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∆ Was das Reisen mit mir macht – Ein Plädoyer ∆

Würde ich das ganze Alphabet durchgehen, könnte ich wohl zu jedem Buchstaben etwas finden, was Reisen mit mir macht und gemacht hat.

Gemütlichkeit beim Reisen? Für uns vor allem in Cafés.

Alle, die schon einmal gereist sind, werden verstehen, was ich meine. Ich schreibe hier vom Reisen, nicht vom Urlaub. Ich schreibe vom Entdecken und Erfahren, nicht vom Anschauen und Fotografieren. Ich schreibe vom Anpassen und Verändern, nicht vom Alltag mit auf Urlaub nehmen. Ich schreibe hier vom Reisen, das verändert, das was mit mir macht. Und ich schreibe es für das Reisen, nicht gegen den Urlaub. Ich schreibe über mich und von mir und meinen Erfahrungen.

Was aussieht, wie ein gestelltes Foto, ist tatsächlich wahr: Wir sind ein Stückchen getrampt.

Reisen ist anstrengend. Es fordert viel. Organisation, Umdenken, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Geduld, Empathie zum Beispiel. Reisen macht größer, breiter im Denken und Fühlen. Es lässt wachsen. Es ist unbequem. Es lässt nachdenken und nachfühlen. Reisen heißt auch, Zeit zu haben. Viel Zeit. Und diese Zeit kann unbequem sein. Die Veränderungen, die passieren, können unbequem sein. Für die eigenen Glaubenssätze, für die Menschen daheim, für eine*n selbst. Ja. Veränderung ist nicht bequem.

[wpvideo kn6zgIS5 ]

Und Reisen ist so leicht. Es gibt so viel. Reisen ist bequem. Weit weg von Verpflichtungen des Alltags, von Meinungen der Leute, weit weg von dem, was stören kann. Reisen vergeht schnell, viel zu schnell. Und gleichzeitig ist alles so weit und lang und voller Zeit und Momente.

Reisen ist widersprüchlich.

Chilenischer Pazifik – sehr erfrischend!

Es sind noch zwei Tage, dann ist unsere unkonventionelle Hochzeitsreise vorbei. Zwei Monate voller unglaublich schöner Landschaften und Natur, voller Menschen und Lärm, voller Märkte mit frischestem Obst, voller langer Busfahrten, Meer, Wüste, Hitze und Regenzeit, voller Musik, Essen, Zeit zu zweit. Voller Gespräche über das Jetzt und das Dann, unsere Visionen, unsere gemeinsamen Projekte (oh, ja! Davon haben wir viel!). Voller Ideen und Gedanken, berührenden Situationen, Überforderung, Dankbarkeit, Müdigkeit und so viel Elan.

Widersprüchlich, dieses Reisen.

Der Sternenhimmel in der Atacamawüste hat uns verzaubert!

Würde ich das ganze Alphabet durchgehen, könnte ich wohl zu jedem Buchstaben etwas finden, das Reisen mit mir macht und gemacht hat.

Reisen macht mich abenteuerlustig. Bereit für Neues und charakterstark. Dankbar, erfinderisch, feinfühlig. Es macht mich glücklich, humorvoll und zeigt mir, was die Welt im Innersten zusammenhält. Es macht mich jähzornig, kreativ und lebensfroh. Mutig, macht es mich und neugierig, offenherzig und problemlöseorientiert, quallenfreundlich, ratlos, stolz und traurig, ungeduldig, verwundbar. Reisen macht mich wählerisch, xund, y und zufrieden.

Was aussieht wie ein grausliger Pool, ist in Wahrheit eine höchst eisenhaltige heiße Quelle.

Entspanne dich.
Lass das Steuer los.

Trudle durch die Welt.
Sie ist so schön.

Gib dich ihr hin.
Und sie wird sich dir geben.

(K. Tucholsky)

Immer wieder spannend, diese Reise, die sich Leben nennt.

Hier noch in Chile am Weg nach Argentinien – ein Vulkan neben dem anderen!
Was das Reisen für uns besonders fein macht – überall zuhause zu fühlen. Das äußert sich dann in Pancaketürmen und anderen genüsslichen Kreationen.

Eure gedankenvolle

• K •

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∆ Von den Lebenden und den Toten ∆

… und was das mit Ruinen, Veganismus und Reisen zu tun hat, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Hier eine feine vegane Dame im wilden (Nord-)Westen

Ich ernähre mich seit offiziell einem Jahr vegan! Das bedeutet, dass ich keine Lebensmittel zu mir nehme, die aus tierischen Produkten gemacht sind. Auch Leder, Pelz und Elfenbein kaufe ich nicht mehr.

Warum ich mich entschieden habe, mich pflanzlich zu ernähren, hat viele Gründe. Inspiriert wurde ich von Gastón, der das seit 4 Jahren macht und mit ihm habe ich ganz viel darüber geredet, diskutiert und erfahren.

Hier in einem lieben kleinen Café bei lila Maisbrot und Live-Musik

Dann habe ich mich damit auseinandergesetzt und mir gedacht, ich probiers einfach mal für ein Jahr. Und hier sind wir – das erste Jahr ist vorbei, ich habs probiert und bin begeistert! Es macht so viel Sinn für mich, “nur noch” pflanzliche Lebensmittel zu mir zu nehmen, dass ich im Moment gar nicht mehr daran denke, das zu ändern.

Der für mich sinnvollste Grund ist, dass die Ernährung – so, wie ich sie betreibe – für mich sehr gesund und wohltuend ist. Essen macht mir solche Freude – und seit ich vegan esse, kommt mir diese Freude noch größer vor! Ich esse viel, viel Obst und Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Samen und genieße jede Speise so, weil ich weiß, dass das für mich (und die Welt) etwas Gutes ist.

Das kommt beim Experimentieren heraus: Schwarz-Lila-farbene Maisnudeln mit Tomaten-Karottensauce und Erdnussöl

Dass sich plötzlich so viele Menschen um meinen Proteinhaushalt, meine Vitaminzufuhr und meine Nährstoffaufnahme kümmern, kommt mir etwas Spanisch vor. Das Interesse ist groß, die Skepsis auch. Aber, und das haben Studien herausgefunden (ja, jetzt bringe ich auch noch die Wissenschaft ins Spiel!) – Menschen, die sich vegan ernähren, kennen sich tendenziell besser mit (ihrer) Ernährung aus, als Menschen, die einfach essen, was es gibt, weil es ja schon immer so war. Also keine Angst, ich bekomm meine Vitamine, Proteine und sonst auch alle lustigen Sachen, die wir so zum Leben brauchen!

So ein Kuchen hat wahrscheinlich mehr Nährstoffe, als ich zählen kann – aus Nüssen und Samen gemacht, mit Früchten und Zuckerrohrhonig

Ein weiterer Grund ist, dass ich mich darum bemühe, meinen Kindern und Enkelkindern eine gute Welt zu hinterlassen – und so, wie wir das als Gesellschaft gerade betreiben, so machen wir eher das Gegenteil davon. Ich könnte jetzt davon anfangen, von allen “Umweltsünden” zu sprechen, das ist aber nicht meine Intention. Ich trage mit meiner Entscheidung, keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren, viel dazu bei, die Welt ein bisschen besser (gesünder, achtsamer, empathischer, nachhaltiger, umweltschonender, verantwortungsbewusster) zu hinterlassen. Und das ist ja schon ein schöner Grund!

Diese Lamas haben ein paar Tage zuvor Hochzeit gefeiert, daher die schöne Verzierung in ihrer Wolle

Natürlich gabs Momente, in denen es einfach einfacher gewesen wäre, das Stück Käse oder die Torte mit Creme zu essen, doch wenn man einmal weiß, woher das kommt, wie es produziert ist und was dahinter steckt, dann geht der kurze Genussmoment schnell vorbei. Und so viel genießen, wie ich es mit dieser Lebens-/Ernährungsform mache, so viel kreatives Ausprobieren, so viel Freude beim Einkaufen, Kochen, Essen – das lohnt sich für mich auf jeden Fall, diese Entscheidung jeden Tag wieder zu treffen.

Ein bisschen Lama-Landart

Hier wären wir also schon mitten in der Thematik der Lebenden und der Toten. Viele lebende Tiere, weniger tote. Aber ich möchte den Bogen schlagen zu einer weiteren wunderbaren Tatsache und zwar:

Wir sind wieder auf Reisen! Seit ein paar Tagen sind wir im Norden Argentiniens unterwegs und ich kann euch sagen, es ist ein TRAUM hier!

Die Berge, die Sonne und ich

Vor ein paar Tagen waren wir im archäologischen Museum von Salta und haben – und jetzt haltet euch fest – eine echte Mumie gesehen! Eine der am besten erhaltenen, die es auf der Welt gibt! Ein kleiner Junge, der von den Incas geopfert wurde. Unglaublich! Zusammengekauert, die Augen geschlossen, die Haut ledrig, die Haare kohlrabenschwarz. In diesem Museum gibt es insgesamt vier Mumien, es werden immer nur zwei gezeigt, die anderen werden bei eisigen Temperaturen aufbewahrt, damit sie noch ganz lange für viele Menschen gut erhalten bleiben können. Die Stimmung um diese Vitrine, in der der kleine Körper sitzt, ist magisch. Ein Relikt aus Zeiten, die wir uns heute nur noch durch genau solche Überbleibsel vorstellen können. Magisch gruselig und zugleich so ruhig und besinnlich. Sehr schräg, diese lebenden Toten.

Die Incas haben diesen Jungen aufgrund seiner herausragenden Schönheit den Vorfahren-Göttern geopfert

Wir waren in einer Ruine, die von einer Ureinwohner-Gemeinschaft vor 500 Jahren gebaut wurde. Dort haben wir eine Führung gemacht und die Dame, die diese Menschen als ihr Volk bezeichnet, hat uns viele schöne Details über die Häuschen, die Innenhöfe, die Traditionen, die Kultur erzählt. Am Schluss der Führung hat sie uns ermutigt, uns diese ganzen Szenen lebend und in Farbe, mit Musik, Düften, Geräuschen und echten Menschen vorzustellen. Mit Gänsehaut habe ich ihr gelauscht, berührt von der Landschaft, den Geschichten und der Stimmung auf diesem Berg. Denn was wichtig ist, so hat diese Führerin gesagt, ist, dass wir diese Kulturen als Lebende in Erinnerung behalten – mit ihren Farben, ihren Geschichten, ihren Vorstellungen, ihren Handwerkskünsten, ihren Geschmäckern, ihrer Lebensweise.

Hier vor einem rekonstruierten Häuschen

Wir befinden uns übrigens gerade auf 2500m in Tilcara, einer kleinen Stadt in der Provinz Jujuy [Chu-Chui]. Bevor die Inca hier eingefallen sind, den Leuten ihre Religion und ihre Brauchtümer aufgezwängt haben, haben viele Menschen mit viel Kultur und Handwerkskünsten hier gelebt. Und das ist er jetzt, der Bogen zu den Lebenden und den Toten. Die, die schon lange tot sind, haben so viel hinterlassen – Häuser und Straßen, Kulturtechniken und -güter. Generationen, die ihnen nachfolgen – die noch heute von ihrer Familie sprechen, das sind die Lebenden, von denen ich schreibe.

Hier durch das Haus in den Patio (Innenhof) schauend mitten in den Ruinen

Es fasziniert mich, wie wenig ich mich bisher damit auseinandergesetzt habe, wie die Welt funktioniert. Das mag ein bisschen hochtrabend klingen, aber wenn man bedenkt, dass Menschen von Menschen von Menschen von Menschen abstammen, dann ist das schon ganz schön interessant, wenn die Gesichtszüge und Kulturtechniken, die Sprache, der Glaube etc. etc. noch nahe an dem dran sind, was wir “Ureinwohner” nennen. Schöner klingt der Ausdruck “indigene Bevölkerung”. Der amerikanische Kontinent wurde ja bekanntlich erst im 15. Jahrhundert entdeckt – davor gabs hier ja nichts. Dann haben die spanischen und portugiesischen Eroberer zum Glück die Kirche und die Kultur hierher gebracht und seither sind sie auch zivilisiert, diese Wilden.

Hier die zivilisierten Toristen

Heute haben wir darüber gesprochen, wie unglaublich unglaublich es ist, dass Kartoffeln vor der Eroberung Südamerikas in Europa nicht existiert haben! Dass es zwar Universitäten gab, aber keine Kartoffeln! Dass ein Grundnahrungsmittel – das Gemüse eines jeden männlichen Österreichers – einmal nicht gewachsen ist in unserem Lande! Dass der Austausch von Kulturen (so nennen Gastón und ich das auf überoptimistische Weise) bei so einem basalen Ding, wie einer Kartoffel, so viel ausmacht. Und dann stellt euch mal bitte den Rest vor!

Ach, ich könnte noch ewig weitertipseln, so inspirierend ist dieser Ort hier. Wir sind übrigens in einem Haus, das mit Blick auf die Berge, den Garten und den Himmel viel Ruhe und Freiheit bietet. Die Gegend hier ist Wüste und bekannt für die bunten Felsen – einer wird “Berg der sieben Farben”, ein anderer “Des Malers Palette” genannt. Neben Riesenkakteen (-ussen?) ragen sand-, rost-, rosa-, grünlich-, bläulich-, lilafarbene Berge in die Höhe. Ein wahrer Genuss, diese Natur.

Habt ihr euch einen Kaktus schon einmal ganz genau angeschaut? Das lohnt sich auf jeden Fall!

Hier noch ein paar Eindrücke von unserer Morgenwanderung – die Sonne im Rücken, die Berge in Sicht, Mate trinkend und das Leben genießend haben wir hier ein paar Stunden verbracht.

Schönheit in allen Richtungen
Um kurz nach 7 haben wir uns auf den Weg gemacht – die goldene Morgenstund!

Wir sind mittlerweile noch weiter gereist – und zwar nach Iruya. Eine kleine Stadt auf knapp 3000m mitten in den Bergen im Norden Argentiniens. Bereits die Strecke von Tilcara nach hier war atemberaubend schön! Die Berge, die weiten Wiesen, die engen Straßen, auf denen unmöglich ein Bus fahren kann – denkste! Langsam und gemächlich sind wir über Stock und Stein getuckert und nach 3 Stunden Fahrt dann hier angekommen:

Der Blick auf Iruya – unvergleichlich schön!

Es ist so ruhig hier, so gemächlich, so gemütlich. Alles und alle. Wir schlafen in einem Hostel mit Ausblick auf die Stadt und die Berge, neben uns sitzt eine reisende Familie mit Kind, in der Küche brodelt unser Eintopf – ein wärmendes Essen, weil es hier ganz schön kalt ist. Es regnet, wir sitzen auf der Terrasse und genießen die Stimmung.

Bis Mitte März sind wir unterwegs – Zeit haben wir und einen ungefähren Plan. Was dazwischen passiert, wissen wir nicht. Dass es gut wird, wissen wir schon.

Ein Uno-Spielchen zum Zeitverbringen haben wir uns auch gegönnt
Tanzend in den Straßen von Iruya

Es grüßt euch die faszinierte, dankbare, sonnengeküsste

• K •

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∆ Liebe, Liebe, Liebe oder: Warum ich euch allen einen Gastón wünsche.

Hier sitze ich nun also. Auf meiner Hand ein glänzender Ring, in meinem Herzen das warme Gefühl, dass der Beginn von etwas Großem gemacht worden ist:

Wir sind verheiratet!

Am Freitag war unser großer Tag – und es war ein Tag voller Liebe, Musik, Sonne, Farben und Nähe.

Nach einiger bürokratischer Vorbereitungszeit (Papiere ausfüllen, hinbringen, ändern, ausfüllen, herumfahren, kopieren…) und Ideensammlungen, wie und wo, mit wem und wann wir feiern wollen, haben wir es geschafft, ganz viele liebe Leute an einem schönen Ort (nämlich im Garten von Pablos Elternhaus) zu versammeln, um mit uns diesen großen Tag zu feiern.

Zu sagen, dass er nicht besser hätte sein können, ist nur ein Teil der Wahrheit – denn meine Familie und meine lieben Freund*innen haben mir an diesem wichtigen Tag in meinem Leben gefehlt. Aber, und das freut mich von ganzem Herzen: In diesen Umständen, an diesem Ort, zu dieser Zeit war es ein perfekter Tag, der in seiner Form nicht besser hätte sein können.

Einige von euch haben das Video gesehen, für all diejenigen, die es noch interessiert, hier ist der Link zum Video vom Standesamt:

Die Zeremonie verging ziemlich schnell, waren ja nur ca. 15 Minuten. Der Moment der Ringe und des offiziellen Jas zueinander war gesäumt von Tränen der Überwältigung (nicht nur von mir). Ach, wie schön, wenn sich so viele Leute an einem Tag so viel freuen.

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll – der Tag war von früh morgens bis spät abends entspannt und liebe-voll. Ein Cousine von Gastón hat mich geschminkt und mir eine wunderschöne Frisur gemacht, ich hab mein Dirndl mitgenommen und mir schöne Schühlein dazu gekauft. Alles ganz einfach, alles unkompliziert. Für Gastón haben wir Hosenträger in der passenden Farbe gefunden und so haben wir geheiratet:

Vorbereitet mit dem Nötigsten, ausgestattet mit dem Wichtigstem: Dem großen JA zueinander. Dem großen Ja, dass wir zusammensein, -bleiben, -leben wollen. Dem großen Ja, dass wir kulturelle Unterschiede als Geschenk annehmen. Dem großen Ja zu unserer Liebe, zu unserem Vertrauen, unserer Nähe, unserer gemeinsamen Kraft.

Wenn ich eine Checkliste von Dingen, die ich mag, gemacht hätte, hätte ich alles abhaken können:

  • Lichterkette
  • Sonnenschein
  • weiße lange Tafel in der Wiese
  • Blumen
  • Schatten der Bäume
  • Mango- und Avocadobaum
  • Musik machen
  • Tanzen
  • Schokokuchen
  • Fähnchen im Wind
  • Sternspritzer und Seifenblasen
  • Leichtigkeit
  • Freuden- und Berührtheitstränen

Und zu diesen Dingen kamen dann noch ganz viele liebe Leute, Lachen, Unkompliziertheit, Unterstützung, Mitfreude, ein Video von vielen lieben Leuten daheim (DANKE DANKE DANKE euch allen!! Ich habs noch nicht geschafft, mich “persönlich” mit einer Nachricht zu bedanken, deshalb mach ich das jetzt hier!) und so viele liebe Nachrichten, dass mein Handy fast übergegangen wäre.

[wpvideo YNxYTFuy ]

Der Tag bleibt so fest in meinem Herzen und das Schönste ist, dass wir seither jeden Tag mehrmals, wenn wir unsere Ringe oder uns gegenseitig anschauen, laut ausrufen, dass wir es so schön finden, dass wir jetzt verheiratet sind. Was für eine Freude!

Liebe, Liebe, Liebe also.

Und was hat es mit dem zweiten Teil der Überschrift auf sich? Warum ich euch allen einen Gastón wünsche? Das klingt vielleicht komisch, aber ich mein das natürlich im übertragenen Sinne.

Ich wünsche euch einen Menschen an eurer Seite, zu dem ihr ganz fest und aus vollstem Herzen JA sagen könnt. Auch und genau weil ihr die vielen Seiten dieser Person – und umgekehrt sie an euch – kennt. Ich wünsche euch einen Menschen, den ihr monatelang ohne Unterbrechung sehen könnt und ihr euch immer noch jeden Tag so vieles zu sagen habt.

Ich wünsche euch einen Menschen, mit dem ihr diskutieren könnt, über das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Ich wünsche euch einen Menschen, dem ihr vertrauen könnt – bei dem ihr so sicher sein könnt, dass jeder kleine Zweifel sich bei der nächsten Umarmung in Luft auflöst. Ich wünsche euch einen Menschen, der euch voll und ganz annimmt, mit allem, was ihr seid und der trotz alledem nicht aufhört, euch aus euerer Komfortzone herauszulocken und mit euch die Grenzen eures Seins erweitert. Ich wünsche euch einen Menschen, der an euch glaubt – an eure Überzeugungen, an eure Ideen, an eure Visionen.

Ich wünsche euch einen Menschen, mit dem ihr ruhig sein könnt und diese Ruhe sich nicht nur im Nicht-Reden äußert. Ich wünsche euch einen Menschen, mit dem alles leichter ist – selbst wenn manche Sachen von außen schwer oder schwierig sind, wünsche ich euch einen Menschen, mit dem ihr in euch und zwischen euch leicht sein könnt.

Ich wünsche euch einen Menschen, den ihr anschaut und in dessen Augen ihr die Zärtlichkeit, den Respekt, die Liebe, die Zuneigung, die Freude, die Dankbarkeit, die Ruhe, den Frieden sehen könnt. Ich wünsche euch einen Menschen, der sagt, dass es in Ordnung ist – in Momenten, in denen ihr weint und es euch nicht gut geht – dass es ok ist und dass es vorbei geht. Der euch immer wieder sagt, dass ihr gut seid, so wie ihr seid. Und der euch seine Liebe jeden Tag wieder zeigt.

Und so einen Menschen, ihr Lieben da draußen, so einen Menschen habe ich am Freitag geheiratet. Meinen Gastón.

Wie schön das L(i)eben doch ist.

Zum Abschluss noch ein kleines Video – because it´s always better when we´re together.

[wpvideo cDIs8sjK ]

∆ es grüßt die verheiratete K. ∆

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∆ Danke, 2018 ∆

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

Jänner in Berlin.

Du hast viele Überraschungen für mich bereitgehalten. Du hast mich viel erkennen lassen, viel erleben lassen, viel sein lassen.

2018, du hast in Berlin begonnen und endest in Buenos Aires. Du hast mich viel reisen lassen – viele Male nach Berlin, daheim in die Berge und und zu den Seen, dazwischen nach Sardinien, nach England und Schottland, an die Ostsee, nach Brasilien und Argentinien.

Du hast mich feiern lassen, mit Menschen, die ich liebe. Du hast mir Zeit geschenkt, wertvolle Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte.

Februar in Eugendorf.

Du hast es mir manchmal sehr leicht gemacht, mir die Antworten auf meine Fragen ganz offensichtlich gezeigt. Andere Male hast du mich nachdenken lassen, zweifeln und neudenken, entscheiden und Konsequenzen tragen lassen. Du hast mich gefordert, in vielerlei Hinsicht.

März in Rauris.

Du hast mich genießen lassen. Das Leben und die Momente, das Essen und die kleinen Dinge zwischen den großen.

Du hast mich kreativ sein lassen, in jeglicher Hinsicht. 2018, du warst ein Jahr voller gestalterischer Momente – ob kochen, reisen, stempeln, schreiben, musizieren oder spielen, all das war Teil meiner Tage.

April in Berlin.

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

Du hast mir viel, viel Freiraum gegeben und mich bestärkt, diesen Nicht-Rhythmus, diesen Nicht-Alltag aufzusaugen und in vollen Zügen (und leeren Bussen) zu genießen. Du hast mir bewusst gemacht, was für ein Luxus es ist, so viel freie Zeit zu haben und so viel reisen zu können.

Mai in Sardinien.

Du hast mich auch gelehrt, feinfühliger zu sein. Mir und meinem Körper gegenüber, den anderen Menschen und ihren Geschichten gegenüber. Ich habe gelernt, dass Zuhören manchmal (oft!) einfach viel hilfreicher sein kann, als jeglicher Rat.

Du hast mich ganz viel spüren und fühlen lassen. Vieles davon war gut, manches anstrengend. Aber immer habe ich gemerkt, dass ich so vieles bin. Dass mein Ich aus ganz vielen Facetten und Gefühlen besteht. Und dass diese Dinge be- und genannt werden dürfen und sollen. Auch das hast du mir gezeigt. 2018, du warst ein Jahr voller Gespür und Ausdruck.

Juni in Berlin.

2018, du hast mir immer und immer wieder aufgezeigt, dass ich mir selbst nicht alles glauben brauche. Dass ich manchmal die Idee von etwas lieber mag, als die tatsächliche Realität. Und dass es gut ist, loszulassen von Ideen und die Realität zu leben, auch das hast du mir weisgemacht.

Dass ich die kostbaren Momente schätzen soll und die Feinheiten dieser mit vollstem Herzen genießen kann, auch das hast du mir in den unzähligen Momenten in der Natur, am Berg, im Wald, im Wasser und mit meinen allerliebsten Menschen immer wieder gezeigt.

Juli am Berg.

Du hast mich viele Entscheidungen treffen lassen – mit Gastón eine Beziehung zu führen, mit der Uni aufzuhören, mich vegan zu ernähren, nach Südamerika zu reisen, hier zu heiraten. All das waren und sind große Entscheidungen, die ich 2018 getroffen habe. Die vielen kleinen zwischendrin sind da gar nicht dabei!

August unter der Linde.

2018, du warst ein gutes Jahr. Ein fulminantes, volles, buntes Jahr.

September in Brasilien.

Du hast mich ganz intensive Gespräche mit unterschiedlichen Menschen führen lassen. Hast mich zu Orten und Menschen geführt, in ihren Gedanken und Geschichten mithorchen lassen, hast mir ganz klar gezeigt, dass es immer mehr als eine Wahrheit gibt und dass auch meine nur eine davon ist.

Oktober unterm Regenbogen.

Du hast mich Ideen verwirklichen lassen, mir weitere Ideen in den Kopf gesetzt und Visionen, die in mir leben, wichtig nehmen lassen.

Du hast mich mit Altem abschließen und mit Neuem beginnen lassen. Hast mir Zeit gegeben, Altes zu verarbeiten und Platz für Neues zu machen. Neue Menschen, neue Gedanken, neue Ideen, neue Räume. Du hast mich auch verabschieden lassen von Menschen, die ich sobald nicht mehr wieder sehen werde. Und du hast mir ganz viele neue Menschen gebracht. Menschen, die ich meine Freunde und meine Familie nenne.

November in Buenos Aires.

2018, ich bin dir so dankbar für all diesen Zauber, diese Magie, diese Überraschungen, diese Funken, diese Ruhe, diese Zeit, diese Begegnungen, diese Eindrücke. All das werden Erinnerungen, die mich an dich, 2018, zurückdenken lassen werden. Mit einem warmen Gefühl im Bauch, einem Grinsen im Gesicht und Glänzen in den Augen.

Dezember in Patagonien.

Denn du, 2018, warst das beste 2018, das ich jemals erlebt habe.

Ein Gedanke für 2019.

Ich wünsch euch einen guten Start in das beste 2019, das ihr jemals haben werdet.

• K •

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∆ Pragmantisch ∆

Pragmantisch. Ein Wort, das ich just in diesem Momente erfunden habe. Es setzt sich zusammen aus “pragmatisch” und “romantisch”. Und es leitet meine folgenden Worte perfekt ein:

Es ist so schön, zusammen zu sein

ANKÜNDIGUNG! TROMMELWIRBEL!

Gastón und ich werden am 11. Jänner 2019 hier in Buenos Aires heiraten!

WAS FÜR EINE NACHRICHT!

Hier freudig im botanischen Garten

Dass das romantisch ist, ist klar. Was es aber mit Pragmatismus auf sich hat, möchte ich euch gerne erzählen.

Da wir bereits vor unserer Reise den Wunsch gehegt haben, wieder nach Europa zurückzukehren, haben wir uns lange Zeit intensiv mit den Möglichkeiten dieser Idee auseinandergesetzt. Wir haben recherchiert und nachgeforscht, diskutiert und viel nachgedacht, bis wir zu dem Entschluss gekommen sind, dass wir ja sowieso zusammenbleiben wollen und dass eine Hochzeit uns diese gemeinsame Zukunft an einem Ort ermöglichen kann.

Warum wir heiraten, ist klar: dass wir uns lieben, unsere Zukunft gemeinsam verbringen und eine Familie gründen möchten, sind die Voraussetzungen für mich und uns, zu so einer Entscheidung zu kommen. Das Pragmatische daran ist, dass wir hier heiraten und dass wir jetzt heiraten.

So viele schöne Momente haben wir schon gemeinsam erlebt

Manche von euch wissen es bereits und die anderen erfahrens auf diesem Weg. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass ich das Ganze vor mir und anderen rechtfertigen muss. Weil es ja schon schnell geht mit uns und wir uns erst eineinhalb Jahre kennen und weil man ja nie weiß und weil das ja schon Konsequenzen mit sich zieht und weil und weil und weil. Ich hatte vieler dieser Zweifel und Gedanken auch. Und ich habe mich mit ihnen auseinandergesetzt. Hab ganz viel nachgedacht und in mich hineingespürt.

So viele kreative, inspirierende, berührende, bunte Momente gemeinsam

Ich habe wieder einmal mehr gemerkt, dass es in meinem Leben um mich geht. Dass ich NIE weiß, was die Zukunft bringt und nur vom jetzigen, momentanen Gefühl ausgehen kann. Dass ich zudem nicht hier bin, um zu warten und zu sparen mit den guten Sachen, sondern dass ich lebe um zu leben. Und die Entscheidung, ein klares JA zu meinem Lebensmenschen zu sagen, ist wahrlich eine lebensbejahende Einstellung.

Ich hab mich bereits an die argentinische Kultur angepasst – hier mal wieder mit Mate am Boot

Gestern waren wir am Standesamt und haben den Termin bestätigt, mit der Standesbeamtin geplaudert und uns gefreut, dass Argentinien so unkompliziert ist. Die komplizierteren Dinge kommen dann in Österreich auf uns zu: Dass Gastón in Österreich bzw. Europa leben darf, bedarf einiger Nachweise, Dokumente, Bescheinigungen und Behördengänge. Und da sind wir bereits fleißig am Organisieren, Termine vereinbaren, sind mit der argentinischen bzw. österreichischen Botschaft im Kontakt etc. etc.

Um halb 8 in der Früh vor dem Standesamt

Was wir an Rundherum geplant haben, kann ich euch verraten: Ich hab ein Dirndl mitgenommen, das ich einfach so mal anziehen wollte – aber jetzt hat es sich doch herausgestellt, dass das “einfach so” unsere Hochzeit ist. Gastón hat sein fesches Hemd und das wars dann auch schon wieder an Rundherumplanung. Mal schauen, was sich noch auftut, irgendwas kommt ja bekanntlich immer. Ich möchte einfach einen schönen Tag habe, weil ich es mag, besondere Tage zu feiern. Auf welche Art das auch immer sein mag.

Natürlich hätte ich meine Familie unglaublich gerne dabei. Und auch meine lieben Herzensmenschen. Natürlich! Aber die Tatsache, dass uns diese Hochzeit in der Art und Weise, wie wir sie hier machen, ermöglicht, was wir möchten – nämlich zusammensein und -bleiben – ist zu diesem Zeitpunkt einfach pragmatischer und weniger romantisch.

Verbunden im japanischen Garten

Aber – und das ist für uns auch wichtig: Gastóns Eltern freuen sich bereits sehr darauf, seine Freunde (mal schauen, wer dann kommt), unsere Trauzeugen (die Argentinier sein müssen) und alle Leute, denen wirs hier erzählen sind sehr glücklich darüber, dass wir hier heiraten! Und von der Seite her betrachtet find ichs schön, weil wir dieses Fest machen und dann nach Europa ziehen – ein symbolisch schöner Abschied.

Das Ganze fällt wohl auch in die Kategorie “Dinge, die nicht geplant werden können”. Dass sich mein Leben so entwickelt, hätte ich mir nicht einmal vor einem Jahr denken können. Ich sags euch, immer wieder durchfährt es mich und ich bin so so dankbar und glücklich darüber, dass ich so ein – mein – erfülltes, spannendes, überraschungsreiches, abenteuerliches Leben führe! Ich liebe es, dass die Dinge so oft anders kommen – weil darin so viel Leben steckt, so viel Echtheit und so viel Gefühl.

Glückerwältigt nach der Terminvereinbarung

Ich freue mich, euch solch wunderbare Nachrichten zu überbringen und halte euch auf dem Laufenden, was die Details der Märchenhochzeit angeht.

Bis dahin,

Liebe und so.

• K •

P.S.: Falls jemand superspontan plant zu kommen, sagt mir rechtzeitig Bescheid – dann können wir dem Catering Bescheid geben, dass ein Häppchen mehr gebraucht wird.

P.P.S.: Haha, nein. Es gibt kein Catering. Und auch keine geplanten Häppchen. Aber bestimmt irgendwas Gutes zum Essen.

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∆ Von heiligem Wasser, sexueller Erziehung und anderen Aktivitäten ∆

Das nenn ich mal einen Titel! Muss schon sagen, da übertreff ich mich selbst mal wieder.

Stets zu meinen Diensten!

Ich kann euch von dieser Woche so viele Dinge erzählen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Am besten am Anfang. Das macht Sinn.

Die berühmten Steineier von Buenos Aires

Also am Ende des letzen Blogeintrags hab ich ja geschrieben, dass wir zu einer Comicconvention fahren. Und da beginnt auch schon das erste Abenteuer dieser Woche.

Demi (ein Freund von Gastón, in dessen Wohnung wir über meinen Geburtstag bleiben durften) arbeitet als Sprecher für Werbungen und Cartoons – unter anderem für einen, der unter der jungen Bevölkerung Argentiniens sehr bekannt ist. Er ist die Stimme des Hauptcharakters und ist daher zu dieser Comicmesse eingeladen worden, um Autogramme zu geben und von seiner Arbeit als Sprecher zu … sprechen.

Die berühmten Cartoonstars von San Nicolas

Und wir haben uns diesen Spaß natürlich nicht entgehen lassen und sind mit ihm in eine kleine Stadt ca. 3 Stunden westlich von Buenos Aires gefahren. Im Auto mit Mate und lauter Musik sind wir so durch die Pampa gefahren. Und noch nie in meinem Leben hat dieser Satz auch geografisch so viel Sinn gemacht! Die Pampa ist eine Landschaftsform, die geprägt von weiten (endlosen) Wiesen, sattgrünem Gras und Pferden bzw. Kühen ist, die sich darauf tummeln. Wunderschön! Und so anders, wenn am Ende der Weite keine Berge zu sehen sind!

In San Nicolas waren wir dann wie gesagt auf der Comicmesse, ein höchst schräge Angelegenheit für mich als Comicnokerbatzi. Aber gut, Erfahrungen sind ja da, um gemacht zu werden. Viele Leute waren verkleidet, es gab auch die professionellen Verkleideten, die als Star Wars oder Predators (habe ich vorher nicht gekannt, geb ich zu) ihre Show gemacht haben.

Ein berühmter Predator (beim Verlassen des Klassenzimmers – er hat wohl was angestellt…)

Nach der Show von Demi und Agustina (das ist die Kollegin, die das Mädchen in der gleichen Serie spricht), gab es noch Autogramme und danach sind wir ab in die Stadt, haben Pizza gegessen und uns am Hauptplatz mit uns selbst amüsiert.

Was für ein spontaner Schnappschuss!

Am nächsten Morgen sind wir dann los um * tamtatatataaaam* heiliges Wasser zu schlürfen. (Darf man das so überhaupt sagen? Ist das nicht schon Blasphemie? Ich weiß es nicht, aber was wir dort aufgeführt haben, war wahrscheinlich nicht ganz heilig…). Wir sind also zu dieser Kirche, in der im Keller eine Quelle mit einem Brunnen ist, in der durch einen Lichtstrahl die Heilige Maria erschienen ist.

[wpvideo XbM7gZz2 ]

Die heiligen Matefreunde

Und wenn ich das so schreibe, dann schüttle ich bereits meinen Kopf. Ich bin für so etwas ja gar nicht zu haben, Gastón und Demi haben ein paar (geheime) Videos in der Kirche gemacht, dann sind wir aber schnell raus. ABER und das ist ja gut, wenn es gläubigen Menschen hilft, dann ist das ja gut. Wir haben an der Zapfstelle eine Flasche heiliges Wasser mitgenommen, das wirklich gut geschmeckt hat und sind dann am Heimweg wieder mit Mate und diesmal noch lauterer Musik heimgedüst. Stoppgemacht haben wir bei einem Bauernstandl neben der Straße, haben Früchte gekauft und uns des Lebens gefreut.

Die heiligen Wasserhähne

An diesem Wochenende hab ich mit Gastón und Demi so viel gelacht, und mich selbst auch so lustig gefunden, was mich natürlich noch mehr zum Lachen gebracht hat. Im Auto hinten drin hab ich dann festgestellt, dass ich es liebe, mit Menschen unterwegs zu sein und kleine Abenteuer zu erleben (oder uns selbst welche zu machen), die so auf einer Wellenlänge mit mir sind. Zufrieden und sonnenverbrannt, aber mit einer Flasche heiligen Wassers sind wir am Montagabend wieder in Martinez angekommen.

[wpvideo grbFLt8C ]

Am nächsten Tag haben wir einen Trip in die Hauptstadt gemacht, um Schobi zu treffen. Einen guten Freund von Maxi und mir und unserer Familie überhaupt. Der ist mit seiner Freundin, die hier ein Auslandssemester gemacht hat, am Herumreisen und da haben wir uns getroffen, sind durch wunderschöne Parks geschlendert, haben die Farben der Papageien bewundert und natürlich Mate getrunken. Das Gefühl von Heimat und Zuhause hat sich beim Ratschen und Reden in mir ausgebreitet und es hat auch so gut getan, meine Erfahrungen mit Leuten, die aus dem gleichen Land kommen, zu teilen.

Hier gemütlich im Papageienpark

Die Liste der Aktivitäten hört aber nicht auf, nein, nein! Wie gesagt, diese Woche war vollgepackt damit! Am nächsten Tag hab ich mich mit Luli, einer Freundin von Denise getroffen. Die hab ich in Berlin kennengelernt und gemeinsam sind wir in den Park gegangen, haben Stempeln geschnitzt und einem Dudelsackspieler zugehört. So einer feiner Nachmittag und auch mal schön, was alleine zu machen (Thema Unabhängigkeit und so).

Kreativeln in einem anderen Park

Der nächste Tag hat mit einem ganz besonderen Termin auf mich gewartet: Ich hab eine kleine, deutschsprachige Spielgruppe hier um die Ecke besuchen dürfen. Die haben wir zufällig beim Spazieren entdeckt und daraufhin hab ich Kontakt aufgenommen und sie haben mich eingeladen.

Das Haus ist ein kleines Wohnhäuschen und bereits beim Eintreten hab ich das wohlige Gefühl von Kinder-Leben gespürt. Ein kleines Mädchen ist gleich zu mir gekommen, hat mich umarmt, “hola” gesagt und ist dann wieder abgezischt. Ich hab den ganzen Vormittag dort verbracht und mitgespielt, getanzt, am Boden gesessen, beobachtet, gemalt, Musik gehört, Bücher angeschaut und die Energie von 2-Jährigen genossen.

Das ist nicht die Spielgruppe, sondern ein Haus, das ich gerne kaufen würde

Die Pädagoginnen sprechen Deutsch mit den Kindern, die Kinder antworten meist auf Spanisch. Ich hab nicht so viel verstanden, weil es mir echt schwergefallen ist, bei einer piepsigen Stimme und abgelenkt vom kleinen, so lieben Gesichtchen auf die Sprache zu achten. Am Ende hab ich noch ein kleines Lied mit ihnen gesungen und gesagt, dass ich sehr gerne wieder kommen möchte.

Ich bin auch mit der Leiterin im Kontakt, sie hat mir am nächsten Tag geschrieben, dass die Kinder schon gefragt haben, ob “Catalina” heute wieder kommt. Ach, wie schön! Erfüllt und voller Ideendrang bin ich nach Hause, hab Gastón meine Pläne von der Arbeit mit kleinen Kindern erzählt und mich gefreut, dass ich den ganzen Vormittag von so feinen Wesen umgeben sein durfte.

Auch so ein feines Wesen, dieser Gastón

Am Freitag hab ich dann ganze zwei Stunden mit meiner Familie videotelefoniert und das hat so so gut getan. Alle waren da, alle versammelt vorm Handy. Alle haben ihre Geschichten erzählt und ich hab mich ihnen so nahe gefühlt. Es tut so gut zu wissen, dass ich euch habe und so wichtig bin. Danke Papa, Mama, Alex, Maxi, Raphael und Marla. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich euch manchmal vermisse. Und wie warm es mir ums Herz wird, wenn ich daran denke, dass ich so ein unglaublich großes Glück habe, Teil dieser Herzensfamilie zu sein.

Ich geb zu, heute sind meine Fotos etwas aus dem Kontext gerissen – aber teilen möcht ich sie trotzdem mit euch 🙂

Am Freitag waren wir bei der Präsentation eines Buches über sexuelle Erziehung. Dieses hat die Mama eines guten Freundes von Gastón geschrieben, und die beiden haben den Abend gefilmt und ich hab mich ins Publikum gesetzt und genossen, an so einer Veranstaltung teilzuhaben. Alles hab ich natürlich nicht verstanden, aber die Kernpunkte möcht ich gerne mit euch teilen.

Hier in San Nicolas am Fluss Paraná

In Argentinien gibt es, wie erschreckenderweise in ganz vielen Teilen der Welt, eine starke Bewegung der konservativ Rechten. Und diese sind unter anderem gegen die sexuelle Erziehung im Kindergarten, weil sie finden, dass wir Kinder dadurch zeigen, homosexuell oder transgender oder pervers oder wasauchimmer zu werden. Dass wir durch die Erziehung zu selbst- und körperbewussten Menschen die Gesellschaft in eine falsche Richtung bringen.

Jacaranda – der Baum, der gerade in der ganzen Stadt seinen Blütenteppich auslegt

Das andere Extrem ist, dass Kinder nicht mehr berührt werden dürfen, keine Umarmungen, kein Windelwechseln etc., weil das die Integrität der Kinder einschränken würde.

Und dieses Thema nimmt dieses Buch auf und zeigt in Projekten und Ideen für Familien, wie es gehen kann, dass ganzheitliche sexuelle Erziehung von jungen Kindern Zärtlichkeit braucht. Dass Umarmungen nicht Umarmungen sind. Und dass ein Miteinander wichtig ist, wenn wir eine Gesellschaft mit kritischdenkenden, selbst- und körperbewussten Menschen wollen, die ihre Grenzen kennen und die Grenzen der anderen respektieren.

Und dasss iss dass Pla-ne-ta-ri-un (bitte mit lustiger Wisperstimme lesen)

Viele Leute waren anwesend, viel Interesse wurde gezeigt. Das Buch ist natürlich auf Spanisch, aber ich hab mit Santis Mama gesprochen, dass ich das Buch trotzdem gerne haben würde, um die Ideen und Gedanken nachlesen zu können. Und ich vertraue meinen Spanischsynapsen, dass die sich immer mehr und mehr bemühen, mir das Verstehen der Inhalte zu ermöglichen.

Im Anschluss gab es noch ein Konzert von drei Tango-Musikerinnen, ich hab mich wie in einem Film gefühlt. Und was mich berührt hat, ist die Tatsache, dass ich gerade hier bin und so tief in diese Kultur eintauchen darf: Diskussionen über Politik und Erziehung, Musik, die das widerspiegelt, was viele Menschen fühlen.

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Und heute hatten wir einen feinen Familiensonntag bei Gastóns Bruder daheim – bei selbstgemachter Pizza, Eis in 250g-Portionen und einem 3D-Drucker haben wirs uns bei ihm im Patio (das ist der Hof, der im oder zwischen oder vorm Haus ist) gemütlich gemacht! So ein feiner Tag!

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Herrrlich! Ananas, Himbeere und Zitrone mit Schokostücken, geliefert mit Nüsschen zum Verzieren

Diese Woche war wirklich gut. So viele Aufs, so viele bereichernde Momente. Ich bin dankbar für alles hier. Und was ich auch gemerkt habe: Ich darf manche Ideen und Vorstellungen einfach loslassen. Ich muss hier nichts. Weder tun, noch erledigen, noch erleben. Ich bin hier und alleine dadurch tut sich schon so vieles in mir.

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achtsam · allgemein · reisend

∆ Aufs und Abs ∆

Reisen ist immer schön. Immer entspannend. Immer voller Freude und voller guter Momente. Es ist immer einfach, weil es ja keine Regeln und keine Vorschriften gibt.

Hier glücklich in einer Spielzeugausstellung

So sieht es auf den Fotos aus, so sind die Reisegeschichten meistens. Und ich werde heute und jetzt etwa zugeben: Das ist nicht so. Reisen ist auch anstrengend, nicht schön und nicht immer voller Freude.

Hier immer noch ziemlich glücklich, allerdings im falschen Moment fotografiert – mit Gastóns Freund Gaspar waren wir am Fluss, Mate trinken und übers Leben reden

Ich habe in den letzten Wochen einige Auf und Abs erlebt. Und davon werd ich euch jetzt berichten.

Also die Abs. Hu. Ich sags euch. Es ist anstrengend, die Sprache des Landes nicht zu sprechen. Ich kann nicht sagen, was ich brauche oder will, kann meine Ideen nur schwer teilen, kann zuhören, aber nicht wirklich antworten. Natürlich, ich verstehe immer mehr, darauf bin ich wirklich stolz – noch nie in meinem Leben habe ich eine Sprache so in der Praxis gelernt. Ich konnte bei den anderen Sprachen zumindest einige grammatikalische Strukturen und Muster. Und jetzt sitz ich hier, brauche lange, um einen Satz herauszubekommen und fühl mich dabei manchmal einfach überfordert und entmutigt.

Alles ist ein Prozess und ich merke natürlich, dass es in eine gute Richtung geht, aber – und das muss ich leider zugeben – meine Ungeduld trägt nicht zu meiner Zufriedenheit bei. Gastóns Eltern sind so geduldig mit mir, erzählen mir so viel und freuen sich jedes Mal, wenn ich etwas mehr verstehe. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Aber wenn ich dann wieder mal nicht sagen kann, weil ich die Wörter noch nicht habe, oder zu schüchtern bin, dann ist das ziemlich frustrierend.

Gastóns Mama hatte zwei Tage nach mir Geburtstag – hier feiern wir gemeinsam mit zwei Kuchen und lustigen Kerzen

Ein weiteres Ab, das ich hier gerade spüre, ist Abhängigkeit. Es ist wunderschön, dass Gastón sich um mich kümmert, er macht das wirklich gut und mit ganzem Herzen. Und dieses auf-ihn-Verlassen macht mich natürlich in gewisser Weise abhängig von ihm. Er wirds schon richten, er wirds schon übersetzen, er wirds schon lösen. Ich verlasse mich auf ihn und er übernimmt ganz viele Aufgaben hier – für uns beide. Und damit versetze ich mich selbst in eine Abhängigkeit, die ich nicht mag. Natürlich ist es schön, wenn alles für mich gelöst wird, aber meine Komfortzone verlasse ich dadurch nicht. Ich merke das erst, wenn ich zwider werde, obwohl doch alles für mich einfach sein sollte. Und wenn ich dann gemein werde, weil alles für mich gemacht wird, merke ich, dass ich mich in einem Zustand befinde, den ich war nicht so gerne mag, der aber jetzt in dieser Zeit gerade Realität ist. Dass das nicht für immer anhalten wird, ist klar. Dass dieser Moment auch nicht das ganze Leben ist, das darf ich dabei lernen.

Das Zusammenleben mit einer Familie, die einen eigenen Rhythmus hat, hat seine wunderschönen, aber natürlich auch intensiven Seiten. Ich mag Gastóns Eltern von Herzen gern, sie sind so zuvorkommend und lieb und geduldig und verständnisvoll zu und mit mir. Ich bin so so dankbar, dass ich sie kennenlernen darf. Und manchmal merke ich einfach, dass ich durch meine bisherigen Erfahrungen auch mal keinen Rhythmus oder eben meinen eigenen Rhythmus leben möchte. Und das ist in diesen Umständen nicht so leicht.

Apropos Rhythmus – hier in einem der feinsten Buchläden, die ich je sehen durfte

Gastón und ich haben das letzte Wochenende – inklusive meinen Geburtstag – in der Wohnung eines Freundes verbracht und das hat uns so richtig gut getan. Wir hatten unseren eigenen Rhythmus, haben getan und nicht getan, was wir (nicht) wollten und gemerkt, dass wir sehr bereit sind für das Leben zu zweit gemeinsam an einem Ort. Es ist natürlich anders, einen Raum oder eine ganze Wohnung ganz für uns alleine zu haben. Ich kann mich im Haus überall frei bewegen, natürlich! Aber es ist halt einfach nicht mein Haus und das ist auch ok so. Wir haben am Ende des Wochenendes festgehalten, was uns so gut tut und sind draufgekommen, dass wir das ganz einfache und leise Leben gemeinsam so genießen. Wenn wir Musik hören, Kuchen backen und zusammen alleine sein können, dann sind unsere Wohlfühlbedürfnisse weitgehend gedeckt.

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So fein! Das ist die Geburtstagswohnung hier mit Lichterkettengemütlichkeit

Eine weitere Sache, die einige Tränen mit sich bringt, ist, dass ich einfach manchmal gern Zuhause wäre. Mit meiner Familie einen gemütlichen Sonntag zu verbringen, die Sprache sprechen, die ich am besten verstehe und die kleinen (kulturellen, familiären, alltäglichen) Zwischendinge ohne Nachdenken und Nachfragen einfach mitzuleben. Das wünsche ich mir manchmal und das ist auch das, worauf ich mich so freue. Ich weiß, dass ich (quasi) mein ganzes Leben daheim war und auch mein kommendes Leben (ach, ich schreibe, als gäbe es mehrere Leben!) daheim sein kann. Ich weiß auch, dass ich jetzt in diesem Moment hier bin und alles aufsaugen soll, was ich aufsaugen kann. Aber ich gebe es zu: Manchmal wärs so schön, wenns einfach einfach wäre. Und Bekanntes ist einfacher. Zumindest von weit weg.

Und was als “ach so interessant” und “wichtig für die Erweiterung der Blickwinkel” angesehen wird, kann manchmal einfach ermüdend und aaaanstrengend sein: kulturelle Unterschiede. Wie oft ich Sachen einfach nicht verstehe, anders interpretiere oder mache, weil ich in einer anderen Kultur aufgewachsen bin! Ich sehe so viele Gemeinsamkeiten und trotzdem komme ich immer wieder zu dem Punkt, dass ich etwas nicht verstehe – und da red ich jetzt nicht allein von der Sprache – und komplett anders aufnehme, als es intendiert war.

Zum kulturellen Unterschied noch ein Foto: Das ist der Altar von einem Gaucho (Gauchito Gil, falls wer recherchieren mag) – eine Opferstätte, zu der Menschen tagtäglich ihre Opfergaben bringen

Das mit dem Unterbrechen hab ich euch ja schon gesagt. Aber da gibt es noch eine Sache, die mich fürchterlich ärgern kann (wenn ich im richtigen – also eigentlich falschen – Gemütszustand bin): das komplett andere Einschätzen und Einteilen von Zeit. Wenn wir sagen, dass wir in einer Viertelstunde etwas machen, dann bin ich in einer Viertelstunde fertig. Weil ich ja weiß, dass wir was machen und ich ja antizipieren kann, wie lange ich für gewisse Dinge brauchen werde.

Das ist hier nicht so. “Wir essen gleich” heißt bei mir: Wir essen gleich. Dass das dann aber bis zu zwei Stunden dauern kann, verstehe ich schlichtweg einfach nicht! Es ist wirklich so: Ich verstehe es mit meinem Verstand nicht! Wenn ich sehe, dass alles halbfertig ist, dann kann ich doch cirka einschätzen, wie lange das Essen (das Zusammenrichten, Duschen, der Weg irgendwohin, etc. – die Liste ist lang) dauern wird. Oder etwa nicht? Das macht mich manchmal fertig. Und ganz huschig. Und dann trägt das nicht grade zur Harmonie bei.

Der trägt allerdings sehr zur Harmonie bei! Die Streusel wollte ich unbedingt haben

Ich lerne immer mehr, mich einfach auf Situationen einzulassen. Nehme meinen Block und meinen Stift zum Esstisch, weil ich mittlerweile weiß, dass ich leicht Zeit habe, ein paar Dinge aufzuschreiben oder zu zeichnen. Aber manchmal, da reichts mir einfach und da möchte ich in meinem effektiven Zuhause, umgeben von planmäßigen Abfahrten und verlassenswerten Angaben sein. Aber ja, das ist wohl etwas, das ich hier lernen darf und gezwungenermaßen lernen muss: Geduld.

Das schreib ich dann auf, um von den Abs leichter zu den Aufs zu kommen

Wie ihr seht, sind meine Abs auch mit vielen Aufs gekoppelt. Ich kann das Gute im Unwohlsein herausfiltern, früher oder später. Ich schreibe das alles nieder, weil ich mich und meine Gefühle dadurch besser verstehen kann. Und weil ich es fair finde, auch das zu teilen. Natürlich versuche ich mich auf das Gute zu konzentrieren. Aber manchmal geht das einfach nicht so einfach. Und das ist etwas, das ich lernen durfte. Dass es komplett und vollkommen ok ist, auch mal unten zu sein. Auch mal unzufrieden und zwider und überfordert zu sein.

Und das mach ich hier auch gerne: mit Gastóns Farbenstäbchen aus der Volksschulzeit spielen. Das beruhigt und macht mich zufrieden

Und warum ich das dann alles mache? Weil ich mich wachsen sehe. Ich sehe, wie ich tagtäglich über mich hinauswachse und die Vorstellungen im meinem Kopf umwerfe, zerstöre und anders und neu wieder aufbaue. Weil ich es mag, gefordert zu werden. Weil es für mich dazugehört, einen Weltblick zu bekommen. Weil es für mich wichtig und sehr aufschlussreich ist, dass ich die Kultur, die Familie, das Land, die Leute, aus denen mein Freund kommt, kennenlerne. Weil das Leben – egal, an welchem Ort ich mich befinde – immer wieder Herausforderungen bergen wird. Und weil ich mit diesen Erfahrungen, die ich hier machen darf, mit den Reflektionen, für die ich hier Zeit habe, mit dem Verständnis fürs anders-als-ich-Sein, das ich hier aufbaue, viel mitnehmen kann in jegliche Lebenslagen. Weil ich weiß, dass alles vorbeigeht – das Gute und das Schlechte, weil ich jetzt hier bin und weil ich mich gegen ganz viele Konventionen (in meinem Kopf) daheim durchsetzen musste, um heute hier sein zu können.

Apropos Kennenlernen von Gastóns Herkunft: Hier ein zuckersüßes Foto von ihm! Ich liebe es!

Morgen gehts ab zu einer Comicconvention mit einem Freund von Gastón, jetzt werden wir unsere Serie auf Netflix weiterschauen und nächste Woche darf ich eine Spielgruppe in der Nachbarschaft besuchen. All das und vieles mehr erwartet euch in der nächsten Folge von “Katharina mag das Reisen trotzdem”.

Ich danke euch fürs Lesen meiner Gedanken.

• K •

achtsam · allgemein · reisend

∆ Von den feinen Momenten ∆

Wenn ich von den feinen Momenten schreibe, meine ich zweierlei: Zum Einen die Momente, die gut tun und tief gehen und glücklich machen und einfach fein sind, zum Anderen die Momente, die ihre Besonderheit im Kleinen, im Feinen haben.

Blau blau blau

Feine Momente wahrnehmen und schaffen, das ist gerade meine Devise. Und so bin ich auch auf den Titel dieses Texts gekommen.

Zur ersten Kategorie – den selbstgemachten feinen Momenten – gibt es einiges zu sagen. Die letzte Woche war geprägt von feinen Situationen, Stunden, Tagen. Und diese Momente vermischen sich teilweise mit der zweiten Kategorie feiner Momente.

Am Samstag zum Beispiel waren wir bei dem Konzert einer energievollen, superguten Band: Perotá Chingó. Das sind zwei Frauen aus Buenos Aires, die seit einigen Jahren Musik gemeinsam machen und ich hab zum ersten Mal in Berlin von ihnen gehört. Da hat mir meine liebe Freundin Denise die Band gezeigt und seither hab ich sie immer lautstark gehört. Und zufälligerweise sind die gerade auf Südamerika-Tour und haben in einem Club hier gespielt. Was für eine Freude, solche Musik hautnah zu erleben! Ich hab ein bisschen geweint, weil es mich so berührt hat, dass ich gerade hier sein darf und dass mir so schöne Sachen zukommen.

Hier beim Konzert, bunt und glücklich

Der Sonntag hat gleich nachgelegt mit feinen Momenten – wir waren zu Besuch bei Gastóns Tante und Onkel, haben dort zu Mittag gegessen und ein bisschen über die österreichische Kultur, Politik und was halt hier an Österreich interessant sein könnte, geplaudert. Die feinen Momente zweiter Kategorie – die, die sich zwischen den Zeilen abspielen – waren besonders die Blicke zwischen Gastóns Eltern und mir mit einem Vertrauen und einem Gefühl des Dazugehörens. Bereits nach einer Woche hat sich dieses feine Gefühl herauskristallisiert.

Anschließend haben wir noch eine ganz liebe Freundin von Gastón getroffen – mit der waren wir im Park, haben Mate getrunken und ganz viel geredet. Mate? Was, das habe ich noch gar nicht erzählt? Das Volksgetränk und die große Tradition des Mate in Argentinien! Mate ist ein Teegetränk, das von allen und jederzeit und in allen Umständen getrunken wird. Dabei wird der Yerba (das ist die Pflanze, aus der die Infusion gemacht wird – und es gibt ganz viele verschiedene Sorten) in ein extra dafür vorgesehenes Behältnis gefüllt, fast bis oben voll, danach kommt eine Portion heißes Wasser drauf, dann der Bombilla (das ist ein Strohhalm mit einem Filter unten dran) und dann wird getrunken. Wenn man fertig ist mit der ersten Portion, kommt wieder heißes Wasser drauf und die Tasse wird weitergeben. Und so wird Mate getrunken – meist in einer Gruppe, immer mit einer Thermoskanne mit heißem Wasser. Mate schmeckt – je nach Marke – sehr bis etwas bitter. Für mich gewöhnungsbedürftig, mittlerweile mag ich ihn schon recht gern. Besonders das Ritual gefällt mir so gut!

Hier mit Mate im Park am Fluss

Auch am nächsten Tag haben wir wieder ein Freundin von Gastón getroffen, die hat einen kleinen Sohn und der hat sich – nach kurzen Anlaufschwierigkeiten – so gefreut, dass Gastón wieder da ist. Gemeinsam waren wir am Spielplatz, Gastón und Fermin haben gespielt, Ana und ich haben über Erziehung und Kindergärten und Systeme und das Leben geredet – so ein feiner Nachmittag!

Ein ganz besonderer Tag war der Donnerstag, weil wir da zum ersten Mal ins Stadtzentrum von Buenos Aires gefahren sind und uns dort Zeit genommen haben zum Trudeln und Schlendern. So fein! Und von einer Welt – der Vorstadt, in der wir jetzt leben mit vielen kleinen Häusern und Gärten und wenig Leuten – in die nächste: Großstadtleben mit der weitesten Avenue der Welt, Unmengen an Menschen und Demonstrationen für oder gegen etwas an jeder Ecke, hupenden Autos und Sirenengeheul von den Einsatzfahrzeugen.

Funfact: Ich hab den Obelisk zuerst gar nicht gesehen, hab ihn mir größer vorgestellt. Aber hier pose ich brav als Touristin
Hier mit einer Medialuna – das ist ein kleines Croissant mit Zuckerguss – unglaublich guuuut

Beim Aussteigen aus der U-Bahn ist mit klargeworden, dass ich mich in einer der Metropolen der Welt befinde. Die Häuser, die noch aus der Blütezeit der Stadt stammen, mischen sich mit modernen Geschäften und den Zeichen von Großstadtarmut. Hier am Platz (Plaza de Mayo) vor dem rosaroten Haus, in dem der Präsident arbeitet.

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Das prächtige Haus der Post wurde umgewandelt in ein Kulturzentrum und das haben wir uns näher angeschaut. Beim Betreten hab ich mich gefühlt, wie 200 Jahre zurückversetzt. Die schweren Tische, die hohen Räume, die riesigen Lampen. All das ist erhalten von einer längst vergangenen Zeit. Und direkt daneben befinden sich modernste Kunstinstallationen, ein riesiger Raum, der sich wie schwebend durch die große Halle zieht, Ausstellungen über Musiker, die Geschichte von elektronischer Musik, ein Zelt aus Holz, in dem Klänge und Stimmen gespielt werden. Bunt gemischte Kultur in einem Haus voller Geschichte. Ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Hier im Video seht ihr mich herumsausen unter tausenden von bunten Stoffen, ein kultureller Kindsein-Moment.

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Anschließend waren wir auch noch im chinesischen Viertel – und somit wieder in einer anderen Welt. Dort sind die Straßennamen in Chinesisch geschrieben, die Supermärkte verkaufen Schildkrötenfleisch und die Stimmung fühlt sich an, wie auf der anderen Seite der Welt. Faszinierend! Wir haben uns im Supermarkt eingedeckt mit Linsen, Tofu, veganem Käse und anderen Spezialitäten, die wir nur dort kaufen können. Ein feiner Tag, dieser Ausflug in drei verschiedene Welten.

Darf ich vorstellen: Die Touristin!

Die zweite Kategorie – die feinen Momente, die sich manchmal etwas verstecken und gefunden werden wollen, – tragen sich immer wieder zu, jeden Tag.

Die Momente, die ich besonders fein finde, sind die kleinen Augenblicke, wenn ich beim Abendessen mit der Familie dasitze und beobachte. Wenn Gastóns Mama versucht, mir etwas aus ihrer Kindheit zu erzählen und dann so zu lachen beginnt, weil sie sich an etwas Lustiges erinnert und ich einfach mitlachen muss, weil es so ansteckend ist und auch, wenn ich oftmals nicht alles hundertprozentig verstehe. Oder wenn Gastón seinem Papa etwas erklärt und der ihn mit leuchtenden Augen und voller Stolz anschaut und ihm ganz genau zuhört.

Oder wenn wir zum Gemüsegeschäft an der nächsten Ecke gehen und der Verkäufer am gleichen Morgen Papa geworden ist und wir uns neben der Auswahl an Gemüse und Obst die Babyfotos anschauen. Oder wenn wir im Lebensmittelladen an der anderen Ecke sind und der alte Herr, der seit gefühlten 100 Jahren das gleiche Geschäft hier hat, mich ganz genau anschaut und dann anlächelt, weil ich doch nicht ganz so aussehe, wie die meisten Leute hier und weil ich neu hier bin.

ooh unser Frühstück – das ist auch unglaublich fein!

Das sind feine Momente. Die kleinen Momente zwischen den großen.

Mit Gastón habe ich auch ganz viele dieser feinen Momente – wenn wir uns ein paar Stunden über alles Mögliche unterhalten und gar nicht merken, wie die Zeit vergeht. Oder wenn wir am Fluss sitzen, Mate trinken und über die Zukunft sinnieren. Oder wenn wir auf der Terrasse sitzen und gemeinsam Kinderbücher lesen, damit ich Spanisch lernen kann.

Hier ein Buch über verschiedene Formen von Landwirtschaft, sehr brauchbares Vokabular
Bananicecream – Eis aus gefrorenen Bananen mit Kakao und Lavendel mmmhh

Oder wenn wir mit dem Fahrrad durch die Straßen fahren, den Duft von frischen Blumen in der Nase, auf dem Weg zur nächsten Dietetica. Das sind kleine Läden, die gesunde Lebensmittel nach Kilo verkaufen. Und dort gibts auch immer wieder ien paar Schätze für uns zu finden. Gerade letztens waren wir bei der Dietetica um die Ecke und haben mit der Besitzerin geredet, über Österreich und welche Sprache wir da sprechen und dass Argentinien ja so ein schönes Land ist, wenn man die Wirtschaft nicht bedenkt und dass sie sich freut, wenn wir wieder kommen. Ach, so schön, das kleine Großstadtleben hier.

Das ist zwar im China-Supermarkt, aber so ähnlich schauts in den Dieteticas auch aus, nur in klein

Feine Momente nehme ich auch wahr, wenn ich merke, wie anders mein Blick auf manche Dinge ist. Einfach, weil ich in einer anderen Kultur, in einem anderen Land, in einer anderen Familie aufgewachsen bin. Ich merke, wie normal Dinge hier sind, die für mich einfach gar nicht normal sind. Ein Beispiel, damit ihr euch vorstellen könnt, was ich meine: Wenn hier jemand etwas erzählt, ist es völlig normal, die Person zu unterbrechen und die eigenen Gedanken einzubringen. Dadurch, dass das für mich ein Zeichen von Respektlosigkeit ist, mache ich das selbst auch nicht und fühle mich ein bisschen angegriffen, wenn ich unterbrochen werde. Dass es dabei aber nicht darum geht, wichtiger als die andere Person zu sein, sondern darum, dass das Gespräch lebendig bleibt und andere Sichtweisen eingebracht werden, muss ich erst lernen. Und wie viel ich es dann mag, weiß ich jetzt noch nicht. Ich zucke noch jedes Mal zusammen, wenn plötzlich drei Leute lautstark über drei unterschiedliche Themen reden. Und trotzdem wissen anscheinend alle, worum es geht.

Am Fluss – immer wieder schön

Was für mich auch ganz berührende, feine Momente sind, sind die vielen Nachrichten, die ich von meinen Lieben daheim bekomme. Mit ein paar Leuten tausche ich lange Sprachnachrichten aus, mit anderen Fotos und kurze Ich-denk-an-dich-Nachrichten. Es ist so schön, rundherum so viel ehrliches Interesse und Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich liebe diesen Austausch und fühle so viel Dankbarkeit, dass ich, egal wie weit ich weg bin, Momente des Nahefühlens und Teilhabens erleben darf.

Ich sitze übrigens gerade auf der Dachterrasse, hab mir ein Sonnensegel gebaut, weil es jetzt schön langsam wirklich warm wird und denke an all die feinen Momente, die waren – und auch an die, die kommen werden. Ich schau den Blüten beim Wachsen zu, genieße den Wind und bin so, so dankbar für mein Leben.

Mein heutiger Arbeitsplatz

Ich wünsch euch ganz viel feine Momente – große und kleine.

• K •

achtsam · allgemein · reisend

∆ Essenzielligkeiten ∆

Es gibt sie. Und es sind nicht viele. Für alle ein bisschen unterschiedlich, aber irgendwie auch wieder sehr ähnlich. Die essenziellen Dinge, die wir alle machen und brauchen. Die sogenannten Essenzielligkeiten.

Ein Blick beim Spazieren in die Stadt.

Ich denke viel darüber nach, was wir denn wirklich brauchen. So Reisen sind ja bekannt dafür, dass man zurückkommt und sagt, dass man das alles ja gar nicht gebraucht hätte und mit so wenig ausgekommen ist. Ja, das denk ich mir manchmal. Aber Gewand und Schuhe allein meine ich gar nicht. Ich meine das ganz Paket.

Mit wenig auskommen. Ob das jetzt im Haus ist oder beim Reisen. Zu-hause oder unter-wegs. Und es geht auch nicht um den minimalistischen Touch per se. Es geht nicht darum, einfach weniger zu haben und zu tun. Es geht bei diesem – meinem – Gedanken darum, die essenziellen Dinge herauszufiltern in der Menge der Dinge, die wir haben und brauchen und tun und sind.

Hier ein Ausblick aus einem Buchcafé. In brasilianischen Farben.

Diese Essenzielligkeiten, was meint sie nun genau damit, werdet ihr euch jetzt bestimmt fragen. Ich denke dabei an ganz basale Dinge, wie Luft und Wasser und Sonne und Nahrung. Und so banal das jetzt auch klingt – diese Dinge sind so, so wichtig für uns. Für mich.

Luft und atmen erinnert mich ganz besonders an die Städte, die wir bisher bereist haben. Das fällt mir dort nämlich schwer. Und gute Luft zu atmen ist sehr essenziell. Es schafft Raum und macht frei. Frische Luft zu atmen – ob das im Dschungel, am Meer oder am Balkon mit Blick auf die Berge ist, ist wichtig für mich.

Das Meer, die Luft, der Nebel. So wohltuend.

Wasser trinken und darin sein und Wasser auf der Haut spüren und Wasser sehen. So ähnlich ist es dann auch mit der Sonne. Darin wird zu darunter. Und trinken tun wir sie ja gewöhnlich mit der Haut. Oder irgendwie so. Wichtige, essenzielle Dinge also.

Nahrung fällt mir immer mehr auf. Da wir uns ja rein pflanzlich ernähren, liebe ich es, frische Früchte und Gemüse zu kaufen und es dann zu verkochen. Ich liebe es auch, durch den Supermarkt zu schlendern und uns alternative Rezepte einfallen zu lassen, für Dinge, die es hier so einfach nicht gibt. Schokolade ist so ein Thema. Die gibt es in Massen, aber überall ist Milch drinnen. Und Zucker, so viel Zucker. Also schaffen wir uns mit Energiekugerl Abhilfe – die machen wir mit Haferflocken und Bananen und Kakao und Rosinen und Nüssen und Samen und allem, was uns sonst noch so in die Quere kommt und reinpasst. Wir kochen auch so jeden Tag mindestens einmal und genießen das Essen sehr. Nahrung also. Sehr essenziell. Überlebenswichtig und dann auch noch so gut, dass das Kochen bei uns selbst auf Reisen einen großen Teil der Lebensqualität ausmacht.

Hier gönnen wir uns ein feines veganes Essen am Meer.

Ein paar Dinge, die für mich jedenfalls auf die Liste der Essenzielligkeiten gehören, sind Farben, Spielen, Bewegen und Schlafen.

Farben sind schnell erklärt: Sie machen mich ruhig und inspirieren mich im gleichen Moment. Sie beschreiben viel mehr als Worte das oft tun können. Sie passen und passen nicht zu einander und laden zum Staunen, Schauen, Genießen, Wahrnehmen, Spielen ein. Ich mag Farben. Und ich mag die Stadt, in der wir gerade sind: Paraty. Weiße Häuser mit farbvollen Fenstern und Türen. Ein Haus neben dem anderen. So viele Farben auf einen Blick sichtbar. Wunderschön!

Eine Straße in Paraty

Spielen ist so ein weiterer essenzieller Punkt, der auf dieser Liste nicht fehlen darf. Immer wieder merke ich, wie wach und im Moment ich bin, wenn wir irgendwas spielen. Und mit spielen meine ich dieses Wort im weitesten seiner Sinne. Entdecken und Suchen, Staunen und Beobachten. Leise und laut, schnell und langsam sein. Laufen und Musik und lustig Bewegen. Gestalten und Erschaffen. All das gehört zum Spielen. Und all das macht mich so richtig wach- und achtsam und gehört daher auf die Liste der Essenzielligkeiten.

Bewegung hab ich eh schon kurz angesprochen – ich habe vorhin gerade mit Gastón darüber gesprochen, dass ich keine Dinge so wirklich tun muss. Ich muss nichts gesehen oder angeschaut haben. Aber ich will mich bewegen. Jeden Tag. Im Kleinen und im Großen. Bewegen und bewegt werden. Ich merke, wie unzufrieden ich werde, wenn ich mich nicht bewege – und wie sehr es mich ausgleicht, sobald ich mich dann bewege.

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Schlafen. Ja. Natürlich. Ohne Schlaf könnten wir ja auch nicht lange überleben, ich weiß. Das ist ja nichts Neues. Aber Schlafen, wann und so lange ich will. Auch am Nachmittag mal, wenns so sein soll (gerade heute bei Gewitter und Regentropfgeräuschen hab ich das Schlafen so sehr genossen!). Schlafen hat seinen ganz eigenen Zauber. Ich schlafe gut, meistens und überall. Das ist ein großes Privileg, merke ich immer wieder. Und gerade deshalb ist Schlafen so essenziell. Und was da irgendwie auch dazugehört, ist Ruhe. Wie wichtig Ruhe oder sogar Stille ist, merke ich, wenn wir an Orten sind, die Ruhe und Stille ausstrahlen und haben.

Der Ausblick von unserem Balkon

Ganz wichtig auf dieser Liste der Essenzielligkeiten: Etwas oder jemand, der oder das das Herz berührt. Gerade gestern Abend waren wir bei einer Theatervorstellung. Ein ganz kleines Theater, das seit mehr als 40 Jahren Puppentheater macht. Wie wunderschön es war, einzutauchen in diese fantastische Welt. Wie berührend manche Bewegungen und Geschichten waren! Inspiration und Augenöffner gleichzeitig. Essenziell, ganz, ganz wichtig.

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Zu guter Letzt – Menschen. Ich mag Menschen grundsätzlich, nur manches Mal und in manchen Konstellationen sind sie mir zu viel. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Aber so eigentlich und überhaupt sind sie einfach wichtig im Leben. Vor allem Kinder. Essenziellst. Wir leben hier in Paraty mit einer brasilianischen Familie zusammen und haben uns anfangs etwas schwer getan, einen Draht zu ihnen zu bekommen. Ein bisschen entmutigt und mutmaßend über die Situation der Familie, haben wir das so hingenommen und gesagt, dass das jetzt einfach so ist und wir eh keinen Kontakt haben müssen.

Aber ganz gut hat sich das nicht angefühlt. Gastón kann zum Glück ein bisschen Portugiesisch und so haben wir es gestern – am dritten Tag – geschafft, eine kleine Verbindung aufzubauen. Und damit war das Eis gebrochen. Die Atmosphäre ist entspannter, auf beiden Seiten. Es tut gut, sich mit Menschen zu verbinden. Wir sitzen in der Küche, Kinder und Hunde gehen ein und aus. Die Tochter hat einen Kuchen gebacken, Freundinnen sind zu Besuch. Es ist ein buntes Treiben und wir sind nebenbei mit dabei.

Kleine Aufmerksamkeit

Und die Essenz dieses Textes? Es gibt viele Essenzielligkeiten und im Endeffekt sind es dann gar nicht so viele. Tut gut, sich darüber mal Gedanken zu machen. Wenn mir noch etwas einfällt, lass ich es euch wissen. Das war ein sehr schneller und einfacher und inspirierter Text. Ach, wie sehr ich es liebe, zu schreiben. Dinge zu tun, die ich liebe. Eine Essenzielligkeit.

Schön, dass ihr mich lest.

• K •

achtsam · allgemein · reisend

∆ Glück oder Unglück ∆

Es gibt so eine Geschichte, an die ich in diesem Moment denken muss. Ich hatte gerade einen sehr intensiven Moment hier auf der Insel und der stößt einiges an in mir.

Die Geschichte handelt von einem Mann, der sein Pferd verkauft und sich ein Bein bricht und eigentlich weiß ich gar nicht mehr genau, wie die Geschichte in allen Einzelheiten geht. Aber die Moral ist jedenfalls, dass der Mann jedes Mal, wenn ihm etwas “Gutes” oder “Schlechtes” widerfährt, sagt, dass es weder Glück noch Unglück ist. Und das ist auch der Punkt an den ich gerade denken muss.

Um euch meinen Gedankenhergang etwas genauer verständlich zu machen, erzähle ich euch von dem intensiven Moment, der sich vor etwa einer Viertelstunde in einem Gemüseladen zugetragen hat: Gastón und ich stehen in diesem Geschäft und kaufen wunderbare Früchte und Gemüse ein. An der Kassa bemerke ich, dass die Mango nicht einmal 50 Cent kostet und die ganzen Lebensmittel gemeinsam ca. 2 Euro kosten. Ich freue mich sehr darüber, berichte Gastón ganz aufgeregt davon. Der scheint mich nicht zu hören, ich sage es noch einmal voller Freude und er antwortet mir nur kurz, dass ich bitte aufhören soll, das hier zu besprechen.

Ich verstehe die Reaktion nicht. Ist doch wunderbar, dass wir diese wunderbaren Dinge für so wenig Geld bekommen, oder etwa nicht? Gastón meint, nachdem wir das Geschäft verlassen haben, dass ich so etwas bitte nicht vor dem Verkäufer sagen soll. Dass es wohl einen weltzusammenhängenden Grund gibt, warum es hier so günstig ist und dass es diesem Verkäufer gegenüber unfair ist, in so einer Art zu sprechen.

Schön langsam verstehe ich, was los ist. Ich komme mit meiner europäischen (oder vielleicht eher österreichischen) Überzeugung, mit meinem österreichischen Geld, mit meiner fremden Sprache, mit meiner fremden Kultur, ja mit meiner überheblichen Art hier an und freue mich noch, wie “cheap” hier nicht alles ist. Natürlich stelle ich das Ganze (mich) gerade sehr überzeichnet dar. Aber wenn ich es herunterbreche, ist es so.

Ich bin in einer komplett anderen Kultur aufgewachsen. Mein Alltag war und ist anders. Ich bin als Touristin hier, ich gehöre in gewisser Weise nicht hierher. Ich fühle mich wirklich blöd, dass ich daran nicht denke. Dass ich hier erstmals mit “ärmlichen” Verhältnissen konfrontiert bin. Wirklich konfrontiert. Dass es nämlich absolut nicht selbstverständlich ist, dass alles immer glatt läuft. Dass es schon gut wird. Dass immer Essen und Trinkwasser und Bildung und sonstige Späße verfügbar sind. Nein, wir sind hier nicht in den Favelas von Rio. Das hier ist eine Insel, die genau von solchen Menschen wie mir lebt: Touristinnen und Touristen, die ihren Urlaub hier verbringen und die auch – ja, genau – die Ananas und die Mango irgendwo kaufen. Zu wirklich günstigen Preisen. Aber wir sind in Südamerika. Wir sind auf einem anderen Teil der Welt, in dem es für mich noch so einiges zu erfahren gibt.

Es tut sich ganz schön was in mir. Natürlich – so argumentiere ich es mir in meinem Kopf auch schön – die Früchte wachsen hier und sind deshalb günstiger, als wenn sie Tausende von Kilometern weit herumgeschippert werden müssen. Aber – und das muss ich mir eingestehen – dass es hier (ich verallgemeinere jetzt einfach diesen RIESENkontinent) viele, viele Menschen gibt, die weit unterhalb der Armutsgrenze ihr Leben leben, hat auch viel damit zu tun, dass es mir bisher immer so gut gegangen ist. Die Welt und ihr Reichtum ist komplett unfair verteilt.

Und das, was mich am meisten berührt: Weder ich, noch irgendjemand auf dieser Insel, hat sich ausgesucht, auf diesem oder jedem Fleck der Erde geboren zu werden. Und ich bin mir oftmals auch gar nicht mehr so sicher, ob das “einfachere” Leben hier vielleicht nicht oftmals sogar sinn-voller ist, als unser ganzes Karriere-Konsum-Geldsparen-Effektivsein.

Und so schließt sich der Kreis dieses gesellschaftskritischen Texts (ja, auch das kann sie): Ob es Glück oder Unglück ist, auf welchem Teil der Welt wir ausgespuckt worden sind, bleibt offen. Es geht hier gar nicht darum, etwas schön- oder schirch zu reden. Es geht darum, die andere Seite(n) auch zu sehen. Es geht darum, etwas mehr Ein- und Weitsicht zu bekommen. Etwas mehr Einfühlungs- und Zusammengehörigkeitsvermögen (das ist ab heute ein Wort.).

Meine Gedanken werden hier wohl immer wieder von Neuem anstupst werden. Reisen. Das geht tief.

• K •

P.S.: Die Fotos kommen hier im Anschluss, weil sie zwischendrin im Text nicht passen und weil das Ganze dann nicht so trüb wirkt:

Schaut euch das an – aus Plastikflaschenböden! Sehr kreativ!
Hier überwächst der Dschungel die Häuser
Hier sogar noch mehr!
Das heißt “Vielen Dank” – obwohl die wörtliche Übersetzung “Dankchen” bedeutet. Wie wunderschön, dieses Wort.