Ich lerne und lerne kennen und die Erfahrungen, die ich hier mache, machen etwas mit mir. Das merke ich bereits jetzt, nach dieser kurzen Zeit.

Hier waren wir in einem wunderschönen Naturreservat

Danke für dieses ehrliche Gespräch.

Danke für die Einladung, immer wieder gerne.

——–

Ich weiß nicht, wie es euch beim Lesen gegangen ist – ich habe beim Schreiben immer wieder laut aufgelacht. Ich bin halt einfach lustig. Das muss ich schon zugeben.

Besitos desde Argentina,

• K •

allgemein · reisend

∆ Wasserliebe ∆

Wir sind in Argentinien! In diesem Moment sind wir in Puerto de Iguazú, eine kleine Stadt mit einer riesigen Attraktion: den Iguazú-Wasserfällen. Aber bevor ich darüber schreibe, beginne ich an dem Punkt, an dem wir stehengeblieben sind.

Also. Unsere Zeit in Brasilien ist vorbei. 5 Wochen in diesem unglaublichen und großen Land und wir haben einen Bruchteil dessen gesehen, was es wohl brauchen würde, um das Land zu verstehen. Ich kann schwer sagen, “wie Brasilien ist”. Aber ich kann sagen, dass ich jetzt nach dieser Reisezeit, ganz viele Bilder, Gefühle und Verbindungen zu Brasilien habe. Und das ist wunderbar.

Dieses kleine Freundchen hat uns in Paraty im Garten besucht

Die Strecke, die wir in dieser Zeit zurückgelegt haben, ist klein. Und trotzdem bedeutete es für uns lange (und anstrengende) Wege in Autos, Bussen und Schiffen – und sogar im Flugzeug. Von Rio de Janeiro auf die Ilha Grande, nach Paraty und Ubatuba (einer feinen, mittelkleinen Stadt am Meer mit so so netten Hosts – also einer Familie, die Zimmer vermietet! Was für ein Glück, immer wieder auf Menschen zu treffen, die einfach einfach sind und mit denen das Reden so viel Freude macht!) und von dort auf Umwegen in den Bergen im Bus nach Sao Paulo.

Ja, manchmal ist es anstrengend, dieses Reisen

Eigentlich wollten wir von dort einen weiteren Bus nehmen, der uns zu den Wasserfällen hier bringt – eigentlich. In unserem Kopf eine einfache Vorstellung – auf der Landkarte sind dann aber die Dimensionen sichtbar geworden: Das hätte um die 20 Stunden im Bus gedauert. Unglaublich! So weit und doch ist es “nur” so eine kleine Strecke in diesem riesengroßen Land. Also haben wir ein Flugzeug genommen und sind nach Iguazú auf der brasilianischen Seite geflogen.

[wpvideo 6vmsnmB9 ]

Und das erklär ich euch jetzt nochmal genauer, weil ich es selbst so interessant finde und mir vorstellen kann, dass wenige von euch (genauer) von diesem Fleckchen Erde wissen. Das erste Mal, dass ich von den Iguazú-Wasserfällen gehört habe, war letztes Jahr irgendwann. Gastón hat mir davon erzählt und war wirklich verwundert, warum ich noch nie zuvor irgendetwas darüber gehört, gelesen oder gelernt habe. Die Niagara-Fälle kennt man, die in Iguazú nur, wenn jemand, den man kennt, dort war. So ist zumindest meine Einschätzung.

Rangerin Kathukan mit ihrem Kollegen Ranger Quatiston

Diese Wasserfälle sind in einem Nationalpark, der von zwei Seiten besucht werden kann: der brasilianischen und der argentinischen. Getrennt werden die Länder durch einen Fluss, der praktischerweise eine “natürliche” Grenze darstellt. Zudem liegt diese Gebiet sogar auf der Dreifachgrenze, Paraguay schließt sich hier auch noch noch an. Sehr spannend, find ich.

Auf jeder Seite der drei Länder gibt es so ein Denkmal

Naja und so kommt es, dass wir den Nationalpark zuerst auf der brasilianischen Seite und zwei Tage später auf der argentinischen Seite besucht haben. Und beide Male waren der absolute Hochgenuss an Naturspektakel!

Die brasilianische Seite ist viel größer aufgezogen, mit Warteschlangen beim Eingang, die sich sehen lassen. Aber nach einiger Zeit Warten und einer kleinen Busfahrt zur ersten Aussichtsplattform, zeigte sich die unvergleichbare Schönheit der Wasserfälle. Dieser Moment hat mich so berührt. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas gesehen. Insgesamt sammeln sich ca. 380 Wasserfälle in dieser ganzen Region. Und entlang der Trilha (also des Pfades) haben sich immer wieder Möglichkeiten angeboten, die Wasserfälle von näher oder ferner zu bestaunen.

Hier ein Über-Blick

Am Ende des Weges dann das Highlight: Auf einer Plattform, die direkt über einem der großen Wasserfälle gebaut ist, konnten wir die Kraft des Wassers so richtig, richtig spüren: Klitschnass und voller Ehrfurcht (Alex, das ist es wirklich, was diesen Respekt vor der Natur am treffendsten beschreibt!) sind wir dort gestanden und haben uns des Lebens und dieses wundervollen Ereignisses erfreut.

Wasser Wasser Wasser

Und wie gesagt, zwei Tage und eine kleine und unorganisierte Busfahrt über die Grenze nach Argentinien später, haben wir die Wasserfälle von einer ganz anderen Seite kennengelernt: im Nationalpark in Argentinien. Weniger Disneyland, mehr Nähe zur Natur, so könnte man diesen Park beschreiben. Und das Erlebnis: unbeschreiblich. Und trotzdem versuche ich euch einen kleinen Einblick in das zu geben, was wir erleben durften.

Beeindruckt, glücklich, überwältigt

Gestartet sind wir auf einem Pfad durch den Dschungel, relativ früh am Morgen. Von Vogelgezwitscher begleitet, entlang über Brücken und an interessanten Tieren vorbei (Quati – eine Mischung aus Wasch- und Nasenbär, sehr witzige Tierchen, die sich aufgrund der einfachen Nahrungsbeschaffung immer dort herumtreiben, wo auch Menschen sind – sie fressen alles, was beim Essen runterfällt, oder stibitzen sogar Essen aus den Taschen!) – bis wir uns plötzlich mitten über einem Wasserfall stehend wiedergefunden haben.

Hier ein anderes kleines Freundchen – ein Quati
Unfassbar beeindruckend!

Ihr könnt euch das so vorstellen: Auf der einen Seite befindet sich Dschungel, ein Fluss fließt gemütlich seinen Strom entlang. Umgedreht auf die andere Seite blickend, reißt das Wasser nach unten, meterweit, die Massen scheinen über die Kante hinwegzuschießen, unten brodelt und schäumt es, die Wasserpartikel kommen als Dunst nach oben, bei Sonnenschein entstehen Regenbögen, die Natur zeigt sich in seiner vollen Pracht.

Einer meiner allerliebsten Lieblingsmomente – Regenbogenwassertropfengefühle

Und so geht dieser Pfad weiter – einmal über Brücken und Plattformen den Wassermassen von oben zuschauend, einmal so nahe dran am fallenden Wasser, dass es unausweichlich ist, nass zu werden. Ich sags euch, so so so beeindruckend! Und als würde das nicht reichen, bieten sich so wundervoll schöne Landschaften – Palmen entlang am rostroten Wasser (die Erde hier ist rot), Inseln im Wasser, riesengroße Blätter und das Grün des Dschungels. Oben fliegen die Vögel, herunten spielen Affen miteinander. Ein Naturschauspiel der Sonderklasse!

… wie dankbar ich bin, das erlebt haben zu dürfen

Es gibt einen Teil der Wasserfälle, der wird Teufelsschlucht genannt. Und als wir dort waren, habe ich das auch verstanden: In einem Kreis angeordnet befinden sich die Wasserfälle nebeneinander und das Wasser, das nach unten fällt, kommt in Wolkenform wieder nach oben – wie ein schäumender Vulkan, wie ein Hexenkessel mit brodelndem Inhalt. Und obendrein das Getöse der fallenden Wassermengen. Einer der absolut größten und bleibendsten Eindrücke auf unserer – wenn nicht all meiner – Reisen bisher, die Wasserfälle von Iguazú.

[wpvideo gq8QG9G1 ]

Schaut euch diese Wassermassen an!

Jetzt sind wir wie gesagt noch im Nordteil von Argentinien, in ein paar Stunden geht es auf den Weg nach Buenos Aires, wo ich Gastóns Familie kennenlernen werde. Dort werden wir – so stellen wir uns es jetzt im Moment zumindest vor – auch ein paar Monate bleiben.

Wir sind mittlerweile in Buenos Aires angekommen, Gastóns Eltern haben uns abgeholt – ach, war ich nervös! Aber, alles gut gegangen hab mein Spanisch ausgepackt , ein bisschen was kann ich ja mittlerweile schon sagen. Wir haben dann gemeinsam zu Abend gegessen, mit Gastóns Papa hab ich ein bisschen Englisch gesprochen, was doch noch ein bisschen besser geht, als Spanisch. Ich freu mich jetzt aufs Erkunden der Gegend, es ist wirklich schön hier – in einem Vorort von Buenos Aires, mit vielen Häusern und ganz vielen Pflanzen – und vor allem, dem Zuhause von Gastón.

[wpvideo Nd2jkxx4 ]

Ich meld mich wieder.

• K •

Ach, ich bin so so so dankbar
achtsam · allgemein · reisend

∆ Essenzielligkeiten ∆

Es gibt sie. Und es sind nicht viele. Für alle ein bisschen unterschiedlich, aber irgendwie auch wieder sehr ähnlich. Die essenziellen Dinge, die wir alle machen und brauchen. Die sogenannten Essenzielligkeiten.

Ein Blick beim Spazieren in die Stadt.

Ich denke viel darüber nach, was wir denn wirklich brauchen. So Reisen sind ja bekannt dafür, dass man zurückkommt und sagt, dass man das alles ja gar nicht gebraucht hätte und mit so wenig ausgekommen ist. Ja, das denk ich mir manchmal. Aber Gewand und Schuhe allein meine ich gar nicht. Ich meine das ganz Paket.

Mit wenig auskommen. Ob das jetzt im Haus ist oder beim Reisen. Zu-hause oder unter-wegs. Und es geht auch nicht um den minimalistischen Touch per se. Es geht nicht darum, einfach weniger zu haben und zu tun. Es geht bei diesem – meinem – Gedanken darum, die essenziellen Dinge herauszufiltern in der Menge der Dinge, die wir haben und brauchen und tun und sind.

Hier ein Ausblick aus einem Buchcafé. In brasilianischen Farben.

Diese Essenzielligkeiten, was meint sie nun genau damit, werdet ihr euch jetzt bestimmt fragen. Ich denke dabei an ganz basale Dinge, wie Luft und Wasser und Sonne und Nahrung. Und so banal das jetzt auch klingt – diese Dinge sind so, so wichtig für uns. Für mich.

Luft und atmen erinnert mich ganz besonders an die Städte, die wir bisher bereist haben. Das fällt mir dort nämlich schwer. Und gute Luft zu atmen ist sehr essenziell. Es schafft Raum und macht frei. Frische Luft zu atmen – ob das im Dschungel, am Meer oder am Balkon mit Blick auf die Berge ist, ist wichtig für mich.

Das Meer, die Luft, der Nebel. So wohltuend.

Wasser trinken und darin sein und Wasser auf der Haut spüren und Wasser sehen. So ähnlich ist es dann auch mit der Sonne. Darin wird zu darunter. Und trinken tun wir sie ja gewöhnlich mit der Haut. Oder irgendwie so. Wichtige, essenzielle Dinge also.

Nahrung fällt mir immer mehr auf. Da wir uns ja rein pflanzlich ernähren, liebe ich es, frische Früchte und Gemüse zu kaufen und es dann zu verkochen. Ich liebe es auch, durch den Supermarkt zu schlendern und uns alternative Rezepte einfallen zu lassen, für Dinge, die es hier so einfach nicht gibt. Schokolade ist so ein Thema. Die gibt es in Massen, aber überall ist Milch drinnen. Und Zucker, so viel Zucker. Also schaffen wir uns mit Energiekugerl Abhilfe – die machen wir mit Haferflocken und Bananen und Kakao und Rosinen und Nüssen und Samen und allem, was uns sonst noch so in die Quere kommt und reinpasst. Wir kochen auch so jeden Tag mindestens einmal und genießen das Essen sehr. Nahrung also. Sehr essenziell. Überlebenswichtig und dann auch noch so gut, dass das Kochen bei uns selbst auf Reisen einen großen Teil der Lebensqualität ausmacht.

Hier gönnen wir uns ein feines veganes Essen am Meer.

Ein paar Dinge, die für mich jedenfalls auf die Liste der Essenzielligkeiten gehören, sind Farben, Spielen, Bewegen und Schlafen.

Farben sind schnell erklärt: Sie machen mich ruhig und inspirieren mich im gleichen Moment. Sie beschreiben viel mehr als Worte das oft tun können. Sie passen und passen nicht zu einander und laden zum Staunen, Schauen, Genießen, Wahrnehmen, Spielen ein. Ich mag Farben. Und ich mag die Stadt, in der wir gerade sind: Paraty. Weiße Häuser mit farbvollen Fenstern und Türen. Ein Haus neben dem anderen. So viele Farben auf einen Blick sichtbar. Wunderschön!

Eine Straße in Paraty

Spielen ist so ein weiterer essenzieller Punkt, der auf dieser Liste nicht fehlen darf. Immer wieder merke ich, wie wach und im Moment ich bin, wenn wir irgendwas spielen. Und mit spielen meine ich dieses Wort im weitesten seiner Sinne. Entdecken und Suchen, Staunen und Beobachten. Leise und laut, schnell und langsam sein. Laufen und Musik und lustig Bewegen. Gestalten und Erschaffen. All das gehört zum Spielen. Und all das macht mich so richtig wach- und achtsam und gehört daher auf die Liste der Essenzielligkeiten.

Bewegung hab ich eh schon kurz angesprochen – ich habe vorhin gerade mit Gastón darüber gesprochen, dass ich keine Dinge so wirklich tun muss. Ich muss nichts gesehen oder angeschaut haben. Aber ich will mich bewegen. Jeden Tag. Im Kleinen und im Großen. Bewegen und bewegt werden. Ich merke, wie unzufrieden ich werde, wenn ich mich nicht bewege – und wie sehr es mich ausgleicht, sobald ich mich dann bewege.

[wpvideo P5BoMml7 ]

Schlafen. Ja. Natürlich. Ohne Schlaf könnten wir ja auch nicht lange überleben, ich weiß. Das ist ja nichts Neues. Aber Schlafen, wann und so lange ich will. Auch am Nachmittag mal, wenns so sein soll (gerade heute bei Gewitter und Regentropfgeräuschen hab ich das Schlafen so sehr genossen!). Schlafen hat seinen ganz eigenen Zauber. Ich schlafe gut, meistens und überall. Das ist ein großes Privileg, merke ich immer wieder. Und gerade deshalb ist Schlafen so essenziell. Und was da irgendwie auch dazugehört, ist Ruhe. Wie wichtig Ruhe oder sogar Stille ist, merke ich, wenn wir an Orten sind, die Ruhe und Stille ausstrahlen und haben.

Der Ausblick von unserem Balkon

Ganz wichtig auf dieser Liste der Essenzielligkeiten: Etwas oder jemand, der oder das das Herz berührt. Gerade gestern Abend waren wir bei einer Theatervorstellung. Ein ganz kleines Theater, das seit mehr als 40 Jahren Puppentheater macht. Wie wunderschön es war, einzutauchen in diese fantastische Welt. Wie berührend manche Bewegungen und Geschichten waren! Inspiration und Augenöffner gleichzeitig. Essenziell, ganz, ganz wichtig.

[wpvideo iQpeYROj ]

Zu guter Letzt – Menschen. Ich mag Menschen grundsätzlich, nur manches Mal und in manchen Konstellationen sind sie mir zu viel. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Aber so eigentlich und überhaupt sind sie einfach wichtig im Leben. Vor allem Kinder. Essenziellst. Wir leben hier in Paraty mit einer brasilianischen Familie zusammen und haben uns anfangs etwas schwer getan, einen Draht zu ihnen zu bekommen. Ein bisschen entmutigt und mutmaßend über die Situation der Familie, haben wir das so hingenommen und gesagt, dass das jetzt einfach so ist und wir eh keinen Kontakt haben müssen.

Aber ganz gut hat sich das nicht angefühlt. Gastón kann zum Glück ein bisschen Portugiesisch und so haben wir es gestern – am dritten Tag – geschafft, eine kleine Verbindung aufzubauen. Und damit war das Eis gebrochen. Die Atmosphäre ist entspannter, auf beiden Seiten. Es tut gut, sich mit Menschen zu verbinden. Wir sitzen in der Küche, Kinder und Hunde gehen ein und aus. Die Tochter hat einen Kuchen gebacken, Freundinnen sind zu Besuch. Es ist ein buntes Treiben und wir sind nebenbei mit dabei.

Kleine Aufmerksamkeit

Und die Essenz dieses Textes? Es gibt viele Essenzielligkeiten und im Endeffekt sind es dann gar nicht so viele. Tut gut, sich darüber mal Gedanken zu machen. Wenn mir noch etwas einfällt, lass ich es euch wissen. Das war ein sehr schneller und einfacher und inspirierter Text. Ach, wie sehr ich es liebe, zu schreiben. Dinge zu tun, die ich liebe. Eine Essenzielligkeit.

Schön, dass ihr mich lest.

• K •

allgemein · reisend

∆ Wie Sand am Meer ∆

Schöne Fleckchen gibt es hier auf dieser Insel wie Sand am Meer. Und auch Sand gibt es hier viel. Wie Sand am Meer. Was für eine fulminante Einleitung!

Am Strand entdeckt – ein Rückzugsort vom Allerfeinsten!

Jedes Mal, wenn wir uns auf den Weg zu einem neuen Abenteuer machen, kommen wir an Orte und Plätze, die faszinierend sind. Faszinierend schön, friedlich, weit, umwerfend.

Fasziniert.

Von ein paar dieser Plätze und Momente möchte ich euch gerne berichten. Vor allem, weil ich es selbst nicht ganz glauben kann, was ich in diesen knapp zwei Wochen hier auf der Ilha Grande an beeindruckender Natur sehen habe dürfen.

Schaut euch diesen Pflanzen-Reichtum an!

Eine sehr schweißtreibende Wanderung, die sich über insgesamt ca. 8 Stunden zog (hin und zurück natürlich), war nach Dois Rios. Eine halb verlassene Gefängnisstadt, die durch Dschungelhäuser gekennzeichnet ist. Neben leeren Ruinen, die von Lianen und Schlingpflanzen geschmückt sind, reihen sich fein säuberliche Häuser, die noch bewohnt sind. Die Stadt wirkt wie eine Geisterstadt, die Menschen, die dort wohnen, scheinen eher in einem unwirklichen Freizeitpark zu leben, als in der wirklichen Welt. Vor 20 Jahren wurde das Gefängnis dort aufgelassen, die meisten Menschen, die dort gearbeitet haben, sind weggezogen. Bis auf ein paar Familien und Leute, die jetzt die Museen betreuen.

Auf der langen Wanderung – hier ganz früh am Morgen
Kaum zu sehen, das vom Dschungel eingenommene Haus

Angrenzend an diese Stadt befindet sich ein wunderschöner, einsamer Sandstrand. Langgezogen, von Palmen umsäumt. Doch erst am Ende zeigt sich der wahre Schatz dieses Strandes: Die sanften Wellen des Meeres gehen in einen kristallklaren kleinen Fluss über, in dem man schwimmen kann. Und das haben wir natürlich gemacht. Was für ein Spaß, im kniehohen Wasser herumzutollen (dieses Wort beschreibt genau, was wir gemacht haben – herumlaufen, wirbeln, Wasser herumspritzen, untertauchen und und und).

Lalala was für eine Freude
So fein, das Zusammensein

Ein weitere Entdeckung, die ich jedes Mal mache, wenn wir irgendwo mitten im Dschungel sind, sind die riesengroßen Pflanzen. Alles scheint überdimensional groß zu sein – die Blätter, die bei uns eventuell Handflächengröße erreichen (Kastanie und so), werden hier mindestens dreimal so groß. Unglaublich! Jedes Mal bin ich wieder fasziniert und erstaunt, was sich die Natur alles einfallen lässt. Plötzlich stehen wir dann vor einem meterhohen Baum, dessen Stamm nicht nur von ca. 10 anderen Pflanzen symbiotisch bewachsen ist, sondern der selbst einen Durchmesser von ca. 4 Metern hat. Und nicht nur das, auch seine Form und die seiner Wurzeln ist fantastisch! Beim Herumstreifen im Dschungel (ach, wie sehr ich es liebe, das zu schreiben, geschweigedenn zu tun!) sehen wir jedes Mal so viele neue Pflanzen, verschlungene Äste, geflochtene Lianen, sattgrüne Blätter. Die ganzen Grüntöne, die hier geboten werden, übertreffen jegliche Farbpalette! Ein Genuss, diese Natur!

Wie im Zauberwald!
Und dann dieser verwunschene Baum

Auch die Tierwelt lässt sich nicht lumpen. Wir haben bereits ein paar Äffchen am Baum, ein Krokodil im kleinen Fluss unter unserem Haus, eine giftspritzende Kröte, einige Kolibris beim Nektarholen, ein paar bunte Kanarienvögel und wunderschöne, anmutige weiße und schwarze Stelzenvögel beobachtet. Nicht zu vergessen die unzähligen schwarzen Geier, die sich an unseren Mülleimern leiben, und die fast wie Tauben die Straßen und Häuser belagern.

Wir haben das Äffchen beobachtet – und es hat uns genauestens inspiziert
Unser Freund Frederik. Er kommt immer wieder, wir freuen uns immer wieder

Gerade gestern waren wir bei einem der schönsten Strände Brasiliens – und ich muss zugeben, Strände haben wir jetzt schon so viele gesehen, dass es schwierig ist, einen schöner als den anderen zu finden. Irgendwie schaut nach einer Zeit alles gleich aus: langgezogene weiße Sandstrände, das Meer in unterschiedlichsten Blautönen und die Palmen, die das Ganze noch abrunden. Es klingt wunderbar und das ist es auch. Aber halt überall hier sehr ähnlich.

Aber – und das hat gestern den Unterschied gemacht – noch nie habe ich so glasklares Meerwasser gesehen. Beim Untertauchen mit der Taucherbrille fühlte ich mich wie in einem endlos großen Pool. So unglaublich schön! Und erst die Wellen! Also wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich mich fast mit einer superguten Surferin verwechseln. Wie ich die Wellen (ohne Surfbrett) geritten bin, wirklich beeindruckend. Und nein, das ist keine Ironie, ich war echt gut!

Wasser, Wasser, Wasser, wunderbares Wasser
Unterwasseraction

Achja, noch eine Sache, die diesen Strand wirklich zu einem Highlight macht: Der Sand ist so fein wie Mehl und quietscht dadurch, wenn man auf ihm spaziert. Was für ein lustiges Erlebnis! Hin und zurück sind wir da übrigens mit dem Boot – das Verkehrsmittel Nummer Eins auf der Insel. Beim sanften Schaukeln des Boots auf den Wellen, der Musik des Kapitäns und der untergehenden Sonne bin ich beim Heimfahren dann auch ein bisschen eingedöst, so fein!

Hier fesch am Boot

Und noch etwas Herrliches: Schaukeln hängen immer mal wieder an wundersamen Orten – mitten im Dschungel oder am Strand. Da trifft es sich gut, dass ich Schaukeln zu meinen Lieblingsaktivitäten zähle.

Auch, wenn mans mir nicht ansieht – ich genieße das Schaukeln im Dschungel so sehr!
Hier seht ihr es: ein Genuss!

Ja, also an schönen Momenten fehlt es hier nicht. Denn die gibt es – oder besser gesagt, die machen wir uns – wie Sand am Meer.

Wir sind jetzt noch bis Sonntag hier auf der Insel, dann gehts weiter nach Paraty. Eine Stadt ein bisschen weiter südlich, die durch ihre koloniale und wunderschöne Altstadt bekannt ist. Auch dort bleiben wir 10 Tage, gut also um wieder ganz anzukommen und die Gegend mit ganzem Herzen zu erkunden.

Nein, ich habs nicht geschafft, falls ihr euch fragt.

Na dann ihr Lieben, machts gut und schafft euch viele Sand-am-Meer-Momente.

• K •

Unsere Unter-Überwasser-Zwillinge
achtsam · allgemein · reisend

∆ Glück oder Unglück ∆

Es gibt so eine Geschichte, an die ich in diesem Moment denken muss. Ich hatte gerade einen sehr intensiven Moment hier auf der Insel und der stößt einiges an in mir.

Die Geschichte handelt von einem Mann, der sein Pferd verkauft und sich ein Bein bricht und eigentlich weiß ich gar nicht mehr genau, wie die Geschichte in allen Einzelheiten geht. Aber die Moral ist jedenfalls, dass der Mann jedes Mal, wenn ihm etwas “Gutes” oder “Schlechtes” widerfährt, sagt, dass es weder Glück noch Unglück ist. Und das ist auch der Punkt an den ich gerade denken muss.

Um euch meinen Gedankenhergang etwas genauer verständlich zu machen, erzähle ich euch von dem intensiven Moment, der sich vor etwa einer Viertelstunde in einem Gemüseladen zugetragen hat: Gastón und ich stehen in diesem Geschäft und kaufen wunderbare Früchte und Gemüse ein. An der Kassa bemerke ich, dass die Mango nicht einmal 50 Cent kostet und die ganzen Lebensmittel gemeinsam ca. 2 Euro kosten. Ich freue mich sehr darüber, berichte Gastón ganz aufgeregt davon. Der scheint mich nicht zu hören, ich sage es noch einmal voller Freude und er antwortet mir nur kurz, dass ich bitte aufhören soll, das hier zu besprechen.

Ich verstehe die Reaktion nicht. Ist doch wunderbar, dass wir diese wunderbaren Dinge für so wenig Geld bekommen, oder etwa nicht? Gastón meint, nachdem wir das Geschäft verlassen haben, dass ich so etwas bitte nicht vor dem Verkäufer sagen soll. Dass es wohl einen weltzusammenhängenden Grund gibt, warum es hier so günstig ist und dass es diesem Verkäufer gegenüber unfair ist, in so einer Art zu sprechen.

Schön langsam verstehe ich, was los ist. Ich komme mit meiner europäischen (oder vielleicht eher österreichischen) Überzeugung, mit meinem österreichischen Geld, mit meiner fremden Sprache, mit meiner fremden Kultur, ja mit meiner überheblichen Art hier an und freue mich noch, wie “cheap” hier nicht alles ist. Natürlich stelle ich das Ganze (mich) gerade sehr überzeichnet dar. Aber wenn ich es herunterbreche, ist es so.

Ich bin in einer komplett anderen Kultur aufgewachsen. Mein Alltag war und ist anders. Ich bin als Touristin hier, ich gehöre in gewisser Weise nicht hierher. Ich fühle mich wirklich blöd, dass ich daran nicht denke. Dass ich hier erstmals mit “ärmlichen” Verhältnissen konfrontiert bin. Wirklich konfrontiert. Dass es nämlich absolut nicht selbstverständlich ist, dass alles immer glatt läuft. Dass es schon gut wird. Dass immer Essen und Trinkwasser und Bildung und sonstige Späße verfügbar sind. Nein, wir sind hier nicht in den Favelas von Rio. Das hier ist eine Insel, die genau von solchen Menschen wie mir lebt: Touristinnen und Touristen, die ihren Urlaub hier verbringen und die auch – ja, genau – die Ananas und die Mango irgendwo kaufen. Zu wirklich günstigen Preisen. Aber wir sind in Südamerika. Wir sind auf einem anderen Teil der Welt, in dem es für mich noch so einiges zu erfahren gibt.

Es tut sich ganz schön was in mir. Natürlich – so argumentiere ich es mir in meinem Kopf auch schön – die Früchte wachsen hier und sind deshalb günstiger, als wenn sie Tausende von Kilometern weit herumgeschippert werden müssen. Aber – und das muss ich mir eingestehen – dass es hier (ich verallgemeinere jetzt einfach diesen RIESENkontinent) viele, viele Menschen gibt, die weit unterhalb der Armutsgrenze ihr Leben leben, hat auch viel damit zu tun, dass es mir bisher immer so gut gegangen ist. Die Welt und ihr Reichtum ist komplett unfair verteilt.

Und das, was mich am meisten berührt: Weder ich, noch irgendjemand auf dieser Insel, hat sich ausgesucht, auf diesem oder jedem Fleck der Erde geboren zu werden. Und ich bin mir oftmals auch gar nicht mehr so sicher, ob das “einfachere” Leben hier vielleicht nicht oftmals sogar sinn-voller ist, als unser ganzes Karriere-Konsum-Geldsparen-Effektivsein.

Und so schließt sich der Kreis dieses gesellschaftskritischen Texts (ja, auch das kann sie): Ob es Glück oder Unglück ist, auf welchem Teil der Welt wir ausgespuckt worden sind, bleibt offen. Es geht hier gar nicht darum, etwas schön- oder schirch zu reden. Es geht darum, die andere Seite(n) auch zu sehen. Es geht darum, etwas mehr Ein- und Weitsicht zu bekommen. Etwas mehr Einfühlungs- und Zusammengehörigkeitsvermögen (das ist ab heute ein Wort.).

Meine Gedanken werden hier wohl immer wieder von Neuem anstupst werden. Reisen. Das geht tief.

• K •

P.S.: Die Fotos kommen hier im Anschluss, weil sie zwischendrin im Text nicht passen und weil das Ganze dann nicht so trüb wirkt:

Schaut euch das an – aus Plastikflaschenböden! Sehr kreativ!
Hier überwächst der Dschungel die Häuser
Hier sogar noch mehr!
Das heißt “Vielen Dank” – obwohl die wörtliche Übersetzung “Dankchen” bedeutet. Wie wunderschön, dieses Wort.
allgemein · reisend

∆ Über das dschungelige Leben ∆

In einer Hängematte liegend, den Geräuschen des Dschungels und dem Rauschen des Wassers lauschend, schreibe ich diesen Text. Wir sind in einem kleinen Paradies angekommen. Auf der Ilha Grande, einer Insel vor Brasilien.

Nach 5 Tagen in der lauten, stressigen, bunten und riesengroßen Stadt Rio haben wir uns in einen Transferbus Richtung Süden gesetzt und ein paar Stunden später sind wir hier angekommen:

Ein Traum, oder?

Traumhaft unwirklich schön. Ein kleines Nest voller Dschungel, Berge, umgeben von Meer und keinen Autos auf der Insel. Die Straßen sind Erde, die Häuser sind bunt. Die Menschen – ca. 3000 leben hier – sind entspannt und niemand will uns etwas klauen. Diese Insel lebt vom Tourismus, dementsprechend gibt es unzählige kleine Läden, Supermärkte, Restaurants, Touren-Anbieter und ganz, ganz viele kleine Hostels.

Ein paar Dschungelvöglein

Wir haben uns eine Wohnung gemietet und bereits beim Betreten haben wir uns zuhause gefühlt. Und das ist auch gut so, denn wir verbringen hier die nächsten zwei Wochen. So schön! Unsere Wohnung ist klein und sehr fein. Wir haben einen großen Balkon mit Hängematte und Blick zum Dschungel. Ich kann es fast nicht glauben, dass ich hier sein darf. Unter mir fließt ein Bächlein, das Rauschen der Wellen vom 2 Minuten entfernten Strand hören wir auch. Morgens wachen wir auf, weil die Vögel (und alle möglichen Dschungelbewohner) so “laut” sind. Im Bett liegend können wir durch eine Glasfront den Balkon und die dahinterliegende Natur betrachten.

Der Blick durchs Apartment

Gemütlichkeitsbalkon

Jeden Tag kaufen eine wir eine frische Ananas (um weniger als 1,50 Euro!) und einen Strauch mit ca. 10 Bananis (das ist die Verkleinerungsform von Banane), machen daraus gemischt mit Maracuja und Mango einen superguten Saft und kochen uns feines Essen – und hier kommt eine abenteuerliche Geschichte: In vielen Bäumen überall auf der Insel wächst eine riesengroße und äußerst interessante Frucht: die Jackfruit. Diese Frucht wird roh gegessen und auch als Fleischersatz genommen, da die Fasern – gekocht mit den richtigen Gewürzen – Fleischfasern (am meisten Hendl) ähneln. Und tja, so eine Frucht hat uns beim Spazieren am Strand sehr angelacht, wir haben sie mitgenommen und gestern verkocht. War das ein Aufwand! Die Jackfruit enthält natürliches Kautschuk und klebt dementsprechend überall (inklusive Fingern und Haaren und überall eben). Nach einer Stunde kochen und zufügen zur Tomatensauce ist daraus ein wirklich leckeres Abendessen geworden – und es hat sich so dschungelig angefühlt, eine selbstgefundene Frucht zu verarbeiten. Quasi-autarke Selbstversorgung – check!

Die ominöse Jackfruit…

… und die etwas intensive Vorbereitung

Jeden zweiten Tag kaufen wir ca. 15 Bananen, was für ein Luxus!

Hallelujah! Bald hätte ich einen wichtigen Punkt vergessen! Am Samstag, als wir angekommen sind, haben wir ganz laute – und echt “lässige” (Maxi, du weißt, wie ich dieses Wort hier verwende) – Musik gehört und uns nur gedacht, dass das wohl eine Party in einem Hostel ist. Bis Gastón den Text verstanden hat: “Jesus, dir vertrauen wir. Jesus, du bist unser Retter. etc. etc.” Und zwar ist unsere Wohnung genau neben einer Assembly-of-God-Kirche (geht in die protestantische Richtung, pfingstlerisch steht auf Wikipedia…).

Und diese Kirche ist so aktiv, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Am Sonntag im Laufe des Nachmittags haben immer wieder Proben mit unterschiedlichen Musikinstrumenten, inklusive Schlagzeug und Trompete und Saxophon, stattgefunden. Und das alles für die große Show am Abend: Diese hat um 18 Uhr begonnen und bis ca. 21:30 gedauert. Dreieinhalb (!) Stunden Gottesdienst mit Gesang, Band und extrem lauten Reden (die in Geschrei übergegangen sind). Vom Balkon aus haben wir das Spektakel ein bisschen mitverfolgt – Hände hoch und Augen zu war eine der Devisen der betenden Leute. Ein bisschen anstrengend, müssen wir zugeben. Auf der Eingangstür steht “Programm mittwochs, donnerstags, freitags und sonntags” – während ich hier schreibe proben die aber schon wieder, obwohl heute eigentlich der freie Tag wäre. Wir hoffen auf ruhigere Zeiten. Amen.

Ich mit meinen selbstgeschnittenen (nicht ganz geraden) Haaren vor der aktiven Kirche

Noch was Schönes von der Insel: Es gibt hier ganz viele Wanderwege, die zu alten Ruinen (die Insel war vor längerer Zeit eine Quarantänestation und diente auch als Gefängnisinsel), weißen Sandstränden oder Berggipfel führen. Bereits am ersten Tag haben wir eine solche Trilha [sprich: Trilja] gemacht und sind nach zwei Stunden schwitzend bergauf und bergab im Dickicht des Dschungels an einem Wasserfall angekommen. Dort haben wir uns abgekühlt – was für ein Gefühl! Unter dem peitschenden Wasserfall stehen und das Leben spüren!

So fein, das Plantschen im Meer

Apropos Leben spüren. Ich sags euch, es ist gar nicht so leicht, die ganze freie Zeit zu genießen. Das mag sehr überheblich und unwirklich klingen, wo es doch das ist, wonach sich so viele sehnen. Aber – und darüber führen Gastón und ich viele Gespräche – wir wollen eine Aufgabe, einen Sinn haben. Etwas, zu dem wir nach vorne schauen können. Etwas, das den Tag einteilt und uns nicht dahinwarten lässt. Versteht ihr, was ich meine?

Hier beim guten Nichtstun

Es ist wundervollst, langsam und ausgeschlafen aufzuwachen und den ganzen Tag frisch und ohne Müssen vor uns zu haben. Es ist auch wundervoll, Pläne für den Tag zu machen (die wir, ehschonwissen, sowieso ändern) und uns von niemandem dreinreden lassen. Das sind alles Dinge, die wir hier zu genüge haben und tun. Und doch – die Tage sind so lange und teilweise etwas mühsam beim Nichtstun. Denn wir könnten alles tun: wandern, schwimmen, einkaufen, kochen, schlafen, essen, lesen, kreativeln, schreiben, arbeiten, schauen, Musik machen und und und. Und das am besten gleichzeitig.

Viel Zeit? Ja! Ich häkle neuerdings Tiere – hier ein Pinguin

Und manchmal machen wir dann einfach gar nichts. Und es ist nichts das gute Nichts, es ist das wartende, schwere, innerlich unruhige Nichts. Überwältigt von der Fülle an Wundervollem, das wir tun könnten. Und nein, ich jammere hier nicht herum. Ich stelle nur fest, dass es immer um die persönliche Einstellung zu Dingen und Situationen geht. Dass ich mein Leben – besonders in so freien Zeiten, wie die, die ich gerade erleben darf – selbst in der Hand habe. Und das bedeutet Verantwortung. Selbstverantwortung und Lebensverantwortung. Das bedeutet Selbstliebe und Selbstfürsorge.

Und wem das zu abgehoben wirkt: Wenn ich niemanden habe, der oder die mir sagt, was ich tun (und nicht tun; (nicht) fühlen, (nicht) denken,…) soll, muss ich jede Entscheidung und dadurch auch jede Konsequenz, die damit einhergeht, selbst verantworten (auch, wenn ich für so manche Umstände nichts kann und immer mehr mitspielt, als meine kleine Entscheidung). Das zu lernen, ist ein Prozess. Und es ist nicht immer leicht, selbst für das eigene Leben verantwortlich zu sein. Ein weiser Reisegedanke. Wenn nicht sogar ein Lebensgedanke. Darüber könnt ich noch viel schreiben. Ein Buch vielleicht. Ich würde es Das Dschungelbuch nennen. Was für eine geniale Idee.

Die einzige Gefahr an diesem Strand sind eventuell herunterfallende Kokosnüsse

Dschungelige Grüße aus der Freiheit.

• K •