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∆ Essenzielligkeiten ∆

Es gibt sie. Und es sind nicht viele. Für alle ein bisschen unterschiedlich, aber irgendwie auch wieder sehr ähnlich. Die essenziellen Dinge, die wir alle machen und brauchen. Die sogenannten Essenzielligkeiten.

Ein Blick beim Spazieren in die Stadt.

Ich denke viel darüber nach, was wir denn wirklich brauchen. So Reisen sind ja bekannt dafür, dass man zurückkommt und sagt, dass man das alles ja gar nicht gebraucht hätte und mit so wenig ausgekommen ist. Ja, das denk ich mir manchmal. Aber Gewand und Schuhe allein meine ich gar nicht. Ich meine das ganz Paket.

Mit wenig auskommen. Ob das jetzt im Haus ist oder beim Reisen. Zu-hause oder unter-wegs. Und es geht auch nicht um den minimalistischen Touch per se. Es geht nicht darum, einfach weniger zu haben und zu tun. Es geht bei diesem – meinem – Gedanken darum, die essenziellen Dinge herauszufiltern in der Menge der Dinge, die wir haben und brauchen und tun und sind.

Hier ein Ausblick aus einem Buchcafé. In brasilianischen Farben.

Diese Essenzielligkeiten, was meint sie nun genau damit, werdet ihr euch jetzt bestimmt fragen. Ich denke dabei an ganz basale Dinge, wie Luft und Wasser und Sonne und Nahrung. Und so banal das jetzt auch klingt – diese Dinge sind so, so wichtig für uns. Für mich.

Luft und atmen erinnert mich ganz besonders an die Städte, die wir bisher bereist haben. Das fällt mir dort nämlich schwer. Und gute Luft zu atmen ist sehr essenziell. Es schafft Raum und macht frei. Frische Luft zu atmen – ob das im Dschungel, am Meer oder am Balkon mit Blick auf die Berge ist, ist wichtig für mich.

Das Meer, die Luft, der Nebel. So wohltuend.

Wasser trinken und darin sein und Wasser auf der Haut spüren und Wasser sehen. So ähnlich ist es dann auch mit der Sonne. Darin wird zu darunter. Und trinken tun wir sie ja gewöhnlich mit der Haut. Oder irgendwie so. Wichtige, essenzielle Dinge also.

Nahrung fällt mir immer mehr auf. Da wir uns ja rein pflanzlich ernähren, liebe ich es, frische Früchte und Gemüse zu kaufen und es dann zu verkochen. Ich liebe es auch, durch den Supermarkt zu schlendern und uns alternative Rezepte einfallen zu lassen, für Dinge, die es hier so einfach nicht gibt. Schokolade ist so ein Thema. Die gibt es in Massen, aber überall ist Milch drinnen. Und Zucker, so viel Zucker. Also schaffen wir uns mit Energiekugerl Abhilfe – die machen wir mit Haferflocken und Bananen und Kakao und Rosinen und Nüssen und Samen und allem, was uns sonst noch so in die Quere kommt und reinpasst. Wir kochen auch so jeden Tag mindestens einmal und genießen das Essen sehr. Nahrung also. Sehr essenziell. Überlebenswichtig und dann auch noch so gut, dass das Kochen bei uns selbst auf Reisen einen großen Teil der Lebensqualität ausmacht.

Hier gönnen wir uns ein feines veganes Essen am Meer.

Ein paar Dinge, die für mich jedenfalls auf die Liste der Essenzielligkeiten gehören, sind Farben, Spielen, Bewegen und Schlafen.

Farben sind schnell erklärt: Sie machen mich ruhig und inspirieren mich im gleichen Moment. Sie beschreiben viel mehr als Worte das oft tun können. Sie passen und passen nicht zu einander und laden zum Staunen, Schauen, Genießen, Wahrnehmen, Spielen ein. Ich mag Farben. Und ich mag die Stadt, in der wir gerade sind: Paraty. Weiße Häuser mit farbvollen Fenstern und Türen. Ein Haus neben dem anderen. So viele Farben auf einen Blick sichtbar. Wunderschön!

Eine Straße in Paraty

Spielen ist so ein weiterer essenzieller Punkt, der auf dieser Liste nicht fehlen darf. Immer wieder merke ich, wie wach und im Moment ich bin, wenn wir irgendwas spielen. Und mit spielen meine ich dieses Wort im weitesten seiner Sinne. Entdecken und Suchen, Staunen und Beobachten. Leise und laut, schnell und langsam sein. Laufen und Musik und lustig Bewegen. Gestalten und Erschaffen. All das gehört zum Spielen. Und all das macht mich so richtig wach- und achtsam und gehört daher auf die Liste der Essenzielligkeiten.

Bewegung hab ich eh schon kurz angesprochen – ich habe vorhin gerade mit Gastón darüber gesprochen, dass ich keine Dinge so wirklich tun muss. Ich muss nichts gesehen oder angeschaut haben. Aber ich will mich bewegen. Jeden Tag. Im Kleinen und im Großen. Bewegen und bewegt werden. Ich merke, wie unzufrieden ich werde, wenn ich mich nicht bewege – und wie sehr es mich ausgleicht, sobald ich mich dann bewege.

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Schlafen. Ja. Natürlich. Ohne Schlaf könnten wir ja auch nicht lange überleben, ich weiß. Das ist ja nichts Neues. Aber Schlafen, wann und so lange ich will. Auch am Nachmittag mal, wenns so sein soll (gerade heute bei Gewitter und Regentropfgeräuschen hab ich das Schlafen so sehr genossen!). Schlafen hat seinen ganz eigenen Zauber. Ich schlafe gut, meistens und überall. Das ist ein großes Privileg, merke ich immer wieder. Und gerade deshalb ist Schlafen so essenziell. Und was da irgendwie auch dazugehört, ist Ruhe. Wie wichtig Ruhe oder sogar Stille ist, merke ich, wenn wir an Orten sind, die Ruhe und Stille ausstrahlen und haben.

Der Ausblick von unserem Balkon

Ganz wichtig auf dieser Liste der Essenzielligkeiten: Etwas oder jemand, der oder das das Herz berührt. Gerade gestern Abend waren wir bei einer Theatervorstellung. Ein ganz kleines Theater, das seit mehr als 40 Jahren Puppentheater macht. Wie wunderschön es war, einzutauchen in diese fantastische Welt. Wie berührend manche Bewegungen und Geschichten waren! Inspiration und Augenöffner gleichzeitig. Essenziell, ganz, ganz wichtig.

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Zu guter Letzt – Menschen. Ich mag Menschen grundsätzlich, nur manches Mal und in manchen Konstellationen sind sie mir zu viel. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Aber so eigentlich und überhaupt sind sie einfach wichtig im Leben. Vor allem Kinder. Essenziellst. Wir leben hier in Paraty mit einer brasilianischen Familie zusammen und haben uns anfangs etwas schwer getan, einen Draht zu ihnen zu bekommen. Ein bisschen entmutigt und mutmaßend über die Situation der Familie, haben wir das so hingenommen und gesagt, dass das jetzt einfach so ist und wir eh keinen Kontakt haben müssen.

Aber ganz gut hat sich das nicht angefühlt. Gastón kann zum Glück ein bisschen Portugiesisch und so haben wir es gestern – am dritten Tag – geschafft, eine kleine Verbindung aufzubauen. Und damit war das Eis gebrochen. Die Atmosphäre ist entspannter, auf beiden Seiten. Es tut gut, sich mit Menschen zu verbinden. Wir sitzen in der Küche, Kinder und Hunde gehen ein und aus. Die Tochter hat einen Kuchen gebacken, Freundinnen sind zu Besuch. Es ist ein buntes Treiben und wir sind nebenbei mit dabei.

Kleine Aufmerksamkeit

Und die Essenz dieses Textes? Es gibt viele Essenzielligkeiten und im Endeffekt sind es dann gar nicht so viele. Tut gut, sich darüber mal Gedanken zu machen. Wenn mir noch etwas einfällt, lass ich es euch wissen. Das war ein sehr schneller und einfacher und inspirierter Text. Ach, wie sehr ich es liebe, zu schreiben. Dinge zu tun, die ich liebe. Eine Essenzielligkeit.

Schön, dass ihr mich lest.

• K •

allgemein · reisend

∆ Wie Sand am Meer ∆

Schöne Fleckchen gibt es hier auf dieser Insel wie Sand am Meer. Und auch Sand gibt es hier viel. Wie Sand am Meer. Was für eine fulminante Einleitung!

Am Strand entdeckt – ein Rückzugsort vom Allerfeinsten!

Jedes Mal, wenn wir uns auf den Weg zu einem neuen Abenteuer machen, kommen wir an Orte und Plätze, die faszinierend sind. Faszinierend schön, friedlich, weit, umwerfend.

Fasziniert.

Von ein paar dieser Plätze und Momente möchte ich euch gerne berichten. Vor allem, weil ich es selbst nicht ganz glauben kann, was ich in diesen knapp zwei Wochen hier auf der Ilha Grande an beeindruckender Natur sehen habe dürfen.

Schaut euch diesen Pflanzen-Reichtum an!

Eine sehr schweißtreibende Wanderung, die sich über insgesamt ca. 8 Stunden zog (hin und zurück natürlich), war nach Dois Rios. Eine halb verlassene Gefängnisstadt, die durch Dschungelhäuser gekennzeichnet ist. Neben leeren Ruinen, die von Lianen und Schlingpflanzen geschmückt sind, reihen sich fein säuberliche Häuser, die noch bewohnt sind. Die Stadt wirkt wie eine Geisterstadt, die Menschen, die dort wohnen, scheinen eher in einem unwirklichen Freizeitpark zu leben, als in der wirklichen Welt. Vor 20 Jahren wurde das Gefängnis dort aufgelassen, die meisten Menschen, die dort gearbeitet haben, sind weggezogen. Bis auf ein paar Familien und Leute, die jetzt die Museen betreuen.

Auf der langen Wanderung – hier ganz früh am Morgen
Kaum zu sehen, das vom Dschungel eingenommene Haus

Angrenzend an diese Stadt befindet sich ein wunderschöner, einsamer Sandstrand. Langgezogen, von Palmen umsäumt. Doch erst am Ende zeigt sich der wahre Schatz dieses Strandes: Die sanften Wellen des Meeres gehen in einen kristallklaren kleinen Fluss über, in dem man schwimmen kann. Und das haben wir natürlich gemacht. Was für ein Spaß, im kniehohen Wasser herumzutollen (dieses Wort beschreibt genau, was wir gemacht haben – herumlaufen, wirbeln, Wasser herumspritzen, untertauchen und und und).

Lalala was für eine Freude
So fein, das Zusammensein

Ein weitere Entdeckung, die ich jedes Mal mache, wenn wir irgendwo mitten im Dschungel sind, sind die riesengroßen Pflanzen. Alles scheint überdimensional groß zu sein – die Blätter, die bei uns eventuell Handflächengröße erreichen (Kastanie und so), werden hier mindestens dreimal so groß. Unglaublich! Jedes Mal bin ich wieder fasziniert und erstaunt, was sich die Natur alles einfallen lässt. Plötzlich stehen wir dann vor einem meterhohen Baum, dessen Stamm nicht nur von ca. 10 anderen Pflanzen symbiotisch bewachsen ist, sondern der selbst einen Durchmesser von ca. 4 Metern hat. Und nicht nur das, auch seine Form und die seiner Wurzeln ist fantastisch! Beim Herumstreifen im Dschungel (ach, wie sehr ich es liebe, das zu schreiben, geschweigedenn zu tun!) sehen wir jedes Mal so viele neue Pflanzen, verschlungene Äste, geflochtene Lianen, sattgrüne Blätter. Die ganzen Grüntöne, die hier geboten werden, übertreffen jegliche Farbpalette! Ein Genuss, diese Natur!

Wie im Zauberwald!
Und dann dieser verwunschene Baum

Auch die Tierwelt lässt sich nicht lumpen. Wir haben bereits ein paar Äffchen am Baum, ein Krokodil im kleinen Fluss unter unserem Haus, eine giftspritzende Kröte, einige Kolibris beim Nektarholen, ein paar bunte Kanarienvögel und wunderschöne, anmutige weiße und schwarze Stelzenvögel beobachtet. Nicht zu vergessen die unzähligen schwarzen Geier, die sich an unseren Mülleimern leiben, und die fast wie Tauben die Straßen und Häuser belagern.

Wir haben das Äffchen beobachtet – und es hat uns genauestens inspiziert
Unser Freund Frederik. Er kommt immer wieder, wir freuen uns immer wieder

Gerade gestern waren wir bei einem der schönsten Strände Brasiliens – und ich muss zugeben, Strände haben wir jetzt schon so viele gesehen, dass es schwierig ist, einen schöner als den anderen zu finden. Irgendwie schaut nach einer Zeit alles gleich aus: langgezogene weiße Sandstrände, das Meer in unterschiedlichsten Blautönen und die Palmen, die das Ganze noch abrunden. Es klingt wunderbar und das ist es auch. Aber halt überall hier sehr ähnlich.

Aber – und das hat gestern den Unterschied gemacht – noch nie habe ich so glasklares Meerwasser gesehen. Beim Untertauchen mit der Taucherbrille fühlte ich mich wie in einem endlos großen Pool. So unglaublich schön! Und erst die Wellen! Also wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich mich fast mit einer superguten Surferin verwechseln. Wie ich die Wellen (ohne Surfbrett) geritten bin, wirklich beeindruckend. Und nein, das ist keine Ironie, ich war echt gut!

Wasser, Wasser, Wasser, wunderbares Wasser
Unterwasseraction

Achja, noch eine Sache, die diesen Strand wirklich zu einem Highlight macht: Der Sand ist so fein wie Mehl und quietscht dadurch, wenn man auf ihm spaziert. Was für ein lustiges Erlebnis! Hin und zurück sind wir da übrigens mit dem Boot – das Verkehrsmittel Nummer Eins auf der Insel. Beim sanften Schaukeln des Boots auf den Wellen, der Musik des Kapitäns und der untergehenden Sonne bin ich beim Heimfahren dann auch ein bisschen eingedöst, so fein!

Hier fesch am Boot

Und noch etwas Herrliches: Schaukeln hängen immer mal wieder an wundersamen Orten – mitten im Dschungel oder am Strand. Da trifft es sich gut, dass ich Schaukeln zu meinen Lieblingsaktivitäten zähle.

Auch, wenn mans mir nicht ansieht – ich genieße das Schaukeln im Dschungel so sehr!
Hier seht ihr es: ein Genuss!

Ja, also an schönen Momenten fehlt es hier nicht. Denn die gibt es – oder besser gesagt, die machen wir uns – wie Sand am Meer.

Wir sind jetzt noch bis Sonntag hier auf der Insel, dann gehts weiter nach Paraty. Eine Stadt ein bisschen weiter südlich, die durch ihre koloniale und wunderschöne Altstadt bekannt ist. Auch dort bleiben wir 10 Tage, gut also um wieder ganz anzukommen und die Gegend mit ganzem Herzen zu erkunden.

Nein, ich habs nicht geschafft, falls ihr euch fragt.

Na dann ihr Lieben, machts gut und schafft euch viele Sand-am-Meer-Momente.

• K •

Unsere Unter-Überwasser-Zwillinge
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∆ Glück oder Unglück ∆

Es gibt so eine Geschichte, an die ich in diesem Moment denken muss. Ich hatte gerade einen sehr intensiven Moment hier auf der Insel und der stößt einiges an in mir.

Die Geschichte handelt von einem Mann, der sein Pferd verkauft und sich ein Bein bricht und eigentlich weiß ich gar nicht mehr genau, wie die Geschichte in allen Einzelheiten geht. Aber die Moral ist jedenfalls, dass der Mann jedes Mal, wenn ihm etwas „Gutes“ oder „Schlechtes“ widerfährt, sagt, dass es weder Glück noch Unglück ist. Und das ist auch der Punkt an den ich gerade denken muss.

Um euch meinen Gedankenhergang etwas genauer verständlich zu machen, erzähle ich euch von dem intensiven Moment, der sich vor etwa einer Viertelstunde in einem Gemüseladen zugetragen hat: Gastón und ich stehen in diesem Geschäft und kaufen wunderbare Früchte und Gemüse ein. An der Kassa bemerke ich, dass die Mango nicht einmal 50 Cent kostet und die ganzen Lebensmittel gemeinsam ca. 2 Euro kosten. Ich freue mich sehr darüber, berichte Gastón ganz aufgeregt davon. Der scheint mich nicht zu hören, ich sage es noch einmal voller Freude und er antwortet mir nur kurz, dass ich bitte aufhören soll, das hier zu besprechen.

Ich verstehe die Reaktion nicht. Ist doch wunderbar, dass wir diese wunderbaren Dinge für so wenig Geld bekommen, oder etwa nicht? Gastón meint, nachdem wir das Geschäft verlassen haben, dass ich so etwas bitte nicht vor dem Verkäufer sagen soll. Dass es wohl einen weltzusammenhängenden Grund gibt, warum es hier so günstig ist und dass es diesem Verkäufer gegenüber unfair ist, in so einer Art zu sprechen.

Schön langsam verstehe ich, was los ist. Ich komme mit meiner europäischen (oder vielleicht eher österreichischen) Überzeugung, mit meinem österreichischen Geld, mit meiner fremden Sprache, mit meiner fremden Kultur, ja mit meiner überheblichen Art hier an und freue mich noch, wie „cheap“ hier nicht alles ist. Natürlich stelle ich das Ganze (mich) gerade sehr überzeichnet dar. Aber wenn ich es herunterbreche, ist es so.

Ich bin in einer komplett anderen Kultur aufgewachsen. Mein Alltag war und ist anders. Ich bin als Touristin hier, ich gehöre in gewisser Weise nicht hierher. Ich fühle mich wirklich blöd, dass ich daran nicht denke. Dass ich hier erstmals mit „ärmlichen“ Verhältnissen konfrontiert bin. Wirklich konfrontiert. Dass es nämlich absolut nicht selbstverständlich ist, dass alles immer glatt läuft. Dass es schon gut wird. Dass immer Essen und Trinkwasser und Bildung und sonstige Späße verfügbar sind. Nein, wir sind hier nicht in den Favelas von Rio. Das hier ist eine Insel, die genau von solchen Menschen wie mir lebt: Touristinnen und Touristen, die ihren Urlaub hier verbringen und die auch – ja, genau – die Ananas und die Mango irgendwo kaufen. Zu wirklich günstigen Preisen. Aber wir sind in Südamerika. Wir sind auf einem anderen Teil der Welt, in dem es für mich noch so einiges zu erfahren gibt.

Es tut sich ganz schön was in mir. Natürlich – so argumentiere ich es mir in meinem Kopf auch schön – die Früchte wachsen hier und sind deshalb günstiger, als wenn sie Tausende von Kilometern weit herumgeschippert werden müssen. Aber – und das muss ich mir eingestehen – dass es hier (ich verallgemeinere jetzt einfach diesen RIESENkontinent) viele, viele Menschen gibt, die weit unterhalb der Armutsgrenze ihr Leben leben, hat auch viel damit zu tun, dass es mir bisher immer so gut gegangen ist. Die Welt und ihr Reichtum ist komplett unfair verteilt.

Und das, was mich am meisten berührt: Weder ich, noch irgendjemand auf dieser Insel, hat sich ausgesucht, auf diesem oder jedem Fleck der Erde geboren zu werden. Und ich bin mir oftmals auch gar nicht mehr so sicher, ob das „einfachere“ Leben hier vielleicht nicht oftmals sogar sinn-voller ist, als unser ganzes Karriere-Konsum-Geldsparen-Effektivsein.

Und so schließt sich der Kreis dieses gesellschaftskritischen Texts (ja, auch das kann sie): Ob es Glück oder Unglück ist, auf welchem Teil der Welt wir ausgespuckt worden sind, bleibt offen. Es geht hier gar nicht darum, etwas schön- oder schirch zu reden. Es geht darum, die andere Seite(n) auch zu sehen. Es geht darum, etwas mehr Ein- und Weitsicht zu bekommen. Etwas mehr Einfühlungs- und Zusammengehörigkeitsvermögen (das ist ab heute ein Wort.).

Meine Gedanken werden hier wohl immer wieder von Neuem anstupst werden. Reisen. Das geht tief.

• K •

P.S.: Die Fotos kommen hier im Anschluss, weil sie zwischendrin im Text nicht passen und weil das Ganze dann nicht so trüb wirkt:

Schaut euch das an – aus Plastikflaschenböden! Sehr kreativ!
Hier überwächst der Dschungel die Häuser
Hier sogar noch mehr!
Das heißt „Vielen Dank“ – obwohl die wörtliche Übersetzung „Dankchen“ bedeutet. Wie wunderschön, dieses Wort.
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∆ Über das dschungelige Leben ∆

In einer Hängematte liegend, den Geräuschen des Dschungels und dem Rauschen des Wassers lauschend, schreibe ich diesen Text. Wir sind in einem kleinen Paradies angekommen. Auf der Ilha Grande, einer Insel vor Brasilien.

Nach 5 Tagen in der lauten, stressigen, bunten und riesengroßen Stadt Rio haben wir uns in einen Transferbus Richtung Süden gesetzt und ein paar Stunden später sind wir hier angekommen:

Ein Traum, oder?

Traumhaft unwirklich schön. Ein kleines Nest voller Dschungel, Berge, umgeben von Meer und keinen Autos auf der Insel. Die Straßen sind Erde, die Häuser sind bunt. Die Menschen – ca. 3000 leben hier – sind entspannt und niemand will uns etwas klauen. Diese Insel lebt vom Tourismus, dementsprechend gibt es unzählige kleine Läden, Supermärkte, Restaurants, Touren-Anbieter und ganz, ganz viele kleine Hostels.

Ein paar Dschungelvöglein

Wir haben uns eine Wohnung gemietet und bereits beim Betreten haben wir uns zuhause gefühlt. Und das ist auch gut so, denn wir verbringen hier die nächsten zwei Wochen. So schön! Unsere Wohnung ist klein und sehr fein. Wir haben einen großen Balkon mit Hängematte und Blick zum Dschungel. Ich kann es fast nicht glauben, dass ich hier sein darf. Unter mir fließt ein Bächlein, das Rauschen der Wellen vom 2 Minuten entfernten Strand hören wir auch. Morgens wachen wir auf, weil die Vögel (und alle möglichen Dschungelbewohner) so „laut“ sind. Im Bett liegend können wir durch eine Glasfront den Balkon und die dahinterliegende Natur betrachten.

Der Blick durchs Apartment

Gemütlichkeitsbalkon

Jeden Tag kaufen eine wir eine frische Ananas (um weniger als 1,50 Euro!) und einen Strauch mit ca. 10 Bananis (das ist die Verkleinerungsform von Banane), machen daraus gemischt mit Maracuja und Mango einen superguten Saft und kochen uns feines Essen – und hier kommt eine abenteuerliche Geschichte: In vielen Bäumen überall auf der Insel wächst eine riesengroße und äußerst interessante Frucht: die Jackfruit. Diese Frucht wird roh gegessen und auch als Fleischersatz genommen, da die Fasern – gekocht mit den richtigen Gewürzen – Fleischfasern (am meisten Hendl) ähneln. Und tja, so eine Frucht hat uns beim Spazieren am Strand sehr angelacht, wir haben sie mitgenommen und gestern verkocht. War das ein Aufwand! Die Jackfruit enthält natürliches Kautschuk und klebt dementsprechend überall (inklusive Fingern und Haaren und überall eben). Nach einer Stunde kochen und zufügen zur Tomatensauce ist daraus ein wirklich leckeres Abendessen geworden – und es hat sich so dschungelig angefühlt, eine selbstgefundene Frucht zu verarbeiten. Quasi-autarke Selbstversorgung – check!

Die ominöse Jackfruit…

… und die etwas intensive Vorbereitung

Jeden zweiten Tag kaufen wir ca. 15 Bananen, was für ein Luxus!

Hallelujah! Bald hätte ich einen wichtigen Punkt vergessen! Am Samstag, als wir angekommen sind, haben wir ganz laute – und echt „lässige“ (Maxi, du weißt, wie ich dieses Wort hier verwende) – Musik gehört und uns nur gedacht, dass das wohl eine Party in einem Hostel ist. Bis Gastón den Text verstanden hat: „Jesus, dir vertrauen wir. Jesus, du bist unser Retter. etc. etc.“ Und zwar ist unsere Wohnung genau neben einer Assembly-of-God-Kirche (geht in die protestantische Richtung, pfingstlerisch steht auf Wikipedia…).

Und diese Kirche ist so aktiv, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Am Sonntag im Laufe des Nachmittags haben immer wieder Proben mit unterschiedlichen Musikinstrumenten, inklusive Schlagzeug und Trompete und Saxophon, stattgefunden. Und das alles für die große Show am Abend: Diese hat um 18 Uhr begonnen und bis ca. 21:30 gedauert. Dreieinhalb (!) Stunden Gottesdienst mit Gesang, Band und extrem lauten Reden (die in Geschrei übergegangen sind). Vom Balkon aus haben wir das Spektakel ein bisschen mitverfolgt – Hände hoch und Augen zu war eine der Devisen der betenden Leute. Ein bisschen anstrengend, müssen wir zugeben. Auf der Eingangstür steht „Programm mittwochs, donnerstags, freitags und sonntags“ – während ich hier schreibe proben die aber schon wieder, obwohl heute eigentlich der freie Tag wäre. Wir hoffen auf ruhigere Zeiten. Amen.

Ich mit meinen selbstgeschnittenen (nicht ganz geraden) Haaren vor der aktiven Kirche

Noch was Schönes von der Insel: Es gibt hier ganz viele Wanderwege, die zu alten Ruinen (die Insel war vor längerer Zeit eine Quarantänestation und diente auch als Gefängnisinsel), weißen Sandstränden oder Berggipfel führen. Bereits am ersten Tag haben wir eine solche Trilha [sprich: Trilja] gemacht und sind nach zwei Stunden schwitzend bergauf und bergab im Dickicht des Dschungels an einem Wasserfall angekommen. Dort haben wir uns abgekühlt – was für ein Gefühl! Unter dem peitschenden Wasserfall stehen und das Leben spüren!

So fein, das Plantschen im Meer

Apropos Leben spüren. Ich sags euch, es ist gar nicht so leicht, die ganze freie Zeit zu genießen. Das mag sehr überheblich und unwirklich klingen, wo es doch das ist, wonach sich so viele sehnen. Aber – und darüber führen Gastón und ich viele Gespräche – wir wollen eine Aufgabe, einen Sinn haben. Etwas, zu dem wir nach vorne schauen können. Etwas, das den Tag einteilt und uns nicht dahinwarten lässt. Versteht ihr, was ich meine?

Hier beim guten Nichtstun

Es ist wundervollst, langsam und ausgeschlafen aufzuwachen und den ganzen Tag frisch und ohne Müssen vor uns zu haben. Es ist auch wundervoll, Pläne für den Tag zu machen (die wir, ehschonwissen, sowieso ändern) und uns von niemandem dreinreden lassen. Das sind alles Dinge, die wir hier zu genüge haben und tun. Und doch – die Tage sind so lange und teilweise etwas mühsam beim Nichtstun. Denn wir könnten alles tun: wandern, schwimmen, einkaufen, kochen, schlafen, essen, lesen, kreativeln, schreiben, arbeiten, schauen, Musik machen und und und. Und das am besten gleichzeitig.

Viel Zeit? Ja! Ich häkle neuerdings Tiere – hier ein Pinguin

Und manchmal machen wir dann einfach gar nichts. Und es ist nichts das gute Nichts, es ist das wartende, schwere, innerlich unruhige Nichts. Überwältigt von der Fülle an Wundervollem, das wir tun könnten. Und nein, ich jammere hier nicht herum. Ich stelle nur fest, dass es immer um die persönliche Einstellung zu Dingen und Situationen geht. Dass ich mein Leben – besonders in so freien Zeiten, wie die, die ich gerade erleben darf – selbst in der Hand habe. Und das bedeutet Verantwortung. Selbstverantwortung und Lebensverantwortung. Das bedeutet Selbstliebe und Selbstfürsorge.

Und wem das zu abgehoben wirkt: Wenn ich niemanden habe, der oder die mir sagt, was ich tun (und nicht tun; (nicht) fühlen, (nicht) denken,…) soll, muss ich jede Entscheidung und dadurch auch jede Konsequenz, die damit einhergeht, selbst verantworten (auch, wenn ich für so manche Umstände nichts kann und immer mehr mitspielt, als meine kleine Entscheidung). Das zu lernen, ist ein Prozess. Und es ist nicht immer leicht, selbst für das eigene Leben verantwortlich zu sein. Ein weiser Reisegedanke. Wenn nicht sogar ein Lebensgedanke. Darüber könnt ich noch viel schreiben. Ein Buch vielleicht. Ich würde es Das Dschungelbuch nennen. Was für eine geniale Idee.

Die einzige Gefahr an diesem Strand sind eventuell herunterfallende Kokosnüsse

Dschungelige Grüße aus der Freiheit.

• K •

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∆ Von Plänen und der Wirklichkeit ∆

Wir haben verschiedene Pläne. Dass wir in Rio alles anschauen und dabei ganz entspannt bleiben zum Beispiel. Dass wir jeden Tag Neues entdecken und daneben ganz viel Zeit zum Lesen und Nichtstun haben. Dass wir unsere Projekte (Kinderbuch! Videos! Musik!) verfolgen und die Inspirationen, die uns das Reisen gibt, einfließen lassen. Oder einfach, dass wir einen bestimmten Bus zu einem bestimmten Ort nehmen und dort was Schönes erleben. Dass wir jeden Moment auskosten und weder Zeit noch Muße verlieren, um diese besondere Zeit zu genießen.

Strandglück

Tja. Und dann kommt die Realität. Dass wir an einem Tag einfach zu müde sind, um den ganzen Tag herumzulaufen. Und dass wir eigentlich wirklich nicht alles sehen müssen, um viel gesehen zu haben (oh, wir poetisch!). Dass wir manchmal einfach am Strand sitzen und den Wellen zuschauen, während wir unsere restlichen Pläne über den Haufen werfen. Dass wir abends in der Wohnung ankommen und weder etwas Aufwändiges kochen, noch etwas Aufwändiges machen wollen.

Ungeplantes Acai (sprich: assa ii) – ein Eis aus der Acai-Beere mit Toppings

Wir machen viele kleine Pläne – was wir tun könnten und sehen wollen, was wir gerne essen würden und wie es uns dabei gehen wird. Und das kann ich jetzt bereits nach einer Woche reisen sagen – es ist IMMER anders. ALLES. Was für ein lustiger Fakt! Wirklich! Jeder Plan verändert sich, jeder Moment ist anders als gedacht. Und irgendwie finden wir uns immer wieder in der Situation wieder, in der wir die nächsten Schritte durchdenken, ohne daran zu denken, dass sowieso alles anders wird.

Aber schon auch witzig, dass wir immer wieder Pläne machen. Vielleicht ist das so etwas Menschliches – dass wir zu etwas hinschauen können, dass wir eine Richtung haben, in die wir gehen. So große Schritte zu planen, ist ja schön und gut. Zum Beispiel, dass wir Mitte Oktober nach Argentinien weiterreisen (Ja! Ein ganzes Monat Brasilien! Juhu!). Das macht ja Sinn, weil wir den Flieger bestenfalls ja auch erwischen wollen.

Ob das der Zuckerhut ist, wissen wir bis heute nicht.

Also gut. Das wars vom philosopischen Part, jetzt kommen die Hardfacts: Wir sind in Rio de Janeiro. Das wisst ihr ja bereits. Rio ist riesig. Wirklich. Wir leben in Copacabana (das ist ein ganzer Stadtteil! Und nicht, wie ich überzeugt war, nur der Strand) ganz in der Nähe vom Strand in einem kleinen Studio. Was ich hier zugegebenermaßen am allerliebsten mache? Früchte einkaufen und essen! Unglaublich, wie gut eine frische Ananas, Mango, Maracuja oder Minibanane schmeckt!

Im (fast plastikfreien!) Früchteparadies

Gleich am ersten Tag haben wir eine stundenlange Stadterkundungstour gemacht – ewig lange am wunderschönen Sandstrand entlang, hinten die Hotels, vorne das Meer, rundherum die Hügel bewachsen mit Palmen und anderen tropischen Bäumen. Wir waren essen, im Museum und sind achtsam durch die Straßen gewandert. Achtsam, weil Rio gefährlich ist. Vor allem für mich – als europäische Frau. Nein, es steht nicht an jeder Ecke ein Dieb mit Messer (so hab ichs mir naiverweise vorgestellt), aber – und darauf sind wir sehr bedacht – im falschen Moment an der falschen Stelle zu sein, ist sehr, sehr ungünstig. Die weiteren zwei Tage waren etwas ruhiger – ein bisschen am Strand, ein bisschen herumwandern und ganz viel Gemütlichmachen zuhause. Wir kochen, backen Kuchen, schauen Filme, ich schreibe sehr viel, wir hören und machen Musik. Sehr, sehr fein also.

Superguter Schokolade-Ananas-Kuchen

Dass wir in den letzten zwei Tagen weniger draußen waren, haben wir selbst erst akzeptieren müssen. Dieser Druck, den wir uns selbst machen, hat einfach keinen Sinn. Da wollen wir (siehe oben – planen) dies und das machen und entdecken dann, dass es gar nicht sein muss. Nichts muss. Ich bin froh, dass wir auch darüber reden und reflektieren. Die Reise hat gerade erst angefangen. Wir sind nicht unterwegs, um Hakerl in Checklisten zu machen. Wir sind auch nicht hier, um gestresst durch die Stadt zu laufen. Das hier ist unsere Zeit und unser Leben. Und was wir damit machen, muss nur uns gefallen. Und das tut es auch.

Das triffts wohl am besten.

• K •

allgemein · reisend

∆ Erste Male ∆

Ich sitze am Flughafen in Lissabon. Neben mir das Handgepäck inklusive Ukulele, die hoffentlich in irgendeine Kabine passt. Gegenüber Gastón, der mir ein Gefühl von Daheim gibt. Rund um mich herum viele, viele Leute, die auch auf Reisen gehen. Entweder reisen sie nach Hause oder weit weg von zu Hause. So wie ich. Denn jetzt ist es soweit: Der Flug nach Südamerika, genauer gesagt nach Brasilien, startet in zwei Stunden. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Zumindest nicht so einfach. Zumindest nicht in diesem Moment. Und das ist ja auch gut so.

Erste Male. In dieser ersten Reisewoche habe ich einige erste Male erleben dürfen – und das, obwohl wir noch gar nicht vom bekannten, vertrauten, sicheren Europa weg sind.

Ich beginne ganz von vorne. Noch nie habe ich mich von meiner Familie (meinen Freund*innen, meinem Zuhause) verabschiedet, ohne zu wissen, wann ich sie ungefähr wieder sehen werde. Ja, natürlich – ich habe bereits einige Reisen gemacht, habe in anderen Ländern gelebt. Aber auf unbestimmte Zeit auf Wiedersehen zu sagen, ist anders. Es fühlt sich größer und noch aufregender an. Es fühlt sich auch furchteinflößender und mulmiger an.

Der Moment, als der Zug weggerollt und meine Lieben noch wie wild gewunken haben, hat im Herzen wehgetan. Und einige Meter und Minuten später ist mir wieder ganz warm ums Herz geworden. Weil ich so ein Glück habe mit meiner Familie, die mich sogar darin unterstützt, ganz weit weg zu gehen, obwohl es ihnen sichtlich nicht leicht fällt. Und weil ich so stolz auf mich bin, diesen Schritt zu wagen. Auch das darf gesagt sein.

Ein nächstes erstes Mal ist dann ein paar Stunden später passiert: Wir sitzen am Flughafen vorm Gate, sind bereit und wollen los. Da zeigt die Leuchttafel Verspätung an: 50 min. Ok, das geht ja noch, denken wir, als plötzlich die Stimme des Flughafenpersonals erklingt und wir mit Essensgutscheinen noch weitere zwei Stunden vertröstet werden. Soweit, so gut. Wir kaufen uns was Feines zum Essen, sind immer noch frohen Mutes, als – und jetzt kommt das nächste erste Mal – unser Flug gecancelled wird. Wir bekommen daraufhin noch mehr Essensgutscheine, ein Hotel und ein Taxi zum und vom Hotel.

Unserer Stimmung hat die Reiseveränderung keinen Abbruch getan – wir haben die Zeit im Hotel genossen und sind am nächsten Tag nach Stadtbummel in München und extralangem Taxifahren mit 25 Stunden Verspätung gut in Lissabon angekommen.

Die Tage in Lissabon sind schnell vergangen, wir waren am Meer und in wunderschönen Städten (Sintra! Cascais!) spazieren und haben uns vom Wasser, den Farben, der Luft, der Musik und der Stimmung tragen lassen. Schön wars, wir kommen bestimmt wieder.

So. Wir steigen jetzt in ein paar Minuten ins Flugzeug. Dort habe ich 10 Stunden Zeit, um weiterzuschreiben. Und das werde ich – neben Lesen, Fernsehen, Schlafen und Nachdenken – auch machen.

— live aus dem Airbus 330, irgendwo kurz vor Brasilien, über dem Atlantik —

Seit 7 Stunden sitzen wir jetzt im Flugzeug – und es ist gar nicht so tragisch. Wir haben flugzeugmäßig echt gutes (veganes!) Essen bekommen, die Sitze sind komfortabel, die Zeit vergeht wie im Flug. Das Letztere stimmt nicht hundertprozentig, aber für dieses Scherzchen wage ich es, zu flunkern. Was man hier an Bord so macht außer fliegen? Filme und Serien schauen, Podcasts hören, hier und da ein bisschen schlafen und sich (uns?) freuen. Auf Brasilien und Südamerika im Gesamten. Auf die Abenteuer und die Zukunft.

Jetzt ist es auch gar nicht mehr lange. Ein paar Stündchen noch und wir sind in Rio de Janeiro. Übrigens auch ein erstes Mal für mich. Wohl eines der vielen weiteren ersten Male auf der anderen Seite der Welt.

— live aus den ersten Momenten aus der Airbnb-Wohnung in Rio de Janeiro —

Huch, war ich aufgeregt! Im Flieger beim Landen und dann beim Umsteigen in ein Taxi (Uber, wohlgemerkt. Frau Weltenbummlerin!). Gezittert hab ich und alles dreimal abgeschlossen und ganz genau geschaut. Abends in Rio anzukommen ist nicht das Idealste, das muss ich zugeben. Aber es ist alles ohne irgendwelche Schwierigkeiten abgelaufen. Auch die Wohnung, in der wir die nächsten Tage verbringen, passt super. Wir habens uns gleich gemütlich gemacht. Mit Lichterketten und Wimpelchen (vonwegen sowas kann man auf einer Reise nicht brauchen! Und ob!) und einer Schale Reis. Das einfache Leben. Wie gut!

So. Jetzt geht ein langer und intensiver Tag und damit auch der Liveticker zu Ende.

Buenas Noches, ihr Lieben. (Bei uns ist es übrigens 5 Stunden früher)

• K •

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∆ Abschiede feiern ∆

Ich liege auf der Couch und schreibe. Gastón sitzt vor mir am Boden und spielt Lego. Zugegebenermaßen – wir verdrängen die Tatsache, dass wir Österreich verlassen, ein bisschen. Meine Wohnung sieht aus, als hätte ein Sturm gewütet (ein halbwegs organisierter wohlgemerkt). Unsere Rucksäcke liegen bereit, die letzte Wäsche trocknet noch langsam vor sich hin. Unsere Pässe sind eingepackt, es gibt mehrere „Vielleicht“-Kisten. Was darf mit? Und was soll eher hier bleiben? Macht es Sinn, so viele Hosen/Leiberl/Pullover/… mitzunehmen? Wie kalt oder heiß wird es dort? Wie viel brauchen wir wirklich? Essenzielle Fragen. Besonders die letzte.

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Abschied vom Komfort, aus gefühlten hunderten Kleidungsstücken auszuwählen. Abschied vom praktisch organisierten Schrank (obwohl ich an dieser Stelle unbedingt unsere super tollen Packing Cubes erwähnen muss! Was das ist? Erzähl ich euch gerne! Das sind so Organisationstäschchen, in die wir alles Mögliche hineingeben und dadurch im Rucksack viel leichter finden können. Das Tollste an diesen Taschen ist, dass wir sie komprimieren und dadurch im Rucksack gut was unterbringen können. Was für eine Freude, diese Dinger!). Abschied vom praktischen und einfachen und gewohnten Leben zu Hause, einstweilen einmal.

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Also gut, Abschiede von Dingen sind ja nur die eine Sache. Viel schwieriger sind da die Abschiede von den lieben Menschen daheim. Ob das die Berlin-Familie ist, mit der ich im letzten Jahr so viel gelacht, gekocht, Musik gemacht und übers Leben philosophiert habe, die Oma, die nach dem gemeinsamen Wandern noch supergute Schwarzbeernocken zaubert, weil wir die auf der Reise wohl nicht mehr so oft essen werden, oder die liebe Freundin, die extra ein Lied umdichtet und es bei der Abschiedsfeier singt (und das sind nur ganz wenige der ganz vielen lieben Menschen daheim!).

Es ist echt nicht so leicht, dieses Abschiednehmen. Und auch, wenn ich mir diese ganze Situation hier selbst aussuche, heißt es nicht, dass es das Verabschieden leichter macht. Beide Abschiedsfeiern (die in Berlin und die hier in Salzburg) haben mich sehr berührt, jede auf ihre Art und Weise. In Berlin habe ich mich von Menschen verabschiedet, die ich teilweise schon seit ein paar Jahren kenne und andere, die erst seit ein paar Monaten in meinem Leben waren. In Salzburg war es ein Mix aus Familie, immer-schon-Freund*innen und Menschen, die ich genau durchs Weggehen von Daheim kennengelernt habe. Beide Feiern hatten etwas Unwirkliches – und beide Feiern waren wichtig und schön. Abschiede feiern. Wie schön.

Die lustige Berlinrunde

Meine lieben Leute daheim

Jetzt in den letzten Tagen heißt es noch Abschied nehmen von meiner engsten Familie, denen es auch immer mehr bewusst wird, dass es jetzt soweit ist. Monatelang haben wir immer wieder darüber gesprochen und jetzt ist es soweit. Glauben tu ich es selbst noch nicht ganz. Natürlich – ich weiß es, aber verstehen? Nein, davon bin ich noch ein paar Flugstunden entfernt.

Sodala. Ich werde jetzt weiter packen, meine Verabschiedungstour fortsetzen und mich freuen, dass ich so ein abenteuerliches Leben habe.

Ahoi, ihr Lieben.

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∆ Reisevorfreude ∆

Bald, ganz bald, beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben. Ein großes, offenes, vielversprechendes Abenteuer:

Gemeinsam mit meinem Freund Gastón mache ich mich auf den Weg nach Südamerika. Gebucht haben wir bisher den Flug nach Rio de Janeiro mit einem fünftägigen Zwischenstop in Lissabon. Nachdem wir genug von Brasilien haben, werden wir nach Argentinien – Gastón kommt aus Buenos Aires – weiterreisen. Und ansonsten ist noch nichts geplant. Weder, wie lange wir weg sein werden, noch wohin es uns verschlägt. All das werden wir erfahren, wenn es soweit ist. Und das ist ja irgendwie schon ein guter Plan, finde ich.

Unser Reisemotto ist, wie auch der Blogname verrät: durch die Welt trudeln. Und das ist in Südamerika scheinbar gut möglich (und vielleicht auch gar nicht anders machbar!) Es wird auch spannend, wie es uns gemeinsam geht: Gastón reist nach knapp eineinhalb Jahren in Europa wieder nach Hause, ich reise von daheim wieder mal weg an einen Ort und an Orte, die ich nicht kenne. Wir haben unterschiedliche Sichtweisen auf diese Reise. Worüber wir uns ganz einig sind, ist, dass wir die Zeit zusammen genießen möchten. Dass wir die Reise zu unserer Reise machen werden. Dass wir unsere tagtäglichen Abenteuer ganz bewusst erleben.

Inspiration zum Blognamen habe ich vom Herrn Tucholsky:

Entspanne dich.
Lass das Steuer los.
Trudle durch die Welt,
sie ist so schön.
Gib dich ihr hin
und sie wird sich dir geben.

Ein Reise-/Gedanken-/Lebensmotto, das mich und uns auf dieser Reise begleiten wird.

Ich freue mich, wenn meine Geschichten gelesen werden.

• K •

P.S.: Die Reisegeschichte schreibe ich, die Fotos sind von Gastón.